ETF im Alter

  • Hallo,

    ich muss fast 60 Jahre werden um mich mit ETF´s zu beschäftigen. Meine Geldanlage ist aktuell in Festgeld und Tagesgeld angelegt. Da ich aber noch Sparpotenzial habe, überlege ich, ob es sinnvoll ist, jetzt noch in ETF´s zu investieren.

    Der Anlagehorizont sollte nicht über 10 Jahre hinaus gehen. Rechnet sich ein ETF?

    VG

    Stefan

  • Ich habe die 10 Jahre erstmal so festgelegt, da ich ja noch etwas von dem Geld haben möchte. Der ETF rechnet sich ja erst richtig über einen längeren Zeitraum. Das weiß ich, aber leider ist die Zeit begrenzt;)

  • Der Anlagehorizont sollte nicht über 10 Jahre hinaus gehen. Rechnet sich ein ETF?

    Tja, leider haben wir keine Glaskugel, es gab schon 10 Jahre da wärst du im Minus gewesen, aber auch welche wo deine Anlage sich mehr als verdoppelt hat. Wenn du dir einen Puffer schaffst und nicht unbedingt alles mit 70 brauchst, machst du sicherlich mit einem ETF nichts falsch.

  • Der Anlagehorizont sollte nicht über 10 Jahre hinaus gehen. Rechnet sich ein ETF?

    Wenn du in den 10 Jahren alles Geld ausgeben willst, dann rechnet sich voraussichtlich ein Aktien-etf nicht.
    Wenn du aber mit 70 Jahren davon noch was zum Ausgeben haben willst, dann lohnt sich vielleicht 30-50% in Aktien-etfs anzulegen und den Rest auf TG und FG zu lassen.

  • Ich habe die 10 Jahre erstmal so festgelegt, da ich ja noch etwas von dem Geld haben möchte. Der ETF rechnet sich ja erst richtig über einen längeren Zeitraum. Das weiß ich, aber leider ist die Zeit begrenzt;)

    Ich erlebe gerade mal wieder im Freundeskreis, wie kurz das Leben sein kann.

    Man sollte sich auch mal was gönnen, wer weiss, wie.es einem in 10 Jahren geht.

  • Hallo,

    ich muss fast 60 Jahre werden um mich mit ETF´s zu beschäftigen. Meine Geldanlage ist aktuell in Festgeld und Tagesgeld angelegt. Da ich aber noch Sparpotenzial habe, überlege ich, ob es sinnvoll ist, jetzt noch in ETF´s zu investieren.

    Der Anlagehorizont sollte nicht über 10 Jahre hinaus gehen. Rechnet sich ein ETF?

    VG

    Stefan

    Moin Stefan Lang

    Die Vorredner haben ja schon super Hinweise gegeben mit weiteren Infos (Links).

    Grundsätzlich würde ich sagen, gibt es nicht richtig oder falsch.

    Ich bin sicher, wenn du uns noch einwenig mehr mit Zahlen und konkreten Ideen, Wünschen und Erwartungen unter die Arme greifen würdest, wäre das für noch wertvollere Tips hilfreich.

    Was ich für mich sagen werden: Ich werde so lange wie möglich in den Aktienmarkt investieren und mit meinem Ableben wird das Depot auf meine Erben übergehen, denen ich vorher eine Finanzgrundausbildung gegeben habe, als DIY Anleger


    Viel Erfolg,

    Finanzschlumpf

  • Stefan,mit 70 brauchst du nicht mehr viel,Eigene Erfahrung, bin 72.Lebe jetzt und nicht in der Zukunft.Ich habs leider verpaßt und immer nur ans Sparen und die Geldvermehrung gedacht.

    Habe mit 68 noch in ETFs investiert und 2025 Alles mit ordentlich Gewinn verkauft.Jetzt bin ich am Liebsten zu Hause.

    D.

  • Ob man im Alter viel oder wenig Geld braucht gehen die Meinungen auseinander. In der englischen Literatur findet man den Ausdruck "Retirement Spending Smile". Damit kommt zum Ausdruck, dass man zu Beginn des Ruhestands einen höheren Bedarf hat. Das können Ausgaben für Reisen sein oder die Renovierung des eigenen Hauses. Danach sinken die Ausgaben bis auf rund 3/4 der ursprünglichen Ausgaben. Das Tief erreicht man in der Regel mit Anfang 80. Danach aber steigen die Ausgaben wieder, vermutlich durch Pflegekosten. Mit 95 (so man sie erlebt) sind sie dann höher als zu Beginn.

    Natürlich kann die Ausgabenkurve individuell anders aussehen. Der eine freut sich auch noch mit Anfang 80 an ausgedehnten Reisen und andere sind bereits mit 70 ein Pflegefall. Klar kann man denken, schlimmstenfalls zahlt die Allgemeinheit für mich, wenn ich nicht genug Geld habe. Ich muss in dem Zusammenhang an Marcel Reich-Ranicki denken, der mal gesagt haben soll: "Geld allein macht nicht glücklich, aber es ist besser, in einem Taxi zu weinen als in einer Straßenbahn". Aber auch das muss jeder für sich selbst entscheiden, wie er die Schwerpunkte setzt.

    Wer schon früh Erfahrungen mit der Anlage in Aktien (ETFs) gemacht hat, tut sich leichter, das auch in fortgeschrittenem Alter fortzuführen. Man braucht einen langen Atem und Standfestigkeit, um schlechte Phasen gut zu überstehen. Mit entsprechenden Erfahrungen, wächst die Zuversicht, dass sich das lohnt. Wenn man erst mit 60 anfängt mit dem Thema wäre ich deutlich vorsichtiger, denn es gibt kaum etwas schädlicheres als wenn man bei einer Korrektur seine Aktien verkauft. Du musst also sicher sein, dass Du den Teil, den Du in Aktien investieren willst, auch längerfristig halten wirst. Dazu mach Dir Gedanken, was Deine Anlageziele sind. Wichtige Fragen in dem Zusammenhang ist ein grober Plan, wann Du wie viel von Deinen Ersparnissen zum Leben verwenden willst. Ebenfalls wichtig ist die Frage ob Du alles aufbrauchen möchtest oder ob etwas vererbt werden soll. Wie denkst Du wirst Du mit schwankenden Kurswerten umgehen? Welche Erträge brauchst Du später aus dem Depot? Reicht Dir eine Rendite von knapp unter Inflationsausgleich oder soll/muss es etwas mehr sein?

    Auch wenn Du das im Moment noch nicht sicher beantworten kannst, solltest Du versuchen, Dir die potentiellen Verluste in Euro vorzustellen. Aktien können in schweren Krisenzeiten um 50 oder gar 60 % einbrechen. Am schlimmsten ist es, wenn die Kurse dann jahrelang unten bleiben, bevor sie sich wieder erholen. Wenn Du also 100k in Aktien investierst, könnten mehr oder weniger über Nacht 60k im Depot fehlen. Mit etwas Glück, hast Du die Verluste in 2 Jahren wieder aufgeholt, es kann aber auch etwas länger dauern.

    Für Aktien braucht es einen langen Atem, weil man bei "nur" zehn Jahren auch mal mit Verlusten rechnen muss. Bei 15 Jahren sind es schon deutlich besser aus. Zum Glück ist es aber so, dass Du ja nicht Deine kompletten Ersparnisse zu Beginn des Rentenalters benötigen wirst. Deine defensiven Anlagen werden vermutlich ausreichen, um beispielsweise die ersten fünf Jahre abzudecken und schon bist Du bei einer Anlagedauer von fünfzehn Jahren. Mir persönlich hat das Renditedreieck sehr geholfen, die Wertentwicklung über unterschiedlich lange Zeiträume zu verdeutlichen. Hier findest Du die Tabellen für den MSCI World und für den DAX. https://www.dai.de/rendite-dreiecke
    https://de.scalable.capital/assets/kcbf79i…ecke_Slides.pdf

    Zurück zu Deiner Ausgangsfrage. Überlege Dir, welcher Aktienanteil Deiner Meinung nach für Deine Anlageziele sinnvoll ist. Ich gehe davon aus, dass Du bereits jetzt ein Polster fürs Alter zurückgelegt hast. Ich rechne jetzt mit fiktiven Zahlen, die Du für Deine Zwecke anpassen kannst.

    Bisherige Ersparnisse 100.000 Euro
    Sparraten bis zum Rentenalter ca. 60.000 Euro
    Eine Aktienquote von 30 % zum Rentenbeginn (Inflationsausgleich)

    Vorgehensweise: Jetzt 30.000 Euro direkt in Aktien ETFs investieren und in den Folgejahren die Sparrate 30/70 aufteilen. Wenn die Börse gut läuft, den Aktienanteil in der Sparrate in den letzten Jahren reduzieren.

    Eine Aktienquote von 30 % sollte ausreichen, um langfristig die Inflation auszugleichen. Wenn Du risikobereiter bist, kannst Du auch über bis zu 50 % Aktienanteil nachdenken. Höhere Aktienanteile würde ich nur ins Auge fassen, wenn Du beispielsweise einen großen Teil der Ersparnisse später vererben willst und einen gesunden Nachtschlaf hast. Also eher nicht geeignet für Einsteiger.

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