Private Haftpflichtversicherung: Goldesel der Versicherungswirtschaft?

  • Erstes Zwischenfazit:

    Wenn ich als ökologisch korrekte:r Fußgänger:in unterwegs bin (und manchmal den ÖPNV) nutze, bleiben mir viele größere Schäden, die durch eine PHV abgedeckt werden, erspart.

    Gleiches gilt für eine:n Mieter:in, der:die eine Waschmaschine in einem Waschkeller hat.

  • Wenn ich als ökologisch korrekte:r Fußgänger:in unterwegs bin (und manchmal den ÖPNV) nutze, bleiben mir viele größere Schäden, die durch eine PHV abgedeckt werden, erspart.

    Als ÖPNV Nutzer steigst du aus dem Bus aus, läufst direkt vor ein Auto, das weicht aus und crasht in einen Tanklaster mit Chemieprodukten. Folge, Kosten, die du allein nicht übernehmen kannst ...

  • Beispiele aus dem Alltag:

    - der Weihnachtsbaum entzündet sich, plötzlich steht das Zimmer oder sogar das Mehrfamilienhaus in Flammen,
    - jemand hat den Gasherd nicht richtig ausgestellt oder eine Kerze unbeaufsichtigt brennen lassen,
    - das Telefon klingelte, als die Badewanne gerade vollief,
    - das Bügeleisen war nicht ausgeschaltet,
    - der Handyakku ist explodiert,
    - du hast vergessen, Schnee und Eis zu räumen und jemand liegt deshalb im Krankenhaus,
    - der Baum im Garten fällt nach einem Sturm auf Nachbars Dachstuhl,
    - dein Hund beißt ein Kind,
    - du versuchst, die U-Bahn noch zu bekommen und rempelst dabei jemanden auf der Rolltreppe an, der unglücklich stürzt,
    - das Flugzeug kann nicht abfliegen, weil Du versehentlich einen verbotenen Gegenstand dabei hast oder einen Streit mit Deinem Sitznachbarn begonnen hast,
    - du hast beim Sport jemanden verletzt...

    Usw. usf.

    Die Haftpflichtversicherung wehrt übrigens auch unberechtigte Ansprüche ab und zahlt Deine Anwalts- und Gerichtskosten, wenn Du unberechtigt auf Schadenersatz verklagt wirst.

  • Konkretes Beispiel: Bei einer Freundin, die in einer WG wohnt, ging die Waschmaschine des Mitbewohners kaputt. Kein Problem, dachte die Freundin, da sie eine PHV hat. Antwort der Versicherung: Bei elektronischen Geräten zahlt die PHV grundsätzlich nicht.

    Kann es sein, dass in einer WG die Wahrscheinlichkeit dafür wesentlich höher ist, dass durch Person B etwas von Person A kaputtgeht?

    Zitat

    Bei elektronischen Geräten zahlt die PHV grundsätzlich nicht.

    Das passt aber nicht zu

    Beim Besuch bei Freunden stößt jemand ein Glas Rotwein über den neuen Arbeitslaptop . Totalschaden.

    Ersatzgerät inklusive Software: 2.400 €.

    Ein weiteres Beispiel: Eine Freundin, die zur Miete wohnt, hat ihren Schlüssel verloren. Kein Problem, dachte sich die Freundin: Sie hat ja schließlich eine PHV und Schlüsselverlust ist mitversichert. Die konkrete Antwort der Versicherung bestand darin, ob der mögliche Finder des Schlüssels den Schlüssel der Wohnung zuordnen könne. Dies hat die Freundin natürlich verneint. Die Versicherung hat darauf erwidert, dass das Risiko, dass sich der mögliche Finder des Schlüssels Zugang zum Haus bzw. zur Wohnung verschaffen könnte, äußerst gering sei und daher die Schließanlage nicht durch eine neue ersetzt werden müsste. Der neue Schlüssel, den sie mit Zustimmung des Vermieters anfertigen musste, war wertmäßig unterhalb ihres Selbstbehalts.

    Das finde ich ein bisschen gewagt von der Versicherung. Wie will man objektiv einschätzen, ob ein verlorengegangener Schlüssel der Wohnung zugeordnet werden kann? Die Art des Schlüssels, Hersteller des Schlüssels, eine Nummer darauf, könnten z.B. mit der Art oder dem Alter des Gebäudes korrelieren. Und was nützt einem die Wahrscheinlichkeit in einem Einzelfall mit Restrisiko? Woher weiss denn jemand, dem ein Schlüssel abhanden gekommen ist, ob er den Schlüssel verloren hat oder ob ihm der Schlüssel nicht vielleicht gestohlen wurde? Und wenn er wüsste wo genau er ihn verloren hat, dann würde er ihn in den meisten Fällen auch suchen und wiederfinden können. Er könnte auch ganz in der Nähe des Gebäudes verlorengegangen sein.

  • Als ich noch in der Branche tätig war und Einblick in die Verbandsstatistiken hatte, war die Haftpflichtversicherung keineswegs der Goldesel.

    Das kann ich bestätigen. Aus erster Hand weiß ich, dass zumindest bei einer großen Versicherung die Haftpflicht bewusst unterpreist ist. Als reiner Türöffner für den Vertrieb. Erst verkauft man das unverzichtbare Billigprodukt, danach folgt die Platzierung provisionsstarker, strukturierter Anlageprodukte. Auch die Moped-Versicherung folgt diesem Muster. Einen 16-Jährigen zu versichern ist faktisch Harakiri. Die Daten eines 16-Jährigen, inklusive Telefonnummer, sind für den Vertrieb hingegen Gold wert.

  • Erstes Zwischenfazit:

    Wenn ich als ökologisch korrekte:r Fußgänger:in unterwegs bin (und manchmal den ÖPNV) nutze, bleiben mir viele größere Schäden, die durch eine PHV abgedeckt werden, erspart.

    Die PHV deckt doch die schwarzen Schwäne des Alltags ab. Genau die Fälle, an die man niemals im Leben denkt, dass einem ein sooo dämliches und gleichzeitig teures Missgeschick jemals passiert. Im besten Fall passiert dir niemals so ein Missgeschick. Falls es aber doch passiert, bist du nicht ruiniert.

    Die PHV ist eine der wenigen Versicherungen, die ich wirklich gerne bezahle. Sie ist günstig und deckt riesige Schäden ab. Und wenn ich auf meinem Sterbett Fazit ziehe und feststelle, dass ich die PHV mein ganzes Leben umsonst bezahlt habe, weil nie in Anspruch genommen, werde ich trotzdem zufrieden sein.

    Bei deinem Waschmaschinenbeispiel hab ich das Gefühl, dass ihr die PHV mit einer Hausratversicherung verwechselt (und auch da sollte man gründlich die Bedingungen studieren). Oder du müsstest mal die ganze Geschichte erzählen, was genau passiert ist.

  • Hallo KaffeeOderTee,

    Das finde ich ein bisschen gewagt von der Versicherung.

    Sie stellen die falschen Überlegungen an. Nicht die Versicherung entscheidet primär, ob die Wahrscheinlichkeit für eine Zuordnung des Schlüssels gegeben ist oder nicht, sondern der Eigentümer (hier also Vermieter/Verwalter). Wenn der der Meinung ist, das Risiko ist zu hoch und die Schließanlage muss ausgetauscht werden, muss er diese Forderung dem Mieter (und damit dessen Haftpflichtversicherung gegenüber) erheben. Die Versicherung bezahlt entweder, oder lehnt die Forderung als überzogen ab. Im letzteren Fall entscheidet dann das Gericht. Nach dem Sachvortrag unseres TE war offensichtlich auch der Vermieter/Verwalter der Meinung, die Schließanlage muss nicht ausgetauscht werden.

    Gruß Pumphut

  • Hallo KaffeeOderTee,

    Sie stellen die falschen Überlegungen an. Nicht die Versicherung entscheidet primär, ob die Wahrscheinlichkeit für eine Zuordnung des Schlüssels gegeben ist oder nicht, sondern der Eigentümer (hier also Vermieter/Verwalter). Wenn der der Meinung ist, das Risiko ist zu hoch und die Schließanlage muss ausgetauscht werden, muss er diese Forderung dem Mieter (und damit dessen Haftpflichtversicherung gegenüber) erheben. Die Versicherung bezahlt entweder, oder lehnt die Forderung als überzogen ab. Im letzteren Fall entscheidet dann das Gericht. Nach dem Sachvortrag unseres TE war offensichtlich auch der Vermieter/Verwalter der Meinung, die Schließanlage muss nicht ausgetauscht werden.

    Gruß Pumphut

    Leopard hat geschrieben:

    Ein weiteres Beispiel: Eine Freundin, die zur Miete wohnt, hat ihren Schlüssel verloren. Kein Problem, dachte sich die Freundin: Sie hat ja schließlich eine PHV und Schlüsselverlust ist mitversichert. Die konkrete Antwort der Versicherung bestand darin, ob der mögliche Finder des Schlüssels den Schlüssel der Wohnung zuordnen könne. Dies hat die Freundin natürlich verneint. Die Versicherung hat darauf erwidert, dass das Risiko, dass sich der mögliche Finder des Schlüssels Zugang zum Haus bzw. zur Wohnung verschaffen könnte, äußerst gering sei und daher die Schließanlage nicht durch eine neue ersetzt werden müsste. Der neue Schlüssel, den sie mit Zustimmung des Vermieters anfertigen musste, war wertmäßig unterhalb ihres Selbstbehalts.

    Das ist dann ja eine hilfreiche Information für Leopard und andere mögliche Betroffene

    Nicht die Versicherung entscheidet primär, ob die Wahrscheinlichkeit für eine Zuordnung des Schlüssels gegeben ist oder nicht, sondern der Eigentümer (hier also Vermieter/Verwalter).

    Wenn der Vermieter zugestimmt hat, dann hat er wohl auch keine Notwendigkeit gesehen, die gesamte Schließanlage auszutauschen.

    Danke!

  • Als ÖPNV Nutzer steigst du aus dem Bus aus, läufst direkt vor ein Auto, das weicht aus und crasht in einen Tanklaster mit Chemieprodukten. Folge, Kosten, die du allein nicht übernehmen kannst ...


    Das sind exakt die konstruierten Fälle, die ich meine: Theoretisch möglich, praktisch ist die Eintrittswahrscheinlichkeit nahe null.

    Ist dir oder einer Person aus deinem Bekanntenkreis Vergleichbares widerfahren?

  • Butter bei die Fische! Erzähle jetzt mal die ganze Geschichte!


    Scheinbar hat die Sache mit der Waschmaschine Näheres Interesse geweckt, daher nun ausführlicher:

    Die in einer WG lebende Freundin hat die Waschmaschine ihres Mitbewohners genutzt. Nach der Nutzung war die Waschmaschine kaputt. Der Mitbewohner wollte, dass die Freundin eine neue Waschmaschine bezahlt. Dies wurde von der Freundin zunächst verneint, da sie die Waschmaschine ordnungsgemäß bedient habe.

    Im weiteren Verlauf hat man sich darauf geeinigt, dass die Freundin an ihre Versicherung herantritt. Sie ist ja schließlich privat haftpflichtversichert und hat aus Versehen die Waschmaschine kaputt gemacht. Dieser Auffassung ist die Versicherung nicht gefolgt, da es hieß, elektronische Geräte seien bei einer PHV grundsätzlich nicht inkludiert.

    Der Mitbewohner hat recherchiert und sich schließlich für eine Reparatur entschieden. Diese hat ca. 80 Euro gekostet. Freundin und Mitbewohner haben sich darauf geeinigt, die Kosten 50:50 zu teilen.

    Learning der Freundin: Wenn es in über 25 Jahren einmal drauf ankommt, wird nicht gezahlt.


  • Hallo Wanderslust,

    besten Dank für deine Beispiele.

    Welche davon sind dir oder Menschen in deinem sozialen Umfeld konkret passiert?

    Mögliche theoretische Ereignisse kann man sich immer gut herleiten.

  • Dieser Auffassung ist die Versicherung nicht gefolgt, da es hieß, elektronische Geräte seien bei einer PHV grundsätzlich nicht inkludiert.

    Das ist sicher nicht der Normalfall. Da sollte man mal selber die Bedingungen prüfen - evtl. hat man eine Billigpolice mit zu vielen Ausschlüssen abgeschlossen.

    Bei einfachen Policen sind oft Schäden an geliehenen Gegenständen etc. nicht abgedeckt.

  • Die PHV deckt doch die schwarzen Schwäne des Alltags ab. Genau die Fälle, an die man niemals im Leben denkt, dass einem ein sooo dämliches und gleichzeitig teures Missgeschick jemals passiert. Im besten Fall passiert dir niemals so ein Missgeschick. Falls es aber doch passiert, bist du nicht ruiniert.

    Die PHV ist eine der wenigen Versicherungen, die ich wirklich gerne bezahle. Sie ist günstig und deckt riesige Schäden ab. Und wenn ich auf meinem Sterbett Fazit ziehe und feststelle, dass ich die PHV mein ganzes Leben umsonst bezahlt habe, weil nie in Anspruch genommen, werde ich trotzdem zufrieden sein.

    Bei deinem Waschmaschinenbeispiel hab ich das Gefühl, dass ihr die PHV mit einer Hausratversicherung verwechselt (und auch da sollte man gründlich die Bedingungen studieren). Oder du müsstest mal die ganze Geschichte erzählen, was genau passiert ist.


    Hallo Mittvierziger,

    danke für deine theoretische Antwort.

    Welche "schwarzen Schwäne" sind dir oder Menschen aus deinem sozialen Umfeld denn widerfahren?

  • Das ist sicher nicht der Normalfall. Da sollte man mal selber die Bedingungen prüfen - evtl. hat man eine Billigpolice mit zu vielen Ausschlüssen abgeschlossen.


    Möglicherweise doch:

    Ein von mir erfolgter Anruf bei einer örtlichen Versicherungsagentur eines großen, namhaften Versicherers hat bestätigt, dass scheinbar elektronische Geräte bei einer PHV grundsätzlich nicht inkludiert sind, sondern hierfür eine Elektronikversicherung zuständig sei.

  • Hallo Wanderslust,

    besten Dank für deine Beispiele.

    Welche davon sind dir oder Menschen in deinem sozialen Umfeld konkret passiert?

    Mögliche theoretische Ereignisse kann man sich immer gut herleiten.

    Dein Punkt ist ja theoretisch überlegenswert, also wie hoch ist das Risiko tatsächlich im Vergleich zu den Kosten. Und ja, (zum Glück) musste ich oder mein näheres Umfeld eine PHV noch keinen der krassen Fälle regulieren.

    Aber wie schon ein Forist vor mir geschrieben hat, selbst wenn ich auf dem Sterbebett einsehen muss, ich hab die ganzen Jahre "umsonst" bezahlt, würde ich mich die nächsten Jahrzehnte bis dahin wohl einfach sicherer und wohler fühlen, ein derartiges existenzbedrohendes Risiko abgesichert zu haben.

    Für 5-10 € im Monat! Da gebe ich ein vielfaches pro monat für weniger Sinnvolles aus.

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