Eigenkapital

  • Hallo,

    wir stehen aktuell vor einer größeren Finanzierungsentscheidung und würden uns über Ihre fachliche Einschätzung freuen.

    Wir planen, innerhalb der nächsten zwei Monate (schon vereinbart) ein Grundstück zu erwerben. Der Kaufpreis liegt bei 75.000 Euro, inklusive Nebenkosten rechnen wir mit ca. 86.000 Euro. Anschließend möchten wir ein Einfamilienhaus bauen. Die geplante Gesamtfinanzierungssumme beläuft sich auf rund 400.000 Euro. Wir haben aktuell ein gutes Angebot einer Baufirma.

    Zu unserer aktuellen finanziellen Situation:

    • Gesamtvermögen aktuell: ca. 30.000 Euro
    • Davon sind 20.000 Euro als Eigenkapital für die Finanzierung vorgesehen
    • Weitere 8.000 Euro möchten wir derzeit nicht einsetzen, da diese für eine BAföG-Rückzahlung im Jahr 2030 eingeplant sind
      • Die ursprüngliche BAföG-Gesamtschuld beträgt 10.000 Euro
      • Durch den vorzeitigen Rückzahlungsrabatt reduziert sich diese auf ca. 8.000 Euro
    • Zusätzlich besitzen wir ETFs im aktuellen Wert von ca. 16.000 Euro
      • Davon entfallen etwa 2.500 Euro auf Rendite

        Nun stellen sich für uns mehrere zentrale Fragen, zu denen wir gerne Ihre Einschätzung hätten:
    1. Ist es aus Eurer Sicht sinnvoll, die ETFs aufzulösen und vollständig oder teilweise als zusätzliches Eigenkapital in die Immobilienfinanzierung einzubringen?
    2. Würdet ihr empfehlen, das für die BAföG-Rückzahlung vorgesehene Geld ebenfalls vorübergehend für die Finanzierung zu nutzen und den Betrag bis 2030 neu anzusparen – insbesondere vor dem Hintergrund des hohen Rückzahlungsrabatts?
    3. Wie bewertet ihr unsere geplante monatliche Kreditbelastung von maximal 1.800 Euro (idealerweise ca. 1.700 Euro)?

    Zu uns persönlich:

    Wir sind beide verbeamtet, 32 und 30 Jahre alt, und verfügen gemeinsam über ein monatliches Nettoeinkommen von ca. 6.500 Euro. Aufgrund von Studium und Ausbildungszeit war es uns bislang nur eingeschränkt möglich, Vermögen aufzubauen. Aktuell befinden wir uns noch bis September in Elternzeit (1Kind), sodass bis dahin nicht mit einer größeren zusätzlichen Ansparphase zu rechnen ist.

    Uns ist besonders wichtig, eine langfristig tragfähige und risikoarme Entscheidung zu treffen, insbesondere in Bezug auf den Umgang mit den ETFs und den BAföG-Mitteln.


    Vielen Dank im Voraus für eure Einschätzung.

    Wir freuen uns auf Ihre Rückmeldung.

    Mit freundlichen Grüßen

    Chris

  • Kater.Ka 13. Januar 2026 um 08:09

    Hat das Thema freigeschaltet.
  • Ist es aus Eurer Sicht sinnvoll, die ETFs aufzulösen und vollständig oder teilweise als zusätzliches Eigenkapital in die Immobilienfinanzierung einzubringen?

    Nicht gezahlte Zinsen (weil Du mehr Eigenkapital einsetzen kannst) ist, wenn man es so sehen will, eine sichere Rendite. Die Gewinne auf den ETF sind unsicher (und müssen außerdem noch versteuert werden). Die Zinsen auf den Immobilienkredit zahlst Du aus deinem Netto.

    Daher müssten die ETF-Gewinnen schon spürbar höher sein als die Immobilienzinsen, damit es sich lohnt, den ETF stehen zu lassen und gleichzeitig zur Bank zu gehen und sich (mehr) Geld zu leihen.

  • Banken sehen gerne 10% an Eigenkapital, das ist hier nur gegeben, wenn alle Werte zusammengenommen werden. Daher würde ich mir verschiedene Szenarien rechnen lassen und bewerten, wie sehr ein mehr oder weniger an Eigenkapital Einfluss auf den Zinssatz hat.

    Eine Reserve in der Hinterhand zu haben, ist in meinen Augen unbedingt erforderlich, von Notgroschen ist bisher keine Rede. Und die Angebote von Baufirmen lesen sich in der Regel besser als die Gesamtrechnung am Ende.

    Wenn es nach einer möglichst risikoarmen Entscheidung geht, lautet meine Empfehlung: ETFs verkaufen, Geld auf Tagesgeldkonto und dann die für Euch passende Mitte aus "Einsatz des maximal möglichen Eigenkapitals" und "Einsatz des minimal möglichen Eigenkapitals" finden.

  • und würden uns über Ihre fachliche Einschätzung freuen.

    Hallo Hammer

    vorab der guten Ordnung halber: Ich bin nur Finanz-Laie, wenn auch ein an solchen Themen Interessierter mit zudem ein bißchen eigenen Erfahrungen (investiere seit gut 50 Jahren aktiv u. a. in Aktien und Immobilien - ein Eigenheim hatte ich in sehr jungen Jahren auch erworben und finanziert).

    In dem Kontext:

    wir stehen aktuell vor einer größeren Finanzierungsentscheidung

    Eventuell sogar vor eurer bislang jedenfalls größten ...

    Eine solche Entscheidung (Hausbau) empfehle ich immer sehr sorgfältig und umsichtig zu prüfen.

    Aufgrund der hierzulande sehr hohen Nebenkosten (Transaktionskosten) entfaltet das für den Durchschnittsbürger nur Sinn, wenn mit einer großen Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden kann, daß man dauerhaft oder zumindest sehr lange an dem besagten Ort wohnen wird ...

    Dazu kommt

    ein Grundstück zu erwerben. Der Kaufpreis liegt bei 75.000 Euro, inklusive Nebenkosten rechnen wir mit ca. 86.000 Euro

    Der Preis für das Grundstück - ohne die genau Grundstückgröße in qm zu kennen - könnte (Konjunktiv (!)) dafür sprechen, daß es sich eher um eine ländliche und/oder strukturschwache Gegend handelt (hier vor Ort reicht das in guter Lage kaum für den Grund und Boden für eine Doppelgarage). In einer solchen Gegend würde ich den Bau eines EFH noch sorgfältiger abwägen als ohnehin schon.

    Eingedampft zu den Rahmendaten eurer Finanzierung: Euer Eigenkapital ist sehr bis äußerst gering (bedeutet einen hohen Beleihungsauslauf und damit eine relativ ungünstige Zinskondition) - euer gemeinsames Einkommen aber recht ordentlich ("6.500 netto") und zudem relativ "sicher" ("beide verbeamtet"). Von daher dürfte sich auf jeden Fall eine Bank finden lassen, die das Ganze finanziert (oder hat sich schon gefunden).

    Ist es aus Eurer Sicht sinnvoll, die ETFs aufzulösen und vollständig oder teilweise als zusätzliches Eigenkapital in die Immobilienfinanzierung einzubringen?

    Tendenziell ja - auf jeden Fall würde ich aber einen Teil eurer (sehr bis extrem knappen) Mittel dennoch als "Rücklage für Notfälle" zurückhalten (als trockenes Pulver sozusagen; risikoarm vorgehalten). Außerdem haben solche Bauvorhaben (das war schon immer so - gilt aber besonders in der heutigen Zeit) die Tendenz am Ende teurer zu werden als ursprünglich geplant. Die Darlehenssumme würde ich daher versuchen eher großzügig anzusetzen, Nachfinanzierungen können (für Otto Normalverbraucher) bankseitig eine mühsame Angelegenheit sein.

    Wie bewertet ihr unsere geplante monatliche Kreditbelastung von maximal 1.800 Euro (idealerweise ca. 1.700 Euro)?

    Das ist eher sehr moderat (wenn denn die Annuität (Kreditrate inkl. Zins und Anfangstilgung) so stimmt), also keine besonders hohe Belastung (bei nicht wenigen Menschen in gefragten Regionen ist die Miete in Relation zum Einkommen schon höher). In eurer Kapitaldienstfähigkeit über die Darlehenslaufzeit hinweg sehe ich eher als das geringste Problem.

    Würdet ihr empfehlen, das für die BAföG-Rückzahlung vorgesehene Geld ...

    Zu dem Thema fehlt mir jede Kenntnis samt Erfahrung.


    Last but not least

    Uns ist besonders wichtig, eine langfristig tragfähige und risikoarme Entscheidung zu treffen, insbesondere in Bezug auf den Umgang mit den ETFs und den BAföG-Mitteln.

    In dem Kontext würde ich auch die Dauer der Zinsfestschreibung (Zinsbindungsfrist) in die Überlegungen mit einbeziehen. Insbesondere vor dem Hintergrund der einseitigen Kündigungsmöglichkeit des Darlehensnehmers (gesetzliches Sonderkündigungsrecht) nach 10 Jahren mit 6-monatiger Kündigungsfrist ohne Vorfälligkeitsentschädigung (siehe § 489 Abs. 1 Nr. 2 BGB).

    Damit kann relativ günstig (überschaubarer Zinsaufschlag) sehr langfristige Planungssicherheit und Schutz vor den Unwägbarkeiten zukünftiger Zinsentwicklungen eingekauft werden (insbesondere vor dem Hintergrund einer Finanzierung mit sehr hohem Beleihungsauslauf und entsprechend noch relativ hoher Restschuld nach beispielsweise 10 Jahren, die dann dem Zinsänderungsrisiko unterliegt).


    Eventuell würde ich, ganz persönlich, an Eurer Stelle nochmal über das "Ob" nachdenken, anstatt nur über das "Wie" der Umsetzung ...


    Gute Gedanken und ebensolche Entscheidungen wünsche ich Euch !

  • Aus eigener Erfahrung und mehreren Jahren in Hausbauforen kann ich euch sagen, dass praktisch kein Hausbau im Budget bleibt. Ihr plant hier, mit 10k Reserve reinzugehen, von der 8k schon verplant sind. Es bleiben also 2k...das ist eine ziemliche Harakiri-Aktion. Ihr habt Null Reserve für Mehrkosten. Mal davon abgesehen, dass das restliche Leben auch seine Risiken birgt. Ein kaputtes Auto könnt ihr mit der Reserve nicht ersetzen. Ich würde die kompletten 30k (eigentlich ja nur 22k) als Reserve zurückhalten und - falls gegen alle Erwartungen das Haus im Budget bleibt - ggf. nach Einzug und Außenanlagen eine Sondertilgung leisten

  • Hallo Hammer,

    ich möchte nochmals den Rat meiner Vorposter wiederholen, kalkulieren Sie keine Finanzierung, wo Sie vollkommen blank sind. Jeder, wirklich jeder, Bau enthält Überraschungen.

    Sie haben ein großes Pfund, als Beamte bekommen Sie eine 100%- Finanzierung. Letztendlich läuft es bei Ihrem EK darauf hinaus, wenn Sie die Nebenkosten selbst tragen und einen Puffer für unvorhergesehene Kosten vorhalten wollen. Können und wollen Sie diese Belastung tragen?

    Ich würde es etwas anders machen. Das Grundstück jetzt kaufen und mit dem Baubeginn 3-4 Jahre warten. In der Zeit sparen bis es quietscht (K.W.), das Grundstück zum Baubeginn vollkommen abgezahlt haben und damit nur noch ca. 80% Kredit zu benötigen. Senkt die monatliche Belastung deutlich.

    Gruß Pumphut

  • Wir stehen aktuell vor einer größeren Finanzierungsentscheidung und würden uns über Ihre fachliche Einschätzung freuen.

    Du möchtest bauen und hast dafür eigentlich kein Geld. :(

    Wir planen, innerhalb der nächsten zwei Monate (schon vereinbart) ein Grundstück zu erwerben. Der Kaufpreis liegt bei 75.000 Euro, inklusive Nebenkosten rechnen wir mit ca. 86.000 Euro. Anschließend möchten wir ein Einfamilienhaus bauen. Die geplante Gesamtfinanzierungssumme beläuft sich auf rund 400.000 Euro.

    Wir haben aktuell ein gutes Angebot einer Baufirma.

    Du hast ein Angebot einer Baufirma und möchtest ja unbedingt bauen. Also muß das Angebot gut sein.

    Zu unserer aktuellen finanziellen Situation:

    • Gesamtvermögen aktuell: ca. 30.000 Euro
    • Davon sind 20.000 Euro als Eigenkapital für die Finanzierung vorgesehen
    • Weitere 8.000 Euro möchten wir derzeit nicht einsetzen, da diese für eine BAföG-Rückzahlung im Jahr 2030 eingeplant sind

    2000 € sind im Zusammenhang mit einem Eigenheimbau nichts. Du kannst Dich glücklich schätzen, wenn Du mit dem Bau Dein Budget lediglich um 2000 € überziehst.

    • Die ursprüngliche BAföG-Gesamtschuld beträgt 10.000 Euro
    • Durch den vorzeitigen Rückzahlungsrabatt reduziert sich diese auf ca. 8.000 Euro

    Das zu nutzen lohnt sich durchaus - aber Du rechnest aktuell mit sechstelligen Beträgen, nicht mit vierstelligen.

    1. Ist es aus Eurer Sicht sinnvoll, die ETFs aufzulösen und vollständig oder teilweise als zusätzliches Eigenkapital in die Immobilienfinanzierung einzubringen?
    2. Würdet ihr empfehlen, das für die BAföG-Rückzahlung vorgesehene Geld ebenfalls vorübergehend für die Finanzierung zu nutzen und den Betrag bis 2030 neu anzusparen – insbesondere vor dem Hintergrund des hohen Rückzahlungsrabatts?
    3. Wie bewertet ihr unsere geplante monatliche Kreditbelastung von maximal 1.800 Euro (idealerweise ca. 1.700 Euro)?

    Ihr habt nach meinem Dafürhalten zu wenig von dem, was Du in den Titel dieses Threads geschrieben hast, nämlich zu wenig Eigenkapital.

    Bevor Du Dich nun an mir abarbeitest, möchte ich Dich darauf hinweisen, daß ich in keiner Weise in die Kreditvergabe involviert bin, somit keinerlei Entscheidungskompetenz habe, ob die Bank Dir Dein Vorhaben finanziert oder nicht. Es bringt also nichts, mich überreden zu wollen.

    Ihr könntest ab sofort einfach mal bezüglich des Sparens Trockenübungen machen, also von Eurem Einkommen weglegen, was ihr könnt, beispielsweise 2000 €. Dann merkt Ihr, wie sich Euer Leben finanziell anfühlt mit dem Einkommen, das Ihr bewußt reduziert habt. Echtes Sparen über zumindest einige Monate ist eine tragfähigere Basis als eine Frage an ein Forum, ob Ihr wohl 1.800 € Rate tragen könnt.

    Selbst dann, wenn dieses Projekt nichts wird, werdet Ihr den Bauwunsch nicht ad acta legen. Wenn das nächste Projekt sich vielleicht in 1 Jahr abzeichnet, habt Ihr 12 deutliche Sparraten schonmal auf dem Konto.

    Wir sind beide verbeamtet, 32 und 30 Jahre alt, und verfügen gemeinsam über ein monatliches Nettoeinkommen von ca. 6.500 Euro. Aufgrund von Studium und Ausbildungszeit war es uns bislang nur eingeschränkt möglich, Vermögen aufzubauen.

    Diese schönen Reden kommen regelmäßig. Der Bankmensch läßt sich von solchen Sprüchen nicht beeindrucken. Du brauchst Dich nicht dafür zu rechtfertigen, daß Ihr kaum Eigenkapital aufgebaut habt. Fakt aber ist: Ihr habt in den vergangenen Jahren nicht besonders viel gespart.

    Aktuell befinden wir uns noch bis September in Elternzeit (1 Kind), sodass bis dahin nicht mit einer größeren zusätzlichen Ansparphase zu rechnen ist.

    Wann kommt das zweite Kind? Geht Ihr dann auch wieder in Elternzeit (was mit einer deutlichen Einkommensreduktion einhergeht)?

    Uns ist besonders wichtig, eine langfristig tragfähige und risikoarme Entscheidung zu treffen, insbesondere in Bezug auf den Umgang mit den ETFs und den BAföG-Mitteln.

    Peanuts. Du denkst gerade an eine Konsumausgabe in der Höhe einer halben Million. Das wird die finanziell größte Entscheidung Deines ganzen Lebens sein. Im Vergleich dazu sind 10.000 € Bafög-Schulden unbedeutend.

    Die Kollegen haben es schon gesagt: Bauvorhaben pflegen teurer zu werden als geplant, dafür braucht man Reserven. Es ist zwar finanzmathematisch nachteilig, zuviel Geld in Reserve zu halten, aber es spart im Bedarfsfall die Nachfinanzierung und daher dennoch klug. Wenn Du allerdings einen sinnvollen Betrag in der Hinterhand behältst - sagen wir mal 30.000 €, dann hast Du kein Eigenkapital mehr.

    Besonders wertvoll für Dich dürfte die Meinung von LebenimSueden sein, denn der ist mit seinem Hausbau gerade fertig.

    Als Familie braucht man ein Haus dann, wenn die Kinder klein sein. Vielleicht braucht man des noch nicht, solange sie Säuglinge sind, aber einige Jahre später dann schon. Ok: In 5 Jahren ist Dein Immobilienprojekt immer noch sinnvoll - dann hattest Du allerdings 5 Jahre Zeit, Eigenkapital aufzubauen (siehe Betreff). Ich würde an Deiner Stelle mal in den Familien anfragen, ob sie Euch helfen würden, fürs Enkelkind ein Nest zu bauen. Geld aus der Familie akzeptiert die Bank als Eigenkapital.

  • Neben dem was die Vorredner schon angebracht haben, möchte ich auf ein oft unterschätztes Risiko hinweisen. Bauträger gehen gar nicht so selten insolvent. Insbesondere bei einem Bauvorhaben was auf Kante genäht ist, kann dann richtig übel ausgehen (unfertiges Haus + Sack voll Schulden). Zu dem Thema unbedingt gründlich informieren und nach Garantien fragen.

  • Das Zauberwort heißt Fertigstellungsbürgschaft. Am besten besteht man gleich noch auf eine Gewährleistungsbürgschaft, auch wenn der Bauunternehmer das natürlich durchreicht. Idealerweise nimmt man auch einen örtlichen Bauunternehmer, der einen Ruf zu verlieren hat und nicht die Klitsche von 50km entfernt.


    PS:

    kompletter Bau auf eigenem Grundstück -> Generalunternehmer (wenn die Baufirma auch selbst was macht) bzw. Generalübernehmer (wenn die Baufirma nur organisiert)

    kompletter Bau auf Grundstück des Bauunternehmers -> Bauträger

  • Aus eigener Erfahrung und mehreren Jahren in Hausbauforen kann ich euch sagen, dass praktisch kein Hausbau im Budget bleibt. Ihr plant hier, mit 10k Reserve reinzugehen, von der 8k schon verplant sind. Es bleiben also 2k...das ist eine ziemliche Harakiri-Aktion. Ihr habt Null Reserve für Mehrkosten.

    Es müssen noch nichtmal wirklich "Mehrkosten" sein.

    In aller Regel beinhalten die Angebote von Baufirmen ganz viele Dinge nicht - oft beispielsweise keine Fußböden, keine Tapeten, keine Außenanlagen, natürlich sowieso keine Einbauküche, der Umzug selbst kostet Geld, Briefkasten, zusätzliche Lampen (wenn man vorher in einer Dreizimmerwohnung war, reichen die vorhandenen nicht, selbst wenn man alles mitnimmt) usw...

    Selbst wenn die Baufirma also komplett im Budget bleiben sollte (und das wäre der erste Bau, der mir bekannt ist, bei dem das der Fall wäre, z.B. Bodenarbeiten sind oft eine Wundertüte mit fünfstelligen Mehrkosten, erst recht ohne Bodengutachten), und selbst wenn die Threadstarter sich mit der absoluten Basic-Ausstattung zufriedengeben und keinerlei Sonderwünsche / Aufmusterungen haben (keine einzige zusätzliche Steckdose, einfachste Armaturen im Bad usw..., auch da wären sie vermutlich die ersten, die 100% im Budget bleiben...), wird da mit Sicherheit noch ein fünfstelliger Betrag obendrauf kommen. Und dafür muss es nicht extravagant werden. Allein mit einer günstigen Einbauküche und Umzugskosten kommt man da schon hin.

    Wie bewertet ihr unsere geplante monatliche Kreditbelastung von maximal 1.800 Euro (idealerweise ca. 1.700 Euro)?

    Das ist keine Frage der "Bewertung", sondern schlichtes Rechnen: Wenn ihr 400.000 EUR Kredit aufnehmt bei wenig Eigenkapital, seid ihr aktuell mit um die 4,5% Zinsen dabei. Dazu 2% Tilgung, macht 6,5% Annuität. Das sind 26.000 EUR im Jahr, also 2.166 EUR im Monat an Rate. Für 1.700 EUR Rate bekämt ihr gerade mal knapp 315.000 EUR Kredit.

    Wart ihr schon bei einem Finanzierungsvermittler und habt euch Angebote eingeholt? Wenn ihr das noch nicht gemacht habt, würde ich an eurer Stelle da mal einen Termin machen. Gängige Anbieter sind z.B. Interhyp, Dr. Klein oder Hüttig & Rompf. Die kennen den aktuellen Markt und können euch unkompliziert Finanzierungsoptionen durchrechnen und wissen auch, was realistisch ist.

  • Ich würde an Deiner Stelle mal in den Familien anfragen, ob sie Euch helfen würden, fürs Enkelkind ein Nest zu bauen. Geld aus der Familie akzeptiert die Bank als Eigenkapital.

    Oder auch mal nach Förderprogrammen (oft regional / bundeslandabhängig) für Familien oder nach KfW-Krediten suchen. Ich weiß nicht, wie bei der KfW inzwischen die Programme aussehen. Aber wir bekamen damals einen KfW-Kredit nach dem Wohnungseigentumsprogramm über 100.000 EUR. Der war nicht günstiger als die damals aktuellen Markt-Konditionen (eher etwas teurer), aber da die KfW in den zweiten Rang geht, wurde der Betrag von unserer hauptsächlich finanzierenden Bank wie Eigenkapital behandelt, was die Konditionen dort nochmal verbessert hat.

  • In aller Regel beinhalten die Angebote von Baufirmen ganz viele Dinge nicht - oft beispielsweise keine Fußböden, keine Tapeten, keine Außenanlagen, natürlich sowieso keine Einbauküche, der Umzug selbst kostet Geld, Briefkasten, zusätzliche Lampen (wenn man vorher in einer Dreizimmerwohnung war, reichen die vorhandenen nicht, selbst wenn man alles mitnimmt) usw...

    Fußböden, Küche, etc. sollte man natürlich mit einkalkulieren.

    Der ganze Kleinkram wird aber massiv unterschätzt. Möbel fehlen in deiner Auflistung noch, normalerweise vergrößert man sich und dann muss man die neuen Räume auch ausstatten. Terrassenmöbel, Gartengeräte, jede Woche ein Besuch im Baumarkt oder eine Bestellung bei Amazon...im ersten Jahr hatte ich das Gefühl, dass das Geld verdunstet. Außenanlagen sind auch leicht unterschätzt...unbedingt durchkalkulieren. Es muss kein Luxuspflaster sein, damit da 4-6k nur für Pflastersteine fällig sind. Und der Schotter drunter...

  • Der ganze Kleinkram wird aber massiv unterschätzt. Möbel fehlen in deiner Auflistung noch, normalerweise vergrößert man sich und dann muss man die neuen Räume auch ausstatten. Terrassenmöbel, Gartengeräte, jede Woche ein Besuch im Baumarkt oder eine Bestellung bei Amazon...im ersten Jahr hatte ich das Gefühl, dass das Geld verdunstet.

    Manches MUSS man ja vielleicht nicht direkt am Anfang machen bzw. kaufen. Klar, die meisten Leute WOLLEN gerne, aber das lässt sich mit Ausgabedisziplin ggf. ja noch regeln und über einige Jahre strecken. Aber Du hast absolut recht, auch der diverse "Kleinkram" läppert sich.

    Was auch noch dazu kommt und man einplanen sollte ist ggf. für einige Monate Kreditrate und Miete der alten Wohnung parallel. Oder Miete plus Bereitstellungszinsen, wenn der Bau länger dauert als gedacht.

    Ein weiterer Punkt sind oft deutlich höhere Nebenkosten. Wenn man vorher eine (ggf. kleinere) Wohnung hatte, kann man nicht davon ausgehen, dass die Nebenkosten im eigenen Haus die gleichen sein werden. Ein Haus ist meist größer mit mehr Fläche zum Heizen, viele Kosten werden nicht durch x Parteien gezahlt sondern sind alleine zu tragen usw...

    Wir sind beide verbeamtet, 32 und 30 Jahre alt, und verfügen gemeinsam über ein monatliches Nettoeinkommen von ca. 6.500 Euro. Aufgrund von Studium und Ausbildungszeit war es uns bislang nur eingeschränkt möglich, Vermögen aufzubauen. Aktuell befinden wir uns noch bis September in Elternzeit (1Kind) sodass bis dahin nicht mit einer größeren zusätzlichen Ansparphase zu rechnen ist.

    Ihr habt in Sachen Finanzierung einen großen Vorteil gegenüber vielen anderen und der ist, dass ihr beide verbeamtet seid. Das mögen Banken, weil absolut sicherer Job und planbare Einkünfte.

    Aber trotzdem ist das bei euch kein Selbstgänger, und ihr solltet mal wirklich durchrechnen, wie ihr euch die nächsten Jahre mit Hausbau und danach finanziell vorstellt.

    Beispielsweise:

    • Ist das Nettoeinkommen das aktuelle Einkommen in der Elternzeit (unter Berücksichtigung von Elterngeld)?
    • Wieviel Einkommen werdet ihr ab September haben, wenn die Elternzeit vorbei ist? Wie gesichert ist die Betreuung, wieviel %Arbeiten ist drin?
    • Plant ihr ein oder mehrere weitere Kinder? Denn dann wird es perspektivisch ja zu weiterer Elternzeit kommen mit reduziertem Einkommen, auch das sollte man bei der Finanzierungsplanung berücksichtigen (denn den Kredit werdet ihr ja über viele Jahre abzahlen müssen).
    • Wie hoch ist denn eure aktuelle Kalt- und Warmmiete, und wie hoch ist eure monatliche Sparrate (vor der Elternzeit und aktuell in der Elternzeit)?
    • Führt ihr ein Haushaltsbuch? Wie gut kennt ihr eure Ausgaben (auch die unregelmäßig anfallenden wie Urlaub, Geschenke usw...)?
    • Mit welchen Kosten für Kita / Schule rechnet ihr für die nächsten Jahre (je nach Bundesland kann das ja alles mögliche sein, von 0 EUR bis 800 EUR oder sogar mehr im Monat...)?
    • usw...
  • Neben dem was die Vorredner schon angebracht haben, möchte ich auf ein oft unterschätztes Risiko hinweisen. Bauträger gehen gar nicht so selten insolvent. Insbesondere bei einem Bauvorhaben was auf Kante genäht ist, kann dann richtig übel ausgehen (unfertiges Haus + Sack voll Schulden). Zu dem Thema unbedingt gründlich informieren und nach Garantien fragen.

    Das Zauberwort heißt Fertigstellungsbürgschaft. Am besten besteht man gleich noch auf eine Gewährleistungsbürgschaft, auch wenn der Bauunternehmer das natürlich durchreicht. Idealerweise nimmt man auch einen örtlichen Bauunternehmer, der einen Ruf zu verlieren hat und nicht die Klitsche von 50km entfernt.

    Du hast natürlich recht mit Deinem Einwand, so wie auch der Einwand, daß Bauvorhaben typischerweise teurer werden als geplant richtig und wichtig ist - ok: Da spricht ja auch einer aus eigener Praxis, die zudem noch warm ist.

    Aber hier geht es ja erstmal um etwas anderes, nämlich darum, wie man die erste Kostenprognose finanziert - und da sieht es nach meinem Dafürhalten düster aus, zumal die Möchtegern-Bauherrn nach meinem Dafürhalten noch nicht den rechten Sparwillen haben. Leute mir ernsthaftem Bauwillen in meiner Bekanntschaft haben typischerweise bereits jahrelang heftig gespart, bevor das eigentliche Bauprojekt angegangen sind.

  • um den vielen voranstehenden kritischen (aber sehr relevanten!) Anmerkungen noch einen weiteren Aspekt hinzuzufügen:

    Wir haben aktuell ein gutes Angebot einer Baufirma.

    woher weisst du, dass dies ein "gutes" Angebot ist?

    Habt ihr tatsächlich nur 1 Angebot angefragt/bekommen?


    da mir persönlich die Expertise fehlt, habe ich, als wir bauen wollten, mehrere regional verankerte, langjährig tätige (Referenzprojekte erfragen!) Generalunternehmer um ein verbindliches Angebot gebeten.

    Wenn diese dann alle im Rahmen um €400k liegen, kannst du eher davon ausgehen, das der Preis vernünftig ist. Sollten die anderen aber deutlich über den €400k liegen, ist das "gute" Angebot vermutlich bloss schlecht kalkuliert und ihr habt dann hinterher den Ärger (Nachzahlungen oder mangelhafte Ausführung, oder beides).

    Nachdem ihr ohne nennenswertes Eigenkapital ein Bauvorhaben beginnt, wird das für viele Jahre ein Ritt auf Messers Schneide, jetzt ist noch Gelegenheit, ohne Eile die Startbedingungen signifikant zu verbessern.

    Falls der Grundstückerwerb nicht mehr aufgeschoben werden kann, würde ich die ETF verkaufen und zusammen mit dem EK zur Zahlung einsetzen um möglichst wenig Kredit aufzunehmen (wenig Zinsen, hohe Tilgung)

    Dann jeden Monat €3.000 ansparen (bleiben immer noch €3.500 zum Leben) so habt ihr in 3 Jahren über €100k zusammen. Damit könnt ihr dann neu planen.

  • Manches MUSS man ja vielleicht nicht direkt am Anfang machen bzw. kaufen. Klar, die meisten Leute WOLLEN gerne, aber das lässt sich mit Ausgabedisziplin ggf. ja noch regeln und über einige Jahre strecken. Aber Du hast absolut recht, auch der diverse "Kleinkram" läppert sich.

    Die Frage ist natürlich, woher das Geld für die gestreckte Investition kommt. Das muss ja zusätzlich zur Rate aufgebracht werden und die ist meistens schon recht ordentlich gewählt, damit das überhaupt finanzierbar wird. Dann läuft es oft drauf raus, dass gewisse Dinge gar nicht gemacht werden. Natürlich kann man ohne gepflasterte Einfahrt wohnen, man muss aber dann damit leben, dass man den ganzen Dreck ins Haus trägt. Und ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass die Motivation für solche Arbeiten deutlich sinkt, wenn man schon eine Weile im Haus wohnt. Im ersten Sommer war ich noch recht motiviert und habe fast alles geschafft. War dann aber auch fast jeden Abend noch am schuften. Für das Jahr danach waren noch ein paar Restarbeiten fällig, die haben sich dann sehr lange gezogen, weil man einfach irgendwann nicht mehr alles irgendwelchen Pflasterarbeiten, etc. unterordnen will

  • Bei einer sehr dünnen Kapitaldecke tendiert man dazu manche Dinge zu sparsam zu lösen, was in wenigen Jahren teuer erneuert werden muss. Ich erinnere mich an Beispiele mit Bodenbelägen und Gartenwegen in dieser Kategorie. Das Holz von Terrassen dürfte zwar billiger sein als eine dauerhafte Steinterrasse, aber daran denkt man oft nicht. Wenn man dann noch zur günstigeren Variante greift, kann die Ersatzbeschaffung schneller kommen als das Ende der Zinsbindung.

    Ich würde bei allem Enthusiasmus auch dazu tendieren, erst mal nur das Grundstück zu sichern und konsequent zu sparen für eine größere Eigenkapitaldecke. Die Zeit kann man gut nutzen für den Vergleich verschiedener Angebote.