Abwägungen zur BU

  • Gibt es rationale Argumente gegen eine Berufsunfähigkeitsversicherung?

    Meine Partnerin und ich sind von unserem Erwerbseinkommen abhängig. Das wird auch bis in‘s höhere Alter so bleiben. Eine gute BU ohne Leistungsausschlüsse und mit ausreichender Rentenhöhe würde uns pro Person um die 100€ im Monat kosten. Natürlich rechne ich dann direkt durch was stattdessen ein zusätzlicher 200€ ETF-Sparplan über unser gesamtes Erwerbsleben (sind 30 & 28) an Vermögen generieren würde. Dieses Geld der Versicherung in den Rachen zu stecken würde mich viel Überwindung kosten.

    Auf der anderen Seite wäre eine Krebserkrankung oder ähnliches vor dem Hintergrund einer geplanten Immobilienfinanzierung natürlich ein Horror-Szenario.

    Wir haben beide unspektakuläre Bürojobs. Vor Burnout oder ähnlichem mache ich mir auch wirklich keine Sorgen bei uns.

    Kann mir jemand rationale Hilfestellung für diese Abwägungen geben?

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  • Hallo.

    In der Schönwetterbetrachtung kann eine Risikoabsicherung nur abstinken, daher sollte man auch den regnerischen Tag in die Betrachtung mitaufnehmen.

    Müsst Ihr Unterhalt bzw. Kapitaldienst absichern? Würde die Erwerbsminderungsrente reichen? Ist auch der Weg zur Rente überbrückbar? Wohnt Ihr barrierearm? ...

    Wenn Ihr sagt, dass alles Notwendige abgesichert ist, auch wenn einer von Euch erwerbsmäßig ausfällt, dann kann man sich auch bewusst und mit Überzeugung gegen BU-Schutz entscheiden.

  • Gibt es rationale Argumente gegen eine Berufsunfähigkeitsversicherung?

    Die Kosten und das eigene Risiko, BU zu werden.

    Ebenso die Frage, wie ihr reagiert, wenn der BU Fall eintreten sollte. Und das mit oder ohne EM-Rente.

    Und am Ende (wie wäre es mit dem Verlust eines Armes, Beines oder der Sehkraft?):

    Wie gut sind diese Jobs dauerhaft ausübbar, wenn "nur" der BU-Fall aber kein EM Fall eintritt. Wie reagiert der AG darauf? Eher mit Unterstützung oder mit Ablehnung/Suche nach einem Kündigungsgrund.

    Und wenn der Job mit Hilfsmitteln nicht mehr ausübbar ist, was würdest Du dann sonst machen?

    Ich bin ITler, da war der dauerhafte BU-Fall recht unwahrscheinlich. Und genauso kenne ich mich so gut dass ich weiß, dass ich selbst ohne meinen AG nicht 20-30 Jahre lang tätigkeitslos zu Hause gesessen hätte. Irgendwas hätte ich mir dann dauerhaft "gesucht" (gerne als Heimarbeit und ohne Termindruck aber mit der Aussicht auf einen Nebenerwerb).

    Das hätte mir aber trotzdem in den ersten 15-20 Jahren meines Berufslebens nicht gereicht, um den Lebensunterhalt UND die Absicherung fürs Alter aufzubringen. Eine EM-Rente wäre in den ersten Jahren meines Berufslebens auch nicht so riesig gewesen. Also habe ich damals eine BU abgeschlossen, die bis zur damaligen Regelaltersgrenze gereicht hätte. Kündigen kann man sie immer noch vorzeitig, wenn man irgendwann selber abgesichert ist.

    Wir haben beide unspektakuläre Bürojobs. Vor Burnout oder ähnlichem mache ich mir auch wirklich keine Sorgen bei uns.

    Das gilt heute. Was, wenn Teile der Jobs durch KI ergänzt/übernommen werden und ihr dann nach Umschulung andere Jobs mit mehr Stress/Arbeitsverdichtung o.Ä. habt?

    Es gibt neben Krebs genügend andere Krankheiten oder Unfälle, durch die man BU und/oder EM werden kann. Gerne auch unverschuldet und länger, wie Krankengeld geleistet wird. Nicht immer ist an solchen Unfällen jemand anderes Schuld oder er ist nicht ausreichend abgesichert.

    Auf der anderen Seite wäre eine Krebserkrankung oder ähnliches vor dem Hintergrund einer geplanten Immobilienfinanzierung natürlich ein Horror-Szenario.

    Ich kenne mich mit Risiko-Lebensversicherungen nicht aus. Hast Du mal geprüft, ob es da auch welche gibt (die dann weniger kosten wie zwei BUs, welche auch noch die Immobilienrate abdecken) die einen BU-Anteil enthalten?

    Dieses Geld der Versicherung in den Rachen zu stecken würde mich viel Überwindung kosten.

    Es ist eine Risikoabsicherung. Wirst Du nicht mit 62 BU sondern mit 35, dann zahlt sie trotzdem lebenslang und sichert auch Deine Rente (falls die BU hoch genug ist). Dein ETF-Sparplan mit 200€/Monat ist in 5-10 Jahren quasi gegenstandslos, die paar tausend Euro bringen Dich dann nicht weiter, selbst 30k€ nach 10 Jahren nicht.

  • Eine Möglichkeit ist es, jetzt mit der BU zu starten - und diese in einer späteren Lebensphase und bei zunehmendem Vermögen zu reduzieren. Oder im Erwerbsleben das Einkommen zu steigern, so dass der Beitrag weniger als heute ins Gewicht fällt.

  • Gibt es rationale Argumente gegen eine Berufsunfähigkeitsversicherung?

    Ja, sobald Sie genügend Geld haben und Ihr Lebensunterhalt nicht mehr von Ihrer Arbeitskraft abhängt.

    Dr. Schlemann unabhängige Finanzberatung GmbH
    Von Finanztip empfohlene Spezialisten für Berufsunfähigkeit und private Krankenversicherung | Angaben gem. § 15 VersVermV, § 12 FinVermV: https://schlemann.com/erstinformationen | Beiträge in der Finanztip Community erstelle ich mit größtmöglicher Sorgfalt, jedoch ohne Gewähr für Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität. Deren Nutzung erfolgt auf eigene Gefahr.

  • Wir haben beide unspektakuläre Bürojobs. Vor Burnout oder ähnlichem mache ich mir auch wirklich keine Sorgen bei uns.

    Geringere Risiken in Bürojobs vs. einem Dachdecker sind auch Versicherern bekannt. Deshalb zahlen Sie und Ihre Partnerin für Ihre BU auch nur ca. ein Viertel der Prämie des Dachdeckers. Ein (gefühlt) geringeres BU Risiko ist also kein Argument gegen eine Berufsunfähigkeitsversicherung, sondern bereits in der Prämie einkalkuliert.

    Mehr dazu finden Sie beim Googeln nach "Berufsunfähigkeitsrisiko: Wer braucht eine BU?" auf unserer Website. :)

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  • Bei unspektakulären Bürojobs hoffe ich für euch das ihr mindestens im öffentlichen Dienst oder besser noch verbeamtet seid. Bevor ihr 40 seid habt ihr höchstwahrscheinlich schon die erste Umschulung hinter euch. Das alles zahlt die BU nicht. Am besten noch schnell in einen spektakulären Beruf wechseln, evtl. auch Dachdecker/in, da lohnt dann auch wirklich die BU.

  • Ja, sobald Sie genügend Geld haben und Ihr Lebensunterhalt nicht mehr von Ihrer Arbeitskraft abhängt.

    Hallo Herr Dr. Schlemann

    Nach meiner Kenntnis gibt es Risikolebensversicherungen die bei schweren Krebserkrankung auch zahlen? Oder 3D Policen die eine Summe bei schwerer Erkrankung zahlen (USA, England). Würde mich freuen, ihre Meinung zu erfahren. Interessanter Gedanke: Einmalzahlung statt Leibrente und von der Kalkulation möglicherweise günstiger ?

  • Es gibt einige Alternativen zur Berufsunfähigkeitsversicherung (unter diesem Stichwort bei uns auf der Website ausführlich beschrieben). Zu nennen sind u.a. Unfallversicherung, Schwere Krankheiten Vorsorge / Dread Disease Versicherung, Grundfähigkeitsversicherung, Erwerbsunfähigkeitsversicherung, Krankentagegeldversicherung oder Pflegezusatzversicherung.

    Diese decken jedoch nur Teilbereiche ab und sind unter dem Strich bei geringerer Absicherung deutlich teurer.

    Fazit: Die beste Alternative zu einer Berufsunfähigkeitsversicherung ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung. :)

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  • Wenn ich mein Einkommen benötige, dass ich durch meine Arbeitskraft erziele, absichern möchte ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung erste Wahl. Eine Absicherung gegen Schwere Krankheiten ist nur eine teilweise Absicherung, ich muss also darauf hoffen das meine "Berufsunfähigkeit" durch die genau definierte Krankheit ausgelöst wird, aus unserer Sicht keine sinnvolle Wette. Wenn ich keine Absicherung gegen Berufsunfähigkeit erhalte, kann eine Absicherung gegen Schwere Krankheiten evtl. das sein, was man noch als Absicherung bekommen kann.

  • Eine Schwere Krankheitene Vorsorge / Dread Disease Versicherung hat durchaus auch ihre Berechtigung, insbesondere weil Leistungsauslöser klarer definiert sind. Aber sie deckt nur einen Ausschnitt der BU Absicherung ab. Das ist gleichzeitig Schwäche und Stärke: Wenn Psyche nicht versichert ist, stehen psychische Vorerkrankungen auch weniger im Weg. Eine BU bleibt der Königsweg für umfassende Absicherung.

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  • Ob man Burnout bekommt oder nicht hängt meistens glaube ich nicht davon ab, ob man sich deshalb Sorgen macht oder nicht.

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  • Für mich wäre das Hauptproblem wenn ich tatsächlich ein BU Fall wäre, neben der gesundheitlichen Einschränkung, auch noch finanzielle Probleme zu haben. Ich hatte eine BU und habe diese glücklicherweise bis zum Renteneintritt nicht gebraucht, mir tut aber kein Cent leid, es gibt so viele Ausgaben die man im Nachhinein bereut, da sollte die Absicherung des Lebensstandards nicht dazu gehören.

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