Krankenversicherung der Rentner

Im Ruhestand günstig krankenversichert

Julia Rieder
& Co-Autor
Stand: 22. September 2020
Das Wichtigste in Kürze
  • Wer in der Krankenversicherung der Rentner ist (KVdR), muss auf viele Einnahmen keine Krankenkassenbeiträge zahlen.
  • Um diesen Status zu bekommen, müssen Sie in der zweiten Hälfte Ihres Erwerbslebens zu 90 Prozent der Zeit gesetzlich versichert gewesen sein.
  • Erfüllen Sie die Voraussetzungen für die KVdR nicht, können Sie sich unter Umständen freiwillig gesetzlich versichern. Sie zahlen dann aber oft mehr für die Krankenversicherung.
  • Auch ein nachträglicher Wechsel kann durch eine neue Regelung möglich sein. Insbesondere Eltern sollten daher bei Ihrer Krankenkasse ihre Vorversicherungszeit erneut prüfen lassen.
So gehen Sie vor
  • Entscheiden Sie sich möglichst vor dem 40. Lebensjahr, ob Sie langfristig gesetzlich oder privat versichert sein wollen.
  • Als Freiberufler oder Selbstständiger dürfen Sie nur in die KVdR, wenn Sie Anspruch auf eine gesetzliche Rente haben. Dafür können Sie beispielsweise 5 Jahre lang freiwillige Beiträge zahlen.
  • Lassen Sie zum Rentenbeginn von der Krankenkasse prüfen, ob Sie in die Krankenversicherung der Rentner dürfen.

Wenn Sie sich Gedanken um Rente und Altersvorsorge machen, sollten Sie auch unbedingt an die Beiträge für die Krankenversicherung im Alter denken. Denn die Unterschiede in der Beitragshöhe sind je nach Krankenversicherungsstatus zum Teil enorm. Vor allem wenn Sie von der privaten Krankenversicherung (PKV) in die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) zurückgewechselt sind, müssen Sie auf einige komplizierte Regelungen achten.

Wie kann ich mich im Alter krankenversichern?

Wer in Rente geht, gehört bezüglich der Krankenversicherung zu einer von drei Gruppen:

  1. Rentner, die in der Krankenversicherung der Rentner pflichtversichert sind,
  2. Rentner, die freiwillig gesetzlich versichert sind oder
  3. Rentner, die privat krankenversichert sind.

Die Begriffe „pflichtversichert“ und „freiwillig versichert“ sind dabei irreführend: Denn in aller Regel ist es von Vorteil, in die Krankenversicherung der Rentner zu dürfen. Rentner mit diesem Krankenversicherungsstatus zahlen im Normalfall deutlich geringere Krankenkassenbeiträge als Senioren, die sich freiwillig gesetzlich krankenversichern.

Für Privatversicherte spielt die Krankenversicherung der Rentner keine Rolle. Senioren mit privater Krankenversicherung sollten aber einen Zuschuss zur PKV beantragen, wenn sie gesetzliche Rente beziehen. Wie das funktioniert, erklären wir in unserem Ratgeber für PKV-versicherte Rentner. Diesen Zuschuss können auch freiwillig gesetzlich versicherte Rentner beantragen.

Was ist die Krankenversicherung der Rentner?

Die Krankenversicherung der Rentner (KVdR) ist keine eigene Krankenkasse. Vielmehr handelt es sich dabei um die Bezeichnung für einen Status: Wer gesetzliche Rente bekommt und für eine bestimmte Zeit gesetzlich versichert war, gilt als pflichtversichert in der KVdR.

­Wenn Sie auf diese Weise krankenversichert sind, zahlen Sie lediglich Krankenkassenbeiträge auf die gesetzliche Rente, auf Arbeitseinkommen und auf sogenannte Versorgungsbezüge wie Betriebsrenten, Pensionen oder Zahlungen von Versorgungswerken. Einkünfte aus Mieteinnahmen, Zinsen oder privaten Rentenversicherungen bleiben dagegen beitragsfrei. Im Übrigen können auch Rentner, die in der KVdR versichert sind, ihre Krankenkasse frei wählen und gegebenenfalls wechseln.

Mehr dazu im Ratgeber Gesetzliche Krankenversicherung

  • Bei Service, Zusatzleistungen und Beitrag gibt es deutliche Unterschiede zwischen den Krankenkassen.
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Zum Ratgeber

Wer darf in die Krankenversicherung der Rentner?

Mitglied in der Krankenversicherung der Rentner werden darf, wer in der zweiten Hälfte seines Erwerbslebens zu 90 Prozent gesetzlich versichert war (9/10-Regelung, § 5 Abs. 1.11 SGB V). Dabei spielt es keine Rolle, ob Sie während Ihrer Erwerbstätigkeit in der GKV pflichtversichert, freiwillig versichert oder familienversichert waren – es genügt, dass Sie überhaupt Mitglied einer gesetzlichen Krankenkasse waren. Die Zeit des Erwerbslebens reicht dabei vom Beginn der ersten Erwerbstätigkeit, einschließlich Berufsausbildung und Selbstständigkeit, bis zum Zeitpunkt des Antrags auf gesetzliche Rente. Wenn Sie nicht berufstätig waren, gilt der Termin Ihrer Heirat oder Ihr 18. Geburtstag.

Ein Beispiel zur Berechnung der Versicherungszeit

Ein Ingenieur beginnt nach seinem Studium mit 25 Jahren als Angestellter zu arbeiten und ist gesetzlich krankenversichert. Nach ein paar Jahren macht er sich selbstständig und wechselt in die private Krankenversicherung. Mit 47 muss er seine Selbstständigkeit aufgeben und geht wieder in ein Angestelltenverhältnis. Im Zuge dessen kehrt er in die GKV zurück. Mit 65 Jahren geht er schließlich in Rente.

Der Ingenieur in diesem Beispiel darf in die Krankenversicherung der Rentner, da er die Vorversicherungszeit gerade so erfüllt: Er war 40 Jahre lang erwerbstätig. Die zweite Hälfte seines Erwerbslebens begann mit 45. Von diesen 20 Jahren war er 18 Jahre lang gesetzlich versichert, das entspricht genau 90 Prozent dieses relevanten Zeitraums.

Nachträgliche Wechselchance für Eltern

Mit der Reform des Heil- und Hilfsmittelgesetzes gilt seit 1. August 2017 außerdem eine neue Regelung zur Vorversicherungszeit. Jeder Versicherte erhält pauschal pro Kind drei Jahre als Vorversicherungszeit angerechnet, unabhängig von der Krankenversicherung des Ehe- oder Lebenspartners (§5 Abs. 2 Satz 3 SGB V). Dabei kommt es nicht darauf an, wer das Kind betreut hat. Jedes Elternteil erhält drei Jahre pro Kind angerechnet. Zu den Kindern zählen auch Adoptivkinder, Pflegekinder und Stiefkinder. Die Zeiten werden automatisch der zweiten Hälfte des Erwerbslebens zugerechnet, auch wenn die Kinder früher geboren wurden.

Besonders für Partner von privat Krankenversicherten ist dies eine Verbesserung. Es profitieren vor allem Frauen von Beamten, Richtern oder Selbstständigen. Denn viele von ihnen waren während der Erziehungszeit nicht gesetzlich krankenversichert und erfüllten mitunter deswegen nicht die erforderliche Vorversicherungszeit. Das Gesetz schließt diese Lücke.

Falls diese Regelung auf Sie zutreffen könnte, sollten Sie Ihre Krankenkasse auffordern, die Versicherungszeit zu überprüfen. Es ist sinnvoll, als Beleg gleich Geburtsurkunden der Kinder oder andere Nachweise mitzuschicken.

Voraussetzungen für Selbstständige und Freiberufler

Die freien Berufe, also Anwälte, Ärzte oder Steuerberater, sorgen in der Regel über ihr Versorgungswerk für das Alter vor. Selbstständige haben vielleicht nur einen Rürup-Vertrag. In beiden Fällen gilt: Unter bestimmten Voraussetzungen können auch Freiberufler und Selbstständige Mitglied in der Krankenversicherung der Rentner werden. 

Dazu müssen sie einerseits – wie alle anderen auch – in der zweiten Hälfte ihres Erwerbslebens mindestens 90 Prozent der Zeit gesetzlich krankenversichert gewesen sein. Es gibt aber noch eine zweite Voraussetzung: Freiberufler oder Selbstständige können nur dann in die KVdR, wenn sie einen Anspruch auf gesetzliche Rente haben.

Eine gesetzliche Rente bekommen Sie, sofern Sie mindestens fünf Beitragsjahre in der gesetzlichen Rentenversicherung erworben haben. Dabei ist es egal, woher die Ansprüche rühren – aus freiwilligen Einzahlungen, Kindererziehungszeiten oder Pflegezeiten von Angehörigen. Es reicht beispielsweise, wenn Sie fünf Jahre lang den Mindestbeitrag von knapp 84 Euro im Monat einzahlen. Der Zeitpunkt der Einzahlungen ist dabei unerheblich und Sie müssen die Beiträge auch nicht in fünf aufeinanderfolgende Jahren zahlen.

Wenn Sie während Ihres Erwerbslebens freiwillig gesetzlich krankenversichert waren, aber keinen Anspruch auf gesetzliche Rente vorweisen können, müssen sich im Alter weiter freiwillig gesetzlich krankenversichern. Dies ist ungünstig, denn für alle Einkünfte – also auch Mieteinnahmen, Zinserträge, Dividenden oder andere private Renten – werden dann Krankenversicherungsbeiträge fällig. Mehr dazu lesen Sie auch im Ratgeber freiwillig gesetzlich krankenversichert.

Ausgeschlossen ist die Mitgliedschaft in der KVdR auch, falls Sie neben der Rente weiter eine hauptberufliche selbstständige Tätigkeit ausüben.

Wie viel Beitrag muss ein Rentner zahlen?

Wie teuer die gesetzliche Krankenversicherung im Alter ist, hängt davon ab, auf welche Einnahmen Sie Beiträge zahlen müssen. Dabei werden die folgenden Einkünfte unterschieden:

  • gesetzliche Rente Altersrente, Rente aus dem Ausland, Witwenrente;
  • Versorgungsbezüge - Betriebsrenten, Direktversicherungen, Pensionskassen und -fonds, Unterstützungskassen, Zusatzversorgungen, Renten aus Versorgungswerken, betrieblich abgeschlossene Riester-Renten, Beamtenpensionen;
  • Erwerbseinkommen - aus angestellter oder selbstständiger Tätigkeit;
  • private Einnahmen - Miet- und Pachteinkünfte, Kapitalerträge, private Renten einschließlich privat abgeschlossener Riester-Renten.

Auf diese Einkommensgruppen entfallen unterschiedliche Beitragssätze; je nachdem, ob Sie in der Krankenversicherung der Rentner sind oder nicht. Die folgende Tabelle schlüsselt das auf. Auf gesetzliche Renten zahlen sowohl KVdR-Versicherte wie freiwillig gesetzlich versicherte Rentner nur den halben Beitrag plus den halben Zusatzbeitrag, genau wie ein Arbeitnehmer auf sein Gehalt.

Auf Versorgungsbezüge, also vor allem auf Leistungen aus betrieblicher Altersvorsorge, entfällt dagegen der volle Beitrag, was alle Arten von Betriebsrenten deutlich schmälert. Auch den Zusatzbeitrag müssen Versicherte für solche Einkünfte vollständig selbst zahlen. Das Gleiche gilt für Erwerbseinkommen aus einer selbstständigen Tätigkeit neben der Rente.

Seit 2020 gilt neu: Für die ersten 159,25 Euro (Stand: 2020) Ihrer monatlichen Einkünfte aus Versorgungsbezügen und Arbeitseinkommen zahlen Sie keine Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung. Wenn Sie mehr bekommen, zahlen Sie den Krankenversicherungsbeitrag nur auf die Einkünfte oberhalb des Freibetrags. Abgaben zur Pflegeversicherung werden bei Überschreiten des Freibetrags allerdings auf die gesamte Summe fällig.

GKV-Beiträge als Rentner

 in der KVdR pflichtversichertfreiwillig gesetzlich versichert
 beitrags-
pflichtig
Beitragssatz1beitrags-
pflichtig
Beitragssatz1
gesetzliche
Rente
ja7,3 %ja7,3 %
Versorgungs-
bezüge
ja14,6 %ja14,6 %
Erwerbs-
einkommen
ja14,6 %ja14 % oder 14,6 %2
Mieteinnahmennein-ja14 %
Zinsen,
Dividenden u.ä.
nein-ja14 %
private Rentennein-ja14 %

1 Zum Beitragssatz kommt noch der Zusatzbeitrag der jeweiligen Krankenkasse. Für gesetzliche Renten übernimmt die Rentenversicherung die Hälfte des Zusatzbeitrags. Auf alle anderen Einkünfte zahlen Versicherte den Zusatzbeitrag allein.
2 Abhängig von Art und Umfang der Tätigkeit
Quelle: GKV-Beitragssätze (Stand: 22. September 2020)

Freiwillig versicherte Rentner zahlen mehr

Wenn Senioren die Kriterien für die Aufnahme in die Krankenversicherung der Rentner nicht erfüllen, haben sie dennoch die Möglichkeit, sich freiwillig gesetzlich zu versichern, sofern sie bereits vor dem Renteneintritt bei einer gesetzlichen Kasse waren.

Der große Nachteil: Sie müssen dann auf alle Einnahmen Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung entrichten. Neben Rente, Versorgungsbezügen und Erwerbseinkommen sind das zum Beispiel auch Einnahmen aus Miete oder Pacht sowie aus Kapitalvermögen. Auch Leistungen aus privaten Lebens- und Rentenversicherungen sind dann nicht mehr beitragsfrei.

Tipp: Rechtzeitig für ein System entscheiden

Freiwillig gesetzlich versicherte Rentner zahlen in der Regel deutlich höhere Beiträge für ihre Krankenversicherung. Für Kassenpatienten ist es daher erstrebenswert, im Alter in die Krankenversicherung der Rentner aufgenommen zu werden. Eine zu späte Rückkehr in die gesetzliche Krankenversicherung kann sich diesbezüglich rächen. Deshalb empfehlen wir, die Entscheidung, ob Sie sich langfristig gesetzlich oder privat versichern möchten, noch vor dem 40. Lebensjahr zu treffen.

Gilt der Zusatzbeitrag der Krankenkassen auch für Rentner?

Wie alle gesetzlich Krankenversicherten zahlen auch Rentner in der GKV den Zusatzbeitrag von durchschnittlich 1,1 Prozent (Stand: 2020), den viele Krankenkassen erheben. Auf ihre gesetzliche Rente müssen sie aber nur die Hälfte des Zusatzbeitrags entrichten. Die andere Hälfte übernimmt seit 2019 die gesetzliche Rentenversicherung.

Auch den Beitrag zur gesetzlichen Pflegeversicherung von 3,05 Prozent müssen Rentner mit Kind zahlen. Für Kinderlose werden 3,30 Prozent (Stand: 2020) fällig. Für beides gibt es keinen Zuschuss von der gesetzlichen Rentenversicherung.

In jedem Fall fallen Beiträge aber nur bis zur Beitragsbemessungsgrenze der gesetzlichen Krankenversicherung von derzeit 56.250 Euro im Jahr an. Auf alle Einnahmen oberhalb dieser Grenze zahlen auch Rentner keine Sozialversicherungsbeiträge.

Autor
Julia Rieder
& Co-Autor
Max Mergenbaum

Stand: 22. September 2020


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