Kurze Frage zu Ausschütter vs. Thesaurierer

  • Hallo zusammen,

    ich habe nun schon öfter im Forum die Kritik gelesen, dass z.B. Finanztip thesaurierende weltweite ETF empfiehlt, obwohl durch die Voraupauschale nun Ausschütter besser dastehen. Sollte das stimmen wäre es nett wenn jemand mal kurz erklären könnte, weshalb genau das so ist oder sogar eine Beispielrechnung zeigen. Danke!

  • Hi, dem Wunsch nach einer Musterrechnung komme ich nicht nach … nur grds. der Hinweis: Das ist Mikrooptimierung. In Phasen mit einer Besteuerung der Vorabpauschale mögen manche Ausschütter rechnerisch besser da stehen, alleine durch den Aufwand und Zeitversatz der Wiederanlage kann sich das gut und gerne aufheben oder gar umkehren. Zumal die Steuer auf die Vorabpauschale die Besteuerung von Ausschüttern wohl nie exakt trifft, sondern mal zu wenig (dann gibt es noch zusätzlich eine Besteuerung der Vorabpauschale) oder zu viel (dann zahlt man zu viel Steuer) ist. Von daher: Es ist auch in Zeiten der Besteuerung der Vorabpauschale praktischer und komfortabler und unkomplizierter, einfach Thesaurierer zu nehmen. Grds. sollte man sich über die Vorabpauschale nicht so viele Gedanken machen, wie es manche hier mit Lust und Hingabe tun!

  • ... dass z.B. Finanztip thesaurierende weltweite ETF empfiehlt ...

    Mag auch damit zusammenhängen, dass bei Finanztip vermutlich viele Leute arbeiten, die bei Vollberufstätigkeit, familiären Verpflichtungen etc. nicht die Zeit aufbringen wollen/können, täglich in ihr Depot zu gucken, um festzustellen, dass da wieder 45,26 Euro Ausschüttung eingegangen sind, um die man sich jetzt kümmern müsste.

    Im Rentenalter mag das anders sein und dann sind hoffentlich wg. angewachsenem Depotwert die Ausschüttungen jeweils so hoch, dass die Motivation zur sofortigen Wiederanlage größer ist.

    Wer thesaurierende ETfs hat, spart sich das ständige Reingucken und Grübeln wg. Wiederanlage. Wäre zu meinen Vollberufstätigkeitszeiten ein wichtiges Argument gewesen - wichtiger als vermutlich minimale Steuervorteile, an denen sich sowieso jederzeit was ändern kann.

  • Hallo zusammen,

    ich habe nun schon öfter im Forum die Kritik gelesen, dass z.B. Finanztip thesaurierende weltweite ETF empfiehlt, obwohl durch die Voraupauschale nun Ausschütter besser dastehen. Sollte das stimmen wäre es nett wenn jemand mal kurz erklären könnte, weshalb genau das so ist oder sogar eine Beispielrechnung zeigen. Danke!

    Achim Weiss hat das hier schon mehrfach vorgerechnet, sollte sich mit der Suchfunktion finden lassen.

  • Grundsätzlich sollte man unterscheiden in welcher Phase man sich befindet.

    Wenn der Sparerpauschbetrag bereits sicher ausgeschöpft aber die Entnahme noch in weiter Ferne ist, kann man guten Gewissens einen Thesaurierer wählen. Mit dem zahlt man in der Aufbauphase in schlechten Börsenjahren weniger Steuern als mit ausschüttenden ETFs. Nicht dass es ein großer Unterschied wäre, aber kann in einer längeren Dürrephase schon einen Unterschied machen.

    Anders sieht es aus, wenn man sich der Entnahmephase nähert oder womöglich schon drin ist. Hier trifft man oft auf die FALSCHE Argumentation, man könne doch Anteile verkaufen und die seien steuerlich weniger belastet als die Ausschüttungen. Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Ja man zahlt höhere Steuern auf Ausschüttungen als auf Verkäufe, nur leider kommen beim Thesaurierer noch die Steuern auf die Vorabpauschale hinzu. Während man nach der Besteuerung der Ausschüttungen direkt über die Nettobeträge verfügen kann, verhält es sich bei der Besteuerung der Vorabpauschalen genau umgekehrt. Man muss zum Jahresanfang zusätzliches Geld vorhalten für die Steuern. Die sind in den meisten Jahren ähnlich hoch wie bei Ausschüttungen. Nur am Ende hat man nicht einen Cent mehr auf dem Konto für die Entnahme sondern im ungünstigen Fall ist man in die Miesen gerutscht. Man muss dann noch mehr Anteile verkaufen und da fallen ein weiteres mal Steuerzahlungen an.

  • Die Ausschüttung in der Entnahmephase ist allerdings in aller Regel niedriger, als die tatsächliche Entnahmerate. Macht es aus meiner Sicht auch nochmal komplizierter für jemanden, der sich damit nicht viel beschäftigen möchte.

  • Mag auch damit zusammenhängen, dass bei Finanztip vermutlich viele Leute arbeiten, die bei Vollberufstätigkeit, familiären Verpflichtungen etc. nicht die Zeit aufbringen wollen/können, täglich in ihr Depot zu gucken, um festzustellen, dass da wieder 45,26 Euro Ausschüttung eingegangen sind, um die man sich jetzt kümmern müsste.

    Wieso nur täglich? Stündlich, wenn nicht sogar viertelstündlich muss man das doch machen. Gigantischer Aufwand, den man sich nur mit Thesaurierern sparen kann.

    Oder mit automatischer Wiederanlage.

    Oder man nimmt diesen grausamen Umstand, dass da ab und an was auf dem Verrechnungskonto landet, halt einfach so hin. Auch wenn es da sicher gleich die wunderbaren Berechnungen geben wird, welchen gigantischen Zinseszins man damit verliert, wenn nicht alles gleich am Zahltag wieder reinvestiert wird.

  • Oder man nimmt diesen grausamen Umstand, dass da ab und an was auf dem Verrechnungskonto landet, halt einfach so hin. Auch wenn es da sicher gleich die wunderbaren Berechnungen geben wird, welchen gigantischen Zinseszins man damit verliert, wenn nicht alles gleich am Zahltag wieder reinvestiert wird.

    Ich stimme Dir im Grunde ganz genau zu … denen, die mit Millimeterarbeit die angeblichen Vorteile von Ausschüttern vorrechnen, darf oder muss man aber auch mit Millimeterarbeit die Gegenargumentation vorrechnen. Und wenn man das, was aufm Verrechnungskonto landet, einfach mal liegenlässt, sind die angeblichen Vorteile halt schnell blown in the wind

  • du müsstest bei der rechnung vom Thesaurierer mit rechnen dass man für die VAP entsprechende anteile verkaufen muss (was wahrscheinlich nicht aufgehen wird) geg. FIFO beachten wenn man den schon länger bespart, und entsprechend beim verkauf eben die steuer mitrechnen + anfallende spesen für die transaktion

    man kann ja nicht einfach hergehen und sagen man zahlt die VAP von NEUEM geld wenn man das ganze vergleicht, sonst müsste man dieses NEU geld im ausschütter auch zukommen lassen.

  • es muss eben einberechnet werden.

    wenn du die sparrate reduziertst beim thesuairerer um die vap zu zahlen

    beim ausschütter nicht weil für diesen keine vap anfällt...

    ist das eben nicht das selbe was investiert wird, das verkompliziert den vergleich...

  • Beim Ausschütter kann man aber über den dicken Daumen die Ausschüttungen abschätzen und entsprechend die Sparraten hochfahren.
    Dann kann man die Dividendenzahlungen einfach als Extra Geld ansehen und sich davon etwas gönnen. 😉

    Das wirkt extrem motivierend um noch mehr zu investieren weil es dann noch mehr Dividenden gibt die man verbraten kann.

  • Man kann automatisch wieder anlegen oder einmal im Monat die Sparrate bei Bedarf anpassen. Beides weder Hexenwerk noch unüberwindlich hoher Arbeitsaufwand.

    Stimmt ... an die kurzfristige Anpassung der Sparrate hatte ich nicht gedacht, weil ich nicht per Sparplan spare. Ich war kleine Selbständige und da war der Honorareingang immer etwas unberechenbar.

  • ...denen, die mit Millimeterarbeit die angeblichen Vorteile von Ausschüttern vorrechnen, darf oder muss man aber auch mit Millimeterarbeit die Gegenargumentation vorrechnen.

    Eigentlich muss man beiden sagen: "Klappe halten und Schneemann bauen (oder Schlittschuhfahren gehen - eins von beiden dürfte gerade ja vor jeder Haustüre möglich sein). Solange ihr mir nicht 100%ig vorhersagen könnt, wie sich das deutsche Steuerrecht und der Basiszins (und so ein bisschen auch die Weltwirtschaft) in den nächsten 30 Jahren entwickeln werden, ist das alles reiner Glaubenskrieg."