Steuer-Serie, Teil 1
Bild: Sorbetto / Gettyimages

Das Coronavirus zwingt uns ins Haus, das soziale Leben wurde massiv heruntergefahren. Vor allem, wenn Sie keine Kinder haben, die Ihre Aufmerksamkeit einfordern, könnten Sie die Zeit daheim nutzen – um die Steuererklärung für 2019 zu erledigen. Im Durchschnitt bekommen Steuerzahler über 1.000 Euro vom Finanzamt zurück. Geld, das viele derzeit besonders gut gebrauchen können.

Worauf Sie in diesem Jahr achten sollten und welche Kosten Sie absetzen können, erfahren Sie in unseren Ratgebern und unserer neuen Steuer-Serie in Newsletter und Blog. Diese Woche: Neuerungen, Steuersoftware und Fristen.

1. Neue Formulare und „eDaten“

Die Papierformulare haben sich deutlich geändert. Der Hauptvordruck, den jeder ausfüllen muss, besteht nur noch aus zwei Seiten. Dafür gibt es gleich sechs neue Anlagen, zum Beispiel für Sonderausgaben, außergewöhnliche Belastungen und für haushaltsnahe Aufwendungen. Ihre gezahlte Kirchensteuer tragen Sie jetzt in die Anlage Sonderausgaben ein, nicht mehr in den Hauptvordruck.

Neu sind auch die dunkelgrünen Felder, die als „eDaten“ bezeichnet werden. Das sind Informationen, die dem Finanzamt schon vorliegen, zum Beispiel vom Arbeitgeber. Bruttoarbeitslohn, Lohnsteuer und Krankenversicherungsbeiträge brauchen Sie deswegen nicht mehr einzutragen. Es sei denn, die vorliegenden Daten sind falsch. Überprüfen Sie also vorsichtshalber, ob die Einträge korrekt sind: Viele Daten können Sie mit Ihrer Lohnsteuerbescheinigung abgleichen.


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2. Elektronische Steuererklärung

Die meisten erledigen die Steuererklärung mittlerweile digital, nicht mehr auf Papier. Das geht für die Steuererklärung 2019 zum letzten Mal mit dem Programm Elster-Formular. Die neuere Alternative ist: Sie füllen mit „Mein Elster“ die Steuererklärung im Browser aus und geben Sie direkt online ab. Dazu müssen Sie sich auf dem Elster-Portal registrieren und eine digitale Signatur („Elster-Zertifikat“) holen. Die beiden kostenlosen Angebote des Finanzamts funktionieren zwar ganz gut und ersparen den Papierkram. Aber Spartipps kriegen Sie von Elster nicht.

Es lohnt sich daher meist, 15 bis 35 Euro in ein komfortableres Steuerprogramm zu investieren. Für die meisten Arbeitnehmer und Rentner empfehlen wir die Programme Tax* und Quicksteuer*. Für kompliziertere Steuerfälle eignen sich dagegen die Programme Wiso Steuer-Sparbuch* und Steuersparerklärung*. Unter den Lösungen, die direkt im Browser laufen, empfehlen wir Wiso Steuer-Web* und Smartsteuer*. Egal für welche Variante Sie sich entscheiden: Sie machen Ihre komplette Steuererklärung fertig und senden sie digital direkt ans Finanzamt.

Achten Sie darauf, dass die Software für die Steuererklärung 2019 meist „2020“ heißt. Oft sparen Sie ein paar Euro, wenn Sie die Steuersoftware abonnieren. Oder Sie finden ein günstiges Angebot über Preisvergleiche bei Idealo, billiger.de oder Geizhals.

Bei sehr komplizierten Sachverhalten können sich Arbeitnehmer und Rentner an einen Lohnsteuerhilfeverein wenden. Selbstständige suchen professionellen Rat beim Steuerberater.

3. Allgemeine Abgabefrist endet am 31. Juli

Wenn Sie verpflichtet sind, eine Steuererklärung abzugeben, haben Sie dafür bis zum 31. Juli 2020 Zeit. Das ist beispielsweise der Fall, wenn Sie Elterngeld oder andere Lohnersatzleistungen bekommen haben. Oder wenn beide Ehegatten gearbeitet haben und bei einem die abgeführte Lohnsteuer nicht nach der Steuerklasse IV berechnet wurde, sondern etwa mit der Steuerklasse III oder IV mit Faktor.

Es muss also nicht jeder eine Steuererklärung abgeben. Aber gerade wer das nicht muss, hat oft zu viel Steuern gezahlt – und sollte sich das Geld zurückholen. Eine freiwillige Steuererklärung für 2019 müssen Sie bis spätestens Ende 2023 beim Finanzamt abgeben.

Mittlerweile müssen Sie nicht einmal mehr die Belege mitschicken, nur aufbewahren. In Einzelfällen kann es sich aber lohnen, Belege direkt einzureichen.

In den nächsten Teilen der Steuer-Serie führen wir Sie Schritt für Schritt durch die verschiedenen Arten von Kostenblöcken, die Sie absetzen können.

 

Die Finanztip-Steuerserie:

1. Start: So kriegen Sie Geld vom Staat zurück
2. Werbungskosten – absetzen, was Sie zur Arbeit brauchen
3. Haushaltsnahe Dienste und Handwerker
4. Sonderausgaben wie Kinderbetreuung geltend machen
5. Außergewöhnliche Belastungen wie Krankheit absetzen
6. Kapitaleinkünfte richtig angeben und Pauschalbetrag nutzen
7. Steuererklärung für Rentner

 

Udo Reuß
Autor

Stand:

Steuerredakteur bei Finanztip Verbraucherinformation gemeinnützige GmbH, Berlin. Zuvor hat der Diplom-Kaufmann mit Schwerpunkt Steuerrecht für verschiedene Wirtschafts- und Fachverlage wie Handelsblatt, F.A.Z.-Verlagsgruppe, Haufe-Lexware und Vogel Business Media geschrieben – 14 Jahre davon arbeitete er als Chefredakteur von Fachzeitschriften. Aus dem komplexen Steuerrecht zieht Udo die relevanten Urteile für Steuersparer.

3 Kommentare

  1. Ich kann leider meine geplante Reise nach Amsterdam Anfang Juni nicht antreten.
    Ich hatte mich erstmalig entschieden, diese Reise mit der DB durchzuführen.
    Die Reise nach Amsterdam wurde mir mit einem Gutschein minus 10 € Gebüren erstattet.
    Die Rückreise von Amsterdam nach Hause aber nicht,weil es ein Supersparpreis EU sei.
    Ist das rechtens?

  2. Ich freue mich sehr über diese Serie.
    Gibt es die Möglichkeit die nächsten Teile der Serie bereits jetzt zu lesen? Mich würde der Teil 6 (kapitaleinkünfte etc.) besonders interessieren.
    Vielen Dank

  3. Betrifft eDaten: wie kann ich die Daten überprüfen die an das Finanzamt übermittelt wurden? Ich kann sie nicht einsehen. Woher weiß ich ob es genau die Daten sind, die auf meiner Lohnsteuerbescheinigung stehen?

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