Krankenversicherung der Rentner

Die gesetzliche Krankenversicherung im Ruhestand

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Krankenversicherung der Rentner (KVdR) ist gar keine Krankenkasse, sondern ein Status: KVdR-Versicherte gelten als pflichtversichert in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV).
  • Ein Vorteil der KVdR ist, dass auf private Einkünfte wie Mieteinnahmen, Privatrenten oder Zinsen keine Krankenkassenbeiträge zu zahlen sind.
  • Wer zu 90 Prozent der zweiten Hälfte seines Erwerbslebens gesetzlich versichert war, darf in die KVdR. Seit dem 1. August 2017 gilt eine neue Regelung, die vielen Rentnern den Eintritt in die Pflichtversicherung erleichtert.
  • Wer im Alter nicht über die KVdR versichert ist, kann sich unter Umständen freiwillig gesetzlich versichern. Dann gelten jedoch andere Regeln.
  • Privat krankenversicherte Rentner haben gegebenenfalls Anspruch auf einen Zuschuss zur PKV.

So gehen Sie vor

  • Versicherte sollten sich möglichst vor dem 40. Lebensjahr entscheiden, ob sie langfristig gesetzlich oder privat versichert sein wollen.
  • Lassen Sie zum Rentenbeginn von der Krankenkasse prüfen, ob Sie in die Krankenversicherung der Rentner dürfen.
  • Sind Sie bereits in Rente, können Sie durch die neue Regelung möglicherweise nachträglich in die KVdR wechseln. Stellen Sie bei Ihrer Krankenkasse einen Antrag, um die Vorversicherungszeit unter den neuen Voraussetzungen prüfen zu lassen.
  • Auch wer in der Krankenversicherung der Rentner ist, kann seine Krankenkasse frei wählen.
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Wer sich Gedanken um Rente und Altersvorsorge macht, sollte auch unbedingt an die Beiträge für die Krankenversicherung im Alter denken. Denn die Unterschiede in der Beitragshöhe sind je nach Krankenversicherungsstatus zum Teil enorm. Vor allem wer von der privaten Krankenversicherung (PKV) in die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) zurückgewechselt ist, muss auf einige komplizierte Regelungen achten.

Krankenversicherungsstatus im Alter

Wer in Rente geht, gehört bezüglich der Krankenversicherung zu einer von drei Gruppen:

  • Rentner, die in der Krankenversicherung der Rentner pflichtversichert sind,
  • Rentner, die freiwillig gesetzlich versichert sind oder
  • Rentner, die privat krankenversichert sind.

Die Begriffe „pflichtversichert“ und „freiwillig versichert“ sind dabei irreführend: Denn in aller Regel ist es von Vorteil, in die Krankenversicherung der Rentner (KVdR) zu dürfen. Rentner mit diesem Krankenversicherungsstatus zahlen in aller Regel deutlich geringere Krankenkassenbeiträge als Senioren, die sich freiwillig gesetzlich krankenversichern. Denn wer nicht in die Krankenversicherung der Rentner darf, zum Beispiel weil er lange privat versichert war und dann zurückgewechselt ist, muss auch auf alle Einkünfte aus Mieteinnahmen, Zinsen oder private Rentenversicherungen Beiträge zur Krankenversicherung abführen.

Für Privatversicherte spielt die Krankenversicherung der Rentner ohnehin keine Rolle. Senioren mit privater Krankenversicherung sollten aber einen Zuschuss zur PKV beantragen, wenn sie gesetzliche Rente beziehen. Diesen Zuschuss können auch freiwillig gesetzlich versicherte Rentner beantragen.

Was ist die Krankenversicherung der Rentner?

Die Krankenversicherung der Rentner ist keine eigene Krankenkasse. Vielmehr handelt es sich dabei um die Bezeichnung für einen Status: Wer gesetzliche Rente bekommt und für eine bestimmte Vorversicherungszeit gesetzlich versichert war, gilt als pflichtversichert in der KVdR. Wer auf diese Weise krankenversichert ist, zahlt lediglich Krankenkassenbeiträge auf die gesetzliche Rente, auf Arbeitseinkommen und auf sogenannte Versorgungsbezüge wie Betriebsrenten, Pensionen oder Zahlungen von Versorgungswerken. Die erwähnten privaten Einkünfte bleiben dagegen beitragsfrei. Im Übrigen können auch Rentner, die in der KVdR versichert sind, ihre Krankenkasse frei wählen und gegebenenfalls wechseln.

Mehr dazu im Ratgeber gesetzliche Krankenversicherung

Annika Krempel
von Finanztip,
Expertin für Versicherungen

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Wie ist die Vorversicherungszeit geregelt?

In die Krankenversicherung der Rentner darf, wer in der zweiten Hälfte seines Erwerbslebens zu 90 Prozent gesetzlich versichert war (9/10-Regelung, § 5 Abs. 1.11 SGB V). Dabei spielt es keine Rolle, ob Sie während Ihrer Erwerbstätigkeit in der GKV pflichtversichert, freiwillig versichert oder familienversichert waren – es genügt, dass Sie überhaupt in einer gesetzlichen Krankenkasse versichert waren. Die Zeit des Erwerbslebens reicht dabei vom Beginn der ersten Erwerbstätigkeit, einschließlich Berufsausbildung und Selbstständigkeit, bis zum Zeitpunkt des Antrags auf gesetzliche Rente. Wer nicht berufstätig war, bei dem gilt der Termin der Heirat oder der 18. Geburtstag.

Ein Beispiel: Ein Ingenieur arbeitet nach seinem Studium mit 25 als Angestellter und ist gesetzlich krankenversichert. Nach ein paar Jahren macht er sich selbstständig und wechselt in die private Krankenversicherung. Mit 47 muss er seine Selbstständigkeit aufgeben und geht wieder in ein Angestelltenverhältnis. Im Zuge dessen kehrt er in die GKV zurück. Mit 65 geht er schließlich in Rente.

Der Ingenieur in diesem Beispiel darf in die Krankenversicherung der Rentner, da er die Vorversicherungszeit gerade so erfüllt: Er war 40 Jahre lang erwerbstätig. Die zweite Hälfte seines Erwerbslebens begann mit 45. Von diesen 20 Jahren war er 18 Jahre lang gesetzlich versichert, das entspricht genau 90 Prozent dieses relevanten Zeitraums.

Mit der Reform des Heil- und Hilfsmittelgesetzes gilt seit 1. August 2017 außerdem eine neue Regelung zur Vorversicherungszeit. Jeder Versicherte erhält pauschal pro Kind drei Jahre als Vorversicherungszeit angerechnet, unabhängig von der Krankenversicherung des Ehe- oder Lebenspartners (§5 Abs. 2 Satz 3 SGB V). Dabei kommt es nicht darauf an, ob das Kind tatsächlich von der Person betreut wurde. Jedes Elternteil erhält drei Jahre pro Kind angerechnet. Zu den Kindern zählen auch Adoptivkinder, Pflegekinder und Stiefkinder. Die Zeiten werden automatisch der zweiten Hälfte des Erwerbslebens zugerechnet, auch wenn die Geburt der Kinder früher war.

Besonders für Partner von privat Krankenversicherten ist dies eine Verbesserung. Es profitieren vor allem Frauen von Beamten, Richtern oder Selbstständigen. Denn viele von ihnen waren während der Erziehungszeit nicht gesetzlich krankenversichert und erfüllten mitunter deswegen nicht die erforderliche Vorversicherungszeit. Das neue Gesetz schließt diese Lücke.

Tipp

Lassen Sie die Vorversicherungszeit prüfen

Freiwillig versicherte Rentner können durch das neue Heil- und Hilfsmittelgesetz nachträglich in die Krankenversicherung der Rentner wechseln, falls sie nun die erforderliche Vorversicherungszeit erfüllen. Fordern Sie Ihre Krankenkasse dazu auf, die Zeiten zu überprüfen. Ein formloser Antrag genügt. Es ist sinnvoll, als Beleg gleich Geburtsurkunden der Kinder oder andere Nachweise mitzuschicken.

Sonderfall Versorgungswerk

Für Anwälte, Ärzte oder Steuerberater und alle anderen, die über ihr Versorgungswerk für das Alter vorsorgen, gelten Sonderregeln. Rentner, die nur eine Rente aus dem Versorgungswerk erhalten, müssen sich freiwillig versichern – auch wenn sie vorher in der gesetzlichen Krankenkasse pflichtversichert waren. In diesem Fall werden für alle Einkommen Beiträge fällig.

Pflichtversichern in der Krankenversicherung der Rentner kann sich nur, wer neben dem Versorgungswerk auch eine gesetzliche Rente bezieht. Darüber hinaus muss die oben beschriebene 9/10-Regelung erfüllt sein. Dann muss der Rentner nur Beiträge auf die gesetzliche Rente und die Altersrente des Versorgungswerks zahlen.

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Wie viel Beitrag muss ein Rentner bezahlen?

Für einen Rentner ist entscheidend, auf welche Einnahmen er Beiträge zur Krankenversicherung bezahlen muss. Dabei werden die folgenden Einkünfte unterschieden:

  • gesetzliche Rente - Altersrente, Rente aus dem Ausland, Witwenrente;
  • Versorgungsbezüge - Betriebsrenten, Direktversicherungen, Pensionskassen und -fonds, Unterstützungskassen, Zusatzversorgungen, Renten aus Versorgungswerken, betrieblich abgeschlossene Riester-Renten, Beamtenpensionen;
  • Erwerbseinkommen - aus angestellter oder selbstständiger Tätigkeit;
  • private Einnahmen - Miet- und Pachteinkünfte, Kapitalerträge, private Renten einschließlich privat abgeschlossener Riester-Renten.

Auf diese Einkommensgruppen entfallen unterschiedliche Beitragssätze; je nachdem, ob der Versicherte in der Krankenversicherung der Rentner ist oder nicht. Die folgende Tabelle schlüsselt das auf. Auf gesetzliche Renten zahlen sowohl KVdR-Versicherte wie freiwillig gesetzlich versicherte Rentner nur den halben Beitrag plus Zusatzbeitrag, genau wie ein Arbeitnehmer auf sein Gehalt. Auf Versorgungsbezüge, also vor allem auf Leistungen aus betrieblicher Altersvorsorge, entfällt dagegen der volle Beitrag, was alle Arten von Betriebsrenten deutlich schmälert. Das Gleiche gilt für Erwerbseinkommen aus einer selbstständigen Tätigkeit neben der Rente.

GKV-Beiträge als Rentner

in der KVdR pflichtversichert freiwillig gesetzlich versichert
beitragspflichtig Beitragssatz* beitragspflichtig Beitragssatz*
gesetzliche Rente ja 7,3 % ja 7,3 %
Versorgungsbezüge ja 14,6 % ja 14,6 %
Erwerbseinkommen ja 14,6 % ja 14,6 %
Mieteinnahmen nein - ja 14 %
Zinsen, Dividenden u.ä. nein - ja 14 %
private Renten nein - ja 14 %

*Zusätzlich zum Beitragssatz muss der Zusatzbeitrag der jeweiligen Krankenkasse bezahlt werden.
Quelle: GKV-Beitragssätze von 2018 (Stand: Januar 2018)

Wenn Senioren die Kriterien für die Aufnahme in die Krankenversicherung der Rentner nicht erfüllen, haben sie dennoch die Möglichkeit, sich weiterhin freiwillig gesetzlich zu versichern, sofern sie bereits vor dem Renteneintritt bei einer gesetzlichen Kasse waren und die Vorversicherungszeiten erfüllen. Allerdings müssen sie dann auf alle Einnahmen Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung entrichten. Neben Rente, Versorgungsbezüge und Erwerbseinkommen sind das zum Beispiel auch Einnahmen aus Miete oder Pacht sowie aus Kapitalvermögen, auch Leistungen aus privaten Lebens- und Rentenversicherungen sind dann nicht mehr beitragsfrei.

Zusatzbeitrag der Krankenkassen auch für Rentner

Zusätzlich zahlen gesetzlich krankenversicherte Rentner noch einen Zusatzbeitrag von durchschnittlich 1,0 Prozent, den viele Krankenkassen erheben. Auch ein Beitrag zur gesetzlichen Pflegeversicherung von derzeit 2,55 Prozent (2,8 Prozent für Kinderlose) muss von Rentnern geleistet werden. Für beides gibt es keinen Zuschuss von der gesetzlichen Rentenversicherung. In jedem Fall müssen Beiträge aber nur bis zur Beitragsbemessungsgrenze der gesetzlichen Krankenversicherung von derzeit 53.100 Euro im Jahr bezahlt werden. Auf alle Einnahmen oberhalb dieser Grenze zahlen auch Rentner keine GKV-Beiträge.

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Tipp: Rechtzeitig für ein System entscheiden

Freiwillig gesetzlich versicherte Rentner zahlen in der Regel also deutlich höhere Beiträge für ihre Krankenversicherung. Für Kassenpatienten ist es daher erstrebenswert, im Alter in die Krankenversicherung der Rentner aufgenommen zu werden. Eine zu späte Rückkehr in die gesetzliche Krankenversicherung kann sich diesbezüglich rächen. Deshalb empfehlen wir, die Entscheidung, ob Sie sich langfristig gesetzlich oder privat versichern möchten, noch vor dem 40. Lebensjahr zu treffen.

Weitere Informationen können Sie dem Merkblatt „Krankenversicherung der Rentner (KVdR)“ der Deutschen Rentenversicherung entnehmen.

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Artikel verfasst von

Annika Krempel

Finanztip-Expertin für Versicherungen (bis Januar 2018)

Annika Krempel war Redakteurin im Team Versicherung und Vorsorge. Zuvor hatte sie bereits bei ZDF Wiso, dem RBB und der Stiftung Warentest Erfahrungen als Verbraucherjournalistin gesammelt.

Peter Neitzsch

ehemaliger freier Finanztip-Mitarbeiter

Peter Neitzsch arbeitete als Autor im Versicherungsressort von Finanztip. Als freiberuflicher Journalist schrieb er vorwiegend über Wirtschafts- und Verbraucherthemen. Davor war er unter anderem im Wirtschaftsressort von stern.de tätig.