Be­rufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung

Darum ist die Be­rufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung ein Muss

Barbara Weber
Finanztip-Expertin für Recht

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Be­rufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung (BU) ist eine der wichtigsten Ver­si­che­rungen: Sie zahlt Dir eine monatliche Rente, wenn Du aus gesundheitlichen Gründen in Deinem aktuellen Beruf nicht mehr arbeiten kannst.
  • Sinnvoll ist die BU für alle, die auf ihr Arbeitseinkommen angewiesen sind. 
  • Je früher und gesünder Du den Vertrag abschließt, desto günstiger ist die Ver­si­che­rung. 

So gehst Du vor

  • Lass Dich vor Abschluss einer BU beraten und hole Angebote ein. Wir haben geeignete Ver­si­che­rungsvermittler getestet und empfehlen Hoesch & Partner, Buforum24, Zeroprov, Dr. Schlemann unabhängige Finanzberatung sowie P&F.
  • Beantworte die Gesundheitsfragen wahrheitsgemäß und mithilfe Deiner Ärzte und Behandlungsunterlagen.
  • Worauf Du bei einem BU-Tarif achten solltest, liest Du unten in unserer BU-Checkliste.

Bandscheibenvorfall, Depression, Krebs oder Long-Covid – eine solche Diagnose kann das berufliche Ende bedeuten. Jeder Vierte wird im Laufe seines Arbeitslebens mindestens einmal berufsunfähig. Wer dann ohne Einkommen dasteht, dem droht der finanzielle Ruin. Die staatliche Hilfe durch die Er­werbs­min­de­rungs­ren­te ist knapp bemessen und greift nicht in allen Fällen. Deswegen sollte jeder Berufstätige über eine Be­rufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung (BU) nachdenken. 

Was ist eine Be­rufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung?

Die Be­rufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung zahlt eine monatliche Rente, wenn Du Deinen letzten ausgeübten Beruf aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben kannst (§ 172 Abs. 2 VVG).

Ver­si­che­rungen stufen Dich als berufsunfähig ein, wenn Du Deinem letzten Beruf voraussichtlich mindestens sechs Monate nicht mehr nachgehen kannst. Eine lebenslange Be­rufs­un­fä­hig­keit verlangen die Versicherer also nicht. 

Neben der zeitlichen Prognose muss auch die sogenannte 50-Prozent-Regel erfüllt sein. Nur wenn Du mindestens 50 Prozent Deiner beruflichen Tätigkeit nicht mehr erledigen kannst, zahlt die Ver­si­che­rung die vereinbarte BU-Rente. Das bedeutet: Du hast mindestens die Hälfte Deiner Leistungsfähigkeit verloren und kannst für Deinen Beruf wichtige Tätigkeiten nicht mehr ausüben oder nur noch eine geringe Anzahl an Stunden arbeiten.

Um Deine Be­rufs­un­fä­hig­keit nachzuweisen, musst Du zahlreiche Unterlagen bei der Ver­si­che­rung einreichen, darunter Arztberichte und Beschreibungen Deiner Tätigkeit. Wenn die Be­rufs­un­fä­hig­keit feststeht, zahlt der Versicherer die im Vertrag vereinbarte monatliche Rente. Das zuvor erzielte Einkommen hat dabei keine Bedeutung. Steuern musst Du in der Regel keine auf die BU-Rente zahlen, da nur der Ertragsanteil der Rente versteuert wird und dieser meist unter dem Grundfreibetrag liegt.

Die Gründe für eine Be­rufs­un­fä­hig­keit

Die meisten Menschen werden wegen Erkrankungen der Psyche oder des Skeletts berufsunfähig. Diese Ursachen sind bei der Be­rufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung mit abgedeckt. Für die Ver­si­che­rung spielt es keine Rolle, auf welcher Ursache Deine Be­rufs­un­fä­hig­keit beruht. Eine Unfall­ver­sicherung zahlt hingegen nur bei einem Unfall, eine Dread-Disease-Versicherung nur bei bestimmten schweren Krankheiten wie Schlaganfall oder Krebs. 

Kosten für eine BU  

Eine BU ist meist nicht günstig. Die BU-Kosten richten sich danach, wie hoch die Ver­si­che­rung das Risiko einschätzt, dass Du irgendwann tatsächlich berufsunfähig wirst. Dazu musst Du Angaben zu Deinem Beruf, Deinen Hobbys und Deinem Gesundheitszustand machen. 

Je jünger und gesünder Du bei Vertragsabschluss bist, desto günstiger kommst Du in der Regel an eine BU. Je länger Du den Vertrag vor Dir herschiebst, desto wahrscheinlicher ist es, dass Du bestimmte Erkrankungen oder Leiden entwickelst, die den Abschluss einer BU erschweren oder die Ver­si­che­rung teurer machen. Wie Du trotz Vorerkrankungen noch eine BU bekommst, erfährst Du weiter unten im Text.  

Mehr dazu im Ratgeber BU-Kosten

  • Eine Be­rufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung (BU-Versicherung) ist nicht günstig. Dennoch ist die Ver­si­che­rung für fast jeden sinnvoll.
  • Kannst Du Dir eine BU-Versicherung nicht leisten, gibt es Möglichkeiten, die Kosten zu drücken.

Zum Ratgeber

Für wen ist eine BU-Versicherung sinnvoll?

Die Be­rufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung ist eine der wichtigsten Ver­si­che­rungen. Sie ist sinnvoll und besonders wichtig, wenn Du auf Dein Arbeitseinkommen angewiesen bist. Die staatliche Absicherung gegen Be­rufs­un­fä­hig­keit reicht für den Lebensunterhalt nur selten aus.

Besonders notwendig und sinnvoll ist eine private Berufsunfähigkeitsversicherung daher für

  • alle Erwerbstätigen, die nicht auf ihr Arbeitseinkommen verzichten können,
  • Selbstständige, da sie oft nicht gesetzlich rentenversichert sind und
  • Berufsanfänger, Studenten und Azubis, weil sie mit guter Gesundheit eine vergleichsweise günstige BU-Versicherung bekommen können. 
  • Schüler, die eine berufliche Zukunft im Handwerk, im sozialen Bereich, als Sportler oder Musiker anstreben. In diesen Berufen bekommen sie später nur sehr schwierig oder zu einem sehr hohen Preis eine BU-Versicherung. 

Beamte mit langjähriger Dienstzeit benötigen nicht immer eine BU. Sie erhalten ein Ruhegehalt, das deutlich über dem Niveau der Er­werbs­min­de­rungs­ren­te liegt. Falls ihre Le­bens­hal­tungs­kos­ten höher sind als ihr Anspruch auf Ruhegehalt, können Beamte zusätzlich eine Dienst­un­fäh­ig­keits­ver­si­che­rung abschließen.

Beamte auf Widerruf und auf Probe sollten in jedem Fall eine Dienst­un­fäh­ig­keits­ver­si­che­rung abschließen, denn sie haben noch keinen Anspruch auf ein Ruhegehalt.

Die gesetzliche Absicherung ist gering

Hast Du in den vergangenen fünf Jahren mindestens 36 Monate in die gesetzliche Ren­ten­ver­si­che­rung eingezahlt, steht Dir zwar grundsätzlich eine Er­werbs­min­de­rungs­ren­te zu. Diese lag im Jahr 2020 aber durchschnittlich nur bei 882 Euro pro Monat. Das geht aus einer Statistik der Deutschen Ren­ten­ver­si­che­rung aus dem Jahre 2021 hervor. Wie hoch Deine Er­werbs­min­de­rungs­ren­te nach jetzigem Stand ausfallen würde, siehst Du in Deiner jährlichen Renteninformation.

Eine Erwerbsminderungsrente bekommst Du außerdem nur, wenn Du in keinem Beruf länger als drei Stunden arbeiten kannst. Ein leitender Angestellter, der noch als Pförtner arbeiten kann, geht also leer aus. Kannst Du noch drei bis sechs Stunden pro Tag in irgendeinem Beruf arbeiten, bekommst Du nur die halbe Er­werbs­min­de­rungs­ren­te.

Im Jahr 2020 wurden 42 Prozent aller Anträge auf Er­werbs­min­de­rungs­ren­te abgelehnt. Das zeigt, dass Du Dich nicht allein auf die staatliche Er­werbs­min­de­rungs­ren­te verlassen solltest.

Auch die gesetzliche Unfall­ver­sicherung (Berufsunfallversicherung) ist kein gleichwertiger Ersatz. Sie zahlt nur bei einem Arbeitsunfall, bei Berufskrankheiten oder bei einem Unfall auf dem Weg zur Arbeit oder nach Hause (Wegeunfall). Die Wahrscheinlichkeit wegen eines Unfalls berufsunfähig zu werden, ist gering: Nur 8 Prozent aller BU-Fälle sind auf einen Unfall zurückzuführen. Bei den meisten Erkrankungen hilft Dir die gesetzliche Unfall­ver­sicherung daher nicht weiter. 

Es ist deshalb notwendig, privat vorzusorgen für den Fall, dass Du nicht mehr arbeiten kannst. Darauf verzichten kannst Du nur dann, wenn Du durch vorhandenes Vermögen oder durch Deine Familie bereits ausreichend versorgt bist, also auf Dein Arbeitseinkommen nicht angewiesen bist.

Geld sparen ist nur selten eine Alternative

Den Beitrag für eine Be­rufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung zu sparen und stattdessen regelmäßig Geld für schlechte Zeiten zur Seite zu legen, erscheint zunächst verlockend. Wirst Du nur für kurze Zeit oder erst gegen Ende Deines Arbeitslebens berufsunfähig, mag das auch funktionieren. Allerdings zahlst Du auch nicht in die Rentenkasse ein, wenn Du nicht mehr arbeiten kannst. Das bedeutet, Du musst trotz Be­rufs­un­fä­hig­keit privat vorsorgen, wenn Du im Alter nicht mit einem sehr niedrigen Einkommen dastehen willst.

Menschen, die aus Gesundheitsgründen nicht mehr arbeiten können, sind nach Angaben der Deutschen Ren­ten­ver­si­che­rung zufolge im Schnitt erst 53 Jahre alt. Wenn Du in diesem Alter berufsunfähig wirst und die Zeit bis zur regulären Rente mit 67 mit Deinen Ersparnissen überbrücken willst, brauchst Du ein großes Vermögen. Um Dir 2.000 Euro im Monat auszahlen zu können, musst Du 336.000 Euro gespart haben; je nachdem wie sich die Zinsen entwickeln vielleicht auch etwas weniger. Das dürfte nur den wenigsten gelingen.

Hausfrauen und -männer bekommen schwer BU-Schutz

Den Abschluss einer BU-Versicherung genau überlegen sollten sich Hausfrauen und -männer. Zwar können Kosten für ein Kindermädchen oder eine Haushaltshilfe entstehen, wenn sie ausfallen. Allerdings sind gute BU-Verträge für Hausfrauen und -männer nur schwer zu bekommen, oft teuer und meist nur mit einer sehr niedrigen Rentenhöhe abschließbar. Wer hingegen schon einen BU-Vertrag hat und womöglich irgendwann wieder arbeiten geht, sollte die Be­rufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung behalten.

Welche BU-Versicherung empfiehlt Finanztip?

Eine gute Be­rufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung zu finden, ist nicht immer einfach. Welcher Versicherer und welcher Tarif zu Dir passt, hängt unter anderem von Deinem Alter, Deinem Beruf und Deinem Gesundheitszustand ab. 

Ein Online-Vergleich kann bei der Be­rufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung keine Beratung ersetzen. Du kannst Dir zwar mithilfe von Vergleichsportalen einen ersten Überblick über die Preise und Versicherer verschaffen. Aber letztlich genügt es nicht, den günstigsten Anbieter auszusuchen. Denn im Fall der Fälle benötigst Du einen Versicherer, der Dir über viele Jahre eine Rente zahlt – es kommt also in erster Linie auf die Leistung und nicht auf den Preis an. An einer individuellen Beratung kommst Du daher beim komplexen Thema Be­rufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung in aller Regel nicht vorbei. 

Wir empfehlen Dir daher, einen seriösen Ver­si­che­rungsmakler aufzusuchen, der Dir bei der Wahl des passenden Anbieters behilflich ist. Bei unserem Vergleich haben wir Ver­si­che­rungsmakler gefunden, die Spezialisten für die Beratung zur BU und alternativen Absicherungsformen sind. Die folgenden Ver­si­che­rungsmakler halten wir für empfehlenswert. Sie konnten uns bei den Kriterien Qualifikation, Marktabdeckung, Erfahrung, Anzahl der Berater und Routine in der Beratung zur BU überzeugen.

Hoesch & Partner
Beratung zu BU und Alternativen
Nutzer-Erfahrungen
  • Erfahrung mit Arbeitskraftabsicherung seit 1983
  • 30 beratende Makler
  • 8 Standorte (Frankfurt, München, Düsseldorf, Hamburg, Stuttgart, Berlin, Köln, Hannover)
  • beraten persönlich, telefonisch, online und per E-Mail
Zum Anbieter
BUForum24
Beratung zu BU und Alternativen
Nutzer-Erfahrungen
  • Erfahrung mit Arbeitskraftabsicherung seit 2003
  • 4 beratende Makler
  • 1 Standort in Neudorf (Schleswig-Holstein)
  • beraten persönlich, telefonisch, online und per E-Mail
Zeroprov
Beratung zu BU und Alternativen
Nutzer-Erfahrungen
  • Erfahrung mit Arbeitskraftabsicherung seit 2012
  • 3 beratende Makler
  • 1 Standort in Schkölen (Thüringen)
  • beraten persönlich, telefonisch, online und per E-Mail
  • bieten vorrangig Honorarberatung und Nettotarife an
Dr. Schlemann unabhängige Finanzberatung
Beratung zu BU und Alternativen
Nutzer-Erfahrungen
  • Erfahrung mit Arbeitskraftabsicherung seit 2005
  • 2 beratende Makler
  • 1 Standort in Köln
  • beraten persönlich, telefonisch, online und per E-Mail
  • bieten auch Honorarberatung und Nettotarife an
P&F
Beratung zu BU
Nutzer-Erfahrungen
  • Erfahrung mit Arbeitskraftabsicherung seit 2001
  • 2 beratende Makler
  • 1 Standort in Hövelhof (Nordrhein-Westfalen)
  • beraten persönlich, telefonisch, online und per E-Mail
  • keine nachgewiesene Erfahrung mit BU-Alternativen
Zum Anbieter

Was Du bei der Beratung beachten solltest

Wenn Du Dich zur Be­rufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung beraten lässt, solltest Du auf Folgendes achten:

  1. Nutze in der Beratung unsere Checkliste.
  2. Beantworte die Gesundheitsfragen selbst und mithilfe Deiner Ärzte.
  3. Lass Dir in jedem Fall ein Beratungsprotokoll aushändigen, das widergibt, was Du mit dem Makler besprochen hast. Unterschreiben musst Du aber nicht. Ergänzend kannst Du auch selbst ein Gedächtnisprotokoll über die Beratung anfertigen. 
  4. Die genannten Makler empfehlen wir nur für eine BU und andere Absicherungen der Arbeitskraft. Andere Ver­si­che­rungen sollten kein Inhalt dieses Beratungsgesprächs sein. Wenn Du weitere Ver­si­che­rungen abschließen möchtest, dann nutze unsere entsprechenden Ratgeber.

Tipps für die BU-Versicherung

Bevor es nun an den Abschluss einer BU geht, solltest Du Dir folgende wichtige Tipps für eine BU-Versicherung ansehen. Worauf Du bei der BU alles achten musst, haben wir Dir außerdem in einer Checkliste zusammengefasst.  

Tipp 1: Einen guten Versicherer wählen 

Wirst Du berufsunfähig, ist es entscheidend, dass der Versicherer Deine Rente auch tatsächlich bezahlen kann. Daher ist es sehr wichtig, einen finanziell soliden Anbieter zu wählen, den es auch in 20 oder 30 Jahren noch gibt. Frage Deinen Makler oder Ver­si­che­rungsberater deshalb nach der Finanzkraft des Versicherers. Zudem raten wir von Firmen ab, die erst wenige Jahre am Markt sind.

Analysehäuser wie Morgen & Morgen oder Franke & Bornberg vergleichen die Ver­si­che­rungs­be­din­gungen unterschiedlicher BU-Anbieter. Schließe nur Tarife ab, deren Bedingungen die höchstmögliche Bewertung haben. Bei Morgen & Morgen sind das fünf Sterne und bei Franke & Bornberg ist es ein „FFF+“.

Neben der Gesamtbewertung ist bei Morgen & Morgen auch das Teilrating „BU-Kompetenz“ interessant. Die Kompetenz des Versicherers sollte mit mindestens vier Sternen bewertet sein. Geprüft werden die Erfahrung mit Be­rufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rungen sowie eine professionelle und faire Bearbeitung der Leistungsfälle.

Die Ratings kannst Du bei einem von uns emp­foh­lenen Ver­si­che­rungsmakler anfordern oder selbst auf den Websites von Morgen & Morgen und Franke & Bornberg nachschauen.

Tipp 2: BU separat abschließen

Wir raten Dir zu einer selbstständigen BU-Versicherung. Angehörige solltest Du besser separat mit einer Ri­si­ko­le­bens­ver­si­che­rung absichern. Der Vorteil von zwei getrennten Verträgen ist, dass Du flexibel bleibst. Brauchst Du die Ri­si­ko­le­bens­ver­si­che­rung nicht mehr, weil Du beispielsweise das Eigenheim abgezahlt hast oder die Kinder erwachsen sind, kannst Du die Ver­si­che­rung kündigen, ohne aber Deine BU-Versicherung anzutasten.

Auch von einer Kombination der BU-Versicherung mit einer Kapitallebens- oder Ren­ten­ver­si­che­rung raten wir ab. Der zusätzliche Anteil für die Kapitalanlage macht den ohnehin recht hohen Beitrag für die Be­rufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung nochmal deutlich teurer. Das verleitet dazu, eine zu niedrige Be­rufs­un­fä­hig­keits­rente zu vereinbaren. Wer sich wegen Arbeitslosigkeit, Elternzeit oder anderer finanzieller Engpässe den Beitrag nicht mehr leisten kann, verliert zusammen mit der Altersvorsorge auch den BU-Schutz. Wir empfehlen deshalb grundsätzlich, Sparverträge und die Ver­si­che­rung gegen existenzielle Risiken zu trennen.

Makler bewerben solche Be­rufs­un­fä­hig­keits-Zusatzversicherungen häufig mit dem Argument, dass mit ihnen die Altersvorsorge auch bei Be­rufs­un­fä­hig­keit gesichert sei. Denn einige Versicherer zahlen im Fall der Be­rufs­un­fä­hig­keit anstelle des Kunden weiter in die Lebens- oder Ren­ten­ver­si­che­rung ein. Aus unserer Sicht die bessere Variante: Setze besser eine etwas höhere Be­rufs­un­fä­hig­keits­rente an, mit der Du auch die Kosten für die Altersvorsorge zahlen kannst.

Tipp 3: BU-Rente hoch genug ansetzen

Wähle eine Be­rufs­un­fä­hig­keits­rente, mit der Du Deine laufenden Kosten für Familie, Wohnung, Ver­si­che­rungen und Lebensmittel finanzieren könntest. Als Faustregel empfehlen wir: Sichere mindestens 80 Prozent Deines aktuellen Nettoeinkommens ab.

Du kannst Dir aber auch genauer ausrechnen, welche BU-Rente Du benötigst. Schreibe dazu Deine jährlichen Einnahmen und Ausgaben auf. Überlege, welche Ausgaben Du weiterhin haben wirst, wenn Du nicht mehr arbeiten kannst. Dann teile diese durch zwölf. Einnahmen aus Vermietung oder Kapitalanlagen können den Absicherungsbedarf verringern. Gleiches gilt, falls Du eine private Ren­ten­ver­si­che­rung hast, deren Beginn sich notfalls vorverlegen lässt.

Bedenke außerdem, dass Du nicht in die gesetzliche Ren­ten­ver­si­che­rung einzahlst, wenn Du nicht mehr arbeiten kannst. Das bedeutet, die BU-Rente muss ausreichen, um weiter für das Alter vorzusorgen. Als Angestellter musst Du eigentlich sogar mehr Geld als zuvor in die Altersvorsorge stecken, um die fehlenden Einzahlungen durch den Arbeitgeber in die gesetzliche Ren­ten­ver­si­che­rung wegfallen.

Vorsicht bei hohen Renten: Viele BU-Versicherer verlangen eine zusätzliche ärztliche Untersuchung, wenn Du mehr als 2.500 Euro absichern möchtest. Dieser Gesundheits-Check-up kann es in sich haben. Wenn Du Pech hast, kommen Erkrankungen ans Tageslicht, von denen Du bisher nichts wusstest und die den Abschluss der BU erschweren. Außerdem erweitern die Versicherer in der Regel ihre Gesundheitsfragen. So fragen manche Versicherer für einen unbegrenzten Zeitraum nach Erkrankungen oder sie erfragen sogar die Krankheitsgeschichte Deiner Familie. Bei sehr hohen Rentenhöhen kann es daher sinnvoll sein, erst eine niedrigere Rentenhöhe unter 2.500 Euro abzuschließen und später zu erhöhen. Dann verlangt der Versicherer keine ärztliche Untersuchung.  

Eine Rentenhöhe von weniger als 1.000 Euro ist dagegen in der Regel wenig sinnvoll – es sei denn, Du bist noch anderweitig abgesichert. Denn solltest Du die staatliche Grundsicherung in Anspruch nehmen müssen, wird die BU-Rente mit den Sozialleistungen verrechnet.

Die Ausnahme von der Regel: Ist eine deutliche Gehaltssteigerung absehbar und Du hast einen Vertrag mit Nach­ver­si­che­rungs­ga­ran­tie, kann es sich auch lohnen, aus Budgetgründen zunächst eine niedrige BU-Rente zu vereinbaren. Das gilt zum Beispiel für Berufsanfänger oder Studenten.

Tipp 4: Akzeptiere keine abstrakte Verweisung

Abstrakte Verweisung bedeutet, dass der Anbieter die Leistung verweigern kann, falls der Betroffene theoretisch noch in der Lage ist, in einem anderen, gleichwertigen Beruf zu arbeiten. Dabei kommt es nicht darauf an, ob der Versicherte tatsächlich eine solche Anstellung findet. Stelle sicher, dass Dein Vertrag auf diese Klausel komplett verzichtet, damit Du nicht krank ohne Geld dastehst, falls Du keinen Job findest.

Wie entscheidend diese Regelung ist, zeigen wir Dir an einem Beispiel: Ein Vertriebsmitarbeiter im Außendienst sitzt täglich mehrere Stunden im Auto, um zu seinen Kunden zu fahren. Wegen eines schweren Rückenleidens kann er nicht mehr lange hinter dem Steuer sitzen und muss seinen Job im Außendienst aufgeben. Durch abstrakte Verweisung könnte ihn nun die Ver­si­che­rung auf den Innendienst verweisen, wenn diese Tätigkeit seinen Fähigkeiten und Kenntnissen entspricht. Ob er dort einen Job findet, prüft die Ver­si­che­rung hingegen nicht. Ohne abstrakte Verweisung zahlt die Ver­si­che­rung die dennoch eine Rente.

Tipp 5: Keine Anzeigepflicht nach Vertragsabschluss

Der Versicherer sollte darauf verzichten, dass Du ihn nach Vertragsabschluss über einen Berufswechsel oder ein erhöhtes Risiko informieren musst, zum Beispiel wenn Du Dir ein gefährliches Hobby wie Gleitschirmfliegen zugelegt hast.

Neu aufgetretene Erkrankungen nach Erhalt des Ver­si­che­rungsscheins musst Du auf keinen Fall beim Versicherer nachmelden.

Tipp 6: Nach­ver­si­che­rungs­ga­ran­tie vereinbaren

Damit die BU-Rente auch in 20 oder 30 Jahren noch reicht, ist es wichtig, dass Du die Rentenhöhe nachträglich anpassen kannst. Denn durch neue Lebensumstände wie eine Familiengründung können die Kosten für den Lebensunterhalt im Lauf der Zeit steigen. 

Mit einer Nach­ver­si­che­rungs­ga­ran­tie hast Du die Möglichkeit, zu bestimmten Anlässen wie Heirat, Geburt eines Kindes oder Gehaltserhöhung Deine BU-Rente auf einen Schlag hochzusetzen. Die Nach­ver­si­che­rungs­ga­ran­tie zu bestimmten Anlässen ist ein absolutes Muss. Denn als Abteilungsleiterin mit Kind und Haus benötigst Du eine höhere BU-Rente als noch zu Unizeiten. In der Regel kannst Du Deine Rente pro Anlass um 25 bis 50 Prozent erhöhen. Ab einem bestimmten Alter, etwa mit 45 oder 50 Jahren, ist dann meistens Schluss mit der Erhöhung. Prüfe daher unbedingt in Deinem Vertrag die Regelungen zur Nach­ver­si­che­rungs­ga­ran­tie. 

Noch besser ist es, wenn Dir der Anbieter die Möglichkeit gibt, ohne bestimmten Anlass die Rentenhöhe aufzustocken. Inzwischen erlauben das einige Versicherer ebenfalls bis zu einem bestimmten Alter, in der Regel bis zum 45. oder 50. Lebensjahr. Das ist besonders interessant, wenn Du die Rente aus Budgetgründen zuerst niedriger ansetzen musst, beispielsweise weil Du noch Kredite ablösen musst. Sieht Deine finanzielle Situation besser aus, kannst Du die Rentenhöhe ohne besonderen Anlass erhöhen. 

Allerdings wird für den Teil der Rente, den Du aufstockst, wie bei einem Neuabschluss der Ver­si­che­rung Dein aktuelles Lebensalter zugrunde gelegt. So kostet die nachträglich erhöhte Rente mehr als eine gleich hohe Rente, die direkt bei Vertragsbeginn vereinbart wurde. 

Achte darauf, dass der Versicherer keine erneute Gesundheits- oder Risikoprüfung verlangt. Eine Nachversicherung ohne erneute Gesundheitsprüfung ist in der Regel üblich. Bei der Risikoprüfung sieht das anders aus: Manche Versicherer fragen erneut nach Deinem aktuellen Beruf und nach Deinen Freizeitaktivitäten, wenn Du die Rentenhöhe anpassen möchtest. Je nachdem wie risikoreich sie Deine aktuelle Lebenssituation einschätzen, können sie eine Nachversicherung ablehnen oder einen Risikoaufschlag verlangen. Überprüfe daher in Deinem Vertrag, dass der Anbieter keine erneute Risikoprüfung bei der Nachversicherung vorsieht. 

Tipp 7: Beitragsdynamik wählen

Deine BU-Rente solltest Du auch regelmäßig an die Inflation anpassen, mit der Beitragsdynamik oder Leistungsdynamik. Denn Deine heute vereinbarte BU-Rente verliert mit den Jahren an Wert – das nennt sich auch Kaufkraftverlust. Eine BU-Rente von 1.500 Euro mag für Dich heute ausreichend sein, langfristig darfst Du aber die Inflation nicht außer Acht lassen. Benötigst Du Deine Ver­si­che­rung in 20 oder 30 Jahren, dann kommst Du möglicherweise mit den 1500 Euro BU-Rente nicht mehr über die Runden. Wie die folgende Tabelle zeigt, sind bei einer Inflation von 2 Prozent von 1.500 Euro Rente nach 20 Jahren nur noch 1.009 Euro reale Kaufkraft übrig.

Reale Kaufkraft von 1.500 Euro BU-Rente

 1 % Inflation2 % Inflation3 % Inflation
nach 10 Jahren1.358 €1.231 €1.116 €
nach 20 Jahren1.229 €1.009 €830 €
nach 30 Jahren1.113 €828 €618 €

Werte gerundet
Quelle: Finanztip-Berechnung (Stand: 03. März 2022)

Mit einer Beitragsdynamik kannst Du Deine BU-Rente an die Inflation anpassen, ohne dass es besonderer Anlässe bedarf. Der Beitrag steigt dadurch jährlich um einen festgelegten Prozentsatz, beispielsweise um 3 Prozent. Dafür erhöht sich auch Deine BU-Rente, allerdings nicht ebenfalls um 3 Prozent, sondern in etwas geringerem Umfang als der Beitrag. Wie bei der Nach­ver­si­che­rungs­ga­ran­tie verzichten die Anbieter auf eine erneute Gesundheitsprüfung.

Grundsätzlich solltest Du die jährliche Beitragsanpassung mitnehmen, aber dennoch darauf achten, dass die Ver­si­che­rung nicht zu teuer wird. Die Beitragsdynamik ist ein Recht des Kunden, keine Pflicht. Du kannst der Erhöhung also auch widersprechen, dann bleiben Beitrag und Rente gleich. Wie oft Du die Erhöhung aussetzen kannst, steht in Deinem Vertrag. Bei vielen Anbietern gilt: Lehnst Du die Dynamik dreimal hintereinander ab, gibt es keine weiteren Erhöhungen, und die versicherte Rente bleibt konstant.

Soll der Beitrag nur moderat steigen, kannst Du einfach jeden dritten Erhöhungsschritt mitmachen und Dir so das Recht auf weitere Erhöhungen sichern. Als Faustregel solltest Du ab dem 45. Geburtstag prüfen, ob sich die Dynamik durch das höhere Lebensalter noch rechnet.

Die Vereinbarung einer Leistungsdynamik ist dagegen kein Muss. Mit der Leistungsdynamik kannst Du Deine BU-Rente auch noch erhöhen, wenn Du schon berufsunfähig bist. Denn auch nach Eintritt der Be­rufs­un­fä­hig­keit nagt die Inflation an dem Wert Deiner Rente. Das ist vor allem problematisch, wenn Du in jungen Jahren berufsunfähig wirst und dann für mehrere Jahrzehnte mit einer konstanten Rente auskommen musst.

Viele Versicherer stellen Dir daher in Aussicht, dass sie Dich an Überschüssen beteiligen und dadurch Deine Rente jährlich steigt. Darauf ist aber kein Verlass. Besser Du vereinbarst das vertraglich, allerdings gegen einen Aufpreis: Für eine jährliche Rentenerhöhung von 2 Prozent wurden in einer Finanztip-Stichprobe unter acht BU-Anbietern durchschnittlich 13 Prozent mehr Beitrag fällig.

Die Leistungsdynamik ist als Zusatz sinnvoll – doch den Aufpreis solltest Du nicht bei der BU-Rentenhöhe einsparen! Wähle die Leistungsdynamik nur, wenn die Ver­si­che­rung für Dich langfristig bezahlbar bleibt.

Tipp 8: Kurzen Prognosezeitraum wählen

Der Prognosezeitraum ist die Dauer, für die Du nach ärztlicher Einschätzung berufsunfähig sein wirst. Dein Vertrag sollte die Rentenzahlung vorsehen, wenn ein Arzt die Be­rufs­un­fä­hig­keit für sechs Monate prognostiziert. Je länger der Prognosezeitraum, desto schwieriger ist eine zuverlässige medizinische Einschätzung.

Tipp 9: Rückwirkende Leistung vereinbaren 

Vergleiche die in den Verträgen vorgesehenen Meldefristen für die Be­rufs­un­fä­hig­keit. Am besten zahlt der Anbieter bei verspäteter Meldung bis zu drei Jahre rückwirkend BU-Rente. Das ist wichtig, weil eine Be­rufs­un­fä­hig­keit oft erst mit Verzögerung festgestellt wird.

Manche Tarife sehen vor, dass die Ver­si­che­rung nicht sofort zahlt, wenn die Be­rufs­un­fä­hig­keit festgestellt wird, sondern erst nach einer bestimmten Wartezeit. Diese Wartezeit nennt sich Karenzzeit. Diese kann sechs Monate betragen, aber auch zwei Jahre, je nachdem, was im Vertrag vereinbart ist. 

Dafür gibt es einen Nachlass auf die Beiträge. Falls Du über keine großen finanziellen Reserven verfügst, solltest Du Karenzzeiten aber vermeiden. Denn in der Zeit bis zum Beginn der Rentenzahlung musst Du Deine laufenden Kosten irgendwie begleichen. Dazu kommen unter Umständen auch noch die Beiträge für die Be­rufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung. In einigen Tarifen musst Du diese nämlich auch während der Karenzzeit weiterzahlen.

Bevor Du Dich für eine Be­rufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung mit Karenzzeit entscheidest, solltest Du deshalb unbedingt prüfen, ob Du genügend Ersparnisse hast, um die Wartezeit zu überbrücken. Die Leistungen aus einer privaten Krankentagegeld-Versicherung sind dazu nicht geeignet, denn sie zahlt nur bei vorübergehender Arbeitsunfähigkeit. Sobald die Be­rufs­un­fä­hig­keit festgestellt wird, kann die Krankentagegeld-Versicherung deshalb ihre Leistungen einstellen.

Tipp 10: Wähle die Pauschalregelung 

Nach der Pauschalregelung erhältst Du die volle Rentenzahlung, auch wenn Du nur zu 50 Prozent berufsunfähig bist. Bei einer Staffelregelung hingegen hättest Du nur Anspruch auf die halbe Rente. Zwar gibt es bereits bei 25-prozentiger Be­rufs­un­fä­hig­keit ein Viertel der Rente, die volle Rente aber erst bei 75 Prozent. Da es schnell zu Auseinandersetzungen um jeden Prozentpunkt kommen kann, solltest Du die Pauschalregelung vorziehen.

Tipp 11: Meide befristete Anerkenntnisse

Wenn der Versicherer den Rentenanspruch nur befristet anerkennt, musst Du nach Ablauf der Frist oftmals erneut Deine Be­rufs­un­fä­hig­keit nachweisen. Ersparen kannst Du Dir dieses Risiko, indem Du einen Anbieter wählst, der auf befristete Anerkenntnisse grundsätzlich verzichtet. Dann dreht sich die Beweislast zu Deinen Gunsten um. Das bedeutet, dass der Versicherer nun nachweisen muss, dass Du nicht mehr berufsunfähig bist. Dadurch ersparst Du Dir weitere kosten- und zeitaufwendige ärztliche Gutachten und hast außerdem bessere Chancen, dass der Versicherer Deine Be­rufs­un­fä­hig­keit weiterhin anerkennt. 

Tipp 12: Keine Arztanordnungsklausel akzeptieren 

Achten solltest Du außerdem darauf, dass Dein Versicherer im Vertrag auf die sogenannte Arztanordungsklausel verzichtet. Sonst kann der Versicherer die Zahlung einer BU-Rente verweigern, wenn Du ärztlich angeordnete oder emp­foh­lene Behandlungen ablehnst. 

Tipp 13: AU und BU einzeln absichern  

Viele BU-Versicherer bieten Dir einen zusätzlichen Schutz bei Arbeitsunfähigkeit an. Mit der Arbeitsunfähigkeitsklausel (AU-Klausel) bekommst Du nach sechs Monaten Arbeitsunfähigkeit einen monatlichen Betrag in Höhe der vereinbarten BU-Rente. Das Geld hilft Dir zwar, die Zeit bis zur Anerkennung der Be­rufs­un­fä­hig­keit zu überbrücken. Doch die AU-Klausel ist nicht ganz billig: Sie macht die Beiträge um rund 5 bis 10 Prozent teurer.

Prüfe, ob Du diese AU-Klausel wirklich benötigst: Bist Du gesetzlich krankenversichert, dann zahlt Dir die GKV Krankengeld in Höhe von 70 Prozent Deines Bruttoeinkommens. Wenn das Geld nicht ausreicht oder Du keine gesetzliche Kran­ken­ver­si­che­rung hast, solltest Du besser eine Krankentagegeld-Versicherung abschließen. Die zahlt schon viel früher als die Ar­beits­un­fähig­keits­ver­si­che­rung.

Bist Du schon genug über das Krankengeld oder Krankentagegeld abgesichert, dann solltest Du den Aufpreis für die Ar­beits­un­fähig­keits­ver­si­che­rung besser in eine höhere BU-Rente investieren.

Tipp 14: Auf Bruttobeitrag achten 

Wer Be­rufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rungen vergleicht, findet bei jedem Tarif zwei Preise: Netto- und Bruttoprämie. Den Nettobeitrag zahlst Du zum Start der BU-Versicherung. Er nennt sich deshalb auch Zahlbeitrag. Der Anbieter kann diesen Beitrag allerdings bis zum sogenannten Bruttobeitrag erhöhen, wenn er die Risiken oder seine Anlagegewinne nicht richtig kalkuliert hat.

Schaue deshalb bei der Auswahl eines Angebots nicht nur auf einen niedrigeren Nettobeitrag. Vergleiche auch, wie stark die Ver­si­che­rungen den Beitrag anheben können. Die Spanne zwischen den beiden Beiträgen sollte möglichst gering sein. Akzeptiere im Zweifel einen etwas höheren Nettobeitrag, wenn dafür der Bruttobeitrag deutlich geringer ist.

Tipp 15: Über Rechts­schutz­ver­si­che­rung nachdenken

Manchmal lehnen Versicherer Anträge auf eine BU-Rente zunächst ab. Laut dem Ver­si­che­rungsverband GDV zahlen die Anbieter in circa 20 Prozent der Fälle nicht.

Eine Rechts­schutz­ver­si­che­rung deckt die Anwalts- und Gerichtskosten ab und erleichtert es damit, Leistungsansprüche gegen den Versicherer juristisch durchzusetzen oder zumindest einen Vergleich zu erwirken. Schließe die Rechts­schutz­ver­si­che­rung in jedem Fall bei einem anderen Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men ab.

Wenn Du eine Rechts­schutz­ver­si­che­rung abschließen möchtest, dann erledige diesen Schritt mindestens drei Monate vor dem BU-Vertrag. Oft geht es bei Streitigkeiten mit dem BU-Versicherer um die Gesundheitsfragen, die Du vor dem Abschluss der BU beantwortet hast. Hast Du die Rechts­schutz­ver­si­che­rung erst später abgeschlossen, könnte sich die Ver­si­che­rung darauf berufen, dass der vermutete Rechtsverstoß vor Vertragsbeginn lag und eine Kostenübernahme verweigern. 

Inzwischen hat der Bundesgerichtshof in einigen Urteilen den Ver­si­che­rungsfall ver­brau­cher­freund­licher definiert. Es kommt aber laut Ver­si­che­rungs­om­buds­mann immer wieder zu Streit zur Frage, welcher Zeit­punkt als Rechtsschutzfall gilt.

BU mit Vorerkrankungen – geht das?

Je gesünder Du bist, desto besser stehen Deine Chancen auf eine günstige Be­rufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung. Aber auch mit Vorerkrankungen kannst Du noch eine Ver­si­che­rung bekommen. Auf die folgenden Punkte solltest Du aber achten.

Beantworte alle Gesundheitsfragen wahrheitsgemäß

Beim Abschluss einer BU ist es immens wichtig, sämtliche Gesundheitsfragen wahrheitsgemäß zu beantworten. Machst Du falsche Angaben oder vergisst Erkrankungen, kann die Ver­si­che­rung sich im schlimmsten Fall weigern zu zahlen.

Beim Ausfüllen des Gesundheitsfragebogens musst Du nur das angeben, wonach explizit gefragt wird. Bei Fragen, die sich nicht eindeutig mit „ja“ oder „nein“ beantworten lassen, solltest Du die Antwort ausformulieren. Reicht der Platz nicht aus, nutze ein zusätzliches Blatt.

Patientenakten anfordern 

Fülle den mehrseitigen Gesundheitsfragebogen auf keinen Fall direkt im Gespräch mit dem Ver­si­che­rungsmakler aus.

Fordere stattdessen zunächst Deine Patientenakten von allen Ärzten an, bei denen Du im gefragten Zeitraum warst. Bei guten Verträgen sind das höchstens die vergangenen fünf Jahre für ambulante Behandlungen und zehn Jahre bei Krankenhausaufenthalten. Du kannst auch bei der Kran­ken­kas­se erfragen, welche Daten und Diagnosen dort über Dich gespeichert sind. Manchmal finden sich in den Akten falsche Diagnosen oder Einträge, von denen Du gar nichts weißt. Falsche Einträge solltest Du korrigieren lassen.

In einigen Fällen kann es sich lohnen zu warten, bis Du kritische Behandlungen nicht mehr angeben musst. Warst Du beispielsweise vor vier Jahren in Psychotherapie, ist es sinnvoll, erst in einem Jahr eine BU abzuschließen.

Im Ver­si­che­rungsantrag wirst Du außerdem aufgefordert, Deine Ärzte von der Schweigepflicht zu entbinden. Es ist sinnvoll, das nicht pauschal für alle Ärzte zu tun, sondern nur im Einzelfall, sollte der Versicherer konkrete Rückfragen haben. So kannst Du nochmal mit dem betreffenden Arzt sprechen und ihn bitten, seine Auskünfte streng auf den im Antrag erfragten Zeitraum zu begrenzen.

Das alles ist mühsam, aber Deine finanzielle Existenz kann viele Jahre später davon abhängen. Bewahre eine Kopie der unterschriebenen Gesundheitsfragen gut auf, sodass diese beim Rentenantrag vorliegt und Du die Angaben vergleichen kannst.

Risikovoranfrage bei schwierigen Fällen

Zeichnet sich ab, dass es wegen gesundheitlicher Probleme schwierig wird, eine Be­rufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung zu bekommen, solltest Du eine anonymisierte Risikovoranfrage machen. Ein Ver­si­che­rungsmakler oder -berater fragt dann bei verschiedenen Versicherern nach, unter welchen Voraussetzungen sie Dich versichern würden. Dabei nennt er aber weder Deinen Namen, noch Deine Adresse oder Geburtsdatum.

So umgehst Du einen Eintrag im Hinweis- und Informationssystem der deutschen Ver­si­che­rungswirtschaft (kurz: HIS). Versicherer können dort eine Meldung machen, wenn sie Dich aus gesundheitlichen Gründen ablehnen. Dadurch kannst Du Schwierigkeiten bekommen, bei einem anderen Versicherer eine BU zu bekommen.

Dennoch kann es passieren, dass Du nur Angebote mit einer Ausschlussklausel bekommst. Das bedeutet, der Anbieter schließt ein bestimmtes Leiden oder einen bestimmten Körperbereich vom Ver­si­che­rungs­schutz aus. Wirst Du dann berufsunfähig und die Ursache dafür steht in der Ausschlussklausel, bekommst Du kein Geld.

Deshalb solltest Du die genauen Formulierungen der Klauseln bei verschiedenen Versicherern vergleichen und gegebenenfalls durch den Berater oder Makler verhandeln lassen. Je präziser formuliert ist, was der Anbieter vom Ver­si­che­rungs­schutz ausschließt, desto besser. Nach einem Bandscheibenvorfall schließen einige Anbieter die komplette Wirbelsäule samt aller damit zusammenhängenden Erkrankungen aus. Besser ist es, wenn die Ver­si­che­rung wenigstens bei Tumoren, Brüchen oder Infektionen an der Wirbelsäule zahlt.

Es ist auch möglich, dass Du einen Risikozuschlag zahlen sollst, also einen höheren Beitrag aufgrund der gesundheitlichen Beeinträchtigung. Ein Risikozuschlag ist gegenüber einer Ausschlussklausel oft die bessere Wahl, weil Ver­si­che­rungs­schutz für alle Erkrankungen besteht. Das gilt allerdings nur, wenn der Beitrag dadurch nicht zu teuer wird.

Hast Du eine Ausschlussklausel im Vertrag und seit mehreren Jahren keine Beschwerden mehr, kannst Du um eine Überprüfung bitten. Mit aktuellen Unterlagen vom Arzt ist es in der Regel möglich, Ausschlüsse nach ein bis zwei Jahren aus dem Vertrag zu streichen.

BU ohne Gesundheitsfragen

Eine BU ohne Gesundheitsfragen ist praktisch nicht zu bekommen. Hin und wieder bieten einzelne Versicherer Sonderaktionen an, bei denen andere Gesundheitsfragen gestellt werden als gewöhnlich. Diese können, je nach Deiner Erkrankung, vorteilhaft für Dich sein. Sie werden allerdings selten öffentlich gemacht, sondern meist nur Ver­si­che­rungsvermittlern und -beratern mitgeteilt. Gut informierte Berater kennen die aktuellen Aktionen der Versicherer. Solltest Du im ersten Versuch keine BU bekommen, bitte Deinen Vermittler, Deinen Fall für künftige Aktionen der Versicherer im Hinterkopf zu behalten.

Eine gute Möglichkeit trotz Vorerkrankungen an eine BU zu kommen, ist ein Gruppenvertrag über den Arbeitgeber – meist in Kombination mit einer betrieblichen Altersvorsorge. Der Vorteil solcher Gruppenversicherungen: Die detaillierte Gesundheitsprüfung entfällt. Stattdessen reicht eine vereinfachte Gesundheitsprüfung. Bei dieser musst Du oft nur angeben, ob Du in einem bestimmten Zeitraum länger krankgeschrieben warst.

Auch Menschen in „Risikoberufen“ kann ein Gruppenvertrag zu bezahlbarem BU-Schutz verhelfen. Das funktioniert allerdings nur, wenn Angehörige verschiedener Risikogruppen in einem Unternehmen arbeiten, also Büroangestellte und körperlich Tätige gleichermaßen. Denn die Ver­si­che­rung berechnet das durchschnittliche Risiko für alle Mitarbeiter und bietet allen den gleichen Tarif an. Es kann sich also lohnen, mal bei der Chefin nachzufragen.

Wenn Du Mitglied in einem Berufsverband bist, gibt es unter Umständen auch die Chance, eine Be­rufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung mit vereinfachter Gesundheitsprüfung abzuschließen. Bei einigen Verbänden reicht es sogar, einfach nur dem Berufsstand anzugehören. Du musst also kein Mitglied im Verband sein, um die Konditionen zu bekommen.

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Be­rufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung und Corona

Wer bereits eine Be­rufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung hat und dann in Folge einer Covid-19-Erkrankung berufsunfähig wird, hat vollen Ver­si­che­rungs­schutz. Damit Du eine BU-Rente bekommst, musst Du nachweisen, Deinen aktuellen Beruf zu mindestens 50 Prozent nicht mehr ausüben zu können. Auf die Ursache der Be­rufs­un­fä­hig­keit kommt es dabei nicht an. 

Die Debeka hat zuletzt gemeldet, dass sie im Jahr 2021 in sechs Fällen eine Be­rufs­un­fä­hig­keits­rente wegen Corona gezahlt hat.

BU-Abschluss mit Corona 

Wer bereits eine Corona-Infektion durchgemacht hat und noch keine BU hat, kann grundsätzlich immer noch Ver­si­che­rungs­schutz bekommen. 

Entscheidend ist in erster Linie, wie Deine Erkrankung verlaufen ist. Hattest Du keine oder nur leichte Symptome und bist schon länger wieder gesund, sollte eine Covid-19-Erkrankung nicht zu erschwerten Bedingungen beim Abschluss einer BU führen. Die Axa hat uns auf Nachfrage geantwortet, dass ein Kunde mit einer folgenlos ausgeheilten Corona-Erkrankung zu den üblichen Konditionen angenommen werden kann. Die Bayerische bietet normalen Ver­si­che­rungs­schutz an, wenn seit vollständiger Beschwerde- und Behandlungsfreiheit vier Wochen vergangen sind.

Bei den Gesundheitsfragen musst Du eine ärztlich festgestellte Corona-Infektion dennoch immer angeben und das unabhängig davon, ob Du Symptome hattest oder nicht. Manche Versicherer fragen explizit nach einer vergangenen Covid-Infektion, bei anderen musst Du die sie als durchgestandene Infektionskrankheit im Gesundheitsfragebogen angeben. 

Bei mittlerem und schwerem Verlauf, zum Beispiel mit Krankenhausaufenthalt, wirst Du Dich mit einem BU-Abschluss gedulden müssen. Viele Versicherer stellen Deinen Antrag erst einmal für mehrere Monate zurück, um sicherzustellen, dass Du wieder vollständig genesen bist. Einigen reichen dafür drei Monate, andere fordern zwölf. Solange Du jedoch keine Langzeitfolgen davon trägst, sollte ein Abschluss danach ohne große Probleme möglich sein.  

Wenn Du unter Langzeitfolgen leidest (Long-Covid), musst Du mit einem Preisaufschlag, einem Leistungsausschluss oder gar einer Ablehnung Deines Antrags rechnen. Zu welchen Bedingungen Du aufgenommen wirst, ist allerdings immer eine Einzelfallentscheidung der jeweiligen Ver­si­che­rung. Mit einer anonymisierten Risikoanfrage bei verschiedenen Versicherern kann Dir ein Ver­si­che­rungsmakler helfen, den passenden Ver­si­che­rungs­schutz zu finden. 

BU-Checkliste zum Download

Die wichtigsten Punkte, auf die Du bei der Auswahl Deiner BU-Versicherung achten musst, haben wir in einer Checkliste zusammengestellt. Diese kannst Du auch in einem Beratungsgespräch mit einem Makler oder Honorarberater nutzen, um sicherzugehen, dass dieser alle relevanten Aspekte anspricht. Erläuterungen zu den wichtigsten Punkten findest Du weiter oben im Text. 

BU-Checkliste 

Lade Dir unsere Checkliste für eine Be­rufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung herunter:

Zum Download

Unser Podcast zum Thema

Emp­feh­lungen aus dem Ratgeber

Die wichtigsten Fragen zusammengefasst

Wer braucht eine Be­rufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung?

Was kostet eine Be­rufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung?

Worauf solltest Du bei einer BU achten?

Wo gibt es die beste BU-Versicherung?

Wie hoch sollte die Be­rufs­un­fä­hig­keits­rente sein?

Darfst Du Vorerkrankungen verschweigen?

Autoren
Julia Rieder
Martin Klotz
Barbara Weber

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