Dip-Ausstieg & Crash-Einstieg" Strategie

  • Hallo zusammen, ich bin auf eine Börsenstrategie in der aktuellen Stiftung Warentest Finanzen gestoßen, die feste Regeln für Aus- und Wiedereinstiege vorsieht:

    Die Strategie: Bei -20% vom letzten Hoch: Aktien-ETF verkaufen, Geld ins Tagesgeld; Bei -50% vom Hoch: Wieder voll einsteigen. Ziel: Die schlimmsten Crash-Phasen vermeiden und an der Erholung teilhaben. Hat jemand Erfahrungen mit solchen regelbasierten Market-Timing-Strategien? Wie schwierig ist es psychologisch, diese Regeln konsequent durchzuhalten? Was ist mit den steuerlichen Aspekten bei häufigeren Verkäufen? Wie hoch ist das Risiko, den Wiedereinstieg zu verpassen, wenn der Markt nicht bis -50% fällt? Wäre ein Stop-Loss bei -20% mit automatischem Wiedereinstieg bei -X% überhaupt praktisch umsetzbar? Ich bin gespannt auf eure Meinungen - gerade im Vergleich zu klassischem Buy-and-Hold!

  • Ich habe den Unfug im Februar-Heft auch gesehen. Im Vergleich mit anderen Strategien, um das Depot „krisenfest“ zu machen.

    Glaub mir: das funktioniert nicht !!!

    Diese Art von Market-Timing ist Quatsch. Keine Ahnung, was da Stiftung Warentest reitet.

  • Wie schwierig ist es psychologisch, diese Regeln konsequent durchzuhalten?

    Wie soll Dir das jemand für Dich beantworten?

    Ich weiß, dass einige hier wenig und ein Spezieller hier überhaupt nichts von Finanzfluss hält, mir wurscht aber Finanzfluss hat dazu ein Video gemacht... Fazit: buy and hold per Sparplan ist immer besser.

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    youtu.be

    Es ist fast wie im richtigen Leben, deswegen heißt das hier auch Erde und nicht Paradies.

  • Wärst du im Frühjahr im Trump Dip bei -20% ausgestiegen, wär das der maximal falsche Moment gewesen. Genau da war die Talsohle erreicht. Du hättest dann Verluste realisiert und wärst bei der anschließenden Erholung nur Zuschauer gewesen.

    Wesentlich besser wärst du gefahren, in der "Crash" Phase aus der Liquiditätsreserve dazuzukaufen.

    Solche Market Timing Modelle wirken in der Rückschau extrem überzeugend, weil du da ja weißt, wie der Film weiterging.

    Aber sag mir mal, was morgen passiert: rauf oder runter? Wie weit? Siehste...

    Aus Gründen des Neukundenbonus bei einem Neobroker handle ich gerade nach auf und ab. Nach mehreren Trades stehe ich schlechter da als mit buy and hold!

  • Ich habe das noch nicht selber gelesen, normalerweise hätte ich gedacht, das Finanztest eine solche Strategie nicht ernsthaft vorschlägt. Ich halte da gar nichts von. Und mir liegen noch die letztjährigen Gespräche mit einem Arbeitskollegen im Ohr, der sich vorgenommen hatte, nur ganz selten in sein Depot zu schauen, und deshalb alles mit 20% Stop Loss abgesichert hat. Und dann kam Trump mit seine Zöllen. Naja, den Rest des Geschichte kannst du dir sicher denken.

  • Hallo zusammen,

    ich habe mich in letzter Zeit mit der sogenannten „Dip-Ausstieg & Crash-Einstieg“-Strategie beschäftigt. Die Idee dahinter ist ja, bei ersten Kursrückgängen auszusteigen und erst bei einem deutlichen Crash wieder einzusteigen, um Verluste zu vermeiden und günstiger nachzukaufen. Auf den ersten Blick klingt das logisch, trotzdem stehe ich dem eher kritisch gegenüber – auch mit Blick auf die Argumente, die z. B. Finanztip regelmäßig anführt.

    Mein Hauptproblem mit der Strategie ist das Market Timing. Ich finde es extrem schwer einzuschätzen, ob ein Rücksetzer nur ein normaler Dip ist oder der Beginn eines größeren Crashs. Genauso unklar ist für mich, wann der richtige Zeitpunkt für den Wiedereinstieg wäre. Die Gefahr, entweder zu früh auszusteigen oder zu lange an der Seitenlinie zu bleiben, erscheint mir ziemlich hoch.

    Was mich ebenfalls nachdenklich macht, ist der Hinweis, dass ein Großteil der langfristigen Rendite an wenigen sehr guten Börsentagen entsteht – und diese oft kurz nach starken Einbrüchen liegen. Wenn man in solchen Phasen nicht investiert ist, kann das die Performance stark beeinträchtigen.

    Dazu kommt der psychologische Faktor. In fallenden Märkten ruhig und rational zu bleiben, ist leichter gesagt als getan. Ich habe den Eindruck, dass viele Anleger den Wiedereinstieg immer weiter hinausschieben, weil die Unsicherheit einfach groß ist.

    Aus diesen Gründen setze ich persönlich eher auf einen langfristigen Ansatz mit Buy & Hold, breiter Streuung und einem Investitionsplan, statt aktiv ein- und auszusteigen. Rebalancing erscheint mir dabei sinnvoller als der Versuch, den Markt zu timen.

    Mich würde aber interessieren, wie ihr das seht:
    Hat jemand von euch diese Strategie über längere Zeit konsequent umgesetzt? - Kann ich mir kaum vorstellen.
    Gab es klare Regeln für Aus- und Einstieg – und hat das für euch besser funktioniert als einfach investiert zu bleiben?

    Bin gespannt auf eure Erfahrungen und Meinungen.

    LG


    P.S. Ich habe die Stiftung Finanztest entsprechend angeschrieben.

  • Hmpf

    Eine Cashreserve zum Nachkauf im Crash ist ebenfalls market timing.

    Das kann man so sehen.

    Bei mir ist das redundante liquide Verfügungsmasse (Notgroschen/Überbrückungsreserve), die ich bei fatalem Timing auch anderweitig substituieren könnte.

    Bspw. Waschsalon statt Neukauf oder ÖPNV statt Autoreparatur.

  • Im daytrading gilt: bei Rücksetzern ab bspw -5% verkaufen. Gewinne mit trailing stop loss laufen lassen. Positionen niemals über Nacht behalten. Nach einem schlechten Trade nicht taggleich weiterhandeln...

    Grundlage dafür sind aber (immer neue) volatile Titel mit zeitweilig überschaubarer Schwankungsbreite.

    Trotzdem bleibt das Zocken wobei du etwa zur Hälfte verlierst und du extrem rational handeln musst. Sobald es emotional wird, hast du verloren.

    Und der ganze Stress bringt dich nur mit Glück weiter, während du bei buy and hold quasi mit der Zeit von alleine performst.

  • Finanzen von Stiftung Warentest hat Zockerstrategien beschrieben, die ich niemandem empfehlen würde der nicht regelmäßig mit Handelsstrategien arbeitet. Mir liegen sie nicht und auf keinen Fall würde ich bei -20 verkaufen wenn ich nicht weiß, ob die Kurse bei -21 / - 30 / -50 drehen. Zudem wäre das eine immense psychische Belastung mit einem großen Depot im Nacken.

    Ich habe ihnen auch geschrieben und ich habe mein Abo gekündigt.

    Natürlich gibt es Situationen wo man im Crash auch mal verkauft. Das war bei mir ein Osteuropafonds, als der zweite Krieg in der Ukraine los ging und die Sanktionen kamen. Rückblickend hätte ich noch etwas früher reagieren sollen aber nobody is perfect.

    Umgekehrt gibt es auch Situationen wo man im Dip kaufen kann. Dann fahre ich vorübergehend die Aktienquote etwas hoch.

    Aber mehr Market Timing mute ich mir nicht mehr zu.

  • Nun für Finanzen bringt mir die Zeitung schon länger kaum noch interessanten Input. Das war dann der Auslöser. Ich finde es nicht ok, wenn man mit dem Etikett "Verbraucherschutz" Leuten so einen Unsinn vorschlägt. Wieso soll ich annehmen, dass andere Artikel von besserer Qualität sind?

  • Moin!

    Ich habe es fast wie vorgeschlagen probiert: in der Corona Krise, beim Beginn des Ukraine Kriegs und bei Trumpa Zoll Rücksetzer stufenweise in ETFs einzusteigen.

    Ich bin in jeder der drei Krisen hinter meinem Plan zurückgeblieben. Der Markt ist mir immer wieder vor der Nase weggestiegen, bevor ich so investiert war, wie ich wollte.

    Mittlerweile kann ich mir nur eingestehen. Ich habe keine Chance das Timing zu erwischen. Einen halben Tag die Nachrichten nicht verfolgt und nur eine Info führt dazu, dass alles wieder 5% im Plus ist

  • Hin und her macht Taschen leer.

    Mit ihre -50% Strategie hat Finanztest aber mal so ein richtiges Eigentor geschossen.

    Das ganze ist nur besser gelaufen weil das wirklich 2 mal Rückblickend funktioniert hat.

    Wenn man nur in den Rückspiegel schaut sind Unfälle vorprogrammiert.

  • Und ca. 15 (!) Mal ein kostspieliger "Fallbackeinstieg".

    Fairerweise muss man natürlich sagen, dass der Nachteil dieser Strategie im Artikel erwähnt wird. Ohne die zwei echten Crashes wäre die Strategie ein totaler Reinfall gewesen.