Steuerfreibetrag

Welche Frei- und Pauschbeträge Dich bei der Steuer entlasten

Udo Reuß
Experte für Steuern
21. April 2021
Das Wichtigste in Kürze
  • Es gibt feste Frei- und Pauschbeträge, die Dein zu versteuerndes Einkommen reduzieren. Denn Du musst nur den Betrag oberhalb des Grundfreibetrags versteuern.
  • Wichtige Pauschbeträge für alle Arbeitnehmer sind die Wer­bungs­kos­ten­pau­scha­le sowie die Entfernungspauschale.
  • Wenn Du Kinder hast, kannst Du von weiteren Freibeträgen profitieren. Alleinerziehende erhalten einen zusätzlichen Freibetrag: den Entlastungsbetrag.
  • Übungsleiter- und Ehrenamtspauschalen fördern ein freiwilliges Engagement.
  • Pflege-, Behinderten- und Hinterbliebenen-Pauschbeträge unterstützen Steuerzahler in schwierigen Lebenslagen.
So gehst Du vor
  • Einige Freibeträge zieht der Fiskus automatisch ab, andere musst Du in Deiner Steu­er­er­klä­rung beantragen.
  • Für eine Pauschale benötigst Du keine Kostennachweise.
  • Hast Du höhere Kosten, dann kannst Du diese statt der Pauschale geltend machen. Du musst die Aufwendungen jedoch belegen können.
  • Einen individuellen Steuerfreibetrag kannst Du Dir mit einem Lohnsteuer-Ermäßigungsantrag eintragen lassen. Dann wird bereits bei der Gehaltsauszahlung weniger Lohnsteuer einbehalten.

Ob haushaltsnahe Dienstleistungen oder Fachliteratur: Wer sich private oder berufliche Ausgaben über die Steu­er­er­klä­rung zurückholen will, muss diese oft auch belegen können. Doch um die Bürokratie ein wenig einzudämmen, gibt es im deutschen Steuerrecht viele Frei- und Pauschbeträge, die Du als Steuerzahler ohne Quittung oder Rechnung nutzen kannst.

Worin unterscheiden sich Freibetrag, Pauschbetrag und Freigrenze?

Die Finanzämter haben millionenfach Steuerfälle zu bewältigen. Freibeträge und Pauschbeträge vereinfachen die Bearbeitung der Steuerklärung und entlasten die Masse der Steuerzahler, insbesondere wenn sie keine hohen abzugsfähigen Kosten haben. Denn wenn Dir der Abzug in der Höhe des Frei- oder Pauschbetrags genügt, musst Du Deine Aufwendungen nicht belegen. Frei- und Pauschbeträge funktionieren gleich. Davon zu unterscheiden sind jedoch Freigrenzen.

Freibetrag

Er markiert die Höhe, bis zu der bestimmte Einkünfte steuerfrei bleiben. Alles, was darüber liegt, musst Du versteuern. Ein Beispiel hierfür ist der Sparerfreibetrag in Höhe von 801 Euro für jede Person. Du musst nur Steuern auf Kapitaleinkünfte zahlen, die diesen Betrag übersteigen. 

Pauschbetrag

Den Pauschbetrag erkennt das Finanzamt ohne Nachweis an, um einen bestimmten Teil des Einkommens steuerfrei zu stellen. Hast Du Ausgaben, die über dem Pausch- oder Freibetrag liegen, kannst Du diese meist zusätzlich geltend machen. Sind Deine Ausgaben niedriger, wird auf jeden Fall der Pauschbetrag von Deinem zu versteuernden Einkommen abgezogen. Bekanntestes Beispiel: der Ar­beit­neh­mer­pausch­be­trag in Höhe von 1.000 Euro.

Freigrenze

Überschreitest Du hingegen eine Freigrenze, so musst Du den gesamten Betrag versteuern. Das gilt beispielsweise für private Veräußerungsgeschäfte wie den Verkauf von Edelmetall und Kunst innerhalb eines Jahres. Ein Gewinn unterhalb von 600 Euro (= Freigrenze) im Jahr bleibt steuerfrei. Ein Euro mehr führt dazu, dass Du den kompletten Gewinn versteuern musst. Das ist hier ab 600 Euro der Fall.

Ein weiteres Beispiel ist die monatliche Freigrenze von 44 Euro, die Dir Dein Arbeitgeber als steuer- und sozialversicherungsfreie Sachzuwendung gewähren darf. Ab 2022 wird sie auf 50 Euro erhöht. Nur geschenkte Waren, Dienstleistungen und Gutscheine bis zu diesem Wert sind steuerfrei.

Was sind die wichtigsten Frei- und Pauschbeträge?

Grundfreibetrag

Ein Beispiel für einen Freibetrag neben dem Sparerfreibetrag ist der Grundfreibetrag, der jedem zusteht. Wer als Alleinstehender im Jahr 2021 ein steuerpflichtiges Einkommen bis 9.744 Euro (2022: 9.984 Euro, 2020: 9.408 Euro, 2019: 9.168 Euro, 2018: 9.000 Euro) hat, muss keine Einkommensteuer zahlen; für Verheiratete gelten die doppelten Beträge, also 19.488 Euro für 2021 (2022: 19.968 Euro, 2020: 18.816 Euro, 2019: 18.336 Euro, 2018: 18.000 Euro).

Erst für das zu versteuernde Einkommen, das den Grundfreibetrag übersteigt, musst Du Steuern zahlen. Beim zu versteuernden Einkommen hat das Finanzamt bereits alle berücksichtigungsfähigen Ausgaben abgezogen. 

Der Grundfreibetrag wird nach dem Sozialhilferecht ermittelt und soll das Existenzminimum für jeden Steuerzahler sichern. Er ist bereits in die Steuertabellen eingearbeitet und wird automatisch berücksichtigt, so macht es auch der Arbeitgeber bereits bei der Berechnung der Lohnsteuer. Du musst also nichts tun, um ihn zu erhalten.

Unterhaltshöchstbetrag

Wenn Du eine bedürftige Person finanziell unterstützt, dann kannst Du solche Unterhaltsleistungen bis zum Höchstbetrag als außergewöhnliche Belastungen absetzen. Beispiel: Deine Eltern müssen altersbedingt ins Pflegeheim. Du übernimmst die Kosten hierfür. 

Der Unterhaltshöchstbetrag entspricht dem Grundfreibetrag. Er beträgt demnach 9.744 Euro im Jahr 2021 (2022: 9.984 Euro).  

Arbeitnehmer-Pauschbetrag

Der Klassiker unter den Pauschbeträgen ist der Arbeitnehmer-Pauschbetrag, auch als Wer­bungs­kos­ten­pau­scha­le bekannt. Der Fiskus zieht von Deinem zu versteuernden Einkommen automatisch 1.000 Euro als Werbungskosten ab. So werden beruflich veranlasste Kosten ohne Nachweis anerkannt. Erst wenn Du Werbungskosten über der 1.000-Euro-Grenze hast, lohnt es sich, diese in der Steu­er­er­klä­rung einzutragen (Anlage N). Diese Ausgaben werden dann zusätzlich anerkannt.

Tipp: Auch wenn Du zu Jahresbeginn vermutest, dass Du nicht über die Wer­bungs­kos­ten­pau­scha­le kommst, lohnt es sich, alle Quittungen für beruflich veranlasste Kosten zu sammeln. Denn erst am Ende des Jahres weißt Du, wie hoch Deine Werbungskosten tatsächlich sind.

Homeoffice-Pauschale

Wenn Du von zuhause arbeiten musst, kannst Du möglicherweise die Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer geltend machen. Allerdings gelten dafür strenge Voraussetzungen. Falls Du kein separates Arbeitszimmer hast, sondern nur eine Arbeitsecke nutzen kannst, steht Dir in den Jahren 2020 und 2021 eine andere Option zur Verfügung: die neue Homeoffice-Pauschale. Du darfst für einen Tag, an dem Du ausschließlich an Deinem häuslichen Arbeitsplatz arbeitest, eine Pauschale von 5 Euro als Werbungskosten geltend machen (Tagespauschale). Das Finanzamt akzeptiert bis zu 120 Tage, folglich ist ein Abzug bis zu 600 Euro im Jahr möglich.

Allerdings wird diese Pauschale wie alle Werbungskosten mit der Wer­bungs­kos­ten­pau­scha­le verrechnet. Deshalb bringt sie Dir nur einen Steuervorteil, wenn Du mit Deinen gesamten Werbungskosten über 1.000 Euro liegst. 

Entfernungspauschale

Die Kilometer- oder Entfernungspauschale ist ein wichtiger Teil der Werbungskosten. Für die Fahrten zur Arbeit kannst Du die Entfernungspauschale geltend machen. 30 Cent für jeden Kilometer der einfachen Strecke zwischen Wohnung und Tätigkeitsstätte erkennt der Fiskus als Fahrtkosten an.

Wer einen weiteren Arbeitsweg hat, der bekommt ab 2021 etwas mehr. Für Fernpendler gibt es ab dem 21. Entfernungskilometer eine höhere Pauschale:

  • 2021 bis 2023 beträgt sie 35 Cent und von
  • 2024 bis 2026 38 Cent pro Entfernungskilometer.
  • Für die ersten 20 Kilometer können aber weiterhin nur 30 Cent abgerechnet werden.

Viele Arbeitnehmer knacken bereits mit den Fahrtkosten ihren Wer­bungs­kos­ten­pausch­be­trag und können alles, was darüber liegt, zusätzlich absetzen. Fährst Du beispielsweise an 228 Tagen im Jahr 15 Kilometer zur Arbeit, kommen 1.026 Euro an Fahrtkosten zusammen. Hast Du noch eine Weiterbildung besucht oder Fachliteratur gekauft, kannst Du diese Kosten dann ebenfalls geltend machen. Um die Entfernungspauschale zu erhalten, musst Du Deine Fahrten zur Arbeit in der Steu­er­er­klä­rung eintragen (Anlage N).

Tipp: Falls Deine Kosten mit dem eigenen Auto diesen Kilometersatz übersteigen, kannst Du auch höhere Fahrtkosten angeben, sofern Du diese belegen kannst. Dann musst Du aber übers ganze Jahr Belege sammeln und Deine Kosten berechnen. Dafür musst Du in der Regel ein Fahrtenbuch führen.

Frei- und Pauschbetrag für Renten und Versorgungsbezüge

Die gesetzliche Rente ist teilweise steuerfrei. Für jeden Rentner wird ein individueller Freibetrag berechnet. Bezieht er beispielsweise 2018 erstmals eine Rente, sind davon 24 Prozent steuerfrei, 2019 sind es 22 Prozent, 2020 nur noch 20 Prozent und 2021 bleiben nur noch 19 Prozent der ersten vollen Bruttojahresrente steuerfrei. Dieser Betrag in Euro wird als Rentenfreibetrag für die Folgejahre festgeschrieben. Darüber liegende Beträge und künftige Rentenerhöhungen sind voll steuerpflichtig.

Rentnern steht eine Wer­bungs­kos­ten­pau­scha­le von 102 Euro zu. Hast Du höhere Werbungskosten, kannst Du stattdessen diese in der Steu­er­er­klä­rung ansetzen.

Wer Versorgungsbezüge erhält, also eine Pension, Witwengeld oder eine Betriebsrente, dem steht dafür ebenfalls ein Wer­bungs­kos­ten­pausch­be­trag von 102 Euro zu. Dieser wird automatisch vom steuerpflichtigen Einkommen abgezogen. Die beiden Pauschbeträge von 1.000 Euro und 102 Euro kannst Du nebeneinander erhalten, wenn Du gleichzeitig Arbeitslohn und Versorgungsbezüge beziehst.

Lohnsteuerpflichtige Firmen- und Beamtenpensionen, beispielsweise Zahlungen aus Unterstützungskassen und Pensionszusagen, sind teilweise steuerfrei gestellt. Dafür gibt es einen Versorgungsfreibetrag sowie einen Zuschlag darauf. Den Rest musst Du versteuern. Trage dazu Deine Bezüge in die Anlage N der Steu­er­er­klä­rung ein.

Die Freibeträge richten sich nach dem Jahr des Zahlungsbeginns laut Tabelle im Einkommensteuergesetz und gelten für die gesamte Laufzeit. Sowohl der Versorgungsfreibetrag als auch der Zuschlag schmelzen bis 2040 ab. Wer 2018 erstmals eine Pension erhält, dem steht ein Versorgungsfreibetrag von 19,2 Prozent bis höchstens 1.440 Euro zu, sowie ein Zuschlag von 432 Euro. Für das Jahr 2019 liegt der Versorgungsfreibetrag bei 17,6 Prozent bis maximal 1.320 Euro, hinzu kommt der Zuschlag von 396 Euro. Die entsprechenden Beträge ab 2020 (und anderer Jahrgänge) kannst Du der Tabelle im Einkommensteuergesetz entnehmen.

Verpflegungspauschale

Bist Du beruflich viel unterwegs oder auf Dienstreisen, kannst Du für die Ver­pfle­gungs­mehr­auf­wen­dung­en eine Pauschale geltend machen. Es gibt feste Pauschalen, je nachdem, wie lange Du auf Reisen bist: Bei mehr als 8 Stunden Abwesenheit erhältst Du ab 2020 14 Euro (zuvor: 12 Euro), ab 24 Stunden 28 Euro (bis Ende 2019: 24 Euro). Für den An- und den Abreisetag kannst Du immer 14 Euro (bis 2019: 12 Euro) geltend machen – unabhängig von der Dauer der Abwesenheit. Trage die Dauer Deiner Abwesenheit in der Steu­er­er­klä­rung ein (Anlage N). Höhere Kosten kannst Du nicht geltend machen, auch nicht, wenn Du unterwegs Restaurant-Rechnungen gesammelt hast.

Umzugskostenpauschale

Wenn Du aus beruflichen Gründen umziehst oder sich Dein Weg zur Arbeit nach einem Umzug wesentlich verkürzt, kannst Du die Umzugskostenpauschale geltend machen.

Viele Ausgaben, etwa für das Renovieren der alten Wohnung oder den Kabelanschluss in der neuen Wohnung, musst Du nicht einzeln belegen. Ehepaare, die ab März 2018 aus beruflichen Gründen umgezogen sind, können in der Steu­er­er­klä­rung pauschal 1.573 Euro (ab 1. April 2019: 1.622 Euro, ab 1. März 2020: 1.639 Euro) geltend machen. Für Ledige gilt eine Pauschale von 787 Euro (ab 1. April 2019: 811 Euro, ab 1. März 2020: 820 Euro). Für Umzüge ab Juni 2020 gelten modifizierte Regeln und neue Pauschalen (860 Euro zuzüglich 573 Euro für den Ehepartner oder das Kind). Die Details und Pauschalen stehen im Ratgeber Umzugskosten

Trage einfach „Pauschale für Umzugskosten“ in Deiner Steu­er­er­klä­rung ein (Anlage N). Die Umzugskostenpauschalen passt das Bundesfinanzministerium regelmäßig an.

Zusätzlich zur Pauschale kannst Du viele weitere Ausgaben für Deinen Umzug absetzen, die Du aber belegen musst. Dazu gehören beispielsweise die Fahrten zu Woh­nungs­be­sich­ti­gung­en, der Transport des Hausrats oder eine doppelte Miete.

Benötigen Deine Kinder nach einem Umzug Nachhilfe, dann sind hierfür zusätzliche Pauschalen für Unterrichtskosten absetzbar. Weitere Details liest Du im Ratgeber Umzugskosten.

Sparerpauschbetrag

Wenn Du Geld anlegst oder Aktien besitzt, solltest Du Dir den Sparerpauschbetrag sichern. Von den Einkünften aus Kapitalvermögen bleiben so für jede Person – auch für Kinder –  801 Euro im Jahr steuerfrei, für Zusammenveranlagte 1.602 Euro.

Dafür musst Du bei Deiner Bank einen Freistellungsauftrag einreichen. Ohne Freistellungauftrag oder wenn die Kapitalerträge über den Sparerpauschbetrag hinausgehen, zieht das Kreditinstitut grundsätzlich 25 Prozent Abgeltungssteuer (zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer) ab und leitet sie ans Finanzamt weiter. Diese unfreiwillige Zahlung kannst Du Dir nur über die Steu­er­er­klä­rung wieder zurückholen.

Sonderausgaben-Pauschbetrag

Für verschiedene Ausgaben des privaten Lebens gilt der Sonderausgaben-Pauschbetrag. 36 Euro beziehungsweise 72 Euro bei Verheirateten und eingetragenen Lebenspartnern zieht Dir das Finanzamt automatisch von Deinem zu versteuernden Einkommen ab.

Erst Sonderausgaben, die darüber liegen, musst Du in der Steu­er­er­klä­rung eintragen und nachweisen, beispielsweise Kinderbetreuungskosten. Weil der Pauschbetrag relativ niedrig ist, kannst Du oft weitere Posten wie Kirchensteuer, Spenden oder So­zial­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge oder andere Vorsorgeaufwendungen absetzen. Was Du in die verschiedenen Formulare eintragen kannst, liest Du in unseren Ratgebern Sonderausgaben und Vorsorgeaufwendungen.

Welche Freibeträge gibt es für Kinder?

Sächlicher Kinderfreibetrag und BEA-Freibetrag

Der Staat unterstützt auch Familien und Alleinerziehende mit Freibeträgen. So gibt es einen sächlichen Kinderfreibetrag, der das Existenzminimum des Kindes absichern soll. Für 2018 beträgt dieser 2.394 Euro pro Kind und Elternteil, für Zusammenveranlagte sind das 4.788 Euro. Hinzu kommt der Freibetrag für den Betreuungs- und Erziehungs- oder Ausbildungsbedarf (BEA-Freibetrag) von 1.320 Euro je Elternteil, also 2.640 Euro für beide Eltern. Einem Ehepaar steht 2018 somit insgesamt 7.428 Euro zu.

Auch in den Jahren 2019 und 2020 wurde der sächliche Kinderfreibetrag erhöht. 2019 stieg dieser um insgesamt 192 Euro pro Kind, sodass ein Ehepaar dann 4.980 Euro erhält (für jeden Elternteil 2.490 Euro). Den Eltern stehen somit im Jahr 2019 Kinderfreibeträge von insgesamt 7.620 Euro zu, im Jahr 2020 sind es 7.812 Euro (2 * 2.586 Euro + 2 * 1.320 Euro BEA). 2021 steigen die Kinderfreibeträge sogar auf 8.388 Euro (2 * 2.730 Euro + 2 * 1.464 Euro BEA). 

Die Freibeträge berücksichtigt der Fiskus allerdings nur, wenn die Ersparnis daraus höher ist als das Kindergeld, das Du während des Jahres erhalten hast. Was für Dich vorteilhafter ist, ermittelt das Finanzamt in der sogenannten Günstigerprüfung. Dazu musst Du nur die Anlage Kind ausfüllen.

Das monatliche Kindergeld für das erste und zweite Kind betrug bis Juni 2019 jeweils 194 Euro. Im Juli 2019 stieg das Kindergeld um 10 Euro auf 204 Euro. Für das dritte Kind wurde es auf 210 Euro erhöht, für jedes weitere Kind auf 235 Euro. Ab 2021 gibt es für das erste und zweite Kind je 219 Euro.

Entlastungsbetrag für Alleinerziehende

Wenn Du alleinstehend bist und ein Kind erziehst, für das Du Anspruch auf Kindergeld beziehungsweise einen Kinderfreibetrag hast, kannst Du einen Entlastungsbetrag steuerlich geltend machen. Ab 2020 hat der Gesetzgeber den Entlastungsbetrag von 1.908 Euro auf 4.008 Euro erhöht. Für jedes weitere im Haushalt gemeldete Kind gibt es seit 2015 einen zusätzlichen Entlastungsbetrag von 240 Euro je Kind.

Den Entlastungsbetrag zieht das Finanzamt von der Summe Deiner Einkünfte ab. Diesen beantragst Du über Deine Steu­er­er­klä­rung (Anlage Kind). Bist Du der Steuerklasse II zugeordnet, wird der Entlastungsbetrag schon im laufenden Jahr beim Lohnsteuerabzug berücksichtigt.

Ausbildungsfreibetrag

Als Eltern könnt Ihr einen weiteren Freibetrag für Sonderbedarf in der Berufsausbildung erhalten. Allerdings nur, wenn Euer Sohn oder Eure Tochter volljährig ist und nicht mehr bei Euch wohnt. Den Ausbildungsfreibetrag von 924 Euro bekommt Ihr, solange Ihr Kindergeld bezieht und Euer Kind zur Schule geht oder eine betriebliche Ausbildung macht.

Du beantragst ihn in der Anlage Kind (Anlage Kind). Erfüllst Du die Voraussetzungen für den Ausbildungsfreibetrag nicht das komplette Jahr, dann wird dieser monatsbezogen gekürzt. In unserem Ratgeber liest Du mehr zu den Freibeträgen für Kinder.

Helfer für die Steu­er­er­klä­rung

Gibt es auch Pauschalen für Nebentätigkeiten?

Übungsleiterfreibetrag

Wenn Du Dir als Ausbilder, Künstler oder Pfleger nebenberuflich etwas dazuverdienst, kannst Du in vielen Fällen vom Übungsleiterfreibetrag profitieren: Du kannst bis zu 3.000 Euro im Jahr steuerfrei dazuverdienen (bis 2020: 2.400 Euro). Nur den darüber liegenden Betrag musst Du versteuern. Wichtig ist, dass Du nebenberuflich für eine öffentlich-rechtliche oder gemeinnützige Organisation tätig bist. Gefördert werden Beschäftigungen mit einer pädagogischen Ausrichtung. Auch Hausfrauen, Hausmänner, Rentner oder Arbeitslose können diesen Freibetrag nutzen.

Bist Du im Hauptberuf Arbeitnehmer, trägst Du den Übungsleiterfreibetrag in der Anlage N Deiner Steu­er­er­klä­rung ein (Seite 1, „steuerfrei erhaltene Aufwandsentschädigungen/Einnahmen“). Selbstständige geben den Freibetrag als „steuerfreie selbstständige Tätigkeiten im Nebenberuf“ in der Anlage S an.

Ehrenamtspauschale

Hilfst Du nebenberuflich und ehrenamtlich im ideellen Bereich, zum Beispiel in einem Altenheim, einer Jugendherberge oder in einer Behindertenwerkstatt, kannst Du den Ehrenamtsfreibetrag nutzen. Ehrenamtliche dürfen für ihre freiwillige Mitarbeit steuerfrei 840 Euro im Jahr (bis 2020: 720 Euro) als Aufwandspauschale annehmen. Auch diesen Betrag gibt es nur, wenn Du ihn in der Steu­er­er­klä­rung einträgst. Dies machst Du entweder in der Anlage N oder in der Anlage S.

Achtung: Du kannst zwar beide Pauschalen nutzen, aber nicht für dieselbe Tätigkeit. Übst Du verschiedene Ehrenämter aus, die separat bezahlt werden, kannst Du sowohl vom Übungsleiter- als auch vom Ehrenamtsfreibetrag profitieren. Das ist beispielsweise der Fall, wenn Du als Trainer für einen Sportverein arbeitest und zusätzlich die Vereinskasse verwaltest.

Welche Vorteile gibt es für Pflegende, Behinderte und Hinterbliebene?

Pflegepauschbetrag

Bis 2020 gilt: Wer einen Angehörigen im häuslichen Bereich ohne Bezahlung pflegt, kann dafür pauschal 924 Euro geltend machen. Das gilt auch bei der Pflege eines nahestehenden Menschen, der hilflos oder schwerstpflegebedürftig ist (Pflegegrad 4 und 5). Ab 2021 gibt es bereits ab einem Pflegegrad 2 einen Pflegepauschbetrag von 600 Euro. Beim Pflegegrad 3 beträgt er 1.100 Euro und bei einem höheren Pflegegrad schließlich 1.800 Euro.

Der Pauschbetrag ist personenbezogen: Teilst Du Dir beispielsweise die Pflege der Mutter mit Deiner Schwester, musst Du auch den Pflegepauschbetrag aufteilen. Auch wenn Du den Pflegebedürftigen nicht das ganze Jahr über gepflegt hast, hast Du Anspruch auf den vollen Pauschbetrag.

Liegen Deine Ausgaben für die Pflege des Angehörigen über dem Pauschbetrag, kannst Du die tatsächlichen Kosten als außergewöhnliche Belastung geltend machen. Der Fiskus erkennt sie allerdings erst an, wenn sie über einer zumutbaren Eigenbelastung liegen.

Behindertenpauschbetrag

Behinderte haben Anspruch auf den Behindertenpauschbetrag. Dieser mindert je nach Grad der Behinderung das zu versteuernde Einkommen um 310 Euro bis 3.700 Euro im Jahr (bis 2020). Ab 2021 werden die Pauschbeträge verdoppelt (620 bis 7.400 Euro) und die Systematik etwas geändert. Details hierzu erfährst Du in unserem Ratgeber Außergewöhnliche Belastungen. Den Pauschbetrag musst Du ebenfalls über die Steu­er­er­klä­rung beantragen. 

Anstatt den Behindertenpauschbetrag zu nutzen, kannst Du höhere Aufwendungen, die Dir wegen der Behinderung entstehen, einzeln nachweisen und in voller Höhe als außergewöhnliche Belastungen allgemeiner Art geltend machen. An dieser Stelle kürzt aber das Finanzamt die Ausgaben um die zumutbare Eigenbelastung. Weiterhin kannst Du die Kosten für die Betreuung eines behinderten oder pflegebedürftigen Familienmitglieds in Deinem Haushalt auch als haushaltsnahe Dienstleistung von der Steuer absetzen. Dies kannst Du im Mantelbogen der Steu­er­er­klä­rung beantragen.

Du kannst beantragen, dass der Behindertenpauschbetrag für ein Kind oder Enkelkind auf Dich übertragen wird, wenn Du für den Nachwuchs Anspruch auf Kindergeld haben. Das ist vor allem sinnvoll, wenn das Kind kein eigenes Einkommen hat. Diesen Antrag stellst Du in der Anlage Kind.

Hinterbliebenen-Pauschbetrag

In bestimmten Fällen können Witwen, Witwer, Waisen und Halbwaisen den Hinterbliebenen-Pauschbetrag von 370 Euro erhalten. Er wird als Jahresbetrag auch von Deinem zu versteuernden Einkommen abgezogen, wenn die Voraussetzungen nicht während des gesamten Jahres vorlagen.

Bedingung ist, dass Du Hinterbliebenenbezüge nach dem Bundesversorgungsgesetz oder vergleichbarer Versorgungsgesetze erhältst. Den Hinterbliebenen-Pauschbetrag musst Du bei den außergewöhnlichen Belastungen beantragen.

Unser Podcast zum Thema

Wie kannst Du Dir einen individuellen Freibetrag sichern?

Um schon im laufenden Jahr weniger Lohnsteuer zu zahlen, kannst Du beim Finanzamt einen Antrag auf Lohnsteuer-Ermäßigung stellen. Deine Werbungskosten – beispielsweise für die Fahrten zur Arbeit – können als eingetragener Freibetrag jeden Monat den Lohnsteuerabzug reduzieren.

Dies ist allerdings erst möglich, wenn die Werbungskosten über dem Arbeitnehmer-Pauschbetrag von 1.000 Euro liegen und zusammen mit anderen Beträgen, beispielsweise den Sonderausgaben, einen Mindestbetrag von 600 Euro überschreiten. Ohne Mindestbetrag kannst Du Kosten für haushaltsnahe Dienstleistungen oder Handwerkerleistungen angeben.

Andere Freibeträge, wie den Behinderten- und den Hinterbliebenen-Pauschbetrag, kannst Du ohne Mindestbetrag eintragen lassen und profitierst sofort von einem geringeren Steuerabzug. Wer Freibeträge eintragen lässt, muss in den meisten Fällen eine Steu­er­er­klä­rung abgeben.

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