Gemeinschaftskonto (Haushaltskonto)

Ein Konto für Zwei

Josefine Lietzau Stand: 09. August 2019
Das Wichtigste in Kürze
  • Ein Gemeinschaftskonto läuft auf die Namen zweier Kontoinhaber. Beide haben Zugriff auf das Guthaben und können Geldgeschäfte erledigen.
  • Es gibt zwei Varianten des Kontos: Beim Oder-Konto sind beide Partner einzeln verfügungsberechtigt. Beim Und-Konto können sie nur zusammen handeln.
  • Probleme kann es geben, wenn einer das Konto überzieht, eine Pfändung ansteht oder ein Partner stirbt.
So gehen Sie vor
  • Eröffnen Sie zusätzlich zum eigenen Konto ein Gemeinschaftskonto.
  • Entscheiden Sie Sich, ob es ein Oder-Konto oder ein Und-Konto sein soll.
  • Falls Sie und der zweite Kontoinhaber unterschiedliche Summen einzahlen, fertigen Sie dazu eine schriftliche Abmachung an.
  • Das passende Konto finden Sie mit unserem Rechner.

Sie leben mit jemanden zusammen? Dann haben Sie bestimmt auch gemeinsame Ausgaben. Etwa für Miete, Strom, vielleicht sogar für ein Auto oder größere Anschaffungen. Mit einem Gemeinschaftskonto können Sie den Überblick über diese Kosten behalten.

Was ist ein Gemeinschaftskonto?

Ein Gemeinschaftskonto ist ein Girokonto. Das Besondere daran: Sie führen es zusammen mit einer anderen Person. Bei einigen Banken muss die Adresse von Ihnen und der anderen Person identisch sein. Ob Sie jedoch verheiratet sind, in einer Partnerschaft leben oder ob es sich bei Ihnen lediglich um eine Wohngemeinschaft handelt, ist der Bank egal. 

Das Gemeinschaftskonto läuft auf die Namen beider Kontoinhaber, beide haben Zugriff auf das Guthaben. In der Regel wird die Bank ein bestehendes Konto nicht in ein Gemeinschaftskonto umwandeln. Sie müssen also ein neues Konto direkt als Gemeinschaftskonto eröffnen.

Ein Gemeinschaftskonto ist immer dann sinnvoll, wenn Sie Ihren Haushalt zusammen mit einer anderen Person führen und sich die Kosten teilen. So gehen gemeinsame Kosten wie Miete, Rechnungen für Strom oder Internet von einem Konto ab. Sie sparen sich so Diskussionen, wer was zahlt und ob womöglich Beträge untereinander ausgeglichen werden müssen. Lassen Sie Ihr Gehalt weiter auf Ihr Einzelkonto laufen, mit dem Sie auch persönliche Rechnungen bezahlen.

Nachteile beim Gemeinschaftskonto

Seien Sie sich der Folgen eines Gemeinschaftskontos bewusst. Sie haften zusammen, wenn das Konto überzogen wird. Das gilt auch, wenn Sie selbst das Konto nicht überzogen haben. Errichten Sie daher nur ein Gemeinschaftskonto, wenn Sie dem zweiten Kontoinhaber vertrauen können. Hat die Person Probleme, ihr Geld zusammenzuhalten und gibt öfter spontan viel Geld aus, ist ein Gemeinschaftskonto womöglich nicht die passende Lösung. Führen Sie dann besser getrennte Konten.

Getrennte Konten sind ebenfalls besser, falls einer von Ihnen gepfändet wird. Liegt Ihr Geld auf dem Gemeinschaftskonto, ist es von der Pfändung betroffen. Auch wenn Sie selbst es nicht sind. In solchen Fällen sollten Sie Ihr Geld auf Ihr eigenes Konto überweisen. Am besten erledigen Sie das, wenn es erste Anzeichen für eine Pfändung gibt, so vermeiden Sie möglichen Ärger mit dem Gläubiger. Denn es ist rechtlich unklar, ob Sie nach der Pfändung weiter über das Geld verfügen dürfen.

Der gepfändete Kontoinhaber kann einen Teil seines Geldes schützen, indem er es auf einem Pfändungsschutz-Konto (P-Konto) lagert. Ein Einzelkonto kann in ein solches P-Konto umgewandelt werden, ein Gemeinschaftskonto nicht. Also sollte auch der gepfändete Kontoinhaber das Geld auf ein Einzelkonto überweisen und dieses dann in ein P-Konto umwandeln.

Schwierig wird es auch, wenn ein Kontoinhaber eine große Summe auf das Konto einzahlt. Da beide auf das Guthaben zugreifen können, interpretiert das Finanzamt das womöglich als Schenkung und verlangt entsprechende Steuern. Auch deshalb ist es eine gute Idee, neben dem Gemeinschaftskonto ein eigenes Konto für solche Situationen zu führen.

Eine Alternative zum Gemeinschaftskonto ist, dem jeweils anderen Vollmachten für das eigene Konto zu geben. Die kann zudem jederzeit wieder gekündigt werden. Haftbar, etwa für Überziehungen, sind bei diesen Konten außerdem nicht beide Partner, sondern nur der Kontoinhaber. Das kann zu Problemen führen, falls der Bevollmächtige das Konto überzieht, da jetzt nur noch eine Person – der Kontoinhaber – haftet.

Oder-Konto und Und-Konto: Was ist besser?

Gemeinschaftskonten gibt es in zwei Varianten: als Oder-Konto oder Und-Konto.

Beim Oder-Konto können beide einzeln auf das Guthaben zugreifen. Sie können also unabhängig vom zweiten Kontoinhaber Geld abheben oder überweisen. Natürlich setzt ein Oder-Konto voraus, dass die Kontoinhaber einander vertrauen. Denn sie können mit dem Geld auf dem Konto machen, was sie wollen – ohne Einwilligung des anderen.

Beim Und-Konto können Sie die Finanzgeschäfte nur zusammen mit dem zweiten Kontoinhaber erledigen. So müssen Überweisungen auf Papier zum Beispiel von beiden unterschrieben werden. Diese Art des Gemeinschaftskontos ist daher für Partner und Wohngemeinschaften im Alltag unpraktisch und damit ungeeignet.

Meist verwenden Vereine oder Organisationen Und-Konten, um möglichen Missbrauch auszuschließen. Aber auch für Erbengemeinschaften können sie geeignet sein. Allerdings bieten nur wenige Banken Und-Konten an, sie scheuen den verwaltungstechnischen Aufwand.

Sie können ein Und-Konto jederzeit in ein Oder-Konto umwandeln. Dazu müssen Sie gemeinsam gegenüber der Bank einen Änderungsantrag einreichen.

Was passiert, wenn ein Kontoinhaber stirbt?

Falls einer der beiden Kontoinhaber stirbt, treten die Erben an die Stelle des Kontoinhabers und erben seinen Anteil am Guthaben. Unter Umständen heißt das, dass die Erben die Hälfte des Geldes erhalten – auch wenn einer der Kontoinhaber mehr Geld eingezahlt hat (§ 430 BGB).

Es lohnt sich daher vorher schriftlich zu klären, zu welchen Anteilen das Geld zum jeweiligen Kontoinhaber gehört. Zudem sollten Sie größere Geldsummen nicht auf dem Gemeinschaftskonto lagern.

Beim Und-Konto gibt es ein weiteres Problem: Der lebende Kontoinhaber kann nur zusammen mit den Erben des Verstorbenen auf das Konto zugreifen. Das kann bei Erbengemeinschaften praktisch sein, um Missbrauch zu verhindern. Sollten Sie sich aber zum Beispiel für eine Wohngemeinschaft das Konto teilen, wird das womöglich kompliziert, da Sie noch nie mit den Erben zu tun gehabt haben und auch diese Sie nicht kennen.

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Autor
Josefine Lietzau

Stand: 09. August 2019


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