Vorschlag für ein günstiges, gewichtetes, breit diversifiziertes Depot

  • Liebe Finanztipp-Community,

    ich möchte Euch hiermit gerne meinen Vorschlag für ein Depot vorstellen, in welches ich langfristig investieren möchte.

    Die folgenden Dinge waren mir dabei wichtig:

    1. Möglichst breite Diversifikation und Abbildung der gesamten Marktkapitalisierung mittels Large, Mid und Small Caps aus DM und EM unter Berücksichtigung des nominellen BIPs. Die FM sollen weggelassen werden wegen der Risiken und fehlender adäquater Marktzugänglichkeit selbst über ETFs.

    2. Angepasste horizontale Gewichtung: Eine "klassische" 70/30-Gewichtung, also den Anteil der EM am nominellen Welt-BIP von ca. 40% stark berücksichtigen, diesen aber aufgrund der (u.a. politischen) Risiken bei 30% zu kappen.

    3. INNERHALB der DM (70%) und der EM (30%) möglichst nach dem nominellen BIP gewichten, um Länder-Klumpen zu reduzieren.

    4. Angepasste vertikale Gewichtung: Small Caps mit insgesamt 20% ein bisschen mehr gewichten, weil diese (außer v.a. in den letzten Jahren und den 90ern) historisch ein kleines bisschen besser performt haben und ich mir durch die große Anzahl der Unternehmen und die relative Abschwächung der 80%, insbesondere der Mega-Caps ein wenig mehr Diversifikation verspreche. Ich weiß, dass der Punkt besonders kontrovers ist, aber es ist auch nur eine leichte Übergewichting, neutral betrachtet müssten diese laut MSCI mit 14/15% berücksichtigt werden.

    5. Ein möglichst nahtloser Übergang horizontal (DM und EM) und vertikal (Large, Mid und Small Caps) der abgebildeten Indizes, um ungewollte Überschneidungen zu vermeiden.

    6. Alle ETFs sollen thesaurierend sein.

    7. Möglichst geringe Gesamt-TER, die deutlich unter einem solchen All-In-One-Spezial-ETF wäre.


    Das Depot sieht folgendermaßen aus:

    80% Lage & Mid Caps:

    davon 50% DM (Amundi Prime Gobal; TER 0,05%)

    davon 7,5% Europa (Amundi Prime Europe; TER 0,05%)

    davon 7,5% Eurozone (Amundi Prime Eurozone; TER 0,05%)

    davon 3% Japan (Amundi Prime Japan; TER 0,05%)

    davon 2% DM Pazifik Ex Japan (L&G Asia Pacific ex Japan; TER 0,1%)

    davon 25% EM (Amundi Prime Emerging Marktes; TER 0,1%)

    davon 5% China A (Xtrackers CSI 300; TER 0,5%)

    20% Small Caps:

    davon 50% DM (Xtrackers MSCI World Small Cap; TER 0,25%)

    davon 10% Europa (State Street SPDR MSCI Europe Small Cap; TER 0,3%)

    davon 10% Eurozone (iShares MSCI EMU Small Cap; TER 0,58%)

    davon 20% EM (State Street SPDR MSCI Emerging Markets Small Cap; TER 0,55%)

    davon 10% China A (Xtrackers CSI 500; TER 0,35%)


    Es sieht sehr kompliziert aus, lasst es mich daher einmal erklären:

    1. Es ist im Grunde genommen ein 50/20/30-Portfolio, also 50% DM, 20% Europa und 30% EM mit jeweils einem Small Cap ETF dazu, so kommt man ja bereits auf sechs ETFs.

    2. Die 20% Europa habe ich jeweils zur Hälfte mit 10% ganz Europa und 10% Eurozone gewichtet. So werden die Länder besser gemäß BIP abgebildet, weil beispielsweise UK und die Schweiz weniger und etwa Deutschland mehr gewichtet werden.

    3. Mit dem extra 20%-Europa-Anteil würde dieses insgesamt etwas über dem nominellen BIP bei gleichzeitig deutlich niedrigerer Marktkapitalisierung liegen, während es bei den DM des Pazifiks (Japan, Australien, Hongkong, Singapur, Neuseeland) genau anders herum wäre, sodass ich im "80%-Block" Europa nur mit 15% und die DM des Pazifiks mit 5% gewichtet habe. Japan ist dann wieder 1-2% höher als das BIP gewichtet, hat aber auch einen wichtigen, tendenziell unterbewerteten Aktienmarkt und Unternehmen, die übermäßig viel im Ausland erwirtschaften.

    4. Japan macht am MSCI World Small Cap bereits ca. 12% aus, also ungefähr das Doppelte wie beim MSCI World, sodass ich es nicht bei den Small Caps nicht noch zusätzlich aufgenommen habe. Zudem halte ich noch kleinere Anteile als 10% innerhalb des "20%-Blocks" als nicht mehr zielführend.

    5. Das nominelle BIP von China an den EM beträgt ca. 50%, China ist da aber mit einer Marktkapitalisierung von nur ca. 25% deutlich unterrepräsentiert. Bei den EM Small Caps sind es sogar nur ca. 6% (!) der Marktkapitalisierung. Zudem ist China vornehmlich anhand der Offshore-(Tech-)Aktien abgebildet, was dazu führt, dass beispielsweise ein 17%-Tencent-Klumpen im MSCI China entsteht und die viel größere Binnenwirtschaft deutlich unterrepräsentiert ist. Auf einen 50%-Anteil an den EM wollte ich aber aufgrund der politischen Risiken (dauernd drohende Annexion von Taiwan, ggfs. Delisting wie bei Russland - aber wer weiß das schon genau) auch nicht gehen. Daher habe ich dem jeweils mit zusätzlichen 5/10% Onshore-A-Aktien Rechnung getragen mit einer BIP-Positionierung ungefähr in der Mitte der Spanne.

    6. Außer bei China, bilden alle ETFs bei den Large und Mid Caps Indizes von Solactive und bei den Small Caps von MSCI ab. Beide China-ETFs bilden CSI-Indizes ab. Zudem ziehen sowohl Solactive als auch MSCI die Grenze für Small Caps bei exakt 85% der Marktkapitalisierung. Somit gehen alle ETFs nahtlos ineinander über ohne Überscheindungen (außer natürlich bei den Gewollten wie DM und Europa usw...).

    Die Gesamt-TER beträgt ~0,17% (genau 0,1676%).

    Den Vorteil meines Depots sehe ich neben der sehr breiten Diversifikation über alle Markets und Caps hinweg und anhand der BIP-Gewichtung, der Chancen- und Risikobewertung und lokaler Besonderheiten auch darin, dass es durch die Vielzahl der ETFs in alle Richtungen (Markes, BIP, Caps...) an veränderte Marktbedingungen jederzeit flexibel angepasst werden kann und auch einzelne ETFs gegen beispielsweise Günstigere mit der Zeit ausgetauscht werden können. Zudem finde ich es durch die grundsätzliche 50/20/30-Struktur noch übersichtlich mit eben ein paar Detailanpassungen. Und das alles bei einer vergleichsweise niedrigen TER.

    Über konstruktive Kritik und Verbesserungsvorschläge würde ich mich sehr freuen. :)

    Vorab noch Punkte, die ich bereits selbst reflektiert habe:

    1. Angesichts der deutlich höheren TERs der Small-Cap-ETFs könnte die erhoffte Mehrrendite durch Hinzunahme der Small Caps allein deswegen bereits zunichte gemacht werden. Ich habe mich dennoch dazu entschieden diese aufzunehmen alleine aufgrund der zusätzlichen Diversifikation. Und die Gesamt-TER bleibt ja dennoch niedrig.

    2. Ich weiß, dass es mittlerweile auch einen Gerd-Kommer-ETF als All-In-One-Lösung gibt. Allerdings hat dieser eine TER von 0,45%, einen leichten ESG-Filter und berücksichtigt die EM (zumindest derzeit noch) weniger, was ihn für mich weniger attraktiv macht.

    3. Die ganzen einzelnen ETFs sind rein nach Marktkapitalisierung gewichtet und es gebe auch einzelne ETFs mit einer vermeintlich noch höheren Diversifikation etwa durch einen Equal-Weight-Ansatz. Allerdings sind diese teurer als "Vanilla-ETFs" und es gibt sie nicht für jeden abzubildenden Markt, sodass es uneinheitlich wäre. Daher bevorzuge ich innerhalb der vorgestellten Gewichtung die "Vanilla-ETFs".

    4. Die BIP-Gewichtung an sich ist natürlich auch umstritten. Und man könnte jedes Land auch wieder näher an seine Marktkapitalisierung bringen. Allerdings weisen die meisten Länder außer China bereits mit der vorgestellten Gewichtung noch einen Trend zur eigentlichen Marktkapitalisierung auf. Wenn man nicht jedes einzelne Land in einem einzelnen ETF abbildet, wird es auch immer ein Kompromiss bleiben bei einem selbst erstellten Depot und an manchen Stellen ist dieser ja auch mal stärker und mal schwächer von mir gewollt.

    5. Es gebe auch noch die Möglichkeit, das ganze Anhand anderer ETFs abzubilden, beispielsweise durch einen MSCI World Ex USA oder einen MSCI Emerging Market Ex China, allerdings wäre das Depot dann etwas teurer und das Balancing der anderen Regionen gelingt auch nicht unbedingt besser (UK, Schweiz, Japan...).

    Noch einmal vielen Dank fürs Feedback! :)

  • Vorab eine Frage:

    Studierst du gerade Wirtschaftswissenschaften?

    Außerdem bitte eine kurze Zusammenfassung, wie die prozentualen Gewichte der 5 Wirtschaftszonen in deinem Modell sind.

    Wenn du Nordamerika separierst, bitte den Kanada-Anteil ausrechnen.

    Vielen Dank. Dann bekommst du auch eine ehrliche und fundierte Antwort.
    (Insider wissen schon, woher diese Fragen kommen…)

  • Find ich super. Nach ein paar Monaten ist deine ausgeklügelte Gewichtung dermaßen aus dem Lot, dass Rebalancing dann ein Full-time Job ist.

    Ich wette eine Kiste Mineralwasser darauf, dass du das kein halbes Jahr durchziehst.

  • Erst einmal danke für die Rückmeldung, auch wenn sie größtenteils eher polemisch ist. 🙈

    Also ein Rebalancing sollte ja ohnehin nur alle paar Jahre durchgeführt werden und ich würde es dann halt wieder prospektiv per Sparplan einmalig für für die nächsten Jahre anpassen, daher ist es eigentlich kein Full-Time-Job und ganz entspannt. Die 70/30 sind ja ohnehin gesetzt und die BIPs verändern sich ja nun nicht monatlich. 😅

    Die TER ergibt sich halt aus dem Durchschnitt, natürlich ist die Zahl bei mehreren ETFs dann nicht glatt. Das ist ja auch nicht wichtig, sondern dass die Gesamt-TER relativ niedrig ist.


    Die insgesamte Länderaufteilung:

    USA 35,00%

    Europa 24,10%

    Japan 5,90%

    Pazifik Ex Japan 3,40%

    Kanada 1,60%

    China 11,36%

    Emerging Markte Ex China 18,64%


    Und nein, keine Wirtschaftswissenschaft, ich bin Arzt. 😄

  • Ich weiß, dass es mittlerweile auch einen Gerd-Kommer-ETF als All-In-One-Lösung gibt. Allerdings hat dieser eine TER von 0,45%, einen leichten ESG-Filter und berücksichtigt die EM (zumindest derzeit noch) weniger, was ihn für mich weniger attraktiv macht.

    Der ETF enthält fast doppelt so viele Aktien aus den Emerging Markets wie ein klassischer marktkapitalisierungsgewichteter ETF inklusive EM.:/

    Die höheren Kosten sind unbestritten. Meines Erachtens sind sie jedoch durch das integrierte Multifactor-Investing gerechtfertigt, das sich mit marktkapitalisierungsgewichteten ETFs nicht wirklich nachbilden lässt.

    Außerdem sollte man nicht nur auf die TER schauen. Mehrere ETFs bedeuten auch regelmäßiges Rebalancing. Dabei fallen jedes Mal mindestens Spreads an, häufig auch Handelskosten. Selbst wenn diese teilweise „versteckt“ sind.

    Zusätzlich steigt die operative Komplexität. Die Erfahrung zeigt, dass viele Privatanleger über die Jahre die Motivation verlieren und Depots dann nicht mehr sauber gepflegt werden. Spätestens wenn Partner oder Nachkommen übernehmen müssen, wird es oft schwierig.

    Deshalb würde ich persönlich möglichst einfach investieren: entweder über den Gerd-Kommer-ETF oder alternativ über einen ACWI IMI oder FTSE All-World. Die Wahrscheinlichkeit mit einem deutlich komplexeren Portfolio langfristig besser zu fahren, halte ich für sehr gering.

  • Vielleicht wäre der kommende BIP gewichtete ETF von Amundi die einfachere Lösung. Der hat aufgrund der BIP Gewichtung nur eine etwas extremere Verteilung. USA 16%, China 22%. Muss man mal genauer anschauen, sobald der kaufbar ist und die genaue Verteilung bekannt ist.

  • Die 20% Europa habe ich jeweils zur Hälfte mit 10% ganz Europa und 10% Eurozone gewichtet. So werden die Länder besser gemäß BIP abgebildet, weil beispielsweise UK und die Schweiz weniger und etwa Deutschland mehr gewichtet werden.

    Möglichst breite Diversifikation und Abbildung der gesamten Marktkapitalisierung mittels Large, Mid und Small Caps aus DM und EM unter Berücksichtigung des nominellen BIPs.

    Du bist noch nicht in Rumänien investiert. Würde dir noch BGROBET05176 vorschlagen. Lockheed Martin fehlt auch, weil Amundi es ausschließt. Müsstest du noch extra dazu nehmen.

    Mal im Ernst: das ist doch viel zu kompliziert, mache es dir einfach(er). Ich schließe mich Hmpf an ;).

    Die FM sollen weggelassen werden wegen der Risiken und fehlender adäquater Marktzugänglichkeit selbst über ETFs

    Afrika wäre theoretisch schon investierbar.

  • Vorschlag für ein deutlich einfacheres Portfolio

    UBS Msci World (TER 0,06)

    Ishares Msci EM Imi (TER 0,18)

    Xtrackers MSCI World Small Cap (TER 0,25)

    Ggf noch ergänzt um Msci world ex USA.


    Je nach Gewichtung kommst du so noch etwas billiger weg und hast deutlich weniger Komplexität.

  • Erst einmal danke für die Rückmeldung, auch wenn sie größtenteils eher polemisch ist. 🙈

    Mir scheint, dass du deine Entscheidung eigentlich schon getroffen hast und davon ziemlich überzeugt bist. Deshalb frage ich mich ein wenig, warum du noch nachfragst. Auf mich wirkt es eher so, als würdest du nach Bestätigung suchen als nach konkreten Ratschlägen. Wenn du zufrieden bist und denkst, dass du das gut durchziehen kannst, dann passt das doch eigentlich.

    Meine ehrliche Meinung: Du hast dich sehr intensiv mit dem Thema beschäftigt und versuchst, viele der Informationen in deinem Portfolio umzusetzen (ich kann die Aussagen von mehreren Experten in deinem Ansatz erkennen). Vermutlich hat dir dieses Vorgehen auch in anderen Bereichen deines Lebens gute Ergebnisse gebracht. Bei der Kapitalanlage funktioniert das jedoch nur eingeschränkt. Auf mich wirkt es so, als würdest du dich etwas im Detail verlieren. Aus meiner Sicht fehlt deinem Portfolio eine klare wissenschaftliche Grundlage und wichtige Erkenntnisse aus der Behavioral Finance werden kaum berücksichtigt. Dadurch gerät das eigentliche Ziel einer langfristigen Kapitalanlage etwas aus dem Blick.

  • Ich verstehe den Gestaltungsdrang, allerdings gelingt es so gut wie nie den Markt zu schlagen, gerade wenn man startet reich ein weltweiter ETF, damit ist die Versuchung, hin und her zu schieben, ausgeschlossen. Ich war auch mal mit einigen verschiedenen ETFs und Einzelaktien unterwegs, seit ich nur noch einen habe, lebe ich ruhiger und die Rendite ist völlig in Ordnung. Langweilig aber in Ordnung.

  • für ein Depot vorstellen, in welches ich langfristig investieren möchte.

    Wenn ich mir die Struktur anschaue, kann das bei sehr großem Volumen vielleicht etwas bringen.
    Wie steigst du da ein? 6stellig oder 7stellig?
    Wie sieht deine monatliche Investition aus? 4stellig oder 5stellig?

    Solche so detaillierten Gedanken und Aufteilungen sollte man sich meiner Meinung erst ab einem 7stelligen Depotwert gönnen, wenn überhaupt.

  • Vielen Dank für die Antworten.
    Meine Frau hat wissenschaftlich mit dem Bereich zu tun und diktiert dir jetzt eine schnelle Antwort übers IPhone. Kleinere Fehler bitte entschuldigen.

    Hallo Adamsky,

    zunächst einmal Respekt. Dein Portfolio zeigt, dass du dir sehr viel Gedanken über Diversifikation, Klumpenrisiken und regionale Gewichtungen gemacht hast. Dass du Small Caps bereits einbezogen hast, ist aus portfoliotheoretischer Sicht sehr sinnvoll, weil sie die breite Marktabdeckung und den Diversifikationseffekt deutlich erhöhen.

    Ich vergleiche dein Portfolio jetzt mal mit einem Modell, dass wir an der Uni mit Student:innen entwickelt haben. Es nutzt fünf Vanguard-ETFs, die Gewichte sind etwa:
    • Nordamerika 44 %
    • Europa 25 %
    • Japan 8 %
    • Pazifik ex Japan 8 %
    • Emerging Markets 15 %

    Das Modell läuft besser als der Vergleichsindex FTSE All-World.

    Der Hauptunterschied ist, dass wir weniger ETFs verwenden, um die Komplexität zu reduzieren. Und Small-Caps sind auch nicht dabei, weil wir aus Marketing Gründen im FTSE Universe geblieben sind.

    Dein Ansatz mit 12 ETFs ist zwar sehr detailliert, aber aus Sicht der praktischen Umsetzung und der Kosten-Nutzen-Balance würde ich sagen: 12 ETFs sind für ein Weltportfolio mit Small Caps sehr viel.
    Eigentlich sehr sehr viel.

    In der Praxis erreicht man mit 6–7 ETFs die wesentlichen Diversifikationsziele, inklusive Small Caps, ohne dass man die Kontrolle über Länder- und Sektorengewichte verliert.

    Und mal ehrlich. Mit den 12 Apostol:innen hier wirst du die Kontrolle verlieren.

    Ein weiterer Punkt:

    Damit eine Region effektiv zum Diversifikationseffekt beiträgt, sollte ihr Anteil mindestens bei ca. 8 % des Portfolios liegen. Das sind Forschungsergebnisse der Portfoliotheorie, die du mit Zugang zu universitären Systemen nachlesen kannst (Alexeev & Tapon oder James, Menzies und Gottwald)

    Kleinere Länder wie Kanada (1,6 %) oder Pazifik ex Japan (3,4 %) bringen nur sehr wenig Risikostreuung, erhöhen aber die Komplexität. Hier könnte man überlegen, diese Anteile in breitere ETFs zusammenzufassen, um das Portfolio übersichtlicher zu gestalten.

    Konstruktiver Rat:

    Du hast ein sehr durchdachtes Portfolio mit Small-Caps und bewusster BIP-Marktkapitalisierungsausrichtung.
    Ein schlankerer ETF-Aufbau mit 6–7 ETFs würde ähnliche Diversifikation liefern, aber die Verwaltung deutlich erleichtern und wahrscheinlich Kosten reduzieren (prüfe ich nicht, weil ich nur ausschüttende ETF verwende)
    Kleine Länderanteile unter 8 % könnte man in größere Regionen integrieren, ohne den Diversifikationseffekt zu verlieren. Kanada dann eben zu Nordamerika mit den derzeit ungeliebten USA …Oder den Kanada/Japan-Twist über einen MSCI World Ex USA machen.

    Dein Ansatz ist fundiert und aktiv durchdacht, aber aus praktischer Sicht lohnt es sich, Komplexität und Nutzen abzuwägen, insbesondere wenn schon Small Caps enthalten sind.

    Noch ein persönlicher Hinweis: dein extremer Anteil der Volksrepublik China mit Steuerung über mehrere ETF zeigt, dass du wahrscheinlich nicht viel über dieses Land und dessen Börsenstrukturen weißt. Ist ja keine Schande, aber die genannten China ETFs sind ungeeignet.
    Nochmal: der VR China Anteil ist viel zu hoch.

    Viel Freude mit deinem Projekt…also KISS ist das nicht.

    Du kannst dich gerne melden, wenn du noch was wissen möchtest. Hoffe, dass du was mit den Hinweisen anfangen kannst.

    Letztes P.S.

    Für so ein Depot würde ich eine Mindestgröße von 400.000 Euro, besser 800.000 Euro ansetzen. Und das ist schon entgegenkommend formuliert.

  • Das Modell läuft besser als der Vergleichsindex FTSE All-World.

    Diese Aussage ist irreführend, weil sie stark vom gewählten Zeitraum abhängt. Für die letzten 20 Jahre ist sie schlicht falsch. Wie es künftig aussieht, kann dagegen niemand seriös vorhersagen.

    Zitat von Tomarcy

    Ein schlankerer ETF-Aufbau mit 6–7 ETFs würde ähnliche Diversifikation liefern, aber die Verwaltung deutlich erleichtern und wahrscheinlich Kosten reduzieren (prüfe ich nicht, weil ich nur ausschüttende ETF verwende)

    Hier im Forum wurde mehrfach berichtet, dass sich ein Mehr-ETF-Portfolio nach einigen Jahren meist nicht mehr allein über die Sparraten rebalancieren lässt. Dann sind regelmäßig Verkäufe nötig. Also steuerlich nachteiliges Rebalancing mit zusätzlichen Kosten.

    Inwieweit ist dieser Effekt in der Kalkulation berücksichtigt?

    Vor diesem Hintergrund wirkt der Vorschlag von 12 auf 6-7 ETFs zu reduzieren, nicht ganz konsequent. Wenn Kosten und Komplexität ein Argument sind: Warum dann nicht gleich 1–2 ETFs?

Passende Ratgeber für Dich

Von Finanztip-Experten fundiert recherchiert

Was Finanztip ausmacht
Finanztip Bewertungen