„Selbermacher:innen“ im Finanzforum – eine Ersatzreligion?
Wer alles selbst macht – ETFs statt Beratys, jede Versicherung selbst checken – lebt nach eigenen Regeln, fast wie eine Glaubensgemeinschaft. Finanzforen bieten Rituale (Depot-Updates posten, Anlagestrategien diskutieren), Normen (Selbstbestimmung, Disziplin) und Anerkennung von Gleichgesinnten.
Der Unterschied zu klassischen Religionen: Es gibt kein Transzendentes. Die „Göttys“ sind Indizes, Renditen oder clever gewählte ETFs. Doch die psychologische Funktion ist ähnlich: Orientierung, Sinn und Identität.
Für viele wird das Forum zur Ersatzreligion, nur dass hier Selbstermächtigung und ökonomische Rationalität im Mittelpunkt stehen, statt Gebet oder Heilslehre. Wer Erfolg hat, wird anerkannt; wer scheitert, lernt dazu, eine Art spirituelle Selbstoptimierung mit Zahlen statt Ritualen.
Im Forum kann jeder sich so präsentieren, wie er/sie/es es will:
Der lockere Rentner aus der sozialdemokratischen Tradition, der verschrobene bedürfnislose Kauz, der stolz auf seine Ersparnisse blickt, die junge Mutter, die von „Beratern“ aus dem Freundeskreis zum Abschluss von idiotischen Versicherungen gedrängt wird, der Neoliberale, der endlich Dampf ablassen kann..,,usw.