Berufsunfähigkeitsversicherung

Wie Sie sich richtig gegen Berufsunfähigkeit absichern

Julia Rieder Stand: 10. Mai 2019
Das Wichtigste in Kürze
  • Eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) ist sinnvoll für alle, die von ihrem Arbeitseinkommen leben.
  • Falls Sie irgendwann nicht mehr arbeiten können, reicht die gesetzliche Erwerbsminderungsrente meist nicht aus.
  • Ihr Gesundheitszustand entscheidet mit darüber, ob Sie eine Berufsunfähigkeitsversicherung bekommen und zu welchem Preis. Daher ist es sinnvoll, den Vertrag so früh und gesund wie möglich abzuschließen.
So gehen Sie vor
  • Lassen Sie sich vor Abschluss einer BU beraten und holen Sie mehrere Angebote ein. Wir haben geeignete Versicherungsvermittler ausgesucht und empfehlen Hoesch & Partner, Buforum24, Zeroprov, Dr. Schlemann unabhängige Finanzberatung sowie P&F.
  • Wichtige Hinweise und Tipps für die Suche nach dem passenden Vertrag finden Sie in unserer BU-Checkliste.
  • Beantworten Sie die Gesundheitsfragen im Antrag unbedingt wahrheitsgemäß und mithilfe Ihrer Ärzte und Behandlungsunterlagen.
  • Wenn Sie keine BU bekommen, können Sie sich nach Alternativen zu dieser Versicherung umschauen.

Der Rücken macht einfach nicht mehr mit. Nach mehreren Bandscheibenvorfällen bereitet längeres Sitzen höllische Schmerzen, an körperliche Arbeit ist nicht zu denken. Egal, ob Elektriker oder Sachbearbeiterin – eine solche Diagnose kann das berufliche Ende bedeuten. Wer dann ohne Einkommen dasteht, dem droht der finanzielle Ruin. Die staatliche Absicherung durch die Erwerbsminderungsrente ist knapp bemessen und greift nicht in allen Fällen. Deswegen sollte jeder Berufstätige über eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) nachdenken.

Wie funktioniert die Berufsunfähigkeitsversicherung?

Die Berufsunfähigkeitsversicherung zahlt eine monatliche Rente, wenn Sie Ihren zuletzt ausgeübten Beruf, so wie er ohne gesundheitliche Beeinträchtigung ausgestaltet war, voraussichtlich auf Dauer nicht mehr machen können (§ 172 Abs. 2 VVG). Das bedeutet, eine Leistung aus der BU-Versicherung ist an den letzten Beruf gekoppelt. Ob Sie noch einen anderen Job machen könnten, ist unwichtig.

Ob ein Unfall oder eine Krankheit der Grund für die Berufsunfähigkeit ist, spielt für die Versicherung keine Rolle. Diese zahlt, wenn Sie nach deren Einschätzung zu mindestens 50 Prozent berufsunfähig sind. Das bedeutet, Sie haben mindestens die Hälfte Ihrer Leistungsfähigkeit verloren und können für Ihren Beruf wichtige Tätigkeiten nicht mehr ausüben oder nur noch eine geringe Anzahl an Stunden arbeiten.

Um das nachzuweisen, müssen Betroffene zahlreiche Unterlagen bei der Versicherung einreichen, darunter Arztberichte und Beschreibungen ihrer Tätigkeit. Wenn die Berufsunfähigkeit feststeht, zahlt der Versicherer die im Vertrag vereinbarte monatliche Rente an den Versicherten. Das zuvor erzielte Einkommen hat dabei keine Bedeutung.

Wer braucht eine Berufsunfähigkeitsversicherung?

Die staatliche Absicherung für Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr arbeiten können, reicht für den Lebensunterhalt selten aus. Jedem, der in den vergangenen fünf Jahren mindestens 36 Monate in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt hat, steht zwar grundsätzlich eine Erwerbsminderungsrente zu. Diese lag im Jahr 2017 aber durchschnittlich nur bei 716 Euro pro Monat. Das geht aus Statistiken der Deutschen Rentenversicherung hervor.

Wie hoch Ihre Erwerbsminderungsrente nach jetzigem Stand ausfallen würde, sehen Sie in Ihrer jährlichen Renteninformation.

Eine Erwerbsminderungsrente bekommt außerdem nur, wer in keinem Beruf länger als drei Stunden arbeiten kann. Ein leitender Angestellter, der noch als Pförtner arbeiten kann, geht also leer aus. Menschen, die noch drei bis sechs Stunden pro Tag in irgendeinem Beruf arbeiten können, wird nur die halbe Erwerbsminderungsrente zugesprochen. 2014 wurde etwa die Hälfte der Anträge auf Erwerbsminderungsrente abgelehnt.

Es ist deshalb notwendig, privat vorzusorgen für den Fall, dass Sie nicht mehr arbeiten können. Darauf verzichten können Sie nur dann, wenn Sie durch vorhandenes Vermögen oder durch Ihre Familie bereits ausreichend versorgt sind, also auf Ihr Arbeitseinkommen nicht angewiesen sind. Die Berufsunfähigkeitsversicherung bietet die umfassendste Möglichkeit zur Absicherung Ihrer Arbeitskraft, ist in vielen Fällen aber auch sehr teuer. Die Kernfrage ist deshalb weniger, ob eine BU-Versicherung sinnvoll ist, sondern eher, ob Sie sich den BU-Schutz leisten können und wollen.

Besonders wichtig ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung für

  • alle Erwerbstätigen, die nicht auf ihr Einkommen verzichten können;
  • Selbstständige, da sie oft nicht gesetzlich rentenversichert sind (obwohl in einigen Fällen eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung sinnvoller sein kann); und
  • Berufsanfänger, weil sich junge Menschen mit guter Gesundheit noch recht günstig versichern können.

Beamte können eine Dienstunfähigkeitsversicherung abschließen

Eher optional ist eine BU hingegen für Beamte nach mehr als fünfjähriger Dienstzeit. Sie erhalten ein Ruhegehalt, das deutlich über dem Niveau der Erwerbsminderungsrente liegt. Falls ihre Lebenshaltungskosten höher sind als ihr Anspruch auf Ruhegehalt, können Beamte zusätzlich eine Dienstunfähigkeitsversicherung abschließen. Berufsanfänger mit weniger als fünf Jahren Dienstzeit haben noch keinen Anspruch auf ein Ruhegehalt.

Wer einen Haushalt führt, bekommt schwer BU-Schutz

Den Abschluss einer BU-Versicherung ebenfalls genau überlegen sollten sich Hausfrauen und -männer. Zwar können Kosten für ein Kindermädchen oder eine Haushaltshilfe entstehen, wenn sie ausfallen. Allerdings sind gute BU-Verträge für Hausfrauen nur schwer zu bekommen, oft teuer und meist nur mit einer sehr niedrigen Rentenhöhe abschließbar. Wer hingegen schon einen BU-Vertrag hat und womöglich irgendwann wieder arbeiten geht, sollte die Berufsunfähigkeitsversicherung möglichst behalten.

Geld sparen ist nur selten eine Alternative

Den Beitrag für eine Berufsunfähigkeitsversicherung zu sparen und stattdessen regelmäßig Geld für schlechte Zeiten zur Seite zu legen, erscheint zunächst verlockend. Werden Sie nur für kurze Zeit oder erst gegen Ende Ihres Arbeitslebens berufsunfähig, mag das auch funktionieren. Allerdings zahlen Sie auch nicht in die Rentenkasse ein, wenn Sie nicht mehr arbeiten können. Das bedeutet, Sie müssen trotz Berufsunfähigkeit privat vorsorgen, wenn Sie im Alter nicht mit einem sehr niedrigen Einkommen dastehen wollen.

Menschen, die aus Gesundheitsgründen nicht mehr arbeiten können, sind nach Angaben der Deutschen Rentenversicherung zufolge im Schnitt erst 52 Jahre alt. Wenn Sie in diesem Alter berufsunfähig werden und die Zeit bis zur regulären Rente mit 67 mit Ihren Ersparnissen überbrücken wollen, brauchen Sie ein großes Vermögen. Um sich 2.000 Euro im Monat auszahlen zu können, müssten Sie 360.000 Euro gespart haben; je nachdem wie sich die Zinsen entwickeln vielleicht auch etwas weniger. Das dürfte nur den wenigsten gelingen.

Was sind die Ursachen für Berufsunfähigkeit?

Berufsunfähig ist, wer aus gesundheitlichen Gründen seinen Beruf mindestens sechs Monate nicht ausüben kann. Die folgende Grafik zeigt die wichtigsten Gründe.

Die Wahrscheinlichkeit, berufsunfähig zu werden, hängt stark vom Beruf ab: Wer körperlich arbeitet, hat grundsätzlich ein höheres Risiko als jemand mit einem Bürojob. Allerdings sind psychische Erkrankungen mittlerweile die häufigste Ursache für Berufsunfähigkeit. Und von diesen sind sowohl körperlich als auch nicht-körperlich Tätige betroffen.

Was kostet eine BU?

Die Berufsunfähigkeitsversicherung bietet den umfassendsten Schutz für den Fall, dass Sie nicht mehr arbeiten können. Denn in der BU spielt es keine Rolle, aus welchem Grund Sie Ihren Beruf nicht mehr ausüben können. Andere Versicherungen wie die Unfall- oder Dread-Disease-Versicherung zahlen nur bei bestimmten Ereignissen.

Allerdings ist der Beitragsunterschied zwischen den verschiedenen Anbietern und für verschiedene Berufsgruppen drastisch: Ein Maurer zahlt in der Berufsunfähigkeitsversicherung mehr als viermal so viel Beitrag wie eine Mathematikerin oder ein Maschinenbauingenieur, die ihre Arbeitszeit überwiegend am Schreibtisch verbringen.

Wer sehr viel für den BU-Schutz zahlen muss, sollte abwägen, ob er sich eine Berufsunfähigkeitsversicherung dauerhaft leisten kann oder ob möglicherweise auch eine Alternative infrage kommt, die allerdings weniger Schutz bietet.

Riskante Berufe oder Hobbys machen die BU teuer

Die Versicherung setzt den Beitrag danach fest, für wie wahrscheinlich sie es hält, dass der Kunde tatsächlich berufsunfähig wird. Körperlich Tätige in sozialen und handwerklichen Berufen sind klar im Nachteil, denn sie halten statistisch gesehen seltener bis zur normalen Altersrente durch. Das führt dazu, dass gerade Menschen, die den BU-Schutz am dringendsten bräuchten, ihn oft nicht bezahlen können. Künstler, Flugbegleiter und Piloten, aber auch Tauchlehrer oder Barkeeper bekommen oft überhaupt keine BU-Versicherung.

Wer in seiner Freizeit gerne Eishockey spielt, klettert oder reitet, zahlt ebenfalls oft drauf, denn die Anbieter verlangen auch für risikoreiche Hobbys einen höheren Beitrag. Dennoch lohnt es sich, nicht gleich aufzugeben, denn verschiedene Versicherer schätzen Risiken sehr unterschiedlich ein. Berufe und Hobbys, die den Beitrag bei einem Anbieter extrem verteuern, können bei einem anderen kaum ins Gewicht fallen.

Was Sie tun können, wenn Ihnen die Berufsunfähigkeitsversicherung zu teuer ist, erklären wir weiter unten in diesem Ratgeber.

Krankheiten mit Folgen

Der Gesundheitszustand ist noch entscheidender als der Beruf dafür, ob es bezahlbaren BU-Schutz gibt. Mit einigen Erkrankungen wie Diabetes Typ 1 oder Epilepsie ist es schwer, überhaupt einen Vertrag zu bekommen. Aber auch vergleichsweise harmlose Leiden wie Allergien oder ausgeheilte Rückenbeschwerden können dazu führen, dass Anbieter erhöhte Beiträge verlangen oder ganze Körperbereiche vom Versicherungsschutz ausschließen.

Vorerkrankungen deshalb zu verschweigen, ist aber keine Lösung. Denn im Leistungsfall forscht der Versicherer genau nach. Sollte er feststellen, dass Sie beim Vertragsabschluss Gesundheitsfragen falsch beantwortet haben, kann er vom Vertrag zurücktreten und sich weigern, die Rente zu zahlen.

Besser ist es, gemeinsam mit einem Makler oder Versicherungsberater eine Risikovoranfrage bei mehreren Versicherungen zu stellen. So können Sie vergleichen, zu welchen Konditionen verschiedene Anbieter Sie versichern würden, ohne zu riskieren, dass einer Ihren Antrag ablehnt.

Auch das ist zu beachten: Eine Ablehnung kann Ihre Chance schmälern, überhaupt einen Vertrag zu bekommen, weil die Versicherungen negative Informationen über Kunden untereinander austauschen.

Welche Möglichkeiten es noch gibt, trotz Vorerkrankungen Versicherungsschutz zu bekommen, lesen Sie hier.

Was ist vor dem Vertragsabschluss zu beachten?

Die wichtigsten Punkte, auf die Sie bei der Auswahl Ihrer BU-Versicherung achten müssen, haben wir in einer Checkliste zusammengestellt. Diese können Sie auch in einem Beratungsgespräch mit einem Makler oder Honorarberater nutzen, um sicherzugehen, dass dieser alle relevanten Aspekte anspricht.

Laden Sie sich unsere Checkliste für eine Berufsunfähigkeitsversicherung herunter:

Zum Download

 Hier einige Erläuterungen zu wichtigen Punkten:

BU-Versicherung so früh wie möglich abschließen

Je gesünder Sie sind, wenn Sie die Berufsunfähigkeitsversicherung beantragen, desto günstiger ist Ihr Beitrag und desto geringer ist das Risiko, dass Versicherer Sie ablehnen. Deshalb sollten Sie sich mit der BU-Versicherung möglichst befassen, sobald Sie Ihr erstes regelmäßiges Einkommen beziehen.

Falls es auf das Jahresende zugeht, kann es sinnvoll sein, sich mit dem Antrag zu beeilen. Denn bei einigen Versicherungen wird der Versicherungsnehmer per Vertrag immer an Silvester ein Jahr älter, nicht am tatsächlichen Geburtstag. Es kann daher sein, dass die Beiträge höher sind, wenn Sie erst im neuen Jahr den Vertrag abschließen. Manche Gesellschaften bieten allerdings kurz nach dem Jahreswechsel oder dem Geburtstag an, den Vertrag zurückzudatieren. Den Beitrag berechnen sie dann noch nach dem vorherigen Alter. Ob das möglich ist, können Sie mit einem Anruf bei der Versicherung klären.

Kombiprodukte mit Lebens- oder Rentenversicherungen meiden

Sie können eine BU-Versicherung in drei verschiedenen Formen abschließen:

  • als selbstständige Berufsunfähigkeitsversicherung,
  • als Zusatzversicherung zu einer Risikolebensversicherung oder
  • als Zusatzversicherung zu einer Kapitallebens- oder Rentenversicherung.

In der Regel sollten Sie eine selbstständige BU-Versicherung wählen. In seltenen Fällen ist die Kombination mit einer Risikolebensversicherung aber günstiger. Die Todesfallsumme für die Risikolebensversicherung sollte dann aber möglichst gering sein, damit der Beitrag für die Kombination günstig bleibt.

Wer Angehörige absichern will und deshalb eine hohe Todesfallsumme braucht, sollte sich lieber separat versichern. Der Vorteil von zwei getrennten Verträgen ist, dass Sie flexibler bleiben. Brauchen Sie die Risikolebensversicherung nicht mehr, weil Sie beispielsweise das Eigenheim abgezahlt haben oder die Kinder erwachsen sind, können Sie die Police kündigen, ohne Ihre BU-Versicherung anzutasten.

Von einer Kombination der BU-Versicherung mit einer Kapitallebens- oder Rentenversicherung raten wir ab. Der zusätzliche Anteil für die Kapitalanlage macht den ohnehin recht hohen Beitrag für die Berufsunfähigkeitsversicherung nochmal deutlich teurer. Das verleitet dazu, eine zu niedrige Berufsunfähigkeitsrente zu vereinbaren. Wer sich wegen Arbeitslosigkeit, Elternzeit oder anderer finanzieller Engpässe den Beitrag nicht mehr leisten kann, verliert zusammen mit der Altersvorsorge auch den BU-Schutz. Wir empfehlen deshalb grundsätzlich, Sparverträge und die Versicherung gegen existenzielle Risiken zu trennen.

Makler bewerben solche Berufsunfähigkeitszusatzversicherungen (BUZ) häufig mit dem Argument, dass mit ihnen die Altersvorsorge auch bei Berufsunfähigkeit gesichert sei. Denn einige Versicherer zahlen im Fall der Berufsunfähigkeit anstelle des Kunden weiter in die Lebens- oder Rentenversicherung ein. Aus unserer Sicht die bessere Variante: Berücksichtigen Sie die Kosten für die Altersvorsorge bei der Höhe der Berufsunfähigkeitsrente, die Sie versichern.

Die BU-Rente hoch genug ansetzen

Viele BU-Renten sind viel zu niedrig. Achten Sie darauf, dass die versicherte Summe reicht, um Ihre laufenden Kosten für Familie, Wohnung, Versicherungen und Lebensmittel zu finanzieren. Bedenken Sie außerdem, dass Sie nicht in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen, wenn Sie nicht mehr arbeiten können. Das bedeutet, die BU-Rente muss ausreichen, um weiter für das Alter vorzusorgen. Dabei müssen Sie eigentlich sogar mehr Geld als zuvor in die Altersvorsorge stecken, um die fehlenden Einzahlungen in die gesetzliche Rentenversicherung auszugleichen.

Wie viel BU-Rente Sie bräuchten, können Sie bestimmen, indem Sie Ihre jährlichen Ausgaben aufschreiben. Überlegen Sie, welche Ausgaben Sie weiterhin haben werden im Fall, dass Sie nicht mehr arbeiten können. Dann teilen Sie diese durch zwölf.

Einnahmen aus Vermietung oder Kapitalanlagen können den Absicherungsbedarf verringern. Gleiches gilt, falls Sie eine private Rentenversicherung haben, deren Beginn sich notfalls vorverlegen lässt.

Eine Rentenhöhe von weniger als 1.000 Euro ist in der Regel wenig sinnvoll – es sei denn, Sie sind noch anderweitig abgesichert. Denn sollten Sie die staatliche Grundsicherung in Anspruch nehmen müssen, wird die BU-Rente mit den Sozialleistungen verrechnet. Die Ausnahme von der Regel: Ist eine deutliche Gehaltssteigerung absehbar und Sie haben einen Vertrag mit Nachversicherungsgarantie, kann es sich auch lohnen, aus Budgetgründen zunächst eine niedrige BU-Rente zu vereinbaren. Das gilt zum Beispiel für Berufsanfänger.

Wählen Sie nur einen Versicherer mit hoher Finanzkraft

Werden Sie berufsunfähig, ist es entscheidend, dass der Versicherer Ihre Rente auch tatsächlich bezahlen kann. Daher ist es sehr wichtig, einen finanziell soliden Anbieter zu wählen, den es auch in 20 oder 30 Jahren noch gibt. Fragen Sie Ihren Makler oder Versicherungsberater deshalb nach der Finanzkraft des Versicherers, bevor Sie sich für ein Angebot entscheiden.

Tarife mit guten Bewertungen wählen

Analysehäuser wie Morgen & Morgen oder Franke & Bornberg vergleichen die Versicherungsbedingungen unterschiedlicher BU-Anbieter. Schließen Sie nur Tarife ab, deren Bedingungen die höchstmögliche Bewertung haben. Bei Morgen & Morgen sind das fünf Sterne und bei Franke & Bornberg ist es ein „FFF“.

Neben der Gesamtbewertung ist bei Morgen & Morgen auch das Teilrating „BU-Kompetenz“ interessant. Die Kompetenz des Versicherers sollte mit mindestens vier Sternen bewertet sein. Geprüft werden die Erfahrung mit Berufsunfähigkeitsversicherungen sowie eine professionelle und faire Bearbeitung der Leistungsfälle.

Die Ratings können Sie bei einem von uns empfohlenen Versicherungsmakler anfordern oder selbst auf den Websites von Morgen & Morgen und Franke & Bornberg nachschauen.

Möglichst geringe Spanne zwischen Brutto- und Nettobeitrag

Wer Berufsunfähigkeitsversicherungen vergleicht, findet bei jedem Tarif zwei Preise: Netto- und Bruttoprämie. Den Nettobeitrag zahlen Sie zum Start der BU-Versicherung. Er nennt sich deshalb auch Zahlbeitrag. Der Anbieter kann diesen Beitrag allerdings bis zum sogenannten Bruttobeitrag erhöhen, wenn er die Risiken oder seine Anlagegewinne nicht richtig kalkuliert hat.

Versicherer, die ihr Geschäft ankurbeln möchten, locken Kunden mit geringen Zahlbeiträgen bei gleichzeitig hohen Bruttoprämien. Für Kunden besteht dann aber das Risiko, dass die Beiträge in Zukunft deutlich steigen. In den vergangenen Jahren mussten bereits einige Versicherungen den Zahlbeitrag von laufenden Verträgen anheben. Weil der Wettbewerb zwischen den Anbietern hart ist und auch Versicherungen mit den niedrigen Zinsen an den Kapitalmärkten zu kämpfen haben, ist damit zu rechnen, dass Beiträge auch in Zukunft öfter erhöht werden.

Schauen Sie deshalb bei der Auswahl eines Angebots nicht nur auf einen niedrigeren Nettobeitrag. Vergleichen Sie auch, wie stark die Versicherungen den Beitrag anheben können. Die Spanne zwischen den beiden Beiträgen sollte möglichst gering sein. Akzeptieren Sie im Zweifel einen etwas höheren Nettobeitrag, wenn dafür der Bruttobeitrag deutlich geringer ist.

Ob in einem konkreten Fall tatsächlich 50 Prozent Berufsunfähigkeit vorliegt, ist häufig nicht ganz eindeutig. Das führt dazu, dass Versicherer Anträge auf eine BU-Rente oft zunächst ablehnen. Laut dem Versicherungsverband GDV zahlen die Anbieter in etwa einem Viertel der Fälle nicht.

Zu ähnlichen Ergebnissen kommt auch eine Studie von Premium Circle. Nach Erkenntnissen des Beratungsunternehmens aus dem Jahr 2016 lehnen einzelne Versicherer sogar mehr als die Hälfte aller Leistungsanträge ab. Immer wieder kommt es deswegen zu Gerichtsverfahren. Einer Stichprobe des Analysehauses Franke & Bornberg zufolge wurden 2014 bis 2016 rund 3 Prozent der BU-Fälle vor Gericht geklärt.

Eine Rechtsschutzversicherung deckt die Anwalts- und Gerichtskosten ab und erleichtert es damit, Leistungsansprüche gegen den Versicherer juristisch durchzusetzen oder zumindest einen Vergleich zu erwirken. Nach Möglichkeit sollten Sie die Rechtsschutzversicherung nicht beim selben Versicherungsunternehmen wie die BU-Versicherung abschließen.

Früher war es notwendig, die Rechtsschutzversicherung schon vor dem BU-Vertrag abzuschließen, damit auch wirklich alle Streitfälle rund um die Berufsunfähigkeitsversicherung abgedeckt waren. Häufig weigert sich diese zu zahlen, weil der Versicherte angeblich die Gesundheitsfragen im Antrag falsch beantwortet hat – und das liegt oft lange zurück. Hat der Betroffene erst später eine Rechtsschutzversicherung abgeschlossen, konnte diese die Deckung für einen solchen Streit verweigern, weil der vermutete Rechtsverstoß vor Vertragsbeginn lag.

Inzwischen hat der Bundesgerichtshof in einigen Urteilen den Versicherungsfall verbraucherfreundlicher definiert. Dennoch gibt es laut dem Versicherungsombudsmann immer wieder Streit darum, welcher Zeitpunkt als Rechtsschutzfall gilt. Wer dem aus dem Weg gehen will, kann die Rechtsschutzversicherung drei Monate vor dem BU-Vertrag abschließen.

Wo kann ich mich beraten lassen?

An einer individuellen Beratung kommen Sie beim komplexen Thema Berufsunfähigkeitsversicherung in aller Regel nicht vorbei. Zwar können Sie sich auf Vergleichsportalen oder bei Direktversicherern ein erstes Gefühl dafür verschaffen, was eine BU-Versicherung kostet.

Der Online-Vergleich kann jedoch keine Beratung ersetzen. Die ist aber wichtig, wenn Sie sich nicht alleine durch das Dickicht der zahlreichen Tarife und Versicherungsbedingungen kämpfen wollen. Denn bei der Berufsunfähigkeitsversicherung zählt am Ende vor allem die Leistung, nicht vorrangig der Preis.

Zudem schaffen viele Interessenten die Gesundheitsfragen nicht anstandslos. Ein Versicherungsvermittler kann anonymisierte Risikovoranfragen bei verschiedenen Unternehmen stellen und so die Versicherung finden, die für Ihren individuellen Fall die günstigsten Bedingungen bietet.

Diese Vermittler empfehlen wir

Es ist schwierig, einen vertrauenswürdigen und kompetenten Versicherungsvermittler zu finden. Wir haben in einer Ausschreibung Spezialisten für die Beratung zur BU und alternativen Absicherungsformen gesucht und Versicherungsmakler gefunden, die wir für empfehlenswert halten.

Wir haben die Makler nach formalen Kriterien ausgewählt, wie Erfahrung und Qualifikation, und uns zu stichprobenartig ausgewählten Fällen Beratungsdokumentationen angesehen. Die Qualität der individuellen Beratung können wir jedoch nicht überprüfen. Erzählen Sie uns deshalb bitte in unserer Community von Ihren Erfahrungen mit unseren Empfehlungen.

Alle von uns empfohlenen Makler bieten Beratung in ihrem Büro an sowie per Telefon, E-Mail, Videochat und Online-Konferenz mit Fernzugriff auf Ihren Computer. Folgende Versicherungsmakler können wir Ihnen empfehlen:

Hoesch & Partner
Beratung zu BU und Alternativen
  • Erfahrungen mit Arbeitskraftabsicherung seit 1983
  • 30 beratende Makler
  • 8 Standorte (Frankfurt, München, Düsseldorf, Hamburg, Stuttgart, Berlin, Köln, Hannover)
  • beraten persönlich, telefonisch, online und per E-Mail
  • bieten auch Honorarberatung und Nettotarife an
BUForum24
Beratung zu BU und Alternativen
  • Erfahrungen mit Arbeitskraftabsicherung seit 2003
  • 4 beratende Makler
  • 1 Standort in Neudorf (Schleswig-Holstein)
  • beraten persönlich, telefonisch, online und per E-Mail
Nur beim Anbieter abschließbar
Zeroprov
Beratung zu BU und Alternativen
  • Erfahrung mit Arbeitskraftabsicherung seit 2012
  • 3 beratende Makler
  • 1 Standort in Schkölen (Thüringen)
  • beraten persönlich, telefonisch, online und per E-Mail
  • bieten vorrangig Honorarberatung und Nettotarife an
Nur beim Anbieter abschließbar
Dr. Schlemann unabhängige Finanzberatung
Beratung zu BU und Alternativen
  • Erfahrung mit Arbeitskraftabsicherung seit 2005
  • 2 beratende Makler
  • 1 Standort in Köln
  • beraten persönlich, telefonisch, online und per E-Mail
  • bieten auch Honorarberatung und Nettotarife an
Nur beim Anbieter abschließbar
P&F
Beratung zu BU
  • Erfahrung mit Arbeitskraftabsicherung seit 2001
  • 2 beratende Makler
  • 1 Standort in Hövelhof (Nordrhein-Westfalen)
  • beraten persönlich, telefonisch, online und per E-Mail
  • keine nachgewiesene Erfahrung mit BU-Alternativen

Was Sie bei der Beratung beachten sollten

Wenn Sie sich zur Berufsunfähigkeitsversicherung beraten lassen, sollten Sie auf Folgendes achten:

  1. Nutzen Sie in der Beratung unsere Checkliste.
  2. Beantworten Sie die Gesundheitsfragen selbst mithilfe Ihrer Ärzte.
  3. Achten Sie darauf, dass Sie ein Beratungsprotokoll bekommen, das korrekt widerspiegelt, was der Vermittler mit Ihnen besprochen hat. Unterschreiben müssen Sie es aber nicht. Zusätzlich können Sie selbst ein Gedächtnisprotokoll über die Beratung anfertigen.
  4. Wir empfehlen die genannten Makler nur für eine BU und andere Absicherungen der Arbeitskraft. Für weitere Versicherungen nutzen Sie unsere entsprechenden Ratgeber.

Gibt es Versicherungsschutz trotz Vorerkrankungen?

Ihr Gesundheitszustand spielt beim Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung eine große Rolle. Aber auch wenn Sie in den vergangenen Jahren häufiger beim Arzt waren, haben Sie eine Chance, einen guten BU-Vertrag zu bekommen. Auf die folgenden Punkte müssen Sie achten.

Beantworten Sie alle Gesundheitsfragen wahrheitsgemäß

Beim Abschluss einer BU ist es immens wichtig, sämtliche Gesundheitsfragen wahrheitsgemäß zu beantworten. Das gilt erst recht für alle Sachverhalte, zu denen Unterlagen vorliegen und die die Versicherung nachprüfen kann. Machen Sie falsche Angaben oder vergessen Erkrankungen, kann die Versicherung sich im schlimmsten Fall weigern zu zahlen.

Deshalb sollten Sie dem mehrseitigen Gesundheitsfragebogen besondere Aufmerksamkeit widmen. Füllen Sie ihn auf keinen Fall direkt im Gespräch mit dem Versicherungsmakler aus. Fordern Sie stattdessen zunächst Ihre Patientenakten von allen Ärzten an, bei denen Sie im gefragten Zeitraum waren. Bei guten Verträgen sind das höchstens die vergangenen fünf Jahre für ambulante Behandlungen und zehn Jahre bei Krankenhausaufenthalten. Sie können auch bei der Krankenkasse erfragen, welche Daten und Diagnosen dort über Sie gespeichert sind.

In einigen Fällen kann es sich lohnen, zu warten, bis Sie kritische Behandlungen nicht mehr angeben müssen. Waren Sie beispielsweise vor vier Jahren in Psychotherapie, ist es sinnvoll, erst in einem Jahr eine BU abzuschließen.

Der Blick in die Krankenunterlagen und das Gespräch mit Ihren Ärzten ist wichtig, damit Sie keine Behandlungen der vergangenen Jahre vergessen oder falsch bezeichnen. Außerdem finden sich in den Akten manchmal falsche Diagnosen oder Einträge, von denen Sie gar nichts wissen. Falsche Einträge sollten Sie korrigieren lassen.

Beim Ausfüllen des Gesundheitsfragebogens müssen Sie nur das angeben, wonach explizit gefragt wird. Bei Fragen, die sich nicht eindeutig mit „ja“ oder „nein“ beantworten lassen, sollten Sie die Antwort ausformulieren. Reicht der Platz nicht aus, nutzen Sie einfach ein zusätzliches Blatt.

Im Versicherungsantrag werden Sie außerdem aufgefordert, Ihre Ärzte von der Schweigepflicht zu entbinden. Es ist sinnvoll, das nicht pauschal für alle Ärzte zu tun, sondern nur im Einzelfall, sollte der Versicherer konkrete Rückfragen haben. So können Sie nochmal mit dem betreffenden Arzt sprechen und ihn bitten, seine Auskünfte streng auf den im Antrag erfragten Zeitraum zu begrenzen.

Das alles ist mühsam, aber Ihre finanzielle Existenz kann viele Jahre später davon abhängen. Bewahren Sie eine Kopie der unterschriebenen Gesundheitsfragen gut auf, sodass diese beim Rentenantrag vorliegen und Sie die Angaben vergleichen können.

Bei schwierigen Fällen Angebote vergleichen

Zeichnet sich ab, dass es wegen gesundheitlicher Probleme schwierig wird, eine Berufsunfähigkeitsversicherung zu bekommen, lautet der oberste Grundsatz: anonymisierte Risikovoranfragen bei möglichst vielen Versicherungen stellen. Wie eine Erkrankung bewertet wird, unterscheidet sich von Anbieter zu Anbieter nämlich erheblich. Es kommt immer wieder vor, dass Kunden, die von einem Unternehmen abgelehnt wurden, sich bei einem anderen zu Normalbedingungen versichern können.

Sinnvoll kann es auch sein, mit Ihrem Berater die genaue Formulierung der Gesundheitsfragen unterschiedlicher Anbieter zu vergleichen. Denn angeben müssen Sie nur, wonach direkt gefragt wird.

Es kann passieren, dass Sie nur Angebote mit einer Ausschlussklausel bekommen. Das bedeutet, der Anbieter schließt ein bestimmtes Leiden oder einen bestimmten Körperbereich vom Versicherungsschutz aus. Werden Sie dann berufsunfähig und die Ursache dafür steht in der Ausschlussklausel, bekommen Sie kein Geld.

Deshalb sollten Sie die genauen Formulierungen der Klauseln bei verschiedenen Versicherern vergleichen und gegebenenfalls durch den Berater oder Makler verhandeln lassen. Je präziser und begrenzter formuliert ist, was der Anbieter vom Versicherungsschutz ausschließt, desto besser. Nach einem Bandscheibenvorfall schließen einige Anbieter die komplette Wirbelsäule samt aller damit zusammenhängenden Erkrankungen aus. Besser ist es, wenn die Versicherung wenigstens bei Tumoren, Brüchen oder Infektionen an der Wirbelsäule zahlt.

Es ist auch möglich, dass Sie einen Risikozuschlag zahlen sollen, also einen höheren Beitrag aufgrund der gesundheitlichen Beeinträchtigung. Ein Risikozuschlag ist gegenüber einer Ausschlussklausel oft das kleinere Übel, weil Versicherungsschutz für alle Erkrankungen besteht. Das gilt allerdings nur, falls der Beitrag dadurch nicht zu teuer wird. Vorteilhaft ist es, wenn der Zuschlag oder Ausschluss nach einiger Zeit nochmals überprüft wird und entfällt, falls der Kunde in diesem Bereich keine Beschwerden mehr hat.

Eine gute Möglichkeit trotz Vorerkrankungen an eine BU zu kommen, ist ein Gruppenvertrag über den Arbeitgeber – meist in Kombination mit einer betrieblichen Altersvorsorge. Der Vorteil solcher Gruppenversicherungen: Die detaillierte Gesundheitsprüfung entfällt. Stattdessen muss der Arbeitgeber nur angeben, ob der Mitarbeiter in einem bestimmten Zeitraum länger krankgeschrieben war.

Auch Menschen in „Risikoberufen“ kann ein Gruppenvertrag zu bezahlbarem BU-Schutz verhelfen. Das funktioniert allerdings nur, wenn Angehörige verschiedener Risikogruppen in einem Unternehmen arbeiten, also Büroangestellte und körperlich Tätige gleichermaßen. Denn die Versicherung berechnet das durchschnittliche Risiko für alle Mitarbeiter und bietet allen den gleichen Tarif an. Es kann sich also lohnen, mal beim Chef nachzufragen.

Was ist im Vertrag wichtig?

Wenn Sie den richtigen Tarif für sich gefunden haben, geht es an den Abschluss des Vertrags. Auch dabei gibt es einige Dinge zu beachten.

Rente anpassen mit Nachversicherungsgarantie oder Dynamik

Damit die BU-Rente auch in 20 oder 30 Jahren noch reicht, ist es wichtig, dass Sie die Rentenhöhe nachträglich anpassen können. Denn durch neue Lebensumstände wie eine Familiengründung können die Kosten für den Lebensunterhalt im Lauf der Zeit steigen. Gleichzeitig führt die Inflation dazu, dass die ursprünglich vereinbarte Rente an Wert verliert. Um die BU-Rente nachträglich zu erhöhen, gibt es zwei Möglichkeiten: die Nachversicherungsgarantie oder eine Dynamisierung der Beiträge.

Nachversicherungsgarantie - Mit einer Nachversicherungsgarantie haben Sie die Möglichkeit, zu bestimmten Anlässen wie Heirat, Geburt eines Kindes oder Gehaltserhöhung die versicherte BU-Rente auf einen Schlag hochzusetzen. Allerdings müssen Sie selbst dafür aktiv werden und die Erhöhung innerhalb von drei Monaten nach dem Ereignis beantragen.

Eine erneute Gesundheitsprüfung ist nicht nötig. Allerdings wird für den Teil der Rente, den Sie aufstocken, wie bei einem Neuabschluss der Versicherung Ihr aktuelles Lebensalter zugrunde gelegt. So kostet die nachträglich erhöhte Rente mehr als eine gleich hohe Rente, die direkt bei Vertragsbeginn vereinbart wurde.

Gerade junge Kunden sollten dennoch unbedingt einen Vertrag mit Nachversicherungsgarantie wählen, um die Rente flexibel an ihr steigendes Einkommen anpassen zu können. Wichtig zu beachten: Die Rente darf meist nur bis zu einer bestimmten Summe und einem festgelegten Alter, in der Regel 45 Jahre, erhöht werden.

Dynamik - Mit einer Beitragsdynamik steigt der Beitrag jährlich um einen festgelegten Prozentsatz, beispielsweise um 3 Prozent. Dafür erhöht sich auch Ihre BU-Rente, allerdings nicht ebenfalls um 3 Prozent, sondern in etwas geringerem Umfang als der Beitrag. Denn wie bei der Nachversicherungsgarantie wird für jeden Erhöhungsschritt Ihr aktuelles Lebensalter zugrunde gelegt. Damit fällt der Rentenzuwachs mit zunehmendem Alter immer geringer aus und die Dynamik lohnt sich immer weniger.

Der Vorteil der Dynamik ist, dass es keiner besonderen Anlässe bedarf, um die Rente zu erhöhen. So können Sie nach und nach den Wertverlust durch die Inflation ausgleichen und die Rente automatisch steigern. Wie die folgende Tabelle zeigt, sind bei einer Inflation von 2 Prozent von 1.000 Euro Rente nach 20 Jahren nur noch 628 Euro reale Kaufkraft übrig. Wie bei der Nachversicherungsgarantie verzichten die Anbieter auf eine erneute Gesundheitsprüfung.

Reale Kaufkraft von 1.000 Euro BU-Rente

 1 % Inflation2 % Inflation3 % Inflation
nach 10 Jahren905 €820 €744 €
nach 20 Jahren820 €628 €554 €
nach 30 Jahren742 €552 €412 €

Werte gerundet.
Quelle: Finanztip-Berechnung (Stand: 7. Dezember 2018)

Sofern Sie Ihre Rente mit dieser Option erhöhen möchten, sollten Sie darauf achten, dass die Versicherung nicht zu teuer wird. Die Beitragsdynamik ist ein Recht des Kunden, keine Pflicht. Das bedeutet, Sie können der Erhöhung auch widersprechen. Dann bleiben Beitrag und Rente gleich. Wie oft Sie die Erhöhung aussetzen können, steht in Ihrem Vertrag. Bei vielen Anbietern gilt: Lehnen Sie die Dynamik dreimal hintereinander ab, gibt es keine weiteren Erhöhungen, und die versicherte Rente bleibt konstant.

Soll der Beitrag nur moderat steigen, können Sie also einfach jeden dritten Erhöhungsschritt mitmachen und behalten so das Recht auf weitere Erhöhungen. Als Faustregel sollten Sie ab dem 45. Geburtstag jedoch prüfen, ob die Dynamik durch das höhere Lebensalter nicht zu teuer wird.

Jährlich steigende Rente

Auch nach Eintritt der Berufsunfähigkeit kann die Inflation an der Kaufkraft der BU-Rente nagen. Das ist vor allem problematisch, wenn Sie in jungen Jahren berufsunfähig werden und dann für mehrere Jahrzehnte mit einer konstanten Rente auskommen müssen. Deshalb stellen viele Versicherer in Aussicht, dass die BU-Rente jährlich steigt, falls das Unternehmen weiter Gewinne macht. Darauf ist aber kein Verlass. Wer sichergehen will, kann eine garantierte Leistungsdynamik vereinbaren. Diese Klausel ist grundsätzlich sinnvoll, kostet aber. Für eine jährliche Rentenerhöhung von 2 Prozent wurden in einer Finanztip-Stichprobe unter acht BU-Anbietern durchschnittlich 13 Prozent mehr Beitrag fällig. Achten Sie deshalb unbedingt darauf, dass die Versicherung für Sie langfristig bezahlbar bleibt.

Akzeptieren Sie keine abstrakte Verweisung

Abstrakte Verweisung bedeutet, dass der Anbieter die Leistung verweigern kann, falls der Betroffene theoretisch noch in der Lage ist, in einem anderen, gleichwertigen Beruf zu arbeiten. Dabei kommt es nicht darauf an, ob der Versicherte tatsächlich eine solche Anstellung findet.

Diese Klausel war früher vergleichsweise häufig in den Bedingungen zu finden. Heute wird sie meist nur noch als Möglichkeit angeboten, um Beiträge zu senken. Stellen Sie sicher, dass Ihr Vertrag auf diese Klausel komplett verzichtet, damit Sie nicht krank ohne Geld da sitzen, falls Sie keinen Job finden.

Versicherungs- und Leistungszeit möglichst bis 67 Jahre

Die Versicherungszeit ist der Zeitraum, in dem die Berufsunfähigkeit eintreten muss, damit die Versicherung eine Rente zahlt. Endet dieser Zeitraum mit dem 50. Lebensjahr und Sie werden mit 51 Jahren berufsunfähig, bekommen Sie kein Geld.

Als Leistungszeit wird das Alter bezeichnet, bis zu dem Versicherte ihre BU-Rente ausbezahlt bekommen. Um Absicherungslücken vor Beginn der Altersrente zu vermeiden, sollten Sie sich möglichst bis zum 67. Lebensjahr versichern. Ist das zu teuer, können Sie auch eine etwas kürzere Leistungszeit vereinbaren, zum Beispiel bis zum 65. Lebensjahr. Dann ist der Beitrag um bis zu 15 Prozent günstiger.

Achten Sie auf einen kurzen Prognosezeitraum

Der Prognosezeitraum ist die Dauer, für die Sie nach ärztlicher Einschätzung berufsunfähig sein werden. Ihr Vertrag sollte die Rentenzahlung vorsehen, wenn ein Arzt die Berufsunfähigkeit für sechs Monate prognostiziert. Je länger der Prognosezeitraum, desto schwieriger ist eine zuverlässige medizinische Einschätzung.

Rückwirkende Leistung vereinbaren und Wartezeiten meiden

Vergleichen Sie die in den Verträgen vorgesehenen Meldefristen für die Berufsunfähigkeit. Am vorteilhaftesten ist es, wenn der Anbieter bei verspäteter Meldung bis zu drei Jahre rückwirkend BU-Rente zahlt. Das ist wichtig, weil eine Berufsunfähigkeit oft erst mit Verzögerung festgestellt wird.

Einige Versicherungen zahlen erst sechs Monate, nachdem die Berufsunfähigkeit festgestellt wurde oder sogar noch später. Dafür sind die Beiträge bei Tarifen mit einer solchen Karenzzeit etwas niedriger. Wenn Sie über keine großen Ersparnisse verfügen, sollten Sie eine Wartezeit aber vermeiden. Denn die alltäglichen Rechnungen müssen Sie ja auch während dieser Zeit zahlen.

Bevorzugen Sie die Pauschalregelung zur Rentenzahlung

Nach der Pauschalregelung erhält der Versicherte die volle Rentenzahlung, wenn er zu mindestens 50 Prozent berufsunfähig ist. Bei der Staffelregelung hätte er nur Anspruch auf die halbe Rente. Zwar gibt es bereits bei 25-prozentiger Berufsunfähigkeit ein Viertel der Rente, die volle Rente aber erst bei 75 Prozent. Da es schnell zu Auseinandersetzungen um jeden Prozentpunkt kommen kann, sollten Sie die Pauschalregelung vorziehen.

Verzicht auf befristete Anerkenntnisse

Wenn der Versicherer den Rentenanspruch nur befristet anerkennt, müssen Sie nach Ablauf der Frist oftmals erneut Ihre Berufsunfähigkeit nachweisen. Ersparen können Sie sich dieses Risiko, indem Sie einen Anbieter wählen, der auf befristete Anerkenntnisse grundsätzlich verzichtet.

Keine Anzeigepflicht nach Vertragsabschluss

Der Versicherer sollte darauf verzichten, dass Sie ihn nach Vertragsabschluss über einen Berufswechsel oder ein erhöhtes Risiko informieren müssen, zum Beispiel wenn Sie sich ein gefährliches Hobby wie Gleitschirmfliegen zugelegt haben.

Was tun, wenn die BU-Versicherung zu teuer ist?

Die BU-Versicherer sind sehr kritisch bei der Auswahl ihrer Kunden. Gerade für Menschen mit einem Beruf, den die Versicherer als risikoreich betrachten, ist der BU-Schutz oft unerschwinglich. Die genaue Berufsbezeichnung und Eingruppierung in Risikogruppen unterscheidet sich von Anbieter zu Anbieter.

Vergleichen Sie deshalb mehrere Angebote, im Zweifel mittels einer anonymisierten Risikovoranfrage. Entspricht Ihre Tätigkeit nicht dem gängigen Berufsbild, kann eine konkrete Tätigkeitsbeschreibung helfen, einen günstigeren Tarif zu bekommen. Das gilt zum Beispiel, wenn Sie Dachdecker sind, der hauptsächlich vom Büro aus Angebote erstellt und Aufträge koordiniert.

Um Beiträge zu sparen, gibt es noch eine weitere Möglichkeit: Sie können auf einzelne Vertragsmerkmale verzichten, zum Beispiel auf die garantierte Rentensteigerung im Leistungsfall. Damit wird die Berufsunfähigkeitsversicherung bei einigen Anbietern um bis zu 15 Prozent günstiger.

Auch eine kürzere Versicherungszeit bringt Ersparnisse. Endet Ihre Versicherung mit dem 65. statt dem 67. Lebensjahr, zahlen Sie etwa 15 Prozent niedrigere Beiträge. Eine verkürzte Laufzeit birgt aber das Risiko, dass Sie einige Jahre ohne Einkommen dastehen, wenn Sie berufsunfähig werden. Wägen Sie also gut ab, wie viel Zeit Sie bis zur Altersrente überbrücken können.

Video: Alternativen zur Berufsunfähigkeitsversicherung

Welche Alternativen gibt es?

Die Berufsunfähigkeitsversicherung ist die beste Absicherung der eigenen Arbeitskraft, und jeder sollte zunächst versuchen, eine zu bekommen.

Ist das nicht möglich, gibt es mittlerweile einige Alternativen zur BU. Sie bieten jedoch alle einen geringeren Schutz und sind auch nicht in jedem Fall günstiger. Deshalb ist auch vor dem Abschluss eines solchen Vertrags eine umfassende Beratung wichtig.

Erste Wahl ist in der Regel die Erwerbsunfähigkeitsversicherung, denn als einzige der Alternativen deckt sie auch psychische Erkrankungen ab. Und die sind schließlich mittlerweile die häufigste Ursache dafür, dass jemand nicht mehr arbeiten kann.

Allerdings zahlt die Erwerbsunfähigkeitsversicherung erst, wenn der Versicherte überhaupt keiner Tätigkeit mehr nachgehen kann. Ein Arzt, der noch als Taxifahrer arbeiten kann, bekäme daher kein Geld von der Versicherung. Wie sich die anderen Alternativen zur BU in ihren Leistungen unterscheiden, zeigt die folgende Tabelle.

Alternativen zur Berufsunfähigkeitsversicherung (BU)

Versicherungsartwichtigste Merkmale

Erwerbsunfähigkeitsversicherung

versichert auch psychische Erkrankungen

 

zahlt Rente nur, wenn Sie gar nicht mehr arbeiten können

Dread-Disease-Versicherung

Einmalbetrag statt Rente
 zahlt nur bei bestimmten Krankheiten, nicht bei psychischen Leiden

Multi-Risk-Versicherung

Rente bei schwerer Behinderung, Verlust grundlegender Fähigkeiten oder Pflegefall
 nicht versichert sind psychische Leiden und orthopädische Probleme

Grundfähigkeitsversicherung

Rente nur bei Verlust grundlegender Fähigkeiten (wie Gehen oder Tragen)
 einfache Prüfung des Rentenanspruchs

Quelle: Finanztip-Recherche (Stand: 2018)

So haben wir ausgewählt

Versicherungsmakler für die Berufsunfähigkeitsversicherung 2018

Die Auswahl der Versicherungsmakler, die wir empfehlen, basiert auf einer Online-Ausschreibung für Spezialisten für Arbeitskraftabsicherung. Dafür hat Finanztip einen Fragebogen mit 21 Fragen entwickelt. In den Auswahlprozess kamen Versicherungsmakler und -berater, die unsere Fragen bis zum 31. August 2018 beantwortet haben.

Die bis zu diesem Datum eingegangenen 86 Bewerbungen haben wir überprüft auf Kriterien wie formale Qualifikation, Marktabdeckung, Erfahrung, Zahl der Berater und Routine in der Beratung zur Arbeitskraftabsicherung.

In den weiteren Auswahlprozess nahmen wir nur Bewerber auf, die nach eigenen Angaben einen formal höheren Berufs- oder Bildungsabschluss als die IHK-Prüfung zum Versicherungsfachmann angegeben haben und Berufsunfähigkeitsversicherungen von mindestens 25 Gesellschaften sowie Erwerbsunfähigkeitsversicherungen von acht Unternehmen vermitteln konnten.

Zudem mussten mindestens zwei Mitarbeiter im Unternehmen zum Thema BU beraten und alle BU-Berater mindestens fünf Jahre Erfahrung in diesem Bereich haben. Um eine gewisse Routine in der Beratung sicherzustellen, haben wir nur Bewerber genauer betrachtet, die im zweiten Quartal 2018 pro Mitarbeiter im Schnitt mindestens 15 Kunden zur Berufsunfähigkeitsversicherung beraten hatten.

Auf Basis dieser Kriterien blieben neun Makler übrig. Ein Makler reagierte nicht auf Nachfragen, ein anderer entschied sich, nicht am weiteren Auswahlprozess teilzunehmen. Einen dritten Kandidaten konnten wir nicht weiter berücksichtigen, weil sich zeigte, dass der Fokus seines Unternehmens stark auf der Beratung zur betrieblichen Berufsunfähigkeitsversicherung lag. Im Bereich der Privatkunden-Beratung erreichte er die von uns geforderte Mindestzahl an Beratungen nicht.

Nachdem wir offene Fragen und Inkonsistenzen bei den Angaben aus dem Fragebogen durch Rückfragen bei den Maklern geklärt hatten, haben wir von den verbliebenen sechs Maklern exemplarisch anonymisierte Informationen zu beratenen Kunden und empfohlenen Tarifen angefordert sowie Beratungsprotokolle zu stichprobenartig ausgewählten Beratungen zur BU und anderen Produkten zur Arbeitskraftabsicherung. Für diese Fälle haben wir dann überprüft, ob die Makler ihren gesetzlichen Dokumentationspflichten nachgekommen sind.

Auf Basis dieses Auswahlprozesses halten wir derzeit folgende Versicherungsmakler für empfehlenswert: Hoesch & Partner, Buforum24, Zeroprov, Dr. Schlemann unabhängige Finanzberatung sowie P&F.

Die Finanztip-Ausschreibung für BU-Spezialisten ist derzeit geschlossen. Auf eine erneute Ausschreibung weisen wir rechtzeitig an dieser Stelle hin.

Empfehlungen aus dem Ratgeber

Autor
Julia Rieder

Stand: 10. Mai 2019


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