Ein KISS von Irving – Zielpfad: 5 auf 20 Mio €

  • Das wichtigste an diesem Thema sind nicht irgendwelche Zahlen oder die ETF-Auswahl, das wichtigste ist doch dieser Absatz hier:

    Dieser Ansatz ist nicht aus theoretischer Überzeugung, sondern aus praktischer Erfahrung entstanden: Früher war unsere Vermögensverwaltung deutlich komplexer. Im Zuge einer schweren Erkrankung haben wir unser System in mehreren Schritten bewusst und radikal vereinfacht (zuletzt Ende 2025). Ziel war eine Struktur, die auch dann funktioniert, wenn Zeit, Energie oder Aufmerksamkeit begrenzt sind. Oder wenn plötzlich ein weniger finanzaffiner Partner oder Erben übernehmen müssen.

    Dazu zunächst mal alles Gute, danke für die Offenheit, und an jeden die Empfehlung sich diesen Absatz nochmal durchzulesen, wenn man sich wieder Depotzusammenstellungen oder Nachkommastellen bei der TER um die Ohren haut.

  • Das hat Finanztip bereits versucht und ist gescheitert.

    Mir persönlich ist jedenfalls kein einziger Protagonist bekannt, der praktisch 100% seiner gesamten freien Mittel nur in Aktien schiebt oder sogar nur in einem einzigen Aktien-ETF hält ... (siehe Bierdeckel)


    Mal abgesehen von der Tatsache, daß solche ex-post-Empirie das tatsächliche Durchleben (und Durchhalten) von zeitlichen, hohen Wertschwankungen ausblendet (oder zumindest nicht gebührend berücksichtigt) und damit auch die menschliche Psyche (stelle mir gerade so ein Paar in einer längeren heftigen Baisse vor, in der aus den (besagten oder angeblichen aktuellen) 4,9 Mio. dann real nur noch 1,96 Mio. geworden sind ...


    Letztlich beruht auch der Cederburg-Ansatz (Nr. 10, Abs. 1) nur auf einer ex-post Betrachtung sprich ex-post Empirie. Bei Szenarien und Konstellationen, die auf aus der Vergangenheit gespeisten Daten basieren mag das stets und zuverlässig zutreffen. Verfechter solcher Ansätze werden behaupten, daß sich auch die Zukunft stets und immer im Rahmen dieser Vergangenheit (und Vergangenheitsdaten) bewegt. Das wird so lange behauptet, bis sich die Zukunft daran eben ggf. nicht mehr hält sprich diesen Vergangenheitsrahmen verläßt. Natürlich geht es dabei um Wahrscheinlichkeiten. Nach meinem Dafürhalten wird da aber von einer abgeleiteten Wahrscheinlichkeit basierend auf eben ex-post-Informationen gearbeitet, die keinerlei Aussagekraft für einen konkreten Anlagezeitraum der Zukunft haben muß (aber natürlich haben kann). Ganz abgesehen von über den reinen Aktienmarkt hinausgehende externen Risiken, Friktionen, Brüchen usw. wie dem eigenen Standort, die Entwicklung desselben in Sachen Rechtssicherheit und Rechtsstaatlichkeit, Schutz des Eigentums, staatlichen Ein- und/oder Zugriffen, politischen Imponderabilien usw.


    Nur am Rande aber in dem Kontext:

    Wie habt ihr es eigentlich geschafft ein solch relativ großes Vermögen aufzubauen? (Warst Du früher womöglich risikofreudiger?)

    (nachträglich gefettet von mir)

    Wie geht denn "risikofreudiger" - als mit einer Aktienquote von 100% ... ?

    Selbst das Arbeiten mit relevanten Kredithebeln bei Immobilien unterliegt diverse "Kautelen" (Bonität, entsprechende Rücklagen, adäquate und nachhaltige Kapitaldienstfähigkeit, Sicherheiten im Hintergrund (beispielsweise daneben auch schon lastenfreie Immobilien) usw.).

  • Danke für die Einblicke. Interessant wäre aus meiner Sicht noch, welcher komplexe Ansatz vorher gefahren wurde, wie erfolgreich war dieser? Wurde verglichen, wie die Performsnce mit anderem Ansatz ausgefallen wäre? Hat die Komplexität dem Vermögensaufbau geholfen oder geschadet? Hat das abgesehen von der Vereinfachung der Anlage zum Wechsel beigetragen?


    Welche Zeitschiene sind für das 20 Mio Ziel vorgesehen und wie alt seid ihr dann? Wollt ihr einfach nur ein maximal großes Erbe aufbauen oder was ist das Ziel damit? Habt ihr das Gefühl über das Ziel hinaus geschossen zu sein und früher zu viel Entbehrungen dafür in Kauf genommen zu haben oder hattet ihr einfach schon immer „viel“? Es klingt etwas so als wären auch die 4,9 M€ viel mehr als ihr eigentlich bräuchtet, um euer Leben zu führen und als ob eure Ansprüche/Lebenshaltungskosten im Vergleich dazu relativ niedrig wären.

    Irving braucht natürlich nichts davon beantworten aber ohne die Historie ist es halt nicht so erkenntnisreich von außen, wenn man schreibt, dass man ein großes Vermögen in einen ETF umgeschichtet hat.

  • Diese Tabu-Frage wird leider viel zu selten gestellt. Du wirst da aber auch keine ehrliche Antwort bekommen. Soll hier aber ja auch nicht Thema sein auch wenn ich den Sinn dieses Threads generell (noch) nicht verstanden habe

    Die Frage ist m.E. zulässig .

    Auf reiner Sachebene hat Irving sehr oft Recht, vertritt rationale und gut durchdachte Standpunkte, die ich auch regelmäßig teile.

    Allerdings spielt es immer auch eine Frage, wer etwas sagt. Prof Walz kriegt zB so viel Gehör, weil er....Professor ist. Er hat Autoritas.

    "Irgendein Nutzer" in einem Forum steht natürlich unter einem anderen (nicht erzwingbaren) Rechtfertigungsvorbehalt.

    Jemand, der über 4Millionen (!) gemeinsames Vermögen hat,.l kann natürlich ganz anders über 100% Aktien reden als der durchschnittliche AN.

  • Bei der ETF Wahl vertrete ich ja eine etwas andere Auffassung

    Das geht mir auch so, den grundsätzlichen Ansatz fahre ich bzw. wir aber auch.

    Ein ETF, Ausschütter, ansonsten eher überschaubarer "Notgroschen" in Tagesgeld, als Versicherungen nur KfZ-Versicherung und private Haftpflicht.

    Keine Lebensversicherungen, Bausparverträge oder Riester, keine aktiven Fonds, die monatliche Sparrate fließt in einen einzigen Welt-ETF mit niedriger TER über einen kostenlosen Sparplan.

    Eine selbstbewohnte Immobilie haben wir, aber nicht als Kapitalanlage sondern weil wir gerne so leben und nicht in die Situation einer Eigenbedarfskündigung kommen wollen. Es ist ein Neubau (okay, inzwischen ca. 10 Jahre alt...) mit sehr guter Energieeffizienz, Tiefgaragenstellplatz und barrierefreiem Zugang zur Wohnung mitten in der Großstadt, ruhig aber sehr gut angebunden. Also grundsätzlich auch noch im Alter bzw. mit eingeschränkter Mobilität gut nutzbar, und vermutlich auch problemlos zu veräußern, wenn wir doch nochmal anders leben wollen.

    Ich habe mich lange vor dem Thema Finanzen und Finanzplanung komplett gedrückt, aus Angst, das Falsche zu machen bzw. weil ich überhaupt nicht wusste, wo ich anfangen soll, immer mit dem latenten schlechten Gewissen "man müsste mal was tun...". Ich habe zwar trotzdem nie provisionsgetriebene Finanzprodukte gekauft (ich war schon immer skeptisch gegenüber Vertrieblern...), aber eben viele Jahre das Geld auf dem Girokonto angehäuft.

    Verrückterweise war es ausgerechnet der Wohnungskauf, der mich zu ETF getrieben hat. Das angehäufte Geld ist als Eigenkapital in die Immobilie geflossen. Aber dann hat sich, bis wir wirklich umgezogen sind (es lagen knapp anderthalb Jahre zwischen notariellem Kaufvertrag und Umzug), wieder Geld angesammelt, zwischenzeitlich war die Zeit der Verwahrentgelte angebrochen, und ich habe dann doch mal angefangen, mich zum Thema Finanzplanung und ETFs einzulesen, weil ich mir dachte, das ist doch Quatsch, hier wieder sechsstellige Beträge auf dem Girokonto anzusammeln.

    Inzwischen bin ich SO FROH über unsere "KISS"-Lösung. Ich lese hier immer interessiert mit, was andere so machen, aber auch wenn irgendeine Art von Finetuning gerade in ist oder mal wieder irgendein neuer ETF-Trend durchs Dorf getrieben wird, bisher bleiben wir bei unserer Strategie und sind da auch sehr mit uns im Reinen! Ist unsere Strategie perfekt? Nö, bestimmt nicht. Aber ich habe da das Motto "Done is better than perfect".

    Die Strategie tut was sie soll, sie läuft einfach ohne nachzudenken oder eingreifen zu müssen, monatlicher Sparplan auf Autopilot, kostenlose automatische Wiederanlage der Ausschüttungen, man muss einfach nichts tun, und das ist wunderbar!

  • Buntbart  K. Fee

    Wir arbeiten beide in Teilzeit und sind gesetzlich krankenversichert. Die Ausschüttungen aus dem ETF belaufen sich auf rund 6.000 Euro pro Monat vor Steuern. Bereits dieser Betrag würde für unseren Lebensstil mehr als ausreichen.

    1,47% Jahresrendite bei 5 Mio Anlagebetrag?

    Wie sind die 5 Mio zustande gekommen? Seid ihr einer der ersten gewesen, die in ETFs mit einem Sparplan investiert haben und ist die Summe so zusammengekommen? Oder war da vielleicht eine Erbschaft oder ein Firmenverkauf mit im Spiel, der einen Teil des Kapitalstocks ausgemacht hat? Ansonsten ist die Information nicht anwendbar für die Möglichkeit, es nachzumachen oder euch gleich zu tun.

  • 1,4% Jahresrendite bei 5 Mio Anlagebetrag?

    Das kommt doch hin, der verlinkte Gerd-Kommer-ETF ist ein Ausschütter.

    Ansonsten ist die Information nicht anwendbar für die Möglichkeit, es nachzumachen oder euch gleich zu tun.

    Na ja, eine KISS-Strategie mit nur einem ETF kann man auch mit sehr viel weniger Vermögen fahren. Und sich bei der Strukturierung des eigenen Vermögens zu überlegen, wie komplex es z.B. bei krankheitsbedingten Einschränkungen oder für einen überlebenden Ehepartner wäre, damit umzugehen, wird auch nicht erst bei 5 Millionen relevant.

    "Nicht komplexer als nötig" ist meiner Meinung nach ein absolut sinnvoller Leitsatz, egal bei welcher Vermögenshöhe.

  • Jemand, der über 4Millionen (!) gemeinsames Vermögen hat,.l kann natürlich ganz anders über 100% Aktien reden als der durchschnittliche AN.

    Ja, definitiv. Mit 4 Mio ist ein Kurseinbruch von 50 Prozent zwar heftig, aber schlägt sich das wirklich im Alltag nieder? Die Dividenden betrifft der Kursrückgang erstmal nicht und wer die sowieso nur als Sahnehäubchen braucht, kann eine Erholung völlig entspannt abwarten.

    Die großen Zahlen machen den Unterschied. Wer sein Depot im Ruhestand abbauen muss um seine Rentenlücke zu schließen, sollte von 100 Prozent Aktienquote Abstand nehmen. Die Sahnehäubchenabstauber bleiben investiert und werden immer wohlhabender.

  • Da bekommt man ja mit Deutschen Staatsanleihen oder dem Sparkassenbrief oder dem dbx0an mehr heraus(?!)

    Das ist nur die Ausschüttung, nicht die Gesamtrendite. Die dürfte (anders als bei deutschen Staatsanleihen, Festgeld oder einem Geldmarktfonds) sehr viel höher sein auf lange Sicht als die 1,x% Ausschüttung.

  • Ich finde die ein ETF-Strategie gut.

    Nur der annähernd 100% Aktien Ansatz skaliert nicht so gut nach unten für kleinere Vermögen. Da braucht es mehr Notgroschen, wer im Ruhestand entsparen muss, macht sich auch andere Gedanken.

  • Diese Tabu-Frage wird leider viel zu selten gestellt. Du wirst da aber auch keine ehrliche Antwort bekommen. Soll hier aber ja auch nicht Thema sein auch wenn ich den Sinn dieses Threads generell (noch) nicht verstanden habe

    Für den Lerneffekt war die Nennung des Depotwertes jedenfalls nicht erforderlich. Über Motivation der Nennung kann dann jeder selbst sich seine Meinung bilden.

  • Nur am Rande aber in dem Kontext

    Oh, mit einer monatlichen Sparrate von 4 -5k über 30 Jahre kommt das sehr gut hin.

    Nachgerechnet habe ich das nicht - für gut möglich halte ich es aber.

    Gefühle helfen da auch nicht. Rechnen wäre besser.

    Noch besser als das Rechnen: Ein möglichst dauerhaft ordentliches Einkommen generieren ... !


    Umso unverständlicher, für mich jedenfalls, daß sich so manche zu einem Dasein als Staatsdiener (Beamter) entscheiden ... erst recht vor der Tatsache, daß Humankapital und die Nutzung desselben im Regelfall die entscheidenden Hebel beim Vermögensaufbau darstellen ...

    So wie Du den staatlichen "Murks"-Anteil bei Riester ignoriert oder ganz geleugnet hast, ging ich schon damals stark davon aus, daß Du ggf. selbst Beamter (sprich Staatsdiener) bist.

    Nach meinen langjährigen Erfahrungen gilt:

    Wer in einem System, wie (noch) dem unsrigen auf sich und seine Fähigkeiten vertraut (als besonders Leistungsfähiger und/oder besonders Leistungswilliger), der wird tendenziell sein Heil und Glück in der freien Wirtschaft suchen (beispielsweise als leitender Angestellter oder noch wahrscheinlicher als Selbständiger, Freiberufler, Unternehmer, Gründer usw.) - und sich nicht als Beamter (sprich auf Lebenszeit zu alimentierender Staatsdiener) verdingen.

    Dann klappt es auch mit dem Aufbau eines freien Vermögens ... ;)