Rentenbeginn mit 63 ohne Abschläge, Jahrgang 1968

  • Jochen Emm schon schräg, dass das überhaupt möglich wäre, egal, wieviel Menschen das bislang nutzen konnten oder genutzt haben. Deine erste Rechnung bezieht sich zudem auf die höchste Einzahlung bei 45 Jahren.

    Sollte diese aber nur in den letzten 5 Jahren erfolgt sein, würde sogar die Höchstsumme deiner zweiten Berechnung dennoch gezahlt werden, richtig? Das wäre m. W. die Grundlage fürs ALG.

  • Das Modell ist ganz häufig "offiziell" beim Stellenabbau bei größeren Unternehmen genutzt worden, um ältere Mitarbeiter loszuwerden. Abfindung 2 Jahresgehälter und danach ALG bis zur Rente.

    Da sagt man dann immer wie sozial der Stellenabbau doch war.

    Aber wenn es ein einzelner ebenso macht, dann ist es verwerflich.

  • Habe noch nicht den ganzen Thread gesehen, aber was ist mit dem Kauf von Rentenpunkten? Du könntest die Abschlagsverluste mehr oder weniger ausgleichen wenn du gerade einiges an Cash herumliegen hast das du für den Kauf von Rentenpunkten nutzt. Zusätzlich kannst du diese steuerlich absetzen im Jahr des Erwerbs.

    💡

  • Habe noch nicht den ganzen Thread gesehen, aber was ist mit dem Kauf von Rentenpunkten? Du könntest die Abschlagsverluste mehr oder weniger ausgleichen wenn du gerade einiges an Cash herumliegen hast das du für den Kauf von Rentenpunkten nutzt. Zusätzlich kannst du diese steuerlich absetzen im Jahr des Erwerbs.

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    Referat Janders kann das besser beantworten. Aber ich denke, das Kaufen von Rentenpunkten lohnt sich eher in wirtschaftlich schwachen Zeiten und hier auch erst dann, wenn es bereits durchgeschlagen hat und das Durchschnittsentgelt weniger stark ansteigt oder aufgrund steigender Arbeitslosigkeit sogar sinkt. Ich glaube letztes Jahr und aktuell sind die Rentenpunkte relativ teuer. Ausserdem kann es eine Diskrepanz zwischen geschätztem Durchschnittsentgelt geben - das für den Preis eines Rentenpunkts veranschlagt wird - und dem tatsächlichen Durchschnittsentgelt.

    Und, weil wir die Themen "Fairness" und "Solidarität" hier schon angesprochen haben: der Kauf von Rentenpunkten ist eher den finanziell besser aufgestellten GRV Mitgliedern vorbehalten. Und wenn hier richtig "market timing" gemacht wird, dann lohnt es sich mehr. Allerdings stellt es m.E.n. damit eine Umverteilung innerhalb der GRV von unten nach oben dar.

  • Hallo,

    mal ganz nüchtern berechnet am Bsp. 2000€ Rente, alles Brutto gerechnet.

    mit 14,4% Abzug sind das 41.088€ Rente in 2 Jahren.

    Ohne Abzug hättest Du 288€ mehr im Monat.

    Also würde es fast 12 Jahre dauern bis Du mit der höheren Rente, die entgangenen 2 Jahre Rente mit Abzug, ausgeglichen hast. Du bist bereits 75 bevor Du von der Rente ohne Abzug profitierst.

    Also mal wieder ein Wette auf Langlebigkeit!?

    Was gibt´s zu Überlegen?

    Sobald Du es Dir leisten kannst bleib zu Hause und mach was Dir Freude bereitet.

    2 Jahre früher aus dem Hamsterrad sind meiner Meinung nach nicht mit Geld aufzuwiegen.


    mfg

  • Die prinzipielle AUssage stimmt zwar, aber ich weiß nicht, was Du da rechnest.

    Wenn man 2 Jahre ALG I und dann Rente ohne Abzüge wählt, dann hast Du vor allem in den Jahren vor 75 (wo man noch was vom Leben genießen will) mehr Geld in der Tasche. ALG I ist schon mal deutlich höher als die Rente und Rente ohne Abzüge eben 14,4% mehr. Und das dauerhaft!

  • Ganz nüchtern berechnet, scheidet man nach den bereits erreichten 45+ Jahren Beitragszeit mit 63 aus dem Job aus, nimmt 24 Monate Arbeitslosengeld mit und geht dann mit 65 in die abschlagsfreie Altersrente für besonders langjährig Versicherte.

    Oder Du bist nur für 23 Monate arbeitslos und gehst mit 66 Jahren und 11 Monaten in die Altersrente für langjährig Versicherte. Sind auch nur schlanke 7,5% Abschlag.

    Wäre vielleicht ein Kompromiss für Euch beide. 8o

  • Klar, wenn man kein Problem hat auf Kosten Anderer zu leben und ein Schmarotzer ist!

    Das ist Deine Ansicht die man teilen kann oder auch nicht.
    Tatsache ist, dass sowohl die Arbeitslosenversicherung als auch die Rentenversicherung seitens der Politik genutzt wurde/wird um Arbeitsmarktpolitik zu betreiben.
    Mein Vater durfte z.B. 1990 hochoffiziell mit 58 2 Jahre Arbeitslosengeld kassieren um danach nahtlos mit 60 in die abschlagsfreie Rente zu starten.

    Und auch heute wird das System von diversen Unternehmen genutzt um sich älterer Arbeitnehmer zu entledigen. Und das mit Segen/Wissen der örtlichen Arbeitsagenturen.
    Und wenn nun ein Arbeitnehmer selbst auf den Gedanken kommt, diese Möglichkeit zu nutzen, kann ich daran nichts verwerfliches erkennen.

    BTW: Im vorliegenden Fall muss man mit 63 überhaupt erstmal die 45 Jahre voll haben. So viele Betroffene die das geschafft haben, dürfte es auch nicht geben.

  • Ich verstehe schon irgendwo alle Ansätze, und das viele diese auch Nutzen.

    Meiner Meinung nach sollte es in einem Land wie Deutschland so aussehen:

    nach 45 Beitragsjahren sollte jeder mit 70% vom letzten Verdienst in Rente gehen können, unabhängig vom Alter! Wenn jemand schon mit 15 eine Ausbildung beginnt muss er doch mit 60 in Rente gehen können. Nach 45 Jahre hat jeder sein Beitrag geleistet!


    mfg

  • Aber gerade eben hast Du das noch als Schmarotzertum bezeichnet ;)

    Wer 45 gearbeitet hat, hat in der Regel auch nicht (auf Kosten des Staates!) studiert. Hat damit in der Regel trotz 10 Jahre mehr Berufstätigkeit oft weniger verdient.

    Ja, ich bin auch der festen Überzeugung, das man diesen Leuten nicht noch zurufen solltet "was habt ihr für den Staat getan? Arbeitet bitte noch etwas länger, damit Gen-Z die WorkLife-Balance noch etwas länger auskosten kann"

    Womit ich nicht sagen will, das die Perspektive der Gen-Z auf Work-Life falsch ist.

  • Ich verstehe schon irgendwo alle Ansätze, und das viele diese auch Nutzen.

    Meiner Meinung nach sollte es in einem Land wie Deutschland so aussehen:

    nach 45 Beitragsjahren sollte jeder mit 70% vom letzten Verdienst in Rente gehen können, unabhängig vom Alter! Wenn jemand schon mit 15 eine Ausbildung beginnt muss er doch mit 60 in Rente gehen können. Nach 45 Jahre hat jeder sein Beitrag geleistet!


    mfg

    44 Jahre und 11 Monate Minijob, 1 Monat Vollzeit = 70% der Vollzeit :/

  • Meiner Meinung nach sollte es in einem Land wie Deutschland so aussehen:

    nach 45 Beitragsjahren sollte jeder mit 70% vom letzten Verdienst in Rente gehen können, unabhängig vom Alter! Wenn jemand schon mit 15 eine Ausbildung beginnt muss er doch mit 60 in Rente gehen können. Nach 45 Jahre hat jeder sein Beitrag geleistet!

    Wünschenswert wäre sicherlich Vieles. Wobei es für einen lebenslangen Niedriglohnempfänger auch mit 70% nicht reichen könnte um allein davon zu leben.
    BTW: 70% vom letzten Brutto oder Netto und ohne irgendwelche Obergrenzen? Also der Abteilungsleiter mit 200K€ letztem Jahresgehalt, bekommt dann 140K€ Rente?:/

    Ich erlaube mir aber mal die Frage, wie man so etwas finanzieren könnte?

  • Wenn man von x% Rente spricht, dann meint man das Rentenniveau. Das in Ö übrigens bei 80% liegt...


    Zitat

    Das Rentenniveau (vor Steuern) in Deutschland liegt aktuell bei rund 48 % (Stand 2025/2026) und beschreibt das Verhältnis der sogenannten Standardrente nach 45 Beitragsjahren zum durchschnittlichen Nettoverdienst

    .

  • Erst mal vielen Dank für den ganzen Input, ist auch einiges interessantes für mich dabei gewesen. Zum Punkt "Schmarotzertum", erst mal sind das Überlegungen von mir und keine beschlossenen Absichten, ich mache mir halt gerne vorher Gedanken dazu. Mit 63 habe ich 46 Beitragsjahre voll (Vollzeit ohne einen Tag Fehlzeit, erst Lehre, später Ausbildung im Lehrberuf zum Handwerksmeister, heute noch immer im Handwerk tätig (allerdings im Büro)).

    Aber wenn es aus welchen Gründen auch immer nicht mehr geht oder ich nicht mehr will werde ich ohne schlechtes Gewissen die ALG Karte ziehen.