Betriebliche Altersvorsorge

Wie Arbeitnehmer mit Hilfe des Chefs für die Rente sparen

Sara Zinnecker Stand: 13. Juni 2019
Das Wichtigste in Kürze
  • Unter betrieblicher Altersvorsorge (bAV) versteht man den Aufbau einer Zusatzrente über den Arbeitgeber.
  • Bei der klassischen arbeitgeberfinanzierten bAV übernimmt der Chef die Beiträge zur späteren Rente allein.
  • Arbeitnehmer können aber auch einen Teil ihres Bruttogehalts für eine Betriebsrente einsetzen (Entgeltumwandlung). Für Beträge bis zu 268 Euro im Monat fallen keine Sozialabgaben an, für Beträge bis zu 536 Euro keine Steuern.
  • Dieses arbeitnehmerfinanzierte Modell lohnt sich nur, wenn Sie besonders alt werden. Legt der Chef dagegen seine eingesparten Sozialbeiträge (etwa 20 Prozent) oben drauf, haben Sie Ihr Geld deutlich schneller wieder raus.
  • Betriebsrenten müssen später versteuert werden. Gesetzlich krankenversicherte Rentner zahlen darüber hinaus den vollen Beitrag zur Kranken- und Pflegeversicherung.
So gehen Sie vor
  • Informieren Sie sich bei Ihrem Chef oder der Personalabteilung darüber, welche Art der betrieblichen Altersversorgung es in Ihrer Firma gibt.
  • Finanziert der Arbeitgeber die Versorgung, machen Sie mit.
  • Bietet Ihr Chef Ihnen nichts an, weisen Sie ihn auf Ihr Recht zur Entgeltumwandlung hin. Seit 2019 müssen Arbeitgeber 15 Prozent zuschießen. Fragen Sie, ob noch mehr drin ist.
  • Wenn Sie damit rechnen, künftig häufiger die Arbeitsstelle zu wechseln, überlegen Sie, ob Sie überhaupt über den Chef für das Alter vorsorgen wollen. Verträge lassen sich nicht immer zum neuen Arbeitgeber mitnehmen.
  • Prüfen Sie die Alternativen zur bAV: Infrage kommen zum Beispiel eine Riester-Rente oder eine flexible Geldanlage.

Mit Hilfe des Chefs fürs Alter vorzusorgen, hat in Deutschland eine lange Tradition. Bereits vor mehr als 100 Jahren begannen die ersten großen Unternehmen, für Mitarbeiter Vermögen anzusparen, aus dem diese später eine Rente ausgezahlt bekamen. Dies ist die klassische betriebliche Altersversorgung.

Mittlerweile können auch Arbeitnehmer Beiträge aus ihrem Bruttogehalt nehmen und beispielsweise in eine Rentenversicherung einzahlen, die der Chef für sie abschließt. Dabei sparen sie sich die Steuern und Sozialversicherungsbeiträge auf die Beiträge. In dem Fall spricht man eher von betrieblicher Altersvorsorge.

Wie viele Deutsche sorgen über den Chef fürs Alter vor?

Wenn es um ihre Rente geht, verlassen sich mehr als 30 Millionen Angestellte in Deutschland auf den Pfeiler der gesetzlichen Rente. Allerdings wird die Höhe der Renten in den kommenden Jahren weiter schrumpfen; immer weniger Erwerbstätige müssen künftig immer mehr Rentner finanzieren. Um den Lebensstandard im Alter zu sichern, wird zusätzliche Vorsorge daher immer wichtiger.

Für beide oben genannten Varianten – betriebliche Altersversorgung und betriebliche Altersvorsorge – hat sich das Kürzel bAV eingebürgert. Unabhängig von den verschiedenen Begriffen stehen Angestellte vor allem vor der Frage: Lohnt sich das für mich? Wer diese Frage für sich beantworten möchte, sollte einige Grundsätze beachten.

Mit Hilfe der bAV lässt sich die Lücke bei der Rente zumindest verkleinern. Teils auf Initiative des Arbeitgebers, teils aufgrund eines Tarifvertrags oder auf eigene Initiative hatten Ende 2015 knapp 18 Millionen Angestellte – und damit mehr als die Hälfte aller regulär Beschäftigten – Ansprüche auf eine bAV-Rente.

Verbreitung der betrieblichen Altersvorsorge (bAV) im Zeitverlauf

 200120112015
sozialversicherungspflichtig Beschäftigte28 Mio.29 Mio.31,1 Mio.
davon mit bAV13,6 Mio.17,1 Mio.17,7 Mio.
Anteil48,7 %58,7 %57 %
bAV-Ansprüche insgesamt14,6 Mio.19,5 Mio.20,4 Mio.
bAV-Ansprüche pro Beschäftigtem11,071,141,15

1 Insgesamt gibt es mehr bAV-Ansprüche – im Fachjargon Anwartschaften – als Beschäftigte. Manche Mitarbeiter haben also gleich mehrere bAV-Verträge. 2015 waren es im Schnitt 1,15. 
Quelle: Forschungsbericht 475 des Bundesarbeitsministeriums (Stand: 30. November 2016)

Wann ist die betriebliche Altersvorsorge eine gute Sache?

Bei der Altersvorsorge nicht allein auf die gesetzliche Rente zu bauen, ist gut und sinnvoll. Das heißt aber nicht, dass die bAV immer und für jeden die beste Zusatzvorsorge ist. Alternativ kommen für Angestellte beispielsweise staatlich gefördertes Riester-Sparen oder eine flexible private Vorsorge infrage. Eine Übersicht über alle Möglichkeiten halten wir im Ratgeber Altersvorsorge bereit. 

Ob sich Vorsorge im Betrieb lohnt, hängt am Ende davon ab, was der Chef genau anbietet und zu welchen Konditionen – und vor allem, wie stark der Arbeitgeber sich an der Finanzierung der Beiträge beteiligt. Auch die beruflichen Pläne des Arbeitnehmers spielen eine große Rolle. 

Wenn Sie heute über eine bAV nachdenken, finden Sie sich häufig in einer dieser Situationen wieder: 

  1. Der Arbeitgeber finanziert Ihre bAV allein
    In den frühen Tagen der betrieblichen Altersvorsorge stand dabei meist die Fürsorge für die Arbeitnehmer im Vordergrund, heute wollen Unternehmen vor allem die Mitarbeiter an sich binden. In jedem Fall gilt: Zahlt der Arbeitgeber für die Betriebsrente, können sich Mitarbeiter über diese zusätzliche Vergütung freuen und sollten sie mitnehmen. Dazu lesen Sie weiter unten mehr.
  2. Sie stecken Gehalt in eine günstige Rentenversicherung und bekommen Unterstützung vom Chef
    Seit 2002 haben Arbeitnehmer einen Anspruch darauf, Teile ihres Bruttolohns in einen bAV-Vertrag einzuzahlen (sogenannte Entgeltumwandlung). Der Arbeitgeber muss auf Nachfrage einen solchen Vertrag anbieten. In der Regel gibt der Chef die Verantwortung für die Vermögensanlage an ein Versicherungsunternehmen ab. 

    Lange Zeit lohnte sich eine rein arbeitnehmerfinanzierte bAV wegen der Sozialabgaben und Steuern auf die spätere Rente nur dann, wenn der Arbeitnehmer sehr alt wurde. Der Gesetzgeber hat an der Stelle 2018 nachjustiert. Bei neuen Verträgen müssen Arbeitgeber seit 2019 15 Prozent Zuschuss auf die Beiträge der Mitarbeiter geben. Ab 2022 müssen Arbeitgeber auch bereits bestehende Verträge bezuschussen. 

    Die Entgeltumwandlung lohnt nun also schon eher – wobei Mitarbeiter immer mit dem Chef über mehr Zuschuss verhandeln können. Mehr dazu lesen Sie weiter unten.
  3. Sie wechseln oft den Arbeitsplatz
    Wer bereits bei Antritt seiner neuen Stelle weiß, dass er diese höchstens ein paar Jahre ausfüllen will, sollte sich gut überlegen, Bruttogehalt in eine Lebensversicherung zu stecken. Es ist zum Beispiel nicht gesagt, ob der neue Chef den alten bAV-Vertrag übernimmt. Darüber hinaus gibt es weitere Hürden. Weiter unten erläutern wir diese genauer.

Attraktiv für Mitarbeiter mit geringem Verdienst 

Eine betriebliche Altersvorsorge ist darüber hinaus immer eine gute Idee für alle, die im Alter mit wenig gesetzlicher Rente rechnen. Ein großer Nachteil der Betriebsrente war lange Zeit, dass eine spätere Rente auf die Grundsicherung angerechnet wurde. Wer also im Alter auf staatliche Unterstützung angewiesen war, hatte umsonst angespart. 

Seit 2018 hat sich das geändert: Seither können Sparer mindestens 100 und maximal 200 Euro ihrer Betriebs- und Riesterrente behalten. Genauer: Von Renten, die 100 Euro übersteigen, können Sparer 30 Prozent behalten und insgesamt nicht mehr als 200 Euro. Wer also mit einer geringen Rente rechnet, kann über die bAV zusätzlich vorsorgen. 

Wann sollten Sie die Betriebsrente auf jeden Fall abschließen?

Nimmt der Chef Firmengeld für die Rente seiner Mitarbeiter in die Hand, brauchen Sie gar nicht lang zu überlegen. Sie sollten das bAV-Geschenk auf jeden Fall mitnehmen. Zwar ist auf die spätere Rente Einkommensteuer fällig und für gesetzlich Krankenversicherte der volle Beitrag auf Kranken- und Pflegeversicherung. Dennoch lohnt die Sache, denn Sie erhalten später eine Betriebsrente, ohne jemals dafür eingezahlt zu haben.

Was genau der Arbeitgeber verspricht, kann sich von Firma zu Firma unterscheiden. In der Vergangenheit war es üblich, dass der Chef der Belegschaft eine konkrete Rentenhöhe zusagte, zum Beispiel 10 Euro monatliche Rente für jedes Jahr Betriebszugehörigkeit. Heute versprechen Arbeitgeber eher eine bestimmte Höhe an Beiträgen auf ein Vorsorgekonto einzubezahlen, das mit einem garantierten Satz verzinst wird. Manche verpflichten sich auch nur, die Beiträge mindestens zu erhalten.

Seit 2018 haben Arbeitgeber, die einem Arbeitgeberverband angehören, zusätzlich die Möglichkeit, imTarifvertrag nur noch Beiträge – ohne Garantien – zuzusagen. Im Abschnitt zu den sogenannten Durchführungswegen der bAV weiter unten lesen Sie mehr darüber, wie es zu den unterschiedlichen Zusagen kommt – und warum Arbeitgeber diese immer mehr abspecken.

Tipp: Wer eine bAV-Zusage vom Arbeitgeber erhalten hat, kann sich das angesparte Guthaben zu Rentenbeginn in manchen Fällen auch auf einmal auszahlen lassen.

Drei Jahre im Unternehmen sind Pflicht

Einen kleinen Haken hat die vom Chef finanzierte Rente: Sie bekommen sie nur dann, wenn Sie dem Unternehmen gegenüber eine gewisse Loyalität bewiesen haben. Noch bis Ende 2017 musste ein Mitarbeiter mindestens fünf Jahre im Unternehmen gearbeitet haben und beim Ausscheiden aus der Firma mindestens 25 Jahre alt sein, damit er später wirklich eine Betriebsrente bekam.

Dank des Gesetzes, das die EU-Mobilitätsrichtlinie umsetzt, sind die Hürden seit 1. Januar 2018 geringer: Seither ist der Anspruch auf Betriebsrente für Mitarbeiter bereits dann unverfallbar, wenn sie mindestens drei Jahre im Unternehmen waren und beim Wechsel des Arbeitgebers 21 Jahre alt sind. 

Bei Insolvenz des Arbeitgebers ist die Betriebsrente abgesichert

35 oder mehr Jahre bis zur Rente sind eine lange Zeit, in der sich in Unternehmen viel verändern kann. Auch eine Insolvenz ist da nicht ausgeschlossen. Doch selbst in einem solchen Fall müssen Sie nicht um Ihre Rentenzusagen fürchten. Denn das Geld ist über den sogenannten Pensionssicherungsverein (PSV) abgesichert.

In der Praxis würde die Auffangeinrichtung PSV die Rentenzahlung übernehmen, die Ihnen aus Ihren bisherigen Jahren im Betrieb zustehen. Der PSV finanziert sich durch Beiträge aller Unternehmen, die Rentenzusagen an die Belegschaft gemacht haben.  

Wann sollten Sie mit dem Chef über die Betriebsrente verhandeln?

Viele Chefs in Deutschland verzichten auf die klassische arbeitgeberfinanzierte Altersversorgung ihrer Belegschaft. Vereinfacht dargestellt ist ihnen das Risiko zu groß, heutige Rentenversprechen Jahrzehnte später auch einhalten zu können. Als Mitarbeiter können Sie dann überlegen, ob Sie selbst tätig werden wollen.

Praktisch können Sie Teile Ihres Bruttogehalts in einen geförderten bAV-Vertrag einzahlen – oft eine spezielle Lebens- oder Rentenversicherung. Diese Finanzierungsform nennt sich Entgeltumwandlung, weil Sie als Arbeitnehmer aus dem Bruttogehalt sparen und mit diesen Beiträgen eine Rente aufbauen. Arbeitgeber machen sie Mitarbeitern häufig mit zwei Argumenten schmackhaft:

  1. Mitarbeiter sparen Steuern und Sozialabgaben
    Die Beiträge zum bAV-Vertrag gehen vom Bruttogehalt ab. Nur auf das verbleibende Gehalt fallen Steuern und Beiträge zur Sozialversicherung (Kranken-, Pflege, Renten- und Arbeitslosenversicherung) an. Unter dem Strich bekommt der Arbeitnehmer also etwas weniger Nettogehalt ausgezahlt als vor der Entgeltumwandlung, hat aber gleichzeitig schon einen deutlich höheren Beitrag für seine Altersvorsorge geleistet.
  2. Mitarbeiter profitieren von Gruppenrabatten
    In dem Fall, dass der Arbeitgeber mit einem Versicherer zusammenarbeitet, kann er möglicherweise günstigere Konditionen aushandeln, wenn er für die gesamte Belegschaft Verträge abnimmt. Angestellte können dann auf höhere Rentenzusagen hoffen, als die, die sie bekämen, wenn sie den Vertrag privat abgeschlossen hätten.

Seit 2019 gilt zudem: Für Verträge, die neu geschlossen werden, muss der Arbeitgeber 15 Prozent des Beitrags bezuschussen. Für bereits bestehende Verträge gilt dieser Zuschuss ab 2022. Der verpflichtende Zuschuss ist gut – besser ist es aber, Sie würden noch mehr Zuschuss verhandeln. Grundsätzlich gilt: Die Entgeltumwandlung lohnt sich umso mehr, je günstiger der Versicherungsvertrag ist, den der Chef als bAV vermittelt, je besser also die Verzinsung nach Kosten und je mehr der Chef noch obendrauf gibt.

Wie die Entgeltumwandlung genau funktioniert 

Die Grundformel bei der Entgeltumwandlung lautet: Beiträge in einen bAV-Vertrag werden von Steuern und Sozialabgaben befreit. Die spätere Rente belastet dagegen ab einer gewissen Höhe (155,75 Euro im Jahr 2019) bestimmte Abzüge. Damit sich die Entgeltumwandlung lohnt, muss die heutige Ersparnis die künftigen Abgabenlasten überwiegen. Dies gelingt in der Regel, wenn der Vertrag sich nach Kosten noch ordentlich verzinst (mit 2 Prozent oder mehr pro Jahr) und der Arbeitgeber die Beiträge der Mitarbeiter bezuschusst. 

Ersparnis: Von Sozialabgaben befreit sind Einzahlungen nur bis zu 4 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze der gesetzlichen Rentenversicherung (GRV). 2019 sind das 268 Euro im Monat. Mit der Bemessungsgrenze steigen sie jedes Jahr ein wenig an. Seit 2018 ist neu, dass Sie bis zu 8 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze der GRV steuerfrei in einen bAV-Vertrag einzahlen können. 2019 sind das bis zu 536 Euro pro Monat. 

So viel bAV-Beitrag ist frei von Sozialabgaben

Jahr201720182019
Beitragsbemessungsrenze gesetzliche
Rentenversicherung / Monat
6.350 €6.500 €6.700 €

davon 4 % als höchstens geförderter Beitrag

aus Entgeltumwandlung

254 €260 €268 €

Quelle: Deutsche Rentenversicherung (Stand: 29. Januar 2019)

Angenommen, ein lediger Mitarbeiter bekommt 3.150 Euro brutto im Monat. Davon zahlt er nicht den maximal möglichen Beitrag in einen bAV-Vertrag ein, sondern gut 180 Euro, die seinen Bruttolohn mindern. Er spart dadurch gut 80 Euro an Steuern und Sozialabgaben – und wendet netto nur 100 Euro für die Altersvorsorge auf.

So viel spart ein Durchschnittsverdiener durch Entgeltumwandlung  (EU)

 ohne EUmit EUAufwandErsparnis
Monatsbrutto3.150 €2.966 €184 € 
darauf anfallende Sozialabgaben1624 €588 € 

36 €

Einkommensteuer2458 €410 € 

48 €

Monatsnetto32.068 €1.968 €100 €

84 €

Dazu zählen die Beiträge zur Renten- und Arbeitslosenversicherung sowie Kranken- und Pflegeversicherung. Als Zusatzbeitrag für die Krankenversicherung nehmen wir den bundesweiten Durchschnitt von 0,9 % an. Insgesamt gehen knapp 19,8 % des Bruttolohns an Sozialabgaben ab.
2 Einkommensteuer inklusive Solidaritätszuschlag. Kirchensteuer ist nicht berücksichtigt.
3 Wir nehmen an, dass sich die Beiträge an die gesetzliche Rentenversicherung zu 100 % von der Steuer absetzen lassen, anstatt zu 78 % in 2019. Damit unterschätzen wir das Nettoeinkommen und die Ersparnis geringfügig. 
Quelle: Finanztip-Berechnung (Stand: 6. Juni 2019)

Belastung: Angenommen nun, der Mitarbeiter hat 30 Jahre lang 100 Euro netto eingezahlt und geht dann in den Ruhestand. Zwei Lasten kommen dann auf ihn zu: Auf die monatliche Betriebsrente zahlt er neben der Einkommensteuer jetzt den vollen Beitrag zur gesetzlichen Krankenkasse – also den Arbeitnehmer- und den Arbeitgeberanteil inklusive den Zusatzbeitrag. 2019 waren das im Bundesdurchschnitt insgesamt 15,4 Prozent.

Daneben muss der bAV-Sparer auf etwas gesetzliche Rente verzichten. Denn seine Beiträge in den bAV-Vertrag haben während seiner Berufstätigkeit sein Bruttogehalt gemindert – und somit auch die Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung.

Beispielrechnungen: Wann sich die bAV lohnt

Im Basisfall nehmen wir an, dass zu den 184 Euro Mitarbeiterbeitrag die obligatorischen 15 Prozent Arbeitgeberzuschuss kommen. Insgesamt fließen dann monatlich knapp 210 Euro in den bAV-Vertrag. Allerdings nehmen wir auch an, dass sich die Beiträge nicht verzinsen, da der Vertrag teuer ist. 

In dem Fall zahlt der Durchschnittsverdiener über 30 Jahre jeden Monat netto 100 Euro in den Vertrag und bekommt 102 Euro garantierte monatliche Nettorente heraus. Er müsste nach Renteneintritt mit 67 noch rund 29 Jahre leben, also 96 Jahre alt werden, damit er sein Geld wiederbekommt. Das lohnt nur, wenn Mitarbeiter sehr alt werden. 

So viel Rente bringt der Arbeitgeberzuschuss zur bAV1

   Basisfall2 % Verzinsung
Monatsbrutto23.150 €Rentenbrutto2959 €959 €
Beitrag zur bAV184 €Rente bAV3213 €292 €
Ersparnis Einkommensteuer47 €darauf Einkommensteuer29 €42 €
Ersparnis Sozialabgaben36 €darauf Sozialabgaben40 €54 €
  Nettominderung gesetzliche Rente442 €42 €
Nettobeitrag zur bAV100 €Nettorente bAV102 €154 €
  Einzahlungen zurück in29 Jahren19
Jahren

1 Ein Single hat 30 Jahre durchschnittlich verdient und 100 € monatliches Entgelt in einen bAV-Beitrag umgewandelt. Vereinfachend sagen wir, dass Löhne und bAV-Beiträge konstant sind. Er bezieht 15 % Zuschuss vom Arbeitgeber auf seinen Beitrag. Insgesamt fließen 210 € monatlich in den Vertrag.
Monatsbrutto und Rentenbrutto sind nötig, um die Einkommensteuerlast zu berechnen. Nach 30 Jahren hat der Single 30 Rentenpunkte gesammelt. Daraus ergibt sich eine gesetzliche Bruttorente von knapp 960 €. 
3 Wir unterstellen einen garantierten Rentenfaktor von 28. Das bedeutet: Für 10.000 € angespartes Kapital sind 28 € monatliche Bruttorente garantiert.  
4 Im Beispiel verliert der Durchschnittsverdiener durch die Entgeltumwandlung (184 € von 3.150 €) pro Jahr 1/17 Rentenpunkt. Über 30 Jahre macht das rund 1,8 Rentenpunkte.
Quelle: Finanztip-Berechnung (Stand: 6. Juni 2019)

Besser sieht es aus, wenn die Beiträge in einen kosteneffizienten Vertrag fließen. Angenommen also, die bAV-Beiträge verzinsen sich mit 2 Prozent pro Jahr über 30 Jahre. Statt 102 Euro kann der Arbeitnehmer sich jetzt über eine garantierte Nettorente von 154 Euro pro Monat freuen. Damit er sein eingezahltes Geld wiederbekommt, müsste er 19 Jahre Rente beziehen – also 86 Jahre alt werden. Fazit: Das lohnt schon eher. 

Den Arbeitgeber stärker ins Boot holen

Die Beispiele oben zeigen: Mit einem guten Vertrag und dem gesetzlich vorgegebenen Arbeitgeberzuschuss, lohnt sich die bAV so einigermaßen. Wer jedoch schon eher profitieren will, kann versuchen, den Chef zu überzeugen, noch mehr beizutragen.
 
Mindestens 20 Prozent Zuschuss sollten eigentlich drin sein. Denn nicht nur Sie sparen, wenn Sie Teile Ihres Bruttogehalts in einen bAV-Vertrag stecken. Auch Ihr Arbeitgeber kann für jeden umgewandelten Euro knapp 20 Cent an Sozialabgaben sparen, die er ansonsten für Sie abführen müsste.

Im Falle eines Durchschnittsverdieners, der monatlich gut 180 Euro seines Gehalts umwandelt, spart der Arbeitgeber zum Beispiel 36 Euro. Verpflichtend zuschießen muss er Ihnen allerdings nur 28 Euro (15 Prozent von 184 Euro).

Eingesparte Sozialbeiträge: Arbeitnehmer (AN) und Arbeitgeber (AG)

 Ausgangsfallnach UmwandlungErsparnis ANErsparnis AG
Monatsbrutto3.150 €2.966 €  
darauf anfallende Kranken- und Pflegeversicherung292 €275 €17 €17 €
darauf anfallenden Renten- und Arbeitslosenversicherung332 €313 €19 €19 €
   36 €36 €

Quelle: Finanztip-Berechnung (Stand: 6. Juni 2019)

Fragen Sie Ihren Arbeitgeber also in jedem Fall, ob er die zusätzlich eingesparten Sozialabgaben (in unserem Beispiel 36 – 28 = 8 Euro) auch noch in den Vertrag einzahlt oder vielleicht sogar noch etwas mehr dazugibt. Dieser zusätzliche Zuschuss kann die Steuer- und Abgaben-Belastung der Betriebsrente im Rentenalter dann nochmal etwas besser ausgleichen. Sie bekämen die eingezahlten Nettobeiträge früher wieder als Rente heraus. 

Betriebliche Vorsorge statt Gehaltserhöhung 

Kommen Sie bei einer Gehaltsverhandlung nicht weiter, können Sie die Entgeltumwandlung ins Spiel bringen. Fragen Sie Ihren Chef, ob er Ihnen statt mehr regulärem Bruttogehalt seinen Beitrag zur bAV erhöht. In dem Fall spart er sich für jeden Euro Zuschuss die 20 Prozent Lohnnebenkosten. 

Sonderfall: Wenn Sie sehr viel verdienen oder nur wenig einzahlen 

Für Sparer, die 2019 monatlich zwischen 4.537 und 6.700 Euro verdienen, ist die Entgeltumwandlung nachteilig. Zum einen geht für ihre bAV-Beiträge die Ersparnis bei den Sozialabgaben zum Teil verloren, denn ihr Gehalt liegt über der Beitragsbemessungsgrenze der Krankenversicherung (4.537,50 Euro). Damit zahlen sie in jedem Fall den Höchstbeitrag für die Kranken- und Pflegeversicherung. 

Andererseits mindern ihre Einzahlungen trotzdem die Ansprüche aus der gesetzlichen Rentenversicherung. Denn hier ist der Höchstbeitrag erst bei einem Verdienst von 6.700 Euro im Monat erreicht. Der Steuervorteil allein kann dieses Missverhältnis nicht ausgleichen. Insgesamt verschlechtert sich das Verhältnis zwischen Nettobeitrag und Nettorente erheblich. Ein detailliertes Beispiel dazu finden Sie im Ratgeber zur Entgeltumwandlung.

Umgekehrt profitiert, wer über die Jahre wenig eingezahlt hat und Betriebsrenten von weniger als gut 155 Euro bezieht. Bis zu dieser Grenze sind sie (im Jahr 2019) frei von Sozialabgaben. Diese Freigrenze steigt Jahr für Jahr ein wenig an. 

Bei Insolvenz des Arbeitgebers läuft der Vertrag weiter

Auch im Falle der (bezuschussten) Entgeltumwandlung kann es passieren, dass Ihre Firma in die Insolvenz rutscht. Doch selbst in einem solchen Fall sind Ihre Ansprüche auf eine betriebliche Rente nicht verloren.

Je nachdem, wo hinein genau die Beiträge geflossen sind, zahlt die spätere Rente entweder der Lebensversicherer oder der Pensionssicherungsverein (PSV) aus. Näheres dazu lesen Sie weiter unten im Abschnitt zu den einzelnen sogenannten Durchführungswegen in der bAV.

Was tun bei häufigem Jobwechsel?

Falls Sie heute schon ahnen, dass Sie künftig noch häufiger den Job wechseln, vielleicht sogar einen Teil Ihres Erwerbslebens als Selbstständiger tätig sind, dann müssen Sie genau überlegen, ob eine Entgeltumwandlung infrage kommt. Die geltenden Regelungen, die den Arbeitgeberwechsel betreffen, sind nicht besonders praxistauglich.

Positiv ist: Jeder aus dem Gehalt umgewandelte Euro, der in die bAV fließt, zählt für die spätere Rente. Es ist nicht entscheidend, wie lange der Mitarbeiter im Unternehmen bleibt.

Wer in eine Lebensversicherung (Direktversicherung) einzahlt, kann diese zum neuen Arbeitgeber mitnehmen, sofern dieser einverstanden ist. Viele Arbeitgeber wollen allerdings nicht Verträge unterschiedlicher Anbieter verwalten und lehnen es daher ab, den alten bAV-Vertrag zu übernehmen. Arbeitnehmer haben dann die Wahl, den alten Vertrag ruhen zu lassen oder mit einem Mindestbeitrag privat weiter in den Vertrag einzuzahlen – dann allerdings ganz regulär aus dem Nettogehalt.

Alternativ können Arbeitnehmer das bereits angesparte Guthaben auf einen neuen Vertrag, den der neue Chef anbietet, übertragen. Dies ist aber oft ein Verlustgeschäft. Erstens können Übertragungskosten anfallen. Zweitens können die Konditionen, insbesondere die Garantieverzinsung des neuen Vertrags, schlechter sein als vorher. Arbeitnehmer müssen außerdem auf die Fristen achten, um den Vertrag zu wechseln.

Wenn es ungünstig ausgeht, hat ein Arbeitnehmer am Ende seiner beruflichen Laufbahn viele Einzelverträge, in denen er jeweils geringe Summen angespart hat.

Tipp: Sofern Sie lediglich kurz im Unternehmen bleiben und nur geringe Rentenansprüche aufgebaut haben (gut 30 Euro im Monat im Jahr 2019), können Sie sich selbst angesparte Beiträge und – je nach Vereinbarung – auch die des Chefs im Rahmen einer einmaligen Abfindung auszahlen lassen. Informieren Sie sich, wie hoch der Abschlag bei der Abfindung ausfallen würde.

Alternative Riester oder flexibles Sparen

Können Sie bereits absehen, dass Sie häufiger den Job wechseln, dann sollten Sie gut überlegen, ob Sie Teile Ihres Bruttogehalts in eine bAV stecken wollen. Eine klassische Kapitallebensversicherung als Direktversicherung bietet heute nur noch minimale Garantien und lohnt als bAV nur, wenn die Kosten gering sind oder der Arbeitgeber kräftig zuschießt.

Als Alternativen kommt eine Riester-Rente oder privates flexibles Sparen infrage, zum Beispiel mit einem ETF-Sparplan. Eine Übersicht über alle möglichen Vorsorgeformen finden Sie im Ratgeber Altersvorsorge.

Fünf Wege, wie Arbeitgeber die bAV umsetzen können

Wenn es darum geht, die betriebliche Altersvorsorge im Betrieb umzusetzen, fallen häufig die Begriffe Direktversicherung, Pensionsfonds oder Pensionskasse. Dabei handelt es sich um sogenannte Durchführungswege der betrieblichen Altersversorgung. Wer als Chef betrieblich für seine Mitarbeiter vorsorgen möchte, hat fünf – mit dem neuen Betriebsrentengesetz seit 2018 sogar sechs – Möglichkeiten, die Altersversorgung/Altersvorsorge im Unternehmen zu organisieren. Die klassischen Wege sind:

  1. Direktzusage
  2. Unterstützungskasse
  3. Pensionsfonds
  4. Direktversicherung
  5. Pensionskasse

Weiter oben haben wir zwischen der klassisch arbeitgeberfinanzierten betrieblichen Altersversorgung und der – möglicherweise vom Chef bezuschussten – arbeitnehmerfinanzierten bAV unterschieden. Je nachdem, welche Variante Ihr Unternehmen anbietet, ist der eine oder andere Durchführungsweg wahrscheinlicher.

Die folgende Tabelle zeigt, wie bAV-Ansprüche aus direkten Zusagen des Arbeitgebers seit 2013 zurückgegangen sind, zugunsten alternativer Versorgungswege.

Verteilung der bAV-Anwartschaften auf die Durchführungswege

Jahr2001201120132015
Direktzusagen / Unterstützungskassen3,864,64,754,71
Direkversicherungen4,214,774,925,12
Pensionskassen1,394,634,794,77
Pensionsfonds--0,380,40,44
Zusatzversorgung öffentlicher Dienst5,115,235,285,37
gesamt14,5619,520,1520,4

Zahlenangaben in Millionen
Quelle: Bundesarbeitsministerium (Stand: November 2016)

Direktzusage und Unterstützungskasse

Klassisch arbeitgeberfinanziert sind in aller Regel die Durchführungswege Direktzusage und Unterstützungskasse. Das bedeutet, dass der Chef Firmengeld in die Hand nimmt und es für die Belegschaft investiert oder investieren lässt.

Direktzusage - In diesem Fall kümmert sich der Chef selbst um die Anlage des Geldes. Er kann es zum Beispiel in unternehmensinterne Projekte stecken, von denen er sich eine gute Rendite verspricht. Mancher Arbeitgeber zahlt einen Teil der Beiträge auch in eine sogenannte Rückdeckungsversicherung – eine Art Lebensversicherung – ein und sichert sich einen Teil der angestrebten Rendite. Mehr dazu lesen Sie im Ratgeber Direktzusage.

Unterstützungskasse - Alternativ fließen die Beiträge des Arbeitgebers an eine rechtlich selbstständige Einrichtung, die Unterstützungskasse. Sie verwaltet das Geld im Sinne des Arbeitgebers und hat die Aufgabe, es möglichst gewinnbringend anzulegen. Unterstützungskassen können die bAV-Beiträge vergleichsweise frei beispielsweise in Wertpapiere oder Immobilien anlegen.

Denkbar ist auch, dass die Unterstützungskasse die Hausbank des Unternehmens wird – sie also die Firmenbeiträge als Darlehen ins Unternehmen zurückführt.

Weil die Beiträge oft in die Firma reinvestiert werden und der Arbeitgeber über die Anlage mitentscheidet, gelten die Direktzusage und die Unterstützungskasse auch als interne Durchführungswege.

Leistungszusage versus Beitragszusage - Charakteristisch für die Durchführungswege ist, dass der Arbeitgeber konkrete Zusagen an eine spätere Rentenhöhe macht. Er kann beispielsweise für jedes Jahr Betriebszugehörigkeit 10 Euro Rente versprechen oder einen bestimmten Prozentsatz des letzten Gehalts vor der Rente.

Solche sogenannten Leistungszusagen waren in den vergangenen Jahrzehnten bei vielen großen und mittleren Unternehmen die Regel. Viele haben hohe Forderungen in ihren Bilanzen stehen und müssen dafür wegen der niedrigen Zinsen immer mehr Sicherheitspuffer einkalkulieren. Das kostet Wettbewerbsfähigkeit.

Statt einer Zusage über die spätere Rentenhöhe sichern Firmen ihren Angestellten heute daher oft nur noch bestimmte Beiträge mit einer Mindestverzinsung zu. Möglich ist es zum Beispiel, dass Firmen die Höhe ihrer Beiträge abhängig vom Unternehmensgewinn machen und versprechen, mindestens den Garantiezins der Lebensversicherer – 2017 liegt er bei 0,9 Prozent – zu erwirtschaften.

Alternative Pensionsfonds

Wieder andere Unternehmen geben die Verantwortung, Beiträge zur bAV gewinnbringend anzulegen, lieber an eine externe Einrichtung ab – an den sogenannten Pensionsfonds. Das hat für die Firmen gleich mehrere Vorteile: 

  • Sie müssen sich keine Gedanken mehr über die konkrete Geldanlage machen und die Beiträge auch nicht mehr selbst verwalten.
  • Sie müssen keine extra Sicherheitspuffer in der Bilanz mehr vorhalten, büßen also weniger an Wettbewerbsfähigkeit ein.
  • Sie sparen im Vergleich zur Direktzusage auch am Beitrag an den Pensionssicherungsverein.
  • Sie müssen keine konkrete Verzinsung der Beiträge mehr garantieren, sondern lediglich den Beitragserhalt. Man spricht auch von Beitragszusage mit Mindestleistung.

Pensionsfonds sind in ihrer Anlage relativ frei. Manche legen recht konservativ einen größeren Anteil des Geldes in Anleihefonds an. Manche orientieren sich bei der Anlage danach, wie lange eine Mitarbeiterkohorte noch im Unternehmen arbeitet. Anfangs ist der größere Teil des Guthabens in Aktienfonds investiert. Vor der Rente wird das Guthaben dann in sichere Anlagen umgeschichtet.

Egal, ob Leistungszusagen oder Beitragszusagen: Wenn der Chef Ihre bAV finanziert, sollten Sie mitmachen. Die Betriebsrente lohnt sich immer – und kommt quasi gratis mit. Der Chef haftet zu jeder Zeit für die gemachten Zusagen. Sollte er in Zahlungsschwierigkeiten geraten, übernimmt die Rentenzahlungen im schlimmsten Fall der Pensionssicherungsverein als Auffanggesellschaft.

Direktversicherung und Pensionskasse

Im Gegensatz zu Direktzusage, Unterstützungskasse und Pensionsfonds sind die Durchführungswege der Direktversicherung und der Pensionskasse häufig (zunächst) arbeitnehmerfinanziert. Sie gehören zu den externen Durchführungswegen und sind für den Arbeitgeber deutlich pflegeleichter als direkte Zusagen.

Große Lebensversicherer am Zug: Vereinfacht gesagt stecken hinter den Durchführungswegen Direktversicherung und Pensionskasse oft große Lebensversicherer, die sich um Anlage und Verwaltung der bAV-Beiträge kümmern. Oft bieten sie günstigere Tarife für die komplette Belegschaft an. Arbeitnehmer können einen Teil ihres Bruttogehalts in diese „bAV-Lebensversicherung“ einzahlen (Entgeltumwandlung). Auf ihre Beiträge nach Kosten erhalten sie dann in der Regel eine garantierte Verzinsung.

Direktversicherung - Darauf greifen häufig Firmen zurück, die keinem Tarifvertrag angehören. Sie suchen sich, in der Regel mit Hilfe eines Beraters, einen großen Versicherer aus und nehmen eine bestimmte Anzahl Verträge für die Belegschaft ab. Bekannte Direktversicherer sind beispielsweise die Allianz, Ergo, Gothaer, Europa oder Swisslife.

Pensionskasse - Darauf greifen gern tarifgebundene Unternehmen zurück. Es gibt Pensionskassen, die sich traditionell an bestimmte Branchen oder Berufsgruppen wenden, zum Beispiel an die Bauwirtschaft, die Finanzwirtschaft, an genossenschaftlich orientierte Unternehmen oder Kirchenmitarbeiter.

Neue Pensionskassen von privaten Lebensversicherern kamen im Lauf der Jahre hinzu. Bekannt ist etwa die Metallrente, hinter der ein Konsortium der Allianz, Ergo, R+V und Swisslife steckt. Idealerweise sind die Konditionen für eine Lebensversicherung im Mantel der Pensionskasse etwas besser als für die Direktversicherung. Die Kasse kann auf einen größeren Abnehmerkreis hoffen und echte Gruppentarife anbieten.

Vorteil Tarifvertrag: Im Bereich der Pensionskassen kommt es häufiger einmal vor, dass auch der Arbeitgeber etwas zum Beitrag zuschießt. Die Zulagen sind dann im Tarifvertrag festgelegt. Wer in einer Firma arbeitet, die keinem Tarifvertrag folgt, muss auf die Kulanz des Arbeitgebers hoffen. Auch dann kann der Chef von sich aus Geld zur Direktversicherung dazugeben – muss es aber nicht. Wie oben beschrieben, lohnt es in diesem Fall für Arbeitnehmer, das Gespräch mit dem Chef zu suchen.

Der Chef haftet: Auch für die Garantieversprechen der Lebensversicherer haftet bei einer betrieblichen Altersversorgung am Ende der Chef. Das heißt: Wenn der Versicherer oder die Pensionskasse die Renten nicht in der garantierten Höhe ausbezahlen kann, muss der Arbeitgeber Geld aus dem Firmenvermögen nachschießen. 

Die Erstattung muss der Arbeitnehmer aber gegebenenfalls einklagen. Im Mai 2018 wurde bekannt, dass mehr als 40 Pensionskassen in finanziellen Schwierigkeiten stecken. Bei 29 davon genehmigte die Aufsicht Bafin künftig Rentenkürzungen.

Sollte der Arbeitgeber zahlungsunfähig werden, übernimmt die Zahlungen in diesem Fall nicht der Pensionssicherungsverein. Die Renten kommen dann weiterhin vom Lebensversicherer, der seinerseits über die Auffanggesellschaft Protektor abgesichert ist.

Eine neue Möglichkeit: Reine Beitragszusage mit Zielrente

Das Betriebsrentenstärkungsgessetz, das ab 2018 gilt, hat das Ziel, betriebliche Altersversorgung in kleinen Unternehmen stärker zu verbreiten und für Geringverdiener attraktiver zu machen. Zu den Geringverdienern zählen Arbeitnehmer, die nicht viel mehr als 2.000 Euro brutto im Monat verdienen.  

Unter anderem besteht künftig die Möglichkeit, dass sich Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbände darauf verständigen, Beschäftigten nur noch bestimmte bAV-Beiträge zuzusichern, aber nicht mehr eine konkrete Rentenhöhe. Fachleute sprechen von einer reinen Beitragszusage mit sogenannter Zielrente.

Für den Arbeitgeber bedeutet das zuerst einmal Entlastung, denn sollte diese Zielrente nicht erreicht werden, muss er für keine Rentengarantie mehr einstehen. Er ist also im Vergleich zu den traditionellen Durchführungswegen in der bAV „enthaftet“. Das soll, so die Hoffnung, mehr tarifgebundene Betriebe als bislang dazu bringen, eine bAV anzubieten und auch mitzufinanzieren. Davon würden dann auch Arbeitnehmer profitieren.

Gibt es künftig weniger Betriebsrente?

Das ist nicht gesagt. Weil Arbeitgeber keine Garantien mehr bereithalten müssen, sind sie in der Anlage der Beiträge deutlich flexibler. Die Idee ist außerdem, dass möglichst viele tarifgebundene Unternehmen möglichst lange in einen großen Topf einzahlen. Neu geschaffene Einrichtungen sollen das Vermögen verwalten und möglichst breit über Anlageklassen, Länder und Branchen streuen. Dies soll Schwankungen am Kapitalmarkt ausgleichen.

Bislang (Stand: Juni 2019) haben sich die Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbände noch in keiner Branche auf eine garantielose Zielrente in der betrieblichen Altersversorgung geeinigt und eine entsprechende Regelung in den Tarifvertrag aufgenommen. Die Zielrente existiert also weiterhin nur in der Theorie.

Autor
Sara Zinnecker

Stand: 13. Juni 2019


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