Dip-Ausstieg & Crash-Einstieg" Strategie

  • Der doch recht seriöse Herr Hartmut Walz hat zum Artikel auch was zu sagen:


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  • Die Strategie: Bei -20% vom letzten Hoch: Aktien-ETF verkaufen, Geld ins Tagesgeld; Bei -50% vom Hoch: Wieder voll einsteigen. Ziel: Die schlimmsten Crash-Phasen vermeiden und an der Erholung teilhaben

    Man „vermeidet“ dann eben auch ggf. über Jahre den Wiedereinstieg und steigende Kurse. Denn es ist ja kein Naturgesetz, dass es bei -20% weiter runtergeht auf -50%.

    Bei Beginn des Ukrainekriegs und den Trump-Zöllen gingen die Kurse jeweils um die 20% runter. Dann aber auch wieder hoch.

    Wer da eine solche „Strategie“ gefahren ist, wartet bis heute auf den Wiedereinstieg, im Fall Ukrainekrieg jetzt schon seit einigen Jahren.

    Mal ganz abgesehen von der Steuer, die bei Verkauf fällig wird (denn -20% heißt ja nicht, dass es keine Gewinne gibt), wohin mit dem Geld? Wenn man mehr als 100k im Depot hatte, stößt man bei Tagesgeld an die Grenzen der Einlagensicherung.

    Für mich ist das eine komplette Schnapsidee, sorry.

  • Für mich ist das eine komplette Schnapsidee, sorry.

    Da stimme ich absolut zu!

    Was ich hingegen schon (erfolgreich) gemacht habe: Wenn es 15, 20 Prozent runtergeht, sukzessive mit Geld in gehebelte Anlagen wie bspw. den dreifach gehebelten Nasdaq 100 einsteigen, das eigentlich nicht fürs Investieren gedacht war. Auf die Art habe ich bspw. im / nach dem März 2025-Dip mit dem Geld einen IZF von 152 Prozent geschafft.

    Aber:

    1. Das ist Zockerei und keine ernsthafte Anlage,
    2. das ist wirklich nicht zur Nachahmung empfohlen,
    3. da ging es um ausgesprochen überschaubare Beträge und mit mehr würde ich das auch nicht just for fun machen.
  • Das kann nicht mit hinreichender Sicherheit funktionieren. Der Markt kann, nachdem er 20% abgeschmiert ist, jederzeit wieder ins Positive drehen.

    Das ist richtiger Quatsch und reine Spekulation.

    Ich stimme Dir selten zu, aber hier dann doch.

    Und dass der Markt genau das kann und auch tut, wurde die letzten Jahre mit den Dips bei Beginn des Ukrainekriegs und den Trump-Zöllen deutlich. Noch deutlicher beim Corona-Crash!

    Wer diese Strategie gefahren wäre, hätte im Corona-Crash alles verkauft und würde bis heute immer noch auf den Wiedereinstieg warten.

    Praktisches Beispiel:

    • Der Anleger hat den FTSE All World von Vanguard als Thesaurierer bespart (diesen hier, Link:https://extraetf.com/de/etf-profile/IE00BK5BQT80 ).
    • Im Depot hat er im Februar 2020 insgesamt 2.452 Anteile zu je 81,55 EUR liegen, sein Depotvolumen liegt damit bei ungefähr 200.000 EUR.
    • Jetzt kommt im März 2020 der Corona-Crash - es geht schlagartig nach unten! Sobald die Kurse 65,24 EUR erreichen (minus 20%!) verkauft der Anleger alles gemäß der Finanztest-"Strategie".
    • Er verteilt die 200.000 EUR Erlös (abzüglich Steuern, sofern er mit Gewinn verkauft hat) auf zwei Tagesgeldkonten (alternativ einen Geldmarktfonds).
    • Jetzt muss er nur noch warten, bis die Kurse bei 40,78 EUR (minus 50%!) liegen, um laut "Strategie" im Crash wieder günstig einsteigen zu können. Total simpel!

    Das Problem an der Sache? Bis heute, fast sechs Jahre später, sind die Kurse nicht wieder so tief gefallen. Sie sind in den fünf Jahren danach, bis Februar 2025, auf fast 140 EUR gestiegen. Selbst nach dem Trump-Zoll-Dip im letzten Frühjahr ging es nur auf ca. 113 EUR runter.

    Würde der Anleger, der nach der Finanztest-"Strategie" ausgestiegen ist, jetzt wieder einsteigen wollen, bekäme er für seine 200.000 EUR (Steuer außen vor) beim aktuellen Kurs von 146,77 EUR gerade mal 1.363 Anteile. Hätte er die ursprünglichen 2.452 Anteile einfach gehalten und nicht verkauft, hätte er jetzt knapp 360.000 EUR im Depot.

    Jetzt kann man natürlich sagen, kein Wunder, er soll ja auch nicht JETZT wieder einsteigen, sondern erst im Crash, wenn die Kurse bei minus 50% bezogen auf den Höchstkurs vor dem Ausstieg liegen. Das Problem ist nur: Bezogen auf den aktuellen Kurs von 146,77 EUR wäre ein Absturz auf 40,78 EUR ein Absturz um 72%. Kann das passieren? Theoretisch ja, aber zumindest beim MSCI World ist es noch nie passiert (der tiefste Drawdown war bei minus 55,7%, Quelle: MSCI World: historical performance from 1978 to 2025). Also wie wahrscheinlich ist es, dass es zu einem Drawdown von 72,2% überhaupt jemals kommt? Und dass das innerhalb des Anlagezeitraums dieses Anlegers passiert?

    Und wie wahrscheinlich ist es, dass (und hier kommt auch wieder die psychologische Komponente ins Spiel) der Anleger diese "Strategie" über Jahre und Jahrzehnte durchhält, das Geld zur Seite legt, auf dem Tagesgeldkonto oder in einem Geldmarktfonds, es nicht für andere Dinge verwendet, aber auch nicht wieder einsteigt, dabei aber trotzdem ständig den Markt beobachtet (man will ja die minus 50% nicht verpassen) und immer weiter steigende Kurse beobachtet, die ihm immer mehr weglaufen, während sein Geld bei Zinsen um die 2% rumdümpelt?

    Ich frage mich wirklich, was sich diese Zeitschrift bei diesem Artikel gedacht hat. Es ist ja schön, dass das in den letzten 40 Jahren in irgendeinem Anlagezeitraum das (vor Steuer und Gebühren!) rechnerisch beste Ergebnis gebracht hätte, aber bezogen auf die letzten 10 Jahre (und die meisten, die in ETFs anlegen, dürften in diesem Zeitraum angefangen haben) wäre es Harakiri gewesen.

  • Als Strategie finde ich es nicht wirklich sinnvoll. Glaube das funktioniert so nicht.

    In der Korrektur verkaufen und direkt wieder kaufen kann sich für kleine Depots als washtrade lohnen. Mit den Verlusten kann man dann Gewinne verrechnen, mit Ausschüttern ist das bestimmt nicht verkehrt.

    Hab in der Trump Zollkorrektur einen relativ frisch besparten ETF verkauft, den ich eh auf kurz oder lang wechseln wollte. Beim Neobroker sind die Kosten zu vernachlässigen. Dadurch waren die Gewinne sehr niedrig und damit die Steuerabgabe geringer. Kam mir in dem Fall entgegen. Würde das aber nicht unbedingt Markettiming nennen sondern die günstige Situation ausnutzen.


    Edit: Hab nochmal nachgeschaut und der etf war sogar vei knapp -9%. Hab also bissl Verlust realisiert, aber für den Erlös auch günstig eingekauft

  • Schlimm genug, dass jemand einen derart schlechten Artikel schreibt. Aber wie kann es dazu kommen, dass die Redaktion von Finanzen (ehemals Finanztest) derartig versagt? Es geht ja nicht um einen kleinen Artikel sondern um den Aufmacher für das Heft. Das kann doch nicht am Chefredakteur vorbei laufen?

    Im September 2025 wurden die Redaktionen von Stiftung Warentest und Stiftung Warentest Finanzen zusammengeführt. Isabella Eigner verantwortet seitdem beide Bereiche. Ihr Vorgänger bei Finanztest, Matthias Thieme ist zu dem Zeitpunkt zu Smartbroker gewechselt.

  • Möchte ich nicht mit erleben. Dann liegt alles in Schutt und Asche.

    Dann hilft mir ein günstiger Einstandskurs bei Aktien auch nicht mehr, wenn es im Supermarkt nichts mehr zu kaufen gibt.

    Stock Market Crash of 1929 | Federal Reserve History

    Zitat

    The Dow Jones Industrial Average increased six-fold from sixty-three in August 1921 to 381 in September 1929. After prices peaked, economist Irving Fisher proclaimed, "stock prices have reached 'what looks like a permanently high plateau.'"

    The epic boom ended in a cataclysmic bust. On Black Monday, October 28, 1929, the Dow declined nearly 13 percent. On the following day, Black Tuesday, the market dropped nearly 12 percent. By mid-November, the Dow had lost almost half of its value. The slide continued through the summer of 1932, when the Dow closed at 41.22, its lowest value of the twentieth century, 89 percent below its peak. The Dow did not return to its pre-crash heights until November 1954.

    Zitat aus dem verlinkten Artikel, Hervorhebung von mir.

  • Sowas wird heute aber nicht mehr passieren, weil vorher die Regierungen und Zentralbanken eingreifen. Oder es ist der 3. WK ausgebrochen.

    Das einzige was funktioniert ist so einen Dip zum Aufräumen des Depots zu nutzen. Dann kann man Papiere ggf mit Verlust verkaufen und Steuern sparen und günstig woanders wieder anlegen. Aber auch da muss man schnell sein. Wenn man bis zum nächsten Tag bis zur Gutschrift warten muss sind die Kurse evt schon wieder gestiegen.

  • Ich kann nur hoffen das uns solche Fälle wie 1929 erspart bleiben. Es ist mittlerweile doch eine andere Welt und doch kann man einige Gemeinsamkeiten finden. Das Anziehen von Gold und Silber hört ja im Moment nicht auf......

    Das einzige was funktioniert ist so einen Dip zum Aufräumen des Depots zu nutzen. Dann kann man Papiere ggf mit Verlust verkaufen und Steuern sparen und günstig woanders wieder anlegen.

    Ich räume mein Depot lieber auf und zahle Steuern, da keine Verluste aufgelaufen sind. ;)

  • Man „vermeidet“ dann eben auch ggf. über Jahre den Wiedereinstieg und steigende Kurse. Denn es ist ja kein Naturgesetz, dass es bei -20% weiter runtergeht auf -50%.

    Bei Beginn des Ukrainekriegs und den Trump-Zöllen gingen die Kurse jeweils um die 20% runter. Dann aber auch wieder hoch.

    Wer da eine solche „Strategie“ gefahren ist, wartet bis heute auf den Wiedereinstieg, im Fall Ukrainekrieg jetzt schon seit einigen Jahren.

    Nein. Es gibt bei der Strategie auch noch den Fallback-Einstieg! Man steigt auch ein, wenn die Kurse nach einem Tief wieder 20% gestiegen sind.


    Sinnvoll ist das ganze mMn trotzdem nicht.

  • Das kann man so sehen.

    Bei mir ist das redundante liquide Verfügungsmasse (Notgroschen/Überbrückungsreserve), die ich bei fatalem Timing auch anderweitig substituieren könnte.

    Bspw. Waschsalon statt Neukauf oder ÖPNV statt Autoreparatur.

    ups...


    hättest Du gesagt "BMW statt Porsche", "Urlaubsfernflug in Premium Eco statt Business" oder zumindest "Bosch statt Miele".....würde die Substitutionsstrategie deutlich solider klingen....noch schlimmer wäre allerdings "Tafel statt Discounter" oder "Arktisschlafsack statt Heizöl" :P

  • ups...


    hättest Du gesagt "BMW statt Porsche", "Urlaubsfernflug in Premium Eco statt Business" oder zumindest "Bosch statt Miele".....würde die Substitutionsstrategie deutlich solider klingen....noch schlimmer wäre allerdings "Tafel statt Discounter" oder "Arktisschlafsack statt Heizöl" :P

    Da habe ich auch geschluckt beim Lesen.

    "Waschsalon statt Neukauf", wenn die Waschmaschine kaputtgeht?! Was kostet so ein Teil denn? Ich habe auch keinen riesigen Notgroschen, aber für eine neue Waschmaschine würde er dann doch noch reichen.