Steuerserie Teil 7:
Bild: Sorbetto / Getty Images

Rund fünf Millionen Rentner müssen Steuern zahlen – und noch mehr sind verpflichtet, eine Steuererklärung abzugeben. Diese Punkte sollten Sie über die Versteuerung Ihrer Rente wissen: 

1. Nur ein Teil der Rente ist steuerfrei

Renten gehören zu den „sonstigen Einkünften“ und sind grundsätzlich zu versteuern. Allerdings wird nur ein Teil davon besteuert. Wie viel das ist, hängt davon ab, wann Sie erstmals gesetzliche Rente erhalten haben. Bei einem Rentenbeginn bis 2005 müssen Sie die Hälfte Ihrer Rente versteuern. Seitdem steigt der Anteil mit jedem Jahrgang um 2 Prozentpunkte. Wer also vergangenes Jahr in Rente ging, muss seine Einkünfte bereits mit 78 Prozent versteuern, 22 Prozent bleiben steuerfrei. Zum Rentenstart 2020 sind es nur noch 20 Prozent.

2. Wenn Ihre Rente steigt, könnten Sie in die Steuerpflicht rutschen

Im ersten Kalenderjahr, das Sie komplett in Rente waren, rechnet das Finanzamt aus Ihren Einkünften und dem steuerfreien Anteil Ihren individuellen Rentenfreibetrag aus – und legt ihn im Prinzip bis zum Lebensende fest. Von nun an müssen Sie alles oberhalb dieses Freibetrags versteuern. Er wächst nicht mit der Inflation. Also können schon Rentenerhöhungen dazu führen, dass ein Rentner, der bislang noch keine Steuern zahlen musste, in die Steuerpflicht rutscht.

Im Juli 2019 ist die Rente in Ostdeutschland um 3,91 Prozent gestiegen, in Westdeutschland um 3,18 Prozent. Allein dadurch sind rund 48.000 Rentner erstmals steuerpflichtig geworden. Deshalb sollten Sie immer wieder Ihre aktuelle Situation überprüfen. Spätestens, wenn Sie vom Finanzamt dazu aufgefordert werden, müssen Sie eine Steuererklärung abgeben.

3. Wann Sie als Rentner eine Steuererklärung abgeben müssen

Der Grundfreibetrag ist das steuerfreie Existenzminimum. Fürs Jahr 2019 beträgt er 9.168 Euro. Liegen Sie mit dem steuerpflichtigen Teil Ihrer Rente oberhalb des Grundfreibetrags, müssen Sie eine Steuererklärung mit Anlage R abgeben. Erst recht, wenn Sie noch weitere unversteuerte Erträge haben – zum Beispiel eine Riester-Rente oder Mieteinnahmen.

Als Faustregel kann man sagen: Ein Neurentner, der ausschließlich eine monatliche Bruttomonatsrente von knapp 1.180 Euro beziehungsweise knapp 14.000 Euro im Jahr bezieht, liegt so gerade an der Grenze zur Steuerpflicht.

4. So werden Pensionen besteuert

Pensionen ehemaliger Beamter gehören als Versorgungsbezug in die Anlage N, ebenso Betriebsrenten aus einer Direktversicherung des Arbeitgebers oder einer Unterstützungskasse. Von der voll steuerpflichtigen Pension geht ein Versorgungsfreibetrag plus ein Zuschlag ab. Das gilt auch für Betriebsrentner, die 63 Jahre oder älter sind.

Versorgungsfreibetrag und Zuschlag sinken für jeden neuen Jahrgang. Wenn Sie etwa 2019 erstmals eine Pension erhalten haben, bleiben davon 17,6 Prozent steuerfrei, höchstens aber 1.320 Euro plus 396 Euro Zuschlag. Auch dieser Versorgungsfreibetrag bleibt zeitlebens konstant – wie der Rentenfreibetrag (siehe Punkt 2).

5. Was Sie von der Steuer absetzen können

Als Rentner haben Sie viele Möglichkeiten, Ausgaben in der Steuererklärung einzutragen und damit Steuern zu sparen: zum Beispiel die Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge, sowie Kirchensteuer und Spenden als Sonderausgaben. Pflege- und Krankheitskosten können Sie bei den außergewöhnlichen Belastungen berücksichtigen lassen. Kosten für Handwerker und haushaltsnahe Dienstleistungen können Sie ebenfalls absetzen. Hinzu kommt eine Werbungskostenpauschale von 102 Euro. Hatten Sie höhere Werbungskosten, weil Sie beispielsweise einen Rentenberater oder Gewerkschaftsbeiträge bezahlt haben, können Sie diese stattdessen ansetzen.

Wenn Sie alles angeben, was absetzbar ist, dann müssen Sie weniger oder möglicherweise überhaupt keine Steuern mehr zahlen.

 

 

Die Finanztip-Steuerserie:

1. Start: So kriegen Sie Geld vom Staat zurück
2. Werbungskosten – absetzen, was Sie zur Arbeit brauchen
3. Haushaltsnahe Dienste und Handwerker
4. Sonderausgaben wie Kinderbetreuung geltend machen
5. Außergewöhnliche Belastungen wie Krankheit absetzen
6. Kapitaleinkünfte richtig angeben und Pauschalbetrag nutzen
7. Steuererklärung für Rentner

 

Udo Reuß
Autor

Stand:

Steuerredakteur bei Finanztip Verbraucherinformation GmbH - ein Unternehmen der Finanztip Stiftung, Berlin. Zuvor hat der Diplom-Kaufmann mit Schwerpunkt Steuerrecht für verschiedene Wirtschafts- und Fachverlage wie Handelsblatt, F.A.Z.-Verlagsgruppe, Haufe-Lexware und Vogel Business Media geschrieben – 14 Jahre davon arbeitete er als Chefredakteur von Fachzeitschriften. Aus dem komplexen Steuerrecht zieht Udo die relevanten Urteile für Steuersparer.

3 Kommentare

  1. Guten Tag,

    guter Überblick zu Rentenbesteuerung. Sie schrieben, dass jede Rentenkategorie eine andere Besteuerungssystematik hat. Kann es dann zu verschiednen Steuerklassen kommen?
    Bei mir tauchen bei den Steuerklassen die , 3 und 6 auf bei der Besteuerung.
    Wei hängt das zusammen. Rentner , Witwer und Alleinerziehende sind doch mit Steuerklasse 1i der Regel eingestuft.
    Wäre gut dies mal zu beleuchten.

    Freundliche Grüße
    K. Schiffbauer

  2. Ich lebe in Kanada und beziehe eine Rente in Deutschland, gebe eine Steuererklärung in beiden Ländern ab (unbeschränkt steuerpflichtig). Den Finanztip lese ich regelmäßig und habe ihn an alle dt. Freunde in Kanada weiterempfohlen. Es wäre schön, wenn auch für in Übersee lebende Rentner
    Steuertips für eine in der BRD abzugebende Steuererklärung publiziert werden könnten, da viel Unsicherheit besteht und die hiesigen Steuerberater nicht darauf spezialisiert sind.
    Vielen Dank für‘s Lesen meines Kommentare.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Was der Stern bedeutet:

Wir wollen mit unseren Empfehlungen möglichst vielen Menschen helfen, ihre Finanzen selber zu machen. Daher sind unsere Inhalte kostenlos im Netz verfügbar. Wir finanzieren unsere aufwändige Arbeit mit sogenannten Affiliate-Links. Diese Links kennzeichnen wir mit einem Sternchen (*).

Bei Finanztip handhaben wir Affiliate-Links aber anders als andere Websites. Wir verlinken ausschließlich auf Produkte, die vorher von unserer unabhängigen Experten-Redaktion empfohlen wurden. Nur dann kann der entsprechende Anbieter einen Link zu diesem Angebot setzen lassen. Geld bekommen wir, wenn Du auf einen solchen Link klickst oder beim Anbieter einen Vertrag abschließt.

Ob und in welcher Höhe uns ein Anbieter vergütet, hat keinerlei Einfluss auf unsere Empfehlungen. Was Dir unsere Experten empfehlen, hängt allein davon ab, ob ein Angebot gut für Verbraucher ist.

Mehr Informationen über unsere Arbeitsweise findest Du auf unserer Über-uns-Seite.