Steuerserie Teil 5
Bild: Sorbetto / Getty Images

Ein Schlaganfall, ein Brand oder Hochwasser – persönliche Notlagen sind emotional schon schlimm genug. Hinzu kommt oft eine enorme finanzielle Belastung. Zumindest einen Teil der Kosten können sich Betroffene über die Steuererklärung zurückholen. Der Posten nennt sich treffend „außergewöhnliche Belastungen“. Davon gibt es im Steuerdeutsch zwei Arten: allgemeine und besondere außergewöhnliche Belastungen.

 

1. Pauschalen für besondere außergewöhnliche Belastungen

Für bestimmte Lebenssituationen stehen Ihnen Pauschal- oder Höchstbeträge zu. Beantragen können Sie diese in der Steuererklärung. Hier die vier wichtigsten:

Unterhaltshöchstbetrag
Finanzieren Sie Angehörige, die wenig Geld haben, dann steht Ihnen dafür 2019 ein Höchstbetrag von maximal 9.168 Euro zu (Anlage Unterhalt). Das gilt zum Beispiel, wenn Sie Ihrem studierenden Kind Unterhalt zahlen, für das es kein Kindergeld mehr gibt. Weiteres Beispiel: Sie unterstützen Ihre im Pflegeheim lebenden Eltern finanziell, damit die überhaupt genug zum Leben haben. Allerdings rechnet das Finanzamt Einkünfte und Bezüge Ihrer Eltern oberhalb von 624 Euro an.

Pflegepauschbetrag
Falls Sie einen Angehörigen mit Pflegegrad 4 oder 5 selbst zuhause pflegen, ohne dafür Geld zu nehmen, tragen Sie dies in der neuen Anlage Außergewöhnliche Belastungen ein. Dafür erhalten Sie den Pflegepauschbetrag von 924 Euro. Pflegen Sie beide Elternteile, haben Sie Anspruch auf den doppelten Betrag.

Behinderung
Für eine Behinderung ab einem Grad (GdB) von 25 steht Ihnen ein Pauschbetrag von 310 bis 3.700 Euro zu (Anlage Außergewöhnliche Belastungen).

Ausbildungsfreibetrag
Ist Ihr volljähriges Kind Student oder Azubi und wohnt nicht mehr bei Ihnen, beantragen Sie in der Anlage Kind den Ausbildungsfreibetrag (bis zu 924 Euro pro Jahr).

All diese besonderen außergewöhnlichen Belastungen können Sie nur bis zu einem bestimmten Betrag von der Steuer absetzen. Für Pauschalbeträge müssen Sie Ihre Kosten nicht nachweisen.

 

2. Krankheit, Pflege, Kur – allgemeine außergewöhnliche Belastungen

Der Strauß an möglichen allgemeinen außergewöhnlichen Belastungen ist vielfältig. Am wichtigsten sind Krankheits-, Pflege- und Kurkosten. Dazu kann beispielsweise auch eine künstliche Befruchtung gehören. Auf jeden Fall müssen die Behandlungen medizinisch erforderlich und die Kosten angemessen sein. Als Nachweis genügt meist eine ärztliche Verordnung.

Müssen Sie selbst krankheitsbedingt ins Pflegeheim, dürfen Sie Ihre Mehraufwendungen steuerlich geltend machen. Im Grunde also die Pflegekosten, nicht aber Kosten für Unterbringung und Verpflegung, die Sie außerhalb des Pflegeheims auch hätten. Zahlen Sie die Heimkosten für Ihre pflegebedürftigen Eltern, dann können Sie das komplett absetzen.

Es gibt weitere Dinge, die Sie als allgemeine außergewöhnliche Belastungen von der Steuer absetzen können: Kosten für die Bestattung von Angehörigen, Reparatur und Neukauf von Hausrat nach einer Naturkatastrophe, Entgiftung einer Wohnung (zum Beispiel, um Asbest zu beseitigen). Einzutragen sind sie als „andere Aufwendungen“ in der Anlage Außergewöhnliche Belastungen.

Die Liste der außergewöhnlichen Belastungen ist so bunt wie das Leben. Noch mehr Beispiele gibt es in unserem Ratgeber.

 

3. Mindestgrenze knacken – die zumutbare Belastung

Die allgemeinen außergewöhnlichen Belastungen können Sie unbegrenzt absetzen – dafür müssen Sie die Kosten aber immer belegen können. Und viel wichtiger: Sie müssen erstmal die Grenze der „zumutbaren Belastung“ überwinden. Das ist der Eigenanteil, den Sie selbst zahlen.

Abhängig vom Einkommen, Familienstand und der Anzahl Ihrer Kinder liegt Ihre zumutbare Belastung zwischen 1 und 7 Prozent des Gesamtbetrags Ihrer Einkünfte. Mithilfe eines Rechners der Finanzverwaltung können Sie Ihre Belastungsgrenze ermitteln. Über diesen Betrag müssen Sie kommen, um allgemeine außergewöhnliche Belastungen absetzen zu können.

Tipp: Weil Sie die zumutbare Belastungsgrenze in einem Kalenderjahr überwinden müssen, sollten Sie planbare Ausgaben bündeln. Dies gilt beispielsweise für Zahnprothesen, Hörgeräte, Brillen, krankheitsbedingte Wohnungsumbauten und andere abzugsfähige Krankheitskosten.

Die Finanztip-Steuerserie:

1. Start: So kriegen Sie Geld vom Staat zurück
2. Werbungskosten – absetzen, was Sie zur Arbeit brauchen
3. Haushaltsnahe Dienste und Handwerker
4. Sonderausgaben wie Kinderbetreuung geltend machen
5. Außergewöhnliche Belastungen wie Krankheit absetzen
6. Kapitaleinkünfte richtig angeben und Pauschalbetrag nutzen
7. Steuererklärung für Rentner

 

Udo Reuß
Autor

Stand:

Steuerredakteur bei Finanztip Verbraucherinformation GmbH - ein Unternehmen der Finanztip Stiftung, Berlin. Zuvor hat der Diplom-Kaufmann mit Schwerpunkt Steuerrecht für verschiedene Wirtschafts- und Fachverlage wie Handelsblatt, F.A.Z.-Verlagsgruppe, Haufe-Lexware und Vogel Business Media geschrieben – 14 Jahre davon arbeitete er als Chefredakteur von Fachzeitschriften. Aus dem komplexen Steuerrecht zieht Udo die relevanten Urteile für Steuersparer.

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