Abgeltungssteuer

So funktioniert die Abgeltungssteuer

Udo Reuß 23. April 2020
Das Wichtigste in Kürze
  • Seit 2009 behalten Finanzinstitute 25 Prozent Abgeltungssteuer auf Zinsen, Dividenden und realisierte Kursgewinne ein. Hinzu kommt der Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer.
  • Beim Verkauf von Aktien gilt, dass die zuerst angeschafften als zuerst veräußert behandelt werden. Aktien, die bis Ende 2008 investiert wurden, können steuerfrei verkauft werden.
  • 2018 hat sich die Besteuerung von Investmentfonds grundlegend geändert. Details liest Du im Artikel zum Investmentsteuerreformgesetz.
So gehst Du vor
  • In Deiner Steuererklärung musst Du normalerweise keine Kapitalerträge angeben. Es sei denn es wurde hierfür noch keine Abgeltungssteuer einbehalten.
  • Den Abzug von Abgeltungssteuer kannst Du vermeiden. Stelle hierfür bei Deinen Banken Freistellungsaufträge. Der Sparerpauschbetrag beträgt für einen Ledigen 801 Euro, 1.602 Euro für Verheiratete.
  • Wer mit seinem zu versteuernden Einkommen unterhalb des Grundfreibetrags liegt, der kann beim Finanzamt eine Nichtveranlagungsbescheinigung beantragen. Diese gibst Du Deiner Bank, damit sie keine Abgeltungssteuer einbehält.

Sparer, die Geld anlegen in Form von Bankeinlagen, Aktien, Anleihen, Fonds oder Zertifikaten, sind von der Abgeltungssteuer betroffen. Sie wird seit 2009 fällig für Zinsen, Dividenden und realisierte Kursgewinne – sogenannte Kapitaleinkünfte. Die Abgeltungssteuer beträgt pauschal 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag. Sie wird von der Bank einbehalten und an das Finanzamt abgeführt.

Kirchensteuer wird automatisch abgezogen

Kapitaleinkünfte unterliegen zudem der Kirchensteuer. Diese wurde bislang allerdings nur dann von Deiner Depotbank an das Finanzamt abgeführt, wenn Du einen Antrag auf Einbehalt der Kirchensteuer gestellt hast. Wer diesen Antrag nicht gestellt hatte, musste die Kirchensteuer im Rahmen seiner Einkommensteuererklärung zahlen.

Seit Januar 2015 brauchst Du keinen Antrag auf Einbehalt der Kirchensteuer mehr zu stellen. Denn seitdem erhalten die Banken die Information über die Religionszugehörigkeit ihrer Kunden vom Bundeszentralamt für Steuern in Bonn (BZSt) und führen die Kirchensteuer direkt an das Finanzamt ab.

Die rechtlichen Grundlagen zur Abgeltungssteuer findest Du in Paragraf 32d Einkommensteuergesetz. Sorge unbedingt dafür, dass Du einen korrekten Freistellungsauftrag erteilst und den Freibetrag auf Deine verschiedenen Anlagen ausgeschöpft hast. Die Freistellungsaufträge kannst Du auch unterjährig ändern und so den Steuerabzug über Deine diversen Depots optimieren. Dafür musst Du Deiner Bank einen schriftlichen Auftrag erteilen.

Alte Aktiengewinne kannst Du steuerfrei verkaufen

Das System der Abgeltungssteuer wurde zum 1. Januar 2009 eingeführt. Für Veräußerungsgewinne aus Wertpapieren, die bis Ende 2008 gekauft wurden, gilt daher eine Besonderheit: Du kannst diese auch heute noch steuerfrei verkaufen.

Generell gilt für den Aktienverkauf das Prinzip „first in, first out“. Das heißt, dass zuerst angeschaffte Wertpapiere als zuerst verkauft gelten. Dementsprechend werden diese steuerlich behandelt. Dies kannst Du zu Deinem Vorteil ausnutzen. Hast Du beispielsweise 100 Fresenius-Aktien 2008 erworben und zudem ein Jahr später weitere 100 und willst nun 150 davon verkaufen, dann kannst Du 100 davon steuerfrei verkaufen und 50 nach dem Abgeltungssteuersatz.

Um solche Bestände leichter voneinander abgrenzen zu können, ist es in vielen Fälle besser, neue Anlagen in einem zweiten Depot zu verwahren. Insbesondere Anleger, die sehr oft Wertpapiere kaufen und verkaufen, sollten darüber nachdenken. Online-Depots verlangen inzwischen keine Grundgebühren mehr, weswegen das finanziell keinen Unterschied macht. Die günstigsten Depots findest Du in unserem Ratgeber.

Achtung: Mit der Reform der Investmentbesteuerung, die ab 2018 in Kraft tritt, wird der Bestandsschutz von Investmentfonds aufgehoben: Anleger zahlen dann auf Erträge, die Altfonds ab 2018 erzielen, Abgeltungssteuer jährlich auf eine Pauschale und bei Verkauf. Erträge, die bis Ende 2017 erzielt wurden, bleiben steuerfrei. Für Privatanleger gibt es einen Freibetrag von 100.000 Euro.

Um ihn anwenden zu können, sollten Besitzer von Altfonds diese unbedingt halten. Wie die neue Besteuerung für Altfonds genau funktioniert, liest Du im Detailartikel zur Investmentsteuerreform.

Nutze Deinen Freibetrag

Seit 2009 sind die vorher geltenden Freibeträge in einem Sparerpauschbetrag zusammengefasst. Er beträgt für Ledige 801 Euro im Jahr, für Verheiratete das Doppelte, also 1.602 Euro. Gleichzeitig hat der Gesetzgeber die Abrechnung von Werbungskosten in der Steuererklärung gestrichen. Somit dürfen auch Kosten für einen Kredit, der für den Kauf von Wertpapieren verwendet wird, nicht mehr steuerlich geltend gemacht werden.

Möglich ist allerdings nach einem Urteil des Finanzgerichts Baden-Württemberg vom 17. Dezember 2012 (Az. 9 K 1637/10) in begründeten Ausnahmefällen ein Abzug der tatsächlichen Werbungskosten bei den Einkünften aus Kapitalvermögen. Demnach kannst Duden Abzug von Werbungskosten in tatsächlicher Höhe beantragen, sofern Dein persönlicher Einkommensteuersatz bereits unter Berücksichtigung des Sparerpauschbetrags unter dem Abgeltungssteuersatz von 25 Prozent liegt.

Kapitalverluste verrechnen

Du darfst Verluste aus Kapitalerträgen mit den positiven Einkünften aus Deinen Anlagen verrechnen. Beispiel: Erzielst Du nach dem Verkauf einer Lebensversicherung einen Verlust, so kannst Du diesen mit Deinen Zinserträgen aus Sparkonten verrechnen. Aktienverluste darfst Du aber nur mit Kursgewinnen aus Aktiengeschäften verrechnen. Laut einer Übergangsregelung konnten bis Ende 2008 erlittene Verluste noch bis 2013 mit neuen Gewinnen verrechnet werden.

Darauf fällt die Abgeltungssteuer an

Kapitallebensversicherung

Läuft der Vertrag zwischen Dir und der Versicherungsgesellschaft noch keine zwölf Jahre und werden entsprechende Kapitalerträge aus der Versicherung schon vor dem 60. Lebensjahr ausgezahlt, bist Du als Versicherter verpflichtet, die Abgeltungssteuer von 25 Prozent auf den jeweiligen Betrag zu entrichten.

Vollkommen steuerfrei sind einmalige Auszahlungen – also das komplette eingezahlte Kapital plus die Erträge aus diesem Kapital – aus einer Lebensversicherung, wenn der Vertrag folgende Bedingungen erfüllt: 

  • die Laufzeit beträgt mindestens zwölf Jahre
  • Vertragsbeginn war vor dem 1.1.2005
  • die Todesfallleistung beträgt mindestens 60 Prozent der Versicherungssumme
  • es wurden über mindestens fünf Jahre Beiträge gezahlt

Hast Du Deine Lebensversicherung nach dem 1. Januar 2005 abgeschlossen, musst Du die Hälfte des Geldes zum persönlichen Steuersatz versteuern. Dass es nur die Hälfte ist und nicht alles versteuert werden muss, ist allerdings auch an Bedingungen geknüpft:

  • der Vertrag läuft mindestens zwölf Jahre
  • die Auszahlung erfolgt erst nach dem 60. Lebensjahr

Bankeinlagen

Sämtliche Zinserträge unterliegen seit 1. Januar 2009 der Abgeltungssteuer.

Aktien

Die Abgeltungssteuer gilt für die gesamte Dividende und realisierte Kursgewinne. Dabei spielt die Haltedauer keine Rolle.

Anleihen

Bei ihnen unterliegen Zinsen und Kursgewinne der Abgeltungssteuer.

Investmentfonds

Fondserträge, egal ob ausgeschüttet oder wieder angelegt, sind mit dem Abgeltungssteuersatz von 25 Prozent zu versteuern. Gewinne aus Veräußerung von Fonds, Anteilen und Termingeschäften werden bei Ausschüttung von der Abgeltungssteuer erfasst. Ab 2018 sind Teile der Fondserträge bei Aktien- und Mischfonds pauschal steuerbefreit, dafür fällt die Anrechnung von Quellensteuer weg. Details dazu im Ratgeber Investmentsteuerreformgesetz.

Dachfonds

Bei Anteilen an einem Dachfonds, die vor 2009 angeschafft wurden, gilt die vor 2009 bestehende Rechtslage solange, bis der Fonds ausgezahlt und dann eine neue Anlage mit dem Geld getätigt wird. Da sie erst am Ende der Laufzeit steuerlich bewertet werden, können mit solchen Fonds, die je nach Ausrichtung Kapitalerträge aus Zinsen, Dividenden und Kursgewinnen erzielen, langfristig abgeltungssteuerfreie Erträge erzielt werden. Erträge aus Dachfonds, die nach dem 31. Dezember 2008 erworben wurden, unterliegen dagegen komplett der Abgeltungssteuer. Du solltest Dir also gut überlegen, ob Du Dich von solchen Anteilen trennstn.

Finanzinnovationen

Kursgewinne aus solchen Anlagen, zum Beispiel aus Zertifikaten mit Kapitalgarantie oder aus Aktienanleihen, fallen ohne Berücksichtigung einer Frist stets unter die Abgeltungssteuer.

Zertifikate ohne Kapitalgarantie

Sie unterliegen gleichfalls der Abgeltungssteuer. Ausnahme: Risikozertifikate, die vor dem 15. März 2007 gekauft wurden, sind nach einjähriger Haltedauer steuerfrei.

So werden ausländische Kapitalerträge behandelt

Auch auf Kapitalerträge, die Du im Ausland erzielst, musst Du Abgeltungssteuer zahlen. Hast Du Dein Depot oder Konto bei einer inländischen Bank, führt diese die Abgeltungssteuer automatisch an das deutsche Finanzamt ab, sofern die Erträge über den Freibetrag von 801 Euro hinausgehen und Du einen Freistellungsauftrag gestellt hast.

Ist das Konto oder Depot im Ausland oder kommen die Kapitalerträge von einer ausländischen Bank oder der ausländischen Tochter einer deutschen Bank, wird keine Abgeltungssteuer einbehalten. Das betrifft zum Beispiel Kunden, die bei der Leaseplan Bank, CA Consumer Finance oder Close Brothers ein Tagesgeld- oder Festgeldkonto haben.

Als Depot- oder Kontoinhaber hast Du die Pflicht, solche ausländischen Kapitalerträge, für die keine Abgeltungssteuer einbehalten wurde, in der Zeile 15 der Anlage KAP Deiner Steuererklärung anzugeben. Inländische Kapitalerträge ohne Steuerabzug musst Du in die Zeile 14 eintragen.

Sonderfall ausländische thesaurierende Aktienfonds

Hast Du in Deinem Portfolio einen Aktienfonds, der im Ausland aufgelegt ist und Dividenden wieder anlegt, musst Du ebenfalls einige Besonderheiten beachten. Da diese Dividenden nur dem Fonds und nicht direkt Deinem Konto gutgeschrieben werden, musst Du sie separat in der Steuererklärung angeben. Diese Dividenden fallen unter den Posten „ausländische Kapitalerträge“. Du musst diese ebenfalls in Zeile 15 der Anlage KAP eintragen.

In vielen Fällen, in denen ausländische Aktien im Fonds vertreten sind, fällt zudem Quellensteuer an. Sie wird in dem Quellstaat - also dem Staat, in dem das die dividenden zahlende Unternehmen seinen Sitz hat - direkt an die Steuerbehörde abgeführt. Die Quellensteuer kann aber häufig auf die Abgeltungssteuer angerechnet werden. Anleger müssen sie für diesen Zweck ebenfalls in der Anlage KAP angeben. Mehr Informationen dazu findest Du im Detailartikel thesaurierende Fonds

Achtung: Im Juli 2016 hat der Bundesrat eine Reform der Besteuerung von Investmentfonds verabschiedet. Sie tritt zum 1. Januar 2018 in Kraft. Demnach ändert sich die Systematik der Besteuerung von Investmentfonds grundlegend. Details findest Du im Artikel zum Investmentsteuerreformgesetz.

Autor
Udo Reuß

23. April 2020


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