Antrag Altersrente, KVdR, Katastrophenfall

  • Hallo liebe Foristen!

    Ich beschäftige mich gerade mit einem etwas komplexen Fall, habe eine Lösungsidee entwickelt und bitte um Euren Input.

    Ein Freund (geb. 1960) hat gerade Antrag auf Altersrente (ab 1.8.26) gestellt. Er arbeitet Vollzeit in einer Fabrik und hat, ich versuche mich zurückhaltende auszudrücken, mit Formularen, Behörden usw. überhaupt nichts am Hut. Häufig fragt er mich daher in solchen Sachen um Hilfe. Nun gut, laut Bescheid erwartet er 800 Euro Altersrente und hat nun von seiner GKV das Schreiben zum Thema KVdR bekommen. Darin sind Fehlzeiten aufgeführt, die längste 2001-2007 (der maßgebliche Zeitraum [2. Hälfte des Erwerbslebens] beginnt eben 2001). Nach einer Rückfrage bei ihm bin ich fast vom Hocker gefallen: Er war wohl in der Zeit gar nicht krankenversichert.

    Damit kommt er ja nich in die KVdR, was bedeuten würde, von seiner Mini-Rente gehen ca. 250 Euro/Monate in die freiwillige KV.

    Er hat ein Kind (geb. 1987), zu dem besteht aber keinerlei Kontakt, es liegt auch keine Geburtsurkunde vor; die müssen wir besorgen, das bringt laut Rechner 3 Jahre für die Anwartschaft.

    Da er körperlich sehr fit ist und eh weiter arbeiten will, habe ich als Lösungs folgendes überlegt: Wenn wir den Rentenantrag zurückziehen (das geht wohl bis zum Bescheid), dies der GKV als Antwort mitteilen, er einfach zwei Jahre weiterarbeitet, verschieben sich die entspr. Zeiträume; ich habe mir einen Rechner für die KVdR runtergeladen, wenn wir den Antrag am 1.8.28 stellen, wird die Zeit, laut Rechner, gerade eben so erfüllt.

    Nebeneffekt: pro Jahr 6% höhere Rente (da später beantragt), er zahlt bis dahin weiter ein, erhöht seine kleine Rente damit.

    Ich habe versucht, beide Szenarien durchzurechnen (also jetzt nichts machen und meine Idee); wenn er durchschnittlich alt wird, sollte meine Idee einen Vorteil von ca. 35k bringen.

    Was denkt Ihr?

    Beste Grüße! Danke! Schönes Wochenende!

  • Hallo.

    War er in den Lücken gar nicht krankenversichert? Auch nicht im Ausland?

    Das Kind bringt kvdr-technisch schon etwas, aber auch in Sachen Pflegebeitrag. Zahlt er etwa die ganze Zeit den erhöhten Pflegebeitrag?

    Ansonsten kann es sinnvoll sein (insbesondere in der geschilderten Konstellation), den Rentenantrag zurückzuziehen (geht bis Rechtskraft des Bescheides) und später erneut zu stellen. Es ist das Datum des Rentenantrages entscheidend, nicht das des Rentenbeginns.

  • Er war in der Zeit scheinselbständig; ein übler Arbeitgeber hat ihm quasi gesagt, für alle sei es besser, man meldet gar nichts an, und er bekommt sein Geld brutto für netto. Das Fass wollten wir rückwirkend nicht mehr aufmachen; lange her und könnte ihn ja auch auf die Füße fallen. In der Zeit war er selbstständlich auch nicht rentenversichert. Das erklärt auch u.A. die niedrige Rente.

    Korrekt, der Mann weiß noch nicht mal, DASS er überhaupt in eine PV einzahlt fürchte ich.

    Mein Freund ist etwas einfach strukturiert, aber extrem gutmütig und einfältig. Gleichzeitig hat der sein Leben lang wirklich hart körperlich gearbeitet; das triggert mich so an dem Fall.

  • Er war in der Zeit scheinselbständig; ein übler Arbeitgeber hat ihm quasi gesagt, für alle sei es besser, man meldet gar nichts an, und er bekommt sein Geld brutto für netto. Das Fass wollten wir rückwirkend nicht mehr aufmachen; lange her und könnte ihn ja auch auf die Füße fallen. In der Zeit war er selbstständlich auch nicht rentenversichert. Das erklärt auch u.A. die niedrige Rente.

    Korrekt, der Mann weiß noch nicht mal, DASS er überhaupt in eine PV einzahlt fürchte ich.

    Mein Freund ist etwas einfach strukturiert, aber extrem gutmütig und einfältig. Gleichzeitig hat der sein Leben lang wirklich hart körperlich gearbeitet; das triggert mich so an dem Fall.

    Im Falle von Schwarzarbeit verjährt die Beitragspflicht (des Arbeitgebers) erst nach 30 Jahren.

  • Die freiwillige Versicherung als Rentner wird erst dann signifikant teurer als die KVdR, wenn er neben der Gesetzlichen Rente noch weitere Einkünfte geltend machen muss, hat er diese?

    Die Berechnung hat viele Parameter, wenn es aber reicht bis zu dem von dir errechneten Datum und er das kann, dann sollte er es tun.

  • Die freiwillige Versicherung als Rentner wird erst dann signifikant teurer als die KVdR, wenn er neben der Gesetzlichen Rente noch weitere Einkünfte geltend machen muss, hat er diese?

    Die Berechnung hat viele Parameter, wenn es aber reicht bis zu dem von dir errechneten Datum und er das kann, dann sollte er es tun.

    dachte ich zuerst auch, aber dann habe ich verstanden, dass bei der freiwilligen Versicherung ein Mindestbetrag gilt (fiktives Einkommen von ca. 1300, Tendenz steigend). D.h. (es sei denn, ich bin falsch informiert): auf die 800 Euro Rente fallen ca. 250 Euro KV/PV an, in der KVdR wären es ca. 80.

    Und natürlich hat der Mann keinerlei Vermögen oder gar Einkommensquellen.

  • Das Geld wird ihm so oder so doch nicht zum Leben reichen, oder?

    Er wird doch wahrscheinlich irgendwelche Unterstützungen oder Aufstockungen benötigen?

    Macht es denn da Sinn, dass er noch 2 Jahre länger hart körperlich arbeitet?

    Verringert er dadurch nicht nur den Betrag, den er vom Staat bekommt?

    Könnt ihr da nicht eine Beratung bei der DRV in Snspruch nehmen?

  • hab ich gelesen. mit speziell diesem arbeitgeber möchten wir uns allerdings nicht anlegen, das scheidet leider aus

    Wieso nicht, warum sollte der geschont werden?

    Dein Freund muss die Zeche zahlen, jahrelang länger arbeiten, und der soll dann ungeschoren davonkommen, mit all dem Geld, das er sich dabei unter den Nagel gerissen hat.

  • Vermutlich ist ein hoher Anteil von Rentnern mit niedrigen Bezügen auf solche Lebensläufe zurück zu führen. Nicht unbedingt böse Absicht als vielmehr Blauäugigkeit und mangelndes Verständnis für das Problem. Früher sagte man von der Hand in den Mund.

    Die Lücken im Versicherungsverlauf klären ist sicher schon mal eine gute Idee. Sofern er sich zwei Jahre mehr an Arbeit denken kann, wäre das aus mehreren Gründen von Vorteil. Aber hier wird der Arbeitgeber mitspielen müssen! Neben dem Problem Krankenversicherung käme auch eine höhere Rente raus. Beratungstermin bei der Rentenversicherung wäre das nächste auf der Agenda. Erst dann hat man Klarheit, wie verfahren die Situation ist.

    Ob er mit einer höheren Rente von vielleicht 900 - 1000 Euro brutto später über die Runden kommt, muss man prüfen. Körperliche Fitness vorausgesetzt wären zumindest in den ersten Jahren der Rente Aufstockungen im Minijob Bereich denkbar. In einer alternden Gesellschaft wächst der Bedarf an Gärtnern und anderen haushaltsnahen Dienstleistungen, wie beispielsweise Einkäufe. Aber irgendwann bleibt nur noch die Rente. Schlimmstenfalls läuft das auf Grundsicherung hinaus, zumindest in teuren Regionen.

  • Er wird doch wahrscheinlich irgendwelche Unterstützungen oder Aufstockungen benötigen?

    Macht es denn da Sinn, dass er noch 2 Jahre länger hart körperlich arbeitet?

    Grundsätzlich ein beachtenswerter Einwand. Speziell in diesem Fall kann es aber sein, das zwei jahre "aktiv" bei einem passablen AG ihm besser bekommen als zwei Jahre passives und womöglich grüblerisches Däumchendrehen. Muss nicht sein, kann aber sein.

    Auch das kleinere von zwei Übeln kann ein größeres sein.

  • Das Geld wird ihm so oder so doch nicht zum Leben reichen, oder?

    Er wird doch wahrscheinlich irgendwelche Unterstützungen oder Aufstockungen benötigen?

    Macht es denn da Sinn, dass er noch 2 Jahre länger hart körperlich arbeitet?

    Verringert er dadurch nicht nur den Betrag, den er vom Staat bekommt?

    Könnt ihr da nicht eine Beratung bei der DRV in Snspruch nehmen?

    Wenn er Grundicherung beantragt, würde die KV doch wohl übernommen.

  • Danke für Euren Input!

    Das Geld wird ihm so oder so doch nicht zum Leben reichen, oder?

    Er wird doch wahrscheinlich irgendwelche Unterstützungen oder Aufstockungen benötigen?

    Er ist in der glücklichen Situation, mit Partnerin in ihrem (also dem der Partnerin...) Eigenheim zu leben. Das Geld muss also nur für seinen Beitrag zu den Kosten reichen. Außerdem kann es sein (ganz verstanden hab ich es allerdings nicht), dass just die fehlenden 2 Jahre auch Zeiten der Grundrente generieren, die noch fehlen. Das würde eine weitere Aufstockung bedeuten.

  • ...

    Körperliche Fitness vorausgesetzt wären zumindest in den ersten Jahren der Rente Aufstockungen im Minijob Bereich denkbar.

    ...

    Bin nicht gar so tief im Thema, aber wäre in so einem Fall nicht ggfs. ein Midijob besser?

    Da wäre man ggfs. für einen schmalen Taler, deutlich unterhalb dessen was man als freiwilig Versicherter, mit einen fiktiven/angenommenen Einkommen von ~1300 Euro zahlen müsste, zumindest "günstig" KV-versichert.

  • uha Du scheinst in der Materie zu sein, daher nochmal explizit die Frage (wichtig für meine Kalkulation): Du hast oben gesagt, eine freiwillige KV wäre nicht viel teurer (falls man keine weiteren Erträge hat). Nach meiner Info gilt aber auch in der Rente der Mindestbeitrag, so dass bei 800 Euro Rente ca 250 Euro KV/PV anfallen. Weißt Du dazu was? Danke

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