Abzüge bei Rente ab 63

Welcher Jahrgang mit welchen Abzügen rechnen muss

Jan Scharpenberg
Finanztip-Experte für Rente

Das Wichtigste in Kürze

  • Das reguläre Renteneintrittsalter steigt schrittweise bis 67 Jahre an.
  • Du hast allerdings auch die Möglichkeit, bereits mit 63 Jahren in den Ruhestand zu gehen – dann allerdings mit Abzügen.
  • Entscheidend für die Rentenhöhe sind Dein Alter und Deine Beitragsjahre.

So gehst Du vor

  • Überlege Dir gut, ab welchem Alter Du Dir einen früheren Renteneintritt leisten kannst.
  • Berechne mithilfe unserer Tabelle, mit welchen Abschlägen Du rechnen musst.
  • Achte darauf, dass Du Dir Jahre in der Ausbildung und während der Kindererziehung anrechnen lassen kannst.
  • Gleiche Abzüge - wenn möglich - mit dem Kauf von Entgeltpunkten aus.

Hast Du Dich wie viele andere Arbeitnehmer in Deutschland dazu entschlossen, vor Deinem regulären Renteneintrittsdatum in den Ruhestand zu gehen? Du willst lieber mehr Zeit mit der Familie verbringen, reisen oder im Garten werkeln, als noch mit 67 jeden Tag ins Büro zu fahren – absolut nachvollziehbar.

Den frühestmöglichen Zeit­punkt, um die gesetzliche Altersrente zu beziehen, erreichst Du mit 63 Jahren. Dann kannst Du Dir von der gesetzlichen Ren­ten­ver­si­che­rung die sogenannte vorgezogene Altersrente auszahlen lassen. Wer früher aufhört, in die Ren­ten­ver­si­che­rung einzuzahlen, bekommt aber auch weniger ausgezahlt. Heißt: Die Ren­ten­ver­si­che­rung zieht Dir einen individuellen Betrag von Deiner Rente ab. Diese Abzüge bleiben dann bis an Dein Lebensende bestehen.

Wie berechnet die Ren­ten­ver­si­che­rung Deine Abzüge?

Wie bereits geschrieben, musst Du Abzüge bei Deiner Rente hinnehmen, wenn Du Dich früher in den Ruhestand verabschieden willst. Mit wie viel weniger Geld Du rechnen musst, hängt von zwei Faktoren ab:

  • dem Renteneintrittsalter und
  • Deinen Beitragsjahren.

Dein Renteneintrittsalter

Nach der Rentenreform von 2007 wird das reguläre Renteneintrittsalter schrittweise von 65 Jahren auf 67 Jahre angehoben. Welches Alter für Dich gilt, ist von Deinem Geburtsjahr abhängig. Wer vor 1947 geboren wurde, konnte noch mit 65 Jahren ohne Abzüge in den Ruhestand. Wer 1964 oder später geboren wurde, muss bis zum Alter von 67 Jahren arbeiten, um abschlagsfrei in Rente gehen zu können. Dazwischen gibt es monatsweise Abstufungen, die Du in unserer Tabelle weiter unten nachgucken kannst.

Allgemein gilt: Für jeden Monat, den Du vor Erreichen Deines Renteneintrittsalters in den Ruhestand gehst, zieht Dir die Ren­ten­ver­si­che­rung 0,3 Prozent von Deiner monatlichen Rente ab. Diese Abzüge können sich auf maximal 14,4 Prozent erhöhen. Das passiert, wenn Du nach 35 Beitragsjahren mit 63 statt mit 67 Jahren Deine Altersrente in Anspruch nimmst. Das sind dann nämlich vier Jahre a zwölf Monate a 0,3 Prozent.

Vorsicht: Die Ren­ten­ver­si­che­rung zieht Dir die Abschläge von Deiner Rente ab, die Du zum Zeit­punkt Deines vorgezogenen Rentenbeginns erreicht hast. Die Abschläge werden nicht von der höheren Rente abgezogen, die Du bekommen würdest, wenn Du zum regulären Zeit­punkt in den Ruhestand gehen würdest.

Deine Beitragsjahre

Das Sammeln Deiner Beitragsjahre kannst Du Dir wie das Punktesammeln beim Einkaufen vorstellen. Jedes Jahr, in dem Du als sozialversicherungspflichtig angestellter Arbeitnehmer oder einfach freiwillig in die gesetzliche Ren­ten­ver­si­che­rung einzahlst, sammelst Du ein Beitragsjahr. Aber auch Zeiten, in denen Du studiert, eine Ausbildung absolviert oder Kinder großgezogen hast, kannst Du als Beitragsjahre anrechnen lassen.

Wenn Du es schaffst, während Deines Arbeitslebens 45 Beitragsjahre anzusammeln, giltst Du als besonders langjährig Versicherter. Das ist so etwas wie der Goldstatus für Rentenversicherte. Das heißt, dass Du ohne Abzüge auch früher in Rente gehen kannst. Ab 35 gesammelten Beitragsjahren kannst Du Dich ebenfalls früher in den Ruhestand verabschieden, musst dann aber mit den genannten Abzügen rechnen.

Welcher Jahrgang muss mit welchen Abzügen rechnen?

Weil das reguläre Renteneintrittsalter aufgrund des jeweiligen Geburtsjahrgangs unterschiedlich ausfallen kann, ändert sich auch der zeitliche Abstand bei einer Rente ab 63 Jahren zum regulären Renteneintrittsalter individuell. Die Folge: Auch die Abzüge unterscheiden sich. Um es einfacher darzustellen, haben wir die Abzüge je nach Geburtsjahrgang in einer Tabelle aufgeschlüsselt.

Übersicht zu den Abzügen bei der Rente ab 63

Geburtsjahrgangreguläres
Renteneintrittsalter

vorgezogener

Rentenbeginn

Abzüge in Prozent
194765 Jahre, 1 Monat25 Monate7,5
194865 Jahre, 2 Monat26 Monate7,8
194965 Jahre, 3 Monat27 Monate8,1
195065 Jahre, 4 Monat28 Monate8,4
195165 Jahre, 5 Monat29 Monate8,7
195265 Jahre, 6 Monat30 Monate9
195365 Jahre, 7 Monat31 Monate9,3
195465 Jahre, 8 Monat32 Monate9,6
195565 Jahre, 9 Monat33 Monate9,9
195665 Jahre, 10 Monat34 Monate10,2
195765 Jahre, 11 Monat35 Monate10,5
195866 Jahre36 Monate10,8
195966 Jahre, 2 Monate38 Monate11,4
196066 Jahre, 4 Monate40 Monate12
196166 Jahre, 6 Monate42 Monate12,6
196266 Jahre, 8 Monate44 Monate13,2
196366 Jahre, 10 Monate46 Monate13,8
196467 Jahre48 Monate14,4

Quelle: Deutsche Ren­ten­ver­si­che­rung Bund

Beispielrechnung für Abzüge bei der Rente mit 63

Um Dir die Abzüge bei einer Rente mit 63 Jahren noch einmal zu verdeutlichen, zeigen wir Dir anhand eines Beispielfalls, womit ein typischer Arbeitnehmer zu rechnen hat:

Paul wurde am 1. Juli 1959 geboren, sein Renteneintrittsalter beträgt demnach 66 Jahre und 2 Monate. Das wäre der 1. September 2025. Paul hat seine 35 Beitragsjahre aber schon zusammen und möchte gerne mit 63 in Rente gehen, also am 1. Juli 2022. Das sind 38 Monate Unterschied. Für jeden Monat zieht die Ren­ten­ver­si­che­rung Paul 0,3 Prozent von seiner Rente ab. Macht insgesamt 11,4 Prozent.

Wir gehen davon aus, dass Paul zu diesem Zeit­punkt 40 Entgeltpunkte gesammelt hat. Mit den aktuellen Werten (2022) würde er ohne Abzüge eine monatliche Rente von 1.440,80 Euro in den alten und 1.420,80 Euro in den neuen Bundesländern bekommen. Wenn Paul aber mit 63 Jahren in Rente ginge, dann würde die Ren­ten­ver­si­che­rung 11,4 Prozent davon abziehen. Geht Paul also am 1. Juli 2022 in die vorgezogene Altersrente, bekäme er bis zu seinem Lebensende eine gesetzliche Rente von 1.276 Euro (West) oder 1.258,83 Euro (Ost) im Monat.

Verpasste Erhöhung durch Rente ab 63

Leider waren das aber immer noch nicht alle Einbußen, die Du bei einer Rente ab 63 in Kauf nehmen musst. Denn dadurch, dass Du früher in Rente gehst, zahlst Du auch weniger Jahre in die Ren­ten­ver­si­che­rung ein. Durch die fehlenden Beiträge fällt Deine Rente also auch dementsprechend niedriger aus. Das kumuliert sich zusätzlich mit den prozentualen Rentenerhöhungen. Prozentsätze auf eine niedrigere Rente ergeben auch niedrigere Erhöhungen – Jahr für Jahr.

Besonders Letzteres sind etwas versteckte Einbußen, da Rentenerhöhungen langfristig nur schwer vorauszusagen sind und auch Dein Lebensalter eine Rolle spielt. Lass uns dennoch an einem Beispiel schauen, mit wie vielen Einbußen Du rechnen kannst.

Beispiel: Paul geht mit 63 in Rente. Wie wir bereits wissen, bekommt er mit den Abzügen nun eine monatliche Rente von 1.276 (West).

Paul fehlen vier Jahre, in denen er weiter Beiträge eingezahlt hätte. Gehen wir davon aus, dass er in dieser Zeit noch Beiträge im Wert von vier Entgeltpunkten gezahlt hätte. Legen wir den aktuellen Rentenwert West (2022) zugrunde, hätte das seine monatliche Rente um rund 144 Euro (4x 36,02 Euro) erhöht.

Jetzt nehmen wir noch die Rentenerhöhung dazu. Gehen wir davon aus, dass Pauls Rente jedes Jahr um 1,8 Prozent erhöht wird. Um diesen Prozentsatz wurde die Rente in den alten Bundesländern nämlich seit 2005 im Schnitt pro Jahr erhöht. Pauls vorgezogene Altersrente wäre im Alter von 67 Jahren bereits um rund 155 Euro im Monat niedriger als seine reguläre Rente. Mit 80 Jahren liegt der Unterschied dann schon bei gut 195 Euro im Monat.

Rente ab 63: So kannst Du abzugsfrei in Frührente

Du kannst die Abzüge und Einbußen mit sogenannten freiwilligen Sonderzahlungen verhindern. Dabei zahlst Du die Beiträge, die der Ren­ten­ver­si­che­rung durch Deinen frühen Ruhestand flöten gehen, praktisch im Voraus. Das ist als Entgelt- oder Rentenpunkte kaufen bekannt. Die Kosten dafür kannst Du als Altersvorsorgeaufwendungen teilweise von der Steuer absetzen und dadurch Geld sparen.

Allerdings musst Du für den Kauf von Rentenpunkten natürlich erstmal das entsprechende Geld haben. Würdest Du 2022 Abzüge von Deiner monatlichen Rente im Wert 36,02 Euro ausgleichen wollen, müsstest Du genau einen Rentenpunkt für 7.235,59 Euro kaufen. Das hört sich viel an, aber eine Investition in die gesetzliche Rente bietet Vorteile. Über die Hinterbliebenenrente sind Familienangehörige im Gegensatz zu vielen Modellen der privaten Altersvorsorge praktisch umsonst mitversichert. Außerdem wird die Inflation zeitverzögert, sofern sich das Rentensystem nicht ändert, über die jährlichen Rentenerhöhungen einbezogen.

Wenn Du Dich jetzt fragst, ob sich der Kauf von Rentenpunkten auch für Dich lohnt und wie sich das auf Deine Steuer auswirkt, dann schau doch mal in unseren Ratgeber zum Kauf von Rentenpunkten.

Natürlich hast Du abseits des Kaufs von Rentenpunkten die Möglichkeit durch private Altersvorsorge soviel Geld zur Seite zu legen, dass Du die Abzüge bei einer Rente ab 63 ausgeglichen werden. Zum Beispiel durch langfristige Investitionen in ETFs

Es gibt mit den Frugalisten sogar eine Gruppe von Menschen, die derart viel Sparen und Investieren, dass Sie noch weiter vor dem Alter von 63 Jahren in den Ruhestand gehen. Dieses Extrem ist bestimmt nicht für jeden interessant beziehungsweise geeignet. Dennoch lässt sich für die private Altersvorsorge das ein oder andere von Frugalisten abschauen. Mehr dazu liest Du in unserem Ratgeber zu Frugalismus.

Autor
Jan Scharpenberg