Immobilienfinanzierung möglich?

  • Hallo zusammen,

    ich bräuchte unbedingt euren Rat, da wir gerade vor einer sehr schwierigen Entscheidung stehen. Mein Mann und ich sind schon länger auf der Suche nach einem Eigenheim im städtischen Raum (sehr begehrte Lage, dementsprechend teuer). Nun haben wir heute ein Haus besichtigt, in das wir uns direkt verliebt haben, sowohl die Lage (jeweils 10 min Fahrtweg mit dem Rad zur Arbeit) als auch das Haus an sich wären perfekt.

    Die groben Daten sind wie folgt:

    Kosten Haus: 595.000€ + ca. 60.000€ Kaufnebenkosten

    Eigenkapital: 260.000€ +46.000 Rücklagen

    Nettoeinkommen: 5.350€ bei Teilzeitarbeit (80% er, 57% ich) -> aufstocken wäre also theoretisch möglich, wollen wir aber vorerst nicht unbedingt da unser Sohn erst knapp 2 Jahre alt ist (es wird wahrscheinlich bei einem Kind bleiben).

    Am Haus müsste man vorerst wohl nichts machen, würde 2013 energetisch umfassend saniert, Energieeffizienzklasse B

    Unsere Finanzierungsberatung hat uns eine Rate von 1750€ vorgeschlagen bei 3,64% Zinsen und der Möglichkeit, die Rate gegebenenfalls irgendwann zu erhöhen.

    Fixkosten von 450€ PKV und 400€ Krippe kommen aktuell noch dazu. Nebenkosten und Versicherungen natürlich auch.

    Mein Mann würde sehr gerne kaufen, ich bin eher die ängstlichere in unserer Beziehung und einfach sehr unsicher, ob das nicht doch zu teuer für uns ist.

    Was meint ihr? Machbar oder sehr an der Grenze?

    Ich wäre für Antworten sehr dankbar!

    Liebe Grüße Helena

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  • Kater.Ka 5. Juli 2026 um 05:35

    Hat das Thema freigeschaltet.
  • Unsere Finanzierungsberatung hat uns eine Rate von 1750€ vorgeschlagen bei 3,64% Zinsen und der Möglichkeit, die Rate gegebenenfalls irgendwann zu erhöhen.

    Wie hoch soll der Kredit denn werden? Wollt ihr auch einen Teil eurer Rücklagen dafür einsetzen oder nur die 260.000 EUR?

    Wenn nur die 260.000 EUR, dann bleiben 395.000 EUR Kredit. Mit welcher Zinsbindung sind die 3,64%? Welche Restschuld bleibt nach dem Ende der Zinsbindung übrig?

    1.750 EUR Rate solltet ihr schaffen, aber da bleiben nach 10 Jahren noch gut 315k Restschuld, nach 15 Jahren immer noch 263k und selbst nach 20 Jahren noch 200k. Bei gleichbleibender Rate und Zinssatz hättet ihr also nach 20 Jahren noch nichtmal die Hälfte abbezahlt, dafür aber 225k Zinsen bezahlt.

    Wie sicher sind eure Jobs, wie gut ist Kinderbetreuung/Ganztag bei euch in der Gegend und wieviel wollt / könnt ihr perspektivisch aufstocken und wie hoch wäre dann das Gehalt? Denn mit der aktuellen Rate zahlt ihr über Jahrzehnte und reduziert kaum die Restschuld.

    Habt ihr mal ein Haushaltsbuch geführt, wisst ihr wieviel ihr aktuell im Monat ausgebt (inklusive aller Kosten, auch der nicht monatlich anfallenden - Urlaub, Geschenke, Autoversicherung…)? Sind die 5.300 EUR schon inklusive Kindergeld oder kommt das noch dazu?

    Wenn ich mal grob rechne:

    1.750 EUR Rate

    400 EUR Krippe

    450 EUR PKV

    400 EUR Nebenkosten fürs Haus (vorsichtig geschätzt)

    Dann sind schon 3.000 EUR weg und noch keine „ganz normalen Lebenshaltungskosten“ bezahlt.

    Rechnet es euch durch und macht einen Plan, bis wann ihr wieviel bei den Gehältern aufstocken könnt! Unmöglich ist es nicht, aber wenn ihr das Haus irgendwann mal abzahlen wollt, müsst ihr bei der Rate ordentlich was drauf legen.

    Und ich würde auf eine möglichst lange Zinsbindung achten! Ihr habt ein gesetzliches Sonderkündigungsrecht 10 Jahre + 6 Monate nach Auszahlung des Darlehens. Ihr kommt also auf jeden Fall raus und könnt günstiger nachfinanzieren, falls wieder eine extreme Niedrigzinsphase kommt. Wenn ihr euch aber nur 10 Jahre Zinsbindung sichert und in 10 Jahren die Zinsen bei 10% stehen, dürft ihr (dann immer noch) 315k zu 10% anschlussfinanzieren, bei nur 2% Tilgung liegt dann die Rate bei 3.150 EUR. Deshalb Vorsicht mit kurzen Zinsbindungen bei knapper Finanzierung!

  • Helena0608 stellt eure (aktuellen) monatlichen Ausgaben einfach "ehrlich" auf. Dazu kennt ihr eure "Eckdaten" (Betreuungszeit in der Krippe; Möglichkeit, dass ihr beide moderat aufstockt, möglicher Wegfall eines Autos; bisheriger "Lifestyle", .....) am besten.
    Ein Hauskauf hat in der Regel immer auch was mit "sonstigem" Verzicht zu tun (außer der Kaufpreis ist, wie auch immer, schon vorhanden).
    Dazu, das wurde schon geschrieben, liegt die Falle oft in zu kurzer Zinsbindung und zu niedriger Tilgung (das macht die Monatsrate optisch günstig - kann aber später auf die Füße fallen).
    Gibt es vielleicht die Möglichkeit einer vorgezogenen "Erbauszahlung"?? Würde den Eigenkapitalanteil erhöhen.

    10 Minuten zur Arbeit ist natürlich Lebensqualität (und vielleicht wirklich die Möglichkeit, die gesparte Fahrtzeit fürs Aufstocken zu verwenden).

  • Wie hoch ist denn die Tilgung oder habe ich das überlesen?

    Aber die Entscheidung ist relativ einfach - 1750€ müsst ihr jeden Monat aufbringen - könnt ihr das weil eure aktuelle Sparrate + Miete (ohne NK) schon so hoch ist? Bedenkt, das die Nebenkosten im Haus höher sind als in einer Mietswohnung.

    Bei gleichbleibender Rate und Zinssatz hättet ihr also nach 20 Jahren noch nichtmal die Hälfte abbezahlt, dafür aber 225k Zinsen bezahlt.

    Macht euch frei von solchen Gedanken. Man kann das Haus nach 20 Jahren auch wieder verkaufen, wenn sich die Lebensumstände geändert haben. Man muss ein HAus nicht komplett abbezahlen und ewig drin wohnen bleiben.

  • Wie hoch ist denn die Tilgung oder habe ich das überlesen?

    Das kann man aus Kredithöhe, Zinssatz und Rate errechnen. Ich komme auf 1,85%.

    Macht euch frei von solchen Gedanken. Man kann das Haus nach 20 Jahren auch wieder verkaufen, wenn sich die Lebensumstände geändert haben. Man muss ein HAus nicht komplett abbezahlen und ewig drin wohnen bleiben.

    Stimmt, muss man nicht. Man muss aber irgendwann einen Käufer finden. Was der dann zahlt, ob man mit einem Minus rausgeht, was man dann für eine Wohnung findet und was die kostet, weiß man nicht vorher. Und es muss einem klar sein, dass man (bei den angegebenen Eckdaten) in 20 Jahren über 200k Euro an Zinsen gezahlt hat.

  • Normalerweise solltet Ihr bei dem Hauskredit auch die Möglichkeit einer jährlichen Sondertilgung von bis zu 5% haben. Bei 400.000€ Kredit könntet Ihr also jährlich bis zu 20.000€ nebenbei tilgen. Ihr würdet dann auch monatlich entsprechend mehr tilgen, weil der Zinsanteil sich schneller verringert.

  • Ohne auf die eigentlichen Kosten einzugehen, haben die Vorschreiber ja schon getan, seid ihr euch zu 100% einig, dass auf Grund der Finanzierung ihr euch bei Engpässen einschränken müsst? Auf jeden Fall sollte man auf steigende Nebenkosten vorbereitet sein und für Reparaturen einen Notgroschen haben. Bei einem Haus gibt es etliches an Kosten, die man bei einer Wohnung nicht hat, zB der alljährliche Besuch im Gartenmarkt.

  • Helena0608, wie viel Luft ist denn in Eurem bisherigen Budget?
    Sind die gut 300.000 Eigenkapital zusammengespart oder Euch z.B. durch Erbschaft zugefallen? Falls zusammengespart: Seit das Kind da ist, hat sich vermutlich die Sparrate verringert - auf wieviel pro Monat?
    Ebenfalls seit das Kind da ist, habt Ihr wahrscheinlich auf einige Ausgaben wie z.B. häufiges Aus- und Essengehen oder ausgedehnte Fernreisen schon verzichtet - oder wäre da noch Einsparpotential, wenn's eng wird?

  • Wie alt seid ihr beide ( sorry fals ich es überlesen haben sollte)? Ihr habt ein zweijähriges Kind, da könntet ihr 20 oder 40 Jahre alt sein. Mit 40 würde ich mir solch eine Finanzierung nicht mehr antun, wenn ich 20 wäre würde ich erst mal in Miete bleiben und versuchen in den nächsten 10 Jahren mit ETF mein Eigenkapital um mind. 100.000€ zu erhöhen. Dann bedenkt das in den nächsten Jahren gebrauchte Immos eher günstiger werden.

  • Bei den genannten Daten kommt man auf eine Laufzeit der Finanzierung von ca. 36 Jahren. Nimmt man, dass eine Sondertilgung in voller Höhe von 5% jährlich geleistet wird, kann man die Laufzeit auf 18 Jahre halbieren. Da die Finanzierung aber doch eher am Limit des Leistbaren ist, würde ich Sondertilgungen erst einmal für unwahrscheinlich halten.

    Daher sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass der Kredit vor Renteneintritt getilgt ist. Besser noch früher, denn schon ab 60 wird es auf dem Arbeitsmarkt schwierig, sofern man nicht im ÖD beschäftigt ist. Sollte das Alter des Paares also die 30 schon überschritten haben, dürfte die Finanzierung bei den gegebenen Daten zu lange dauern. Wenn kein außerordentlicher Mittelzufluss zu erwarten ist, um die Laufzeit zu verkürzen, würde ich vom Kauf der Immobilie absehen.

  • Helena0608 bitte bedenkt auch, dass ein selbstgenutztes Haus "für sich alleine genommen" keine ausreichende Altersvorsorge ist!

    Von einem Haus könnt ihr nichts abbeissen, in der Regel könnt ihr nicht Teile davon verkaufen und zu Geld machen. Im Alter wohnt man in einer zu grossen Immobilie (Kinder aus dem Haus) und zahlt entsprechend hohe Nebenkosten (Heizen, Sanieren usw).

    Deswegen müsst ihr, parallel zur Finanzierung des Hauses, auch noch Kapital ansparen um im Ruhestand die evtl Rentenlücke zu schliessen, bzw einfach nur um die Dinge zu bezahlen, auf die ihr dann Lust habt.

    Oder ihr tilgt schnell genug, um vor der Rente noch 10-15 weiteres Kapital anzusparen. Keinesfalls reicht es, mit Renteneintritt die letzte Rate zu bezahlen um dann endlich im schuldenfreien Haus festzusitzen.

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