Grosse Einkommensunterschiede

  • Wie würdet ihr das finanziell in einer Beziehung mit großem Einkommensunterschied regeln? (Heirat, Kinder & Eigentum)

    Hallo zusammen!

    Ich würde mich sehr über eure Erfahrungen und Meinungen freuen, weil ich gerade überlege, wie man eine solche Situation fair und für beide Seiten gut lösen könnte.

    Ich habe eine fünfjährige Tochter, bin getrennt erziehend und bekomme Kindesunterhalt. Ich arbeite in Teilzeit und verdiene ca. 2.200 € brutto im Monat. Außerdem habe ich mir mittlerweile ungefähr 60.000 € angespart.

    Mein Freund und ich möchten demnächst zusammenziehen. Er besitzt bereits zwei Eigentumswohnungen und verdient ca. 11.600 € brutto monatlich. Zusätzlich hat er Einnahmen aus seiner Selbstständigkeit, wobei natürlich auch Kosten und Investitionen für seine Firma anfallen.

    Wir wünschen uns beide ein gemeinsames Kind und würden gerne nächstes Jahr mit der Kinderplanung beginnen. Außerdem möchten wir gerne heiraten, bevor das Baby kommt. Unser Plan wäre, dass ich mich dann hauptsächlich um die Kinder kümmere und vorerst zu Hause bleibe bzw. beruflich deutlich zurückstecke.

    Genau deshalb beschäftigt mich das Thema Finanzen gerade sehr. Ich wünsche mir eigentlich schon immer, dass man sich als Familie auch finanziell als Einheit versteht. Damit meine ich ausdrücklich nicht, dass ich Ansprüche auf das haben möchte, was mein Freund bereits vor unserer Beziehung aufgebaut hat. Seine Wohnungen und sein bisheriges Vermögen sollen selbstverständlich seins bleiben. Genauso möchte ich meine Ersparnisse nicht einfach in einen gemeinsamen Topf werfen müssen.

    Mir geht es vielmehr um das, was wir gemeinsam aufbauen: dass Einkommen und laufende Ausgaben als gemeinsames Familieneinkommen betrachtet werden und nicht jeder ständig überlegen muss, von welchem Konto etwas bezahlt wird oder wem am Ende was gehört.

    Ich finde es auch schwierig, mir vorzustellen, dass ich irgendwann hauptsächlich zu Hause bin, mich um unsere Kinder kümmere und dadurch beruflich und finanziell zurückstecke, während mein Freund weiterhin sehr gut verdient und Vermögen aufbauen kann. Gerade als Frau hat man mit Kindern ja doch häufig ein gewisses finanzielles Risiko. Ich möchte mich in unserer Beziehung sicher fühlen und nicht das Gefühl haben, finanziell von meinem Partner abhängig zu sein, ohne wirklich an unserem gemeinsamen Leben teilzuhaben.

    Gleichzeitig möchte ich natürlich nicht, dass mein Freund das Gefühl bekommt, ich würde mich an seinem bereits aufgebauten Vermögen bedienen oder ihm etwas wegnehmen wollen. Ich finde es einfach schwierig, bei diesem Einkommensunterschied eine Lösung zu finden, die sich für uns beide wirklich fair anfühlt.

    Hinzu kommt seine Selbstständigkeit. Er muss natürlich Geld für betriebliche Ausgaben und Investitionen zurücklegen. Ich vermute, dass sich die geplanten Investitionen zunächst in einem überschaubaren Rahmen von ungefähr 10.000 € bewegen werden, aber ich weiß natürlich, dass man das nicht einfach mit privatem Einkommen gleichsetzen kann.

    Ich selbst möchte mich langfristig übrigens auch gerne selbstständig machen und hoffe, später ein deutlich höheres Einkommen erzielen zu können. Das ist aber momentan noch Zukunftsmusik und lässt sich natürlich nicht sicher planen.

    Deshalb würde mich interessieren, wie ihr das lösen würdet:

    • Wäre eine Zugewinngemeinschaft für uns eine gute Grundlage? In Verbindung mit einenm Ehevertrag, der beispielsweise die bereits vorhandenen Wohnungen, das vorherige Vermögen und Erbschaften ausnimmt?
    • Wie würdet ihr mit dem Einkommen aus der Selbstständigkeit umgehen?
    • Kennt ihr andere Lösung, die ich bisher gar nicht bedacht habe?

    Ich kenne in meinem Umfeld eigentlich fast ausschließlich Paare, die ganz klassisch in Zugewinngemeinschaft leben. Ein Gemeinschaftskonto, auf das beide einen bestimmten Betrag einzahlen und von dem die gemeinsamen Kosten bezahlt werden, ist für mich persönlich allerdings nicht das, was ich mir unter einer gemeinsamen finanziellen Basis vorstelle.

    Mir geht es wirklich nicht darum, möglichst viel für mich herauszuholen. Ich liebe meinen Freund, wir möchten gemeinsam eine Familie gründen, und ich wünsche mir einfach, dass wir uns beide finanziell sicher fühlen und uns als gleichwertige Partner sehen können – auch dann, wenn einer von uns vorübergehend weniger verdient oder sich stärker um die Kinder kümmert.

    Vielleicht gibt es hier ja Paare mit einer ähnlichen Ausgangssituation oder Menschen, die sich mit dem Thema auskennen und erzählen können, wie sie es gelöst haben.

    Ich freue mich wirklich über eure Gedanken und Erfahrungen. 🩷


    Vielen lieben Dank!


    LG Julie

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  • Hallo.

    Zugewinngemeinschaft betrifft das "Eingangsvermögen" ja nicht, daher wäre zu prüfen, was ein Ehevertrag noch regeln soll.

    Falls er sich ein gemeinsames Kind wünscht, die Erziehung ihn aber in Sachen Einkünfte aus Erwerbstätigkeit nicht einschränken soll, dann müsste er Dir in irgendeiner Weise "vergüten", dass Du ihm ermöglichst beides zu haben, Kind und Karriere. Darüber sollte man sich definitiv ernsthaft unterhalten.

    Vielleicht formuliert Ihr Eure Wünsche und/oder Vorstellungen einfach einmal aus und schaut, ob Ihr überhaupt auseinander liegt.

  • Zugewinn bedeutet, dass das was vorher da war, jedem weiterhin gehört und das, was in der Ehezeit erwirtschaftet wird, geteilt wird.

    Normalerweise sollte er auch ein Interesse an einem Ehevertrag haben, damit er nicht ggfs. seine Firma verkaufen muss im Falle der Scheidung.

    Wenn du ihm aber den Rücken frei hältst und dich um Kinder und Haushalt kümmerst, sollte das irgendwie anerkannt werden, vor allem auch mit Blick auf die Altersvorsorge.

  • Für einen solchen Fall ist die gesetzliche Regelung der Ehe eigentlich optimal und eine Ehevertrag kann eigentlich nur zu deinem Nachteil gestaltet werden.

    Vielleicht könnte es helfen das Eingangsvermögen genau zu beziffern und beide Seiten sollten die entsprechenden Unterlagen vorliegen haben.

    Gut wäre auch noch wenn beide Seiten jetzt schon verstanden haben wie der Ausgleich in einer Zugwinngemeinschaft bei einer Scheidung berechnet wird.

    Wichtig ist auch das du dein Vermögen erstmal behälst und nicht für die Alltagsausgabe ausgibst. In einem Worstcase Szenario brauchst du es um Ausgleich und ggf. Unterhalt einklagen zu können.

    Ein Gemeinschaftskonto, auf das beide einen bestimmten Betrag einzahlen und von dem die gemeinsamen Kosten bezahlt werden, ist für mich persönlich allerdings nicht das, was ich mir unter einer gemeinsamen finanziellen Basis vorstelle.

    Was denn dann?

  • Ich finde es gut, dass Du Dir über Deine finanzielle Zukunft Gedanken machst. M.E. sollte sich keine Frau in eine völlige finanzielle Abhängigkeit von einem Mann bringen!

    Eine gute Anlaufstelle ist m.E. der Blog der Beziehungsinvestoren: https://beziehungs-investoren.de/blog/

    Wenn Du Dich zukünftig mehr um die Care-Arbeit kümmern sollst, wäre es m.E. absolut sinnvoll, dass Dein Mann Dir dafür quasi 'ein Gehalt' zahlt. Das kann ja auch teilweise in Form eines eigenen ETF-Sparplans für Dich als spätere AV oder in Form von freiwilligen Beiträgen in die GRV erfolgen.

    Ein Ehevertrag würde m.E. finanziell für Deinen zukünftigen Mann durchaus Sinn ergeben. Stichwort ist hier der mögliche Zugewinnausgleich im Fall einer späteren Trennung. Solltet Ihr auch offen besprechen.
    Bitte beachte dabei, dass ein Anwalt/Notar nur für eine Partei arbeitet. Sprich der Anwalt/Notar ist dem Beauftragten gegenüber verpflichtet. Wenn also Dein Partner einen Notar/Anwalt mit der Aufsetzung eines Ehevertrags beauftragt, solltest Du diesen Vertrag vor der Unterschrift einfach mal gegenchecken lassen.
    Und ja, sich über Finanzen in einer Partnerschaft auszutauschen kann bisweilen auch schmerzhaft sein. Vor allem wenn man noch mit rosaroter Brille bemerkt, dass der Partner in diesen Fragen extrem anders tickt. Finanzen sind ein häufiger Streitpunkt in Beziehungen.
    Ich wünsche Euch viel Erfolg und Alles Gute für Eure gemeinsame Zukunftsplanung.

  • Eine Partnerschaft sagt schon der Name Partner, heißt man sollte sich an einen Tisch setzen und reden. Wenn dein Freund weiterhin voll arbeitet und du irgendwann für das Kind und den Haushalt verantwortlich bist, dann sollte dir das in einer gewissen Art und Weise auch „vergütet“ werden. Wie ihr damit vorgeht ist dann euer Plan, da werdet ihr hier zig verschiedene Meinungen hören. Ich würde eine Abmachung, egal wie diese aussieht, schriftlich fixieren. Dann hat man bei eventuell auftretenden Problemen einen gewissen Leitfaden. Gerade finanzielle Meinungsverschiedenheiten sorgen in Ehen oder Partnerschaften häufig für Probleme. Alles was bisher an Vermögen da ist gehört dem jeweiligen Besitzer, was gemeinsam dazu kommt müsst ihr regeln. Ob Zugewinngemeinschaft oder Ehevertrag, wenn es soweit ist, könnt auch nur ihr entscheiden.

  • Ganz wichtig, weil oben „Heirat“ genannt ist, später dann „Freund“.

    Es wäre wichtig zu wissen, was hier der Plan ist, da das etwaigen Absprachebedarf ändert.

    Wir wünschen uns beide ein gemeinsames Kind und würden gerne nächstes Jahr mit der Kinderplanung beginnen. Außerdem möchten wir gerne heiraten, bevor das Baby kommt. Unser Plan wäre, dass ich mich dann hauptsächlich um die Kinder kümmere und vorerst zu Hause bleibe bzw. beruflich deutlich zurückstecke.

  • Solange alles gut läuft ist es ja in der Regel kein Problem. Der Mann bezahlt den Urlaub, Einkauf, etc pp. Aber auch dann passiert es oft, das Frau sich zuückhält, auf das neue Paar Schuhe verzichtet, während er sich ein neues Motorrad gönnt. Ist ja sein Geld. Damit muss frau dann klar kommen, das sie ihre Wünsche auch klar kommuniziert.

    Schwieriger sehe ich den Fall der Altersvorsorge. Ohne eigenes Einkommen kann man auch kein Geld zurücklegen. Hier könnte der Mann in ein AVD für dich einzahlen.

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