Einschätzung zum Zugewinnausgleich – männliche Perspektiven gefragt

  • Gelernt habe ich auch, dass der Scheidungsrichter/Staat darauf achtet, dass nicht durch ungünstige Regelungen später der Staat sozial einspringen muss.

    Das war 1989 leider anders... Ich bin ordentlich über den Tisch gezogen worden (keinen Unterhalt für mich, Minimum fürs Kind, Zugewinn wurde gar nicht geschaut). Der Mann war selbständig, hat bis zuletzt Schwarzarbeiter beschäftigt und sich arm gerechnet. Ich Hase habe ihn dann nochmal kennenlernen dürfen :thumbup:

  • Ich beziehe mich Mal nur auf die Moral.

    Du 100.000€, er 500.000€.

    Eigentlich müsste er dir 200.000€ geben (Nach Gesetz), er will aber nur 100.000€ geben. Wir reden also "nur" über eine Absenkung des Ausgleichs und keiner Verweigerung. (Nur um erstmal die Fakten darzustellen, wie ich sie verstehe)


    Ich selbst hab mir auch schon Gedanken gemacht, wie das bei mir und meiner Frau wäre, weil ich da mehrere Punkte sehe die Unfair wären.

    So wie ich es verstehe, habt ihr getrennt voneinander Geld verdient, verwaltet und angelegt. Er hat mehr verdient und, so klingt es, gewinnbringender angelegt.

    Ich finde, die Schwierigkeit liegt eher in der Unbekannten: Den Ausgaben. Als Beispiel von mir: Meine Frau und ich verdienen ähnlich, aber sie gibt ~1000€ im Monat für ihr Hobby aus (Pferd). Ich lege das Geld entsprechend eher an für die Rente. Entsprechend fände ich es unfair, wenn sie später Anspruch auf das Geld erheben würde, weil wir beide immer gleich viel hatten, aber sie es eben für sich ausgegeben hat.

    Beim Einkommen allerdings finde ich es fair, wenn man nicht darauf guckt. Sie hat noch eine Zeit lang studiert, als ich schon Geld verdient habe, das würde ich nicht gegenrechnen. Noch viel weniger würde ich mein Einkommen gegenrechnen während der Elternzeit. Da hat man zu teilen, fertig.

    Das ist meine persönliche Sicht. Dazu hast du aber wenig geschrieben. Also hat er sich bei Ausgaben zurückgehalten und du hast gerne Geld ausgegeben?

    Ein anderer, vergessener, Punkt: Rentenansprüche. Ich nehme an, die hast du nicht im Vermögen aufgeführt. Wie geht ihr damit um?

    Ein Punkt, an dem ich deinem Mann aber vllt etwas zustimme, moralisch: Wenn du dich getrennt hast, würde ich dir auch keinen Cent mehr geben, als ich moralisch vertretbar fänd. Den Ausgleich für die Kindererziehung, klar. Aber Ersparnisse? Für mich persönlich sind das Ersparnisse in der Ehe. Und wer die Ehe verlässt hat keinen Anspruch. Den der andere ist dann ja noch drin.

    Einfach mein moralischer Gedanke. Den eigentlich sollten sich beide Partner ja darauf verlassen können, dass man für immer zusammen bleibt und entsprechend auch planen können. Und da finde ich, sollte es auch Hürden geben, eine Scheidung zu forcieren. (Das ist aber wirklich nur meine persönliche Sichtweise, nicht das das jemand so wahrnimmt, als würde ich die Sichtweise auch von anderen verlangen)

  • Mir ist klar, dass dadurch, dass wir keinen Ehevertrag haben, hier die gesetzliche Regelung gelten würde, die zu meinen Gunsten ausfallen würde. Da wir gemeinsame Kinder haben, möchte ich aber eine friedliche Lösung erzielen, die für beide Ok ist. Ich möchte ihm also entgegenkommen, weiß nur nicht, ob sein Angebot fair ist.

    Wenn ihr keinen Vertrag habt, habt ihr euch doch auf die gesetzliche Regelung vereinbart. Warum sollte das jetzt nicht fair sein?

  • So wie ich es verstehe, habt ihr getrennt voneinander Geld verdient, verwaltet und angelegt. Er hat mehr verdient und, so klingt es, gewinnbringender angelegt.

    Es ist eine Zugewinngemeinschaft. Ganz einfach.

    Ich finde, die Schwierigkeit liegt eher in der Unbekannten: Den Ausgaben. Als Beispiel von mir: Meine Frau und ich verdienen ähnlich, aber sie gibt ~1000€ im Monat für ihr Hobby aus (Pferd). Ich lege das Geld entsprechend eher an für die Rente. Entsprechend fände ich es unfair, wenn sie später Anspruch auf das Geld erheben würde, weil wir beide immer gleich viel hatten, aber sie es eben für sich ausgegeben hat.

    Für welche Rente, deine oder eure? Ihr seid eine Zugewinngemeinschaft. Vielleicht solltet ihr über das Thema reden, wenn Erwartungen unausgesprochen durch die Ehe geschleppt werden.

    Und wer die Ehe verlässt hat keinen Anspruch.

    Oh je, dein privates Rechtsverständnis hat mit der heutigen Zeit nichts mehr zu tun. Am Scheitern sind immer zwei beteiligt. Wer geht, ist vielleicht der oder die Ehrlichere, Realistischere.

  • Ich kann den Gedankengang nachvollziehen. Habe darüber bei uns ähnlich nachgedacht. Wir haben das so organisiert, dass wir beide jeweils gleich viel netto zur Verfügung haben obwohl ich deutlich mehr verdiene. Gleichzeitig spare ich auf "mein" Depot deutlich mehr als sie auf ihres. Hinzu kommt, dass ich mit deutlich mehr Humankapital in die Ehe gekommen bin und man argumentieren könnte, dass das ja gar kein Zugewinn, sondern nur eine Umwandlung ist. Daher würde es mir im Falle einer Scheidung gehörig stinken, von "meinem" Depot was abzugeben.

    Aber: Als wir beim Standesamt waren, waren mir die Rahmenbedingungen alle bekannt. Da hätte ich das regeln müssen. Hab ich nicht, also ist es auch nicht "mein" Geld was mehr ist, sondern unser Geld, von dem ich nur einen größeren Teil auf meinem Depot verwalte und unser Geld, dass sie mehr verkonsumiert.

  • Genau deshalb finde ich es so wichtig, das schon während der Ehe entsprechend aufzuteilen.

    wie du ja in diesem Thread siehst hat die vermeintliche (bzw die vom Mann der TE gefühlte) Aufteilung dies gerade nicht verhindert, sondern statt dessen das gefühlte Problem für ihn sogar grösser gemacht. VOR der Ehe hätte er ggf einen Ehevertrag vorschlagen können - ob ihm dies bessere Gefühle gegeben hätte, kann ich nicht beurteilen.

    Und aus welchem er drei Konten wurde dieses Geld angespart?

    das ist vollkommen irellevant, das es sich um Gemeinschaftsvermögen innerhalb einer Zugewinnehe handelt.

    ich beziehe mich Mal nur auf die Moral.

    nein, du beziehst dich auf dein ganz persönlich individuelles Gerechtigkeitsempfinden

    Als Moral werden die Werte und Regeln bezeichnet, die in einer Gesellschaft allgemein anerkannt sind. Wenn man sagt, jemand hat „moralisch“ gehandelt, ist damit gemeint, dass er sich so verhalten hat, wie es die Menschen richtig und gut finden. (BpB.de)

    Wie du an den meisten anderen Antworten hier im Thread siehst, entspricht deine Bewertung eher nicht die der Allgemeinheit.

    Eigentlich müsste er dir 200.000€ geben (Nach Gesetz), er will aber nur 100.000€ geben. Wir reden also "nur" über eine Absenkung des Ausgleichs und keiner Verweigerung. (Nur um erstmal die Fakten darzustellen, wie ich sie verstehe)

    nicht "müsste", sondern "er muss".
    und wo hast du das mit den 100k gelesen, die er abgeben will? mMn stand dazu nichts im Text, es könnte also auch sein, dass er gar nichts abgeben will.

    Ich finde, die Schwierigkeit liegt eher in der Unbekannten: Den Ausgaben

    nope, denn es wäre eine Unmöglichkeit solch eine Aufrechnung über viele Jahre der Ehe mitzuführen (in denen eine dann auch noch viele Jahre wegen Kindererziehung karriere- und vermögenstechnisch zurückstecken musste).

    Wer entscheidet, welche Ausgaben gerechtfertigt sind, welche Kosten dem Gemeinschafts -oder aber den jeweiligen privaten Konten zuzurechnen sind?
    BSP: Mutter fährt Kinder ins Schwimmbad (weil 15 km vom Wohnort und kein ÖPNV) - ihr Eintritt gilt als Gemeinschaftskosten, oder doch eher "privat", weil sie ja auch selber eine begeisterte Schwimmerin ist? Du merkst schon: das wird ein Fass ohne Boden.

  • mein Mann: strategisch investieren und damit mehr Risiko eingehen, als das Geld auf dem TG-Konto zu packen, karrierefokussiert sind und viel Einsatz in ihre berufliche Entwicklung stecken

    habe deinen "Fall" gestern beim Berggehen meiner Frau erzählt ... und die ist deutlich emphatischer, als ich. Deshalb hier noch eine Einschätzung, die sie gemacht hat:

    dein Mann ist karrierebewusst (Status ist ihm wichtig??) und trotzdem verdienst du trotz Kinderausfallzeiten nun schon fast wieder genauso viel wie er? Hier könnte eine weitere Verletzung seiner "männlichen Ehre" liegen. Im Sinne von: Ehe hat nicht geklapppt, der einzige berufliche Überschallflieger bin ich auch nicht, und jetzt will sie auch noch das Geld, welches ich toller Hecht so gewinnbringend angelegt habe?

    Seine beste Chance, sich nun von dir im Status nach oben abzusetzen, liegt darin, dir deinen Anteil an eurem Zugewinnvermögen vorzuenthalten.

    Don't do it (Nike.de)

  • Zugewinngemeinschaft.. okay.


    Dann mal eine Frage:

    Ich hab als Mann bereits ein fettes Depot bei Eheschließung, Arbeite dann nicht/kaum und leb hauptsächlich vom Depot. Sie arbeitet voll und spart sich während der Ehe noch was zusammen da sie noch nicht viel vorgesorgt hat.

    1.) Bekomme ich dann bei einer Scheidung die Hälfte ihres während der Ehe gesparten Geldes? (Mein Depot Zugewinn hab ich ja zum Leben benutzt)


    2.) findet ihr das dann fair?

  • Zugewinngemeinschaft.. okay.


    Dann mal eine Frage:

    Ich hab als Mann bereits ein fettes Depot bei Eheschließung, Arbeite dann nicht/kaum und leb hauptsächlich vom Depot. Sie arbeitet voll und spart sich während der Ehe noch was zusammen da sie noch nicht viel vorgesorgt hat.

    1.) Bekomme ich dann bei einer Scheidung die Hälfte ihres während der Ehe gesparten Geldes? (Mein Depot Zugewinn hab ich ja zum Leben benutzt)


    2.) findet ihr das dann fair?

    Die Frau wird das schneller erkennen als du ahnst. Und dann ist sie weg.

  • Ich hab als Mann bereits ein fettes Depot bei Eheschließung, Arbeite dann nicht/kaum und leb hauptsächlich vom Depot. Sie arbeitet voll und spart sich während der Ehe noch was zusammen da sie noch nicht viel vorgesorgt hat.

    so ein Model (jeder zahlt für sich) nennt sich nicht Ehe, sondern Wohngemeinschaft.

    Spart euch das Geld für die Hochzeit!

    findet ihr das dann fair?

    so was fände ich seltsam. 🧐

  • ...
    Meine Frage an euch: Wie würdet ihr als Männer diese Situation einschätzen?

    Das ist keine Frage von männlicher oder weiblicher Sichtweise. Das ist eine Frage knallharter Interessensvertretung. Das macht Dein Mann, und Du machst das nicht.

    Ich als Mann - und danach hattest Du gefragt - sehe es so, dass ich alles bekomme und die Frau gar nichts. So geht man halt in Verhandlungen.

    In der Sache ist es aber klar: Jeder erhält zur Hälfte das, was während der Ehe erwirtschaftet wurde. Und wenn man darauf verzichtet, dann ist das eben so. Dafür erhältst Du aber nichts. 'Du kannst Dir ein gutes Verhältnis zu Deinem zukünftigen Ex nicht kaufen.

    "Fairness" interessiert mich in finanziellen Fragen wirklich überhaupt nicht. Ich nehme, was ich rechtmäßig bekommen kann.

  • Zugewinngemeinschaft.. okay.


    Dann mal eine Frage:

    Ich hab als Mann bereits ein fettes Depot bei Eheschließung, Arbeite dann nicht/kaum und leb hauptsächlich vom Depot. Sie arbeitet voll und spart sich während der Ehe noch was zusammen da sie noch nicht viel vorgesorgt hat.

    1.) Bekomme ich dann bei einer Scheidung die Hälfte ihres während der Ehe gesparten Geldes? (Mein Depot Zugewinn hab ich ja zum Leben benutzt)


    2.) findet ihr das dann fair?

    Mir erscheint bereits das aufrechte Eheleben nicht erstrebenswert und würde ich es so nicht lange mitmachen wollen

    Daher wäre im nahenden Scheidungsfall mein Vermögen noch nicht so stark angewachsen und das meines Partners noch nicht so stark verzehrt, dass sich diese Frage stellte.

    Es mag Konstellationen geben (Krankheit, unterschiedliches Pensionsantrittsalter mit unterschiedlichen Pensionen und Notwendigkeiten zum Verzehr etc) wo dieses Zusammenleben fair und für beide Seiten ok sein mag….aber in diesen Konstellationen ist es die Teilung bei Scheidung wohl auch, oder es gab von Anfang an einen Ehevertrag.

  • Hier geht’s nur um das Bild des bösen Mannes und Fairness wird mit ist Gesetz und Zugewinngemeinschaft abgetan, Wer sich trennt ist auch egal, Schuldfrage wird nicht gestellt.

    Trotz Gleichberechtigung wird die Frau immer in der armen Opferrolle gesehn und der Mann soll typischerweise zahlen bei der Scheidung weil es sich einfach so gehört.

    Ich kenne einige Paare, da arbeitet nur der Mann, die Frau macht Haushalt und Kinder, der Mann kommt dann aber von der Arbeit heim und macht trotzdem auch noch Haushalt und Kind mit und legt dann nicht die Füße hoch! Zusätzlich finanziert er das gesamte Familienleben, hat also die finanzielle Verantwortung.

    Also gute Männer.

    So, und jetzt sagen wir mal die Frau hat irgendwann kein Bock mehr, lässt sich scheiden, geht vielleicht sogar fremd.

    Ach egal, da gehören ja immer zwei dazu! Ach, der Mann konnte in der Zeit noch ein wenig anparen? Hälfte davon geht zur Frau. Kindergeld natürlich auch, bisschen darf er seine Kinder ja als noch sehen als Trostpreis.


    Und zu meinem Beispiel oben in #71 … das findet ihr unfair? Das dachte ich mir! Anders rum hättet ihr aber sicher kein Problem damit.

    Pepekeke warum soll das Zusammenleben so nicht fair sein? Wenn das Geld langt, warum muss der Mann entsprechend weiter arbeiten und darf es nicht lockerer angehen lassen? Muss er voll arbeiten nur um noch weiteres (unnötiges) Vermögen anzusparen? Von wo kommt das Vermögen? Vielleicht hat er sich ja bisher kaum was gegönnt und deswegen so viel sparen können und will jetzt einfach mal etwas leben - von dem was er schon geleistet hat.

  • Bei manchen Männern ist die Frage, warum eine (Ehe)Frau überhaupt bleiben sollte.

    Was den Einsatz von Vollzeit arbeitenden Ehemännern abends anbelangt - da ist die Frage, ob es nur um.die netten Sachen geht wie Gutenachtsagen oder um auch öden Haushalt, Schulgespräche, um ein Kind im Trotzalter, ein Kind in der Pubertät kümmern usw.

    Es gib zig Variationen von Zusammenarbeit.

    Kenne welche, die das gemeinschaftlich hinbekommen. Ohne Hetze, ohne Neid, ohne Opfer.



  • Pepekeke warum soll das Zusammenleben so nicht fair sein? Wenn das Geld langt, warum muss der Mann entsprechend weiter arbeiten und darf es nicht lockerer angehen lassen? Muss er voll arbeiten nur um noch weiteres (unnötiges) Vermögen anzusparen? Von wo kommt das Vermögen? Vielleicht hat er sich ja bisher kaum was gegönnt und deswegen so viel sparen können und will jetzt einfach mal etwas leben - von dem was er schon geleistet hat.

    Ich sagte eigentlich:

    Mir erscheint bereits das aufrechte Eheleben nicht erstrebenswert und würde ich es so nicht lange mitmachen wollen

    Eine Beziehung in der die Partner in völlig anderen Strukturen leben finde ich schwierig zu führen.

    Eine:r spielt Golf und frönt dem Müßiggang und eine:r arbeitet den ganzen Tag.

    Das kann für mich auf Dauer nicht gut gehen weil Gleichklang und das Aufeinanderschauen fehlen (jedenfalls in deinem platten Beispiel). Ich wünsche mir für meine Beziehung dass beide miteinander ein ähnlich angenehmes oder ähnlich anstrengendes Leben führen können.

    Bei unterschiedlichem Pensionsantrittsalter klaffen die Realitäten zeitweise auseinander, aber davor und danach war es im Lot.

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