Vorsicht vor dem neuen AV-Depot!

  • Hallo liebe Finanztip Community,

    ich möchte hier folgende Kritik am neuen AV-Depot teilen, die meiner Meinung nach für viele Anleger zum Dealbreaker wird:

    Es ist nur ein Schein das das neue Altersvorsorgedepot ohne Garantien arbeitet! In der Auszahlungsphase wird das komplette angesparte Kapital entweder in eine Rentenversicherung oder einen Bankauszahlplan gelegt (beides Garantieprodukte!).

    Das hat gravierende Nachteile zu einer Aktien-basierten Entnahmestrategie. Im besten Fall bekommt man hier in der Auszahlungsphase einen guten Festgeld/Sparbrief-Zins. Das ist eine riesige Vermögensvernichtungsmaschine. Während man wissenschaftlich belegt aus einem klassischem Markowitz-Portfolio 3% jährlich entnehmen kann und trotzdem eine reale Rendite erzielen kann, führt die Auszahlungsphase im Altersvorsorgedepot zum kompletten Kapitalverzehr bei höchstwahrscheinlich niedrigerer Rente im Alter (da hier das Kapital über die Zeit nicht weiter vermehrt wird).

    Es ist entscheidend, dass auch im Alter man in der Regel einen noch sehr langen Anlagehorizont hat und daher nach aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen der überwiegende Teil des Vermögens (natürlich gibt es hier individuelle Abweichungen weil das Vermögen zu klein ist) investiert bleiben sollte.

    Abschließend möchte ich noch kurz erläutern, warum durch Umschichtung in eine Rentenversicherung/Bankauszahlplan das Risiko erhöht wird: Kommt es zu Beginn der Auszahlungsphase zu einem Crash, so werden hier sämtliche Aktien verkauft und in die Rentenversicherung/den Bankauszahlplan angelegt. Diesen Verlust wird man nie wieder aufholen können.

    Fazit: Es scheint mittlerweile überall angekommen zu sein, dass Garantien in der AV zu erheblichen finanziellen Nachteilen führen. Leider denke die meisten Privatanleger bei Garantien nur an die Vermögensaufbauphase. Mindestens genau so entscheidend ist, dass es auch keine Garantien in der Auszahlungsphase ist (unter genauer Betrachtung ist dies erheblich wichtiger als niedrige Kosten in der Vermögensaufbauphase). Finanziell sinnvoll wird das AV-Depot vermutlich nur, wenn man es am Ende der Vermögensaufbauphase förderschädlich komplett liquidiert (um so mögliche Erträge aus den Förderungen mitzunehmen). Bei steuerlicher Betrachtung macht dies in der Regel nur bei sehr langer Vermögensaufbauphase Sinn.

    Ich freue mich auf Diskussionen und eure Fragen zu dem Thema.

    LG

  • Kater.Ka 24. Dezember 2025 um 14:41

    Hat das Thema freigeschaltet.
  • Ich freue mich auf Diskussionen und eure Fragen zu dem Thema.

    Alex777
    5. Dezember 2025 um 17:36
  • Ist vielleicht sinnvoller, diesen Thread rüberzuholen, als andersrum. Icj

    Finanziell sinnvoll wird das AV-Depot vermutlich nur, wenn man es am Ende der Vermögensaufbauphase förderschädlich komplett liquidiert (um so mögliche Erträge aus den Förderungen mitzunehmen).

    Das habe ich auch gedacht. Wenn ich die 150€ sowieso mindestens investiere, kann ich das doch auch im AVD machen und die Zulage für ein Plus an Rendite nutzen. Kommt natürlich auf die Kosten an.

    Bei steuerlicher Betrachtung macht dies in der Regel nur bei sehr langer Vermögensaufbauphase Sinn.

    Wie meinst du das?

  • Modularcurve muss man nicht schon heute bei Riester die Förderungen bei schädlicher Auflösung wieder zurückzahlen?

    Trotz schädlicher Auflösung kann es sich lohnen das "Spiel" ein paar Jahre mitzumachen. Derzeit zahlt mein AG in einen kleinen alten Banksparplan Riester. Ich warte schon seit Jahren darauf, es auf ein Aktien ETF basiertes Produkt umzustellen.

  • Die meisten Angestellte müssen bekanntlich mehr Steuern bei der Auszahlung des AV-Depots zahlen als im Vergleich zur Kapitalertragssteuer (+ Teilfreistellung).

    Hat man beispielsweise nur noch 10 Jahre Zeit für die Ansparphase, so kann man vorraussichtlich nur noch sehr wenige Erträge auf die Förderungen erhalten. Bei förderschädlicher Liquiditation bleibt dann am Ende nach Steuern oft weniger übrig, als hätte man das Geld in seinem privaten Depot angelegt und auf die Förderungen verzichtet.

    Hier gibt es natürlich je nach (voraussichtlichem) Steuersatz zum Ende der Vermögensaufbauphase einen individuellen Break-Even-Point.

  • Ist das so? In meiner Rechnung komme ich für Kapitalertragssteuer + Soli abzüglich 30% Teilfreistellung auf eine Belastung von 18,46%. Bei einem zu versteuernden Einkommen von 3000€ pro Monat = 36 000€ pro Jahr für einen Single liegt der persönliche Steuersatz bei 16,59% und damit eindeutig drunter. Rein durch die GRV bekommt fast niemand 3000€, dazu benötigt man noch erhebliche steuerpflichtige Zusatzeinnahmen.

  • Rein durch die GRV bekommt fast niemand 3000€,

    Das stimmt, dafür müsste man nahe an bzw. Über der Beitrags bemessungs Grenze liegen und zwar die vollen 45jahre lang.

    Hier mal ne Info dazu

    So viele Menschen erhalten eine Rente von mehr als 3000 Euro | Ihre Vorsorge
    Die Rentenversicherung legt neue Zahlen vor. Warum Angaben über Durchschnittsrenten irreführend sein können.
    www.ihre-vorsorge.de
  • Ist das so? In meiner Rechnung komme ich für Kapitalertragssteuer + Soli abzüglich 30% Teilfreistellung auf eine Belastung von 18,46%. Bei einem zu versteuernden Einkommen von 3000€ pro Monat = 36 000€ pro Jahr für einen Single liegt der persönliche Steuersatz bei 16,59% und damit eindeutig drunter. Rein durch die GRV bekommt fast niemand 3000€, dazu benötigt man noch erhebliche steuerpflichtige Zusatzeinnahmen.

    Wobei für die Rechnung nicht der durchschnittliche Steuersatz relevant ist sondern mehr etwas in Richtung Grenzsteuersatz (hängt von der Höhe der Kapitalerträge ab).

  • In meiner Rechnung komme ich für Kapitalertragssteuer + Soli abzüglich 30% Teilfreistellung auf eine Belastung von 18,46%.

    Diese Kalkulation berücksichtigt halt die Vorversteuerung z.B. durch den US-Fiskus nicht.

    Wenn wir von 2% Dividende und 5% Wertsteigerung ausgehen, werden US-Aktien für einen deutschen Anleger mit 26,14% besteuert. Der Unterschied zu den deutschen 26,375% ergibt sich dadurch, daß die US-Quellensteuer nicht mit Soli belastet ist.

    Steckt die gleiche Aktie in einem ETF mit 0,20% TER, so beträgt die Belastung 23,96% und nicht etwa 18,46%. Das ist weniger als 26,14%, aber es nicht nicht so viel weniger wie immer behauptet.

    Wie man das rechnet, habe ich neulich mal umfangreich erklärt.

  • Die Rechnung mit der Vorversteuerung muss in einem Thread sein, dem ich nicht folge (und ja, die gibt es tatsächlich ;) ). Auf der anderen Seite wurden die Indizes und damit ETF in den letzten Jahren von Werten getrieben, die keine Dividenden ausschütten.

    Aber wenn ich dich richtig verstehe, dann sollte damit das Thema fehlende Abgeltungssteuer noch weniger problematisch sein?

  • Das hat gravierende Nachteile zu einer Aktien-basierten Entnahmestrategie. Im besten Fall bekommt man hier in der Auszahlungsphase einen guten Festgeld/Sparbrief-Zins. Das ist eine riesige Vermögensvernichtungsmaschine. Während man wissenschaftlich belegt aus einem klassischem Markowitz-Portfolio 3% jährlich entnehmen kann und trotzdem eine reale Rendite erzielen kann, führt die Auszahlungsphase im Altersvorsorgedepot zum kompletten Kapitalverzehr bei höchstwahrscheinlich niedrigerer Rente im Alter (da hier das Kapital über die Zeit nicht weiter vermehrt wird).

    Es ist entscheidend, dass auch im Alter man in der Regel einen noch sehr langen Anlagehorizont hat und daher nach aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen der überwiegende Teil des Vermögens (natürlich gibt es hier individuelle Abweichungen weil das Vermögen zu klein ist) investiert bleiben sollte.

    Abschließend möchte ich noch kurz erläutern, warum durch Umschichtung in eine Rentenversicherung/Bankauszahlplan das Risiko erhöht wird: Kommt es zu Beginn der Auszahlungsphase zu einem Crash, so werden hier sämtliche Aktien verkauft und in die Rentenversicherung/den Bankauszahlplan angelegt. Diesen Verlust wird man nie wieder aufholen können.

    Ein anderes Konzept, etwa eine Teilkapitalisierung, ist politisch nicht gewollt. M.E. Würde es aber für sehr viele interessant sein.