Prof. Walz: Alle 100k€ einen neuen ETF

  • Man sollte immer dran denken: Das besondere, herausstechende Merkmal eines Schwarzen Schwans ist, dass man nach seinem Auftauchen denkt: „Oh. Damit hat nun aber wirklich niemand gerechnet.“

    Natürlich sind es seltene Tiere, die Schwarzen Schwäne.

    Und wer meint, dass er in seinem Leben sowieso keinem begegnet, muss sich auch nicht gegen sie absichern.

    Aber da ich es mit verhältnismäßig einfach Mitteln und ohne nennenswerten Aufwand machen kann, habe bspw. ich entschieden, es zu tun. Aber man kann es natürlich auch sein lassen … Ich habe bspw. auch entschieden, zur Krebsvorsorge zu gehen, und das machen nicht alle. Bei Dingen, die mir existenziell wichtig sind - wie mein Gesamtvermögen und meine Gesundheit - baue ich gerne mal das eine oder andere zusätzliche Sicherungsinstrument ein.

  • Vielleicht ist das ein wenig polemisch, aber solche Diskussionen sind wirklich ein sehr deutsches Phänomen. Zumindest in der Breite. Man findet sie regelmäßig in deutschen Foren. In englischsprachigen Foren habe ich so etwas noch nie gelesen. Etwa die Idee, mehrere Depots und Fondsanbieter zu nutzen, um sich gegen das Risiko eines Hackerangriffs abzusichern.

    Ich denke, irgendwann muss man eine Linie ziehen und die Dinge beim Namen nennen: Man kann und sollte im Leben nicht jedes Risiko absichern, weil es irgendwann zu neuen Risiken und schlichtweg weniger Lebensqualität führt. Ja ich weiß, noch ein Depot ändert da nix. Aber damit hört es ja nicht auf. Und dann noch ne Karte und noch ein Konto und noch ein Tresor und Fremdwährung im Keller . . .und irgendwann sucht man nach Bunkern für den Garten.

    Die meisten Menschen in diesem Land haben eine Bank und es funktioniert. Und wenn es nicht mehr funktioniert, dann sind wir Menschen und die Gesellschaft ja in der Lage die Situation zu ändern. Muss man wirklich bei allem was man tut immer vom worst case ausgehen?

  • Muss man wirklich bei allem was man tut immer vom worst case ausgehen?

    Nein, aber man sollte sich das Risiko und die möglichen Maßnahmen anschauen. Dass man das Haus mit 2 Stromanbieter über 2 Teilnetze anschließt ist eher was für Versicherungen, die im Keller ihr eigenes Rechenzentrum betreiben. Aber in dem Fall sind die Aufwände zur Risikominimierung ja recht gering und zur Steueroptimierung bietet sich eine gewisse Aufteilung auch an. Dann kann man zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen

  • Gibt es dazu Erhebungen, die das belegen? Ich kann mir nicht vorstellen, dass das die Mehrheit so hat. Schon meine Oma hatte das vor 40 Jahren anders …

    Eine Filialbank, die von früher und eine Direktbank, das hat was. Online sind beide jeweils schon mal nicht erreichbar gewesen. Da wars einfach nett, zu wissen, dass es eine Alternative gibt.

  • Ich habe Redundantes, wenn einfach und billig zu haben, oder wenn der (zeitweise) Verlust wesentliche Auswirkungen hätte:

    - Konten und Depots bei zwei Banken.
    Erwäge bei nächster Anlage andere Fonds mit ähnlicher Ausrichtung.
    - Karten von mehreren Banken und unterschiedlichen Kartensystembetreibern (Visa, Mastercard).
    - 2+ Brillen
    - 2 Handys. Ersatzhandy ist fürs Banking konfiguriert und hat halbwegs aktuelle Updates. Ist mir besonders auf Reisen wichtig.
    - 2 PCs (Desktop und Notebook)
    Beim nächsten Ersatzkauf nur noch Notebook. Lässt sich auch gut mit externem Monitor, Tastatur und Maus nutzen und mittlerweile komme ich gut einige Zeit nur mit Handy aus.
    - 2+ Ladegeräte für Notebook, Handy, Smartwatch
    - 2 Fernbedienungen zu allem. Z.B. bei einem neuen TV kaufe ich immer gleich eine zusätzliche Original FB. Mag mich nicht mit angeblich kompatiblem oder chemisch stinkendem Ersatz rumärgern.
    Und doch: Als ich zuletzt eine Ersatz-FB nutzen wollte, funktionierte sie nicht. Durch langes rumliegen hatte sich diese Plastikschmiere auf der Schaltmatte gebildet. Nach aufhebeln und säubern funktioniert sie. So viel zum Vorbereiten auf Unerwartetes :) Mit diesem Problem habe ich nicht gerechnet.
    - 2 Schlafapnoegeräte, 2 Masken, 2 Schläuche
    - Ich habe eine fertig gepackte Krankenaustasche (mit einem Zettel drauf, mein Kopfkissen nicht zu vergessen). Nach einem Unfall brauchte ich einem Freund nur meinen Wohnungsschlüssel zu geben und ich hatte alles, was ich brauchte. Bei einem Herzproblem, als mein Kopf kaum noch funktionierte, musste ich nur die Tasche greifen
    ...

    Hat auch mit der eigenen Grundhaltung zu tun. Ich habe z.B. für meine Reisen viele (worst case) Szenarien bedacht. Manche stresst es, über sowas nachzudenken. Manche wollen selbst extreme Risiken nicht ansehen, z.B. fahren viele in SEA mit Scootern ohne gültige Fahrerlaubnis (Verleiher ignorieren das, die Polizei drückt für kleines Geld ein Auge zu, aber die Versicherung zahlt im Schadensfall nicht). Mich beruhigt Vorsorge. Aber ich plane nicht unter der Illusion, die Zukunft würde entsprechend meiner Planung verlaufen, sondern um zu verstehen, wie der beplante Bereich tickt – wie sich geänderte Parameter oder Maßnahmen auswirken. Damit versteht man, worauf man Einfluss hat und was man halt akzeptieren muss, und kann in Entscheidungssituationen unter Zeitdruck, Stress oder gesundheitlichen Einschränkungen leichter und besser reagieren. Planung ist der Ersatz des Zufalls durch den Irrtum.

    Einmal editiert, zuletzt von pmeinl (10. Februar 2026 um 13:42)

  • Die meisten Menschen in diesem Land haben eine Bank und es funktioniert. Und wenn es nicht mehr funktioniert, dann sind wir Menschen und die Gesellschaft ja in der Lage die Situation zu ändern. Muss man wirklich bei allem was man tut immer vom worst case ausgehen?

    Ich finde, einen "Plan B" zu haben, ist in vielen Fällen nicht verrückt oder übervorsichtig. Ich habe z.b. ein zweites Girokonto, und auf dem einen Konto VISA, auf dem anderen Konto Mastercard. Ich hatte schon den Fall, dass z.B. im Urlaub eine Karte von der Bank aus Vorsichtsgründen gesperrt wurde, oder dass von einer Karte unerlaubte Abbuchungen stattfanden und die gesperrt wurde. Oder dass eine Zahlung bei einem Anbieter nur mit VISA funktioniert, und bei einem anderen nur mit Mastercard. Oder dass sich bei einem Konto problemlos das Zahlungslimit pro Tag ausreichend hochsetzen ließ, beim anderen nur mit größerem Aufwand und nicht mit sofortiger Wirkung.

    In solchen Fällen ist es praktisch, eine Ausweichmöglichkeit zu haben.

    Wäre ich jetzt schon in der Entnahmephase, würde ich vermutlich auch schauen, dass nicht das Depot und alles Geld bei ein und derselben Bank liegt, und dass ich genügend Tagesgeld als Puffer habe, um z.B. den worst case zu überbrücken, dass der Broker insolvent wird, gehackt wird, was auch immer passiert und ich vielleicht mal für einen Zeitraum X nicht an mein Depot komme bzw. nicht handeln kann.

    Aber alle 100.000 EUR ein neuer Broker und ein neuer ETF empfinde ich auch als übervorsichtig und unnötig kompliziert.

  • In solchen Fällen ist es praktisch, eine Ausweichmöglichkeit zu haben.

    Meine Erfahrung ist einfach, dass sich viele Menschen in diesem Land unglaublich viele Gedanken darüber machen, Risiken zu reduzieren, deren Eintrittswahrscheinlichkeit im mikroskopischen Bereich liegt oder zumindest kein großes, unlösbares Problem darstellen, während die großen Hebel, die wirklich relevant wären, oft liegen gelassen werden.

    Ein Klassiker in meiner Nachbarschaft: viele Assets für den Worst Case. Immobilien, Gold, Fremdwährungen im Keller, Wasser und Konserven für Monate, falls die Welt untergeht …

    Und gleichzeitig keine Gedanken an eine altersgerechte Wohnung für später oder ein Plan für den Fall, dass man geistig irgendwann nicht mehr alles gebacken bekommt. Obwohl die Wahrscheinlichkeit dafür deutlich höher ist.

    Ich will hier niemandem ein zweites Depot oder ein weiteres Konto ausreden. Ich glaube nur nicht, dass das die wunden Punkte im Leben eines Durchschnittsdeutschen sind.

  • Also ich hatte definitiv schon Probleme mit einer Bank und war froh um mein Zweitkonto! (Ich sage nur Postbank IT Umstellung, das Internet war voll mit Beschwerden von Kunden die tagelang keinen Zugriff auf ihr Girokonto hatten)

    Auch mit einem Broker hatte ich schon Probleme beim Depotumzug, so dass meine Aktien für mich monatelang nicht handelbar waren.

    Also so selten wie Irving das beschreibt sind solche Probleme leider nicht...

  • Dann soll er das so schreiben!

    Tatsächlich schreibt er das hier in seinem Beitrag, und bekräftigt in einem Kommentar nochmal die 100.000 EUR als absolute Grenze.

    Er beschreibt die 100k aber gerade nicht als absolute Grenze. Das merkt aber irgendwie niemand:

    Zitat

    Falls Sie über 100.000 Euro in einem Welt-ETF haben...

    Zitat

    z.B. über 100.000 Euro

  • Also so selten wie Irving das beschreibt sind solche Probleme leider nicht...

    Ich kann mir schon vorstellen, dass man mal ein paar Tage nicht zugreifen kann. Und die Börse kann auch mal geschlossen werden für eine Zeit. Das wäre unangenehm und mit einem Zweitkonto angenehmer. Aber ist das wirklich ein Problem?

    Ich denke, dass es dafür in eine zivilisierten Land letztlich immer eine Lösung gibt. Die Postbank-Kunden haben das schließlich auch überstanden. Wenn mein Konto einmal ein oder zwei Wochen nicht zugänglich wäre, wäre das kein großes Problem. Selbst einen Monat kann man überbrücken. In dieser Zeit ließe sich auch ein neues Konto eröffnen und Zahlungsströme umleiten. Außerdem hat man ja auch Kontakt zu anderen Menschen, die einem aushelfen können. So hat man das früher eigentlich immer gemacht.

    Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass eine große Sparkasse oder eine Filiale der Deutschen Bank Kunden einfach die Konten sperrt, die Türen schließt und dann über Monate hinweg keine Lösung anbietet.

    Und klar: In so einem Fall würden alle mit Zweitkonto sagen: „Gut, dass ich eines habe!“ Keine Frage, das wäre dann angenehmer. Aber ein wirklich großes Problem wäre es aus meiner Sicht nicht.

    Damit möchte ich es auch belassen. Ich will hier auch nicht Leute mit einem zweiten Konto in irgendeine Prepper-Ecke stellen. Die vorgetragenen Punkte für ein mehrgleisiges System, ergeben schon Sinn und wer sich damit wohler fühlt, kann es ja machen.

  • Ich nutze als Konsum- und Tagesgeldkonto Klarna. Ist für diesen Zweck gut geeignet und Liquidität kann man dort auch ganz gut (nicht perfekt) parken. Wobei hier die Themen tatsächlich vermischt werden. 2. Online-Broker oder 2. Girokonto sind ja unterschiedliche Felder.

    Am Ende ist es für wohl einfach eine Abwägungsentscheidung was einem wichtiger ist. Ab 500 K würde ich wohl einen 2. Broker hinzunehmen.

  • Meine Erfahrung ist einfach, dass sich viele Menschen in diesem Land unglaublich viele Gedanken darüber machen, Risiken zu reduzieren, deren Eintrittswahrscheinlichkeit im mikroskopischen Bereich liegt oder zumindest kein großes, unlösbares Problem darstellen

    Ich sage mal so, als ich in Nepal mit gesperrter VISA-Karte vor dem Geldautomaten stand, war ich schon froh, dass ich nicht allein auf dieser Reise war (und mein Partner ein Konto und Karte bei einer anderen Bank hatte).

    während die großen Hebel, die wirklich relevant wären, oft liegen gelassen werden.

    Ein Klassiker in meiner Nachbarschaft: viele Assets für den Worst Case. Immobilien, Gold, Fremdwährungen im Keller, Wasser und Konserven für Monate, falls die Welt untergeht …

    Und gleichzeitig keine Gedanken an eine altersgerechte Wohnung für später oder ein Plan für den Fall, dass man geistig irgendwann nicht mehr alles gebacken bekommt. Obwohl die Wahrscheinlichkeit dafür deutlich höher ist.

    Das stimmt, das finde ich auch immer interessant. Vor allem das mit der altersgerechten Wohnung... Das wird gerne solange ausgeblendet, bis man wirklich überhaupt nicht mehr die Treppe ins 1. OG hochkommt oder die drei Stufen zur Haustür ein unüberwindbares Hindernis darstellen.

    Wie man selbst (oder auch der/die überlebende Partner/in) irgendwann im Alter mit seiner Geldanlage klarkommt, ist auch so ein Thema und für mich ein Grund für eine KISS-Strategie. Es mag sein, dass man in jüngeren Jahren locker fünf Vermietobjekte inklusive Nebenkosten-Abrechnungen und Steuer, eine Bitcoin-Wallet und drei Depots mit insgesamt 12 ETFs und jährlichem Rebalancing managt. Aber schafft man das auch noch mit 80? Und wie findet man den richtigen Zeitpunkt, um die Strategie umzustellen, ab wann vereinfacht man seine Anlagestrategie? Gesteht man sich selbst ein, wenn es immer schwieriger wird? Schafft man die Vereinfachung rechtzeitig, bevor einem auch das zuviel wird?

    Ganz zu schweigen von den vielen, vielen Fällen, in denen nur einer der Ehepartner - meistens der Mann - die Finanzen regelt und der andere Ehepartner - meistens die Frau - komplett hilflos ist, wenn der Partner verstirbt oder kognitiv nicht mehr in der Lage ist, sich um alles zu kümmern.

    Wir machen unsere Finanzen deshalb auch bewusst gemeinsam, treffen unsere finanziellen Entscheidungen gemeinsam, haben beide Zugriff und wissen auch, wo welches Geld liegt. Und ja, haben eben auch eine möglichst unkomplizierte Form der Geldanlage fürs Alter. Es ist bei uns noch eine Weile hin, aber ich empfinde es schon jetzt als sehr beruhigend, dass wir einfach einen einzigen ausschüttenden ETF haben, und gut.

  • Ich sage mal so, als ich in Nepal mit gesperrter VISA-Karte vor dem Geldautomaten stand, war ich schon froh, dass ich nicht allein auf dieser Reise war (und mein Partner ein Konto und Karte bei einer anderen Bank hatte).

    Da stimme ich dir zu. Andererseits ist eine Nepal-Reise jetzt auch nicht gerade das, was man bei der täglichen Risikoabschätzung unbedingt mit einbezieht. Da braucht man vermutlich ohnehin ein eigenes Setup (Bargeld zum Beispiel). In so einem Fall hätte ich wohl auch auf mehreren Ebenen vorgesorgt. Aber fürs normale Leben hier? :/

    Auf die anderen Punkte gehe ich gar nicht ein, das ist 1:1 meine Denkweise.:thumbup:

  • Ich hab für meine Daten zig Backups und im Auslandsurlaub hab ich auch ein Notall - Zweithandy dabei. Also warum sollte ich mein ganzes Vermögen an einem einzigen Ort lagern und komplette Abhängigkeit haben wo es um irre hohe Summen und allem geht was man ein Leben lang anspart?

    Eigentlich fahrlässig.


    Egal ob Hack, Down, Betrug, steuerschädliche Verschmelzung etc., Ich will nie nur von einem Anbieter und ETF abhängig sein. Es kann so viel passieren im Leben und auf zig Jahrzehnte.

  • Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass eine große Sparkasse oder eine Filiale der Deutschen Bank Kunden einfach die Konten sperrt, die Türen schließt und dann über Monate hinweg keine Lösung anbietet.

    Die Wahrscheinlichkeit, dass so etwas passiert, dürfte wohl so gering sein, so dass hier praktisch kein Risiko existiert. Dummerweise sind die Leistungen dieser Finanzinstitute nicht umsonst. Wer dort ein Konto hat, wird in diesem Forum eher mitleidig belächelt. Wo es doch so viele "kostenlose" Angebote gibt. Wenn hier aber über Probleme berichtet wird, sind praktisch immer diese Billigheimer im Spiel. You get what you pay for.

    Weil das ja alles nicht kostet, hat man eben 4 Konten, 3 Depots und 5 Kreditkarten, um Risikominderung zu betreiben. Ist zwar für lau, geht aber auf Kosten der Einfachheit. Und wenn wirklich mal der Zugang nicht mehr funktioniert oder das Konto gesperrt ist, kann man das gesparte Geld für Beruhigungsmittel aufwenden.

    Die von mir bevorzugte, einfache Variante ist, solche Risiken wie Kontosperrung durch Zahlung einer entsprechenden Servicegebühr praktisch auf Null zu senken. Ich finde es deutlich nervenschonender, bei Problemen in die nächstgelegene Filiale der örtlichen Sparkasse zu gehen oder anzurufen, als mit einem KI-Bot eines litauischen Finanzdienstleisters darüber zu diskutieren, dass ich kein Geldwäscher bin.