Ausschüttender oder thesaurierender ETF in der Entnahmephase?

  • Bei meiner Recherche zu Entnahmestrategien bin ich auf den interessanten Beitrag Ausschüttender oder thesaurierender ETF in der Entnahmephase? gestossen.

    Ein ehemaliges Forumsmitglied hatte sich ja mehrfach sehr detailliert über die Unterschiede von ausschüttenden zu thesaurierenden ETFs in Bezug auf die steuerlichen Auswirkungen geäussert, bspw. hier:

    In dem oben verlinkten Artikel wird das Thema ausführlich für die Entnahmephase behandelt und kommt zu folgendem Fazit:

    Zitat

    Bei gleicher Netto-Entnahme macht die Wahl zwischen Thesaurierer und Ausschütter einen messbaren, aber überschaubaren Unterschied aus – dessen Vorzeichen am Basiszins hängt. Langfristig sollte sich der Basiszins aber sowohl über als auch unter dem Kipp-Punkt von 1,8% bewegen und somit hat die Wahl zwischen ausschüttendem oder thesaurierendem Fonds keinen signifikanten Einfluss auf den langfristigen Erfolg einer Entnahmestrategie. Es ist letztlich ein Timing-Effekt und abhängig von Basiszins, Renditeniveau, Renditereihenfolge, Entnahmehöhe und keine Entscheidung zwischen richtig oder falsch.

    Man könnte überspitzt also auch sagen, es ist EGAL :S

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  • Ich bin Team 'Thesaurierer' weil ich allein mit Ausschüttungen eh niemals meinen geplanten Finanzbedarf im Unruhestand werde decken können.
    Ich muss also später im Unruhestand ohnehin regelmäßig ETF-Anteile verkaufen um mein Leben zu finanzieren. Daher setzte ich gleich komplett auf thesaurierende ETF.

    PS: Es würde bei mir wohl auch 'keine positiven Gefühle' erzeugen, wenn ich regelmäßig Ausschüttungen aus meinen ETF erhalten würde.
    Ich empfinde zumindest nichts bei den monatlichen Zinszahlungen meines Tagesgelds oder gar den täglichen Zinsgutschriften meiner P2P-Kredite. Wäre dann bei den ETF wohl auch nicht anders. :rolleyes:

  • Ich bin Team 'Thesaurierer' weil ich allein mit Ausschüttungen eh niemals meinen geplanten Finanzbedarf im Unruhestand werde decken können.
    Ich muss also später im Unruhestand ohnehin regelmäßig ETF-Anteile verkaufen um mein Leben zu finanzieren. Daher setzte ich gleich komplett auf thesaurierende ETF.

    Dito. Ich war nur seinerzeit von den Ausführungen von "AW" auf Nerd-Level 3 etwas überfordert. Insofern bin ich froh, dass der Artikel mir bestätigt, dass es einigermaßen egal ist. Zumindest wenn man nur auf Nerd-Level 1 bis 2 unterwegs ist ;)

  • Mit nerd-lvl 0.5 freue ich mich über jede Ausschüttung und finde es ungemein motivierend. Aber wirklich gut das es letztendlich egal ist. Dann mach ich weder mit dem thesaurierer noch mit dem ausschütter einen Fehler und komm nicht in die Versuchung nochmal umzuschichten.

  • Spielverderber-Level 3 sagt: Da die Antwort sehr stark von finanz- und steuerpolitischen Entwicklungen abhängt, hindert uns (= euch, ich fahr erstmal schwimmen) niemand daran, sich nicht doch nochmal die Köpfe drüber einzuhauen ;)

  • Spielverderber-Level 3 sagt: Da die Antwort sehr stark von finanz- und steuerpolitischen Entwicklungen abhängt, hindert uns (= euch, ich fahr erstmal schwimmen) niemand daran, sich nicht doch nochmal die Köpfe drüber einzuhauen ;)

    Leider wahr. Seit den 90ern erlebe ich mittlerweile schon die vierte Art der Besteuerung von Aktien bzw. Kursgewinnen und Dividenden. Ich habe wenig Hoffnung, dass es die letzte gewesen sein wird.

  • Mit nerd-lvl 0.5 freue ich mich über jede Ausschüttung und finde es ungemein motivierend.

    Wenn es Dir hilft. Dann mach es halt so.
    Ich investiere jeden Monat per Sparplan in mein ETF-Depot. Einmal im Jahr dann in meine alte Kapitallebensversicherung und zwischendurch auch mal auf das Tagesgeldkonto.
    Demotivieren Dich die regelmäßigen Sparaufträge bei denen ja Geld von Deinem Konto abfließt auch so 'ungemein'? ;)

    Warum sollte ein Euro den Du aus Deinem Vermögen als Dividende, Ausschüttung oder Zins überwiesen bekommst irgendwie mehr motivierend sein als der monatliche Gehaltseingang?
    Weil diese Einkünfte aus dem Vermögen langsam aber stetig steigen? Da muss ich nur einen Blick in meine Vermögensübersicht werden. Das 'Vermögen' steigt langsam aber stetig.
    Und mir ist es völlig egal, ob diese Euros nun auf dem Tagesgeldkonto, Depot oder in meiner Geldbörse liegen und ich daraus nun täglich, wöchentlich oder monatlich irgendwelche Zahlungen erhalten würde. Ich kann jeden Euro eh nur einmal ausgeben.
    Und aktuell gebe ich mein Gehalt aus. Zum Leben, zum sparen und zum investieren. Und in 10, 20 oder 30 Jahren gebe ich hoffentlich meine Rente und mein lebenslang angespartes Vermögen aus. Dann halt nur noch zum Leben.

  • Zum Thema:

    Anderen zu unterstellen, es ginge um gute Gefühle, geht glatt am Thema vorbei, zumindest soweit es mich betrifft. Ich mache keine Freudensprünge bei Ausschüttungen aber ich kann rechnen. Und meine Rechnung sagt klar und deutlich, dass ich bei der Entnahme über Verkauf mehr Steuern bezahle als bei Entnahme durch Ausschüttung, solange meine Ausschüttungen nicht höher liegen als die Vorabpauschale.

    Das Rechenergebnis hängt stark von den Parametern ab. In der Nullzinsphase war der Thesaurierer auch in der Entnahmephase von Vorteil (Ausschüttung höher als Vorabpauschale). Allein ich glaube nicht daran, dass die zu meinen Lebzeiten zurückkehrt. Desto höher der Basiszins ist, desto mehr liegt die Ausschüttungsvariante vorne. Es spricht übrigens absolut nichts dagegen, einen Teil über Ausschüttungen zu entnehmen und was man zusätzlich braucht über Verkäufe. Das ergibt sich eigentlich fast zwangsläufig, wenn man kein schlechter diversifiziertes Dividendendepot aufbauen will.

    Für mich im konkreten Fall trenne ich mich bevorzugt von Thesaurierern, weil sie mir unnötige Steuerzahlungen bereiten. Und nein, ich werde keine Rechnungen vorweisen. Es genügt, mir wenn ich weiß was bei mir passiert und wie ich es für mich optimiere.

  • Das Rechenergebnis hängt stark von den Parametern ab. In der Nullzinsphase war der Thesaurierer auch in der Entnahmephase von Vorteil (Ausschüttung höher als Vorabpauschale). Allein ich glaube nicht daran, dass die zu meinen Lebzeiten zurückkehrt. Desto höher der Basiszins ist, desto mehr liegt die Ausschüttungsvariante vorne.

    Ja, an der Stelle unterscheidet sich dein Ergebnis von dem auf der verlinkten Seite. Dort wird über einen 30-jährigen Entnahmezeitraum davon ausgegangen, dass sich der Basiszins um den "Kipp-Punkt von 1,8%" bewegt und es somit egal sei ob Thesaurierer oder Ausschütter. Wenn man wie du hingegen (ggf. für einen kürzeren Entnahmezeitraum) von einem höheren Basiszins ausgeht, ist der Ausschütter vorne.

  • Und meine Rechnung sagt klar und deutlich, dass ich bei der Entnahme über Verkauf mehr Steuern bezahle als bei Entnahme durch Ausschüttung, solange meine Ausschüttungen nicht höher liegen als die Vorabpauschale.

    Und wenn man noch viele Jahre (Jahrzehnte) von der Entnahme entfern ist?
    Ich muss ja immer den ganzen Weg gehen. Also wohlmöglich jahrzehntelange Ansparphase und hoffentlich jahrzehntelange Entnahmephase.:/
    Umschichtungen von einem thesaurierenden ETF auf einen ausschüttenden ETF vor der Entnahmephase dürften so hohe einmalige Steuerzahlungen auslösen, dass die ursprüngliche Fragestellung ob ein Thesaurierer/Ausschütter 'besser' ist keine Rolle mehr spielt.

    Für mich im konkreten Fall trenne ich mich bevorzugt von Thesaurierern, weil sie mir unnötige Steuerzahlungen bereiten. Und nein, ich werde keine Rechnungen vorweisen. Es genügt, mir wenn ich weiß was bei mir passiert und wie ich es für mich optimiere.

    Wie darf man sich diese 'Trennung' vorstellen?
    Ich plane natürlich später optimalerweise die jüngsten ETF-Anteile zuerst zu verlaufen (LiFo-Prinzip). Wie tausche ich jetzt meine ganz alten thesaurierenden ETF-Anteile mit den höchsten Gewinnanteilen gegen ausschüttende ETF?

  • ok - gelesen. Der Artikel ist zum großen Teil inhaltlich korrekt, wobei Annahmen immer zu einer Verschiebung bei den Ergebnissen führt. Warum gerade mit dem Basiszins von 2026 gerechnet wurde, erscheint mir eher willkürlich. Unsinnig ist es anzunehmen, dass man sein Depot nach Ablauf der dreißig Jahre komplett verkauft. Eher werde ich vielleicht länger leben oder das Vermögen vererben. Theoretisch kann das Depot ewig Erträge liefern, ohne aufgelöst zu werden.

    Wie genau gerechnet wurde habe ich nicht gelesen. Wurde mi echten Kursverläufen kalkuliert oder stumpf jedes Jahr die gleichen Werte genommen? So fürchterlich tiefschürfend erscheint mir die Analyse nicht. Unter den Vorzeichen würde ich auch den angeblichen Kipppunkt nicht als in Stein gemeißelt betrachten.

    Aber selbst wenn man die Rechnung im Ergebnis so akzeptiert, hat man nach deren Berechnung am Ende vor dem unnötigen Verkauf von Anteilen einen Unterschied beim Vermögen über 30 Jahre von 3,1 %. Dabei hat man noch Umstände unberücksichtigt gelassen, die eher zum Vorteil des Ausschütters ausschlagen würden. Ich denke das zitierte Fazit ist eine glatte Übertreibung der gefundenen Ergebnisse.

    Ich habe übrigens noch mehr Irrtümer in dem Paper gefunden, aber will das nicht noch vertiefen, denke das hier reicht schon.

    Ein gültiges Fazit ist übrigens, dass man auf keinen Fall im Rentenalter aus diesem Grund umschichten sollte, das wäre viel zu teuer.

  • Wie darf man sich diese 'Trennung' vorstellen?

    Schenkungen und Zustiftungen im wesentlichen. Die Empfänger können steuerunschädlich umschichten.

    Ein klein wenig kann ich auch noch durch die Günstigerprüfung abdecken. Ich zahle keine 26,x % Steuern auf Kapitalerträge und insgesamt sind die nicht allzu hoch, weil ich noch viele Altanlagen von vor 2009 habe.

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