Wie reagieren auf die Einführung einer "Gesundheitsabgabe"?

  • Es steht zu befürchten das die SPD weiter den Weg beschreitet insbesondere die Teile der Arbeitnehmer, die tatsächlich privat für ihr Alter vorsorgen mit noch höheren Sozialabgaben zu belasten, und eine „Gesundheitsabgabe“ auf Kapitalerträge und Mieteinnahmen einzuführen.


    Nehmen wir meinen Fall.
    Ich bin Arbeitnehmer, nur wenige Jahre vor der Rente.
    Ich bin freiwillig gesetzlich krankenversichert.


    Ich habe von meinem Arbeitseinkommen jahrzehntelang für die „Rentenlücke“ gespart.
    Wesentlich Teile davon in ETF (und ein bisschen „eigen gewählte Aktien“).
    Durch die Lebensleistung und lange Laufzeit hat sich dort ein Gewinn ergeben, der aktuell tatsächlich meine Rentenlücke schliessen kann.
    Eigentlich genau das getan was sich die Politik und auch Finanztip von einem Arbeitnehmer in Bezug auf die Altersvorsorge vorstellen.


    Das sieht deutlich anders aus, wenn bei der Entnahme zu der dann fälligen Steuer (die mir bekannt war, und mit der ich gerechnet habe) nochmal eben knapp 20% „Gesundheitsabgabe“ fällig wird (die mir nicht bekannt war, und mit der ich dadurch nicht rechnen konnte).

    Diese wäre fällig auf alles was ich seit 1988 dort angespart habe, da anders als bei der Steuer kein Bestandsschutz gilt.


    Wie soll man in diesem Fall mit seiner Vorsorge reagieren?


    1. Schnell noch (mit 60) in die private Krankenversicherung wechseln.
      Ich frage mich wie hoch die zu erwartenden Mehrkosten im Alter sein werden?
      Vermutlich geringer als eine sechsstellige Abgabe die ich dank der SPD dann auf meine ETFs, meine Direktversicherung und Pensionsplan also alle meine Altervorsorge leisten muss?
    2. Hoffen das man rechtzeitig vor Einführung alles Verkaufen kann, um zumindest die bis dahin aufgelaufenen Gewinne vor der Abgabe zu sichern.
      Um danach dann:
      1. Wieder neu zu kaufen, und so die Abgabe nur auf die dann hoffentlich „neuen“ Gewinne leisten zu muessen?
        Da wird aber der Anlagehorizont dann langsam „problematisch“.
      2. Alles/große Teile in Immobilien stecken?
        Ja, die Mieteinahmen werden auch von der Abgabe betroffen.
        Aber der Zeithorizont für die potentiellen Gewinne über die Wertentwicklung ist mit 10 Jahren dann wesentlich realistischer.
        (Womit die Politik dann wieder einen weiteren Nachfrage-/Preistreiber für Immobilien schafft)
    3. ???


    Was wäre eure Empfehlung?
    Bzw. Wie werdet ihr vorgehen?

  • Meines Wissens nach, regiert die SPD nicht alleine, sondern in einer Koalition mit der CDU. Daher ist das erstmal ein genauso ungelegtes Ei, wie die dutzenden anderen der letzten Monate. Es ist daher in meinen Augen absolut sinnlos, seine Energie in irgendwelche Überlegungen zu stecken und in Aktionismus zu verfallen.

  • Es steht zu befürchten

    Momentan ist das nicht beschlossen und dass das zusammen mit der CDU kommt, sehe ich mit Merz nicht.

    Bevor die konkrete Ausgestaltung nicht klar ist, kannst du eigentlich gar nichts machen. Es könnte ja auch so werden wie bei alten Aktien, dass Anschaffungen vor Tag X nach alten Regeln besteuert bzw. mit Abgaben belegt werden und nach Tag X nicht.

    Was aber natürlich alle machen können, ist den Abgeordneten zu schreiben, was für ein Quatsch das ist, einerseits angeblich Altersvorsorge fördern zu wollen, das dann aber (bei Riester) in Verwaltungsungetümen umzusetzen und Vorsorge per Sparplan so unattraktiv wie möglich zu machen.

  • Seit Jahren befürchte ich eine solche Entwicklung und trotzdem ist sie bisher nicht gekommen. Wie dann die genaue Ausgestaltung aussehen wird ist noch eine andere Frage. Ich hoffe sehr, dass die im Dezember eingereichte Klage der Krankenkassen Erfolg haben wird und den Kassen einen angemessenen Ausgleich für versicherungsfremde Leistungen bringt. Das würde die finanzielle Situation bei den Kassen deutlich entspannen.

    In jedem Fall hast Du kurz vor einer potentiellen Einführung immer noch die Möglichkeit durch Verkauf/Neukauf latente Gewinne zu realisieren.

  • Bzw. Wie werdet ihr vorgehen?

    Ich werde solche politischen Positionen, wie bisher auch, bei meinem Wahlverhalten berücksichtigen.


    Also grob zusammengefasst die Position:

    Wir haben nicht genug Wohnraum, also machen wir die Schaffung und Vermietung teurer und unattraktiver.

    Wir haben über 100 gesetzliche Krankenkassen, bei manchen davon verdient der Vorstandsvorsitzende mehr wie der Bundeskanzler, also erfinden wir etwas, was diesen Verwaltungsapparat noch weiter vergrößert und bezahlt.

    Wir schreiben seit guten 20 Jahren auf jede Renteninformation, die Menschen sollen privat vorsorgen, seit einigen Jahren ist das sehr einfach sehr gut möglich, jetzt wollen wir das sogar fördern weil der neue Koalitionspartner auch irgendwie darum quengelt, also müssen wir das auch umgehend mit Abgaben belegen, um unsere Wunschträume und die derer, die diese Information ihrer Rente seit guten 20 gepflegt ignoriert haben, zu finanzieren.

    Die div. Berechnungen, wie es insgesamt teurer wird, wenn wir die Beamten(-pensionen) verfassungsgemäß in die Rente überführen würden, ignorieren wir dabei am besten auch. Sowas wie verfassungsgemäße Alimentation hat uns ja selten interessiert, und es funktioniert ja trotzdem irgendwie.

    Und wenn dann unterm Strich so ziemlich alles noch teurer geworden ist, ist es für alle sozialer. Aber halt auch teurer. Aber halt auch sozialer. Aber halt auch teurer. Aber halt auch sozialer. Aber halt auch teurer. Aber halt auch sozialer. Aber wir sind ja die Sozialdemokratische Partei, nicht die Teurerdemokratische, deswegen ist der Punkt erstmal egal. Unsere Wähler werden das zwar auch merken, aber immer erst hinterher, also ists egal.


    Ja, nicht alles davon wird so kommen, wie auch die ganzen anderen Ideen von SPD, CDU, eigentlich allen immer seltener und abgespeckter eintreffen, je mehr Brimborium bei der Vorstellung veranstaltet wird. Trotzdem ist es immer wieder erstaunlich, wie arg sich die Definition der Grundrechenarten ändern kann, wenn man Papiere mit "sozial..." überschreibt.

  • Es steht zu befürchten...

    ...

    Ich bin freiwillig gesetzlich krankenversichert.

    ...

    Was wäre eure Empfehlung?
    Bzw. Wie werdet ihr vorgehen?

    Hallo.

    1. Ungelegte Eier...

    2. Theoretisch würden bei 1:1-Umsetzung der Pläne die Beitragsberechnungsmodalitäten für die freiwilligen Mitglieder auf die Pflichtversicherten ausgedehnt. Wenn das alle trifft, dann käme damit mehr Geld ins System, so dass theoretisch ein niedrigerer Beitragssatz möglich wäre.

    3. Keep calm.

  • Hier ein kleiner Auszug aus den SPD-Parteitagbeschlüssen...zum Schmunzeln:

    Zitat

    Kapitalgedeckte Formen der Alterssicherung haben sich nicht bewährt. Sie sind risikobehaftet, zehren einen großen Teil ihrer Erträge durch Verwaltungs- und Managementkosten sowie Profiterwartungen und Provisionen auf. Zudem vermehren sie auf den Finanzmärkten die Massen anlagesuchenden Kapitals, was wiederum den Renditedruck von Fonds und Anlegern auf den produktiven Bereich erhöht. Daher lehnen wir mit allem Nachdruck die von der FDP forcierte Aktienrente ab. Sie kann keinen nennenswerten Beitrag zur Stabilisierung der Altersvorsorge leisten und kostet die Steuerzahlenden gerade angesichts der Schuldenfinanzierung viel Geld, das an anderer Stelle fehlt. Gewinne entstehen lediglich auf den Finanzmärkten.

    :D

    Das könnte durchaus auch einen eingefleischten Sozi aus den Pantoffeln hauen.

  • Wie bereits erwähnt, gehe ich davon aus, dass es über kurz oder lang dazu kommen wird. Das Sozialversicherungssystem ist schon heute nicht mehr tragfähig. Wenn die Boomer-Welle vollends einschwappt, ist endgültig Schicht im Schacht. Dann wird man an die Vermögen heranmüssen.

    Ein Sozialversicherungs-Soli von fünf, besser noch zehn Prozentpunkten zusätzlich zur KESt hätte den Vorteil, dass es einfach ist und daraus keine zusätzlichen Leistungsansprüche entstehen. Geringverdienende könnten die Belastung über die Steuererklärung oder einen höheren Sparerpauschbetrag ausgleichen und profitieren ohnehin vom ,,steuerfreien Altersvorsorgedepot". Das wird vermutlich der politische Aufhänger sein. Effektiv träfe die Maßnahme also vor allem höhere Vermögen. Ein politisch gut vermittelbarer Ansatz.

    Allerdings müsste verhindert werden, dass sich Vermögende etwa über vermögensverwaltende GmbHs entziehen. Das würde deutlich strengere Regeln in der Unternehmensbesteuerung voraussetzen. Ein weiterer „Standortvorteil“ für Deutschland. ;) Und dann muss man halt hoffen, dass wenige abhauen oder sie irgendwie daran hindern.

    Man darf sich bei dem Thema nichts vormachen: Die kapitalmarktfeindliche Denke ist in dieser Gesellschaft tief verankert und kein Randphänomen einiger weniger Politiker. Kapitalanleger haben keine Lobby, insbesondere dann nicht, wenn sie ein paar Euro mehr haben. Solange der kleine Sparer fein raus ist, kräht danach kein Hahn. Es wird spannend, wie sich das entwickelt.

    Dem langfristigen Steuerstundungseffekt gebe ich persönlich keine vier Jahre mehr. Danach wird entscheidend sein, ob der Gesetzgeber fair spielt und einen Ausstieg ermöglicht oder ob nach einer Wahl rückwirkend zum 01.01. zugelangt wird. Steuerrechtlich eigentlich nicht zulässig, aber auch in diesem Punkt haben sich schon manche mehrfach geirrt.

    Was kann man tun? Nicht viel. Man kann liberale, wirtschafts- und kapitalmarktfreundliche Politik unterstützen und wählen. Man kann hoffen, dass die Mitbürger das ebenfalls tun. Wirklich wahrscheinlich ist das allerdings nicht. Dafür ist der Schmerz noch nicht groß genug.

  • Das "irgendwie" stimmt mich bedenklich. Was ist das für ein Staat, der verhindern will, dass seine Bürger abhauen?

    Gruselig, nicht wahr? Die Wegzugsbesteuerung geht ja bereits in diese Richtung. Wir Deutschen haben gegenüber den US-Amerikanern immerhin einen „Vorteil“: Das Wort Deutschlands (oder Europas) hat in der globalen Finanzwelt nicht annähernd dasselbe Gewicht. Welt­einkommen zu besteuern ohne im eigenen Land zu leben, oder Kontoeröffnungen im Ausland effektiv zu kontrollieren, ist entsprechend schwierig. Das können die USA deutlich besser.

    Ob allerdings viele tatsächlich wegziehen, bezweifle ich. Die Leidensfähigkeit von Menschen mit starken Wurzeln ist erfahrungsgemäß relativ hoch.

  • Zunehmend mehr, verlassen das Land.

    Es liegt ja überall etwas im Argen.

    Wo soll das hinführen, wenn fast nur Lowperformer, Kranke und Alte bleiben.

    Bitte keine Politikwissenschaftler und kein Marcel Fratzscher mehr im TV.