Niederlande besteuern künftig auch unrealisierte Gewinne – Modell für Deutschland?

  • Glaubt man unseren "Leistungsträgern" bedeutet jede ungünstige Gesetzesänderung umgehend, dass Vermögende ihre Koffer packen und Heimatland Freunde, Familie & Netzwerk den Rücken zukehren. Dann gibt es bald eine niederländische Gemeinde im sympathischen Dubai. Außerdem wird in den Niederlanden bald niemand mehr investieren weil "es sich nicht mehr lohnt"

    Symbolbild:

    Das wertvollste Produkt, das man sich mit Geld kaufen kann, ist ein leerer Kalender.

  • Beeinflusst das dann nicht die Kurse - wenn z.B. viele Leute im Dezember Wertpapiere verkaufen, damit sie im Januar das Geld für die Steuer auf dem Konto verfügbar haben?

    Sinnvollerweise würde man doch Ende Dezember alles verkaufen (und die im Jahresverlauf aufgelaufenen Gewinne realisieren und versteuern) und mit dem Erlös direkt wieder neu kaufen. Der Steuerstundungseffekt wäre dann weg, aber mehr doch auch nicht.

  • Man merkt aber wie sehr sich Anleger an ihr Steuerprivileg gewöhnt haben. Arbeit wird ganz selbstverständlich direkt monatlich versteuert, Anleger dürfen sich aussuchen ob sie jetzt oder in 250 Jahren Steuern zahlen wollen.

    Es ist immer wieder erstaunlich, wie gering die wirtschaftlichen Kenntnisse in der linken Ecke teilweise sind. „Die Anleger“ sind bei Aktien die Eigentümer. Sie sind diejenigen, die ins Risiko gehen, damit Unternehmen überhaupt entstehen, Arbeitsplätze schaffen und Einkommen zahlen können.

    Sie werden sowohl auf Unternehmensebene als auch auf Anlegerebene zur Kasse gebeten. Und wenn sich das Risiko realisiert, sehen sie oft gar nichts.

    Aber vermutlich ist es letztlich egal, wie viele linke Systeme bereits gescheitert sind . Die Träumerei scheint dennoch nie zu enden.

  • Es ist immer wieder erstaunlich, wie gering die wirtschaftlichen Kenntnisse in der linken Ecke teilweise sind

    Erstaunlich ist da nichts. Wer sich einmal ernsthaft damit beschäftigt hat, wie Wirtschaft funktioniert, wird übermäßige Staatseingriffe ablehnen und keine scharf linken Thesen mehr von sich geben.

    Noch beeindruckender als die Ahnungslosigkeit der Linken empfinde ich aber die Diskrepanz zwischen den vermeintlichen Privilegien von Aktionären in der öffentlichen Diskussion und der Quote von Aktienbesitzern im Land. Man sollte denken, dass jeder daran interessiert wäre, ein leistungsloses Einkommen zu beziehen...

  • Immer stark politisch Andersdenkende als dumm abzuwerten. Dabei gibt es nicht die einzig ware und richtige Politik (auch nicht die linksgrünversiffte). Es gibt verschiedene Interessen und Profiteure die sich in einer Demokratie die wage halten (sofern nicht bestimmte, vermögende Bevölkerungsschichten durch ihr Geld wesentlich mehr Einfluss haben als andere). Es gibt Poltitik für Privatversicherte (AfD, FDP, CDU) und normalos, Politik für Menschen deren Einkommen überwiegend aus Arbeit generiert wird und Parteien die sich ehr für Menschen einsätzen die überwiegend von Kapitalerträgen oder Arbeit anderer leben. Ansich ist für jeden was dabei, blöd nur wenn durch Social Media und Emotionalisierung viele gegen ihre eigenen Interessen abstimmen und dann beispielsweise FDP wählen obwohl gar nicht im Vorstand (auch nicht Papi)

  • Sinnvollerweise würde man doch Ende Dezember alles verkaufen (und die im Jahresverlauf aufgelaufenen Gewinne realisieren und versteuern) und mit dem Erlös direkt wieder neu kaufen. Der Steuerstundungseffekt wäre dann weg, aber mehr doch auch nicht.

    Richtig, kein Problem, außer eben das das Privileg der Steuerstundung wegfällt

  • Wenn das in den Niederlanden wirklich so passiert, kann man doch auch damit umgehen.
    Wenn der ETF im Plus ist am 30.12. verkaufen und Steuerzahlung akzeptieren.
    Wenn der ETF im Minus ist, dann weiter laufen lassen und die Steuererstattung durch die EInkommensteuer akzeptieren.

    Das ist doch ein schöner privater Finanzausgleich für den "ehrlich arbeitenden Bürger".
    Wenn das Jahr ETF-mäßig gut lief realisiert man die ETF Gewinne, total.
    Wenn das Jahr ETF-mäßig schlecht lief realisiert man durcvh die ETF Buch-Verluste einen Gewinn bei der Einkommensteuer.
    Wer kein zu versteuerndes Einkommen hat, ist natürlich "am Arsch gekniffen".

  • Dabei gibt es nicht die einzig ware und richtige Politik

    Die gibt es nicht. Aber mit der Marktwirtschaft ist es wie mit der Evolution. Man kann sie aus ideologischen Gründen ablehnen, vorhanden sind sie trotzdem (sehr schön zeigt das auch die Existenz von Schwarzmärkten im Kommunismus). Wenn man zum Beispiel der vermeintlich einfachen Weg einer Mietpreisbremse geht, darf man sich hinterher nicht darüber beschweren, dass zu wenig in Wohnraum investiert wird. Wer hohe progressive Steuern und Sozialabgaben erhebt, darf sich hinterher nicht beklagen, dass ein größerer Teil der Bevölkerung lieber Teilzeit arbeitet. Und so weiter. Die Ignoranz gegenüber Marktmechanismen und deren Folgen ist auf der linken Seite besonders ausgeprägt

  • Ja die FDP wirkt oft wie eine Spaßpartei ist aber nicht zu unterschätzen. Sie haben die letze Regierung gesprengt und vorher mit wenigen Prozent den Willen des Wählers komplett blockiert.

    (nachträglich gefettet von mir)

    ?

    Apropos: "Willen des Wählers" ...

    By the way: Muß da heutzutage nicht "vom Willen der Wähler:innen" (oder so ähnlich) gesprochen werden ... :)

    Beim sachlich-nüchternen Blick auf die politische Landschaft und die sog. Rechts/Links-Verteilung sprich Verortung ist zu konstatieren, daß längst mehr Menschen Rechts wählen als Links wählen - aber nichtsdestotrotz immer weiter durch eine Regierungskoalition der Union mit SPD und/oder Grünen eine eher linke Politik vorgesetzt bekommen.

    Ein schwerer Schaden für die Demokratie als Ganzes.

    Dem ist zuzustimmen. Auf lange Sicht jedenfalls kann es für eine "Demokratie im Ganzen" schwerlich bis kaum funktionieren, wenn sich bei demokratischen Wahlen gebildete Mehrheiten nicht mehr (ansatzweise) in der Regierung abbilden.


    Dir nichtsdestotrotz weiter ganz viel Glück mit Deinen privaten Finanzen !

  • Sollte damit meine Wenigkeit gemeint sein...

    Du meinst also die Niederländer werden weniger investieren weil das Privileg der Steuerstundung (vllt) abgeschafft wird? Nachdem Motto lieber weniger Rendite z.b aufm Tagesgeldkonto als hohe Rendite und darauf jährlich etwas Steuern zahlen?

    Ich meine gar nichts - sondern beziehe und verlasse mich auf meine Beobachtungen und Erfahrungen (berufsbedingt hierzulande und in zig anderen Ländern).

    In der Regel hat jede politische "Aktion" auch "Reaktionen" der Bürger - insbesondere der davon negativ Betroffenen - zur Folge.

    Man kann übrigens nicht nur

    weniger investieren

    sondern auch anders sparen, anders investieren, woanders investieren, andere steuerliche Gestaltungen wählen, generell einen anderen Standort wählen, anders arbeiten, weniger arbeiten, früher mit dem Arbeiten aufhören, woanders arbeiten usw.

    Ein kluger Staat hilft selbstverständlich denen, die sich nicht selbst helfen können (mittels den von anderen Bürgern generierten Wertschöpfungen und der Besteuerung derselben), setzt aber ansonsten Rahmenbedingungen unter denen sich die Menschen im Rahmen der Gesetze möglichst frei und selbst bestimmt entfalten, für ihr Einkommen sorgen und ein Leben nach ihren Prioritäten und Wünschen führen können.

    Davon hat man sich aber hierzulande via überbordender Bürokratie, ebensolcher EU-Regulatorik, Interventionismus, zentralistischen und teilweise planwirtschaftlichen (fast sozialistischen) Ansätzen samt Etatismus usw. sukzessive entfernt. Das Resultat zeigt sich inzwischen als längste Rezession und Stagnation hierzulande seit dem Ende des 2. Weltkriegs.

    Wenn sich die Politik die erforderlichen Mehrheiten organisiert, kann sie auch das Grundgesetz ändern - und eine in 75 Jahren aufgetürmte Schuldenlast in nur fünf Jahren um 50% erhöhen. Von der in großen Teile Zweckentfremdung der "frischen" via Schulden generierten Mittel ganz abgesehen: Ohne strukturelle Reformen wird selbst diese Rekord-Neuverschuldung nur ein Strohfeuer bleiben und langfristig wenig bis nichts bewirken. Außer höheren Zinszahlungen für die Rekord-Neuverschuldung natürlich ...

  • Da hier einige denken, dass die niederländische Regierung weniger schlau ist als man selber, habe ich das System rund um die "Stichtagsarbitrage" mal kurz zusammenfassen lassen.

    Das niederländische Box-3-System (Besteuerung von Ersparnissen und Investitionen) und die Maßnahmen gegen die sogenannte "Peildatumarbitrage" (Stichtagsarbitrage) funktionieren wie folgt:

    1. Wie das Box 3 System funktioniert

    In den Niederlanden wird Vermögen in "Box 3" der Einkommensteuer erfasst.[1][2][3][4][5][6][7][8][9][10][11] Das System unterscheidet sich wesentlich von dem in Deutschland (wo Kapitalerträge real besteuert werden):[2]

    • Stichtagsbezogene Steuer: Die Steuer wird auf das Nettovermögen berechnet, das Sie an einem einzigen Tag im Jahr besitzen: dem 1.[1] Januar (der sogenannte peildatum).[1][3][5][7][10][12] Was Sie den Rest des Jahres besitzen oder tun, ist für die Berechnungsgrundlage oft irrelevant.
    • Fiktive Rendite (bis 2027/2028): Anstatt Ihre tatsächlichen Gewinne (z. B. Dividenden oder Kursgewinne) zu besteuern, nimmt der Staat an, dass Sie eine bestimmte Rendite erzielt haben.[5] Diese fiktive Rendite wird dann pauschal mit derzeit 36% (Stand 2024/2025) besteuert.[8]
    • Kategorien: Das Vermögen wird in Kategorien unterteilt, für die unterschiedliche fiktive Renditen gelten:
      • Bankguthaben: Sehr niedrige fiktive Rendite (nahe am tatsächlichen Zins).[1]
      • Übrige Bezittingen (Investitionen): Hierzu zählen Aktien, Krypto, Immobilien etc.[13] Für diese wird eine sehr hohe fiktive Rendite angenommen (oft um die 6%), unabhängig davon, ob Sie Gewinn oder Verlust gemacht haben.
      • Schulden: Diese dürfen abgezogen werden.

    Hinweis: Aufgrund eines Urteils des Obersten Gerichtshofs ("Kerstarrest") ist das System derzeit im Umbruch hin zu einer Besteuerung der tatsächlichen Rendite, aber übergangsweise gilt noch das System mit fiktiven Pauschalen, sofern die tatsächliche Rendite nicht nachweislich niedriger war.

    2. Der Trick: Stichtagsarbitrage (Peildatumarbitrage)[7][12][14]

    Da Aktien (hohe fiktive Steuerlast) viel stärker besteuert werden als Bankguthaben (niedrige Steuerlast), wäre die logische Strategie für Steuerzahler:

    • Am 30. Dezember alle Aktien verkaufen.[12]
    • Das Geld als "Bankguthaben" über den Stichtag 1. Januar halten (niedrige Steuer).[4][7]
    • Am 2. Januar die Aktien zurückkaufen.[10][12]

    So würde man für das gesamte Jahr nur die niedrige Steuer auf Bankguthaben zahlen, obwohl man fast durchgehend in Aktien investiert war.

    3. Die Gegenmaßnahme der Regierung

    Um genau dieses Verhalten zu verhindern, hat die niederländische Regierung strenge Anti-Missbrauchs-Regeln (Artikel 5.24 Wet IB 2001) eingeführt.

    Das Gesetz besagt vereinfacht: Wenn Sie Vermögenswerte kurz vor dem Stichtag "umschichten" (z. B. Aktien in Cash tauschen) und kurz danach wieder zurücktauschen, ignoriert das Finanzamt diesen Tausch.

    Die 3-Monats-Regel:
    Die Regel greift, wenn folgende Bedingungen erfüllt sind:

    • Sie verkaufen "hoch besteuerte" Assets (wie Aktien) und tauschen sie in "niedrig besteuerte" Assets (wie Bargeld/Bankguthaben).
    • Der Zeitraum zwischen Verkauf und Rückkauf beträgt weniger als 3 Monate.
    • Der Stichtag (1. Januar) liegt innerhalb dieses Zeitraums.

    Die Konsequenz:
    Wenn Sie in diese Regel fallen, tut das Finanzamt (Belastingdienst) so, als hätten Sie die Aktien am 1.[1][10][12] Januar nie verkauft. Sie müssen also die volle, hohe Steuer auf die Aktien zahlen, auch wenn das Geld am 1. Januar faktisch auf dem Bankkonto lag.

    Ausnahme (Beweislastumkehr):
    Sie können der Steuer entgehen, wenn Sie nachweisen können, dass Sie nicht aus steuerlichen Gründen gehandelt haben, sondern aus triftigen geschäftlichen oder wirtschaftlichen Gründen (z.[7] B. benötigten Sie liquide Mittel für einen Hauskauf, der dann doch platzte). Die Beweislast liegt hier aber komplett bei Ihnen, was in der Praxis schwer ist, wenn Sie fast identische Aktien kurz darauf zurückkaufen.

    Zusammenfassung

    Wer in den Niederlanden versucht, durch schnellen Verkauf und Rückkauf über den Jahreswechsel Steuern zu sparen, läuft in die 3-Monats-Falle. Werden Aktien innerhalb von 3 Monaten um den Jahreswechsel verkauft und zurückgekauft, wird man so besteuert, als hätte man sie durchgehend gehalten.

    Sourceshelp

    1. evivanlanschot.nl
    2. advinez.eu
    3. belastingdienst.nl
    4. elxis.com
    5. jongbloed-steuerberatung.de
    6. cityretreats.de
    7. rendement.nl
    8. nedtax.nl
    9. meijburg.com
    10. weadeltaland.nl
    11. iamexpat.nl
    12. raisin.com
    13. kpmg.com
    14. reddit.com
  • Man merkt aber wie sehr sich Anleger an ihr Steuerprivileg gewöhnt haben. Arbeit wird ganz selbstverständlich direkt monatlich versteuert, Anleger dürfen sich aussuchen ob sie jetzt oder in 250 Jahren Steuern zahlen wollen.

    Welches Steuerprivileg?

    Gewinne aus Verkäufen von Immobilien, Krypto, Gold sind komplett steuerfrei möglich. Zeig mir mal, wie man das mit Aktien oder ETF hinbekommt.

  • Du meinst also ohne die Mietpreisbremse hätten wir genügend Wohnraum für alle?

    Nein! Er fragt nur, warum man an der Mietpreisbremse festhält, wenn sie offensichtlich nicht zum Erfolg führt.

    Genügend Wohnraum in dem Sinne, dass das Angebot reichhaltig ist, man sich alles aussuchen kann, und die Mieten sinken, hatten wir nie und werden wir nie haben. Das ist deshalb so, weil überhaupt nur dann Wohnraum geschaffen wird, wenn man einen vernünftigen Gewinn erwarten kann.