How to Bundesanleihen-Treppe?

  • Kann sich der Kurs einer solchen 0%-Anleihe bei Zinsänderungen überhaupt bewegen? Oder anders gefragt: was würde einen Rückgang des Kurses von 100 auf 88 bewirken? Gibt es auch Szenarien, in denen der Kurs über 100 steigen kann?

    Alles ganz einfach.
    Schau dir mal den Chart der „berühmtesten“ Zero-Anleihe der Bundesrepublik von 2019 in Ruhe an.

    Wer jetzt kauft, „sichert“ sich eine Rendite von 3,5 %.

    Wegen der langen Laufzeit hat die Anleihe aber einen „Hebel“.

    Sinken die Zinsen stark, steigt die. Steigen die Zinsen ab, sinkt der Wert sehr schnell.
    Es gibt solche Anleihen auch vom Freistaat Bayern oder anderen seriösen Emittenten. Die Liquidität ist top, der Spread gering.

    https://www.comdirect.de/inf/anleihen/DE0001102481


    Und jetzt überträgst du das auf eine noch kurzlaufende. Ich habe z.B. eine bis Juli. Das passiert Nix mehr,

  • Das funktioniert doch nur, wenn man die Anleihe bei gefallenen Zinsen vor Ablauf verkauft. Man wettet also auf fallende Zinsen während der Laufzeit der Anleihe. Das würde ich jetzt nicht unbedingt als risikoarme Anlage, sondern als Zockerinstrument bezeichnen.

    Nein, das funktioniert immer.

    Du kaufst die Anleihe z.B. heute mit Fälligkeit im Mai 2027 zu 97,5 % und bekommst bei Fälligkeit 100 % zurück.

    Gewinn für dich 2,5 %.

  • Nachdem ich schon 2 mal kein glückliches Händchen mit Aktien hatte und mit Verlust verkauft hatte (zu Zeiten der Finanzkrise und auch 2022), sind Bundesobligationen sogar wieder meine bevorzugte Anlage, wie auch schon früher in den 90ern.

    Das ist alles recht easy. Man kann z. B. bei „Anleihen Finder Comdirekt“ die WKN-Nr. eingeben und erhält sofort bei den jeweiligen Börsen, z. B. Stuttgart ist immer aktuell, alle relevanten Daten. Wenn es zusagt, kann man bei seinem Broker dann die entsprechende WKN ordern.

    Beispiel mit derzeitigen Daten:

    WKN: BU2503:

    Zins nominal = 2,5 %, Rendite = ca. 2,6 % (da das derzeitige übliche Zinsniveau für entsprechende Emissionen über diesem Nominalzins liegt, und daher der Kurs für den Einkauf unter 100 % liegt); Restlaufzeit 3,4 Jahre (geht zusammen mit dem Nominalzins in die Renditeberechnung ein); Zinstermin (Zinszahltag).

    Will man eine kürzere Restlaufzeit, gibt man als WKN z.B. ein: BU2501 oder BU2502. Umgekehrt genauso, also über BU2503. Neuemissionen der Bundesobligationen liegen immer bei 5 Jahren.

    Auch die Sache mit den Stückzinsen ist nicht schwierig. Kauft man 1 Tag vor dem Zinszahltag, erhöht sich der Kaufpreis praktisch um die Zinszahlung für ein ganzes Jahr, denn am nächsten Tag erhält man ja die Jahreszinszahlung. Diese Berücksichtigung nennt man Stückzinsen.

    Kauft man 1 Tag nach dem Zinszahltag, fallen so gut wie keine Stückzinsen an (für 1 Tag halt nur). Und kauft man ein halbes Jahr danach, fällt also der halbe Jahreszins-Betrag für Stückzinsen an.

    Die Stückzinsen werden von der Bank bei Kauf in den Verlusttopf gesetzt, am Zinszahltag wird der Verlusttopf wieder geleert (und der gegenüber dem Verlusttopf gewonnene Über-Zinsbetrag von der evtl. Freistellung abgezogen oder versteuert).

    So einfach ist das alles. Es gibt natürlich auch noch andere Bundes-Wertpapiere, z. B. mit 7 oder 10 Jahren Laufzeit. Das wäre aber zu sehr Pokern, da man die langfristige Zinsentwicklung ja nicht kennt. Bei Obligationen pokert man nur „ein bisschen“.

  • Nein, das funktioniert immer.

    Du kaufst die Anleihe z.B. heute mit Fälligkeit im Mai 2027 zu 97,5 % und bekommst bei Fälligkeit 100 % zurück.

    Gewinn für dich 2,5 %.

    sam51 - vielleicht noch als Ergänzung:

    Angenommen du hast eine Anleihe mit Fälligkeit am 7. Mai 2027 und 3 % Kupon, dann kaufst du die heute zu 100,5 %, bekommst zur Fälligkeit 3 % Zinsen gezahlt und 100 % zurück.

    Rendite für dich 2,5 %.

  • Das ist alles recht easy. Man kann z. B. bei „Anleihen Finder Comdirekt“ die WKN-Nr. eingeben und erhält sofort bei den jeweiligen Börsen, z. B. Stuttgart ist immer aktuell, alle relevanten Daten. Wenn es zusagt, kann man bei seinem Broker dann die entsprechende WKN ordern.

    Ich würde noch auf das Handelsvolumen (comdirect: Handelsvolumen der letzten 30Tage) achten. Sonst suchst man sich eine Anleihe aus und wundert sich, dass man sie trotz Order nicht bekommt.

    Und auch dran denken, ein Limit für den Kaufpreis zu setzen. Sonst kauft man ggf. von einem überteuerten Verkaufspartner, der eine "passende" (d.h. überhöhte) Verkaufsorder eingestellt hat.

  • Nein, der Unterschied ist das Kursrisiko. Eine Anleihenleiter funktioniert ganz ähnlich wie eine Festgeldleiter aber mit der (Notfall)option, dass man verkaufen kann. Wenn man bis zur Endfälligkeit hält, weiß man genau, welche Rendite man bekommt. Das weißt Du bei einem ETF nicht, weil der immer wieder Anleihen kauft und verkauft, wenn sie aus dem Laufzeitband rauslaufen.

    Da die Spesen bei Anleihen schon reinhauen können, würde ich auch nach einem Broker mit günstigen Handelskosten schauen. Das gilt umso mehr, desto kleiner die Anlagesummen sind.

  • Nein, der Unterschied ist das Kursrisiko. Eine Anleihenleiter funktioniert ganz ähnlich wie eine Festgeldleiter aber mit der (Notfall)option, dass man verkaufen kann. Wenn man bis zur Endfälligkeit hält, weiß man genau, welche Rendite man bekommt. Das weißt Du bei einem ETF nicht, weil der immer wieder Anleihen kauft und verkauft, wenn sie aus dem Laufzeitband rauslaufen.

    Nichts anderes macht man mit der Anleiheleiter auch, wenn man immer wieder neu anlegt.

  • Wenn man bis zur Endfälligkeit hält, weiß man genau, welche Rendite man bekommt. Das weißt Du bei einem ETF nicht, weil der immer wieder Anleihen kauft und verkauft, wenn sie aus dem Laufzeitband rauslaufen.

    Meinst du einen normalen Anleihe-ETF (open end), der als Auswahlkriterium z.B. nur Anleihen mit Laufzeiten 1-3 Jahre hält?

    Ansonsten gäbe es sehr ähnlich zum Festgeld noch die iBonds. Anleihen-ETF mit Auflagedatum und definiertem Fälligkeitsdatum. Dieser wählt dann Anleihen aus, welche alle ungefähr (paar Monate früher bis Fälligkeit) auslaufen.

    Ich muss dazu sagen, dass ich mit der Anleihe-Thematik nicht wirklich beschäftigt habe, da es für mich persönlich zur aktuellen Zeit keine Relevanz hat (außer Geldmarkt-ETF).

  • Nein, der Unterschied ist das Kursrisiko. Eine Anleihenleiter funktioniert ganz ähnlich wie eine Festgeldleiter aber mit der (Notfall)option, dass man verkaufen kann. Wenn man bis zur Endfälligkeit hält, weiß man genau, welche Rendite man bekommt. Das weißt Du bei einem ETF nicht, weil der immer wieder Anleihen kauft und verkauft, wenn sie aus dem Laufzeitband rauslaufen.

    Da die Spesen bei Anleihen schon reinhauen können, würde ich auch nach einem Broker mit günstigen Handelskosten schauen. Das gilt umso mehr, desto kleiner die Anlagesummen sind.

    Ja, wir hatten hier doch den einen Fall von dem Anleger, der sich des Zinsrisikos nicht bewusst war und der dann ganz unglücklich war mit seinem Sicherheitsbaustein.

  • Nein, der Unterschied ist das Kursrisiko.

    Das ist falsch. Das Kursrisiko ist exakt gleich. Das Kursrisiko eines Anlegers, der in einen Anleihen-ETF investiert ist genau das Gleiche wie bei einem Anleger, der direkt in die Anleihen investiert und sie bis zur Fälligkeit hält. Gleiche durchschnittliche Laufzeit=gleiches Risiko. Bei Ersterem sieht man den Verlust bei einem Zinsanstieg direkt im Kurs, bei Letzterem im niedrigerem Ertrag im Vergleich zu Alternativen mit gleicher Laufzeit. Nur weil man eine Anleihe bis zur Fälligkeit halten kann, ändert das nichts am Risiko. Es spielt auch keine Rolle, dass der ETF rolliert. Das muss man als Direktanleger ebenfalls. Tut man es nicht, reduziert sich die durchschnittliche Laufzeit und das Rendite-/Risikoprofil.

    https://hartmutwalz.de/anleihe-etfs/

    https://hartmutwalz.de/anleihen-etfs-teil2/

  • Das ist nicht richtig.

    Wenn man weiß, was man will und was man tut, können auch andere Anleihe-ETF hilfreich sein.

    Ich habe meinen Ratschlag für die verfasst, die sich nicht intensiv in diese Materie einarbeiten können und wollen.

    Für die „Profis“ geht viel, was aber nicht besondere Auswirkung auf die Gesamtperformance haben dürfte.
    Meine Frau hat z.B. heute ihren Gesamtbestand von XS2802891833 abgestoßen, den sie Ende März erst gekauft hat. Das ist nichts für mich.

  • Von allen Anleihe-ETFs sollte man die Finger lassen, wenn es sich nicht um wirkliche Kurzläufer im Portfolio handelt.

    Genau so sieht es aus. Sie erfüllen keinen Zweck, da man ihr Rendite-/Risikoprofil mit Aktien und AAA-Kurzläufern exakt nachbilden kann. Allerdings dann mit echter Liquidität in der Krise. Die einzigen länger laufenden Anleihen, die man sich überlegen kann, sind Bundesanleihen, die für ein fixes Ziel in ein paar Jahren (Hauskauf z.B.) erworben werden. Alles andere würde ich nicht machen.

  • Sie erfüllen keinen Zweck, da man ihr Rendite-/Risikoprofil mit Aktien und AAA-Kurzläufern exakt nachbilden kann.

    Das ist fachlich falsch, und zeugt von keinen besonders intimen Kenntnissen der Finanzwissenschaft. Es ist sehr irreführend, wenn eigene Glaubenssätze als unumstößliche Wahrheiten dargestellt werden - auch wenn sie sachlich nicht haltbar sind. Selbstverständlich zeigen andere Anleihen wie bspw. Langläufer mit einer Duration von 20 oder mehr Jahren ein spezifisches Verhalten, das man sich in einem Portfolio zunutze machen kann. Diversifizierung über mehrere möglichst wenig korrelierte Assetklassen, lautet das Zauberwort: „Diversification is the only free lunch“, lässt es sich nach dem Nobelpreisträger Harry Markowitz zusammenfassen. Das lässt sich mit dem simplen Mantra von „ein Welt-ETF plus AAA-Kurzläufer reichen“ nicht wegargumentieren, auch wenn es ständig ausschweifend schwurbelnd versucht wird.

  • Das ist fachlich falsch, und zeugt von keinen besonders intimen Kenntnissen der Finanzwissenschaft. Es ist sehr irreführend, wenn eigene Glaubenssätze als unumstößliche Wahrheiten dargestellt werden - auch wenn sie sachlich nicht haltbar sind. Selbstverständlich zeigen andere Anleihen wie bspw. Langläufer mit einer Duration von 20 oder mehr Jahren ein spezifisches Verhalten, das man sich in einem Portfolio zunutze machen kann. Diversifizierung über mehrere möglichst wenig korrelierte Assetklassen, lautet das Zauberwor

    Das ist auch richtig ! Aber für die Normalos, die vom Sparbuch weg wollen, nicht zu machen.

    Für die gibt es das gute, einfache Konzept. Fehler vermeiden, das ist gut genug.
    Man lese Nassim Nicholas Taleb.

    Von ihm stammt auch ein guter Hinweis, den man etwa so übersetzen kann:

    „Ich habe mein ganzes Leben lang eine wunderbar einfache Heuristik verwendet: Scharlatane sind daran zu erkennen, dass sie dir positive Ratschläge geben, und nur positive Ratschläge, unsere Leichtgläubigkeit für Rezepte ausnutzen, die sich später komplett ins Nichts auflösen.“

    — Nassim Nicholas Taleb

    Übrigens: Irving weiß sehr wenig von Anleihen….da war doch was mit „Stück“ etc….

    Positiv am Gerd Kommer ist, dass er den Leuten klar sagt, dass sie selbst nichts können müssen, weil sie aktiv gar nichts „können“ können.

    Es ist allemal besser, einen sterbenslangweiligen ETF zu haben und den 30 Jahre lang durchzuhalten, als auf kaputte Aktien wie Intel zu setzten und dann per Zufallstreffer sein Geld um den Faktor 6 zu vermehren.

    Gerade stürmt der S&P 500 von Rekord zu Rekord und einige Titel gehen in den Tulpenzwiebelmodus über.

    Aber: auch im Bereich der Anleihen müssen die Leute gar nichts können müssen, weil sie es im Sinne der Fehlervermeidung gar nicht tun sollen.


  • Dagegen ist nichts zu sagen, Tomarcy, wie Du es schreibst! Natürlich braucht niemand zwingend bspw. Langläufer oder Gold oder Bitcoin oder Private Equity im Portfolio, weil auf die unkorrelierten Anlageklassen auch verzichtet werden kann, und wer das möchte, kann das tun.

    Es so darzustellen, als seien sie prinzipiell überflüssig und hätten - auch als Komponente eines Portfolios - keinerlei Nutzen, ist aber nicht haltbar.

    Eigentlich ist es auch schade für Irving, dass er oft seine Sicht der Dinge so unterkomplex und wissenschaftlich nicht haltbar darstellt, weil in vielen Punkten schreibt er ja auch durchaus richtiges, was insbesondere unerfahrenen Anlegern und Lesern hier nutzen kann.

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