Union Investment Fonds verkaufen oder behalten?

  • Hallo,

    ich habe als "Altlast" 2 Union Investment Fonds bei meiner Hausbank. Diese werden seit meiner Umstellung auf ETF bei einem Neobroker nicht mehr bespart und "liegen" nur noch. Es handelt sich um:

    - Uni EM Global A, Wert ca 10.000 Euro, steht mit 1.700 Euro im Plus, Gesamtkosten jährlich 290 Euro.

    - Uni Global Net, Wert ca. 10.000 Euro, steht mit 2.600 Euro im Plus, Gesamtkosten jährlich 220 Euro.

    Aufgrund der jährlichen Gesamtkosten überlege ich, was ich damit machen soll. Liegen lassen oder verkaufen und die 25% Steuer auf den Gewinn in Kauf nehmen? Wobei diese sich in relativer kurzer Zeit alleine durch die eingesparten Kosten amortisiert oder habe ich da einen Denkfehler? Ich würde bei Verkauf das Geld erneut anlegen in entsprechende ETF.

    Was wären Eure Ideen dazu?

  • Du gibst dir doch die Antwort quasi schon selbst.

    Sei froh, dass du mit diesen teuren Produkten im Plus bist.
    Du schreibst nicht, wie lange du die schon hast. Somit kennen wir die jährliche Rendite nicht.

    Verkaufen, den Gewinn realisieren und zu echtem Geld machen.

    Dass du Steuern zahlen „darfst“ ist doch positiv. Ich zahle lieber Steuern auf Gewinn.

    Einfach raus damit.

  • Die einfache Frage ist: Würdest Du sie in Dein Depot nehmen, wenn sie nicht zufällig schon drin wären?

    Wenn Du es kompliziert machen willst, denkst Du über die anfallende Steuer nach. Du zahlst die Steuer sofort und hast keinen Steuerstundungseffekt mehr. Wie lange dauert es noch, bis die Entsparphase anfängt bei Dir? Bei den genannten Beständen rechne ich mit einigen Jahrzehnten. Willst Du die Dinger bis dahin im Bestand halten, um den Stundungseffekt aufrecht zu erhalten (Steuern auf die Gewinne zahlen musst Du am Ende ja auch). Wie viel Geld hast Du bis dahin durch den Renditeabstand durch die Kosten verloren?

  • Sehr richtig, bis zur Entsparphase dauert es noch knapp 3 Jahrzehnte, danke für den Hinweis, hatte ich vergessen zu erwähnen. Ich sehe schon, es geht eindeutig in die Richtung, zu der ich auch tendiert habe...Ich möchte nur nichts "übersehen" ohne es zu merken...

  • Geh auf den ETF Wechselrechner von Finanzfluss und gib alle Werte ein, inkl. Steuern.

    Nimm einfach an, dass der Uni Global nicht besser performt als sein Benchmark (100% MSCI World) und du auf einen MSCI World ETF wechseln würdest.

    Ich hatte das mal für ähnliche Werte wie bei dir gemacht und das Ergebnis war, dass es ca. 2 Jahre dauert bis du die heute gezahlten Steuern wieder durch Kostenersparnis beim ETF drin hast.

    Uni Global Net, Wert ca. 10.000 Euro, steht mit 2.600 Euro im Plus, Gesamtkosten jährlich 220 Euro.

    Laufende Kosten sollen sogar 2,9% sein, evtl. zahlst du sogar mehr.

  • Uni Global Net, Wert ca. 10.000 Euro, steht mit 2.600 Euro im Plus, Gesamtkosten jährlich 220 Euro.

    Habe selbst ein uni Global net der seit 2023 besteht und benötige vielleicht bald das Geld.

    Sehe ich das richtig. Ich würde jetzt am Beispiel oben ,den Depotwert 10000 Euro bekommen, und auf den Gewinn 2600 Euro ,müsste ich noch Steuer bezahlen?

  • Zum Thema Abgeltungssteuer gibt es einen schönen Artikel von Finanztip:

    Abgeltungssteuer
    So funktioniert die Abgeltungssteuer
    www.finanztip.de

    Nach meinem Wissensstand gibt es bei Aktienfonds (>51 % Aktienanteil) eine Teilfreistellung von 30 %. Dann hat man ja noch einen möglichen Freistellungsauftrag. (max. 1000 €, sofern der in deinem Fall nicht an anderer Stelle schon ausgereizt wird)

    Auf die 2600 € Gewinn wird am Ende irgendwas um grob 200 bis 250 € Steuern anfallen.

    Bitte nicht drauf festnageln. Das ist nur Laienwissen ohne Gewähr. Ggf. korrigiert mich noch einer der alten Hasen.

    Es gibt hierzu auch diverse Rechner im Netz von z.B. den anderen Kameraden die "Finanz" im Namen tragen :)

  • Sehe ich das richtig. Ich würde jetzt am Beispiel oben ,den Depotwert 10000 Euro bekommen, und auf den Gewinn 2600 Euro ,müsste ich noch Steuer bezahlen?

    Ja, es mag für manche Menschen eine Neuigkeit sein, aber auf Kapitalgewinne werden in Deutschland Kapitalertragssteuern fällig.;)
    Und wie Ubuntu13 schon richtig anmerkte gibt es bei einem Fonds, der immer > 51% Aktien enthält eine Teilfreistellung von 30%.
    Bei einem Gewinn von 2.600€ bleiben nach TFS von 30% noch 1.820€ auf die Kapitalertragssteuer fällig wird. Das sind mind. 26,375% + ggf. Kirchensteuer.
    Das wären dann 480€ Steuern.

    Wenn Du den Freibetrag von 1.000€ p.a. noch nicht ausgeschöpft hast, ist es weniger. Und wenn Du ein Jahreseinkommen unterhalb des Grundfreibetrags hast, kann sogar der ganze Gewinn steuerfrei sein.

  • Sehe ich das richtig. Ich würde jetzt am Beispiel oben ,den Depotwert 10000 Euro bekommen, und auf den Gewinn 2600 Euro ,müsste ich noch Steuer bezahlen?

    Wenn du was ausgezahlt bekommst, wird die Steuer gleich schon einbehalten.
    Wenn du also der UI sagst, du willst die 10.000€ verkaufen, dann bekommst du wie monstermania gerechnet 9520€ ausbezahlt.
    Biste Kirchensteuerpflichtig, kommt entsprechend weniger heraus.
    Haste noch den Freibetrag oder einen Teil davon, dann gibt es entsprechend mehr heraus.

  • Wenn Du den Freibetrag von 1.000€ p.a. noch nicht ausgeschöpft hast, ist es weniger. Und wenn Du ein Jahreseinkommen unterhalb des Grundfreibetrags hast, kann sogar der ganze Gewinn steuerfrei sein.

    Abgezogen wirds erst mal trotzdem, dann muß man eine Einkommesteuererklärung abgeben, um die Steuern im nächsten Jahr wieder erstattet zu bekommen.

    Jahreseinkommen übrigens nach Abzug der SV-Beiträge und Freibeträge, nicht der volle Bruttolohn.

  • Abgezogen wirds erst mal trotzdem, dann muß man eine Einkommesteuererklärung abgeben, um die Steuern im nächsten Jahr wieder erstattet zu bekommen.

    Kommt darauf an. Deutschland ist ja kompliziert.
    Bei Menschen ohne großes Einkommen (z.B. Schülern, Studenten) kann man auch eine sog. Nichtveranlagungsbescheinigung beantragen (NV-Bescheinigung). Die gilt üblicherweise für 3 Jahre.
    Die NV-Bescheinigung reicht man dann bei der Bank/Broker ein und dann werden auch keine Steuern abgezogen.

    Aber klar, per Steuererklärung kann man es auch gerade ziehen. Dauert dann aber ggf. bis man sein Geld wieder hat.

  • Habe mir die beiden Fonds noch mal genauer angeschaut.

    Der EM Fonds ist unterirdisch. Den würde ich als erstes verkaufen und desto früher desto besser und auch ganz egal wann er angeschafft wurde.

    Der Uniglobal hingegen entwickelt sich sehr ähnlich zu seinem Vergleichsindex. Sollten Anteile von vor 2009 im Depot existieren, würde ich überlegen, diese Anteile durch einen Depotübertrag von neueren Anteilen zu trennen. Dabei werden gemäß FIFO (First in first out) die alten Anteile bevorzugt übertragen. Alles was nach 2008 angeschafft wurde, würde ich aber auch bei diesem Fonds verkaufen. Dabei versuchen den Pauschbetrag optimal auszuschöpfen. Bei diesem Fonds kann man den Verkauf auch über ein paar Jahre verteilen.

  • Ja, es mag für manche Menschen eine Neuigkeit sein, aber auf Kapitalgewinne werden in Deutschland Kapitalertragssteuern fällig.;)
    Und wie Ubuntu13 schon richtig anmerkte gibt es bei einem Fonds, der immer > 51% Aktien enthält eine Teilfreistellung von 30%.
    Bei einem Gewinn von 2.600€ bleiben nach TFS von 30% noch 1.820€ auf die Kapitalertragssteuer fällig wird. Das sind mind. 26,375% + ggf. Kirchensteuer.
    Das wären dann 480€ Steuern.

    Wenn Du den Freibetrag von 1.000€ p.a. noch nicht ausgeschöpft hast, ist es weniger. Und wenn Du ein Jahreseinkommen unterhalb des Grundfreibetrags hast, kann sogar der ganze Gewinn steuerfrei sein.

    Ergänzende Frage: Hab meine UniProfiRente 2025 gekündigt, Zulagen und Steuervorteile wurden einbehalten und dann Guthaben ausbezahlt.

    Wurden die Kapitalerträge auf den Gewinn bei Kündigung schon ans Finanzamt abgeführt oder mache ich das mit der Steuererklärung? Ich habe nämlich eine Bescheinigung nach § 22 EstG bekommen.

    Danke schonmal!