Wie gut ist deine Betriebsrente?

  • Und genau an dieser Stelle erwarte ich von der Regierung in Zusammenarbeit mit den Gewerkschaften und den ArbeitgeberverbĂ€nden ein Wiederaufleben der auskömmlichen Betriebsrenten. Mutmaßlich wird es aber nicht so kommen mangels Masse.

    Kannst du dir ernsthaft vorstellen, dass ein kleiner Malerbetrieb in Sachsen mit 3 Gesellys und einem Azubi-Menschen sowas zahlen kann?

  • Wobei man nun nicht vergessen darf, dass auch eine reine Versorgungszusage ein Lohn-/Gehaltsbestandteil ist/war. Ob der AN jeden Monat 100€ Brutto-RĂŒckstellung bildet oder 100€ (inkl. dem AG-Anteil) mehr auszhalt, kommt fĂŒr ihn auf das Selbe heraus.

    Und genauso erhÀlt man solche Rentenhöhen nur, wenn man quasi sein Leben lang beim selben AG war. Wer will das heutzutage noch?

    Der Gesetzgeber wird daran m.M.n. nichts Ă€ndern. Die Lobby der Versicherungen ist viel zu stark, um deren Geldabschöpfung einzugrenzen. Sowas schaffen nur Gewerkschaften/BetriebsrĂ€te bei grĂ¶ĂŸeren Konzernen, wenn die Konzernleitung, ganz altmodisch, ihre AN auch bei sich halten will und damit fĂŒr lukrative Angebote sorgt.

  • Wobei man nun nicht vergessen darf, dass auch eine reine Versorgungszusage ein Lohn-/Gehaltsbestandteil ist/war. Ob der AN jeden Monat 100€ Brutto-RĂŒckstellung bildet oder 100€ (inkl. dem AG-Anteil) mehr auszhalt, kommt fĂŒr ihn auf das Selbe heraus.

    Wenn das Gehalt schon an der unteren Grenze ist, dass man jeden Cent fĂŒrs tĂ€gliche Leben braucht, macht das einen erheblichen Unterschied.

  • Gewerkschaften kĂ€mpfen fĂŒr ihre Klientel, also fĂŒr Besitzstandswahrung und Statuserhalt, also fĂŒr die Verteilung von dem was da ist an die, die dabei sind.

    Schiuldenabbau, Zukunftsperspektiven, neue Stellen und Wirtschaftswachstum interessieren sie nur indirekt.

  • Betriebsrente, was ist das?
    Habe rund 40 Jahre als Ingenieur im Werkzeugmaschinenbau gearbeitet, in zumeist mittelstÀndigen Betrieben. Zu meiner Zeit wurden dort keine Betriebsrenten mehr angeboten. (1982 bis 2022)
    Kollegen die Anfang der 70er Jahre schon dabei waren, hatten sich AnsprĂŒche von mehreren 100€ erarbeitet, aber ab Mitte der 80er Jahre gab es das garnicht mehr.
    Kollegen vom Bosch, Daimler oder VW erzĂ€hlten mir dann kurz bevor sie in Rente gingen, in den 2010ern, von deren Betriebsrenten die immer so im Bereich 1500€ bis zu 3000€ pro Monat lagen, da hab ich schon manchmal gedacht "ich wĂ€re im falschen Film".

  • Betriebsrente, was ist das?
    Habe rund 40 Jahre als Ingenieur im Werkzeugmaschinenbau gearbeitet, in zumeist mittelstÀndigen Betrieben. Zu meiner Zeit wurden dort keine Betriebsrenten mehr angeboten. (1982 bis 2022)
    Kollegen die Anfang der 70er Jahre schon dabei waren, hatten sich AnsprĂŒche von mehreren 100€ erarbeitet, aber ab Mitte der 80er Jahre gab es das garnicht mehr.
    Kollegen vom Bosch, Daimler oder VW erzĂ€hlten mir dann kurz bevor sie in Rente gingen, in den 2010ern, von deren Betriebsrenten die immer so im Bereich 1500€ bis zu 3000€ pro Monat lagen, da hab ich schon manchmal gedacht "ich wĂ€re im falschen Film".

    Genau so ist es. Auch kenne Betriebsrente nur von Hörensagen. Dieses Thema dĂŒrfte wohl nur fĂŒr Mitarbeiter von Großunternehmen mit starken gewerkschaftlichen Einfluss relevant sein.

  • Hat was mit dem Organisationsgrad im Betrieb zu tun.

    Ich wĂŒrde sagen: Hat noch mehr mit den finanziellen Möglichkeiten der mittelstĂ€ndigen Betriebe zu tun, die ja die oft die Zulieferer dieser Großunternehmen sind/waren. Die Betriebe können nur das Geld ausgeben was auch reinkommt und gerade im Werkzeugmaschinenbau war es seit den 80er Jahren bis auf ganz kleine Ausnahmen nicht sehr rosig fĂŒr gute Gewinne.

  • Und genau an dieser Stelle erwarte ich von der Regierung in Zusammenarbeit mit den Gewerkschaften und den ArbeitgeberverbĂ€nden ein Wiederaufleben der auskömmlichen Betriebsrenten. Mutmaßlich wird es aber nicht so kommen mangels Masse.

    MĂ€rz hatte sich auch schon mehrfach fĂŒr die StĂ€rkung von Betriebsrenten geĂ€ußert. Ich halte das fĂŒr einen falschen Weg, weil davon nur eine kleine Gruppe von BeschĂ€ftigten profitiert. Eine StĂ€rkung der Betriebsrenten fĂŒttert vor allem die Finanzindustrie, die sich daran eine goldene Nase verdienen.

    Insgesamt haben wir rund 45,5 Mio BeschĂ€ftigte (Quelle), wovon rund 21 Mio eine BAV Anwartschaft haben (Quelle) Die grĂ¶ĂŸte Gruppe hat gar keine Betriebsrente, eine weitere Gruppe bekommt sehr niedrige Betriebsrenten, die praktisch kaum Relevanz haben. Und dann gibt es eine Gruppe von BeschĂ€ftigten, die viele Jahre bei einem Großkonzern verbracht haben (bevorzugt IG Metall). Deren Betriebsrente bewegt sich oft in der GrĂ¶ĂŸenordnung der gesetzlichen Rente. Bei jĂŒngeren Mitarbeitern sinkt diese Art der Altersvorsorge deutlich.

    In fast jedem Fall verdienen die Versicherungs- und Finanzunternehmen an Betriebsrenten, die stark mit Kosten belastet sind. Zudem funktionieren Betriebsrenten nicht beim Arbeitsplatzwechsel, was sich zusÀtzlich negativ bei den Kosten und damit auf die Rendite auswirkt.

  • Ich wĂŒrde sagen: Hat noch mehr mit den finanziellen Möglichkeiten der mittelstĂ€ndigen Betriebe zu tun, die ja die oft die Zulieferer dieser Großunternehmen sind/waren. Die Betriebe können nur das Geld ausgeben was auch reinkommt und gerade im Werkzeugmaschinenbau war es seit den 80er Jahren bis auf ganz kleine Ausnahmen nicht sehr rosig fĂŒr gute Gewinne.

    Eine bAV ist ein Mittel der Mitarbeiterbindung. Je austauschbarer die Belegschaft angesehen wird, desto unwahrscheinlicher ist eine bAV, die etwas taugt.

  • MĂ€rz hatte sich auch schon mehrfach fĂŒr die StĂ€rkung von Betriebsrenten geĂ€ußert. Ich halte das fĂŒr einen falschen Weg, weil davon nur eine kleine Gruppe von BeschĂ€ftigten profitiert. Eine StĂ€rkung der Betriebsrenten fĂŒttert vor allem die Finanzindustrie, die sich daran eine goldene Nase verdienen.

    Die Ausgestaltung dieser BAV sollte allerdings anders angegangen werden, da gebe ich dir recht. Zum Beispiel in Form von ETF. Nach deinen Zahlen hat knapp die HĂ€lfte der BeschĂ€ftigten Anspruch auf eine BAV. Um so mehr ein Grund auch der anderen HĂ€lfte dies zu ermöglichen. Eine BAV kann auch nur ein Baustein sein um die "Basisrente der GRV", von der MĂ€rz sprach, zu ergĂ€nzen. Ein weiterer ist etwa das neue AV Vermögen. Oder eben die eigenen Investitionen, die ich zum Beispiel betrieben habe. Der Steuerherr sollte es aber auch entsprechend ermöglichen. Wenn es nach mir ginge, wĂŒrde ich die ganze Finanzpiraterie verbieten. Aber nachdem nun sogar Kreissparkassen und Kirchenbanken in Cum-Cum-Skandale verwickelt sind, muss man sich wohl eingestehen, das Schweinkram immer passieren wird.

  • Eine bAV ist ein Mittel der Mitarbeiterbindung. Je austauschbarer die Belegschaft angesehen wird, desto unwahrscheinlicher ist eine bAV, die etwas taugt.

    Das sehe ich anders. Über Betriebsrenten in relevanter Höhe können sich nur Mitarbeiter von Großunternehmen/Konzernen oder im ÖD freuen. Wer einen dieser Jobs ergattert hat, der sich durch ĂŒberproportional hohe Bezahlung und/oder Arbeitsplatzsicherheit auszeichnet, wird den in aller Regel nicht so schnell aufgeben. Da ist die bAV da nur eine Goodie, fĂŒr die Mitarbeiterbindung spielt sie wohl nur eine untergeordnete Rolle.

  • Die Ausgestaltung dieser BAV sollte allerdings anders angegangen werden, da gebe ich dir recht. Zum Beispiel in Form von ETF. Nach deinen Zahlen hat knapp die HĂ€lfte der BeschĂ€ftigten Anspruch auf eine BAV. Um so mehr ein Grund auch der anderen HĂ€lfte dies zu ermöglichen.

    Anspruch und Wirklichkeit sind zwei verschiedene Dinge. Irgendwo muss das Geld ja herkommen. Aktuell liegt die Bandbreite zwischen 100% AN-finanziert und 100% AG-finanziert. Die meisten KMU bieten gar nichts an, weil das Thema komplex ist und die Expertise gar nicht vorhanden ist. Hinzu kommt, dass heutige Erwerbsbiographien mit den Möglichkeiten einer bAV nicht kompatibel sind.

  • Was nutzt Dir eine 100 % AG-finanzierte Betriebsrente, wenn die Rendite das Vermögen gerade mal nominal erhĂ€lt, nach Inflation ein MinusgeschĂ€ft. Da kommt am Ende nichts bei rum.

    Verstehe ich nicht ganz...

    Ist es nicht besser wenn ich vom AG eine 100% Zugabe erhalten, die zwar inflationsbereinigt die Rendite auffrisst, als wenn ich nichts vom AG erhalte und mich um meine Altersvorsorge komplett aus eigenen Mitteln alleine kĂŒmmern muss?

  • Das Problem dĂŒrfte eher sein, dass sich wĂ€hrend ihres Arbeitslebens Arbeitnehmer in Sicherheit wĂ€hnen, um am Ende festzustellen, dass ein niedriger fĂŒnfstelliger Betrag nach fĂŒnfzehnjĂ€hriger Betriebszugehörigkeit nicht geeignet ist, eine RentenlĂŒcke auch nur ansatzweise zu fĂŒllen. Bei mir kommen nach KV + PV vielleicht 50 Euro monatlich raus, wenn ich das Geld (mit Risiko) gut anlege. Aber stimmt schon, es ist besser als nichts. Und dennoch ist es schade ums Geld, womit man deutlich mehr hĂ€tte erreichen können.

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