Kran­ken­ver­si­che­rung der Rentner

Im Ruhestand günstig krankenversichert

Julia Rieder
Finanztip-Expertin für Versicherungen
20. November 2020
Das Wichtigste in Kürze
  • Wer in der Kran­ken­ver­si­che­rung der Rentner ist (KVdR), muss auf viele Einnahmen keine Kran­ken­kas­senbeiträge zahlen.
  • Um diesen Status zu bekommen, musst Du in der zweiten Hälfte Deines Erwerbslebens zu 90 Prozent der Zeit gesetzlich versichert gewesen sein.
  • Erfüllst Du die Voraussetzungen nicht, kannst Du Dich unter Umständen freiwillig gesetzlich versichern. Du zahlst dann aber oft mehr für die Kran­ken­ver­si­che­rung.
  • Auch ein nachträglicher Wechsel in die KVdR kann durch eine neue Regelung möglich sein. Insbesondere Eltern sollten daher bei ihrer Kran­ken­kas­se ihre Vorversicherungszeit erneut prüfen lassen.
So gehst Du vor
  • Entscheide Dich möglichst vor dem 40. Lebensjahr, ob Du langfristig gesetzlich oder privat versichert sein willst.
  • Als Freiberufler oder Selbstständiger darfst Du nur in die KVdR, wenn Du Anspruch auf eine gesetzliche Rente hast. Dafür kannst Du beispielsweise fünf Jahre lang freiwillig Beiträge zahlen.
  • Lass zum Rentenbeginn von der Kran­ken­kas­se prüfen, ob Du in die Kran­ken­ver­si­che­rung der Rentner darfst.

Wenn Du Dir Gedanken um Rente und Altersvorsorge machst, solltest Du auch unbedingt an die Beiträge für die Kran­ken­ver­si­che­rung im Alter denken. Denn die Unterschiede in der Beitragshöhe sind je nach Kran­ken­ver­si­che­rungsstatus zum Teil enorm. Vor allem wenn Du von der privaten Kran­ken­ver­si­che­rung (PKV) in die gesetzliche Kran­ken­ver­si­che­rung (GKV) zurückgewechselt sind, musst Du auf einige komplizierte Regelungen achten.

Wie kann ich mich im Alter krankenversichern?

Wer in Rente geht, gehört bezüglich der Kran­ken­ver­si­che­rung zu einer von drei Gruppen:

  1. Rentner, die in der Kran­ken­ver­si­che­rung der Rentner pflichtversichert sind,
  2. Rentner, die freiwillig gesetzlich versichert sind oder
  3. Rentner, die privat krankenversichert sind.

Die Begriffe „pflichtversichert“ und „freiwillig versichert“ sind dabei irreführend: Denn es ist von Vorteil, in die Kran­ken­ver­si­che­rung der Rentner zu dürfen. Rentner mit diesem Kran­ken­ver­si­che­rungsstatus zahlen im Normalfall deutlich geringere Kran­ken­kas­senbeiträge als Senioren, die sich freiwillig gesetzlich krankenversichern.

Für Privatversicherte spielt die Kran­ken­ver­si­che­rung der Rentner keine Rolle. Senioren mit privater Kran­ken­ver­si­che­rung sollten aber einen Zuschuss zur PKV beantragen, wenn sie gesetzliche Rente beziehen. Wie das funktioniert, erklären wir in unserem Ratgeber für PKV-versicherte Rentner. Diesen Zuschuss können auch freiwillig gesetzlich versicherte Rentner beantragen.

Was ist die Kran­ken­ver­si­che­rung der Rentner?

Die Kran­ken­ver­si­che­rung der Rentner (KVdR) ist keine eigene Kran­ken­kas­se. Vielmehr handelt es sich dabei um die Bezeichnung für einen Status: Wer gesetzliche Rente bekommt und für eine bestimmte Zeit gesetzlich versichert war, gilt als pflichtversichert in der KVdR.

­Wenn Du auf diese Weise krankenversichert bist, zahlst Du lediglich Kran­ken­kas­senbeiträge auf die gesetzliche Rente, auf Arbeitseinkommen und auf sogenannte Versorgungsbezüge wie Betriebsrenten, Pensionen oder Zahlungen von Versorgungswerken. Einkünfte aus Mieteinnahmen, Zinsen oder privaten Ren­ten­ver­si­che­rungen bleiben dagegen beitragsfrei. Im Übrigen können auch Rentner, die in der KVdR versichert sind, ihre Kran­ken­kas­se frei wählen und gegebenenfalls wechseln.

Mehr dazu im Ratgeber Gesetzliche Kran­ken­ver­si­che­rung

  • Bei Service, Zusatzleistungen und Beitrag gibt es deutliche Unterschiede zwischen den Kran­ken­kas­sen.
  • Von uns empfohlene Anbieter: IKK Classic, HEK, SBK und BKK VBU.

Zum Ratgeber

Wer darf in die Kran­ken­ver­si­che­rung der Rentner?

Mitglied in der Kran­ken­ver­si­che­rung der Rentner werden darf, wer in der zweiten Hälfte seines Erwerbslebens zu 90 Prozent gesetzlich versichert war (9/10-Regelung, § 5 Abs. 1.11 SGB V). Dabei spielt es keine Rolle, ob Du während Deiner Erwerbstätigkeit in der GKV pflichtversichert, freiwillig versichert oder familienversichert warst – es genügt, dass Du überhaupt Mitglied einer gesetzlichen Kran­ken­kas­se warst. Die Zeit des Erwerbslebens reicht dabei vom Beginn der ersten Erwerbstätigkeit, einschließlich Berufsausbildung und Selbstständigkeit, bis zum Zeitpunkt des Antrags auf gesetzliche Rente. Wenn Du nicht berufstätig warst, gilt der Termin Deiner Heirat oder Dein 18. Geburtstag.

Ein Beispiel zur Berechnung der Versicherungszeit

Ein Ingenieur beginnt nach seinem Studium mit 25 Jahren als Angestellter zu arbeiten und ist gesetzlich krankenversichert. Nach ein paar Jahren macht er sich selbstständig und wechselt in die private Kran­ken­ver­si­che­rung. Mit 47 muss er seine Selbstständigkeit aufgeben und geht wieder in ein Angestelltenverhältnis. Im Zuge dessen kehrt er in die GKV zurück. Mit 65 Jahren geht er schließlich in Rente.

Der Ingenieur in diesem Beispiel darf in die Kran­ken­ver­si­che­rung der Rentner, da er die Vorversicherungszeit gerade so erfüllt: Er war 40 Jahre lang erwerbstätig. Die zweite Hälfte seines Erwerbslebens begann mit 45. Von diesen 20 Jahren war er 18 Jahre lang gesetzlich versichert, das entspricht genau 90 Prozent dieses relevanten Zeitraums.

Nachträgliche Wechselchance für Eltern

Mit der Reform des Heil- und Hilfsmittelgesetzes gilt seit 1. August 2017 außerdem eine neue Regelung zur Vorversicherungszeit. Jeder Versicherte erhält pauschal pro Kind drei Jahre als Vorversicherungszeit angerechnet, unabhängig von der Kran­ken­ver­si­che­rung des Ehe- oder Lebenspartners (§ 5 Abs. 2 Satz 3 SGB V). Dabei kommt es nicht darauf an, wer das Kind betreut hat. Jedes Elternteil erhält drei Jahre pro Kind angerechnet. Zu den Kindern zählen auch Adoptivkinder, Pflegekinder und Stiefkinder. Die Zeiten werden automatisch der zweiten Hälfte des Erwerbslebens zugerechnet, auch wenn die Kinder früher geboren wurden.

Besonders für Partner von privat Krankenversicherten ist dies eine Verbesserung. Es profitieren vor allem Frauen von Beamten, Richtern oder Selbstständigen. Denn viele von ihnen waren während der Erziehungszeit nicht gesetzlich krankenversichert und erfüllten mitunter deswegen nicht die erforderliche Vorversicherungszeit. Das Gesetz schließt diese Lücke.

Falls diese Regelung auf Dich zutreffen könnte, solltest Du Deine Kran­ken­kas­se auffordern, die Versicherungszeit zu überprüfen. Es ist sinnvoll, als Beleg gleich Geburtsurkunden der Kinder oder andere Nachweise mitzuschicken.

Voraussetzungen für Selbstständige und Freiberufler

Die freien Berufe, also Anwälte, Ärzte oder Steuerberater, sorgen in der Regel über ihr Versorgungswerk für das Alter vor. Selbstständige haben vielleicht nur einen Rürup-Vertrag. In beiden Fällen gilt: Unter bestimmten Voraussetzungen können auch Freiberufler und Selbstständige Mitglied in der Kran­ken­ver­si­che­rung der Rentner werden. 

Dazu müssen sie einerseits – wie alle anderen auch – in der zweiten Hälfte ihres Erwerbslebens mindestens 90 Prozent der Zeit gesetzlich krankenversichert gewesen sein. Es gibt aber noch eine zweite Voraussetzung: Freiberufler oder Selbstständige können nur dann in die KVdR, wenn sie einen Anspruch auf gesetzliche Rente haben.

Eine gesetzliche Rente bekommst Du, sofern Du mindestens fünf Beitragsjahre in der gesetzlichen Ren­ten­ver­si­che­rung erworben hast. Dabei ist es egal, woher die Ansprüche rühren – aus freiwilligen Einzahlungen, Kindererziehungszeiten oder Pflegezeiten von Angehörigen. Es reicht beispielsweise, wenn Du fünf Jahre lang den Mindestbeitrag von knapp 84 Euro im Monat einzahlst. Der Zeitpunkt der Einzahlungen ist dabei unerheblich und Du musst die Beiträge auch nicht in fünf aufeinanderfolgenden Jahren zahlen.

Wenn Du während Deines Erwerbslebens freiwillig gesetzlich krankenversichert warst, aber keinen Anspruch auf gesetzliche Rente vorweisen kannst, musst Du Dich im Alter weiter freiwillig gesetzlich krankenversichern. Dies ist ungünstig, denn für alle Einkünfte – also auch Mieteinnahmen, Zinserträge, Dividenden oder andere private Renten – werden dann Kran­ken­ver­si­che­rungsbeiträge fällig. Mehr dazu liest Du auch im Ratgeber freiwillig gesetzlich krankenversichert.

Ausgeschlossen ist die Mitgliedschaft in der KVdR auch, falls Du neben der Rente weiter eine hauptberufliche selbstständige Tätigkeit ausübst.

Wie viel Beitrag muss ein Rentner zahlen?

Wie teuer die gesetzliche Kran­ken­ver­si­che­rung im Alter ist, hängt davon ab, auf welche Einnahmen Du Beiträge zahlen musst. Dabei werden die folgenden Einkünfte unterschieden:

  • gesetzliche Rente Altersrente, Rente aus dem Ausland, Witwenrente;
  • Versorgungsbezüge - Betriebsrenten, Direktversicherungen, Pensionskassen und -fonds, Unterstützungskassen, Zusatzversorgungen, Renten aus Versorgungswerken, betrieblich abgeschlossene Riester-Renten, Beamtenpensionen;
  • Erwerbseinkommen - aus angestellter oder selbstständiger Tätigkeit;
  • private Einnahmen - Miet- und Pachteinkünfte, Kapitalerträge, private Renten einschließlich privat abgeschlossener Riester-Renten.

Auf diese Einkommensgruppen entfallen unterschiedliche Beitragssätze; je nachdem, ob Du in der Kran­ken­ver­si­che­rung der Rentner bist oder nicht. Die folgende Tabelle schlüsselt das auf. Auf gesetzliche Renten zahlen sowohl KVdR-Versicherte wie freiwillig gesetzlich versicherte Rentner nur den halben Beitrag plus den halben Zusatzbeitrag, genau wie ein Arbeitnehmer auf sein Gehalt.

Auf Versorgungsbezüge, also vor allem auf Leistungen aus betrieblicher Altersvorsorge, entfällt dagegen der volle Beitrag, was alle Arten von Betriebsrenten deutlich schmälert. Auch den Zusatzbeitrag müssen Versicherte für solche Einkünfte vollständig selbst zahlen. Das Gleiche gilt für Erwerbseinkommen aus einer selbstständigen Tätigkeit neben der Rente.

Seit 2020 gilt neu: Für die ersten 164,50 Euro (Stand 2021) Deiner monatlichen Einkünfte aus Versorgungsbezügen und Arbeitseinkommen zahlst Du keine Beiträge zur Kranken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung. Wenn Du mehr bekommst, zahlst Du den Kran­ken­ver­si­che­rungsbeitrag nur auf die Einkünfte oberhalb des Freibetrags. Abgaben zur Pfle­ge­ver­si­che­rung werden bei Überschreiten des Freibetrags allerdings auf die gesamte Summe fällig.

GKV-Beiträge als Rentner

 in der KVdR pflichtversichertfreiwillig gesetzlich versichert
 beitrags-
pflichtig
Beitragssatz1beitrags-
pflichtig
Beitragssatz1
gesetzliche
Rente
ja7,3 %ja7,3 %
Versorgungs-
bezüge
ja14,6 %ja14,6 %
Erwerbs-
einkommen
ja14,6 %ja14 % oder 14,6 %2
Mieteinnahmennein-ja14 %
Zinsen,
Dividenden u.ä.
nein-ja14 %
private Rentennein-ja14 %

1 Zum Beitragssatz kommt noch der Zusatzbeitrag der jeweiligen Kran­ken­kas­se. Für gesetzliche Renten übernimmt die Ren­ten­ver­si­che­rung die Hälfte des Zusatzbeitrags. Auf alle anderen Einkünfte zahlen Versicherte den Zusatzbeitrag allein.
2 abhängig von Art und Umfang der Tätigkeit
Quelle: GKV-Beitragssätze (Stand: 19. November 2020)

Freiwillig versicherte Rentner zahlen mehr

Wenn Du die Kriterien für die Aufnahme in die Kran­ken­ver­si­che­rung der Rentner nicht erfüllst, hast Du dennoch die Möglichkeit, Dich freiwillig gesetzlich zu versichern, sofern Du bereits vor dem Renteneintritt bei einer gesetzlichen Kasse warst.

Der große Nachteil: Du musst dann auf alle Einnahmen Beiträge zur Kranken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung entrichten. Neben Rente, Versorgungsbezügen und Erwerbseinkommen sind das zum Beispiel auch Einnahmen aus Miete oder Pacht sowie aus Kapitalvermögen. Auch Leistungen aus privaten Lebens- und Ren­ten­ver­si­che­rungen sind dann nicht mehr beitragsfrei.

Tipp: Rechtzeitig für ein System entscheiden

Freiwillig gesetzlich versicherte Rentner zahlen in der Regel deutlich höhere Beiträge für ihre Kran­ken­ver­si­che­rung. Für Kassenpatienten ist es daher erstrebenswert, im Alter in die Kran­ken­ver­si­che­rung der Rentner aufgenommen zu werden. Eine zu späte Rückkehr in die gesetzliche Kran­ken­ver­si­che­rung kann sich diesbezüglich rächen. Deshalb empfehlen wir, die Entscheidung, ob Du sich langfristig gesetzlich oder privat versichern möchtest, noch vor dem 40. Lebensjahr zu treffen.

Zahlen auch Rentner den Zusatzbeitrag der Kran­ken­kas­sen?

Wie alle gesetzlich Krankenversicherten zahlst Du auch als Rentner einen Zusatzbeitrag. Seine Höhe kann jede Kran­ken­kas­se selbst festlegen. Der durchschnittliche Zusatzbeitrag liegt 2021 bei 1,3 Prozent. Auf Deine gesetzliche Rente musst Du aber nur die Hälfte des Zusatzbeitrags entrichten. Die andere Hälfte übernimmt seit 2019 die gesetzliche Ren­ten­ver­si­che­rung.

Auch den Beitrag zur gesetzlichen Pfle­ge­ver­si­che­rung von 3,05 Prozent musst Du als Rentner zahlen. Für Kinderlose werden 3,3 Prozent (Stand 2021) fällig. Für beides gibt es keinen Zuschuss von der gesetzlichen Ren­ten­ver­si­che­rung.

In jedem Fall fallen Beiträge aber nur bis zur Beitragsbemessungsgrenze der gesetzlichen Kran­ken­ver­si­che­rung von 58.050 Euro im Jahr an (Stand 2021). Auf alle Einnahmen oberhalb dieser Grenze zahlen auch Rentner keine So­zial­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge.

Die wichtigsten Fragen zusammengefasst

Was ist die Kran­ken­ver­si­che­rung der Rentner?

Wie viel Beitrag muss ein Rentner zahlen?

Wer darf in die Kran­ken­ver­si­che­rung der Rentner?

Wie kann ich mich im Alter krankenversichern?

Zahlen auch Rentner den Zusatzbeitrag der Kran­ken­kas­se?

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