bAV verpflichtend

  • Persönlich plädiere ich für mehr Eigenverantwortung des Einzelnen. Bezogen auf das Thema AV bedeutet das, sich mit der persönlichen Situation auseinanderzusetzten und sich zu informieren:

    Was habe ich an Versorgungsansprüchen aktuell? Was brauche ich im Alter? Und wie kann ich meine Ziele erreichen?

    Dafür sind entsprechende Wahlmöglichkeiten und vernünftige Angebote erforderlich, die einfach gebaut, geringe Kosten haben und nicht die Versicherungswirtschaft subeventionieren. Ob das jetzt zwingend eine verpflichtende bAV sein muss mag dahinstehen. Das kann eine Wahloption sein. Das Argument „Das kann ich mir nicht leisten“ greift dabei für mich nur bedingt. Staatliche Förderung müsste dann auch nicht nach dem Gießkannenprinzip verteilt werden, sondern könnte gezielt denjenigen zugutekommen, die sie tatsächlich benötigen.

    Das steht für mich nicht im Widerspruch zum Sozialstaat. Dieser sollte jedoch vor allem in besonderen Situationen unterstützen und nicht die Eigenverantwortung des Einzelnen ersetzen.

  • Stelle Deine Fragen an unsere Finanztip-Experten

    Altersvorsorge-Depot
    Expertengespräch am 30.07.2026

    Altersvorsorge-Depot: Der perfekte ETF-Sparplan?

    30.07.2026 - Altersvorsorge-Depot

  • Es ist ja leicht an die Eigenverantwortung zu appellieren, gerade hier im Forum wo sich Leute mit Finanzen wirklich auseinander setzen. Nur wird sind hier eine kleine Bubble. Wie sieht den die Wirklichkeit da draussen aus, da werden Kleinstkredite für allen Schmökes aufgenommen, bei vielen ist am 15ten schon alles weg (warum auch immer), es gibt Suchtkranke, sonstige Kranke die kaum Geld haben, es gibt Dumme und Schulabrecher, es gibt Arbeitslose und Menschen die einfach viel Pech hatten, das ist eine ganze Menge an Menschen, denen wollt ihr Eigenverantwortung auferlegen ? Das wird nie und nimmer Funktionieren, da hilft nur Zwang zur Altersabsicherung, oder meint ihr die fangen jetzt an zu sparen. Klar kann man sagen dann haben die halt Pech gehabt, aber so einfach wird das nicht enden. Es fängt erst mit Bettelei an, später mit hoher Kriminatitätsrate. Schaut euch Länder an wo jeder für sich selbst sorgen muss. In so Ländern will ich nicht leben, da sind mir höhere Sozialabgaben lieber, da diese auch so was wie innere Sicherheit deutlich erhöhen.

  • , denen wollt ihr Eigenverantwortung auferlegen ? Das wird nie und nimmer Funktionieren,

    10000% Zustimmung.

    und es verlagert das Problem nur. Diesen Leuten kann man nicht sagen „ihr habt nicht vorgesorgt, ihr müsst mit 65 unter die Brücke ziehen“. Da springt die Solidargemeinschaft natürlich ein.

  • Ist doch eine legitime Forderung.

    Empfinde ich nicht so. Zum einen ist klar, dass die GRV nicht einfach so weiter funktioniert. Demographie und so...wurde seit Schröder zur Genüge diskutiert. Alles über die GRV setzt deutlich steigende Beiträge voraus und die will keiner zahlen. Dazu kommt noch die Problematik, dass der Faktor Arbeit absehbar weiter an Wert verliert aufgrund immer besserer KI. Ich möchte da nichts überhöhen, aber die Fleißarbeit in den Büros lässt sich heute schon größtenteils ersetzen

    Und zum anderen halte ich es aus persönlicher Sicht für wichtig, dass man eine kapitalgedeckte Komponente mit persönlichen Guthaben hat. Und nicht nur abstrakte Rentenpunkte deren Wert von politischen Faktoren abhängt.

  • Jeder Bürger weiß, dass er vorsorgen muss.

    Definitiv nicht. Ich behaupte einfach mal, dass ungefähr 50% der Bürger mehr oder weniger von Monat zu Monat leben.

    Zitat

    Nimmt man dem Menschen die Chance, aus Fehlern zu lernen, erhält man ein verantwortungsloses unselbständiges Individuum.

    Wenn man den Fehler erst mit Renteneintritt realisiert, wie soll es da die Chance geben, noch aus dem Fehler zu lernen und ihn zu korrigieren? Meines Wissens nach sind Zeitreisen noch nicht möglich.

  • Das steht für mich nicht im Widerspruch zum Sozialstaat. Dieser sollte jedoch vor allem in besonderen Situationen unterstützen und nicht die Eigenverantwortung des Einzelnen ersetzen.

    Leider funktioniert das in der Praxis nicht. Ich kenne ein paar Leute, die in Ihrem Arbeitsleben sehr wohl die finanziellen Möglichkeiten gehabt hätten etwas für Ihre private AV zu tun.
    Es wurde aber nicht gemacht! Dafür war das Auto (natürlich immer Neuwagen) dann 2-3 Klassen größer als meine Gebrauchtwagen. Und die Urlaube waren dann auch eher Karibik oder Malediven als Camping an der Ostsee (wobei das inzwischen auch richtig teuer geworden ist).

    Nur niemand fragt danach, ob man heute durch eigenes Verschulden auf Sozialleistungen (Wohngeld!) angewiesen ist oder man schlichtweg zeitlebens zu wenig verdient hat um überhaupt ausreichend Vorsorge leisten zu können. Damit kann ich dann auch Leben.

    Mich kotzt es dann nur an, wenn genau diese Klientel dann aber mosert, dass Ihre Renten/Sozialleistungen zu gering sind. Wie hoch meine Rente später mal sein wird, bekomme ich seit 25 Jahren jedes Jahr zugeschickt. Und das Ausrechnen, dass es allein mit der Rente nicht allzu rosig aussieht habe ich auch mit meinen begrenzten mathematischen Fähigkeiten hinbekommen.

  • Persönlich plädiere ich für mehr Eigenverantwortung des Einzelnen. Bezogen auf das Thema AV bedeutet das, sich mit der persönlichen Situation auseinanderzusetzten und sich zu informieren:

    Was habe ich an Versorgungsansprüchen aktuell? Was brauche ich im Alter? Und wie kann ich meine Ziele erreichen?

    Genau hier liegt ja das Problem. Viele Menschen wollen sich damit gar nicht beschäftigen, weil sie „keine Zeit“ haben, oder kümmern sich dann „in ein paar Wochen“ darum.

    Es kann doch so einfach sein. Alles aufschreiben, Überblick verschaffen und dann die nötigen Schritte einleiten.

  • Genau hier liegt ja das Problem. Viele Menschen wollen sich damit gar nicht beschäftigen, weil sie „keine Zeit“ haben, oder kümmern sich dann „in ein paar Wochen“ darum.

    Es kann doch so einfach sein. Alles aufschreiben, Überblick verschaffen und dann die nötigen Schritte einleiten.

    Dann müsste so etwas verpflichtend sein. Mit einstieg in das Berufsleben oder am Ende jeglicher Schulzeit ein verpflichtendes Beratungsgespräch mit allen Inhalten. Da auch das bei weitem nicht ausreicht, müsste man aktiv auf die Menschen zugehen und weitere Beratungssgespräche mit Zielvereinbarungen alle X Jahre verpflichtend machen. Da kann dann auf berufliche und persönliche Änderungen eingegangen werden.

    Dann kann man auch verpflichtend denen eine weitergehende Vorsorge auferlegen was zumindest die Alterarmut und damit Sozialleistungen vermeidet. Wenn die Menschen die nicht weiter versorgen wollen, obwohl die könnten, dann nur 1 Cent mehr als Grundsicherung haben finde ich das angemessen.

    Aber Eigenverantwortung in einem so komplexen Themenfeld kann nicht flächendeckend funktionieren. Warum haben wir millionen von miesen Riesterverträgen, warum haben wir Sparbücher mit 0.2% Zinsen, warum haben Lebensversicherungen und Bausparer die nur Geld vernichten? Bestimmt nicht weil alle für sich selbst Sorgen können.

    Ich habe keinen Bock das irgendwer mir auf der Tasche liegt obwohl das nicht hätte sein müssen. Ich hab aber auch genau so wenig Bock das ich auf der Straße wegen 50€ niedergestochen werde, weil da jemand durch das Raster fällt und unter extremer Armut leidet.

  • Dann müsste so etwas verpflichtend sein.

    Das wirst du leider nicht umsetzen können.

    Aber Eigenverantwortung in einem so komplexen Themenfeld kann nicht flächendeckend funktionieren. Warum haben wir millionen von miesen Riesterverträgen, warum haben wir Sparbücher mit 0.2% Zinsen, warum haben Lebensversicherungen und Bausparer die nur Geld vernichten? Bestimmt nicht weil alle für sich selbst Sorgen können.

    Viele Dinge sind mir so wichtig, dass ich diese freiwillig angehe. Mich zwingt ja niemand, aktuell ein Depot zu haben, ein Tagesgeldkonto etc. zu haben.

    Ein Bekannter neulich war richtig stolz, dass er jetzt eine goldene EC-Karte der Volksbank hat, da er dort nun Anteile hat. Gut, Dividende soll es geben, aber dadurch werde ich weder arm noch reich.

    Über viele Generationen wird „Wissen“ weitergegeben. Ich kann es übernehmen oder aktiv hinterfragen und anders (besser) machen.

    Ein Nachbar prahlt immer damit, dass sein gesamtes Vermögen auf dem Giro bei der Sparkasse liegt. Er hätte es täglich im Zugriff. Mit ihm kann ich dann aber auch nicht sprechen bzgl. Zinsen als Beispiel. Da blockt er total ab. Das muss dann eben jeder für sich wissen.

  • Mich kotzt es dann nur an, wenn genau diese Klientel dann aber mosert, dass Ihre Renten/Sozialleistungen zu gering sind. Wie hoch meine Rente später mal sein wird, bekomme ich seit 25 Jahren jedes Jahr zugeschickt. Und das Ausrechnen, dass es allein mit der Rente nicht allzu rosig aussieht habe ich auch mit meinen begrenzten mathematischen Fähigkeiten hinbekommen.

    Genau. Aber was ist die Lektion daraus? Wer sein Geld verprasst, dem wird gegeben. Wer spart, wird extra besteuert. Perfekte Grundlage, damit die nächste Generation es besser macht...

    Da kommen wir als Gesellschaft einfach nicht dran vorbei, auch mal Leute für die Fehlentscheidungen der vergangenen 25 Jahre geradestehen zu lassen. Die Alternative ist, dass ein Nanny-Staat verhindert, dass jemand Fehler macht. Ob das so viel wünschenswerter ist...

  • Empfinde ich nicht so. Zum einen ist klar, dass die GRV nicht einfach so weiter funktioniert. Demographie und so...wurde seit Schröder zur Genüge diskutiert.

    Für mich ist eine GRV in erster Linie ein Rahmen, in den jeder einzahlt und aus dem jeder eine Leistung bekommt.

    Wie man das ausgestaltet, ist eine ganz andere Frage. Dass das Umlagesystem nicht funktioniert und angesichts immer weniger Einzahler nicht funktionieren kann, ist weitgehend unstrittig.

  • Es ist ja leicht an die Eigenverantwortung zu appellieren, gerade hier im Forum wo sich Leute mit Finanzen wirklich auseinander setzen.

    Glaubst Du denn ich bin mit dem Wissen was ich heute habe auf die Welt gekommen? Da fängt doch Eigenverantwortung für mich an: Irgendwann habe ich begonnen meinen persönliche Situation zu analysieren, mir Gedanken zu machen was ich an AV später haben möchte, eine Strategie zu entwickeln, regelmäßig zu sparen und und zu investieren, die Vorsorge zu kontrollieren und bei Bedarf anzupassen. Das kann man doch von einem mündigen Bürger erwarten finde ich.

    Es geht natürlich auch anders:

    da werden Kleinstkredite für allen Schmökes aufgenommen, bei vielen ist am 15ten schon alles weg (warum auch immer)

    Ich kenne ein paar Leute, die in Ihrem Arbeitsleben sehr wohl die finanziellen Möglichkeiten gehabt hätten etwas für Ihre private AV zu tun.
    Es wurde aber nicht gemacht! Dafür war das Auto (natürlich immer Neuwagen) dann 2-3 Klassen größer als meine Gebrauchtwagen. Und die Urlaube waren dann auch eher Karibik oder Malediven als Camping an der Ostsee (wobei das inzwischen auch richtig teuer geworden ist).

    Ja, das ist auch ein Teil der Realität. Ich maße mir gar nicht an das zu bewerten. Es sind freie Menschen, die sich anders entschieden haben. Und das ist auch ok so.

    ABER (!):

    Dann gehört auch dazu, die Konsequenzen für die eigenen Entscheidungen zu übernehmen und nicht rumzujammern, das die Rente im Alter nicht nicht reicht. Dann vielleicht noch nach dem Sozialstaat zu schreien. Sorry, aber so funktioniert das nicht!

    Den Sozialstaat sehe ich in der Verantwortung z.B. für...

    es gibt Suchtkranke, sonstige Kranke die kaum Geld haben, es gibt Dumme und Schulabrecher, es gibt Arbeitslose und Menschen die einfach viel Pech hatten

    oder dafür, das auch einkomensschwächere etwas mehr für Ihre AV tun können.

    Offengestanden sind das Kindergeld oder die Zulagen in der der Riesterförderung ab einem gewissen Einkommensniveau Mitnahmeeffekte, die anders verteilt werden könnten.

  • Glaubst Du denn ich bin mit dem Wissen was ich heute habe auf die Welt gekommen? Da fängt doch Eigenverantwortung für mich an: Irgendwann habe ich begonnen meinen persönliche Situation zu analysieren, mir Gedanken zu machen was ich an AV später haben möchte, eine Strategie zu entwickeln, regelmäßig zu sparen und und zu investieren, die Vorsorge zu kontrollieren und bei Bedarf anzupassen.

    Und du glaubst ernsthaft, dass alle Menschen dazu in der Lage sind?

  • Grundsätzlich ja: Eigenverantwortung entsteht nicht allein durch den Willen einer Person. Sie entwickelt sich durch Erziehung, Erfahrungen, Bildung, persönliche Eigenschaften und das soziale Umfeld. Besonders wichtig sind Gelegenheiten, selbst Entscheidungen zu treffen und die Konsequenzen des eigenen Handelns zu erleben.

    Kann das aus eigener persönlicher Erfahrung und als Vater bestätigen.

  • ABER (!):

    Dann gehört auch dazu, die Konsequenzen für die eigenen Entscheidungen zu übernehmen und nicht rumzujammern, das die Rente im Alter nicht nicht reicht. Dann vielleicht noch nach dem Sozialstaat zu schreien. Sorry, aber so funktioniert das nicht!

    Den Sozialstaat sehe ich in der Verantwortung z.B. für...

    oder dafür, das auch einkomensschwächere etwas mehr für Ihre AV tun können.

    Das mag ja moralisch richtig sein. Aber ich glaube man muss es einfach als Prämisse für die Diskussion anerkennen, dass der Sozialstaat nicht zwischen "Wollte nicht" und "konnte Nicht" unterscheiden kann.

    Bevor man sich bei der Prämisse nicht einig ist, macht die weitere Diskussion keinen Sinn.

  • Grundsätzlich ja: Eigenverantwortung entsteht nicht allein durch den Willen einer Person. Sie entwickelt sich durch Erziehung, Erfahrungen, Bildung, persönliche Eigenschaften und das soziale Umfeld. Besonders wichtig sind Gelegenheiten, selbst Entscheidungen zu treffen und die Konsequenzen des eigenen Handelns zu erleben.

    Kann das aus eigener persönlicher Erfahrung und als Vater bestätigen.

    Da überschätzt du die Mitmenschen erheblich. Und das sage ich auch als Vater, dessen Kinder in einer linksgrünversifften Bildungsbürgerblase aufwachsen und in ihren Schulen erleben, dass das nicht der Normalzustand ist.

  • Aber ich glaube man muss es einfach als Prämisse für die Diskussion anerkennen, dass der Sozialstaat nicht zwischen "Wollte nicht" und "konnte Nicht" unterscheiden kann.

    Kann er nicht, oder will er nicht? Mal losgelöst von der Frage, wieviele Zwischenschritte einem zwischen Schwarz und Weiß dabei noch einfallen könnten.

  • Das mag ja moralisch richtig sein. Aber ich glaube man muss es einfach als Prämisse für die Diskussion anerkennen, dass der Sozialstaat nicht zwischen "Wollte nicht" und "konnte Nicht" unterscheiden kann.

    Bevor man sich bei der Prämisse nicht einig ist, macht die weitere Diskussion keinen Sinn.

    In der Tat, der Sozialstaat kann im Alter praktisch nicht zuverlässig zwischen ‚wollte nicht‘ und ‚konnte nicht‘ unterscheiden, weil die Lebensverläufe zu komplex und zu weit zurückliegend sind. Genau deshalb halte ich Eigenverantwortung und verbindliche Vorsorgemechanismen für so wichtig – nicht als moralische Bewertung des Einzelnen, sondern weil das System sonst am Ende zwangsläufig alle Fälle gleich behandeln muss.

  • Kann er nicht, oder will er nicht? Mal losgelöst von der Frage, wieviele Zwischenschritte einem zwischen Schwarz und Weiß dabei noch einfallen könnten.

    Wenn ein Rentner in einer Großstadt eine Rente von 1200€ netto hat, die Miete aber bei 900€ liegt, kannst Du gern die Frage stellen, ob dieser Rentner 45 Jahre nicht konnte oder nicht wollte?
    Letztlich stellt Jemand einen Wohngeldantrag. Und wenn die Zahlen passen bekommt der Antragsteller Wohngeld.
    Was wäre denn sonst die Option?

Passende Ratgeber für Dich

Von Finanztip-Experten fundiert recherchiert

Was Finanztip ausmacht
Finanztip Bewertungen