Depot „Neujahrsputz“

  • Hallo zusammen,

    seitdem ich vor einigen Jahren Finanztip über die YouTube-Videos von Saidi kennengelernt habe, ist die Webseite und das Forum ein ständiger Begleiter. Daher möchte ich euch allen schon einmal herzlich danken für alles, was ich in der Zeit lesen und lernen durfte!

    Hintergrund zu mir:

    • 29 Jahre, Single, Mietwohnung, relativ neues Auto
    • 4-Töpfe-Prinzip & ca. 50-30-20-Regel

    Bevor ich mit dem ETF-Sparen gestartet habe, bin ich klassisch in einige Fettnäpfchen getreten:

    • Finanzprodukte auf Anraten von Bank oder nahestehender Personen abgeschlossen, die ich rückblickend teilweise anders entschieden hätte. Gleichzeitig wurden manche Entscheidungen aufgrund zu viel Grübeln glücklicherweise nicht final umgesetzt.
    • Zu viel Zeit in theoretischer „Kurvendiskussion“ verbracht, statt direkt mit dem ETF-Sparen zu starten.

    Meine Versicherungen und Verträge habe ich gut im Griff. Neben dem Umstrukturieren vom Depot steht aktuell einzig meine BU-Versicherung noch zur Prüfung aus und meinen Bausparer möchte ich dieses Jahr ebenfalls kritisch hinterfragen. Beides ist jedoch im Moment nicht vorrangig.

    Ziel „Neujahrsputz“ im Depot

    Es gibt zwei Themen, die ich schon länger vor mir herschiebe:

    1. Altlasten im Depot bewerten: verkaufen oder behalten?
    2. Tagesgeld reduzieren und in ETFs investieren?

    Überblick Depots (~102.200 €)

    Altbestände – ursprünglich Sparpläne oder Einmalkäufe:

    • UniCredit HVB Garant / DE000HVB3SH4 / 5.000 € (läuft noch bis 08.2029)
    • FIRST EAGLE AMUNDI / LU1095739733 / 62 Stk. ~ 6.800 €
    • iShares STOXX Europe 600 Oil & Gas / DE000A0H08M3 / 48 Stk. ~ 2.000 €
    • PB VP Nachhaltig 70 / DE000A0M03Y9 / 45 Stk. ~ 3.100 €
    • UBS MSCI World Socially Responsible / LU0629459743 / 66 Stk. ~ 10.600 €
    • UniGlobal / DE0008491051 / 24 Stk. ~ 9.600 €
    • Pictet - Water / LU0208610294 / 2 Stk. ~ 1.000 €
    • hausInvest / DE0009807016 / 140 Stk. ~ 5.600 €

    Schenkungsaktien:

    • Holmen / SE0011090018 / 250 Stk. ~ 8.100 €
    • SAP SE / DE0007164600 / 110 Stk. ~ 22.200 €

    Renten-ETF:

    • Ab diesem Jahr 500 € statt 400 € im Monat via Sparplan
    • Vanguard FTSE All-World / IE00BK5BQT80 / 157 Stk. ~ 25.800 €
    • UBS Core MSCI World / IE00BD4TXV59 / 46 Stk. ~ 1.600 €

    Überblick Tagesgeld

    Abzüglich meines Notgroschens beläuft es sich aktuell auf 60.400 € und wird monatlich mit 200 € bespart. Der Angebotszins von 2,90 % p.a. läuft demnächst aus.

    Das Geld ist in den letzten 10 Jahren zwischen Tages- und Festgeld gewandert – immer mit dem Gedanken, dass bei einem Eigenheim mit Familie Kapital benötigt wird. Aktuell ist das jedoch wieder Zukunftsmusik.

    Meine Überlegungen

    • Den offenen Immobilienfonds (hausInvest) nicht zurückgeben, sondern endlich direkt verkaufen.
    • MSCI World Socially Responsible eventuell weiterlaufen lassen als Renten-ETF.
    • Restliche Altbestände (bis auf UniCredit) ebenfalls verkaufen und in den Renten-ETF umschichten.
    • Schenkungsaktien vorerst stehen lassen und nur bei Bedarf zu einem möglichst guten Kurs verkaufen.
    • Tages-/Festgeld: Abwägen, ob das Geld weiterhin wie bisher geparkt oder ein Großteil einmalig in ETFs investiert werden sollte – ein Balanceakt zwischen pragmatischer Vernunft und der Verlockung höherer Renditen.
    • Die Wahl des Renten-ETFs nochmals prüfen – die Entscheidung im Herbst war eher impulsiv, um „etwas zu verändern“ und gleichzeitig eine neue LIFO-Steuer-Tranche für die Entnahme im Alter zu erzeugen.

    Offene Fragen

    1. Depotwechsel vor Verkauf: Wäre ein Wechsel zu einem günstigeren Depot sinnvoll, um die Verkaufskosten zu reduzieren und so mögliche Verluste abzumildern? U.a. der hausinvest ist bei Comdirect. Das Zweitdepot ist bei Scalable Capital.
    2. Faustregeln bei Altlasten: Take Profit ~ +20 % / Stop Loss ~ -10 % – ist das eine praktikable Orientierung oder sollte man hier besser einmal „in den sauren Apfel beißen“ und konsequent umschichten?

    Ich möchte mein Depot möglichst „keep it simple“ halten. Ich weiß, dass ich jede Entscheidung selbst treffen und tragen muss, freue mich gleichzeitig auf eure Schwarmintelligenz, um die für mich stimmigste Lösung zu finden.

    Vielen Dank fürs Lesen!

    Viele Grüße
    der Sparzwerg

  • Moin! Da hast du für dein Alter ja schon viel Geld beieinander! Glückwunsch!

    In der Tat ruft das Sammelsurium von kleinen Positionen nach einer Zusammenlegung. Für eine Einschätzung der Steuerlage bräuchten wir jedoch Angaben zu den aufgelaufenen Gewinnen.

    Eine Begriffsklärung noch: Als "Renten-ETF" wird gemeinhin ein ETF bezeichnet, der Anleihen enthält. Du meinst offenbar aber "ETF für meine Rente" und hier konkret einen Aktien-ETF. Könnte in der weiteren Diskussion zu Missverständnissen führen.

  • Das Depot kann zweifellos eine klarere Struktur gebrauchen. Bevor jetzt aber alles platt gemacht wird, mach einmal eine Bestandsaufnahme in Bezug auf Kaufdatum und enthaltene Gewinne. Danach kann man priorisieren. Handelt es sich bei den geschenkten Aktien womöglich um Altpositionen von vor 2009? Wurden die Anteile vom Hausinvest nach 2013 erworben? Falls nein, ist die Rückgabe der bessere Weg. Wenn sie länger als ein Jahr im Depot liegen, wäre die Kündigungsfrist 12 Monate.

    Wenn ich es richtig sehe willst Du in Zukunft im wesentlichen Sparpläne ausführen und das Depot bereinigen. Ob Du Gebühren sparen kannst hängt nicht zuletzt an den Konditionen Deines aktuellen Depots. Suche Dir für Deine Anwendung einen geeigneten Broker mit guten Gebühren. Ich persönlich würde wegen oft unzureichendem Service keinen reinen Neobroker wählen. Kostenlose Sparpläne mit einem großen Angebot an ETFs sind sicher notwendig. Die beste steuerliche Transparenz bei moderaten Preisen scheint es derzeit bei Flatex zu geben. Das kann Dir beim Umbau des Depots helfen. Aber schau Dich um, was Dir zusagt und eröffne das Depot. Einige Positionen wie beispielsweise den Uni Global könntest Du vermutlich kostenlos bei Deinem jetzigen Broker einfach über die KAG zurückgeben.

    Nachdem der Immowunsch derzeit nicht akut ist, würde ich ihn für den Vermögensaufbau vorerst ignorieren. Am Ende ist es deutlich schädlicher für die Vermögensentwicklung, wenn Du permanent Geld auf der Seite hast für einen Wunsch der frühestens in einigen Jahren zum Tragen kommt, wenn überhaupt. Man kann Aktien auch verkaufen, um solche Wünsche zu erfüllen, wenn sich die Situation ändert. Man muss das ja nicht ausgerechnet dann machen, wenn die Aktien am Boden liegen.

    Grundsätzliche Gedanken musst Du Dir machen zum Thema Risikobereitschaft und der gewünschten Aufteilung in riskante und weniger riskante Vermögensteile. Nachdem Du auch Positionen mit ESG Ausrichtung hast, solltest Du auch darüber klar sein, was Deine Wünsche sind.

    1. Faustregeln bei Altlasten: Take Profit ~ +20 % / Stop Loss ~ -10 % – ist das eine praktikable Orientierung oder sollte man hier besser einmal „in den sauren Apfel beißen“ und konsequent umschichten?

    Beim Umschichten muss man es gar nicht so fürchterlich kompliziert machen. Du willst ja nicht aussteigen sondern bestehende Assets teilweise in die gewünschte Allokation tauschen. Dafür ist es wichtig, dass zwischen Verkauf und Neukauf möglichst wenig Zeit vergeht. Solltest Du Dich also von beispielsweise vom Uni Global trennen wollten, dann einfach verkaufen und gleich neu kaufen. Dabei möglichst nicht ins Wochenende reinrutschen, wo es gelegentlich zu stärkeren Ausschlägen an der Börse kommen kann.

  • Vielen Dank für eure direkten und ausführlichen Antworten!

    Motas91 Dankeschön - dem bin ich mir auch bewusst und das es auf keinen Fall selbstverständlich ist :)
    Zwecks meiner Bezeichnung für den ETF: Richtig, damit meine ich "ETF für meine Rente" - Aktien ETF. Das kann ich jetzt leider im ersten Post nicht mehr anpassen.

    Am Wochenende hatte ich bereits via Excel Verkäufe simuliert inkl. Steuer.
    Da müssten alle fehlenden Informationen und Daten enthalten sein. Ich werde es heute Abend übersichtlich hier ergänzen und genauer auf eure Antworten eingehen.

  • oder sollte man hier besser einmal „in den sauren Apfel beißen“ und konsequent umschichten?

    Moin Sparzwerg , willkommen im Forum.

    Man "sollte" es so machen das man sich damit Wohlfühlt.

    Auf lange Sicht gewinnt Einfachheit. Mehr als 4-5 Positionen machen es unübersichtlich und du fühlst dich unsicher.

    Diese Unsicherheit ist die größte Gefahr für deine Geldanlage, da sie dich in ein permanentes Handeln treiben kann. Deswegen lies und schau dich noch ein bisschen schlau.

    Den optimalen Weg wird dir niemand sagen können, wenn du nur die größten Fehler nicht machst bist du schon auf einem sehr guten Weg.

    Du schreibst vom 4 Töpfe Prinzip. Dann halte die Töpfe auch einfach.

    Schenkungsaktien vorerst stehen lassen und nur bei Bedarf zu einem möglichst guten Kurs verkaufen.

    Was ist denn hier ein möglichst guter Kurs? Schreib dir den Kurs auf und verkaufe dann auch wirklich wenn der Kurs erreicht ist. Wenn du bei Bedarf verkaufen musst ist es unmöglich einen guten Kurs zu bekommen. Also ist das ganze ein Widerspruch.


    Und nenne deine "langfristigen" Anlagen auch so.... die Bezeichnung "Renten-ETF" ist schon durch andere Finanzprodukte vergeben und führt zu Verwirrung, da sie eine andere Anlageklasse sind.


    Ansonsten bist du auf einem guten Weg.

    Dir gute Finanzentscheidungen.

  • Schenkungsaktien vorerst stehen lassen und nur bei Bedarf zu einem möglichst guten Kurs verkaufen.

    Das fiel mir aber beim Querlesen sofort auf.

    Beispiel SAP: die haben viele Jahre gebraucht, um überhaupt dauerhaft wieder über die 100 € zu kommen. Sind sehr gut gelaufen und tun sich seit geraumer Zeit wieder deutlich schwerer.

    Was ist denn für dich bei denen überhaupt ein „guter“ Kurs ?

    Immer höher wie aktuell ?

  • Ja, das ist doch schon ein schönes Depot.

    Altbestände würde ich wohl nach und nach abbauen, angefangen mit dem hausinvest, wobei du bei dem ja die 12-monatige Kündigungsfrist beachten musst. Einige verkaufen den an der Börse, aber da machst du sicher 10% Verlust, und zwar ohne Not.

    Besparst du tatsächlich All-World und World? Und welchen Hintergrund hat das?

    (Ich habe die bisherigen Antworten gelesen, deswegen wiederhole ich natürlich nicht, dass Renten-ETFs was anderes sind ;))

  • Tages-/Festgeld: Abwägen, ob das Geld weiterhin wie bisher geparkt oder ein Großteil einmalig in ETFs investiert werden sollte – ein Balanceakt zwischen pragmatischer Vernunft und der Verlockung höherer Renditen.

    Hallo Sparzwerg, willkommen im Forum und auch von mir erstmal Glückwunsch zu diesem Lebensalter/Vermögens-Koeffizienten! ;)

    Zum Depot haben sich ja schon einige ausgelassen.

    Für meinen Geschmack ist dein Tagesgeld-Festgeld-Betrag zu hoch. Wenn du aktuell keinen Verwendungszweck dafür hast, dann würd ich es auf den Notgroschen beschränken.

  • Zu aller erst, vielen Dank für die klasse Vorstellung und Aufstellung. So viel Mühe machen sich die wenigsten.

    Was ist für dich der Grund für das hohe Festgeld? Erwartest du irgendwelche größere Anschaffungen oder Urlaube in den nächsten 5 Jahren? Das Thema Auto gibt es ja nicht.

    Vielleicht wäre es sinnvoll, das mit dem auslaufen der günstigen Zinsen zu verringern und dann wieder stetig aufzubauen wenn es darum geht in x Jahren ein neues PKW zu kaufen.

  • Verstehe sehr gut was du mit dem "Eigenheim" meinst.

    Lass mich etwas provokant fragen:

    Ist für dich schon klar, dass du mal Eigentum haben möchtest?

    Was muss alles passieren, dass du dich dafür entscheidest Eigentum zu erwerben?

    Wie lange möchtest du noch mit dieser Entscheidung warten?

    Was ist dann der Zeit Horizont in dem du dann kaufen möchtest?

    Ist dir klar,

    dass aus 50.000,- und 10 Jahren und 3 % auf dem Festgeldkonto ->67.195 € und

    50.000,- und 10 Jahre bei 6% in einen Aktien ETF 89.542 € werden?

    Natürlich ist der Betrag auf den ETF nicht garantiert, ich möchte dir aber den Unterschied noch einmal verdeutlichen.

  • Ich freue mich sehr über die vielen Antworten – danke! :)

    Hier die Übersicht mit den bisher fehlenden Informationen:

    • Für SAP konnte ich in Scalable das ursprüngliche Kaufdatum nicht einsehen. Ein Kauf vor 2009 könnte daher möglich sein.
    • Der Hausinvest wurde nach 2013 gekauft, die Mindesthaltedauer ist verstrichen.
    • Bei Positionen, die ursprünglich Sparpläne waren, habe ich den Durchschnittseinstandspreis angenommen.
    • Soweit mir Wertpapierprovisionen beim Kauf bekannt sind, habe ich sie in den Einstandspreis eingerechnet.
    • Die Steuern habe ich mit 27,82 % angesetzt.
    • Über alle Positionen betrachtet wäre die unreal. Gewinn-/Verlustrechnung auf Grund der zwei Schenkungen positiv: 17.584,93 €.



    Zu den von 90 Prozent Aktien angesprochenen ESG-Positionen:
    Das sind Altlasten aus 2021. Inzwischen würde ich sie nicht mehr kaufen, und mein Fokus beim Investieren liegt auch nicht mehr auf ESG bzw. grüner Nachhaltigkeit.

    Mein Ziel ist auf jeden Fall, das Geld nach einem Verkauf direkt wieder zu investieren – bevorzugt in den Aktien-ETF, den ich für meinen langfristigen Vermögensaufbau nutze.
    Grundsätzlich möchte ich vor allem mehr Klarheit und Einfachheit in mein Depot bringen.

    Was ist denn hier ein möglichst guter Kurs? Schreib dir den Kurs auf und verkaufe dann auch wirklich wenn der Kurs erreicht ist. Wenn du bei Bedarf verkaufen musst ist es unmöglich einen guten Kurs zu bekommen. Also ist das ganze ein Widerspruch.

    Hier musste ich schmunzeln, weil ich für mich selbst nicht entscheiden kann, was „richtig“ ist. In meinem Kopf sind diese Positionen weiterhin ein Geschenk, das sich emotional anders anfühlt als selbst gekaufte Investments. Entsprechend habe ich eine gewisse Hemmung, aktiv einzugreifen – obwohl mir rational bewusst ist, dass das eigentlich ein Trugschluss ist.

    Der Gedanke eines „möglichst guten Kurses“ bedeutet für mich nicht, gerade dann zu verkaufen, wenn die Werte kurzfristig stark unter Druck stehen. Langfristig weiß ich aber, dass ein klarer Plan hier sinnvoller ist als reines Abwarten.

    Wären das also gute Positionen, um einen Take-Profit-Ansatz zu verfolgen?

    hausinvest, wobei du bei dem ja die 12-monatige Kündigungsfrist beachten musst. Einige verkaufen den an der Börse, aber da machst du sicher 10% Verlust, und zwar ohne Not.

    Besparst du tatsächlich All-World und World? Und welchen Hintergrund hat das?

    Ich dachte tatsächlich, es wäre sinnvoller, den Hausinvest direkt über die Börse zu verkaufen – hatte dazu neulich etwas bei Finanztip gelesen. Nach dem Motto: „Da weiß man, was man hat“, statt in 12 Monaten einen noch unbekannten Wert zu erhalten.

    Der All-World-ETF war mein Einstieg, allderings läuft aktuell nur auf den World-ETF mein Sparplan. Wie beschrieben, war der Wechsel leider impulsiv – kombiniert mit dem Gedanken, eine neue LIFO-Tranche zu eröffnen. Rückblickend hätte ich vermutlich einfach in einem anderen Depot wieder denselben ETF besparen sollen.


    Für meinen Geschmack ist dein Tagesgeld-Festgeld-Betrag zu hoch. Wenn du aktuell keinen Verwendungszweck dafür hast, dann würd ich es auf den Notgroschen beschränken.

    Vielleicht wäre es sinnvoll, das mit dem auslaufen der günstigen Zinsen zu verringern

    Genau das Gefühl habe ich auch immer mehr und daher ist das auch das Ziel: Tages/Festgeld in einen Aktien ETF überführen.

    Provokante Fragen bekommen ehrliche Antworten:

    Eigentum – also ein Haus mit Garten für die eigene Familie – war für mich lange Zeit „gesetzt“. So bin ich aufgewachsen, und das erschien mir die Norm. Vor ein paar Jahren stand ich sogar kurz davor.

    Meine letzte Partnerschaft hat mich jedoch zum Umdenken gebracht: Ein Haus ist schön, aber vielleicht nur für einen Lebensabschnitt. Es könnte möglich sein, sich später wieder davon zu lösen, wenn Kinder flügge werden und sich das Leben verändert. Diese Sichtweise war mir vorher völlig fremd. Inzwischen bin ich offener: Familie kann auch zur Miete leben – auch wenn ein Eigenheim gefühlt sicherlich etwas anderes ist.

    Ohne Partner mit gemeinsamem Kinderwunsch werde ich kein Haus kaufen oder bauen. Eigentum muss dabei kein Haus sein, richtig – eine Eigentumswohnung ist aktuell nicht mein Ziel, auch wenn ich letztes Jahr zwecks Vermietung kurz darüber nachgedacht habe.

    Knackige Frage: Wie lange will ich noch mit der Entscheidung warten? Ich weiß, dass man sich möglichst früh für oder gegen ein Eigenheim entscheiden sollte, um langfristige finanzielle Planungssicherheit zu haben. Deshalb habe ich mein Tages- und Festgeld so lange dauerhaft verfügbar gehalten. Ich gehe davon aus, dass sich diese Frage in den nächsten fünf Jahren für mich klären wird.

    Um es auf den Punkt zu bringen: Das Eigenheim steht und fällt mit dem passenden Partner.

    Zwecks Rendite ist mir bewusst, dass Aktien-ETFs das Tages- und Festgeld langfristig (wahrscheinlich) überholen werden. Daher möchte ich jetzt die aktuell beste Entscheidung für mein Geld treffen – denn genauso wie in den Finanzen gibt es auch im Leben keine Glaskugel.

  • Deshalb habe ich mein Tages- und Festgeld so lange dauerhaft verfügbar gehalten. Ich gehe davon aus, dass sich diese Frage in den nächsten fünf Jahren für mich klären wird.

    Um es auf den Punkt zu bringen: Das Eigenheim steht und fällt mit dem passenden Partner.

    Wenn du das so siehst und aktuell gar keinen Partner hast (geschweige denn einen der sich auch eine selbstgenutzte Immobilie wünscht) und deshalb unklar ist, ob du überhaupt jemals eine kaufen möchtest, dann würde ich an deiner Stelle das Geld in einen Aktien-ETF stecken.

    Wenn / falls irgendwann doch noch der Wunsch nach einer selbstgenutzten Immobilie kommt, kannst du immer noch schauen, wie die Kurse dann stehen und entscheiden, ob du verkaufen willst.

    Natürlich kann es passieren, dass du jetzt alles in ETF steckst, und dir in einem Jahr der perfekte Partner und die perfekte Immobilie über den Weg laufen, und gerade dann der ETF 50% im Minus ist. Wäre blöd, ja. Aber die nächsten 10 Jahre alles auf dem Tagesgeld liegen lassen und dann feststellen, es wird doch keine Immobilie, wäre eben auch blöd und kostet ggf. richtig Opportunitätskosten.

    Ich habe erst relativ spät eine Immobilie gekauft, mit Ende 30. Vorher hat sich das Geld (sechsstellig!) auf dem Tagesgeld angesammelt. Nicht wegen eines geplanten Immobilienkaufs, sondern weil ich mich nicht um meine Finanzen gekümmert habe. Wenn ich mir überlege, was ich in den Jahren mehr Geld angesammelt hätte, wenn ich es in ETF angelegt hätte…

  • Ich bin voll bei dir und wenn die Entscheidung so einfach wäre, wärst du sicher nicht hier :)

    Entscheiden wirst du am Ende, aber das schöne ist ja, dass du hier vielleicht noch ein paar Denkanstöße bekommst.

    Ich finde gut, dass du realisiert hast, dass ein Eigenheim nicht unbedingt sein muss um Vermögen aufzubauen sondern eher eine Entscheidung wie man leben möchte.

    Vielleicht noch ein Denkanstoß zu deinem hohen Tagesgeld.

    Wenn du dich in 5 Jahren entscheidest ein Eigenheim zu kaufen, müsstest / solltest du ohnehin soviel Eigenkapital wie möglich investieren.

    Da werden dann unter Umständen die 50k auf dem Tagesgeld nicht reichen. Du wirst dann ohnehin wahrscheinlich deine ETFs teilweise oder ganz verkaufen.

    Allerdings muss man aber auch immer die eigen Risikobereitschaft betrachten, wenn du dich mit der aktuellen Aufstellung beim Tagesgeld einfach wohler fühlst ist das doch auch vollkommen ok.

    Finanztip hat ja gerade auch ein paar Festgeldangebote in Höhe von um die 2,5% empfohlen.

  • Aber die nächsten 10 Jahre alles auf dem Tagesgeld liegen lassen und dann feststellen, es wird doch keine Immobilie, wäre eben auch blöd und kostet ggf. richtig Opportunitätskosten.

    Wenn ich mir überlege, was ich in den Jahren mehr Geld angesammelt hätte, wenn ich es in ETF angelegt hätte…

    Genau das sind aktuell auch meine Gedanken zu Tages- und Festgeld – rückblickend auf die letzten zehn Jahre und auch mit Blick auf die kommenden Jahre, die im Hinblick auf eine mögliche Immobilie noch völlig offen sind. Das damit verbundene Risiko ist mir natürlich bewusst.


    Ich bin voll bei dir und wenn die Entscheidung so einfach wäre, wärst du sicher nicht hier :)

    Entscheiden wirst du am Ende, aber das schöne ist ja, dass du hier vielleicht noch ein paar Denkanstöße bekommst.

    Ich finde gut, dass du realisiert hast, dass ein Eigenheim nicht unbedingt sein muss um Vermögen aufzubauen sondern eher eine Entscheidung wie man leben möchte.

    Ganz genau, und ich schätze, damit geht es vielen ähnlich 🙂
    Ich bekomme von euch auf jeden Fall einige Denkanstöße und habe inzwischen gemerkt, dass der Gedanke, Tages-/Festgeld umzuschichten, doch gar nicht so abwegig ist – selbst mit einem möglichen Immobilienwunsch in den nächsten Jahren.

    Bisher hatte ich beim Thema Immobilie oft den Eindruck, dass man jeden Euro möglichst sicher und damit renditearm ansparen sollte. Eure bisherigen Reaktionen bestärken mich darin, dass es eben nicht grundsätzlich falsch ist, das Geld jetzt (endlich) in einen Aktien-ETF zu investieren.

    Ein Eigenheim war für mich gedanklich ohnehin nie primär „Vermögensaufbau“, sondern eher Lebensgefühl bzw. Lebensart. Mit Blick auf den reinen Vermögensaufbau erscheint mir das (subjektiv!) mit deutlich mehr Verantwortung, Haftung und Pflegeaufwand verbunden als z. B. Aktien-ETFs. Das sehe ich aktuell auch im Bekannten- und Verwandtenkreis bei vermieteten Immobilien.
    Am Ende hat beides natürlich seine Vor- und Nachteile.


    Vielleicht noch ein Denkanstoß zu deinem hohen Tagesgeld.

    Wenn du dich in 5 Jahren entscheidest ein Eigenheim zu kaufen, müsstest / solltest du ohnehin soviel Eigenkapital wie möglich investieren.

    Da werden dann unter Umständen die 50k auf dem Tagesgeld nicht reichen. Du wirst dann ohnehin wahrscheinlich deine ETFs teilweise oder ganz verkaufen.

    Allerdings muss man aber auch immer die eigen Risikobereitschaft betrachten, wenn du dich mit der aktuellen Aufstellung beim Tagesgeld einfach wohler fühlst ist das doch auch vollkommen ok.

    Diese Rechnung, das Depot im Zweifel komplett gegen null laufen zu lassen, stand damals bereits im Raum. Mit der Entscheidung für ein Eigenheim wird es vermutlich auch genau darauf hinauslaufen – zumindest dann für eine sehr positive Lebensveränderung.

    Lange habe ich mich mit dem Festhalten an einem hohen Tages-/Festgeldanteil wohlgefühlt, inzwischen fühlt es sich jedoch immer unrichtiger an. Daher wirklich danke an dich und auch an alle anderen für eure Beiträge, die mir die Unsicherheit genommen haben, mit einer Umschichtung etwas komplett Falsches zu tun. :)

  • Lange habe ich mich mit dem Festhalten an einem hohen Tages-/Festgeldanteil wohlgefühlt, inzwischen fühlt es sich jedoch immer unrichtiger an.

    Wenn ich bei sowas hinundhergerissen bin, mach ich meistens halbe/halbe und gucke, wie es sich anfühlt. Jaja, Frauen neigen eher als Männer zu Kompromissen ... aber oft fühlt es sich gut an und ich bleibe dann dabei.

  • Wenn ich bei sowas hinundhergerissen bin, mach ich meistens halbe/halbe und gucke, wie es sich anfühlt. Jaja, Frauen neigen eher als Männer zu Kompromissen ... aber oft fühlt es sich gut an und ich bleibe dann dabei.

    Damit läge ich ungefähr bei einer 20/80-Aufteilung. Zusätzlich hätte das für mich einen kleinen psychologischen Vorteil: Ein Teil wäre weiterhin frei verfügbar und ich würde mich nicht direkt nur auf den Notgroschen reduzieren. Die Umstellung wäre insgesamt weniger drastisch.

    Gleichzeitig muss ich an eine Aussage von Gerd Kommer in der {ungeskriptet} Podcast Folge denken, in der er zwei Punkte als entscheidend bezeichnet hat:

    1. Gute Rendite
    2. Eine nennenswerte Bemessungsgrundlage

    Gerade Punkt zwei werde aus seiner Sicht häufig vergessen, während man sich stark auf Punkt eins fokussiere. Das hat mich Anfang Januar beim Hören sehr getriggert und mein hoher Tages-/Festgeldanteil ist seitdem immer stärker in den Fokus gerückt.

    So wie ich die bisherigen Beiträge verstehe, würdet ihr überwiegend eher zu einer radikaleren Umschichtung tendieren – gerade aufgrund der bestehenden Unklarheit hinsichtlich eines Eigenheims und der damit verbundenen Opportunitätskosten.
    Oder wie seid ihr selbst ungefähr zwischen Depot und Tages-/Festgeld aufgestellt?

    Der Einwand von Evaluise ist dennoch berechtigt: Mit etwas zeitlichem Abstand könnte ich immer noch nachjustieren, falls ich doch mehr investieren möchte.

  • Um noch einmal auf die grundsätzliche Vereinfachung meines Depots zurückzukommen:

    Den ETF-Sparplan habe ich wieder auf IE00BK5BQT80 (Vanguard FTSE All-World) umgestellt. Ich erinnere mich, dass ich mich damals – nach zu langer Chartbetrachtung und dem (rückblickend fragwürdigen) Glauben, daraus etwas für die Zukunft ableiten zu können – bewusst wegen der Schwellenländer dafür entschieden hatte.

    Beim erneuten Lesen auf Finanztip sind mir zwei Erkenntnisse zu meinem impulsiven Wechsel im Herbst auf IE00BD4TXV59 gekommen:

    1. Steueroptimierung:
      Statt alle fünf Jahre eher alle zehn Jahre eine neue Tranche zu starten.
      Wie handhabt ihr das? Macht ihr das ebenfalls in festen Intervallen oder erst später bei der Entnahme, z. B. über ein Zweitdepot für LIFO?
    2. TER:
      Die TER ist bei Aktien-ETFs meist nicht entscheidend, da sie sich typischerweise zwischen 0,1–0,3 % p. a. bewegt und damit sehr nah beieinander liegt.

    Daher würde ich künftig auch alle Einmalinvestitionen (aus Depotverkäufen sowie aus Tages-/Festgeld) konsequent in den Vanguard FTSE All-World investieren.


    UniGlobal:
    In Scalable Capital ist ein Kauf bzw. Verkauf inzwischen nicht mehr möglich. Ich werde anfragen, ob eine Rückgabe an die KAG dennoch möglich ist und zu welchen Konditionen. Falls nicht, würde ich die Position zu einem anderen Depot übertragen.


    Offene Immobilienfonds / Hausinvest:
    Hat jemand von euch Erfahrung mit dem Verkauf bzw. der Rückgabe offener Immobilienfonds?
    Aufgrund des Hinweises von fabioso habe ich den Finanztip Artikel noch einmal gelesen – dort werden tatsächlich auch bei Börsenverkäufen Abschläge von teils 10 % und mehr erwähnt.
    Spricht eurer Meinung nach daher mehr für eine Rückgabe mit 12-monatiger Wartefrist statt der Empfehlung sie möglichst schnell zu verkaufen?


    Einzelwerte & weitere ETFs:

    • Für Holmen und SAP werde ich mir konkrete Kurse festlegen, zu denen ich verkaufen möchte.
    • UBS Core MSCI World (IE00BD4TXV59) würde ich nach der Sparplanumstellung einfach liegen lassen.
      Gilt das eurer Meinung nach auch für den UBS MSCI World Socially Responsible (LU0629459743) oder würdet ihr diesen eher verkaufen?
    • Alle übrigen Positionen würde ich zugunsten von „keep it simple“ verkaufen.

    Praktisches Vorgehen:
    Da ich bislang noch nie selbstständig Positionen verkauft habe, werde ich mir die Depotkonditionen und Handelsplätze genauer anschauen.
    Mir ist bisher bekannt:

    • Handel werktags während der Hauptbörsenzeiten (ca. 9 - 17 Uhr).
    • Mit Xetra oder Tradegate macht man grundsätzlich nichts falsch.


    Was denkt ihr insgesamt dazu? 🙂
    Gibt es noch Punkte, die ich berücksichtigen sollte – oder etwas, das ihr anders beurteilen würdet?