Euro Stoxx 600 als Beimischung um Klumpenrisiko zu vermeiden - lohnt sich das?

  • Meine Freundin (Arztgattin) investiert sein 2 Wochen in ein MSCI World ETF.


    Sie hat allerdings Angst vor der sehr hohe US Bewertung.


    Ich möchte Stoxx600 als Beimischung vorschlagen-ich weiß allerdings nicht ob das immer noch empfehlenswert ist.


    Was meint ihr?

  • Die Kurzform ist:

    Kann gut gehen, oder auch nicht. Es weiß keiner.

    Etwas naheliegender wäre Emerging Markets und Small Caps in einem Msci ACWI Imi hinzuzunehmen.

    Wenn Du etwas tiefer einsteigen möchtest, könntest Du mal nach Cederburg und Beyond the Status Quo googeln. Er zeigt in seiner Arbeit, dass langfristig ein Anteil in Domestic Stocks (in unserem Fall Europa) von 10-30% empfehlenswert war.

  • Klar, warum denn nicht?

    die Kollegen von Finanzfluss haben das in einem ihrer aktuellen Videos auch mit beleuchtet:

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  • Meine Gedanken dazu:

    Pro:

    • Prof. Walz empfiehlt es, um den US Klumpen in zu reduzieren (Alternativ ex-USA ETF)
    • Viele andere Experten reduzieren ebenfalls den US-Klumpen, meist durch Erhöhung des Europa Anteils
    • Weniger Währungsrisiken
    • Weniger politische Risiken (z.B. Besteuerung ausländischer Investoren, Kapitalverkehrskontrollen)

    Contra:

    • Mehr Rebalancing Aufwand
    • Mehr Komplexität
    • Rückblickend hätte es der Rendite geschadet
    • Die Frage was man in 10 Jahren mit der Position machen würde, falls dann Europa der neuen Klumpen wäre.
    • Bezogen auf das Gesamtvermögen haben die meisten Menschen schon einen Europa Klumpen (Rente, Arbeitseinkommen, Immobilie)

    Als erstes würde ich den Schwellenländer Anteil erhöhen. Und wenn das immer noch nicht reicht, würde ich lieber einen globalen ETF dazu nehmen, der die USA zwar untergewichtet, aber trotzdem noch mit drin hat.

    Z.B. den Kommer ETF oder einen Dividenden ETF oder einen Equal Weight ETF.

  • Also entweder man hat

    • Mehr Rebalancing Aufwand oder
    • Die Frage was man in 10 Jahren mit der Position machen würde, falls dann Europa der neuen Klumpen wäre

    Beides gleichzeitig ja eher nicht, denn du das rebalancing sollte das Thema mit dem Klumpen ja nicht mehr da sein (und umgekehrt)

  • Meine Freundin (Arztgattin) investiert sein 2 Wochen in ein MSCI World ETF.


    Sie hat allerdings Angst vor der sehr hohe US Bewertung.


    Ich möchte Stoxx600 als Beimischung vorschlagen-ich weiß allerdings nicht ob das immer noch empfehlenswert ist.


    Was meint ihr?

    Man investiert seit 2 Wochen und hat schon jetzt Zweifel? Einfach die Anteile liegen lassen ODER verkaufen und einen breiten Welt-ETF mit geringeren US-Anteil besparen. KISS eben.

  • Was meint ihr?

    Am besten auf Finanzlektüre (Finanzfluss, Finanztip und die üblichen Verdächtigen) verweisen bzw. lediglich aufzeigen was es gibt. Raten würde ich selbst meinem besten Freund in Finanzsachen nichts... geht's in den Keller ist man manchmal schneller der Buhmann als man schauen kann (Arztgattin hin oder her).

    Es ist fast wie im richtigen Leben, deswegen heißt das hier auch Erde und nicht Paradies.

  • Vielleicht kann mir jemand der Klumpenrisiko-Beimischungs-Vermeider mal erklären, wie sich im Depot so eine Beimischung auf welches Risiko konret auswirken soll - was soll da wann passieren? - UND ein wenig historische Evidenz beifügen, wo das je funktioniert hätte.


    D A N K E !

  • Also entweder man hat

    • Mehr Rebalancing Aufwand oder
    • Die Frage was man in 10 Jahren mit der Position machen würde, falls dann Europa der neuen Klumpen wäre

    Beides gleichzeitig ja eher nicht, denn du das rebalancing sollte das Thema mit dem Klumpen ja nicht mehr da sein (und umgekehrt)

    Ich meinte es so: wenn man sich nun für 30% Europa insgesamt entscheidet und das so umsetzt:

    80% World ETF (angenommen darin sind 15% Europa) und zusätzlich 20% Europa ETF, kommt man auf 32% Europa. Passt etwa.

    Wenn aus irgendeinem Grund der Europa Anteil im World in einigen Jahren nicht mehr bei 15% sondern bei 40% liegt, müsstest du deinen Europa ETF verkaufen, was du vorher wahrscheinlich auch schon teilweise durch das Rebalancing gemacht hast. Wenn man Rebalancing allerdings durch frische Sparraten macht (statt Verkäufe), müsste man wieder ein Gegengewicht zum Europa Klumpen finden.

    Ich halte es allerdings für sehr unwahrscheinlich, dass im World ein Europa Klumpen entsteht, daher sind es nur theoretische Überlegungen.

  • "Wenn aus irgendeinem Grund der Europa Anteil im World in einigen Jahren nicht mehr bei 15% sondern bei 40% liegt, müsstest du deinen Europa ETF verkaufen, was du vorher wahrscheinlich auch schon teilweise durch das Rebalancing gemacht hast"

    So weit sind wir nicht auseinander, das meinte ich ja damit. Wenn du rebalancing machst sollte es den Klumpen nicht geben. Das könnte nur dann passieren wenn du alles so laufen lässt.


    Dein Hinweis müsste also eher lauten

    • Mehr Rebalancing Aufwand oder das das Risiko, dass man sich ggf. in 10 Jahren fragen müsste was man mit der Position machen würde, falls dann Europa der neuen Klumpen wäre


    statt


    • Mehr Rebalancing Aufwand
    • Die Frage was man in 10 Jahren mit der Position machen würde, falls dann Europa der neuen Klumpen wäre.
  • Nachdem der Sparplan erst zwei Wochen läuft, würde ich im ersten Schritt für einen breiter aufgestellten ETF votieren. Beispielsweise einen auf den MSCI ACWI IMI oder der FTSE All World. Damit reduziert man den US Anteil um ca. 10 % und nimmt gleich Emerging Markets hinzu.

    Wenn das noch nicht reicht, kann man im zweiten Schritt noch Europa oder MSCI ex USA hinzufügen. Ich würde aber nicht allzu stark von der Marktkapitalisierung abweichen. Vielleicht 10 oder 15 %. Sollte sich in zehn/zwanzig Jahren der US Klumpen reduziert haben, kann man den zusätzlichen Sparplan einfach einstellen und wieder auf die Marktkapitalisierung setzen.

    Entscheiden muss es im Zweifel die Freundin selbst. Ob sich ein solches Risiko materialisiert kann auch keiner seriös vorhersagen. Dass es da ist, scheinen sich zumindest einige der klugen Köpfe einig zu sein (Walz, Kommer, Beck etc.).

  • Vielleicht kann mir jemand der Klumpenrisiko-Beimischungs-Vermeider mal erklären, wie sich im Depot so eine Beimischung auf welches Risiko konret auswirken soll - was soll da wann passieren? - UND ein wenig historische Evidenz beifügen, wo das je funktioniert hätte.


    D A N K E !

    Es gibt das Black-Swan-Risiko eines „Failed State“. Also den unwahrscheinlichen Fall, dass ein Rechtsraum innerhalb kurzer Zeit kollabiert. Das Risiko eines Failed State ist real. Ich darf an den 6. Januar 2021 erinnern. Das hätte damals auch anders ausgehen können.

    Hat man dann 70 % oder mehr seines liquiden Vermögens dort allokiert, erholt man sich davon sehr wahrscheinlich nicht mehr.

    Das kann nicht passieren? Doch. Zum Beispiel in Russland 1917, in Deutschland und Österreich 1914 oder 1939, in Argentinien 1946 oder in China 1949. Alles damals entwickelte Wirtschaftsräume...und dann war plötzlich alles oder fast alles weg. Auch ein Japaner, der 1989 den Großteil seines Vermögens in japanischen Aktien oder Immobilien hatte, hatte ein Problem: Über 30 Jahre negative Rendite. Übrigens war und ist dieser Home Bias sehr verbreitet. Viele US-Amerikaner halten z.B. heute ausschließlich US-Aktien.

    Man darf sich nichts vormachen. Senkt man den US-Anteil und schichtet nach Europa oder Asien um, entstehen andere und neue Risiken. Es ist also immer eine Abwägungsfrage. Jeder muss sich die Frage stellen: ,,Wie viel meines Vermögens möchte ich in einem einzigen Rechtsraum investiert haben?" Wenn man sich diese Frage stellt, sollte man idealerweise nicht nur das liquide Vermögen, sondern das Gesamtvermögen betrachten.

  • Das Risiko eines Failed State ist real.

    Das ist ein Grund, weshalb sich Gestaltungsdrang bei Anlegern an der Länderallokation reibt. Da bleibt aber die Frage offen, wie groß die Auswirkungen eines Failed State/eines zusammenbrechenden Rechtsraums auf ein Unternehmen tatsächlich wären, sollte der Fall mal eintreten. Die Zusammenhänge sind nicht 1:1, wie die Kennzahlen in den Verkaufsprospekten suggerieren. Es gibt Unternehmen, die in den ETFs zu USA zählen, die würden sich bei einem Zusammenbruch der USA höchstens mal kurz schütteln. Und es gibt solche, die zur EU zählen, die würde ein Zusammenbruch der USA einfach mal komplett verdreschen. Es gibt welche, die gehören zu A, und machen in B mehr Umsatz wie in A. Oder haben mehr Beschäftigungsverhältnisse dort. Oder sind in Lieferketten/Vertragsverhältnisse so oder so aufgestellt... Die Aussage, ein Unternehmen sei 100% USA oder 100% EU, trifft in den allerseltensten Fällen zu. Da irgendwelche Beimischungsquoten zu zelebrieren, gehört zum persönlichen Wohlfühlfaktor des Anlegers. Greifbaren Sinn macht es keinen.

  • Sie hat allerdings Angst vor der sehr hohe US Bewertung.

    Gibt es einen rationalen Grund für diese Angst?

    Nachdem ja die üblichen Finanzkanäle jahrelang den MSCI World, gerne auch mit ACWI und IMI, als den Heiligen Gral der Geldanlage gepriesen haben, fällt denen nun plötzlich auf, in Koinzidenz mit Beginn der zweiten Amtszeit von Trump, dass der hohe US-Anteil ein gefährliches Klumpenrisiko darstellt? Das war vorher nicht so? Oder hat das einfach keiner bemerkt?

    Was wäre falsch daran, dort zu investieren, wo Geld verdient wird? Das sind aktuell eben die US-Unternehmen. Das kann sich natürlich irgendwann mal ändern. Dann ist immer noch Zeit, sein Anlageverhalten zu ändern. Daher halte ich es, im übertragenen Sinne, für nicht besonders klug, aus Angst vor dem Tod Selbstmord zu begehen.

  • Meine Freundin (Arztgattin) investiert sein 2 Wochen in ein MSCI World ETF.


    Sie hat allerdings Angst vor der sehr hohe US Bewertung.


    Ich möchte Stoxx600 als Beimischung vorschlagen-ich weiß allerdings nicht ob das immer noch empfehlenswert ist.


    Was meint ihr?

    Warum erklärst du ihr nicht was du selbst warum machst. Da kann sie dann darüber nachdenken ob bzw warum das für sie infrage oder nicht infrage kommt.

    Und schon ist sie ein Stück weiter in Ruchting „selbst überlegen“

    Ansonsten hilft in diesem Stadium natürlich eines der typischen Anfängerbücher von Saidi bis Walz.

  • Meine Freundin (Arztgattin) investiert sein 2 Wochen in ein MSCI World ETF.


    Sie hat allerdings Angst vor der sehr hohe US Bewertung.


    Ich möchte Stoxx600 als Beimischung vorschlagen-ich weiß allerdings nicht ob das immer noch empfehlenswert ist.


    Was meint ihr?


    Grundsätzlich sollte man, sofern man eine breite Streuung möchte, eher den MSCI ACWI oder MSCI ACWI IMI nutzten statt einen MSCI World. Dort hat man die EM mit drin.

    Ein Europa ETF neben einem MSCI World führt zu Überschneidungen europäischer Aktien und in der Folge zu einer Übergewichtung dieser Positionen. Das kann man machen, aber es wäre meiner Meinung nach richtiger breiter zu diversifizieren. Im MSCI World fehlen die Emerging Markets und Small Caps komplett. Eine Ergänzung dieser beiden ETF wäre aus meiner Sicht sinnvoller als Europa.

  • Das ist ein Grund, weshalb sich Gestaltungsdrang bei Anlegern an der Länderallokation reibt. Da bleibt aber die Frage offen, wie groß die Auswirkungen eines Failed State/eines zusammenbrechenden Rechtsraums auf ein Unternehmen tatsächlich wären, sollte der Fall mal eintreten. Die Zusammenhänge sind nicht 1:1, wie die Kennzahlen in den Verkaufsprospekten suggerieren. Es gibt Unternehmen, die in den ETFs zu USA zählen, die würden sich bei einem Zusammenbruch der USA höchstens mal kurz schütteln. Und es gibt solche, die zur EU zählen, die würde ein Zusammenbruch der USA einfach mal komplett verdreschen. Es gibt welche, die gehören zu A, und machen in B mehr Umsatz wie in A. Oder haben mehr Beschäftigungsverhältnisse dort. Oder sind in Lieferketten/Vertragsverhältnisse so oder so aufgestellt... Die Aussage, ein Unternehmen sei 100% USA oder 100% EU, trifft in den allerseltensten Fällen zu. Da irgendwelche Beimischungsquoten zu zelebrieren, gehört zum persönlichen Wohlfühlfaktor des Anlegers. Greifbaren Sinn macht es keinen.

    Ich habe diesbezüglich teilweise eine ähnliche Meinung, sehe aber bestimmte Punkte anders.

    Grundsätzlich denke ich, dass ein Privatanleger, der in einen marktkapitalisierenden Welt-ETF investiert ist, zunächst dort bleiben sollte, bevor er weitere ETFs hinzumischt, mit dem Ziel Klumpenrisiken zu reduzieren. Die Nachteile, wie zum Beispiel das höhere operative Risiko, sind einfach zu hoch. Außerdem sind die Kriterien oft schwammig. Das Risiko lässt sich nicht quantifizieren, was insbesondere in Stresssituationen möglicherweise zu Fehlentscheidungen führen kann.

    Aber: Unternehmen, die in einem bestimmten Rechtraum gelistet sind, können sehr wohl stark betroffen sein, wenn dieses Land (politisch) abdriftet. Das können Anleger bestätigen, die vor ein paar Jahren russische Aktien besessen haben. Praktisch über Nacht können Vermögenswerte eingefroren, verstaatlicht oder für Ausländer mit hohen Abgaben belegt werden. Der Fantasie sind da kaum Grenzen gesetzt, wenn beispielsweise plötzlich ein Despot entsprechende Entscheidungen trifft. Auch kann der Zugang zum Kapitalmarkt für Ausländer stark eingeschränkt werden. Allein das würde zu einer Abwertung der Assets führen. Eine globale Aufstellung (Produktionsstätten und Kunden) hilft dabei nachweislich nicht.

    Ich habe mich daher für einen Mittelweg entschieden und investiere in einen ETF mit geringerem Klumpenrisiko. Das schien mir der richtige Weg. Mehrere ETFs würde ich persönlich nicht empfehlen.