Stiftungen und Spenden (aus dem KISS-Thread)

  • Hallo Tomarcy  90 Prozent Aktien  Hornie

    wie es aussieht, gibt es für das Thema Geld spenden und Geld stiften hier im Forum tatsächlich mehr Interesse, als ich gedacht habe.

    Ich war ja immer der Meinung: Hier geht’s in erster Linie ums Geld vermehren – das Ausgeben kommt dann später… meistens deutlich später

    Jetzt aber zu Deiner Frage, wie so eine Stiftung eigentlich „tickt“:

    Der Stifter – also derjenige, von dem das Geld ursprünglich kommt – ist in der Regel auch der Vorstand. Der legt bei der Gründung fest, wofür das Geld da ist und wie es grundsätzlich angelegt werden soll. Das steht dann in der SATZUNG

    Bei mir ganz einfach:

    Kultur vor Ort unterstützen. Also kein exotischer Zirkus in Südamerika, sondern das, was vor der eigenen Haustür passiert.

    Jetzt wird’s interessant:

    Langfristig braucht jede Stiftung einen sogenannten Stiftungsrat.
    Das sind meist ein paar (vernünftige) Leute (meistens mindestens vier), die sich einmal im Jahr zusammensetzen und schauen, ob noch alles sauber läuft.

    Und jetzt kommt der kleine, aber feine Unterschied:
    Nicht der Vorstand allein entscheidet dauerhaft, sondern der Stiftungsrat hat das letzte Wort bei wichtigen Dingen – aber immer im Rahmen der Satzung.

    Heißt übersetzt:
    Wenn der Stifter am Anfang reinschreibt „nur Festgeld und Sparbuch“, dann wird das auch so gemacht – egal wie verlockend die Börse gerade aussieht.

    Und wenn drinsteht Geld für Künstler, dann geht das Geld eben nicht plötzlich ans Tierheim, nur weil der Kassenwart Hunde lieber mag als Theater 😄

    Zu Deiner konkreten Frage:

    Der Stiftungsrat wird in der Regel für ein paar Jahre bestellt (oft 4 Jahre). Danach kann man verlängern – oder auch mal frischen Wind reinlassen.

    Formal wählen sich die Gremien oft selbst nach, aber ganz ehrlich:
    Solange der Stifter noch lebt, wird normalerweise keiner gegen dessen klare Empfehlung arbeiten. Alles andere wäre sportlich… und meist auch nur einmal

    Ich habe bei mir noch einen kleinen „Schwaben-Trick“ eingebaut:
    Der jeweilige Oberbürgermeister sitzt automatisch im Stiftungsrat – kraft Amt.

    Warum?
    Damit über die Jahre nicht nur Freunde, Bekannte und Cousins dritten Grades am Tisch sitzen. Ein bisschen Neutralität schadet nie.

    Jetzt sind wir schon ziemlich tief im Maschinenraum der Stiftung angekommen – ich weiß gar nicht, ob das hier im Forum alle wirklich interessiert.

    Hier geht’s ja eher um Rendite als um Nachlassregelung

    Aber gut, mit knapp 80 schaut man halt ein bisschen weiter nach vorne als nur bis zur nächsten Quartalsdividende.

    Aktuell versuche ich übrigens meinen Stiftungsrat davon zu überzeugen, das gesamte Kapital in Dividenden-ETFs zu stecken.
    Also weg vom Sparbuch, hin zu laufenden Erträgen.

    Ob mir das gelingt?

    Am 14.4. weiß ich mehr – da ist Sitzung im Rathaus, ganz offiziell im Amtszimmer.
    Ich melde mich gerne

    Grüße
    McProfit

  • die gesetzlichen Vorschriften je nach Bundesland andere

    Das ist korrekt, Stiftungsrecht ist Ländersache. Womöglich gibt es sogar Unterschiede von einem Regierungspräsidium zum Nächsten.

    Hier gibt es gar keinen Stiftungsrat, die Anlagepolitik ist Aufgabe des Stiftungsvorstands. Oft gibt es noch ein Kuratorium, das mit einem Aufsichtsrat vergleichbar ist. Prinzipiell ist in der Satzung recht frei definierbar, welche Stiftungsorgane es geben soll.


    Kater.Ka: Danke für die Neusortierung des Themas!

  • Hallo Hornie

    irgendwie will mir Deine Argumentation noch nicht so ganz einleuchten –

    vielleicht steh ich auch einfach auf der Leitung, kommt ja im fortgeschrittenen Alter vor

    Eine Stiftung gründet man ja gerade deshalb, weil das Vermögen dauerhaft erhalten bleiben soll und die Erträge über viele, viele Jahre – oft über Generationen hinweg – einem guten Zweck dienen.

    Der Stifter selbst ist – wenn überhaupt – nur für eine vergleichsweise kurze Zeit aktiv im Vorstand.

    Danach kommen Nachfolger, und danach wieder Nachfolger. Wir reden hier nicht über einen Fünfjahresplan, sondern eher über Zeiträume, bei denen man schon fast in Jahrhunderten denkt.

    Und genau da hakt es für mich:
    Es kann doch nicht ernsthaft gewollt sein, dass eine einzelne Person – also ein alleiniger Vorstand – dauerhaft über Kapitalanlage und Mittelverwendung entscheidet. Vor allem dann nicht, wenn dieser Vorstand gar nicht mehr der ursprüngliche Stifter ist, sondern schon die zweite oder dritte Generation.

    Da stellen sich für mich ganz praktische Fragen:
    Wer bestimmt denn den nächsten Vorstand?
    Wer kontrolliert ihn?
    Und wie lange bleibt der dann im Amt – lebenslänglich?

    Das passt für mich einfach nicht zusammen.

    Aus meiner Sicht braucht es zwingend ein Gremium, egal ob man es Stiftungsrat, Kuratorium oder Beirat nennt. Der Name ist zweitrangig – entscheidend ist die Funktion: Kontrolle, Auswahl, Korrektiv.

    Ohne so ein Gegengewicht läuft man Gefahr, dass sich ein Vorstand verselbständigt.

    Und spätestens dann würde sich der ursprüngliche Stifter vermutlich im Grab umdrehen, wenn er sieht, was aus seiner Idee geworden ist.

    Zumindest hier bei uns im Großraum Stuttgart habe ich noch keine funktionierende Stiftung gesehen, die langfristig ohne ein solches Gremium auskommt.

    Sorry, jetzt bin ich doch wieder ein bisschen ins Grundsätzliche abgerutscht – aber das Thema lässt mich halt nicht ganz kalt

    Viele Grüße McProfit

  • Sorry, McProfit, da habe ich mich wohl unglücklich ausgedrückt. Du hast absolut recht, die Funktionen müssen und sind immer vorhanden. Die Verteilung und die Begriffe sind unterschiedlich und können in der Satzung recht frei definiert werden. Die Bezeichnung "Stiftungsrat" ist hier unüblich.

    Beispiel 1: Es gibt einen Stiftungsvorstand, von dem 4 Personen von einem Vereins-Vorstand für 5 Jahre gewählt wird. Weiterhin gehören der Stifter und eine weitere Person, die der Stifter benannt hat, zum Vorstand. Der Vorstand verwaltet die Stiftung, einschließlich der Kapitalanlagen. Als zweites Organ gibt es ein Kuratorium, das den Jahresbericht abnimmt.

    Beispiel 2: Eine andere Stiftung hat tatsächlich nur ein Organ. Deren Mitglieder werden teilweise von einer anderen Stiftung gewählt und sind teilweise qua Amt Mitglied. Die Kontrolle liegt wieder extern bei der anderen Stiftung.

    In jedem Fall geht ein Jahresbericht an das RP als Stiftungsaufsicht (und alle 3 Jahre zum Finanzamt).

  • Das Interesse an Stiftungen kommt eigentlich ganz automatisch, wenn man mehr Vermögen aufbaut als man benötigt. So etwas passiert mehr oder weniger zufällig und irgendwann sieht man, dass man jeden Monat prassen könnte. Bei mir war das jedenfalls der Ursprung des Gedankens. Wenn ich weiterhin nur den Betrag entnehme, den ich für ein gutes Leben brauche, dann vermehrt sich das Vermögen oberhalb des Inflationsausgleichs. Daher habe ich vor ein paar Jahren entschieden, jedes Jahr 3 % zu entnehmen, wovon ich aber nur die Hälfte für mich selbst benötige. Das was übrig bleibt habe ich seitdem konsequent gespendet.

    Wenn die Kinder auf eigenen Füßen stehen oder keine Erben existieren, denen man hohe Beträge vermachen will, dann fängt man an, sich mit sinnvollen Möglichkeiten zu beschäftigen. Über eine Stiftung spenden ist nicht nur nachhaltig im besten Sinn sondern auch effektiv. Man muss sich ja gar nicht zwingend selbst mit der Mittelverwendung beschäftigen, was leicht in Arbeit ausarten kann.

    Mir schwebt genau so eine Lösung vor, wie McProfit sie beschreibt. Hoher Aktienanteil mit Ausschüttungen, die jährlich entnommen werden. Allerdings war ich mit meinen Bemühungen nicht erfolgreich, weil mir immer wieder gesagt wird, so dürfe man nicht investieren. Besonders schlimm sind die teilweise von Banken beworbenen Stiftungen unter ihrer Führung, bei der vor allem die Bank verdient. So etwas ist definitiv keine Option.

    Hat hier jemand praktische Erfahrung mit gemeinnützigen Stiftungen in Bayern?

  • Besonders schlimm sind die teilweise von Banken beworbenen Stiftungen unter ihrer Führung, bei der vor allem die Bank verdient.

    Das ist in der Tat so. Von Stiftungsdienstleistungen der Banken halte ich mich sehr fern.

    Aber schon ein einfaches Girokonto kann ein Problem sein. Die billigen Online-Banken eröffnen ja nur Konten für Privatpersonen. Eine Stiftung zählt als Gewerbekunde mit hoher Grundgebühr und zusätzlich teilweise 0,60 € je Buchung!

    Hat hier jemand praktische Erfahrung mit gemeinnützigen Stiftungen in Bayern?

    Hatte ich mal vor vielen Jahren probiert. Die Anforderungen waren aber besonders hoch. Letztlich haben wir es einfach in Hessen gemacht. Wo der juristische Sitz ist, war für uns unwichtig.

  • Nordnordlicht Ja ich meinte Dich und Deine Antwort beantwortet meine Frage leider nicht.

    Ich habe mich bezüglich der Anlagepolitik meiner bevorzugten Stiftung informiert und das was ich erfahren habe, hat mir absolut nicht gefallen. Das ist eine klare Geldvernichtung, wenn man lediglich auf den nominellen Erhalt des Stiftungsvermögens abzielt.

  • Hallo zusammen,

    die Finanztip Stiftung z.B. verfolgt bei der Geldanlage im Kern die gleichen Prinzipien, die auch für Privatanleger empfohlen werden – allerdings angepasst an die besonderen Anforderungen einer Stiftung (Kapitalerhalt, planbare Erträge, langfristiger Zweck).

    Grundidee der Anlagestrategie:

    • Breite Streuung weltweit: Ein wesentlicher Teil des Vermögens wird in weltweit gestreute Aktien investiert, typischerweise über kostengünstige ETFs.
    • Langfristiger Anlagehorizont: Da Stiftungen auf Dauer angelegt sind, können sie Marktschwankungen aussitzen und stärker auf Rendite setzen als sehr kurzfristig orientierte Anleger.
    • Kombination mit sicheren Anlagen: Ein Teil des Vermögens liegt in vergleichsweise stabilen Anlagen (z. B. Anleihen oder Liquidität), um Ausgaben und den Stiftungszweck auch in schwächeren Börsenphasen sicherzustellen.

    Typische Ausgestaltung:

    • Aktienanteil: Häufig ein relevanter Anteil (teils auch mehr als 50 %), um langfristig reale Rendite zu erzielen.
    • Sicherheitsbaustein: Dient dazu, laufende Ausschüttungen zu ermöglichen und Risiken zu begrenzen.
    • Kostenfokus: Einsatz günstiger ETFs statt teurer aktiver Fonds.

    Wichtiger Punkt bei Stiftungen:
    Im Gegensatz zu vielen privaten Anlegern müssen Stiftungen besonders darauf achten, dass das Vermögen real erhalten bleibt. Nur mit sehr konservativen Anlagen (z. B. Tagesgeld allein) ist das auf Dauer kaum möglich – deshalb spielt der Aktienanteil eine entscheidende Rolle - wie meistens.

    LG

  • Nordnordlicht Ja ich meinte Dich und Deine Antwort beantwortet meine Frage leider nicht.

    Ich habe mich bezüglich der Anlagepolitik meiner bevorzugten Stiftung informiert und das was ich erfahren habe, hat mir absolut nicht gefallen. Das ist eine klare Geldvernichtung, wenn man lediglich auf den nominellen Erhalt des Stiftungsvermögens abzielt.

    Der Kapitalgrundstock dient zu Erwirtschaftung von Kapital für die Stiftungsziele. Die Unternehmensbewertungen für Wertpapiere/Aktien wird von auf Nachhaltigkeit spezialisierten unabhängigen Ratingagenturen vorgenommen. Das Kapital fliesst weder in die fossile Wirtschaft noch in die Rüstungsindustrie oder industrielle Tierhaltung, sondern in erneuerbare Energien, Speichertechnologien, Bildungsförderung etc.

    Das wird noch weiter ausgeführt, ich kürze das mal hier ab. Diese Ziele und Anlagestrategie kann ich zu 100% unterstützen und sie sind alle im Sinne der Satzung der Stiftung, die seit mehr als 25 Jahren arbeitet und also keine Eintagsfliege ist. Das Stiftungskapital lag 2024 bei 37,9 Mio. €.

    HTH

  • Hallo adrianberg

    ich hab Deinen Beitrag zum Thema Stiftung gelesen – und ganz ehrlich:

    fachlich sicher alles sauber, aber beim Lesen hatte ich das Gefühl, ich sitz wieder im Unterricht…

    Das war mir ein bisschen zu geschniegelt, zu glatt, zu „Lehrbuch Seite 37 oben“. Da war wenig adrianberg drin und viel „so würde es ein Dozent formulieren“.

    Jetzt mal ganz offen und mit einem Augenzwinkern:


    Entweder hast Du da sehr fleißig irgendwo abgeschrieben – oder Du hast Dir einen digitalen Ghostwriter genommen, der noch nie ein schwäbisches Vesper gegessen hat

    Ich nutze sowas ja selber auch – zum Korrigieren, Rechnen, Recherchieren..

    Aber am Ende sollte halt noch der Mensch durchscheinen. Sonst lesen wir hier alle nur noch Bedienungsanleitungen.

    Und genau das macht ja so ein Forum spannend:

    die eigenen Erfahrungen, die kleinen Macken, die persönliche Sicht – nicht das perfekte Hochglanzpapier.

    Also: fachlich top, keine Frage.
    Aber ich freu mich beim nächsten Mal wieder auf den echten adrianberg – mit Ecken, Kanten und ein bisschen Leben drin.

    Viele Grüße
    McProfit

  • Da ich, bzw. wir - Meine Frau und ich, keine Kinder haben, spielen wir auch mit dem Gedanken einer Stiftung oder ähnliches. Erste Infos haben wir uns schon geholt. Etwas abschreckend finde ich die Kosten bei einer eigenen Stiftung. Deswegen meine grundsätzliche Frage an die Experten: Bei uns geht es um ein Vermögen von ca. 2 Mio Euro. Ist da überhaupt eine eigene Stiftung ratsam, oder eher eine Zustiftung oder sogar "nur" eine Schenkung?

    Schon mal Danke für Eure antworten.

  • Etwas abschreckend finde ich die Kosten bei einer eigenen Stiftung.

    Welche Kosten meinst Du denn?

    Du kannst eigentlich alles selbst machen und dann kostet es auch nichts. Mustersatzungen etc. findet man im Internet oder lässt sich direkt vom RP schicken. Zum Finanzamt schickt man nur die Satzung, die Steuererklärung alle 3 Jahre mache ich in 10 Minuten. E-Mails kann ich auch.

    Wenn Du einen Notar benötigst, der nur einen Brief an das RP schreibt, einen Bankberater für die Anlagen, einen Steuerberater für einen Brief an das Finanzamt, einen Rechtsanwalt, der die Mustersatzung kopiert und einen Dienstleister für die Geldanlagen, dann wird es schnell teuer.

    Die Stiftungen, die ich betreue sind alle deutlich unter 2 Mio.

    Ich habe mal von einer Stiftung gehört, die soll ein Grundkapital von nur 5.000€ haben. Der Stiftungszweck ist die Pflege eines kleinen Denkmals, da reiche das angeblich.

  • Hallo ThomasPfister und auch ein Dank an Hornie,

    ich schreib Dir das mal so, wie ich es selbst gemacht habe – ganz praktisch.

    Gleich vorweg: so kompliziert wie viele denken, ist das Ganze nicht.

    Und für eine gemeinnützige Stiftung brauchst Du nicht automatisch viel Geld.

    Du kannst eine Stiftung schon mit ca. 100.000 € starten.

    Mehr ist natürlich besser, weil dann auch mehr Ertrag rauskommt. Ich persönlich finde: lieber früh anfangen mit kleinerem Betrag und Erfahrung sammeln, als ewig warten und dann gar nichts machen. Wenn die Stiftung mal besteht, kannst Du jederzeit aufstocken, zu Lebzeiten oder beim Tod.

    Du brauchst einen Namen, z. B. „Thomas-Pfister-Stiftung“ oder etwas mit Zweck wie „Pfister Kulturstiftung“. Ich hab meinen Namen auch drin – macht es einfacher und persönlicher.

    Dann brauchst Du die Satzung.

    Das klingt größer als es ist, am Ende sind das ein paar Seiten. Da steht drin: was ist der Zweck (Kultur, Soziales, Tiere – was Dir wichtig ist), was passiert mit dem Geld.

    Der Stiftungsrat (meist 4 Ehrenamtliche) entscheiden über die Ausschüttungen, wer kontrolliert das Ganze und ganz wichtig: was passiert nach Dir. In der Regel folgt der Stiftungsrat den Vorstellungen des Vorstands wenn dieser selbst der Gründer ist und Stifter ist. Da geht es eher nach der Regelung wenn Du man nicht mehr dabei bist.

    Mein Tipp: einfach mal Mustersatzungen im Internet anschauen und anpassen, das Rad musst Du nicht neu erfinden.

    Die Gründungsurkunde kann man beim Notar machen, dann kostet es eine einmalige Gebühr, man kann es aber auch selbst formulieren. Das Regierungspräsidium prüft ohnehin, daher ist ein Notar nicht notwendig.

    In der Regel bist Du am Anfang selbst der Vorstand.

    Aber es darf nicht sein, dass einer alleine macht, was er will. Deshalb gibt es meistens noch ein Gremium dazu, z. B. einen Stiftungsrat. Bei mir sind das vier Leute, die schauen einmal im Jahr drüber, mehr Aufwand ist das nicht. Die machen das ehrenamtlich.

    Dann schickst Du eine Brier und die Satzung an die Stiftungsaufsicht (in Baden-Württemberg das Regierungspräsidium).

    Wenn das passt, bekommst Du die Anerkennung und vom Finanzamt die Gemeinnützigkeit.

    Ab dann wird es interessant: Deine Einzahlungen sind steuerlich absetzbar und Spenden von anderen auch. Und die Erträge der Stiftung – Dividenden, Zinsen (oder auch Mieten, wenn eine Stiftung Immobilien hat) – sind steuerfrei.

    Die Verwaltung ist ehrlich gesagt kein Hexenwerk.

    Viele stellen sich das riesig vor, ist es aber nicht.

    Beispiel: 1 Mio. Kapital, jährlicch 3 % Ertrag = 30.000 €.

    Diese 30.000 € verteilst Du auf ein paar Projekte, fertig ist das Jahr.

    Ich habe ehrenamtliche Helfer, die die Anträge auf Unterstützung anschauen und mich beratern. Auch die ehrenamtlichen Stiftungsräte erhalten für die jährliche Sitzung kein Honorar, dafür lade ich sie zum Rostbraten ein. Nur der Steuerberater bekommt ein kleines Honorar.

    Zur Geldanlage:

    Ich empfehle ausschüttende Dividenden-ETFs. Warum?

    Sie bringen laufende Erträge, wachsen langfristig mit und machen wenig Arbeit. Da gibt es viele Meinungen, das ist einfach mein Weg.

    Wichtig ist, dass diese Geldanlage in der Satzung steht – am besten nicht nur diese Anlage, sondern auch ähnliche Anlagen, Festgeld, Anleihen usw.

    Und noch ein Gedanke aus der Praxis:

    Starte zu Lebzeiten.

    Du siehst, ob Dir das überhaupt Spaß macht, kannst nachsteuern und später einfach weiter aufstocken. Wenn die Stiftung mal steht, ist alles andere wirklich einfach.

    Kleiner Nebeneffekt:

    Wenn Du lokal förderst, berichtet die Presse gern, Du lernst interessante Leute kennen und bist plötzlich überall eingeladen. War bei mir auch so, war nie das Ziel, kommt aber automatisch.

    Wenn Du magst, kann ich Dir auch mal konkret zeigen, wie ich meine Satzung aufgebaut habe oder worauf man bei der Nachfolge achten sollte – das sind dann die wirklich wichtigen Punkte.

    Für den Einstieg reicht das aber erstmal völlig.

    Gruss
    McProfit

  • [...]

    Ist da überhaupt eine eigene Stiftung ratsam, oder eher eine Zustiftung oder sogar "nur" eine Schenkung?

    Schon mal Danke für Eure antworten.

    Das würde ich so pauschal nicht beurteilen wollen, da ich die Motivation hinter dem Gedanken nicht kenne.

    Meine Motivation für die Zustiftung war die Unterstützung der Stiftungsziele, die ich zu 100% teile. Ich wollte das Rad nicht neu erfinden, bin auch kein Kontrollfreak und denke, das Kapital ist bei einer 25 Jahre bestehenden funktionierenden Stiftung, der ich vertraue, gut aufgehoben. Es reicht mir, einmal jährlich über die Stiftungserfolge berichtet zu bekommen und zu informellen Treffen eingeladen zu werden.

    Vielleicht hilft ja dieser etwas ältere aber kurze Thread bzw. die Links darin, das Wissen zu vertiefen:

    Altsachse
    7. September 2016 um 20:54

    Ich wünsche gute Entscheidungen!

  • Hallo Nordnordlicht

    Mit einer sogenannten "Zustiftung" erreichst Du dasselbe Ziel. Dein Betrag ist Teil des Stiftungskapitals einer vorhandenen Stiftung und die Erträge fließen dem Stiftungszweck zu.

    Mit einer eigenen Stiftung kannst Du natürlich mehr gestalen, mehr Einfluss nehmen und bist natürlch auch mehr in der Öffentlichkeit, sofern man das will.

    Das muss letztlich jeder für sich entscheiden.

    Bei kleineren Beträgen - sagen wir mal bis 100.000 Euro macht eine eigene Stiftung nur Sinn wenn man in absehbarer Zeit aufstocken will.

    Gruss McProfit

  • Wenn einem als Stifter die Anlagerichtlinie nicht gefällt, kann man einen kleinen Umweg gehen.

    Die Stiftung gründet eine GmbH - der Stifter lässt sich zum Geschäftsführer machen und kann wieder (zum Teil) anlegen wie er will. Das ganze Vorhaben muss man aber natürlich zuerst durchbekommen, aber prinzipiell wäre das ein Weg.

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