Altersvorsorge

  • Liebe Community

    ich werde demnächst 100.000 Euro erben und möchte dieses für 10 Jahre anlegen, da ich dann 67 bin und in Rente gehe. Benötigt wird das Geld bis dahin nicht. Meine Situation ist folgende:

    • Verheiratet
    • Mehr als 100.000 als Tagesgeld auf dem Konto
    • Ein Aktien-ETF Sparplan auf A2PKXG besteht bereits.
    • Freistellungstopf fast ausgeschöpft
    • Niedriges Risiko bzw. Eher konservativ.


    In mehrere Fachzeitschriften habe ich gelesen, das man in

    1. Geldmarkt-ETF
    2. Anleihen-ETF und
    3. IBonds investiert kann.


    Eine Aufteilung wäre z.B.

    1. 20 % in Xtrackers II EUR Overnight Rate Swap UCITS ETF 1C
    2. 25% in iShares Core Euro Government Bond UCITS ETF (Dist)
    3. 55% in

    iShares iBonds Dec 2029 Term EUR Corporate UCITS ETF EUR (Acc)

    iShares iBonds Dec 2030 Term EUR Corporate UCITS ETF EUR (Acc)

    iShares iBonds Dec 2031 Term EUR Corporate UCITS ETF EUR (Acc)

    iShares iBonds Dec 2032 Term EUR Corporate UCITS ETF EUR (Acc)


    Ich würde nun Eure Meinung interessieren, da viele Fachzeitschriften auch nicht immer unabhängig sind (Werbung) und ich einen Bankberater nicht treue, da er nur seien Produkte verkaufen möchte.


    Ist das alles einigermaßen OK? Oder liege ich komplett falsch?


    Danke

    Carlos

  • Kater.Ka 23. Mai 2026 um 18:07

    Hat das Thema freigeschaltet.
  • Ich würde das Geld in Aktien-ETF investieren. Dein Leben hört mit der Rente nicht auf und du hast dann ungefähr eine Aktienquote von „nur“ 50%, in meinem Augen immer noch konservativ. Je nachdem, wie viel in deinem „Sparplan“ schon drinsteckt.

  • Wie viel steckt schon im FTSE All-World?

  • ich werde demnächst 100.000 Euro erben und möchte dieses für 10 Jahre anlegen, da ich dann 67 bin und in Rente gehe. Benötigt wird das Geld bis dahin nicht.

    heißt das, dass du mit 67, also deinem geplanten Rentenbeginn, darauf angewiesen sein wirst, deine zu erwartende Rente aufzubessern, um deinen Lebensstandard zu halten?

    Wie viel steckt schon im FTSE All-World?

    wäre schon wichtig zu wissen, ebenso wie die Höhe deiner Sparrate.

    Anhand deiner von dir genannten Eckpunkte würde ich dazu tendieren, den größten Teil der Summe in Aktien-ETF zu investieren (fabioso) oder als Kompromiss in den Vanguard LifeStrategy 60% Equity (britty).

  • Wenn allerdings LiveStrategy, dann alles da rein, weil das ist ja schon sicher+wachstum, da braucht es dann kein extra sicher Teil mehr.


    Edit: und mach auf deinem Girokonto bitte nicht mehr wie 100k wegen der Einlagensicherung. Hau es in einen Geldmarkt-ETF. Finde es aber echt viel, würde mir an deiner Stelle echt Gedanken machen wie viel Aktienanteil du haben willst.

  • Hallo Jadsc, willkommen im Forum.

    Du hast also eigentlich nicht 100.000 EUR sondern 200.000 EUR verfügbar, wenn man das vorhandene Tagesgeld mit einbezieht. Hinzu kommt ein Aktien-ETF mit einem Wert in unbekannter Höhe. Die 100.000 bzw. 200.000 EUR möchtest du nun für zunächst 10 Jahre anlegen und dann daraus entnehmen. Der Anlagehorizont ist also potentiell noch deutlich länger als 10 Jahre. Womöglich noch 30+ Jahre.

    Zu den von dir genannten Instrumenten:

    Geldmarkt-ETF
    Anleihen-ETF und
    IBonds

    Geldmarkt-ETF: der von dir genannte DBX0AN ist ein sehr gutes Produkt, und ist gut als Liquiditätsreserve geeignet. Nicht jedoch ist er als womöglich alleiniges Instrument zur langfristigen Anlage größerer Summen geeignet, da die Verzinsung i.d.R. unterhalb der Inflation liegt.

    Anleihen-ETF sind grundsätzlich sehr gut geeignet. Von dem genannten A0RL83 rate ich jedoch ab. Es sind zwar Staatsanleihen in Euro, auf den ersten Blick also eine eher konservative Anlage ohne Währungsrisiken. Dieser konkrete ETF beinhaltet jedoch alle Laufzeiten an Anleihen, und schwankt daher mitunter stark im Wert. Schau dir einfach den Kursverlauf im Jahr 2022 an, dann weisst du was ich meine. Die Laufzeitprämie für die langen Anleihe-Laufzeiten ist nicht sonderlich hoch, sprich das Zinsänderungsrisiko wird nicht ausreichend prämiert und es lohnt sich daher nicht dieses einzugehen. Ich rate eher zu kurlaufenden Anleihen wie bspw. DBX0T8 (kurzlaufende deutsche Bundesanleihen oder maximal noch DBX0AD (Staatsanleihen der Eurozone mit Restlaufzeit 1-3 Jahre).

    iBonds sind letztlich nichts anderes als Unternehmensanleihen. Du leihst also Unternehmen dein Geld, bist somit ein Fremdkapitalgeber. Kann man machen. Ich halte persönlich aber nicht viel davon. Du kannst dich stattdessen auch mit einem Teil des Geldes am Eigenkapital der Unternehmen beteiligen, sprich Aktien-ETFs kaufen. Und den Rest in die oben genannten Anleihen-ETFs investieren. Siehe hier auch einen Beitrag von Prof. Walz zu iBonds bzw. Laufzeit-ETFs

    Meine Empfehlungen schliessen sich daher weitgehend den bereits weiter oben genannten an:

    1. Die 100.000 EUR solltest du in deine Anlageentscheidung mit einbeziehen. Im Tagesgeld verlierst du kontinuierlich an Kaufkraft, da dieses vermutlich unterhalb der Inflation verzinst ist.
    2. Mach es nicht unnötig kompliziert, je einfacher du das Portfolio strukturierst, desto besser. Gerade im Alter zahlt sich das aus. Das bedeutet insbesondere, so wenige und so einfache Instrumente wie möglich.
    3. Investiere trotz deiner niedrigen Risikotoleranz auch in Aktien. Diese sind der Renditemotor im Portfolio, auch im Ruhestand. Du hast dazu einen ausreichend langen Anlagehorizont.

    Konkret könnte das Portfolio also aus dem bereits vorhandenen Aktien ETF A2PKXG sowie einem Sicherheitsbaustein, bspw. DBX0T8 (oder wegen mir noch DBX0T8 plus DBX0AD im Verhältnis ca. 50/50) bestehen.

    Ein zusätzlicher Geldmarkt-ETF wie DBX0AN als Liquiditätsreserve ist denkbar, aber nicht unbedingt nötig. Dieser verhält sich im Kursverlauf nahezu identisch zu dem oben genannten DBX0T8.

    Die Gewichtung zwischen den Bestandteilen Aktien-ETF und Anleihen-/Geldmarkt-ETFs sollte m.E. wenigsten 50/50 sein. Besser sogar eine noch etwas höhere Aktienquote, zumindest in den nächsten ca. 5 Jahren.

  • Liebe Community,

    vielen Dank für die Antworten. Wenn ich das alles so lese, dann sieht man, das ich eigentlich keine Ahnung vom Wertpapier-/Finanzgeschäft habe. Besser wäre es wenn ich mich unabhängig beraten lassen würde? Gibt es solche überhaupt, die keine Produkte verkaufen und so ihre Provision bekommen? Ich werde dann natürlich die Unabhängigkeit bezahlen. Hat jemand Erfahrung mit solchen Beratern? Oder gibt es eine Anlaufsstelle wo man sich informieren kann, Stichwort “Verbraucherzentrale” oder gibt es so etwas in „Finanztip“? Ich wohne in Hamburg.

    Im ETF liegen 70.000

    Und zum Schluss die Frage, könnt ihr Literatur empfehlen für den Einstieg in das Wertpapier-/Finanzgeschäft?

  • Gibt es solche überhaupt, die keine Produkte verkaufen und so ihre Provision bekommen?

    Ja gibt es, die musst du für die Beratung direkt bezahlen. Trotzdem gab es auch von solchen hier schon teils keine so guten Erfahrungen. Auch kostet es eben Geld.


    Es ist doch eigentlich super einfach:

    - 2-3 Monatsgehälter als Tagesgeld
    - x% in deinen A2PKXG All World ETF
    - y% in einen Geldmarkt ETF

    Das Einzige was Du entscheiden musst, ist wie viel Risiko du willst und kannst, also die Aufteilung deines Vermögens von Welt ETF und Geldmarkt ETF. Und hier kann dir eh kein Berater helfen! Das kannst allein du entscheiden.

    Du kannst dich hier ja auch langsam rantasten. Aber zumindest 60% des Gesamtvermögens würde ich schon in den Welt-ETF stecken das sich das Vermögen auch etwas vermehren kann, sonst ist der Effekt enorm gering. Außer natürlich du hast Geld wie Heu und keinen Bedarf es wirklich weiter zu vermehren und willst es hauptsächlich vor Inflation schützen und nur noch eine Kirsche on Top.

  • Liebe Community,

    vielen Dank für die Antworten. Wenn ich das alles so lese, dann sieht man, das ich eigentlich keine Ahnung vom Wertpapier-/Finanzgeschäft habe. Besser wäre es wenn ich mich unabhängig beraten lassen würde? Gibt es solche überhaupt, die keine Produkte verkaufen und so ihre Provision bekommen? Ich werde dann natürlich die Unabhängigkeit bezahlen. Hat jemand Erfahrung mit solchen Beratern? Oder gibt es eine Anlaufsstelle wo man sich informieren kann, Stichwort “Verbraucherzentrale” oder gibt es so etwas in „Finanztip“? Ich wohne in Hamburg.

    Im ETF liegen 70.000

    Und zum Schluss die Frage, könnt ihr Literatur empfehlen für den Einstieg in das Wertpapier-/Finanzgeschäft?

    Die Verbraucherzentrale kann ich persönlich sehr empfehlen. Die werden dir aber auch nicht mehr sagen als wir hier oder die Einsteiger-Bücher: Je nach Risikobereitschaft teilst du dein Investment in Aktien/ETF und risikoärmere Anlagen auf. Und 70.000€ im Aktien-ETF plus etwas mehr als 100.000€ in Tagesgeld sind m.E. erst mal genau richtig bei deinem Risikoprofil.

  • Es ist doch eigentlich super einfach:

    - 2-3 Monatsgehälter als Tagesgeld
    - x% in deinen A2PKXG All World ETF
    - y% in einen Geldmarkt ETF

    So ist es. Einfach und gut. Interessanterweise bist du Jadsc somit bereits näher an der Lösung als du denkst. Denn eigentlich entspricht das ja von der Struktur und den Instrumenten weitgehend dem was du heute bereits hast. Du musst nur deine Risikotoleranz und -tragfähigkeit sauber definieren, also das hier:

    Das Einzige was Du entscheiden musst, ist wie viel Risiko du willst und kannst, also die Aufteilung deines Vermögens von Welt ETF und Geldmarkt ETF.

    Als Literatur und Informationsquelle empfehle ich dir Finanztip.de sowie das Buch Finanzen ganz einfach von Saidi Sulilatu.

  • Besser wäre es wenn ich mich unabhängig beraten lassen würde? Gibt es solche überhaupt, die keine Produkte verkaufen und so ihre Provision bekommen? Ich werde dann natürlich die Unabhängigkeit bezahlen. Hat jemand Erfahrung mit solchen Beratern?

    Die gibt es, diese nennt man Honorarberater. Erfahrungen habe ich selbst jedoch keine damit. Schau mal in dem Artikel Gute Honorarberater von Prof. Walz. Vielleicht wirst du dort fündig.

  • Selbst habe ich keine Erfahrung mit Honorarberatern. Grundsätzlich sind auch die nicht unbedingt billig und keinesfalls solltest Du zu einem "Bankberater" gehen, der Dir irgendwelche teuren und oft intransparente Produkte verkaufen will. Wenn Du einen Honorarberater in die nähere Erwägung einbeziehen willst, versuche einen zu finden, der so etwas wie ein Coaching anbietet. Die Tage bin ich über Elias Huber, Honorarberater gestolpert, aber ich kenne ihn nicht (außer von einem Video mit Walz denke ich) aber zumindest bietet er an, dass er die Leute zu Selbstentscheidern machen will. Das ist mittel- und langfristig preiswerter! Es gibt auch Honorarberater, die Dir eine komplexe Lösung versuchen zu verkaufen, das wird dann schnell zur teuren Dauerberatung. Solche Beispiele haben wir hier im Forum schon gesehen, von solchen Depots kann Dir selbst als alter Hase schwindelig werden.

    Alternativ einfach ein gutes Einführungsbuch lesen. Neben dem schon angesprochenen Buch von Sulilatu kommen auch Einführungsbücher von Kommer und Walz in Frage. Nimm das was Dich mehr anspricht. Gut und ausreichend für Deine Zwecke sind alle drei. Die Gretchenfrage wird sein, welches Risiko für Dich ein guter Kompromiss ist. Nicht zu hoch, weil Du sonst bei Kurseinbrüchen schlecht schlafen wirst aber auch nicht zu niedrig, weil Du dann Mühe hast, eine nennenswerte reale Rendite zu erzielen. Als Untergrenze würde ich 40 % sehen für eine langfristige Anlage. Besser ist etwas zwischen 50 und 70. Risikobereite können bis zu 100 % Aktien nehmen.

    Mittelfristig macht es Sinn für Dich, sich mit der Entnahmephase zu beschäftigen. Wie viel zusätzliches Geld will ich später pro Monat entnehmen und bietet mein Depot diese Ertragskraft. Aber das musst Du heute noch nicht alles wissen. Wie andere schon geschrieben haben endet Deine Anlagedauer nicht mit dem Beginn der Altersrente, da Du Deine kompletten Ersparnisse nicht auf einen Schlag benötigst.

    Um nicht Anfang des Jahres für die Steuern auf die Vorabpauschale Geld vorhalten zu müssen sind ausschüttende Fonds vorteilhaft. Das gilt umso mehr, wenn der Ruhestand nicht mehr weit entfernt ist und die Sparrate entfällt. Die Ausschüttungen sollte man natürlich reinvestieren.

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