Betriebsrente

Das meiste aus der betrieblichen Altersvorsorge herausholen

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Betriebsrente ergänzt die gesetzliche Rente: Angestellte sparen im Laufe ihres Berufslebens vergünstigt an und erhalten später eine lebenslange Zusatzrente.
  • Betriebsrente ist nicht gleich Betriebsrente: Ihr Chef kann alle Beiträge für Sie übernehmen. Oder Sie zahlen Teile Ihres Bruttogehalts in eine Rentenversicherung und sparen sich die Steuern und Sozialabgaben.
  • Die Höhe der Betriebsrente ist Sparern oft nicht klar: Selbst wenn sie ihre Rentenansprüche kennen, wissen viele nicht, wie viel Netto nach Abzug von Krankenkassenbeiträgen und Steuern übrigbleibt.
  • Die betriebliche Altersvorsorge lohnt nicht immer: zum Beispiel dann nicht, wenn Sie einen teuren Vertrag haben, der Chef in der Ansparzeit nichts dazugibt oder Sie häufig den Job wechseln.
  • Betriebsrentenverträge können Sie nicht kündigen: Sie können allerdings Ihre Beiträge aussetzen, den Vertrag privat fortführen oder das Guthaben auf einen neuen Vertrag übertragen.

So gehen Sie vor

  • Wissen, was Sie haben: Fragen Sie bei der Personalabteilung, welche Form der betrieblichen Altersvorsorge (bAV) Ihre Firma anbietet. Wenn Sie schon einen Vertrag haben, schauen Sie in Ihre Unterlagen.
  • Bruttorente kennen, Nettorente abschätzen: Nutzen Sie unsere Übersicht, um herauszufinden, wie viel Rente Sie nach Abzug aller Abgaben ungefähr pro Monat erwarten können.
  • Überschlagen Sie, ob sich Ihr bAV-Vertrag lohnt: Sie sollten Ihre Beiträge nicht erst im hohen Alter wiedersehen. Nutzen Sie für eine Einschätzung unseren kleinen Rechner.
  • Rentiert sich der Vertrag nicht, passen Sie ihn an: Fordern Sie einen Zuschuss oder einen besseren Vertrag vom Chef, zahlen Sie weniger ein oder sparen Sie anderweitig an.
  • Jobwechsler aufgepasst: Wechseln Sie den Arbeitgeber, versuchen Sie, Ihren alten Vertrag mitzunehmen. Wägen Sie ansonsten ab, ob eine flexible Vorsorge besser zu Ihnen passt.
  • Unser Tipp: Bleiben Sie zum Thema Altersvorsorge immer auf dem Laufenden - mit unserem kostenlosen Newsletter!

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Sie sind angestellt und arbeiten womöglich seit Jahren für dieselbe Firma: Dann haben Sie wahrscheinlich eine Vereinbarung zur betrieblichen Altersvorsorge (bAV) mit Ihrem Chef getroffen und dadurch Anspruch auf eine geförderte Zusatzrente – die Betriebsrente.

Die Idee der Betriebsrente ist gut: Mit ihrer Hilfe lässt sich die gesetzliche Rente aufstocken. Ende 2016 besaßen mehr als 16 Millionen Deutsche einen Anspruch auf eine spätere Betriebsrente. In der Praxis bringt die Betriebsrente jedoch einige Unsicherheit mit sich.

Viele Sparer wissen zum Beispiel nicht, mit wie viel Betriebsrente sie später einmal tatsächlich rechnen können. In der Regel gehen von der Bruttorente hohe Krankenkassenbeiträge ab. Für manche Verträge gelten spezielle steuerliche Regelungen. Und einige Betriebsrenten lohnen sich schlicht nicht.

Um wirklich mit der Betriebsrente kalkulieren zu können, sollten Sparer deshalb wissen:

  • Wie funktioniert die Betriebsrente?
  • Wie viel Rente gibt es – und wie viel bleibt netto davon übrig?
  • Lohnt sich der Vertrag?
  • Was tun, wenn zu wenig übrigbleibt?
  • Was tun bei Jobwechsel?

Wie funktioniert die Betriebsrente?

Es gibt verschiedene Wege, wie Sie mit Hilfe Ihres Chefs fürs Alter vorsorgen können. Entscheiden können Sie nicht selbst, sondern der Arbeitgeber. Beliebt in der Vergangenheit waren die sogenannte Direktversicherung oder eine direkte Pensionszusage.

Direktversicherung - Ihr Chef schließt häufig für die gesamte Belegschaft Rentenversicherungsverträge zu vergleichsweise günstigeren Konditionen ab. Sie garantieren in der Regel eine Mindestverzinsung und Mindestrente. Den Vertrag können Sie aus Ihrem Bruttogehalt besparen und zahlen für Beiträge bis 260 Euro pro Monat dann keine Steuern und auch keine Sozialabgaben (Stand 2018). Seit 2004 haben Sie Anspruch auf diese sogenannte Entgeltumwandlung. Auf Nachfrage muss Ihr Chef Ihnen einen Vertrag anbieten. Manchmal gibt er zu Ihren Beiträgen auch etwas dazu.

Gehen Sie in den Ruhestand, beziehen Sie in der Regel eine monatliche Rente bis zu Ihrem Tod. Eine Absicherung der Hinterbliebenen – in der Regel der Lebenspartner oder kindergeldberechtigte Kinder – ist möglich, geht aber zu Lasten der späteren Rentenhöhe. Die verschiedenen Möglichkeiten zur Absicherung der Familie sollten Sie vor dem Vertragsabschluss erfragen oder in den Vertragsbedingungen nachschauen. Mehr zum Thema finden Sie in unserem Ratgeber Direktversicherung.

Direkte Pensionszusage - Bei dieser Variante zahlt allein der Chef: Ihre Firma legt also Geld für die spätere Rente der Belegschaft zurück. Wie hoch die lebenslange Pension ausfällt, kann davon abhängen, wie viele Jahre Sie Ihrem Unternehmen treu geblieben sind. Ihr Chef kann Ihnen aber auch nur Beiträge in einer bestimmten Höhe zusagen, die sich dann mit einem festgelegten Zinssatz verzinsen.

Den Begriff Direktzusage werden Sie in der Firma aber wohl nur selten hören. Stattdessen ist oft die Rede von einem Vorsorgeplan oder von einem Altersvorsorgekonto, auf das die Firma für Sie einbezahlt. Auch bei der direkten Pensionszusage können Sie Lebenspartner und Kinder im Fall Ihres Todes absichern. Die Witwen- oder Waisenrente beträgt – angelehnt an die gesetzliche Rentenversicherung – etwa 60 Prozent der Pension. Mehr zum Thema lesen Sie in unserem Ratgeber Direkte Pensionszusage.

Achtung: Die Betriebsrente ist ein Langfristprojekt. Wissen Sie schon heute, dass Sie häufig den Arbeitgeber wechseln wollen oder vermuten Sie, immer wieder auch selbstständig zu arbeiten, passt eine flexiblere Vorsorge wahrscheinlich besser zu Ihnen.

Wie viel Betriebsrente gibt es – und wie viel bleibt übrig?

Wie hoch Ihre Betriebsrente einmal ausfällt, hängt unter anderem von der Höhe der Beiträge, der Laufzeit und – im Fall einer Direktversicherung – auch von den Kosten des Rentenversicherungsvertrages ab. Wie viel am Ende auf Ihrem Konto landet, hängt zusätzlich von den Steuern und Sozialabgaben auf die spätere Rente ab. Je nach Vertragsschluss und der Höhe der Bruttorente können die Steuern und Sozialabgaben unterschiedlich hoch sein.

Wie viel Rente gibt es?

Klassische bAV-Rentenversicherung - In der Regel erhalten Sie einmal im Jahr eine sogenannte Standmitteilung. Darin steht, wie hoch Ihre Rente später ausfällt, sollten Sie den Vertrag bis zum Renteneintritt mit dem bestehenden Beitrag weiter besparen. Oft ist die Rente angegeben, die Sie garantiert erhalten, und die, die Sie erhalten würden, falls die Versicherung Überschüsse erwirtschaftet.

Beispiel: Über 30 Jahre fließen im Monat 100 Euro in Ihre bAV-Lebensversicherung, beim Renteneintritt sind inklusive Verzinsung garantiert etwa 39.000 Euro zusammen. Eine gute Versicherung sollte Ihnen im aktuellen Zinsumfeld am Ende eine garantierte Bruttorente von etwa 120 Euro im Monat bieten.

Fondsgebundene bAV-Rentenversicherung - Wie bei der klassischen bAV-Rentenversicherung erhalten Sie häufig einmal im Jahr eine Standmitteilung. Dort steht in der Regel, wie hoch das bereits angesparte Kapital ist und das mögliche Guthaben bei Renteneintritt. Die Rentenhöhe muss nicht zwangsläufig ausgewiesen sein. Viele Versicherer legen erst zum Rentenbeginn den sogenannten Rentenfaktor fest: Er gibt dann an, wie viel monatliche Rente Sie für jede 10.000 Euro angespartes Kapital erhalten.

Beispiel: Im Jahr 2037 gehen Sie in Rente und haben 50.000 Euro angespart. Aktuell rechnen Versicherer mit einem Rentenfaktor um die 28. Würde der in 20 Jahren noch gelten, hätten Sie 50.000 * 28 / 10.000 Euro = 140 Euro Betriebsrente brutto im Monat.

Hinweis: Erhalten Sie keine Standmitteilung, fragen Sie bei der Personalabteilung nach dem Stand Ihrer Rentenansprüche.

Direkte Pensionszusage - Fragen Sie bei der Personalabteilung nach, wo Sie den Stand Ihrer Vorsorge nachschauen können. Oft stellen Firmen Informationen im Intranet bereit. Suchen Sie nach einer jährlichen Abrechnung, die den Stand des Vermögens zeigt. Am besten stellt Ihre Firma Ihnen auch regelmäßig eine Hochrechnung für die spätere Rente zur Verfügung. Falls Sie diese Hochrechnung nicht finden, fragen Sie nach, wie sich die spätere Rente aus dem Guthabenstand ableiten lässt.

Wie viel Netto-Betriebsrente bleibt übrig?

Die spätere Brutto-Betriebsrente zu kennen, ist gut. Doch in aller Regel müssen Sie darauf Sozialabgaben und Steuern zahlen.

Sozialabgaben - Wer im Ruhestand in der gesetzlichen Krankenversicherung versichert ist, muss den vollen Krankenkassenbeitrag (2018 im Durchschnitt: 15,6 Prozent) und die Abgaben zur Pflegeversicherung (2018: 2,8 Prozent für Rentner ohne Kinder) auf seine Betriebsrente zahlen. Das ist erstmal viel.

Wirklich zahlen muss diese Abgaben nur, wessen Betriebsrente – neben anderen Versorgungsbezügen – rund 150 Euro im Monat übersteigt (Stand: 2018). Zu den Versorgungsbezügen gehören neben der Betriebsrente auch Ruhegeld aus einem früheren Beamtenverhältnis, Hinterbliebenenrenten oder Renten aus verminderter Erwerbsfähigkeit. Ob Sie unter der Grenze bleiben, weiß in der Regel Ihre Krankenkasse.

Hinweis: Im Juni und Juli 2018 diskutiert die Bundesregierung über eine Reform der Abgaben auf die Betriebsrente. Betriebsrentner sollen entlastet werden.

Beispiel: Rechnen Sie vereinfachend mit einer Belastung an Sozialabgaben von 18,5 Prozent. Würden Sie als Rentner 180 Euro monatliche Betriebsrente beziehen, müssten Sie etwa 33 Euro monatlich an die Sozialkassen zahlen. Falls Sie nur 120 Euro Rente aus einer Direktversicherung bekommen, müssten Sie dagegen keine Abgaben zahlen.

Einkommensteuer - Mit welcher Einkommensteuerbelastung Rentner in Bezug auf die Betriebsrente kalkulieren können, ist nicht ganz so einfach zu beantworten. Eine Näherung ist der Steuersatz, den Rentner auf ihr zu versteuerndes Einkommen im Alter bezahlen müssen. Dabei zählt die gesetzliche Rente erst im Jahr 2040 zu 100 Prozent ins zu versteuernde Einkommen hinein. Vorher gilt ein Freibetrag, 2018 sind zum Beispiel nur 76 Prozent der gesetzlichen Rente zu versteuern. 

Gesamtbelastung
Die Tabelle zeigt einige Musterfälle für Rentner, die 2040 den Ruhestand antreten. Bei einer gesetzlichen Jahresrente von 16.000 Euro geht von der Betriebsrente etwa ein Viertel an Steuern und Abgaben ab. Wer mehr verdient, muss mit Abzügen von mehr als 40 Prozent rechnen.

So viel bleibt von Ihrer Betriebsrente

Rentenbeginn Bruttoeinkommen im Jahr in € davon zu versteuern in € Durchschnitts- steuersatz in % Steuern und Sozialabgaben auf Betriebsrente in % Von je 100 € Betriebsrente verbleiben etwa
2040¹ 50.000 44.298 24,6 43,1 57 €
30.000 26.538 17,4 35,9 64 €
16.000 14.106 7,6 26,1 74 €

¹ Wer früher als 2040 in Rente geht, muss dank des Freibetrags auf die gesetzliche Rente in allen drei Fällen jeweils etwas weniger Steuern zahlen.
Quelle: Finanztip-Berechnung (Stand: 15. Dezember 2017)

Auch diese Rechnung stimmt nur, sofern Ihre Betriebsrente – neben anderen Versorgungsbezügen – die kritischen 150 Euro pro Monat übersteigt. Wer eine geringere Betriebsrenten bezieht, zahlt darauf nur Einkommensteuer. Bei einem Bruttoeinkommen von 16.000 Euro wären das um die 7 Prozent, bei einem Verdienst von 50.000 Euro etwa 25 Prozent.

Tipp: Eine Betriebsrente aus der Direktversicherung tragen Sie in Ihrer Einkommensteuererklärung in die Anlage R in das Feld 31 ein. Betriebsrenten aus Verträgen, die vor 2004 geschlossen wurden, kommen ins Feld 36. Eine Pension aus einer direkten betrieblichen Zusage hingegen muss in die Anlage N, in das Feld 11. Sie zählt zu den Einkünften aus nichtselbstständiger Arbeit.

Ausnahme Altverträge: Erspartes ist steuerfrei

Haben Sie vor 2005 begonnen, in eine bAV-Rentenversicherung einzuzahlen, sieht die Sache etwas anders aus. Sowohl Beiträge als auch die spätere Rente sind seit der Gesundheitsreform 2004 mit Sozialversicherungsbeiträgen belastet (sogenannte Doppelverbeitragung). Sie zahlen also den Arbeitnehmeranteil für die gesetzliche Krankenversicherung auf Ihre Beiträge in die bAV-Rentenversicherung und später auf die Rente sowohl den Arbeitnehmer- als auch den Arbeitgeberanteil. Auch fallen in der Sparphase pauschal 20 Prozent Steuern auf die Beiträge an.

Das sind viele Abgaben auf einmal. Und nicht wenige Sparer sind verärgert, dass die Beiträge auf die spätere Rente erst nach Vertragsabschluss eingeführt worden sind. Der große Vorteil ist allerdings: Ihr Erspartes ist steuerfrei. Voraussetzung ist, dass Sie sich das Guthaben bei Rentenbeginn auf einen Schlag auszahlen lassen.

Und keine Sorge: Wenn Sie entscheiden, sich das Ersparte als Einmalbetrag auszahlen zu lassen, müssen Sie nicht sofort ein knappes Fünftel davon an die Krankenkasse abführen. Die fälligen Beiträge werden stattdessen über zehn Jahre gestreckt und der Krankenkasse monatlich zugeführt.

Weitere Details zur Steuer bei der Direktversicherung und zu den Auszahlungsmöglichkeiten lesen Sie in den entsprechenden Ratgebern.

Lohnt sich Ihr Vertrag?

Finanziert Ihr Chef Ihre Betriebsrente direkt, lohnt sich das auf jeden Fall. Sie bekommen später eine Rente, ohne dafür jemals einen Cent einbezahlt zu haben.

Anders verhält es sich, wenn Sie aus Ihrem Bruttogehalt regelmäßig Geld in eine Direktversicherung stecken. Dann ist entscheidend, ob die Erleichterungen bei Steuern und Sozialabgaben in der Sparphase die Abgabenlast in der Rentenphase kompensieren können. 

Wann eine Direktversicherung gut ist

Eine gute Direktversicherung ist so gestrickt, dass Sparer das, was sie netto in den bAV-Vertrag gesteckt haben, nicht erst am Sankt-Nimmerleins-Tag komplett wieder herausbekommen – sondern im Alter von vielleicht 85 Jahren oder früher. Das ist in aller Regel der Fall, wenn

  • die spätere Betriebsrente die Untergrenze der Versorgungsbezüge nicht übersteigt (Stand 2018: 152,25 Euro),
  • der Arbeitgeber den Großteil des Beitrags übernimmt,
  • die Abschlusskosten und die laufenden Kosten des Vertrages gering sind und der Arbeitgeber noch 15 Prozent Ihrer Beiträge übernimmt.

Konkret bedeuten diese Punkte Folgendes:

Die Betriebsrente ist gering - Die Rendite einer Direktversicherung belastet es, dass gesetzlich krankenversicherte Sparer auf die spätere Rente den vollen Beitrag zur Krankenkasse (2017 im Durchschnitt: 15,7 Prozent) bezahlen müssen. Doch die Abgaben fallen nur an, wenn die Rente – zusammen mit anderen Versorgungsbezügen – eine bestimmte Grenze übersteigt. 2018 liegt diese bei 152,25 Euro, Tendenz steigend.

In der Regel schickt Ihnen der private Rentenversicherer einmal jährlich eine Standmitteilung. Dort können Sie ablesen, wie hoch die spätere Rente mit der aktuellen Überschussbeteiligung einmal ausfallen würde, falls Sie Ihre Raten bis zur Rente weiterhin so zahlen wie bisher. Steht dort ein Betrag von 100 Euro oder weniger, können Sie erstmal abwarten. Ihre Direktversicherung lohnt sich selbst dann, wenn die Vertragskosten höher sind und Ihr Chef nichts oder nur wenig dazugibt.

Der Zuschuss vom Arbeitgeber ist hoch - Übernimmt der Arbeitgeber den Löwenanteil der Beiträge für die Direktversicherung – drei Viertel oder mehr –, dann machen Sie ebenfalls weiter mit Ihrem Vertrag. Der Zuschuss vom Chef sollte mögliche hohe Vertragskosten kompensieren.

Die Kosten des Vertrages sind gering - Übernimmt Ihr Arbeitgeber nichts oder nur 15 Prozent Ihres Beitrags, sind die Vertragskosten entscheidend. Die Finanztip-Faustregel lautet: Nach Abzug aller Kosten sollte ein guter Vertrag eine jährliche Rendite von 2 Prozent erreichen (Nettorendite). Gibt der Arbeitgeber 15 Prozent Zuschuss auf Ihren Beitrag, lohnt sich der Vertrag wirklich. 

Rechenbeispiele dazu, wann sich die Direktversicherung lohnt, finden Sie im Ratgeber betriebliche Altersvorsorge und Entgeltumwandlung.

Wie können Sie herausfinden, wie teuer Ihr Vertrag ist?

Sie wollen wissen, ob die Kosten Ihres Vertrages in Ordnung sind. Da Ihnen der Versicherer eine solche Auskunft in der Regel nicht ohne Weiteres geben wird, müssen Sie selbst ran. Keine Sorge: Um die Rendite nach Kosten (Nettorendite) zu berechnen, genügen wenige Angaben. So geht’s:

  • Schauen Sie auf Ihrer Gehaltsabrechnung nach, wie viel Sie monatlich in Ihren bAV-Vertrag einzahlen und wie viel Ihr Arbeitgeber im Zweifel bereits zuschießt.
  • Prüfen Sie im Vertrag oder der letzten Standmitteilung das Datum, zu dem Sie begonnen haben einzuzahlen und schauen Sie nach dem Datum, zu dem die Sparphase enden soll.
  • Finden Sie in der Standmitteilung die Angabe zum garantierten Kapital bei Rentenbeginn.
  • Benutzen Sie jetzt unseren kleinen Rechner in der Excel-Tabelle, um die Nettoverzinsung des Vertrages zu ermitteln. Tragen Sie Ihre Angaben in die entsprechenden Felder ein.

Ein Beispiel:
Angenommen, Sie haben 2010 mit einer Direktversicherung begonnen, die 33 Jahre – bis Ende 2042 – laufen soll. Monatlich zahlen Sie 170 Euro ein, Ihr Chef gibt 30 Euro dazu. Halten Sie bis 2043 durch, hätten Sie gut 79.000 Euro an den Versicherer bezahlt. Dieser garantiert Ihnen dafür ein Kapital von gut 105.000 Euro.

Um am Ende auf die 105.000 Euro Guthaben zu kommen, verzinsen sich Ihre Beiträge mit etwa 1,7 Prozent im Jahr – nach allen Kosten. Diese Rechnung können Sie im unserem kleinen Rechner in der Excel-Tabelle nachvollziehen.

Bei den 2 Prozent jährlicher Nettoverzinsung, die Finanztip als Faustregel für einen guten Vertrag ansetzt, sind Sie damit noch nicht. Allerdings auch nicht so weit davon entfernt. Die Chance besteht, dass Sie dank jährlicher Überschüsse des Versicherers diese 2 Prozent noch erreichen können. Was die Kosten angeht, ist Ihr Vertrag also in Ordnung. 

Im Beispiel übernimmt Ihr Chef bereits etwas mehr als 15 Prozent Ihres Beitrags. Dadurch ist der „Deal“ insgesamt für Sie lohnend. Würden Sie die 200 Euro monatlichen Beitrag allein tragen, müssten Sie nach einem Zuschuss fragen. Wie Sie Verträge nachbessern können, lesen Sie auch im folgenden Kapitel.

Was tun, wenn zu wenig übrigbleibt?

Sie haben Ihren Vertrag geprüft und kommen zu dem Ergebnis, dass er sich nicht lohnt, weil er zu hohe Kosten hat und der Chef nichts oder zu wenig dazugibt. Dann sollten Sie versuchen, nachzubessern.

Zuschuss vom Chef fordern - Suchen Sie das Gespräch mit Ihrem Arbeitgeber (und/oder der Personalabteilung) und überzeugen Sie ihn, mehr als bislang zu Ihren Beiträgen zuzuschießen. Ein 15-prozentiger Zuschuss ist für bestehende Verträge ab 2022 ohnehin Pflicht. Vielleicht können Sie aber auch mehr Zuschuss verhandeln.

Einen besseren Vertrag finden - Fragen Sie nach, ob Sie nicht einen rentableren Vertrag abschließen können. Bei der Suche nach einem besseren Vertrag kann Ihnen ein Honorarberater behilflich sein. Vielleicht haben Sie auch eine frühere Direktversicherung mit besseren Konditionen, die Sie derzeit privat besparen und wieder aufleben lassen könnten. Häufig werden Arbeitgeber es ablehnen, wenn einzelne Mitarbeiter mit einer individuellen Direktversicherung ankommen. Es bedeutet für die Firma mehr Verwaltungsaufwand. Aber: Fragen kostet nichts.

Weniger in die bAV einzahlen - Müssen Sie mit dem alten Vertrag und ohne oder nur mit geringem Arbeitgeberzuschuss weitermachen, können Sie darüber nachdenken, den Beitrag zu reduzieren. Und zwar um so viel, dass die spätere Rente klein genug ist, dass keine Krankenversicherungsbeiträge darauf anfallen (Stand 2018: 152,25 Euro im Monat). Lassen Sie sich vom Versicherer die Garantie- und Überschussrenten für geringere Einzahlungen ausrechnen. Wichtig: Das Geld, das Sie nun weniger in Ihre Direktversicherung einzahlen, sollten Sie anderweitig für sich arbeiten lassen. Eine Möglichkeit wäre ein ETF-Sparplan. Der funktioniert mit Raten ab 25 Euro. 

Vertrag ruhend stellen und anderweitig investieren - Alternativ können Sie auch Ihre Einzahlungen beenden, den Vertrag also ruhend stellen. Das bereits ersparte Guthaben verzinst sich entsprechend der Garantie weiter, Verwaltungskosten fallen bis zur Rente auch weiter an. Dies könnte sinnvoll sein, wenn Sie ohnehin lieber finanziell wie auch beruflich flexibel bleiben möchten. Investieren Sie das Geld, das bisher in die Direktversicherung floss, dann zum Beispiel in einen ETF-Sparplan. Weitere Sparmöglichkeiten haben wir im Ratgeber private Altersvorsorge für Sie dargestellt.

Einfach kündigen geht nicht - Kündigen Sie, ist dies gleichbedeutend damit, dass der Vertrag ruhend gestellt wird. Sie vermeiden also weitere Einzahlungen. Ihre Beiträge (abzüglich Kosten) bekommen Sie nur dann zurück, wenn Ihr Rentenanspruch sehr gering ausfällt (knapp 30 Euro pro Monat, Stand: 2017) und der Vertrag dies auch zulässt. Die einschlägigen Paragrafen sind § 3 BetrAVG und § 18 SGB IV. Fragen Sie beim Versicherer und/oder der Personalabteilung nach.

Was tun bei Jobwechsel?

Wechseln Sie einmal den Job, ist es die Regel, dass der neue Arbeitgeber anbietet, dass Sie in einen neuen Direktversicherungsvertrag einbezahlen. Sie können dann entscheiden, ob Sie Ihr bisher angespartes Guthaben ohne weitere Kosten auf den neuen Vertrag übertragen.

Das Problem: Vor allem, wenn Ihr ursprünglicher Vertrag schon ein paar Jahre alt ist, wäre das ein schlechter Tausch. Im Gegensatz zu den älteren Verträgen bieten Verträge der vergangenen paar Jahre bieten kaum mehr Garantiezinsen. Ein Übertrag des Guthabens dürfte sich daher in den wenigsten Fällen lohnen.

Versuchen Sie stattdessen, den neuen Chef zu überzeugen, Ihren bestehenden Vertrag zu den alten Konditionen zu übernehmen. Will er das nicht – und das ist die Regel –, stellen Sie den bestehenden Vertrag ruhend und fragen den Chef beim neuen Vertrag nach einem ausreichend hohen Zuschuss.

Benutzen Sie unseren kleinen Rechner in der Excel-Tabelle, um grob zu überschlagen, wie hoch der Zuschuss ausfallen müsste, damit sich der Vertrag für Sie lohnt. Dabei gilt: Je schlechter die Konditionen des neuen Vertrages, umso höher muss der Zuschuss des Arbeitgebers ausfallen. 15 Prozent sind da im Zweifel nicht genug.



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Artikel verfasst von

Sara Zinnecker

Finanztip-Expertin für Bankprodukte

Sara Zinnecker ist Redakteurin im Team Bank & Geldanlage. Nach ihrem Volontariat an der Georg von Holtzbrinck-Schule für Wirtschaftsjournalisten schrieb sie beim Handelsblatt über Geldanlage und Altersvorsorge. Zuvor studierte Sara Zinnecker in Nürnberg, Italien und Portugal internationale Volkswirtschaftslehre mit Diplom-Abschluss, arbeitete bei Lokalzeitungen sowie der Süddeutschen Zeitung.