Total überforderter ETF-Neuling

  • Hallo Forengemeinde,


    ich bin Mitte 40 und beschäftige mich jetzt (erst) seit einiger Zeit zum ersten mal intensiver mit ETF´s als Geldanlange. Als ich mich zunächst grob eingelesen habe (u.a. bei Finanztip oder in bekannten Büchern) dachte ich, das klingt ja eigentlich viel leichter als ich dachte.....schnell Depot eröffnen (was ich auch schon getan habe).....einen der bekannten ETF´s (World, All World) heraussuchen, investieren und auf die ersten "Millionen" (kleiner Scherz;)) warten.


    Aber umso mehr ich mich mit der Zeit eingelesen habe, begegnen mir ständig neue "Begriffe" und Dinge, die mich immer mehr verunsichern. Hat der ETF einen geringen Spread? Wie steht es mit Währungsrisiko? Ist die Volatilität nicht zu hoch....ist zuviel US-Gewichtung "zuviel" und zu wenig Schwellenländer zu wenig?.............sind nur einige Sachen, die ständig neu dazukommen.

    Nachdem ich mein Risikoprofil als "moderat" eingestuft habe, kämen dann zu einem World evtl. auch noch (kompliziertere) Anleihen dazu...die aber doch nicht (mehr) so sinnvoll und risikoarm sind, möchte man der breiten Meinung des Internets glauben. Damit würde auch die "einfache" Alternative des Vanguard LifeStrategy rausfallen, die mir wenigstens das "Rebalancing" erspart hätte und die Frage....sind kurzlaufende Anleihen zu kurz und lange zu lang?


    Vielleicht denke ich auch einfach zu kompliziert oder mache mir zu viele Gedanken.


    Geht es einigen auch so oder ist es letzten Endes doch gar nicht so kompliziert und ich verrenne mich nur in immer wieder "neu gefundenes"?

    Schließlich steht quer durchs Internet ja.......einfach Depot einrichten......Sparplan oder Einmalinvest tätigen (dann natürlich die Orderprovision beachten) und zurücklehnen.

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  • Hallo.

    Man kann das Thema sehr kompliziert machen oder auch eher einfach.

    Wenn Du einen 08/15-Aktien-ETF (weltweit und marktbreit) besparst, dann machst Du deutlich mehr richtig als falsch.

    Man sollte die Analyse-Paralyse vermeiden und schnell ins Handeln kommen.

  • Moin Newbie007 ,


    Willkommen im Forum.

    Das Vier Töpfe Prinzip ist schon ziemlich gut und einfach durchführbar.

    Mehr brauchst du wirklich nicht um eine gute und solide für dich passende Geldanlage selber zu machen.

    Fang einfach an und halte es durch. Dein Investieren muss nicht perfekt werden. Fange erstmal langsam mit einem breitgestreutem Weltaktien ETF mit einem kleinen Betrag an und mach dich weiter mit der Materie vertraut.

    Keiner weiß wie die allerbeste Geldanlage aussieht deswegen ist die Einfache und kostengünstige ETF Anlage gut genug um die Inflation zu schlagen und langfristigen Vermögensaufbau zu betreiben.
    Das Gras wächst nicht schneller wenn du daran ziehst. Mit ruhiger Hand, auch in unruhigen Börsenzeiten einfach den Sparplan auf deinen Aktien ETF weiter zu bedienen reicht da völlig aus um deutlich besser wie viele Kleinanleger abzuschneiden.

    Gut ist gut genug.

    Viel Erfolg und Geduld bei deinen Finanzentscheidungen

  • Newbie007 9. Januar 2026 um 23:14

    Hat einen Beitrag als hilfreichste Antwort ausgewählt.
  • Ich bin Mitte 40 und beschäftige mich jetzt (erst) seit einiger Zeit zum ersten mal intensiver mit ETFs als Geldanlage. Als ich mich zunächst grob eingelesen habe (u.a. bei Finanztip oder in bekannten Büchern) dachte ich, das klingt ja eigentlich viel leichter als ich dachte. Schnell Depot eröffnen (was ich auch schon getan habe), einen der bekannten ETFs (World, All World) heraussuchen, investieren und auf die ersten "Millionen" (kleiner Scherz;)) warten.

    So etwa funktioniert das. Jede Reise beginnt mit dem ersten Schritt, aber wenn Du nie losgehst, kommst Du auch nie an.

    Aber umso mehr ich mich mit der Zeit eingelesen habe, begegnen mir ständig neue Begriffe und Dinge, die mich immer mehr verunsichern. Hat der ETF einen geringen Spread? Wie steht es mit Währungsrisiko? Ist die Volatilität nicht zu hoch? Ist zuviel US-Gewichtung "zuviel" und zu wenig Schwellenländer zu wenig? Sind nur einige Sachen, die ständig neu dazukommen.

    Nu ja. :)

    Nachdem ich mein Risikoprofil als "moderat" eingestuft habe, kämen dann zu einem World evtl. auch noch (kompliziertere) Anleihen dazu.

    :)

    ... die aber doch nicht (mehr) so sinnvoll und risikoarm sind, möchte man der breiten Meinung des Internets glauben. Damit würde auch die "einfache" Alternative des Vanguard LifeStrategy rausfallen, die mir wenigstens das "Rebalancing" erspart hätte und die Frage. Sind kurzlaufende Anleihen zu kurz und lange zu lang?

    Vielleicht denke ich auch einfach zu kompliziert oder mache mir zu viele Gedanken.

    Jou. :)

    Geht es einigen auch so oder ist es letzten Endes doch gar nicht so kompliziert und ich verrenne mich nur in immer wieder "neu Gefundenes"?

    Das könnte sein.

    Vielleicht erzählst Du einfach mal, was Du bist und was Du hast und was Du vorhast.

    :)

    PS: Done is better than perfect. Es sollen sich manche Leute schon totgeplant haben.

    • Hilfreichste Antwort

    ich bin Mitte 40 und beschäftige mich jetzt (erst) seit einiger Zeit zum ersten mal intensiver mit ETF´s als Geldanlange. Als ich mich zunächst grob eingelesen habe (u.a. bei Finanztip oder in bekannten Büchern) dachte ich, das klingt ja eigentlich viel leichter als ich dachte.....schnell Depot eröffnen (was ich auch schon getan habe).....einen der bekannten ETF´s (World, All World) heraussuchen, investieren und auf die ersten "Millionen" (kleiner Scherz;)) warten.

    Soweit klingt alles richtig! Dieses Forum ist ein durchaus geeigneter Ort, um Deine Fragen anzubringen.

    Aber umso mehr ich mich mit der Zeit eingelesen habe, begegnen mir ständig neue "Begriffe" und Dinge, die mich immer mehr verunsichern. Hat der ETF einen geringen Spread?

    Der Spread ist abhängig vom Börsenplatz. Bei welchem Broker läuft Dein Sparplan und um welche Uhrzeit wird er ausgeführt? Sofern es ein liquides Papier ist, sollte der Effekt nicht sehr groß sein. Welcher ETF ist es? Bei höheren Sparraten kämen auch Direktorders in Frage, wo man das besser steuern kann.

    Wie steht es mit Währungsrisiko?

    Bei breiten Aktien ETFs macht man normalerweise nichts gegen das Währungsrisiko. Die großen Aktiengesellschaften sind ganz überwiegend international tätig. Es gibt also kein ausgeprägtes Währungsrisiko in eine Richtung wie beispielsweise bei Anleihen. Da würde ich mich gerade als Einsteiger auf Euro Anleihen beschränken. Damit entfällt das Währungsrisiko.

    Ist die Volatilität nicht zu hoch

    Geht es Dir um eine theoretische Frage oder hast Du konkret Probleme mit den Schwankungen? Beschäftige Dich mit dem Thema Risiko und versuche herauszubekommen, wo für Dich der ideale Kompromiss zwischen Rendite und Sicherheit liegt. Beides zugleich geht nicht.

    ....ist zuviel US-Gewichtung "zuviel" und zu wenig Schwellenländer zu wenig?

    Gerade am Anfang ist es klug, sich einfach an der Marktkapitalisierung zu orientieren. Das ist das was die Mehrheit der Anleger abbildet. Wenn Du im Lauf der Jahre dann zu abweichenden Ideen kommst, muss man das nicht ablehnen, aber gerade am Anfang wäre ich zurückhaltend mit Experimenten, wo Du nicht weißt, wie verschiedene Dinge zusammenspielen.

    Nachdem ich mein Risikoprofil als "moderat" eingestuft habe, kämen dann zu einem World evtl. auch noch (kompliziertere) Anleihen dazu...die aber doch nicht (mehr) so sinnvoll und risikoarm sind, möchte man der breiten Meinung des Internets glauben. Damit würde auch die "einfache" Alternative des Vanguard LifeStrategy rausfallen, die mir wenigstens das "Rebalancing" erspart hätte und die Frage....sind kurzlaufende Anleihen zu kurz und lange zu lang?

    Ich persönlich bin kein großer Freund der LifeStrategy Fonds. So ein Mischfonds ist geeignet für jemanden, der sich mit dem Thema nicht genauer beschäftigen will und größere Schwankungen nicht gut vertragen kann. Du hingegen willst den Dingen auf den Grund gehen. Gute Voraussetzungen, um die sinnvollen Bausteine selbst zu kombinieren.

    Auch hier kannst Du es im ersten Schritt einfach halten. Lege ein Verhältnis von Aktien zu risikoarmen Anlagen fest und nimm für den risikoarmen Teil erst mal Tagesgeld/Geldmarktfonds/Festgeld. Moderat könnte beispielsweise 50/50 sein. Wie hast Du es für Dich definiert?

    Vielleicht denke ich auch einfach zu kompliziert oder mache mir zu viele Gedanken.

    Es ist Dein Geld und eine solide Basis an Wissen, kann Dir viel Geld bringen in den nächsten 40 Jahren. Du solltest Dich natürlich nicht verrückt machen, aber Fragen stellen und die Dinge verstehen wollen ist absolut vernünftig.

    Geht es einigen auch so oder ist es letzten Endes doch gar nicht so kompliziert und ich verrenne mich nur in immer wieder "neu gefundenes"?

    Das hat was mit Deiner Lernkurve zu tun und es wird besser!

    Schließlich steht quer durchs Internet ja.......einfach Depot einrichten......Sparplan oder Einmalinvest tätigen (dann natürlich die Orderprovision beachten) und zurücklehnen.

    Ich bin mit Kostolany groß geworden und von ihm stammt das folgende Zitat:

    Kaufen Sie Aktien, nehmen Sie Schlaftabletten und schauen Sie die Papiere nicht mehr an. Nach vielen Jahren werden Sie sehen: Sie sind reich.

  • Newbie007 9. Januar 2026 um 23:29

    Hat einen Beitrag als hilfreichste Antwort ausgewählt.
  • Danke für deinen hilfreichen Beitrag 90 Prozent Aktien

    Geht es Dir um eine theoretische Frage oder hast Du konkret Probleme mit den Schwankungen? Beschäftige Dich mit dem Thema Risiko und versuche herauszubekommen, wo für Dich der ideale Kompromiss zwischen Rendite und Sicherheit liegt. Beides zugleich geht nicht.

    Da ich bisher noch keine Erfahrungen an der Börse gemacht habe (außer seit kurzem das Depot bei ING mit geringem Einsatz zum Herantasten) möchte ich ungern rein in Aktien-ETF´s investieren um schlaflose Nächte zu minimieren. Daher habe ich auch als Beispiel das Thema des Vanguard Life-Strategie angeschnitten und den Hinweis der "moderaten" Risikobereitschaft angegeben. Mir ist bewusst das die Rendite dadurch geringer ausfallen kann/wird, aber da ist mir ein angenehmer Schlaf wichtiger.

    Ich persönlich bin kein großer Freund der LifeStrategy Fonds. So ein Mischfonds ist geeignet für jemanden, der sich mit dem Thema nicht genauer beschäftigen will und größere Schwankungen nicht gut vertragen kann. Du hingegen willst den Dingen auf den Grund gehen. Gute Voraussetzungen, um die sinnvollen Bausteine selbst zu kombinieren.

    Auch hier kannst Du es im ersten Schritt einfach halten. Lege ein Verhältnis von Aktien zu risikoarmen Anlagen fest und nimm für den risikoarmen Teil erst mal Tagesgeld/Geldmarktfonds/Festgeld. Moderat könnte beispielsweise 50/50 sein. Wie hast Du es für Dich definiert?


    Ich denke, das würde genau auf mich zutreffen bzw. würde ich nicht von "nicht beschäftigen wollen" sprechen sondern vielmehr davon mich nicht noch mehr in der Materie zu verlieren. Ich hatte hier im Forum die "alternativen Strategien" unter einem Thema von "LIFESTRATEGY" gelesen und irgendwann gedacht.....ok....das wird mir persönlich jetzt zu "kompliziert" bzw. undurchsichtig. Vielleicht bin ich da aber auch nur nicht die hellste Kerze am Kranz.

    An sich könnte ich mich mit dem LifeStrategy 60 anfreunden, aber wie du sind scheinbar mehrere nicht überzeugt von dieser Art Anlage. Dazu liest man mittlerweile auch häufiger, dass das 60/40 Portfolio "ausgedient" hätte.

    Es ist Dein Geld und eine solide Basis an Wissen, kann Dir viel Geld bringen in den nächsten 40 Jahren. Du solltest Dich natürlich nicht verrückt machen, aber Fragen stellen und die Dinge verstehen wollen ist absolut vernünftig.

    Ich denke es ist schon wichtig, lieber mal eine Frage zuviel zu stellen als eine zu wenig. Ich kann auch mit dem Ansatz "einfach mal machen" wenig anfangen. "Einfach mal machen" kann ich bei nem Schrank aufbauen aber wenn es ums Vermögen/Altersvorsorge geht, sollte das schon durchdachter zugehen.

    Ich habe schon von Leuten gelesen, die mit nem einfachen World ETF nix falsch machen wollten und versehentlich bzw. durch Unwissen einen mehrfach gehebelten World ETF gekauft haben. Mag sicher Vorteile bringen, aber halt auch Nachteile........dementsprechend finde ich manche Antworten a la "einfach irgendeinen World ETF" besparen gerade für Einsteiger oftmals SEMI-hilfreich.

  • Finanztip stellt aber durchaus eine Liste der empfohlenen ETFs zur Verfügung, wo du beispielsweise keinen gehebelten finden wirst. Bei denen wirst du meiner Meinung nach nichts falsch machen und kannst mit einem ersten Sparplan auf einen von diesen wenigstens schon mal Erfahrungen sammeln: ETF Auswahl 

  • Die Lifestrategy und ähnliche Produkte mögen zwar Vorteile im automatischen Rebalancing haben, allerdings bin ich wegen der höheren Kosten und der festen Aufteilung kein Fan davon. Ich meinte am Anfang vor 5 Jahren auch, unbedingt Anleihen haben zu müssen, inzwischen habe ich aber nach intensiverer Auseinandersetzung mit Gesamtportfolio, Bedarf in Rente und Rentenlücke ein wesentlich entspannteres Verhältnis zu einer höheren Aktionquote als ich es ursprünglich hatte. Ich sage nicht, dass das für jeden Richtig ist, aber der Charme der oben genannten selbst gemachten Mischung mit einem ETF und einem Geldmarktfonds ist aus meiner Sicht die Einfachheit und Flexibilität, diese ggf. der eigenen Lernkurve und auch dem eigenen Lebenslauf anpassen zu können.

  • Letztendlich wird es aber auch immer Gründe für und gegen Produkte geben. Der Lifestrategy ist, um beim Beispiel zu bleiben, kein schlechtes oder ungeeignetes Produkt. Man kann die 60/40 oder 80/20 Aufteilung gerade bei kleineren Depots ganz einfach selbst machen. Muss man aber eben auch nicht.

    Die Vielfalt ist riesig. Die Details sind absolut gigantisch. Aber wenn man sich an die finanztip Empfehlungen hält macht man schonmal nichts falsch und wählt aus versehen ein total ungeeignetes Produkt. Man kann das eigentlich mit so ziemlich allem was man sonst kauft vergleichen. Hast du ne Ahnung wie ein Klimakompressor funktioniert oder wie man den benötigten Einspritzdruck beim Dieselmotor berechnet? Trotzdem würde keiner sagen das er dann lieber kein Auto kauft, weil er solche Details nicht versteht. Der Unterschied ist nur das nicht jeder ein Auto benötigt, aber eigentlich jeder einen vernünftige Vermögensaufbau.

    Du hast angefangen und das ist die Hauptsache. Hier lesen und Links und Rechts mal schauen was die anderen machen. Da kommen so Begriffe wie Spread oder Volatilität immer mal vor. auch ohne die wissenschaftliche Definition kann man dann einordnen was gemeint ist und wie relevant es für dich ist. Wenn es zu sehr ins Detail geht, kann man auch einfach abbrechen und was anderes lesen. Ist ja mit jedem Thema so für das man sich etwas interessiert. Das meiste kommt von alleine. Ich bin auch weit weg von der fachlichen Kompetenz die hier einige User haben, dennoch investiere ich und lese viel zum Thema um meinen Horizont zu erweitern. Viel geändert hab ich aber noch nicht zu meinem Ausgangspunkt.

  • Da ich bisher noch keine Erfahrungen an der Börse gemacht habe (außer seit kurzem das Depot bei ING mit geringem Einsatz zum Herantasten) möchte ich ungern rein in Aktien-ETF´s investieren um schlaflose Nächte zu minimieren. Daher habe ich auch als Beispiel das Thema des Vanguard Life-Strategie angeschnitten und den Hinweis der "moderaten" Risikobereitschaft angegeben. Mir ist bewusst das die Rendite dadurch geringer ausfallen kann/wird, aber da ist mir ein angenehmer Schlaf wichtiger.

    Na immerhin leidest Du nicht unter enormem Gestaltungsdrang (ich hab ungefähr im gleichen Alter wie Du und genauso ahnungslos wie Du angefangen) und vermeidest damit schon einige Fehler.

    Was hältst Du davon, hälftig in einen der von finanztip empfohlen weltweiten ETFs (also incl. Emerging Markets) und hälftig in den Vanguard LifeStrategy 60/40 zu investieren? Ja, damit hättest Du Doppelungen und es wird auch nicht die beste Lösung sein. Aber die beste Lösung gibt es nicht: je nach Zeitpunkt wirst Du mal sagen "och hätte ich doch alles in den Welt-ETF gesteckt" und mal "oh wie gut, dass ich nicht alles in den Welt-ETF gesteckt habe". Es könnte aber den ruhigen Schlaf fördern.

    Und spätere Sparraten oder Einmalanlagen kannst Du dann immer noch anders verteilen, wenn Du Dir mal 'ne Weile angeguckt hast, wie es läuft und wie nervös Dich Schwankungen tatsächlich machen. Hängt vermutlich auch von der Größe des Notgroschens ab: ist der bei Dir in nervenberuhigender Höhe vorhanden?

  • Für eine moderate Risikobereitschaft wären 80 % Aktien schon mehr als sportlich.

    Bei allem Verständnis für ein vorsichtiges Vorgehen mit niedrigen Beträgen, sollte man dennoch nicht mit homöopathischen Dosen starten. Wer nur wenige hundert Euro risikoreich anlegt, kann daraus schwerlich irgendeine Verhaltensweise im Krisenfall ableiten. Bei einer moderaten Risikobereitschaft sollte am Ende ca. die Hälfte einer jeden Sparrate im Risikoteil landen.

  • Na immerhin leidest Du nicht unter enormem Gestaltungsdrang (ich hab ungefähr im gleichen Alter wie Du und genauso ahnungslos wie Du angefangen) und vermeidest damit schon einige Fehler.

    Es gibt auch charakterlich Menschen, die zögerlich und abwägend sind. Viele kommen dann nie zum „Schuss“.

    Ich würde jetzt mutig bei der ING wöchentliche Sparpläne mit einer überschaubaren Rate einrichten und erstmal ein paar Monate schauen, wie ich damit zurecht komme.

    Was soll schon passieren? Bei 50 Euro pro Woche ab 15. Januar sind selbst bei einem Megacrash 2025 höchstens 1.000 Euro Buchverlust zu befürchten.

  • Vielleicht denke ich auch einfach zu kompliziert oder mache mir zu viele Gedanken.

    So ist es. Du scheint Jemand zu sein der Dinge gern zerdenkt. Wie lang überlegst du jetzt schon statt einfach anzufangen?

    Die Basics sind super einfach, es gibt unzählige gute ETFs von denen du dir einen aussuchen kannst und gute Depots die du auch jederzeit wechseln kannst. Also alles kein Problem.

    Das einzige Problem ist die Zeit, deswegen loslegen so schnell es geht. Ich hab vor 3 Jahren angefangen und jetzt 20% Gewinn im Depot. Hätte ich vor 20 Jahren angefangen und mein Geld nicht auf der Bank gammeln lassen, dann müsste ich jetzt nicht mehr arbeiten.

    PS: zu deinem Spaß mit den Millionen, mein Ziel ist tatsächlich die Million zu schaffen ;)

  • Geht es Dir um eine theoretische Frage oder hast Du konkret Probleme mit den Schwankungen?

    Da ich bisher noch keine Erfahrungen an der Börse gemacht habe (außer seit kurzem das Depot bei ING mit geringem Einsatz zum Herantasten) möchte ich ungern rein in Aktien-ETFs investieren, um schlaflose Nächte zu minimieren.

    Du bist Sicherheitsanleger durch und durch und hast somit die für Sicherheitsanleger so typischer irreale Furcht vor Kursschwankungen. Als Du angegeben hast, Du seiest "moderat risikobewußt", hast Du geschwindelt. Am liebsten hättest Du genau 0 Risiko. Andererseits schaust Du neidisch auf die Renditen der Aktienanlage, die Du gern auch hättest. Und jetzt suchst Du nach dem unmöglichen Weg, mit dem Du gute Rendite mit "Sicherheit" verbindest. Diesen Weg haben zwar schon viele vor Dir vergeblich gesucht, das schreckt Dich aber nicht ab. Du bist fest davon überzeugt, daß irgendwann einer das perpetuum mobile eben doch finden würde, daher bemühst Du Dich (wie viele vor Dir), dieser eine, dieser erste zu sein, der das schafft.

    Du magst es natürlich nicht hören, wenn ich Dir sage: Auch Du wirst diesen unmöglichen Weg nicht finden, weil es ihn einfach nicht gibt.

    Diese ganze Leserei, das Vertiefen in Details, bringt Dir nichts, solange Du die fundamentale Erkenntnis nicht an Dich heranläßt, nämlich daß die Weltwirtschaft zwar weiter wachsen wird, Kursschwankungen aber unvermeidlich sind.

    Ein sinnvoller Ansatz scheint mir, zunächst eine saubere Privatbilanz aufzustellen. Schreib auf, was Du hast, schreib auf, was Du verdienst, schreib auf, was Du vermutlich im Alter an Rente(n) bekommen wirst.

    Im zweiten Schritt schreibst Du auf, auf welchen Betrag davon Du verzichten kannst, welchen Betrag Du also einsetzen willst. Diesen Betrag betrachtest Du in diesem Moment als komplett verloren: Lasciate ogni speranza, voi ch'entrate.  Lasset fahren alle Hoffnung, die ihr hier eintretet. Das stand bei Dante über dem Höllentor.

    Am besten schreibst Du Dir selber einen Brief, in dem Du diesen Gedanken auch formulierst: Ich, Newbie007, habe mich heute entschlossen, einen Betrag von x € an der Börse zu investieren unter der Gefahr, daß dieses Geld verloren ist. Auf Nimmerwiedersehen, Ihr theuren Thalerchen, ich nehme Abschied von Euch unter heißen Thränen.

    Und wenn Du dann mal zweifelst, dann holst Du diesen Brief an Dich selber hervor und liest ihn.

    Wenn Du diesen schweren Schritt verdaut hast, kaufst Du Dir davon einen dieser fürchterlich riskanten Aktien-ETFs. Da nimmst Du natürlich keinen von den superscharfen gehebelten, von denen Du in Deiner Investmentporno gelesen hast, sondern einen aus der Finanztip-Empfehlungsliste, und zwar einen möglichst breiten, etwa auf den ACWI oder den FTSE All World. Gerade für ängstliche Neuanfänger, aber auch für kühle Rechner ist ein ausschüttender ETF günstiger als ein thesaurierender (Ja, ich weiß, daß Saidi das hundert Mal anders gesagt hat). Der Unterschied zwischen Ausschüttern und Thesauriern einerseits, zwischen den verschiedenen ETFs auf der Empfehlungsliste andererseits ist nicht groß. Außerdem hast Du Dich vor Dir selber ja ohnehin verpflichtet, dieses Geld als bereits verloren anzusehen, insoweit spielen kleine Unterschiede keine Rolle. Man ist mit keinem ETF und mit keiner Depotbank verheiratet. Man kann jederzeit die Depotbank wechseln (oder auch mehrere Depots parallel führen), man kann den ETF wechseln und den alten Verkaufen oder ihn als Mahnmal stehen lassen. Aber das ist schon für Fortgeschrittene. Anfänger tun wohl daran, ihre Gedanken darauf zu konzentrieren, den großen Zeh ins Wasser zu bekommen, und nicht daran, wie sie Olympiasieger über 200 m Freistil werden.

    Wenn Du das so machst, wird sich die übermächtige Verlustangst, die aktuell Dein Handeln bestimmt (besser gesagt: blockiert) mit der Zeit verlieren. Du wirst selbst erkennen, daß die Furcht, die gesamte Weltwirtschaft könnte über Nacht pleitegehen, irreal ist. Ich sage Dir das zwar jetzt schon, aktuell bist Du aber in Deinen Vorurteilen so gefangen, daß Du mir das nicht glaubst.

    Jeder Anleger braucht unterschiedlich viel Zeit dafür, seine Verlustangst zu überwinden. Nimm Dir die individuelle Zeit, die Du dafür brauchst. Drängeln führt zu nichts.

    Ach ja: Und laß die Investmentporno weg, die verwirrt Dich nur. Better done than perfect. Und wenn Du in der Rückschau erkennst, daß Du unglücklich agiert oder gar einen Fehler gemacht hast, nimm das mit Gelassenheit und sage Dir: Kleine Fehler sind billiger als große Fehler. Werfe von uns derjenige den ersten Stein, der noch nie einen Fehler gemacht hat.

  • Auch wenn du in einen der gängigen weltweit gestreuten ETF investierst, wirst du teils -für DICH- hohe Kursschwankungen miterleben. Die sind an und für sich normal und man muss damit umgehen können.

    Viele investieren in ihre ETF und lassen sie, wie sie auch angedacht sind einfach laufen und schauen nur ab und zu auf die Entwicklung. Wer die volle Härte mag schaut täglich rein und staunt wie der jeweilige ETF auf die täglichen Nachrichten so reagiert (oder auch nicht reagiert).

    Also jeder wie er mag.

    Ich war vor 3 Jahren an einem ähnlichen Punkt wie du und habe schlichtweg einfach mal angefangen mit "kleinen" Einmalanlagen zu investieren und habe bestehende Anlagen kritisch überdacht und dann umgebaut. Anschließend habe ich massiv umgebaut und es läuft wie am Schnürchen. Bin ich zufrieden? Voll und ganz. Mein Vermögen hat sich in der Zeit sehr positiv entwickelt und werde es auch weiter so betreiben.