Be­rufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung

Diese Versicherung rettet Dich vor der Pleite

Martin Klotz
Finanztip-Experte für Vorsorge
01. Juni 2022
Das Wichtigste in Kürze
  • Die Be­rufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung (BU) ist eine der wichtigsten Versicherungen: Sie zahlt Dir eine monatliche Rente, wenn Du aus gesundheitlichen Gründen in Deinem aktuellen Beruf nicht mehr arbeiten kannst.
  • Sinnvoll ist die BU für alle, die auf ihr Arbeitseinkommen angewiesen sind. 
  • Je früher und gesünder Du den Vertrag abschließt, desto günstiger ist die Versicherung. 
So gehst Du vor
  • Lass Dich vor Abschluss einer BU beraten und hole Angebote ein. Wir haben geeignete Versicherungsvermittler ausgesucht und empfehlen Hoesch & Partner, Buforum24, Zeroprov, Dr. Schlemann unabhängige Finanzberatung sowie P&F.
  • Beantworte die Gesundheitsfragen wahrheitsgemäß und mithilfe Deiner Ärzte und Behandlungsunterlagen.
  • Worauf Du bei einem BU-Tarif achten solltest, liest Du unten in unserer BU-Checkliste.

Bandscheibenvorfall, Depression, Krebs – eine solche Diagnose kann das berufliche Ende bedeuten. Jeder Vierte wird im Laufe seines Arbeitslebens mindestens einmal berufsunfähig. Wer dann ohne Einkommen dasteht, dem droht der finanzielle Ruin. Die staatliche Absicherung durch die Er­werbs­min­de­rungs­ren­te ist knapp bemessen und greift nicht in allen Fällen. Deswegen sollte jeder Berufstätige über eine Be­rufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung (BU) nachdenken. Schüler und Studenten können sie auch bereits vor dem Berufseinstieg abschließen.

Corona Pandemie: Wie alle Vorerkrankungen, muss eine überstandene Coronaerkrankung im BU-Antrag angegeben werden. Das kann laut der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV) unter Umständen zu Prämienaufschlägen oder Leistungsausschlüssen bei der BU führen. Im März 2021 haben wir die größten BU-Versicherer in Deutschland befragt, wie sie bei Anträgen mit Covid-19 Erkrankungen umgehen. Die Ergebnisse

Was ist eine Be­rufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung?

Die Be­rufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung zahlt eine monatliche Rente, wenn Du Deinen letzten ausgeübten Beruf aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben kannst (§ 172 Abs. 2 VVG).

Versicherungen stufen Dich als berufsunfähig ein, wenn Du Deinem letzten Beruf voraussichtlich mindestens sechs Monate nicht mehr nachgehen kannst. Eine lebenslange Berufsunfähigkeit verlangen die Versicherer also nicht. 

Neben der zeitlichen Prognose muss auch die sogenannte 50-Prozent-Regel erfüllt sein. Nur wenn Du mindestens 50 Prozent Deiner beruflichen Tätigkeit nicht mehr erledigen kannst, zahlt die Versicherung die vereinbarte BU-Rente. Das bedeutet: Du hast mindestens die Hälfte Deiner Leistungsfähigkeit verloren und kannst für Deinen Beruf wichtige Tätigkeiten nicht mehr ausüben oder nur noch eine geringe Anzahl an Stunden arbeiten.

Die Gründe für eine Berufsunfähigkeit 

Aus welchem Grund Du berufsunfähig wirst, spielt für die BU-Versicherung keine Rolle. Die meisten Menschen werden wegen Erkrankungen der Psyche oder des Skeletts berufsunfähig. Diese Ursachen sind bei der Be­rufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung mit abgedeckt. Eine Unfall­ver­sicherung zahlt hingegen nur bei einem Unfall, eine Dread-Disease-Versicherung nur bei bestimmten schweren Krankheiten wie Schlaganfall oder Krebs. 

Für die BU-Versicherer ist es irrelevant, ob Du noch einen anderen Beruf ausüben könntest. Ein Beispiel: Du hast zuletzt als Altenpflegerin gearbeitet und erleidest einen Bandscheibenvorfall. OP und Reha haben keine großen Verbesserungen gebracht und Du musst Deinen Beruf aufgeben. Damit bist Du für die Versicherung berufsunfähig. Ob Du noch körperlich in der Lage wärst, einen Bürojob auszuüben, interessiert die Versicherung nicht.

Um Deine Berufsunfähigkeit nachzuweisen, musst Du zahlreiche Unterlagen bei der Versicherung einreichen, darunter Arztberichte und Beschreibungen Deiner Tätigkeit. Wenn die Berufsunfähigkeit feststeht, zahlt der Versicherer die im Vertrag vereinbarte monatliche Rente. Das zuvor erzielte Einkommen hat dabei keine Bedeutung.

Für wen ist eine BU-Versicherung sinnvoll?

Die Be­rufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung ist eine der wichtigsten Versicherungen. Sie ist sinnvoll und besonders wichtig, wenn Du auf Dein Arbeitseinkommen angewiesen bist. Die staatliche Absicherung gegen Berufsunfähigkeit reicht für den Lebensunterhalt nur selten aus.

Besonders notwendig und sinnvoll ist eine private Berufsunfähigkeitsversicherung daher für

  • alle Erwerbstätigen, die nicht auf ihr Arbeitseinkommen verzichten können,
  • Selbstständige, da sie oft nicht gesetzlich rentenversichert sind und
  • Berufsanfänger, weil sich junge Menschen mit guter Gesundheit noch recht günstig versichern können.

Beamte mit langjähriger Dienstzeit benötigen nicht immer eine BU. Sie erhalten ein Ruhegehalt, das deutlich über dem Niveau der Er­werbs­min­de­rungs­ren­te liegt. Falls ihre Lebenshaltungskosten höher sind als ihr Anspruch auf Ruhegehalt, können Beamte zusätzlich eine Dienst­un­fäh­ig­keits­ver­si­che­rung abschließen.

Beamte auf Widerruf und auf Probe sollten in jedem Fall eine Dienst­un­fäh­ig­keits­ver­si­che­rung abschließen, denn sie haben noch keinen Anspruch auf ein Ruhegehalt.

Hausfrauen und -männer bekommen schwer BU-Schutz

Den Abschluss einer BU-Versicherung genau überlegen sollten sich Hausfrauen und -männer. Zwar können Kosten für ein Kindermädchen oder eine Haushaltshilfe entstehen, wenn sie ausfallen. Allerdings sind gute BU-Verträge für Hausfrauen und -männer nur schwer zu bekommen, oft teuer und meist nur mit einer sehr niedrigen Rentenhöhe abschließbar. Wer hingegen schon einen BU-Vertrag hat und womöglich irgendwann wieder arbeiten geht, sollte die Be­rufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung behalten.

Die gesetzliche Absicherung ist gering

Hast Du in den vergangenen fünf Jahren mindestens 36 Monate in die gesetzliche Ren­ten­ver­si­che­rung eingezahlt, steht Dir zwar grundsätzlich eine Er­werbs­min­de­rungs­ren­te zu. Diese lag im Jahr 2020 aber durchschnittlich nur bei 882 Euro pro Monat. Das geht aus einer Statistik der Deutschen Ren­ten­ver­si­che­rung aus dem Jahre 2021 hervor. Wie hoch Deine Er­werbs­min­de­rungs­ren­te nach jetzigem Stand ausfallen würde, siehst Du in Deiner jährlichen Renteninformation.

Eine Erwerbsminderungsrente bekommst Du außerdem nur, wenn Du in keinem Beruf länger als drei Stunden arbeiten kann. Ein leitender Angestellter, der noch als Pförtner arbeiten kann, geht also leer aus. Kannst Du noch drei bis sechs Stunden pro Tag in irgendeinem Beruf arbeiten, bekommst Du nur die halbe Er­werbs­min­de­rungs­ren­te.

Im Jahr 2020 wurden 42 Prozent aller Anträge auf Er­werbs­min­de­rungs­ren­te abgelehnt. Das zeigt, dass Du Dich nicht allein auf die staatliche Er­werbs­min­de­rungs­ren­te verlassen solltest.

Es ist deshalb notwendig, privat vorzusorgen für den Fall, dass Du nicht mehr arbeiten kannst. Darauf verzichten kannst Du nur dann, wenn Du durch vorhandenes Vermögen oder durch Deine Familie bereits ausreichend versorgt bist, also auf Dein Arbeitseinkommen nicht angewiesen bist.

Die Be­rufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung bietet die umfassendste Möglichkeit zur Absicherung Deiner Arbeitskraft, ist in vielen Fällen aber auch sehr teuer. Die Kernfrage ist deshalb weniger, ob eine BU-Versicherung sinnvoll ist, sondern eher, ob Du Dir den BU-Schutz leisten kannst und willst.

Geld sparen ist nur selten eine Alternative

Den Beitrag für eine Be­rufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung zu sparen und stattdessen regelmäßig Geld für schlechte Zeiten zur Seite zu legen, erscheint zunächst verlockend. Wirst Du nur für kurze Zeit oder erst gegen Ende Deines Arbeitslebens berufsunfähig, mag das auch funktionieren. Allerdings zahlst Du auch nicht in die Rentenkasse ein, wenn Du nicht mehr arbeiten kannst. Das bedeutet, Du musst trotz Berufsunfähigkeit privat vorsorgen, wenn Du im Alter nicht mit einem sehr niedrigen Einkommen dastehen willst.

Menschen, die aus Gesundheitsgründen nicht mehr arbeiten können, sind nach Angaben der Deutschen Ren­ten­ver­si­che­rung zufolge im Schnitt erst 53 Jahre alt. Wenn Du in diesem Alter berufsunfähig wirst und die Zeit bis zur regulären Rente mit 67 mit Deinen Ersparnissen überbrücken willst, brauchst Du ein großes Vermögen. Um Dir 2.000 Euro im Monat auszahlen zu können, musst Du 336.000 Euro gespart haben; je nachdem wie sich die Zinsen entwickeln vielleicht auch etwas weniger. Das dürfte nur den wenigsten gelingen.

Was kostet eine Be­rufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung?

Die Kosten für eine Be­rufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung sind von Versicherer zu Versicherer sehr unterschiedlich. Der größte Kostenfaktor ist Dein aktueller Beruf: Je riskanter der Versicherer Deinen Beruf einstuft, desto höher sind auch die Versicherungsbeiträge. Aber auch riskante Hobbys und Krankheiten machen die Versicherung teurer.

Wichtig ist: Es zählt nur der Beruf, den Du zum Zeitpunkt des Antrags ausübst. Frühere oder spätere Tätigkeiten beeinflussen Deinen Beitrag nicht.

Kannst Du Dir die Beiträge für eine Be­rufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung dauerhaft nicht leisten, solltest Du prüfen, ob eine Alternative infrage kommt, die allerdings weniger Schutz bietet.

Riskante Berufe oder Hobbys machen die BU teuer

Die Versicherung setzt den Beitrag danach fest, für wie wahrscheinlich sie es hält, dass Du tatsächlich berufsunfähig wirst. Wer in einem sozialen oder handwerklichen Beruf arbeitet, muss in der Regel tief in die Tasche greifen. Statistisch gesehen halten Menschen in diesen Berufen seltener bis zur normalen Altersrente durch.

Wer in seiner Freizeit gerne Eishockey spielt, klettert oder reitet, zahlt ebenfalls oft drauf, denn die Anbieter verlangen auch für risikoreiche Hobbys einen höheren Beitrag.

Auch hier gilt: Nur Risiken, die zum Antragszeitpunkt bekannt sind, zählen. Fängst Du erst zwei Jahre nach Vertragsabschluss mit dem Tauchen oder Fallschirmspringen an, spielt dieses Hobby keine Rolle.

Krankheiten mit Folgen

Ob Du bezahlbaren BU-Schutz bekommst, ist aber vor allem von Deinem Gesundheitszustand abhängig. Mit einigen Erkrankungen wie Diabetes Typ 1 oder Epilepsie ist es schwer, überhaupt einen Vertrag zu bekommen. Aber auch vergleichsweise harmlose Leiden wie Allergien oder ausgeheilte Rückenbeschwerden können dazu führen, dass Anbieter erhöhte Beiträge verlangen oder ganze Körperbereiche vom Ver­si­che­rungs­schutz ausschließen.

Rauchen und ein erhöhter Body-Mass-Index (BMI) machen die Versicherung ebenfalls teurer. Wir haben für mehrere Berufsgruppen eine Preisabfrage bei dem Versicherer Huk24 gemacht. Das Ergebnis: Mit einem BMI von 29 und als Raucher sind die Preise teilweise bis zu 50 Euro im Monat teurer.

Einfluss von Rauchen und erhöhtem BMI auf die BU

Berufsgruppen

Beitrag Nichtraucher

und BMI 231

Beitrag Raucher

und BMI 291

Maurer2253 €302 €
Malerin2195 €233 €
Schlosserin3164 €196 €
Elektriker3142 €169 €
Bürokaufmann4112 €125 €
Selbstständige Dolmetscherin4128 €153 €
Technische Zeichnerin4112 €135 €
Mathematiker461 €73 €
Maschinenbauingenieur461 €73 €

1 Monatliche Beitragszahlung, Beitragszahler 35 Jahre alt, keine Vorerkrankungen, keine Sportarten, keine Personalverantwortung, Beiträge gerundet
2 Versicherungsende: 65 Jahre, kein Homeoffice 
3 Versicherungsende: 67 Jahre, kein Homeoffice 
4 Versicherungsende: 67 Jahre, Homeoffice: 51 bis 75 Prozent der Arbeitszeit 
Quelle: Huk24, Tarifrechner (Stand: 11. März 2022)

BU-Checkliste vor Vertragsabschluss

Die wichtigsten Punkte, auf die Du bei der Auswahl Deiner BU-Versicherung achten musst, haben wir in einer Checkliste zusammengestellt. Diese kannst Du auch in einem Beratungsgespräch mit einem Makler oder Honorarberater nutzen, um sicherzugehen, dass dieser alle relevanten Aspekte anspricht.

BU-Checkliste 

Lade Dir unsere Checkliste für eine Be­rufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung herunter:

Zum Download

Hier einige Erläuterungen zu wichtigen Punkten:

Die BU-Rente hoch genug ansetzen

Wähle eine Berufsunfähigkeitsrente, mit der Du Deine laufenden Kosten für Familie, Wohnung, Versicherungen und Lebensmittel finanzieren könntest. Bedenke außerdem, dass Du nicht in die gesetzliche Ren­ten­ver­si­che­rung einzahlst, wenn Du nicht mehr arbeiten kannst. Das bedeutet, die BU-Rente muss ausreichen, um weiter für das Alter vorzusorgen. Dabei musst Du eigentlich sogar mehr Geld als zuvor in die Altersvorsorge stecken, um die fehlenden Einzahlungen in die gesetzliche Ren­ten­ver­si­che­rung auszugleichen.

Wie viel BU-Rente Du brauchst, kannst Du bestimmen, indem Du Deine jährlichen Ausgaben aufschreibst. Überlege, welche Ausgaben Du weiterhin haben wirst im Fall, dass Du nicht mehr arbeiten kannst. Dann teile diese durch zwölf.

Einnahmen aus Vermietung oder Kapitalanlagen können den Absicherungsbedarf verringern. Gleiches gilt, falls Du eine private Ren­ten­ver­si­che­rung hast, deren Beginn sich notfalls vorverlegen lässt.

Eine Rentenhöhe von weniger als 1.000 Euro ist in der Regel wenig sinnvoll – es sei denn, Du bist noch anderweitig abgesichert. Denn solltest Du die staatliche Grundsicherung in Anspruch nehmen müssen, wird die BU-Rente mit den Sozialleistungen verrechnet.

Die Ausnahme von der Regel: Ist eine deutliche Gehaltssteigerung absehbar und Du hast einen Vertrag mit Nach­ver­si­che­rungs­ga­ran­tie, kann es sich auch lohnen, aus Budgetgründen zunächst eine niedrige BU-Rente zu vereinbaren. Das gilt zum Beispiel für Berufsanfänger oder Studenten.

BU-Versicherung separat abschließen

Wir raten Dir zu einer selbstständigen BU-Versicherung. Angehörige solltest Du besser separat mit einer Ri­si­ko­le­bens­ver­si­che­rung absichern. Der Vorteil von zwei getrennten Verträgen ist, dass Du flexibel bleibst. Brauchst Du die Ri­si­ko­le­bens­ver­si­che­rung nicht mehr, weil Du beispielsweise das Eigenheim abgezahlt hast oder die Kinder erwachsen sind, kannst Du die Versicherung kündigen, ohne aber Deine BU-Versicherung anzutasten.

Auch von einer Kombination der BU-Versicherung mit einer Kapitallebens- oder Ren­ten­ver­si­che­rung raten wir ab. Der zusätzliche Anteil für die Kapitalanlage macht den ohnehin recht hohen Beitrag für die Be­rufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung nochmal deutlich teurer. Das verleitet dazu, eine zu niedrige Berufsunfähigkeitsrente zu vereinbaren. Wer sich wegen Arbeitslosigkeit, Elternzeit oder anderer finanzieller Engpässe den Beitrag nicht mehr leisten kann, verliert zusammen mit der Altersvorsorge auch den BU-Schutz. Wir empfehlen deshalb grundsätzlich, Sparverträge und die Versicherung gegen existenzielle Risiken zu trennen.

Makler bewerben solche Berufsunfähigkeits-Zusatzversicherungen häufig mit dem Argument, dass mit ihnen die Altersvorsorge auch bei Berufsunfähigkeit gesichert sei. Denn einige Versicherer zahlen im Fall der Berufsunfähigkeit anstelle des Kunden weiter in die Lebens- oder Ren­ten­ver­si­che­rung ein. Aus unserer Sicht die bessere Variante: Setze besser eine etwas höhere Berufsunfähigkeitsrente an, mit der Du auch die Kosten für die Altersvorsorge zahlen kannst.

Wähle nur einen Versicherer mit Erfahrung und hoher Finanzkraft

Wirst Du berufsunfähig, ist es entscheidend, dass der Versicherer Deine Rente auch tatsächlich bezahlen kann. Daher ist es sehr wichtig, einen finanziell soliden Anbieter zu wählen, den es auch in 20 oder 30 Jahren noch gibt. Frage Deinen Makler oder Versicherungsberater deshalb nach der Finanzkraft des Versicherers. Zudem raten wir von Firmen ab, die erst wenige Jahre am Markt sind.

Tarife mit guten Bewertungen wählen

Analysehäuser wie Morgen & Morgen oder Franke & Bornberg vergleichen die Ver­si­che­rungs­be­din­gungen unterschiedlicher BU-Anbieter. Schließe nur Tarife ab, deren Bedingungen die höchstmögliche Bewertung haben. Bei Morgen & Morgen sind das fünf Sterne und bei Franke & Bornberg ist es ein „FFF“.

Neben der Gesamtbewertung ist bei Morgen & Morgen auch das Teilrating „BU-Kompetenz“ interessant. Die Kompetenz des Versicherers sollte mit mindestens vier Sternen bewertet sein. Geprüft werden die Erfahrung mit Be­rufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rungen sowie eine professionelle und faire Bearbeitung der Leistungsfälle.

Die Ratings kannst Du bei einem von uns empfohlenen Versicherungsmakler anfordern oder selbst auf den Websites von Morgen & Morgen und Franke & Bornberg nachschauen.

Geringe Spanne zwischen Brutto- und Nettobeitrag

Wer Be­rufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rungen vergleicht, findet bei jedem Tarif zwei Preise: Netto- und Bruttoprämie. Den Nettobeitrag zahlst Du zum Start der BU-Versicherung. Er nennt sich deshalb auch Zahlbeitrag. Der Anbieter kann diesen Beitrag allerdings bis zum sogenannten Bruttobeitrag erhöhen, wenn er die Risiken oder seine Anlagegewinne nicht richtig kalkuliert hat.

Schaue deshalb bei der Auswahl eines Angebots nicht nur auf einen niedrigeren Nettobeitrag. Vergleiche auch, wie stark die Versicherungen den Beitrag anheben können. Die Spanne zwischen den beiden Beiträgen sollte möglichst gering sein. Akzeptiere im Zweifel einen etwas höheren Nettobeitrag, wenn dafür der Bruttobeitrag deutlich geringer ist.

Rechts­schutz­ver­si­che­rung abschließen

Versicherer lehnen Anträge auf eine BU-Rente oft zunächst ab. Laut dem Versicherungsverband GDV zahlen die Anbieter in circa 20 Prozent der Fälle nicht.

Eine Rechts­schutz­ver­si­che­rung deckt die Anwalts- und Gerichtskosten ab und erleichtert es damit, Leistungsansprüche gegen den Versicherer juristisch durchzusetzen oder zumindest einen Vergleich zu erwirken. Schließe die Rechts­schutz­ver­si­che­rung in jedem Fall bei einem anderen Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men ab.

Die Rechts­schutz­ver­si­che­rung solltest Du mindestens drei Monate vor dem BU-Vertrag abschließen. Früher war es notwendig, die Rechts­schutz­ver­si­che­rung schon vor dem BU-Vertrag abzuschließen, damit auch wirklich alle Streitfälle rund um die Be­rufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung abgedeckt waren. Häufig weigert sich diese zu zahlen, weil der Versicherte angeblich die Gesundheitsfragen im Antrag falsch beantwortet hat – und das liegt oft lange zurück. Hat der Betroffene erst später eine Rechts­schutz­ver­si­che­rung abgeschlossen, konnte diese die Deckung für einen solchen Streit verweigern, weil der vermutete Rechtsverstoß vor Vertragsbeginn lag.

Inzwischen hat der Bundesgerichtshof in einigen Urteilen den Versicherungsfall ver­brau­cher­freund­licher definiert. Dennoch gibt es laut dem Ver­si­che­rungs­om­buds­mann immer wieder Streit darum, welcher Zeitpunkt als Rechtsschutzfall gilt.

Be­rufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rungen im Vergleich

Welche ist die beste Be­rufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung? Die Antwort auf diese Frage ist bei jedem Menschen unterschiedlich. Eine Be­rufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung ist ein sehr individuelles Produkt. Welcher Versicherer und welcher Tarif für Dich passend ist, hängt unter anderem von Deinem Alter, Deinem Beruf und Deinem Gesundheitszustand ab. So kann etwa ein grundsätzlich leistungsstarker und günstiger Tarif für Dich nicht der richtige sein, wenn Du in der Vergangenheit bereits gesundheitliche Probleme hattest und Du deshalb schlechtere Konditionen bekommst.

An einer individuellen Beratung kommst Du beim komplexen Thema Be­rufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung in aller Regel nicht vorbei. Vergleichsportale oder Direktversicherer kannst Du höchstens nutzen, um Dir einen Überblick über die Kosten und das Preis-Leistungsverhältnis zu verschaffen.

Der Online-Vergleich kann jedoch keine Beratung ersetzen. Die ist aber wichtig, wenn Du Dich nicht alleine durch das Dickicht der zahlreichen Tarife und Ver­si­che­rungs­be­din­gungen kämpfen willst. Denn bei der Be­rufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung zählt am Ende vor allem die Leistung, nicht vorrangig der Preis.

Zudem sind die Gesundheitsfragen verschieden, oft komplex formuliert und es gibt Tücken. Ein Versicherungsvermittler kann für Dich anonymisierte Risikovoranfragen bei verschiedenen Unternehmen stellen und so die Versicherung finden, die für Deinen persönlichen Fall die günstigsten Bedingungen bietet.

Wir haben uns deshalb dagegen entschieden, einzelne Versicherungstarife zu testen oder zu vergleichen. Stattdessen haben wir Vermittler gesucht, die Dir den passenden Ver­si­che­rungs­schutz verschaffen. Unser Test zur Be­rufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung besteht daher in der Auswahl geeigneter Vermittler.

Diese Vermittler empfehlen wir

Es ist schwierig, einen vertrauenswürdigen und kompetenten Versicherungsvermittler zu finden. Wir haben in einer Ausschreibung Spezialisten für die Beratung zur BU und alternativen Absicherungsformen gesucht und Versicherungsmakler gefunden, die wir für empfehlenswert halten.

Wir haben die Makler nach formalen Kriterien ausgewählt, wie Erfahrung und Qualifikation und uns zu stichprobenartig ausgewählten Fällen Beratungsdokumentationen angesehen. Die Qualität der individuellen Beratung können wir jedoch nicht überprüfen. Erzähle uns deshalb bitte in unserer Community von Deinen Erfahrungen mit unseren Empfehlungen.

Alle von uns empfohlenen Makler bieten Beratung in ihrem Büro an sowie per Telefon, E-Mail, Videochat und Online-Konferenz. Folgende Versicherungsmakler können wir Dir empfehlen:

Hoesch & Partner
Beratung zu BU und Alternativen
  • Erfahrung mit Arbeitskraftabsicherung seit 1983
  • 30 beratende Makler
  • 8 Standorte (Frankfurt, München, Düsseldorf, Hamburg, Stuttgart, Berlin, Köln, Hannover)
  • beraten persönlich, telefonisch, online und per E-Mail
BUForum24
Beratung zu BU und Alternativen
  • Erfahrung mit Arbeitskraftabsicherung seit 2003
  • 4 beratende Makler
  • 1 Standort in Neudorf (Schleswig-Holstein)
  • beraten persönlich, telefonisch, online und per E-Mail
Nur beim Anbieter abschließbar
Zeroprov
Beratung zu BU und Alternativen
  • Erfahrung mit Arbeitskraftabsicherung seit 2012
  • 3 beratende Makler
  • 1 Standort in Schkölen (Thüringen)
  • beraten persönlich, telefonisch, online und per E-Mail
  • bieten vorrangig Honorarberatung und Nettotarife an
Nur beim Anbieter abschließbar
Dr. Schlemann unabhängige Finanzberatung
Beratung zu BU und Alternativen
  • Erfahrung mit Arbeitskraftabsicherung seit 2005
  • 2 beratende Makler
  • 1 Standort in Köln
  • beraten persönlich, telefonisch, online und per E-Mail
  • bieten auch Honorarberatung und Nettotarife an
Nur beim Anbieter abschließbar
P&F
Beratung zu BU
  • Erfahrung mit Arbeitskraftabsicherung seit 2001
  • 2 beratende Makler
  • 1 Standort in Hövelhof (Nordrhein-Westfalen)
  • beraten persönlich, telefonisch, online und per E-Mail
  • keine nachgewiesene Erfahrung mit BU-Alternativen

Was Du bei der Beratung beachten solltest

Wenn Du Dich zur Be­rufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung beraten lässt, solltest Du auf Folgendes achten:

  1. Nutze in der Beratung unsere Checkliste.
  2. Beantworte die Gesundheitsfragen selbst und mithilfe Deiner Ärzte.
  3. Achte darauf, dass Du ein Beratungsprotokoll bekommst, das korrekt widerspiegelt, was der Vermittler mit Dir besprochen hat. Unterschreiben musst Du es aber nicht. Zusätzlich kannst Du selbst ein Gedächtnisprotokoll über die Beratung anfertigen.
  4. Wir empfehlen die genannten Makler nur für eine BU und andere Absicherungen der Arbeitskraft. Für weitere Versicherungen nutze unsere entsprechenden Ratgeber.

Worauf solltest Du bei der BU-Versicherung achten?

Wenn Du den richtigen Tarif für Dich gefunden hast, geht es an den Abschluss des Vertrags. Auch dabei gibt es einige Dinge zu beachten.

Nach­ver­si­che­rungs­ga­ran­tie und Dynamik

Damit die BU-Rente auch in 20 oder 30 Jahren noch reicht, ist es wichtig, dass Du die Rentenhöhe nachträglich anpassen kannst. Denn durch neue Lebensumstände wie eine Familiengründung können die Kosten für den Lebensunterhalt im Lauf der Zeit steigen. Gleichzeitig führt die Inflation dazu, dass die ursprünglich vereinbarte Rente an Wert verliert. Um die BU-Rente nachträglich zu erhöhen, gibt es zwei Möglichkeiten: die Nach­ver­si­che­rungs­ga­ran­tie oder eine Dynamisierung der Beiträge.

Nach­ver­si­che­rungs­ga­ran­tie - Mit einer Nach­ver­si­che­rungs­ga­ran­tie hast Du die Möglichkeit, zu bestimmten Anlässen wie Heirat, Geburt eines Kindes oder Gehaltserhöhung Deine BU-Rente auf einen Schlag hochzusetzen. Achte auf eine entsprechende Klausel in Deinem Vertrag. Denn als Abteilungsleiterin mit Kind und Haus benötigst Du eine höhere BU-Rente als noch zu Unizeiten.

Eine erneute Gesundheitsprüfung ist nicht nötig. Allerdings wird für den Teil der Rente, den Du aufstockst, wie bei einem Neuabschluss der Versicherung Dein aktuelles Lebensalter zugrunde gelegt. So kostet die nachträglich erhöhte Rente mehr als eine gleich hohe Rente, die direkt bei Vertragsbeginn vereinbart wurde.

Gerade junge Kunden sollten dennoch unbedingt einen Vertrag mit Nach­ver­si­che­rungs­ga­ran­tie wählen, um die Rente flexibel an ihr steigendes Einkommen anpassen zu können. Wichtig zu beachten: Die Rente darf meist nur bis zu einer bestimmten Summe und einem festgelegten Alter, in der Regel 45 Jahre, erhöht werden.

Dynamik - Deine BU-Rente solltest Du auch regelmäßig an die Inflation anpassen, mit der Beitragsdynamik oder Leistungsdynamik. Denn Deine heute vereinbarte BU-Rente verliert mit den Jahren an Wert – das nennt sich auch Kaufkraftverlust. Eine BU-Rente von 1.500 Euro mag für Dich heute ausreichend sein, langfristig darfst Du aber die Inflation nicht außer Acht lassen. Benötigst Du Deine Versicherung in 20 oder 30 Jahren, dann kommst Du möglicherweise mit den 1500 Euro BU-Rente nicht mehr über die Runden. Wie die folgende Tabelle zeigt, sind bei einer Inflation von 2 Prozent von 1.500 Euro Rente nach 20 Jahren nur noch 1.009 Euro reale Kaufkraft übrig.

Reale Kaufkraft von 1.500 Euro BU-Rente

 1 % Inflation2 % Inflation3 % Inflation
nach 10 Jahren1.358 €1.231 €1.116 €
nach 20 Jahren1.229 €1.009 €830 €
nach 30 Jahren1.113 €828 €618 €

Werte gerundet
Quelle: Finanztip-Berechnung (Stand: 03. März 2022)

Beitragsdynamik ist ein wichtiger Baustein

Mit einer Beitragsdynamik kannst Du Deine BU-Rente an die Inflation anpassen, ohne dass es besonderer Anlässe bedarf. Der Beitrag steigt dadurch jährlich um einen festgelegten Prozentsatz, beispielsweise um 3 Prozent. Dafür erhöht sich auch Deine BU-Rente, allerdings nicht ebenfalls um 3 Prozent, sondern in etwas geringerem Umfang als der Beitrag. Wie bei der Nach­ver­si­che­rungs­ga­ran­tie verzichten die Anbieter auf eine erneute Gesundheitsprüfung.

Grundsätzlich solltest Du die jährliche Beitragsanpassung mitnehmen, aber dennoch darauf achten, dass die Versicherung nicht zu teuer wird. Die Beitragsdynamik ist ein Recht des Kunden, keine Pflicht. Du kannst der Erhöhung also auch widersprechen, dann bleiben Beitrag und Rente gleich. Wie oft Du die Erhöhung aussetzen kannst, steht in Deinem Vertrag. Bei vielen Anbietern gilt: Lehnst Du die Dynamik dreimal hintereinander ab, gibt es keine weiteren Erhöhungen, und die versicherte Rente bleibt konstant.

Soll der Beitrag nur moderat steigen, kannst Du einfach jeden dritten Erhöhungsschritt mitmachen und Dir so das Recht auf weitere Erhöhungen sichern. Als Faustregel solltest Du ab dem 45. Geburtstag prüfen, ob sich die Dynamik durch das höhere Lebensalter noch rechnet.

Bei Leistungsdynamik abwägen

Mit der Leistungsdynamik kannst Du Deine BU-Rente auch noch erhöhen, wenn Du schon berufsunfähig bist. Denn auch nach Eintritt der Berufsunfähigkeit nagt die Inflation an dem Wert Deiner Rente. Das ist vor allem problematisch, wenn Du in jungen Jahren berufsunfähig wirst und dann für mehrere Jahrzehnte mit einer konstanten Rente auskommen musst.

Viele Versicherer stellen Dir daher in Aussicht, dass sie Dich an Überschüssen beteiligen und dadurch Deine Rente jährlich steigt. Darauf ist aber kein Verlass. Besser Du vereinbarst das vertraglich, allerdings gegen einen Aufpreis: Für eine jährliche Rentenerhöhung von 2 Prozent wurden in einer Finanztip-Stichprobe unter acht BU-Anbietern durchschnittlich 13 Prozent mehr Beitrag fällig.

Die Leistungsdynamik ist als Zusatz sinnvoll – doch den Aufpreis solltest Du nicht bei der BU-Rentenhöhe einsparen! Wähle die Leistungsdynamik nur, wenn die Versicherung für Dich langfristig bezahlbar bleibt.

Akzeptiere keine abstrakte Verweisung

Abstrakte Verweisung bedeutet, dass der Anbieter die Leistung verweigern kann, falls der Betroffene theoretisch noch in der Lage ist, in einem anderen, gleichwertigen Beruf zu arbeiten. Dabei kommt es nicht darauf an, ob der Versicherte tatsächlich eine solche Anstellung findet.

Stelle sicher, dass Dein Vertrag auf diese Klausel komplett verzichtet, damit Du nicht krank ohne Geld dastehst, falls Du keinen Job findest.

Achte auf einen kurzen Prognosezeitraum

Der Prognosezeitraum ist die Dauer, für die Du nach ärztlicher Einschätzung berufsunfähig sein wirst. Dein Vertrag sollte die Rentenzahlung vorsehen, wenn ein Arzt die Berufsunfähigkeit für sechs Monate prognostiziert. Je länger der Prognosezeitraum, desto schwieriger ist eine zuverlässige medizinische Einschätzung.

Ar­beits­un­fähig­keits­ver­si­che­rung (AU-Klausel) nicht immer nötig

Viele BU-Versicherer bieten Dir einen zusätzlichen Schutz bei Arbeitsunfähigkeit an. Mit der AU-Klausel bekommst Du nach sechs Monaten Arbeitsunfähigkeit einen monatlichen Betrag in Höhe der vereinbarten BU-Rente. Die AU-Klausel ist nicht ganz billig: Sie macht die Beiträge um rund 5 bis 10 Prozent teurer.

Prüfe, ob Du diese AU-Klausel wirklich benötigst: Bist Du gesetzlich krankenversichert, dann zahlt Dir die GKV Krankengeld in Höhe von 70 Prozent Deines Bruttoeinkommens. Wenn das Geld nicht ausreicht oder Du keine gesetzliche Kran­ken­ver­si­che­rung hast, solltest Du besser eine Krankentagegeld-Versicherung abschließen. Die zahlt schon viel früher als die Ar­beits­un­fähig­keits­ver­si­che­rung.

Bist Du schon genug über das Krankengeld oder Krankentagegeld abgesichert, dann solltest Du den Aufpreis für die Ar­beits­un­fähig­keits­ver­si­che­rung besser in eine höhere BU-Rente investieren.

Rückwirkende Leistung vereinbaren und Wartezeiten meiden

Vergleiche die in den Verträgen vorgesehenen Meldefristen für die Berufsunfähigkeit. Am besten zahlt der Anbieter bei verspäteter Meldung bis zu drei Jahre rückwirkend BU-Rente. Das ist wichtig, weil eine Berufsunfähigkeit oft erst mit Verzögerung festgestellt wird.

Meide Tarife mit Karenzzeit. Dadurch wird Dein Vertrag zwar günstiger, im Falle der Berufsunfähigkeit musst Du dann allerdings mehrere Monate mit Erspartem überbrücken.

Wähle die Pauschalregelung zur Rentenzahlung

Nach der Pauschalregelung erhältst Du die volle Rentenzahlung, auch wenn Du nur zu 50 Prozent berufsunfähig bist. Bei einer Staffelregelung hingegen hättest Du nur Anspruch auf die halbe Rente. Zwar gibt es bereits bei 25-prozentiger Berufsunfähigkeit ein Viertel der Rente, die volle Rente aber erst bei 75 Prozent. Da es schnell zu Auseinandersetzungen um jeden Prozentpunkt kommen kann, solltest Du die Pauschalregelung vorziehen.

Verzicht auf befristete Anerkenntnisse

Wenn der Versicherer den Rentenanspruch nur befristet anerkennt, musst Du nach Ablauf der Frist oftmals erneut Deine Berufsunfähigkeit nachweisen. Ersparen kannst Du Dir dieses Risiko, indem Du einen Anbieter wählst, der auf befristete Anerkenntnisse grundsätzlich verzichtet.

Keine Anzeigepflicht nach Vertragsabschluss

Der Versicherer sollte darauf verzichten, dass Du ihn nach Vertragsabschluss über einen Berufswechsel oder ein erhöhtes Risiko informieren musst, zum Beispiel wenn Du Dir ein gefährliches Hobby wie Gleitschirmfliegen zugelegt hast.

BU mit Vorerkrankungen – geht das?

Je gesünder Du bist, desto besser stehen Deine Chancen auf eine günstige Be­rufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung. Aber auch mit Vorerkrankungen kannst Du noch eine Versicherung bekommen. Auf die folgenden Punkte solltest Du aber achten.

Beantworte alle Gesundheitsfragen wahrheitsgemäß

Beim Abschluss einer BU ist es immens wichtig, sämtliche Gesundheitsfragen wahrheitsgemäß zu beantworten. Machst Du falsche Angaben oder vergisst Erkrankungen, kann die Versicherung sich im schlimmsten Fall weigern zu zahlen.

Beim Ausfüllen des Gesundheitsfragebogens musst Du nur das angeben, wonach explizit gefragt wird. Bei Fragen, die sich nicht eindeutig mit „ja“ oder „nein“ beantworten lassen, solltest Du die Antwort ausformulieren. Reicht der Platz nicht aus, nutze ein zusätzliches Blatt.

Patientenakten anfordern 

Fülle den mehrseitigen Gesundheitsfragebogen auf keinen Fall direkt im Gespräch mit dem Versicherungsmakler aus.

Fordere stattdessen zunächst Deine Patientenakten von allen Ärzten an, bei denen Du im gefragten Zeitraum warst. Bei guten Verträgen sind das höchstens die vergangenen fünf Jahre für ambulante Behandlungen und zehn Jahre bei Krankenhausaufenthalten. Du kannst auch bei der Kran­ken­kas­se erfragen, welche Daten und Diagnosen dort über Dich gespeichert sind. Manchmal finden sich in den Akten falsche Diagnosen oder Einträge, von denen Du gar nichts weißt. Falsche Einträge solltest Du korrigieren lassen.

In einigen Fällen kann es sich lohnen zu warten, bis Du kritische Behandlungen nicht mehr angeben musst. Warst Du beispielsweise vor vier Jahren in Psychotherapie, ist es sinnvoll, erst in einem Jahr eine BU abzuschließen.

Im Versicherungsantrag wirst Du außerdem aufgefordert, Deine Ärzte von der Schweigepflicht zu entbinden. Es ist sinnvoll, das nicht pauschal für alle Ärzte zu tun, sondern nur im Einzelfall, sollte der Versicherer konkrete Rückfragen haben. So kannst Du nochmal mit dem betreffenden Arzt sprechen und ihn bitten, seine Auskünfte streng auf den im Antrag erfragten Zeitraum zu begrenzen.

Das alles ist mühsam, aber Deine finanzielle Existenz kann viele Jahre später davon abhängen. Bewahre eine Kopie der unterschriebenen Gesundheitsfragen gut auf, sodass diese beim Rentenantrag vorliegt und Du die Angaben vergleichen kannst.

Risikovoranfrage bei schwierigen Fällen

Zeichnet sich ab, dass es wegen gesundheitlicher Probleme schwierig wird, eine Be­rufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung zu bekommen, solltest Du eine anonymisierte Risikovoranfrage machen. Ein Versicherungsmakler oder -berater fragt dann bei verschiedenen Versicherern nach, unter welchen Voraussetzungen sie Dich versichern würden. Dabei nennt er aber weder Deinen Namen, noch Deine Adresse oder Geburtsdatum.

So umgehst Du einen Eintrag im Hinweis- und Informationssystem der deutschen Versicherungswirtschaft (kurz: HIS). Versicherer können dort eine Meldung machen, wenn sie Dich aus gesundheitlichen Gründen ablehnen. Dadurch kannst Du Schwierigkeiten bekommen, bei einem anderen Versicherer eine BU zu bekommen.

Dennoch kann es passieren, dass Du nur Angebote mit einer Ausschlussklausel bekommst. Das bedeutet, der Anbieter schließt ein bestimmtes Leiden oder einen bestimmten Körperbereich vom Ver­si­che­rungs­schutz aus. Wirst Du dann berufsunfähig und die Ursache dafür steht in der Ausschlussklausel, bekommst Du kein Geld.

Deshalb solltest Du die genauen Formulierungen der Klauseln bei verschiedenen Versicherern vergleichen und gegebenenfalls durch den Berater oder Makler verhandeln lassen. Je präziser formuliert ist, was der Anbieter vom Ver­si­che­rungs­schutz ausschließt, desto besser. Nach einem Bandscheibenvorfall schließen einige Anbieter die komplette Wirbelsäule samt aller damit zusammenhängenden Erkrankungen aus. Besser ist es, wenn die Versicherung wenigstens bei Tumoren, Brüchen oder Infektionen an der Wirbelsäule zahlt.

Es ist auch möglich, dass Du einen Risikozuschlag zahlen sollst, also einen höheren Beitrag aufgrund der gesundheitlichen Beeinträchtigung. Ein Risikozuschlag ist gegenüber einer Ausschlussklausel oft die bessere Wahl, weil Ver­si­che­rungs­schutz für alle Erkrankungen besteht. Das gilt allerdings nur, wenn der Beitrag dadurch nicht zu teuer wird.

Hast Du eine Ausschlussklausel im Vertrag und seit mehreren Jahren keine Beschwerden mehr, kannst Du um eine Überprüfung bitten. Mit aktuellen Unterlagen vom Arzt ist es in der Regel möglich, Ausschlüsse nach ein bis zwei Jahren aus dem Vertrag zu streichen.

BU ohne Gesundheitsfragen

Eine BU ohne Gesundheitsfragen ist praktisch nicht zu bekommen. Hin und wieder bieten einzelne Versicherer Sonderaktionen an, bei denen andere Gesundheitsfragen gestellt werden als gewöhnlich. Diese können, je nach Deiner Erkrankung, vorteilhaft für Dich sein. Sie werden allerdings selten öffentlich gemacht, sondern meist nur Versicherungsvermittlern und -beratern mitgeteilt. Gut informierte Berater kennen die aktuellen Aktionen der Versicherer. Solltest Du im ersten Versuch keine BU bekommen, bitte Deinen Vermittler, Deinen Fall für künftige Aktionen der Versicherer im Hinterkopf zu behalten.

Eine gute Möglichkeit trotz Vorerkrankungen an eine BU zu kommen, ist ein Gruppenvertrag über den Arbeitgeber – meist in Kombination mit einer betrieblichen Altersvorsorge. Der Vorteil solcher Gruppenversicherungen: Die detaillierte Gesundheitsprüfung entfällt. Stattdessen reicht eine vereinfachte Gesundheitsprüfung. Bei dieser musst Du oft nur angeben, ob Du in einem bestimmten Zeitraum länger krankgeschrieben warst.

Auch Menschen in „Risikoberufen“ kann ein Gruppenvertrag zu bezahlbarem BU-Schutz verhelfen. Das funktioniert allerdings nur, wenn Angehörige verschiedener Risikogruppen in einem Unternehmen arbeiten, also Büroangestellte und körperlich Tätige gleichermaßen. Denn die Versicherung berechnet das durchschnittliche Risiko für alle Mitarbeiter und bietet allen den gleichen Tarif an. Es kann sich also lohnen, mal bei der Chefin nachzufragen.

Wenn Du Mitglied in einem Berufsverband bist, gibt es unter Umständen auch die Chance, eine Be­rufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung mit vereinfachter Gesundheitsprüfung abzuschließen. Bei einigen Verbänden reicht es sogar, einfach nur dem Berufsstand anzugehören. Du musst also kein Mitglied im Verband sein, um die Konditionen zu bekommen.

Be­rufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung und Corona

Laut einer Pressemitteilung der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV) vom 30. Mai 2022 ist Corona nicht per se ein Ablehnungsgrund für die BU-Versicherung. Allerdings kann eine durchgemachte Coronaerkrankung in bestimmten Fällen zu Preisaufschlägen oder Leistungsausschlüssen führen. 

Im März 2021 haben wir dazu die 20 größten BU-Versicherer (nach Marktanteil) in Deutschland befragt. Das Ergebnis: Wie die Versicherer mit einer Covid-19-Erkrankung umgehen, ist äußerst unterschiedlich. 

Entscheidend ist in erster Linie, wie Deine Erkrankung verlaufen ist. Hattest Du beispielsweise keine oder nur leichte Symptome und bist schon seit einem Monat gesund, führt Covid-19 bei der Hälfte der Versicherer nicht zu erschwerten Bedingungen. Eine Firma bietet bei leichtem Verlauf sogar ungeachtet einer akuten Erkrankung normalen Ver­si­che­rungs­schutz an.

Bei mittlerem und schwerem Verlauf, zum Beispiel mit Krankenhausaufenthalt, musst Du mit einer Zurückstellung Deines Antrags rechnen, da die Versicherer erst sicher gehen wollen, dass Du wirklich wieder fit bist. Einigen reichen dafür drei Monate, andere fordern zwölf.

Wenn Du nach einer Erkrankung dauerhaft beeinträchtigt bist, wird Dein Antrag kurzfristig kaum Chancen haben. Von langfristiger Zurückstellung bis hin zu Ablehnung ist alles möglich. Immerhin wird jeder Fall individuell geprüft.

Hast Du bereits eine Be­rufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung abgeschlossen, brauchst Du Dir keine Gedanken zu machen. Wenn Du in Folge einer Covid-19-Erkrankung berufsunfähig wirst, zum Beispiel durch Long Covid, ist das ein klassisches Beispiel für einen Versicherungsfall.

Unser Podcast zum Thema

So haben wir ausgewählt

Versicherungsmakler für die Be­rufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung 2018

Die Auswahl der Versicherungsmakler, die wir empfehlen, basiert auf einer Online-Ausschreibung für Spezialisten für Arbeitskraftabsicherung. Dafür hat Finanztip einen Fragebogen mit 21 Fragen entwickelt. In den Auswahlprozess kamen Versicherungsmakler und -berater, die unsere Fragen bis zum 31. August 2018 beantwortet haben.

Die bis zu diesem Datum eingegangenen 86 Bewerbungen haben wir überprüft auf Kriterien wie formale Qualifikation, Marktabdeckung, Erfahrung, Zahl der Berater und Routine in der Beratung zur Arbeitskraftabsicherung.

In den weiteren Auswahlprozess nahmen wir nur Bewerber auf, die nach eigenen Angaben einen formal höheren Berufs- oder Bildungsabschluss als die IHK-Prüfung zum Versicherungsfachmann angegeben haben und Be­rufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rungen von mindestens 25 Gesellschaften sowie Er­werbs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rungen von acht Unternehmen vermitteln konnten.

Zudem mussten mindestens zwei Mitarbeiter im Unternehmen zum Thema BU beraten und alle BU-Berater mindestens fünf Jahre Erfahrung in diesem Bereich haben. Um eine gewisse Routine in der Beratung sicherzustellen, haben wir nur Bewerber genauer betrachtet, die im zweiten Quartal 2018 pro Mitarbeiter im Schnitt mindestens 15 Kunden zur Be­rufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung beraten hatten.

Auf Basis dieser Kriterien blieben neun Makler übrig. Ein Makler reagierte nicht auf Nachfragen, ein anderer entschied sich, nicht am weiteren Auswahlprozess teilzunehmen. Einen dritten Kandidaten konnten wir nicht weiter berücksichtigen, weil sich zeigte, dass der Fokus seines Unternehmens stark auf der Beratung zur betrieblichen Be­rufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung lag. Im Bereich der Privatkunden-Beratung erreichte er die von uns geforderte Mindestzahl an Beratungen nicht.

Nachdem wir offene Fragen und Inkonsistenzen bei den Angaben aus dem Fragebogen durch Rückfragen bei den Maklern geklärt hatten, haben wir von den verbliebenen sechs Maklern exemplarisch anonymisierte Informationen zu beratenen Kunden und empfohlenen Tarifen angefordert sowie Beratungsprotokolle zu stichprobenartig ausgewählten Beratungen zur BU und anderen Produkten zur Arbeitskraftabsicherung. Für diese Fälle haben wir dann überprüft, ob die Makler ihren gesetzlichen Dokumentationspflichten nachgekommen sind.

Auf Basis dieses Auswahlprozesses halten wir derzeit folgende Versicherungsmakler für empfehlenswert: Hoesch & Partner, Buforum24, Zeroprov, Dr. Schlemann unabhängige Finanzberatung sowie P&F.

Die Finanztip-Ausschreibung für BU-Spezialisten ist derzeit geschlossen. Auf eine erneute Ausschreibung weisen wir rechtzeitig an dieser Stelle hin.

Empfehlungen aus dem Ratgeber

Die wichtigsten Fragen zusammengefasst

Wer braucht eine Be­rufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung?

Was kostet eine Be­rufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung?

Worauf solltest Du bei einer BU achten?

Wo gibt es die beste BU-Versicherung?

Wie hoch sollte die Berufsunfähigkeitsrente sein?

Darfst Du Vorerkrankungen verschweigen?

* Was der Stern bedeutet:

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