Wechsel in PKV?

  • Danke für deine Einschätzung, sam51. Ich schrieb dazu, dass ich die Einordnung für mich mache - mit meinen PKV Zahlen. Ja, du hast recht: Ändere ich Zahlen, dann ändert sich das Ergebnis ;).

    Dein Einwand mit der Kapitalentnahme stimmt: Von der Kaptialentnahme ist nur der Gewinnanteil zu berücksichtigen, auch bei der Beitragsberechnung zur freiwillig versicherten GKV.

  • Wow, danke für die Rechenbeispiele! Wenn man davon ausgeht, dass man auch in der Rentenzeit freiwillig GKV-versichert sein wird, dann spricht eigentlich alles für einen Wechsel in die PKV. Die einzige Frage die bleibt ist dann nur, wie sich die PKV-Beiträge im Vergleich zur GKV in den nächsten 30 Jahren entwickeln. Da fehlt uns allen wohl die Glaskugel, wobei ich eher denke, dass beide etwa gleicht stark steigen werden, da die medizinische Inflation für beide System der Preistreiber sein wird. Bei der GKV kommt halt noch die demographische Entwicklung dazu...

  • Wow, danke für die Rechenbeispiele! Wenn man davon ausgeht, dass man auch in der Rentenzeit freiwillig GKV-versichert sein wird, dann spricht eigentlich alles für einen Wechsel in die PKV. Die einzige Frage die bleibt ist dann nur, wie sich die PKV-Beiträge im Vergleich zur GKV in den nächsten 30 Jahren entwickeln. Da fehlt uns allen wohl die Glaskugel, wobei ich eher denke, dass beide etwa gleicht stark steigen werden, da die medizinische Inflation für beide System der Preistreiber sein wird. Bei der GKV kommt halt noch die demographische Entwicklung dazu...

    Ich persönlich glaube nicht, dass die KVdR abgeschafft wird, solange es das Nebeneinander von GKV und PKV (horizontales System aus GKV und PKV) gibt. Warum? Weil dann u. U. noch mehr Gutverdiener in die PKV wechseln würden. Dieser Gefahr sind sich die Entscheider bewusst. Sobald es ein einheitliches Gesundheitssystem (z. B. vertikales System aus GKV und PKV) gibt, ist es durchaus einführbar (und meiner Ansicht nach auch absolut gerecht), dass alle Einkunftsarten verbeitragt werden. Dies käme auch unserer Wirtschaft entgegen, weil diese dann entlastet würde.

    Die medizinische Inflation betrifft beide Systeme (GKV und PKV). Jedoch kann man im Solidarsystem besser steuern, dass sozial schwache Personen und Rentner nicht zu stark finanziell belastet werden. Dies sieht in der PKV anders aus. Gibt es über viele Jahre eine hohe medizinische Inflation, die zu hohen Leistungsausgaben und damit Beitragssteigerungen führt, werden auch Rentner finanziell stark belastet.

    Bsp.: Betrachtet man die rasanten Entwicklungen bei den Gen-Therapien, dann ist durchaus denkbar, dass in den nächsten Jahren die Leistungsausgaben der älteren Generation für Arzneimittel stark ansteigen werden. Und dies wird sich dann unmittelbar in den Beiträgen der Versicherten (also auch der Alterskohorte der älteren Generation) niederschlagen.

  • Für mich ist es einfach nicht nachvollziehbar, dass in der GKV die Gruppe der Rentner, die die höchsten Ausgaben erzeugen, den geringsten Beitrag zahlen. Der Rentner mit dem Millionendepot zahlt weniger als der Familienvater mit einem mittleren Einkommen. Ich persönlich finde, dass dieses System gerade vor dem Hintergrund zukünftiger großer finanzieller Probleme der GKV längst abgeschafft gehört. Aber wahrscheinlich führt die Altersstruktur der Wahlberechtigten dazu, dass sich auch in Zukunft kein Politiker an dieses Thema ran wagen wird, sodass es auch noch in 30 Jahren die KVdR gibt...

  • Was man allerdings sehr deutlich erkennen kann: der freiwillig GKV-Versicherte ist gekniffen. Wer also über der Beitragsbemessungsgrenze liegt oder bei selbständiger Tätigkeit in der GKV bleibt, wird stark benachteiligt. Und wie ich aus Gesprächen erfahren habe, wissen die meisten in Zukunft Betroffenen gar nichts davon, was zu einem bösen Erwachen führen dürfte.

    Frage zum diesem Absatz: Ich dachte, die Unterscheidung pflicht- vs. freiwillig versichert folgt bei den Rentnern anderen Regeln?

    Meine Annahme: Als Voraussetzung für pflichtversichert muss man in der zweiten Hälfte des Erwerbslebens mind. 90% GKV versichert gewesen sein. Ich dachte, es es ist dabei unerheblich, ob man in dieser Zeit pflicht- oder freiwillig versichert war (also über oder unter der Jahresentgelt-Grenze lag). Ob ich dann während der Rentenbezugszeit über Jahresentgeltgrenze oder Beitragsbemessungsgrenze liege, ist ebenfalls irrelevant.

    Konkret: Angenommen, ich war mein ganzes Lebens freiwillig gesetztlich versichert, da ich stets über der Jahresentgeltgrenze lag, und gehe dann in Rente. Dann müsste ich in der KVdR pflichtversichert sein und (zumindest nach heutiger Gesetzgebung) nur auf die Rente Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge zahlen.
    --> So korrekt?


    Grundsätzlich treiben mich genau dieselben Sorgen um wie PapaPacini. Ich hatte mich vor 5 Jahren schon einmal ausführlich mit dem Thema PKV auseinandergesetzt und mich letztendlich dagegen entschieden. Mein Hauptgrund war, dass ich mich nicht der "BlackBox"-Kalkulation eines PKV-Anbieters ausliefern wollte (ich hatte sogar mal die Berechnungslogik bei einer PKV angefragt, ist aber Betriebsgeheimnis - hat bei mir nicht gerade Vertrauen geschaffen).

    Jetzt frage ich mich, ob der Staat nicht das viel größere Risiko ist. Ich habe die letzten Tage viel gerechnet. Mittlerweile bin ich für die Versicherung schon 40 Jahre. Aber ich bin top gesund. Mittlerweile ein Kind, ein zweites ist geplant. Ich habe mal alles in ein Excel gehauen für eine grobe Überschlagung. Dabei komme ich auf Mehrkosten der PKV bis zum Rentenstart von 42T€. Weitere 117T€ falls ich 90 Jahre alt werde, weitere 99T€ falls ich 100 werde. Insgesamt lägen die Mehrkosten also bei 258T€ im Falle eines Erreichens der 100 Jahre.

    Annahmen dafür:

    PKV

    • Mein PKV-Beitrag wäre 900€. Die Kinder starten mit 250€, mit 15 springt der Beitrag der Kinder um 40%, mit 21 um weitere 15%.
    • Alle PKV Beiträge (meine + Kinder) steigen jährlich um 3.5%. Die obigen Sprünge bei den Kindern sind zusätzlich.
    • Die Kinder sind mit 25 Jahren (noch vor meinem Renteneintritt) raus, haben also eigene Versicherungen.
    • Meinen eigenen PKV Beitrag kann ich zu 80% von der Steuer absetzen, den der Kinder vollständig.
    • Ab Renteneintritt steigt meine PKV nur noch um 2,3%.
    • Entfall der 10% Zulage ab 60 und des Krankentagesgeldes habe ich (noch) vernachlässigt.


    GKV

    • Ich verdiene deutlich über Beitragsbemessungsgrenze (BBG). Ich gehe daher davon aus, dass ich immer bis zur BBG zahlen muss.
    • Die BBG steigt jedes Jahr um 3,5%. Entspricht im Jahr 2050 ca. 159T€.
    • Zusätzlich steigen die Beiträge für KV/PV jedes Jahr um 0,2%. Entspricht in 2050 25,6%.
    • Beiträge sind zu 100% von der Steuer absetzbar.
    • Ich komme in die Pflichtversicherung der KVdR, also nur Beiträge auf Rente, nicht auf Kapital/Miete...
    • Auf meine Betriebsrente muss ich vollständig KV/PV zahlen (den Freibetrag von ~176€ habe ich vernachlässigt).

    Für beide Szenarien GKV & PKV

    • AG-Anteil wird während der Erwerbsphase voll genutzt.
    • In der Rente bekomme ich die 8,75% KV-Zuschuss auf meine gesetzliche Rente von der Rentenversicherung (macht zum Rentenstart ca. 280€, wenn ich meinem Bescheid von Rentenversicherung zu meiner zukünftigen Rente vertrauen kann).
    • Gesetzliche Rente steigt jedes Jahr um 2%.


    Ich muss ebenfalls bedenken, dass ich mit gesetzlicher Rente + Betriebsrente gut dran sein werde, d.h. in der Rente müsste ich auch recht viel zahlen, wenn ich in der GKV bliebe. Dennoch bei weitem nicht so viel wie in der PKV - siehe die Zahlen oben.

    Kann jemand einen kurzen Plausicheck machen, ob das halbwegs realistisch ist?

    Danke!

  • Deine Rechnung ist grundsätzlich plausibel. Allerdings triffst du viele annahmen und betrachtest einen sehr langen Zeitraum. Da kann so vieles passieren (in beide Richtungen) so dass man zu dem Ergebnis kommen muss das man es nicht sicher wissen kann.

    Die Entscheidung für oder gegen PKV sollte auch nicht rein monetär getroffen werden.

  • Um eine Orientierung zur möglichen Nettorente bei verschiedenen Einnahmearten (GRV, Betriebsrente, Kapitalentnahmen) zu erhalten, habe ich testweise einen Rechner bauen lassen.

    Wer mag, kann damit mal spielen und gerne eine Rückmeldung geben. Da können Fehler enthalten sein. Wer solche fIndet: Gerne eine Rückmeldung schreiben.

    Es ist eine HTML Datei, die wird im Browserfenster geöffnet. Damit ich es bereitstellen kann, habe ich die Datei als zip komprimiert. (HTML darf ich nicht hochladen, glaube ich)

    HINWEIS: Das ist "mein Spielzeug" - keine offizielle oder verbindliche Rechenmaschine für Rentenhöhe oder GKV Beiträge.

  • Hinweis zum methodischen Ansatz.


    Die Bezugsgröße wird jährlich anhand des Durchschnittsentgeltes in der Rentenversicherung angepasst, mit ähnlichen Raten wie die Beitragsbemessungsgrenze. Der Freibetrag (KV) bzw. die Freigrenze (PV) liegt bei 5% davon, aktuell sind wir somit knapp unter 200 EUR monatlich.