Austausch Gastherme Altbauwohnung sinnvoll?

  • Hallo liebe Community, ich habe folgende, Frage, in der ich um Rat bitte:

    Wir haben eine (vermietete) kleine ETW in Berlin (Tempelhof) - Altbau, ca. 70qm, Bj ca. 1920, neue Fenster, dicke Sandsteinwände, keine Dämmung drauf. Geheizt wird mit einer ca. 35 Jahre alten Kombitherme. Wie es halt so ist, sagt uns der Heizungsbauer bei der Wartung "es gibt keine Ersatzteile mehr, denken Sie über einen Austausch nach". Er erstellt gerade einen Kostenvoranschlag für eine entspr. Gas-Brennwerttherme. Meine Frage nach Wärmepumpe ("noch in Entwicklung, nicht absehbar ob und wann es sowas geben wird") und Wärmeplanung (Frage z.B. kommt Fernwärme) wurde abgelehnt.

    Da ich mich nur peripher auskenne, und nicht vor Ort bin, meine Frage, wie Ihr das handhaben würdet. Gibt es sinnvolle Alternativen? Wenn ja, wie gehe ich (auf die Ferne) vor?

    Danke Euch! Beste Grüße!

    S.

  • Was verbraucht die Wohnung denn so jedes zum Heizen? Ist die Vorlauftemperatur der bisherigen Anlage bekannt? Grundsätzlich lassen sich Wärmepumpe mittlerweile in vielen älteren Gebäuden installieren, ggf. mit neuen Heizkörpern. Wenn Fernwärme kommt, gibt es meistens auch Anschlusszwang. Die Wärmeplanung muss bis Juni diesen Jahres in Großstädten abgeschlossen sein, ich würde mal schauen, ob der Plan für eure Gegend schon fertig ist.

    Neben den technischen Fragen ist bei einer WEG immer auch der Rest der Eigentümergemeinschaft entscheidend. Es nützt nichts, wenn du für die Wärmepumpe bist und der Rest auf Gas beharrt. Da würde ich auf jeden Fall mal abklopfen, wie es die anderen sehen.

  • Hallo Sealwolf,

    vermute ich richtig, die Therme ist im Sondereigentum? Falls ja, einfachste Variante, Sie beauftragen einen Verwalter mit der Sondereigentumsverwaltung. Der legt Ihnen dann nur den Auftrag (für die teuerste Variante) zur Bestätigung vor.

    Wenn Sie es selbst machen wollen, wird es Arbeit geben. Der Abgasschornstein dürfte Gemeinschaftseigentum sein. Da dürfen Sie eine neue Therme ähnlicher Leistung anschließen, aber nicht mehr ohne Zustimmung der WEG. Was sagt die denn zu alternativen Heizsystemen? Ihr Problem dürften andere Wohnungseigentümer schon gehabt haben bzw. in absehbarer Zeit haben.

    Berlin bastelt gerade an der kommunalen Wärmeplanung. Einen ersten Eindruck zum Stand können Sie hier https://be.beteiligung.diplanung.de/verfahren/f6cb…ilsDocumentlist gewinnen. Ob wann was realisiert wird, steht in den Sternen. Da gibt es jede Menge Meinungen und Einflüsse aus dem politischen Umfeld.

    Aus der Hüfte: Neue Gastherme einbauen mit dem Risiko, dass in 10 Jahren ein ganz anderes Heizsystem kommt.

    Gruß Pumphut

  • Da ich mich nur peripher auskenne, und nicht vor Ort bin, meine Frage, wie Ihr das handhaben würdet. Gibt es sinnvolle Alternativen? Wenn ja, wie gehe ich (auf die Ferne) vor?

    Dank unserer technologieoffenen Wirtschaftsministerin darfst du die Gastherme durch eine neue ersetzen.

    Wärmepumpen gibt es, aber die erfordern zumeist ein außen aufgestelltes Außengerät. Das ist bei einer einzelnen ETW anspruchsvoll. Daher besser eine Lösung für das ganze Haus wählen (wenn alle mitziehen), oder auf Klimageräte ausweichen.

    Kommunale Wärmeplanung bietet allenfalls Fernwärme mit Anschlußzwang. Aber die Wärme zahlt ja der Mieter, nicht der Eigentümer.

  • Guten Abend,

    danke für Eure Impulse!

    Korrekt, die Therme hängt in der Küche (Sondereigentum). Die WEG hat glaub 7 oder 8 Einheiten. Weitere Nutzung unklar; würden eine einigermaßen zukunftsfähige (und klar: nicht zu teure) Lösung anstreben. Heizkörper Standard 90er würd ich sagen.

    Werde mal versuchen, die anderen Parteien zu fragen. Und die Stadt anschreiben wegen Wärmeplan.

    Anderes Thema ist halt, ob man eine noch laufende Heizung überhaupt tauschen muss. Auf die Gefahr, dass sie dann mal am 24.12. eines Jahres den Geist aufgibt. Neue Therme heißt ja auch nicht, dass man Ruhe hat, in meiner Erfahrung sind moderne Thermen manchmal anfälliger und kurzlebiger..

    Gab es nicht so einen politischen Kompromiss, dass Anlagen für Biogas bereit sein sollen..? Ist das was besonderes oder kann das eine moderne Therme automatisch?

    Irgendeine Förderung wird es vermutlich nicht geben, oder? Kann man den Mieter an den Kosten beteiligen?

    Grüße! S.

  • Grundsätzlich lassen sich Wärmepumpe mittlerweile in vielen älteren Gebäuden installieren

    Und was gibt es da, wenn (wie hier) eine Gas-Etagenheizung in der Wohnung hängt und ggf. die WP weder größer sein darf wie die das Gas-Brennwertgerät und auch nicht lauter sein darf? Nicht jeder Altbau hat ungenutzte Kellerräume und Außenbereiche, wo man eine passende WP hinstellen kann.

    Naja, das schlägt sich aber langfristig auf die Attraktivität und damit die Kaltmiete der Wohnung nieder.

    Ja, extrem langfristig in Berlin. Ich habe dort noch nichts von einem Überangebot an Wohnungen gehört. Die Mieter dürften eher froh sein, wenn sie mit ihrem Heizverhalten selber entscheiden können, ob sie ihre vergleichsweise günstige Kaltmiete in die Höhe treiben oder nicht.

    Werde mal versuchen, die anderen Parteien zu fragen.

    Mich wundert es, dass die vermutlich vorhandene Hausverwaltung noch nicht tätig geworden ist. Bei meiner Mutter (ist aber NRW) hat die HV in der Eigentümerversammlung 2025 die Freigabe für einen Energieberater und den Vorschlag für das Heizungssystems in der Siedlung eingeholt. Das sind 7 MFH mit je 3-6 Wohnungen, bisher alle mit Gas-Etagenheizung, also bis auf den Schornstein keine durchgängige Wärmeversorgung und kein freier Keller, den man mit einer WP zupflastern könnte.

    Ergebnis habe ich noch keins.

    Pers. haben wir 2021 die ca. 30 Jahre alte Gastherme gegen ein neues Gas-Brennwertgerät ersetzen lassen.

    Anderes Thema ist halt, ob man eine noch laufende Heizung überhaupt tauschen muss. Auf die Gefahr, dass sie dann mal am 24.12. eines Jahres den Geist aufgibt

    Was sagt dein Servicevertrag mit dem Heizungstechniker. Aber wenn sie dann ausfällt, gibt es mind. eine Mietminderung:
    Der Ausfall der Heizungsanlage im Winter rechtfertigt eine Mietminderung von 70% (LG Bln. 29.07.2002 Az. 61 S 37/02).

    Gab es nicht so einen politischen Kompromiss, dass Anlagen für Biogas bereit sein sollen..? Ist das was besonderes oder kann das eine moderne Therme automatisch?

    Nein, sowas gab es nicht. (a) ist Biogas nichts anderes wie (anders erzeugtes) Erdgas, womit das jede Gasztherm nutzen könnte (wenn der Brennwert entsprechend ist). (b) Ist die Regierung an sowas nicht interessiert, sonst gäbe es das schon lange im großen Stil. Macht aber auch spätetsne da keinen Sinn, wo man Energiepflanten extra dafür anbauen müsste.

    Was es mal gab war die Anforderung, dass eine neue Heizung zu 65% klimaneutral betrieben werden muss. Und u.U. dass neue Gas-Brennwertgeräte mit Wasserstoff betreibbar sein müssen. Was davon heute noch gilt? Keine Ahnung. Wasserstoff dürfte für Privathaushalte nie kommen, das macht das Gasnetz nicht ohne Änderung mit, wir zahlen leiber das Abschalten von Windrädern und Solaparks anstatt den Strom in H2 zu wandeln. Aber vor allem wäre das H2 besser anders eingesetzt, da sich D ja unbedingt selber versorgen muss, koste es, was es wolle.

    Das Problem könnte eher das Gasnetz ansich sein. Es gibt schon Städte, die das Abschalten der Gasnetze bis 2035 oder etwwas später planen. Die STädte sind aber auch nicht so grottenlahm wie anscheinen Berlin, wo es wohl noch keine Wärmeplanung gibt.

    Irgendeine Förderung wird es vermutlich nicht geben, oder? Kann man den Mieter an den Kosten beteiligen?

    Sorry, aber der MIeter hat Dir 30 Jahre lang Miete gezahlt. Bei 35 Jahren wird er die Gas-Etagenheizung nicht selber kaputt gemacht haben. Bis 2021 gab es noch Förderung für neuen Gas-Brennwertgeräte, das dürfte aber mittlerweile eingestellt sein.

    Ich hoffe, dass die HV wenigstens eine korrekte Nebenkostenabrechnung für den Mieter erstellt. Da dürftest Du derzeit einiges an seinen Heizkosten mittragen. Nicht, dass Du demnächts aus allen Wolken fällst und er die Abrechnung anficht.

    Mir persönlich ist noch keine Alternative zur individuellen Gas-Etagenheizung bei meiner Mutter (also auch im Altbau) eingefallen. Das liegt nicht an der nötigen Vorlauftemperatur, die könnten WPs mittlerweile problemlos mit den dort vorhandenen Heizkörpern.

    Altbau von 1968 mit eher kleinen Räumen. Selbst, wenn man irgendwelche Fassaden-Vorschriften missachtet, bräuchte man mind. 6 Split-Klimageräte um jedes Zimmer beheizen zu können. Die innenliegenden Räume werden dann halt direkt mit Strom beheizt.

    Infrarotheizung klappt m.W.n. nur, wenn Möbel und co. auchg darauf ausgerichtet sind, neue Nachtspeicheröfen dürften mittlerweile verboten sein (inkonsequent, die heizen auch mit Strom). Das Flachdach ist nicht für die Last von WP ausgelegt. Daher hoffe ich auf die einzige Lösung, die mir bei uns einfällt: wir bauen auf der letzten Grünfläche der Siedlung eine Wärmezentrale und versorgen damit alle Wohnungen.

  • Wenn es sich um selbst genutztes Wohneigentum handelt (keine Vermietung) kannst du von der Verbraucherzentrale einen Energie Berater engagieren. In NRW kostet das 40 Euro. Bei uns war ein super kompetenter Berater und hat 3h die Bude analysiert.

  • Was es mal gab war die Anforderung, dass eine neue Heizung zu 65% klimaneutral betrieben werden muss. Und u.U. dass neue Gas-Brennwertgeräte mit Wasserstoff betreibbar sein müssen. Was davon heute noch gilt? Keine Ahnung.

    Der Gasnetzbetreiber muß ab $irgendwann 10% Wasserstoff oder Biogas beimischen. Ansonsten wurde das Problem der nächsten Regierung vor die Füße geworfen.

    Grundsätzlich gibt es noch keine 100% umweltfreundliche Nachfolge für die Gasetagenheizung. Auf WP im Keller oder Fernwärme lässt sich nur sinnvoll umrüsten, wenn alle Eigentümer mitmachen. Dann kann an den Platz der Gasetagenheizung eine gleichgroße Wohnungsstation treten, die lokal das Warmwasser von im Keller erzeugter Heizungstemperatur auf WW-Temperatur anhebt.

  • Hallo Sealwolf,

    Und die Stadt anschreiben wegen Wärmeplan.

    Entschuldigung, bei dem Satz musste ich grinsen. Sie wohnen vermutlich in einer etwas kleineren Stadt. Wen wollen Sie denn in Berlin anschreiben, den Regierenden Bürgermeister? Damit fangen Ihre Fragen schon an. Mehr, als ich Ihnen im Link schon mitgeteilt habe, erfahren Sie aktuell nicht – wenn Ihnen überhaupt jemand antwortet.

    So weit entfernt Sie mit Ihrem aktuellen Kenntnisstand von der gesamten Problematik sind, haben Sie m.E. nur zwei einigermaßen erträgliche Optionen, neue Gastherme einbauen oder einen Verwalter mit der kompletten Sondereigentumsverwaltung (was dann auch Reparaturen beinhaltet) zu beauftragen. Alternativ müssten Sie sehr viel Zeit investieren und z.B. damit anfangen, sich mit der Berliner Verwaltungsstruktur zu beschäftigen, wer ist wofür zuständig; s.o.

    Gruß Pumphut

  • Der Markt regel das. Die Vermieter des Hauses werden durch die unsichtbare Hand des Marktes dazu geleitet die optimale Lösung einzubauen. Dabei werden akute und Folgekosten + Leid von Krieg durch fossile Förderländer ebenso abgewogen, der Wert von geopolitischer Handlungsfähigkeit berücksichtig sowie volkswirtschaftliche Aspekte, Schutz der Kaufkraft des Mieters vor hohen Nebenkosten, soziale Aspekte und Klimaschutz abgewogen. Auch ein Beitrag zum Erhalt der Demokratie wird in die Überlegung einbezogen. Respekt vor demokratisch beschlossenen Gesetzen wie dem Bundesklimaschutzgesetz erhöhen das Vertrauen in demokratische Prozesse. Vermieter leisten ihren Beitrag das demokratische Beschlüsse wirklich als relevant wahrgenommen, ernstgenommen werden und umgesetzt werden. Dafüe braucht es keinen Überstaat der alles reguliert und mit Verboten die Freiheit des Investors unzumutbar einschränkt. Nein wir gehen technologieoffen mit der alten Technik wie früher in die Zukunft ;) und die Mieter überweisen nochmal 35 Jahre lang jeden Monat Geld an Putin, Bin Salman und wie unsere ziemlich besten Feunde noch alle heissen ^^

  • Und was gibt es da, wenn (wie hier) eine Gas-Etagenheizung in der Wohnung hängt und ggf. die WP weder größer sein darf wie die das Gas-Brennwertgerät und auch nicht lauter sein darf? Nicht jeder Altbau hat ungenutzte Kellerräume und Außenbereiche, wo man eine passende WP hinstellen kann.

    Etagenheizung ist schwierig. Grundsätzlich sind WP nicht besonders laut. Wenn ich in der Übergangszeit in den Technikraum komme, bin ich mir öfters unsicher, ob jetzt die WP oder der Gefrierschrank gerade läuft. Die Schwierigkeit bei Etagenheizung ist zum einen die Frage mit der Außeneinheit und zum anderen, dass die Heizungen oft nicht nahe an den Außenwänden stehen. Dazu kommt das Problem, dass die Außeneinheit an der Fassade hängen müsste. Die ist Gemeinschaftseigentum und bei hängenden Geräten darf man bei der Entkopplung nicht schlampen, sonst gibt es Körperschall

    Die ideale Lösung in dem Fall wäre ein Umbau von Etagen- auf Zentralheizung. Erfordert gewisse Investitionen und dass die WEG mitzieht. Aber das löst viele Platzprobleme, die zigfache Durchlöcherung der Fassade für Außeneinheiten und vermeidet auch die inversen Skaleneffekte, die dadurch entstehen, dass jeder eine eigene WP anschafft und installieren lässt. Das Problem ist, dass die WEG hier langfristig denken müsste...

  • So weit entfernt Sie mit Ihrem aktuellen Kenntnisstand von der gesamten Problematik sind, haben Sie m.E. nur zwei einigermaßen erträgliche Optionen, neue Gastherme einbauen oder einen Verwalter mit der kompletten Sondereigentumsverwaltung (was dann auch Reparaturen beinhaltet) zu beauftragen. Alternativ müssten Sie sehr viel Zeit investieren und z.B. damit anfangen, sich mit der Berliner Verwaltungsstruktur zu beschäftigen, wer ist wofür zuständig; s.o.

    Da gibt es durchaus schon was, und bis Ende Juni soll und muss der KWP auch fertig sein.

    Zitat

    Die ideale Lösung in dem Fall wäre ein Umbau von Etagen- auf Zentralheizung. Erfordert gewisse Investitionen und dass die WEG mitzieht. Aber das löst viele Platzprobleme, die zigfache Durchlöcherung der Fassade für Außeneinheiten und vermeidet auch die inversen Skaleneffekte, die dadurch entstehen, dass jeder eine eigene WP anschafft und installieren lässt.

    Geht doch.

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