„Die Nachtschicht“ - Philosophische Geldanlage

  • „Selbermacher:innen“ im Finanzforum – eine Ersatzreligion?

    Wer alles selbst macht – ETFs statt Beratys, jede Versicherung selbst checken – lebt nach eigenen Regeln, fast wie eine Glaubensgemeinschaft. Finanzforen bieten Rituale (Depot-Updates posten, Anlagestrategien diskutieren), Normen (Selbstbestimmung, Disziplin) und Anerkennung von Gleichgesinnten.

    Der Unterschied zu klassischen Religionen: Es gibt kein Transzendentes. Die „Göttys“ sind Indizes, Renditen oder clever gewählte ETFs. Doch die psychologische Funktion ist ähnlich: Orientierung, Sinn und Identität.

    Für viele wird das Forum zur Ersatzreligion, nur dass hier Selbstermächtigung und ökonomische Rationalität im Mittelpunkt stehen, statt Gebet oder Heilslehre. Wer Erfolg hat, wird anerkannt; wer scheitert, lernt dazu, eine Art spirituelle Selbstoptimierung mit Zahlen statt Ritualen.

    Im Forum kann jeder sich so präsentieren, wie er/sie/es es will:

    Der lockere Rentner aus der sozialdemokratischen Tradition, der verschrobene bedürfnislose Kauz, der stolz auf seine Ersparnisse blickt, die junge Mutter, die von „Beratern“ aus dem Freundeskreis zum Abschluss von idiotischen Versicherungen gedrängt wird, der Neoliberale, der endlich Dampf ablassen kann..,,usw.

  • Ich bete immer das alle mir nahestehenden Personen von Finanzprodukteverkäufern verschont bleiben. 😉 ( mein Schwiegervater war bei der AWD und ist zum Glück seit einigen Jahren Rentner, aber eigentlich auch schade. Zumindest könnte ich ihm heute die Produkte erklären der er verkauft hat. Er konnte es damals nicht. )

  • Ich bete immer das alle mir nahestehenden Personen von Finanzprodukteverkäufern verschont bleiben.

    Ganz wichtig.

    Zu der ganzen Überlegung kam ich, weil ich einen spannenden Artikel zu Bitcoin gelesen habe. Die Frage war dort, ob Bitcoin eine Ersatzreligion sei.
    Apropos….um Bitcoin ist es etwas ruhiger geworden, oder ?

  • Apropos….um Bitcoin ist es etwas ruhiger geworden, oder ?

    In der Pubertät wird viel geschrien, provoziert, alles ist schwarz-weiß und jede Kursschwankung ein Weltuntergang. Jetzt zieht Bitcoin langsam aus der WG der Maximalisten aus, zahlt seine Miete selbst und diskutiert nicht mehr bei jeder Familienfeier über das „wahre Geld“.

    Ja, es ist ruhiger geworden – aber eher so wie bei jemandem, der keine permanente Aufmerksamkeit mehr braucht. Wer erwachsen wird, muss seine Existenz nicht ständig beweisen. Er funktioniert einfach, taucht im Alltag auf und wird angenehm langweilig zuverlässig ;)

    "If you don't believe it and you don't get it, I can't make you believe it."

    – Satoshi Nakamoto

  • Eben nachgeschlagen: Bei den 14 Nothelfern ist keiner für Anlage-Erfolg zuständig. Da müsste der Papst noch nachsteuern.

    Bin mir auch nicht sicher, ob das Bild mit der Religion so taugt. FTSE vs. MSCI World entspricht doch eher HSV vs. BVB, oder nicht?

  • Bitcoin (oder Geldanlage im allgemeinen) mit einer Religion zu vergleichen halte ich für den passenderen Vergleich als den Vergleich Forum zu Religion.

    Das Forum wäre m. E. dann passender mit der Bibel zu vergleichen. Die Forumsteilnehmer Apostel?

  • Der Forentitel passt nicht.

    Aber es nervt mich einfach persönlich, dass "philosophisch" ständig missbraucht bzw fehl gebraucht wird...

    Aber davon sind Emil und Saidi im Podcast leider auch nicht freizusprechen. "Philosophisch" immer wenn es um Religion, Lebenshaltung und Esoterik geht. Da wurde nicht begriffen, was Philosophie eigentlich ist und ausmacht... Gerade meistens die Unterschiede zu Religion und Esoterik... Und in den Finanz bezogenen Themen kratzt man nicht mal ansatzweise am Level komplexer philosophischer Fragen.

    P.S.: Ein, zugegeben, persönlich gefärbter Beitrag einer genervten Berufsphilosophin.

  • Bin mir auch nicht sicher, ob das Bild mit der Religion so taugt. FTSE vs. MSCI World entspricht doch eher HSV vs. BVB, oder nicht?

    Es taugt auch nichts. Als ich das las, dachte ich "Oh Gott:in ... Wirf irgendwas runter."

    Mit Neuaufnahmen und Umstrukturierungen der Aufgaben der Nothelfer ist aber einiges möglich. Mathäus war Zöllner/Finanzbeamter, Laurentius ist Schutzpatron der Schatzmeister, Vitus Patron gegen Nervosität folglich Panikverkäufe, Blasius könnte sich als Helfer gegen plötzliches Ersticken auch kümmern, wenn der Markt die Luft abschnürt. 😅

  • Der Forentitel passt nicht.

    Aber es nervt mich einfach persönlich, dass "philosophisch" ständig missbraucht bzw fehl gebraucht wird...

    Aber davon sind Emil und Saidi im Podcast leider auch nicht freizusprechen. "Philosophisch" immer wenn es um Religion, Lebenshaltung und Esoterik geht. Da wurde nicht begriffen, was Philosophie eigentlich ist und ausmacht... Gerade meistens die Unterschiede zu Religion und Esoterik... Und in den Finanz bezogenen Themen kratzt man nicht mal ansatzweise am Level komplexer philosophischer Fragen.

    P.S.: Ein, zugegeben, persönlich gefärbter Beitrag einer genervten Berufsphilosophin.

    Hm, der Bitcoin-Bro ist nicht der Philosoph aus dem Höhlengleichnis und die Bitcoin-Verächter die Höhlenbewohner? ^^

  • Bei Bitcoin (und KI) sehen ich durchaus Religionsnähe. Bei Finanzthemen bin ich etwas skeptischer.

    Aber auf eine andere Analogie hast du mich gebracht:

    Vor Corona war ich starker Kritiker der vereinfachten und relativ einseitigen Tagesschau- Massenmeinung.

    Seitdem ich weiß wie Menschen ticken, wenn sie keine maßgebliche Führung haben, sehe ich den Sinn einer gemeinsamen "Leit"-Meinung.

    Vielleicht ergibt sich sowas (negatives) auch, wenn sich die Finanzplanung stark individualisieren sollte (was ich noch nicht sehe).

  • Sags eher nicht. Bitcoin ist eine Technologie. Wenn, dann gehts um die Prediger und (Un-)Gläubigen.

    Stimmt, Bitcoin selbst ist eine Technologie. Die Idee hinter Bitcoin ist eine Ideologie. Und die, die Bitcoin besitzen, sind Gläubige, sie glauben schließlich an ihn.

    Das wertvollste Produkt, das man sich mit Geld kaufen kann, ist ein leerer Kalender.