Cyber Sicherheit als Deep Risk

  • Ein realeres Risiko ist wohl eher, das ähnlich wie man es immer wieder mal von Krypto-Wallets hört, das die Papiere unbefugt transferiert wurden. Sagen wir Nord-Korea beschafft sich seine eigene Kopie von Claude Mythos und bricht mit deren Hilfe in die Computer einer Clearingstelle ein und transferiert alle Papiere auf eine Bank in Usbekistan oder whatever.

    Clearingstelle pleite, die Finanzunternehmen die dort die Papiere lagerten pleite => du kannst zwar dein Eigentum nachweisen und die verklagen, aber ohne Substanz ist da nichts zu holen. Und die Gerichte in Usbekistan nehmen deine Klage gar nicht erst an.

  • So bewertet ChatGPT das Risiko:

    Ja, denkbar ist das grundsätzlich. Aber die reale Struktur des Wertpapiermarkts macht so ein Szenario deutlich schwerer als bei Krypto.

    Der entscheidende Unterschied:
    Bei Kryptowährungen gilt oft praktisch „wer den Schlüssel hat, besitzt das Asset“. Bei normalen Wertpapieren existiert ein ganzes Netz aus:

    • zentralen Verwahrern
    • Clearingstellen
    • Depotbanken
    • Registern
    • regulatorischen Kontrollen
    • manuellen Prüfprozessen
    • Rückabwicklungen

    Ein Angreifer müsste also nicht nur „einen Transfer auslösen“, sondern:

    • mehrere Systeme kompromittieren
    • Prüfketten umgehen
    • regulatorische Meldungen vermeiden
    • Gegenparteien zur Anerkennung bringen
    • und das Geld anschließend tatsächlich waschen

    Das ist wesentlich komplizierter als ein Wallet-Drain.

    Trotzdem ist dein Kernpunkt nicht absurd:
    Das eigentliche systemische Risiko wäre nicht „die Aktie verschwindet“, sondern:

    • massive Buchhaltungs- und Eigentumschaos
    • eingefrorene Depots
    • jahrelange Gerichtsverfahren
    • Insolvenzen von Intermediären
    • temporäre Nichtverfügbarkeit der Vermögenswerte

    Das gab es in kleinerem Maßstab bereits:

    • Betrug bei Depotbanken
    • fehlerhafte Eigentumszuordnungen
    • Madoff
    • Lehman-Insolvenz
    • Cyberangriffe auf Finanzinfrastruktur
    • Fehler bei Zentralverwahrern

    Bei einer zentralen europäischen Clearingstelle wie Clearstream oder einer US-Infrastruktur wie Depository Trust & Clearing Corporation wären allerdings mehrere Schutzebenen vorhanden:

    • getrennte Eigentumsregister
    • tägliche Abstimmungen
    • externe Gegenbuchungen
    • regulatorische Audits
    • Notfallprozeduren
    • internationale Zusammenarbeit

    Selbst wenn ein Hacker temporär falsche Umbuchungen erzeugt, heißt das nicht automatisch, dass das Eigentum endgültig verloren ist. Wertpapiertransaktionen können eingefroren oder rückabgewickelt werden. Das ist bei Blockchain-Systemen oft gerade nicht möglich.

    Der wirklich kritische Teil in deinem Szenario wäre:

    • internationale Durchsetzung
    • politische Schutzräume
    • gleichzeitige Insolvenz mehrerer Finanzintermediäre
    • Vertrauensverlust ins System

    Denn dann könnte es passieren, dass du zwar formal Eigentümer bist, aber praktisch jahrelang keinen Zugriff bekommst.

    Das ist eher ein „Finanzsystem-Katastrophenszenario“ als ein normales Anlagerisiko. Nicht unmöglich, aber deutlich näher an:

    • globalem Cyberkrieg
    • staatlich unterstützten Angriffen
    • oder systemischen Finanzkrisen

    als an einem gewöhnlichen Broker-Hack.

  • Wer überprüft denn die Signatur, wenn die IT der Bank den Bach runtergegangen ist? Muss der ausstellende Schlüssel einer unabhängigen Instanz zur Sicherheit übergeben werden? Wäre das überhaupt eine zusätzliche Sicherheit? Oder wäre dss eher eine potentielle Sicherheitslücke? Und was passert, wenn der ausstellende Schlüssel oder der verwendete Algorithmus kompromittert wurde?

    Du versuchst dich wichtig zu machen mit irgendwelchen Einwürfen, die komplett am Thema vorbeigehen und zeigen, dass du nicht wirklich verstehst, was geschrieben wird.

    Nur so als Tipp: Der "ausstellende Schlüssel" muss nicht an unabhängige Instanz übergeben werden, weil dieser schon von einer solchen ausgestellt wurde und dies anhand der Zertifikatskette nachvollziehbar ist.

    Auch ohne QES hat ein von einer Bank digital ausgestelltes Dokument schon eine gewisse Beweiskraft. Mit QES kann das Dokument definitiv Urkundencharakter haben, was aber eher für das Strafrecht relevant ist.

  • In der cloud?

    Auch. Üblicherweise gibt es bei Backups 3 Stufen:

    - lokal -> schützt vor technischem Defekt und physischem Verlust des Rechners

    - Offsite = an einem anderen Standort -> schützt davor, dass das Rechenzentrum abbrennt

    - Offline, z.B. auf Tape -> schützt davor, dass jemand mit Zugriff das Backup löscht

    Die Häufigkeit der Backups nimmt natürlich ab, je höher die Stufe. Letztlich sind Offsite und Offline schon reine Rückversicherungen

  • Diversifikation hat leider auch Grenzen, insbesondere bei den genannten systemischen Risiken.

    Ich würde aktuell auch keine assets in den USA halten wollen nur um eine andere zentrale Institutionen hinzuzufügen

  • Gibt es noch andere Deep Risks (vernichtend & irreversibel) die euch einfallen?

    Spielchen mit der großen Bombe. Ist für die nähere Zukunft auch wahrscheinlicher als ein Asteroid, denn letztere folgen der Physik und nicht menschlichen Launen. Aber ganz ehrlich...dann ist das Depot die kleinste Sorge.

    Die Beschäftigung mit solchen Szenarien mag den Samstag nett füllen, geht aber an den echten Risiken als Anleger vorbei. Gefährlich sind vor allem ganz mondäne Dinge...Jobverlust mit längerer Arbeitslosigkeit, Scheidung, schwere Krankheit. Die haben das Potential, ein Depot nachhaltig zu entleeren und passieren jedes Jahr zigtausenden im Land. Bei Immobilien auch die Großwetterlage der Wirtschaft. Das Ruhrgebiet war mal eine wohlhabende Gegend mit stabiler Beschäftigung, wer weiß, ob die Autobranche in der Stuttgarter Gegend nicht das gleiche Schicksal erleidet?

    Dazu würde ich über den Zeitraum von 50, 60 und mehr Jahren das politische Risiko nicht unterschätzen. Man tendiert dazu, die aktuelle Situation auf die Zukunft fortzuschreiben...aber wer weiß, wer in 20 Jahren regiert? Und auch wenn plumpe Enteignung durch den Kommunismus eher unwahrscheinlich ist, starke Steuererhöhungen haben einen vergleichbaren Effekt. Dazu kommt, dass man bei einem wirtschaftlichen Niedergang durch verfehlte Standortpolitik eben auch im Humankapital empfindlich verlieren kann

  • Politische Risiken sind interessant. Genauso Jobverlust, Krankheit und ggf Scheidung.

    Ich sehe es in diesen Fällen aber genau andersrum. Dafür habe ich ein depot um mich abzusichern.

    Es gibt mir ein gutes Gefühl flexibel zu sein und einfach mit Reisepass, Kreditkarte und Smartphone irgendwo neu anfangen zu können wenn die Politische Lage sich ändert.

  • Ich halte Claude Mythos für ein gefährliches Instrument, wenn es die Falschen in die Hände bekommen. Da es sich um Software handelt, dürfte dies nur eine Frage der Zeit sein.

    Warum ist das so gefährlich? Bisher war die Suche nach Schwachstellen in Software eine zeitaufwändige Angelegenheit. Während man in quelloffener Software hier leichter vorankommt, ist dies bei closed source ein mühsames Geschäft. Daher werden gute Zero-Day-Schwachstellen auf dem Schwarzmarkt teilweise mit sechsstelligen Summen gehandelt. Mythos vereinfacht die Suche dramatisch, sowohl in open source wie auch in closed source. Man darf bezweifeln, dass die Software-Hersteller, die dieses Tool irgendwann auch zur Verfügung haben werden, mit dem Beheben der Schwachstellen schnell genug hinterherkommen. Und selbst wenn, wird das Patch Management, soweit in Unternehmen und Behörden überhaupt vorhanden, das Ausrollen neuer Versionen signifikant verzögern. Es wird also immer ein Zeitfenster geben, in denen viele Systeme angreifbar sein werden.

    Die Angriffsszenarien sind dann immer ähnlich. Zuerst greift man den Faktor Mensch an. Trotz aller Sicherheitsvorkehrungen wird man immer jemanden finden, der auf die falsche Datei klickt. Noch einfacher funktioniert es mit einem Innentäter, jeder ist bestechlich, es kommt nur auf die Summe an. Hat man dann Systeme mit administrativen Rechten übernommen, kommt jede Hilfe zu spät.

    In einigen Beiträgen hier ist zu lesen, dass es Sicherungen und redundante Datenspeicherung gibt. Dazu ist zunächst einmal zu bemerken, dass die Realität doch manchmal anders aussieht. Aber selbst wenn das Desaster Recovery getestet ist und funktioniert (was es bei hochkomplexen Systemen meist nicht tut), ist das für jemanden mit destruktiven Absichten kein Hindernis. Jeder kennt natürlich diese fiesen Verschlüsselungstrojaner, die Systeme unbrauchbar machen und zur Erpressung verwendet werden. Selbst solch eine primitive Software kann bei voneinander abhängigen Systemen erheblichen Schaden anrichten, weil man die Backups nicht so einfach synchronisiert bekommt. Das führt dann häufig zu wochenlangen Störungen im Betrieb, obwohl man ja ein Backup hatte.

    Und nun denke man noch einen Schritt weiter. Man installiert eine Schadsoftware, die beim Schreiben in Datenbanken den Inhalt verschlüsselt und beim Lesen entschlüsselt. Alles funktioniert wie immer, niemand bemerkt etwas. Das lässt man z.B. einige Wochen laufen, so dass auch mit der Zeit alle Backups den verschlüsselten Datenmüll enthalten. Und dann deaktiviert man die Schadsoftware. Folge: sowohl die Produktivdaten wie auch die Backups enthalten nicht lesbaren Datenmüll. Man kann sich ungefähr vorstellen, was passiert, wenn z.B. Clearstream betroffen ist.

  • Die KI Antwort beruhigt mich etwas

    Ich weiß jetzt nicht genau wie die konkrete Eingabe bei chatgpt war, aber jage das ganze doch mal Gemini oder noch besser Perplexity (die für mich beste KI)

    Es ist fast wie im richtigen Leben, deswegen heißt das hier auch Erde und nicht Paradies.

  • Das war der input

    Micha-1
    9. Mai 2026 um 12:11
  • Gemini bewertet das in der Tat etwas anders:


    Das Szenario ist zwar extrem, berührt aber die wunden Punkte der modernen Finanzarchitektur. Technisch und regulatorisch gibt es jedoch ein paar "Sicherungen", die verhindern, dass das so reibungslos abläuft wie bei einer Krypto-Wallet.
    Hier ist die Analyse der Schwachstellen und der Schutzmechanismen:
    ## Die technische Ebene (Der "Einbruch")
    Clearingstellen (wie Clearstream oder Euroclear) sind die Endgegner der Cybersecurity. Ein Angriff mittels einer staatlich kontrollierten KI ist theoretisch denkbar, aber der Unterschied zu Krypto ist entscheidend:
    * **Zentralisierung:** Krypto-Transaktionen sind nach der Bestätigung auf der Blockchain meist irreversibel. Clearingstellen arbeiten in geschlossenen Systemen (Intranets), die nicht einfach per privatem Key von überall auf der Welt gesteuert werden.
    * **Validierung:** Ein Transfer riesiger Volumina löst sofort manuelle und automatisierte Alarme aus. Es ist nicht nur ein technisches "Knacken" eines Passworts, sondern das Überwinden von Multi-Faktor-Prozessen und physischen Freigaben.
    ## Die rechtliche Ebene (Eigentum vs. Besitz)
    Wenn eine Clearingstelle gehackt wird, ändern sich die Datenbankeinträge, aber nicht die Rechtslage.
    * **Buchgeld vs. Wertpapier:** Wertpapiere sind in Deutschland (und vielen anderen Ländern) oft als Sondervermögen geschützt. Selbst wenn die Clearingstelle oder die depotführende Bank pleitegeht, gehören die Papiere rechtlich weiterhin dir.
    * **Die "Usbekistan-Route":** Hier liegt dein stärkstes Argument. Wenn die Bestände technisch auf eine Bank in einer Jurisdiktion verschoben werden, die nicht kooperiert, hast du ein massives Durchsetzungsproblem. Das Papier ist rechtlich deins, aber die Verfügungsgewalt liegt woanders.
    ## Das systemische Risiko
    Dein Punkt mit der "Substanzlosigkeit" ist entscheidend. Wenn eine zentrale Instanz wie Euroclear (die Billionen an Werten verwaltet) "leergeräumt" würde, bricht das Weltfinanzsystem innerhalb von Stunden zusammen.
    * **Staatsgarantie:** In einem solchen Fall geht es nicht mehr um private Klagen in Usbekistan. Das ist ein kriegerischer Akt. Staaten würden wahrscheinlich die betroffenen Transaktionen schlicht für ungültig erklären und die Datenbanken auf den Stand vor dem Hack zurücksetzen (ein "Hard Fork" für das traditionelle Finanzwesen).
    * **Zwangswirtschaft:** Da die meisten Wertpapiere heute rein digital existieren, ist der "Raub" letztlich nur eine Änderung von Zahlen in einer Datenbank. Die Emittenten (die Firmen, die die Aktien ausgegeben haben) könnten die "gestohlenen" Anteile annullieren und neu ausgeben.
    **Fazit:** Ein solcher Angriff würde eher darauf abzielen, Chaos zu stiften und das Vertrauen zu zerstören, als sich tatsächlich zu bereichern. Im Gegensatz zu Bitcoin gibt es im Aktienmarkt eine zentrale Instanz (den Staat), die im Zweifel den "Reset-Knopf" drücken kann, um die Eigentumsverhältnisse wiederherzustellen. Das Risiko ist also weniger der endgültige Verlust als eine jahrelange Handlungsunfähigkeit deines Depots während der Bereinigung.
    Hältst du die staatliche Handlungsfähigkeit in so einem extremen Krisenfall für schnell genug, oder wäre der Schaden durch die Panik bis dahin bereits irreversibel?

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