Niederlande besteuern künftig auch unrealisierte Gewinne – Modell für Deutschland?

  • Mir war vorher tatsächlich nicht bewusst, dass die Niederlande Vermögen so stark besteuern. Trotzdem wächst die Wirtschaft stärker, ist der Lebensstandard höher, das Einkommen höher, die Staats Verschuldung geringer.

    Wie die Schweiz zeigt kann man mit moderatem Vermögensbesteuerung und dafür sehr geringer Unternehmensbesteuerung (+ /„sehr schwacher Sozialstaat und Eigenverantwortung) sehr gut fahren. Nicht umsonst ist Holland einer der Länder (Schweiz, Luxemburg, Irland,..) die ständig dafür kritisiert werden dass sie doch so so pöse sind weil sie Unternehmen so gering besteuern und deswegen stinkreich sind.

    Lebensstandard in den NÖ ist freilich höher als im Ruhrpott oder Dunkeldeutschland, aber da ist der Lebensstandard auch in Griechenland höher. Verglichen mit dem Süden Deutschlands sehe ich keinen Vorteil.

  • Übrigens sind Immobilen in NL exorbitant teuer.

    Wenn man unrealisierte Gewinne versteuern soll, wäre es doch naheliegend, diese immer sofort zu realisieren. Wenn das dann zum allgemeinen Trend werden würde, hätte es Auswirkungen auf die Kurse, obwohl NL wahrscheinlich zu klein ist um relevant die Märkte zu bewegen.

  • Wenn man unrealisierte Gewinne versteuern soll, wäre es doch naheliegend, diese immer sofort zu realisieren. ...

    Und was wäre damit gewonnen? Man zahlt seine Steuern dann eben früher.

    ...Wenn das dann zum allgemeinen Trend werden würde, hätte es Auswirkungen auf die Kurse, obwohl NL wahrscheinlich zu klein ist um relevant die Märkte zu bewegen.

    Wie das? Ist davon auszugehen, dass diejenigen, die "realisieren", nie wieder kaufen?

  • Übrigens sind Immobilen in NL exorbitant teuer.

    Wenn man unrealisierte Gewinne versteuern soll, wäre es doch naheliegend, diese immer sofort zu realisieren. Wenn das dann zum allgemeinen Trend werden würde, hätte es Auswirkungen auf die Kurse, obwohl NL wahrscheinlich zu klein ist um relevant die Märkte zu bewegen.

    Eine Frage war ja: was passiert, wenn das Schule macht und andere Länder das übernehmen? Und wie das Modell prinzipiell zu bewerten ist. Letztens wurden noch rege Diskussionen geführt, wie nachteilig sich doch ETF Verschmelzungen und Wechsel des Sitzes eines ETFs auswirken. Beispiel: Amundi. Einen ähnlichen Effekt hat man dann mit dem neuen "Box 3" Modell jedes Jahr.

  • Eine Frage war ja: was passiert, wenn das Schule macht und andere Länder das übernehmen? Und wie das Modell prinzipiell zu bewerten ist.

    Vor dem Hintergrund der steigenden Staatsverschuldung habe ich die Sorge, dass auch Deutschland langfristig zu solche Mitteln greifen wird. Und so ein Schritt wäre erneut nur ein weiterer Zwischenschritt ...

    Das wertvollste Produkt, das man sich mit Geld kaufen kann, ist ein leerer Kalender.

  • Vor dem Hintergrund der steigenden Staatsverschuldung habe ich die Sorge, dass auch Deutschland langfristig zu solche Mitteln greifen wird. Und so ein Schritt wäre erneut nur ein weiterer Zwischenschritt ...

    Deutsche Staatsschulden steigen 2024 um 57 Milliarden Euro auf 2,7 Billionen Euro, Schuldenquote sinkt von 62,9 auf 62,5 Prozent | Deutsche Bundesbank

    Es gibt gemessen am BIP (und nur das ergibt Sinn) keine steigende Staatsverschuldung.

    Verschuldung von Deutschland gemäß Maastricht-Vertrag zum BIP bis 2024| Statista

    ...auch nicht in den letzten Jahren.

    Was es gibt sind steigende Ausgaben.

  • Lebensstandard in den NÖ ist freilich höher als im Ruhrpott oder Dunkeldeutschland, aber da ist der Lebensstandard auch in Griechenland höher. Verglichen mit dem Süden Deutschlands sehe ich keinen Vorteil.

    Da sieht diese Dame das aber für Baden-Württemberg anders:

    Am 04.Februar in Stuttgart beim Landtagswahlkampf vor 1000 Zuhörern.

    Für Leute, die sich mit Baden-Württemberg nicht so auskennen:

    Hier ist am 8. März die Landtagswahl.
    Ministerpräsident wollen zwei Männer werden:

    Der 60-jährige studierte Sozialpädagoge Cem Özemir von den Grünen und der 37-jährige Manuel Hagel (Bankkaufmann mit Realschulabschluss) von der CDU.

  • natürliche Limits (Raum in Ballungsgebieten)

    Raum in Ballungsgebieten ist kein natürliches Limit. Der ist massiv künstlich verknappt. Wäre dem nicht so, würde sich ein Investor ein bestehendes Haus in heißen Lagen kaufen, abreißen und ein deutlich größeres Haus neu bauen. Darf er aber nicht. Milieuschutz, Bebauungsplan,...

    Gilt übrigens nicht nur hier, sondern auch in vielen anderen Ländern. Der Staat verknappt Wohnraum künstlich und jetzt kommen Leute wie du daher und sagen, alles wäre geritzt, wenn der Staat stärker wäre. Das Gegenteil ist der Fall. Von welchem Geld soll denn der Staat günstigen Wohnraum _für alle_ schaffen? Da betreiben wir linke und rechte Tasche. Natürlich geht es immer nur darum, dass der Staat hier billigen Wohnraum für die Stadtbevölkerung schaffen soll, die schon mit jeder Menge Annehmlichkeiten und billigem ÖV gepampert ist. Es hat noch nie jemand davon geredet, hier auf dem Land Wohnraum zu schaffen, der auch nach Einrechnung der Mobilitätskosten und der dafür aufgewandten Zeit wirklich günstig ist. Worin zu großen Teilen das Problem in den Städten begründet ist...

    Und jetzt back to topic

  • Was mir noch nicht klar ist, soll das in NL wirklich eine Vermögensbesteuerung werden, oder geht es um die Besteuerung von Gewinnen?

    Es macht ja doch einen Unterschied, ob einfach jedes Jahr pauschal 6% auf den Depotwert fällig werden (völlig egal, ob man Gewinne realisiert hat, ob der Depotwert gewachsen ist, ob es im betreffenden Jahr überhaupt einen Buchgewinn gab etc...), oder ob nur tatsächliche Gewinne (gleich ob realisiert oder "nur" Buchgewinn) versteuert werden müssen.

    Um nochmal auf den Startpost zurückzukommen:

    Zitat

    In den Niederlanden wurde heute ein für viele ziemlich brisanter Schritt beschlossen: Die sogenannte „Box 3“-Besteuerung soll künftig nicht mehr auf fiktiven Renditen basieren, sondern auf tatsächlichen Wertsteigerungen. Klingt erstmal fairer. Der Haken: Besteuert werden sollen auch unrealisierte Gewinne – also Wertzuwächse, selbst wenn nichts verkauft wurde.

    Wenn es keine pauschale Vermögenssteuer sein soll, sondern abhängig von tatsächlichen Wertzuwächsen im Depot, dann würde das doch nur die Steuerstundung beseitigen. Wenn man umgekehrt auch Verluste gegenrechnen kann, gäbe es in schlechten Jahren ein Plus über die Steuererklärung.

    Und wenn es immer nur um tatsächliche Gewinne geht, dann lässt sich das Problem, dass nicht genug auf dem Konto ist für die Steuer doch tatsächlich dadurch lösen, dass man eben einmal im Jahr zum Stichtag die Buchgewinne realisiert, versteuert und damit dann auch keinen zu versteuernden Gewinn mehr hat. Ja, es kostet die Steuerstundung, aber das ist ja nun kein gottgegebenes Recht.

  • Mir war vorher tatsächlich nicht bewusst, dass die Niederlande Vermögen so stark besteuern. Trotzdem wächst die Wirtschaft stärker, ist der Lebensstandard höher, das Einkommen höher, die Staats Verschuldung geringer.

    Mythen!

    In den Niederlanden sind die Lebensmittel teuerer, die KFZ Versicherung deutlich teuerer, Wohnraum für durchschnittliche Einkommen kaum bezahlbar und diese sind nicht höher als bei uns.

    Ich wohne im Grenzgebiet. Jeden Samstag werden die Supermärkte von Niederländern geflutet.

  • Ich wohne im Grenzgebiet. Jeden Samstag werden die Supermärkte von Niederländern geflutet

    Mir aus persönlicher Beobachtung und Beschreibung vor Ort lebender Freunde (Bodensee) bestens bekannt. In Lindau und Lindau-Insel (Bayern) fallen an Wochenenden regelmäßig viele Schweizer vom gegenüberliegenden Seeufer (Schweiz) ein, um in Deutschland "spottbillig" im Vergleich zur Schweiz einkaufen zu können (nach meiner Erinnerung könnten die sich auch noch die in Deutschland bezahlte Mwst. erstatten lassen).

    Dazu kommt noch der Wechselkurs CHF vs. € mit - je nach Blickwinkel - immer neuen Höchstständen für den Schweizer Franken bzw. Niedrigständen für den Euro. Kann mich noch gut an über 1,65 pro € für den Franken erinnern - inzwischen gibt es für den € nur noch 0,91 Franken ...

  • Liegt vermutlich an dem geringen Lohnniveau in der Schweiz.

    Wohl kaum.

    Liegt aller Wahrscheinlichkeit eher in der Thematik "low hanging fruit" begründet (Stichwort: Grenznähe) - vor dem Hintergrund eines (in Relation zur Schweiz) in Lindau sehr bis extrem niedrigen Preisniveaus. Dazu kommt noch ein gegenüber dem Schweizer Franken im Wechselkurs abgestürzter Euro (siehe Nr. 98).