Wechsel in PKV?

  • Danke für deine Einschätzung, sam51. Ich schrieb dazu, dass ich die Einordnung für mich mache - mit meinen PKV Zahlen. Ja, du hast recht: Ändere ich Zahlen, dann ändert sich das Ergebnis ;).

    Dein Einwand mit der Kapitalentnahme stimmt: Von der Kaptialentnahme ist nur der Gewinnanteil zu berücksichtigen, auch bei der Beitragsberechnung zur freiwillig versicherten GKV.

  • Wow, danke für die Rechenbeispiele! Wenn man davon ausgeht, dass man auch in der Rentenzeit freiwillig GKV-versichert sein wird, dann spricht eigentlich alles für einen Wechsel in die PKV. Die einzige Frage die bleibt ist dann nur, wie sich die PKV-Beiträge im Vergleich zur GKV in den nächsten 30 Jahren entwickeln. Da fehlt uns allen wohl die Glaskugel, wobei ich eher denke, dass beide etwa gleicht stark steigen werden, da die medizinische Inflation für beide System der Preistreiber sein wird. Bei der GKV kommt halt noch die demographische Entwicklung dazu...

  • Wow, danke für die Rechenbeispiele! Wenn man davon ausgeht, dass man auch in der Rentenzeit freiwillig GKV-versichert sein wird, dann spricht eigentlich alles für einen Wechsel in die PKV. Die einzige Frage die bleibt ist dann nur, wie sich die PKV-Beiträge im Vergleich zur GKV in den nächsten 30 Jahren entwickeln. Da fehlt uns allen wohl die Glaskugel, wobei ich eher denke, dass beide etwa gleicht stark steigen werden, da die medizinische Inflation für beide System der Preistreiber sein wird. Bei der GKV kommt halt noch die demographische Entwicklung dazu...

    Ich persönlich glaube nicht, dass die KVdR abgeschafft wird, solange es das Nebeneinander von GKV und PKV (horizontales System aus GKV und PKV) gibt. Warum? Weil dann u. U. noch mehr Gutverdiener in die PKV wechseln würden. Dieser Gefahr sind sich die Entscheider bewusst. Sobald es ein einheitliches Gesundheitssystem (z. B. vertikales System aus GKV und PKV) gibt, ist es durchaus einführbar (und meiner Ansicht nach auch absolut gerecht), dass alle Einkunftsarten verbeitragt werden. Dies käme auch unserer Wirtschaft entgegen, weil diese dann entlastet würde.

    Die medizinische Inflation betrifft beide Systeme (GKV und PKV). Jedoch kann man im Solidarsystem besser steuern, dass sozial schwache Personen und Rentner nicht zu stark finanziell belastet werden. Dies sieht in der PKV anders aus. Gibt es über viele Jahre eine hohe medizinische Inflation, die zu hohen Leistungsausgaben und damit Beitragssteigerungen führt, werden auch Rentner finanziell stark belastet.

    Bsp.: Betrachtet man die rasanten Entwicklungen bei den Gen-Therapien, dann ist durchaus denkbar, dass in den nächsten Jahren die Leistungsausgaben der älteren Generation für Arzneimittel stark ansteigen werden. Und dies wird sich dann unmittelbar in den Beiträgen der Versicherten (also auch der Alterskohorte der älteren Generation) niederschlagen.

  • Für mich ist es einfach nicht nachvollziehbar, dass in der GKV die Gruppe der Rentner, die die höchsten Ausgaben erzeugen, den geringsten Beitrag zahlen. Der Rentner mit dem Millionendepot zahlt weniger als der Familienvater mit einem mittleren Einkommen. Ich persönlich finde, dass dieses System gerade vor dem Hintergrund zukünftiger großer finanzieller Probleme der GKV längst abgeschafft gehört. Aber wahrscheinlich führt die Altersstruktur der Wahlberechtigten dazu, dass sich auch in Zukunft kein Politiker an dieses Thema ran wagen wird, sodass es auch noch in 30 Jahren die KVdR gibt...

  • Was man allerdings sehr deutlich erkennen kann: der freiwillig GKV-Versicherte ist gekniffen. Wer also über der Beitragsbemessungsgrenze liegt oder bei selbständiger Tätigkeit in der GKV bleibt, wird stark benachteiligt. Und wie ich aus Gesprächen erfahren habe, wissen die meisten in Zukunft Betroffenen gar nichts davon, was zu einem bösen Erwachen führen dürfte.

    Frage zum diesem Absatz: Ich dachte, die Unterscheidung pflicht- vs. freiwillig versichert folgt bei den Rentnern anderen Regeln?

    Meine Annahme: Als Voraussetzung für pflichtversichert muss man in der zweiten Hälfte des Erwerbslebens mind. 90% GKV versichert gewesen sein. Ich dachte, es es ist dabei unerheblich, ob man in dieser Zeit pflicht- oder freiwillig versichert war (also über oder unter der Jahresentgelt-Grenze lag). Ob ich dann während der Rentenbezugszeit über Jahresentgeltgrenze oder Beitragsbemessungsgrenze liege, ist ebenfalls irrelevant.

    Konkret: Angenommen, ich war mein ganzes Lebens freiwillig gesetztlich versichert, da ich stets über der Jahresentgeltgrenze lag, und gehe dann in Rente. Dann müsste ich in der KVdR pflichtversichert sein und (zumindest nach heutiger Gesetzgebung) nur auf die Rente Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge zahlen.
    --> So korrekt?


    Grundsätzlich treiben mich genau dieselben Sorgen um wie PapaPacini. Ich hatte mich vor 5 Jahren schon einmal ausführlich mit dem Thema PKV auseinandergesetzt und mich letztendlich dagegen entschieden. Mein Hauptgrund war, dass ich mich nicht der "BlackBox"-Kalkulation eines PKV-Anbieters ausliefern wollte (ich hatte sogar mal die Berechnungslogik bei einer PKV angefragt, ist aber Betriebsgeheimnis - hat bei mir nicht gerade Vertrauen geschaffen).

    Jetzt frage ich mich, ob der Staat nicht das viel größere Risiko ist. Ich habe die letzten Tage viel gerechnet. Mittlerweile bin ich für die Versicherung schon 40 Jahre. Aber ich bin top gesund. Mittlerweile ein Kind, ein zweites ist geplant. Ich habe mal alles in ein Excel gehauen für eine grobe Überschlagung. Dabei komme ich auf Mehrkosten der PKV bis zum Rentenstart von 42T€. Weitere 117T€ falls ich 90 Jahre alt werde, weitere 99T€ falls ich 100 werde. Insgesamt lägen die Mehrkosten also bei 258T€ im Falle eines Erreichens der 100 Jahre.

    Annahmen dafür:

    PKV

    • Mein PKV-Beitrag wäre 900€. Die Kinder starten mit 250€, mit 15 springt der Beitrag der Kinder um 40%, mit 21 um weitere 15%.
    • Alle PKV Beiträge (meine + Kinder) steigen jährlich um 3.5%. Die obigen Sprünge bei den Kindern sind zusätzlich.
    • Die Kinder sind mit 25 Jahren (noch vor meinem Renteneintritt) raus, haben also eigene Versicherungen.
    • Meinen eigenen PKV Beitrag kann ich zu 80% von der Steuer absetzen, den der Kinder vollständig.
    • Ab Renteneintritt steigt meine PKV nur noch um 2,3%.
    • Entfall der 10% Zulage ab 60 und des Krankentagesgeldes habe ich (noch) vernachlässigt.


    GKV

    • Ich verdiene deutlich über Beitragsbemessungsgrenze (BBG). Ich gehe daher davon aus, dass ich immer bis zur BBG zahlen muss.
    • Die BBG steigt jedes Jahr um 3,5%. Entspricht im Jahr 2050 ca. 159T€.
    • Zusätzlich steigen die Beiträge für KV/PV jedes Jahr um 0,2%. Entspricht in 2050 25,6%.
    • Beiträge sind zu 100% von der Steuer absetzbar.
    • Ich komme in die Pflichtversicherung der KVdR, also nur Beiträge auf Rente, nicht auf Kapital/Miete...
    • Auf meine Betriebsrente muss ich vollständig KV/PV zahlen (den Freibetrag von ~176€ habe ich vernachlässigt).

    Für beide Szenarien GKV & PKV

    • AG-Anteil wird während der Erwerbsphase voll genutzt.
    • In der Rente bekomme ich die 8,75% KV-Zuschuss auf meine gesetzliche Rente von der Rentenversicherung (macht zum Rentenstart ca. 280€, wenn ich meinem Bescheid von Rentenversicherung zu meiner zukünftigen Rente vertrauen kann).
    • Gesetzliche Rente steigt jedes Jahr um 2%.


    Ich muss ebenfalls bedenken, dass ich mit gesetzlicher Rente + Betriebsrente gut dran sein werde, d.h. in der Rente müsste ich auch recht viel zahlen, wenn ich in der GKV bliebe. Dennoch bei weitem nicht so viel wie in der PKV - siehe die Zahlen oben.

    Kann jemand einen kurzen Plausicheck machen, ob das halbwegs realistisch ist?

    Danke!

  • Deine Rechnung ist grundsätzlich plausibel. Allerdings triffst du viele annahmen und betrachtest einen sehr langen Zeitraum. Da kann so vieles passieren (in beide Richtungen) so dass man zu dem Ergebnis kommen muss das man es nicht sicher wissen kann.

    Die Entscheidung für oder gegen PKV sollte auch nicht rein monetär getroffen werden.

  • Um eine Orientierung zur möglichen Nettorente bei verschiedenen Einnahmearten (GRV, Betriebsrente, Kapitalentnahmen) zu erhalten, habe ich testweise einen Rechner bauen lassen.

    Wer mag, kann damit mal spielen und gerne eine Rückmeldung geben. Da können Fehler enthalten sein. Wer solche fIndet: Gerne eine Rückmeldung schreiben.

    Es ist eine HTML Datei, die wird im Browserfenster geöffnet. Damit ich es bereitstellen kann, habe ich die Datei als zip komprimiert. (HTML darf ich nicht hochladen, glaube ich)

    HINWEIS: Das ist "mein Spielzeug" - keine offizielle oder verbindliche Rechenmaschine für Rentenhöhe oder GKV Beiträge.

  • Hinweis zum methodischen Ansatz.


    Die Bezugsgröße wird jährlich anhand des Durchschnittsentgeltes in der Rentenversicherung angepasst, mit ähnlichen Raten wie die Beitragsbemessungsgrenze. Der Freibetrag (KV) bzw. die Freigrenze (PV) liegt bei 5% davon, aktuell sind wir somit knapp unter 200 EUR monatlich.

  • Gerade bei Terminvergaben gibt schon häufiger noch einen gewissen "Kollegenbonus" oder man hat entsprechende Kontakte zu den anderen Fachbereichen, sodass hier der PKV-Vorteil nicht ganz so entscheidend ist.

    Während Ihrer aktiven Berufstätigkeit ist das sicher so. Erlebe ich auch bei meiner Frau. Als Rentner, wenn man im Zweifel häufiger medizinische Leistungen benötigt, werden die Studienfreunde und Kollegen, die noch arbeiten weniger und man steht dann irgendwann doch mit den anderen GKV Patienten in der Schlange. Wo der Kollegenbonus gar nichts hilft sind Medikamente.

    Dr. Schlemann unabhängige Finanzberatung GmbH
    Von Finanztip empfohlene Spezialisten für Berufsunfähigkeit und private Krankenversicherung | Angaben gem. § 11 VersVermV, § 12 FinVermV: https://schlemann.com/erstinformationen | Beiträge in der Finanztip Community erstelle ich mit größtmöglicher Sorgfalt, jedoch ohne Gewähr für Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität. Deren Nutzung erfolgt auf eigene Gefahr.

  • Die Annahme, dass die PKV im Alter teurer ist, beruht doch hauptsächlich auf der Annahme, dass der Eintritt in die KVdR möglich ist, oder? Falls man davon ausgeht, dass dies in 30 Jahren nicht mehr möglich ist und dann auch Kapitalerträge etc. zur Beitragsbemessung dazu zählen und somit der GKV-Maximalbeitrag gezahlt werden müsste, dann sähe das Ganze ja wieder anders aus. Ich kann mir irgendwie nicht vorstellen, dass die Regelung der KVdR die nächsten 30 Jahre so weiter läuft.

    Messerscharf erkannt! :thumbup:

    Zumal Sie beide als Versorgungswerks-Mitglieder nach aktuellem Stand nur dann KVdR Mitglieder werden, wenn Sie parallel noch Ansprüche aus der gesetzlichen Rentenversicherung haben. Ansonsten sind Sie bereits jetzt mit Ihrer gesamten wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit GKV-beitragspflichtig. Und sobald - wie m.E. absehbar - das Schlupfloch für VSW Mitglieder mit kleiner GRV-Rente geschlossen wird sowieso.

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  • ... die Gruppe ... , die die höchsten Ausgaben erzeugen, den geringsten Beitrag zahlen.


    Easy: Google mal Solidargemeinschaft*. Und zusätzlich Generationenvertrag.

    Finde dann auch nicht okay, dass Kinder, Schwerkranke, Schwerbehinderte usw. nichts beitragen... Merkste selbst, ne?

    *Kleiner Tipp: Mitglieder der Gemeinschaft zahlen nach ihrer finanziellen Leistungsfähigkeit in einen Topf und bekommen - UNABHÄNGIG von ihrem Beitrag - im Fall der Fälle die notwendigen Leistungen gemäß Katalog.

  • Frage zum diesem Absatz: Ich dachte, die Unterscheidung pflicht- vs. freiwillig versichert folgt bei den Rentnern anderen Regeln?

    Meine Annahme: Als Voraussetzung für pflichtversichert muss man in der zweiten Hälfte des Erwerbslebens mind. 90% GKV versichert gewesen sein. Ich dachte, es es ist dabei unerheblich, ob man in dieser Zeit pflicht- oder freiwillig versichert war (also über oder unter der Jahresentgelt-Grenze lag). Ob ich dann während der Rentenbezugszeit über Jahresentgeltgrenze oder Beitragsbemessungsgrenze liege, ist ebenfalls irrelevant.

    Konkret: Angenommen, ich war mein ganzes Lebens freiwillig gesetztlich versichert, da ich stets über der Jahresentgeltgrenze lag, und gehe dann in Rente. Dann müsste ich in der KVdR pflichtversichert sein und (zumindest nach heutiger Gesetzgebung) nur auf die Rente Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge zahlen.
    --> So korrekt?

    Genau so ist es, wenn man einen Anspruch auf eine gesetzliche Rente hat.


  • Deine Ausführungen sind nach aktueller Lage halbwegs plausibel. Auf die Punkte, die ich grundlegend anders sehe, gehe ich gleich ein. Aber vorab noch stimme ich dir zu, denn meine Erfahrung ist auch, dass die Kalkulation der PKV eine Black-Box ist. Vor allem die Verwendung der Überschüsse aus der RfB zur Beitragsstabilisierung scheint doch sehr unterschiedlich gehandhabt zu werden. Diese werden meiner Erfahrung nach nicht tarifgenau (also für die Tarife, in denen sie entstanden sind), sondern tarifübergreifend eingesetzt. D. h. als Versicherter ist man zum Teil auch dem Handeln des Versicherers ausgeliefert. Auch bei Versicherern, die alle paar Jahre neue Tarifserien auf den Markt bringen, muss man etwas vorsichtig sein. Denn es ist durchaus denkbar, dass sie neue Tarifserien aufmachen, weil in den alten Tarifserien die Beiträge anfangs aus Marketinggründen viel zu knapp kalkuliert waren und dann im Laufe der Jahre die Beiträge regelrecht "explodieren". Spätestens wenn diese Tarife geschlossen werden, tritt nach einigen Jahren oftmals der Vergreisungseffekt ein, weil der Risikoausgleich zwischen Jung und Alt, der über die Überschussverwendung realisiert wird, nicht stattfindet.

    Nun die Punkte, die ich etwas anders sehe:

    (1) "Alle PKV Beiträge (meine + Kinder) steigen jährlich um 3.5%." : Die Tarife in deinem Gesamtpaket, die für die Steigerung verantwortlich sind, sind die, die von der medizinischen Inflation abhängen. Dies sind die KV-Tarife (ambulant, stationär, Zahn), also nicht z. B. der Beitragsentlastungstarif oder der Tarif für das Krankentagegeld. Ich würde für diese KV-Tarife eher mit einem Wert zwischen 3,5 % und 5,0 % pro Jahr rechnen. Und das über die gesamte Versicherungslaufzeit. Damit zum zweiten Punkt ...

    (2) "Ab Renteneintritt steigt meine PKV nur noch um 2,3%." : Woher stammt dieser Wert? Ich würde mich an deiner Stelle nicht von irgendwelchen Werten, die z. B. vom PKV-Verband oder irgendwelchen Maklern verbreitet werden, irritieren lassen. Wenn du die Zeit vom Alter 60 bis statistischem Lebensende (Annahme: 85 Jahre) betrachtest, wird sich dein Beitrag im Durchschnitt um weniger als 3,5 % bis 5,0 % pro Jahr erhöhen. Warum? Weil man den Wegfall vom Gesetzlichen Beitragszuschlag und vom Krankentagegeld sowie die Verwendung der Mittel aus dem Gesetzlichen Beitragszuschlag sowie den Überzinsen einrechnen muss. Gäbe es diese Entlastungsfaktoren nicht, würde der Beitrag weiterhin um 3,5 % bis 5,0 % steigen. Eventuell sogar noch etwas stärker aufgrund der bei jeder Beitragserhöhung erforderlichen Nachreservierung der vorhandenen Altersrückstellungen. Man spricht hier auch vom versicherungsmathematischen Altenproblem.

    Ich persönlich rechne durchgehend mit 5% Steigerung auf meine KV-Tarife und rechne dann im Alter ab 60 Jahren die o. g. Entlastungsfaktoren ein.

    Da du bereits 40 Jahre bist, solltest du entweder von Beginn an einen hohen Beitragsentlastungstarif abschließen (was aufgrund deiner Kindersituation aber eher nicht mehr finanziell sinnvoll sein wird) oder von Beginn an pro Monat 150-250 Euro in einen ETF-Sparplan stecken.

  • Für mich ist es einfach nicht nachvollziehbar, dass in der GKV die Gruppe der Rentner, die die höchsten Ausgaben erzeugen, den geringsten Beitrag zahlen. Der Rentner mit dem Millionendepot zahlt weniger als der Familienvater mit einem mittleren Einkommen. Ich persönlich finde, dass dieses System gerade vor dem Hintergrund zukünftiger großer finanzieller Probleme der GKV längst abgeschafft gehört. Aber wahrscheinlich führt die Altersstruktur der Wahlberechtigten dazu, dass sich auch in Zukunft kein Politiker an dieses Thema ran wagen wird, sodass es auch noch in 30 Jahren die KVdR gibt...

    Von den aktuell ca. 21 Mio. Rentnern werden wohl die wenigsten ein Millionendepot haben. Die durchschnittliche Rente nach SV-Abgaben liegt bei 1180 EUR. Ein höherer Beitrag für diese Menschen würde Millionen zu Sozialfällen machen, wenn sie es eh schon nicht sind.

    Die GKV ist nun einmal so konstruiert, dass dort praktisch jeder, unabhängig von Alter und Vorerkrankungen, versichert werden kann. Die Abgabenlast bemisst sich nach politisch festgelegten Parametern, die eben manche bevorteilen und manche benachteiligen. So zahlt bei gleichem Verdienst der Ledige (noch) den gleichen Betrag wie eine Familie mit mehreren Kindern. Allerdings ist dieses System abhängig von der Bevölkerungsstruktur und Beschäftigungslage. Steigt die Zahl der Netto-Leistungsempfänger über ein bestimmtes Maß. gerät dieses System, wie aktuell zu beobachten, aus den Fugen.

    Man kann es natürlich ändern und in ein komplett steuerfinanziertes System umwandeln, wie z.B. den NHS in GB. Das Ergebnis kann man dort besichtigen: die Versorgung verschlechtert sich dramatisch. In D werden aktuell jährlich ca. 350 Mrd. EUR von der GKV ausgegeben. Diesen Betrag müsste man dann über Steuern hereinholen, was bei dieser Summe nur schwer vermittelbar wäre. Außerdem sind Steuern nicht zweckgebunden, hier könnte der Staat dann viel einfacher den Hahn für die Gesundheitsversorgung zudrehen, was dann zu Zuständen wie in GB führen würde.

  • Man kann es natürlich ändern und in ein komplett steuerfinanziertes System umwandeln, wie z.B. den NHS in GB. Das Ergebnis kann man dort besichtigen: die Versorgung verschlechtert sich dramatisch. In D werden aktuell jährlich ca. 350 Mrd. EUR von der GKV ausgegeben. Diesen Betrag müsste man dann über Steuern hereinholen, was bei dieser Summe nur schwer vermittelbar wäre. Außerdem sind Steuern nicht zweckgebunden, hier könnte der Staat dann viel einfacher den Hahn für die Gesundheitsversorgung zudrehen, was dann zu Zuständen wie in GB führen würde.

    Ich verstehe nicht, warum einige Personen wie sam51 immer wieder das NHS in GB als Beispiel eines steuerfinanzierten Gesundheitssystem erwähnen müssen. Das NHS in GB ist in der Tat ein Negativ-Beispiel. Aber man sollte auch mal die vielen gut funktionierenden steuerfinanzierten Systeme erwähnen. Schweden, Norwegen, Dänemark, Taiwan und Australien sind hier Positiv-Beispiele, an denen sich Deutschland orientieren könnte.

  • Die Entscheidung für oder gegen PKV sollte auch nicht rein monetär getroffen werden.

    Genau so sehe ich das auch. Die meisten, die sich mit einem Wechsel in die PKV befassen, sind zwischen 30 und 40. In diesem Alter hat man üblicherweise keine gesundheitlichen Probleme. Die fangen dann so im Alter von 60+ an. Außer den Ärzten hier im Forum dürften sich die meisten kaum vorstellen können, was es da alles an Erkrankungen gibt, die einen treffen können. Erst dann lernt man die Funktionsweise unseres Gesundheitssystems und die Unterschiede zwischen privat und Kasse wirklich kennen.

  • Von den aktuell ca. 21 Mio. Rentnern werden wohl die wenigsten ein Millionendepot haben. Die durchschnittliche Rente nach SV-Abgaben liegt bei 1180 EUR. Ein höherer Beitrag für diese Menschen würde Millionen zu Sozialfällen machen, wenn sie es eh schon nicht sind.

    Möglicherweise ist es kein Millionendepot, aber unterschätze nicht was viele Rentner für Nebeneinkünfte haben aus VuV und Kapitalvermögen. Die Höhe der Rente ist hier in vielen Fällen kein guter Indikator für wirtschaftliche Leistungsfähigkeit.

    Die GKV ist nun einmal so konstruiert, dass dort praktisch jeder, unabhängig von Alter und Vorerkrankungen, versichert werden kann.

    Das ist gut und richtig.


    Die Abgabenlast bemisst sich nach politisch festgelegten Parametern, die eben manche bevorteilen und manche benachteiligen. So zahlt bei gleichem Verdienst der Ledige (noch) den gleichen Betrag wie eine Familie mit mehreren Kindern.

    Genau. Das ist politisch so gewollt, muss aber per Definition nicht so sein.

    Allerdings ist dieses System abhängig von der Bevölkerungsstruktur und Beschäftigungslage. Steigt die Zahl der Netto-Leistungsempfänger über ein bestimmtes Maß. gerät dieses System, wie aktuell zu beobachten, aus den Fugen.

    Richtig.

    Man kann es natürlich ändern und in ein komplett steuerfinanziertes System umwandeln, wie z.B. den NHS in GB. Das Ergebnis kann man dort besichtigen: die Versorgung verschlechtert sich dramatisch. In D werden aktuell jährlich ca. 350 Mrd. EUR von der GKV ausgegeben. Diesen Betrag müsste man dann über Steuern hereinholen, was bei dieser Summe nur schwer vermittelbar wäre. Außerdem sind Steuern nicht zweckgebunden, hier könnte der Staat dann viel einfacher den Hahn für die Gesundheitsversorgung zudrehen, was dann zu Zuständen wie in GB führen würde.

    Man muss ja nicht zwingend auf ein komplett steuerfinanziertes System gehen. Das ist ja auch nicht die einzige Alternative. Es wird aber immer klarer das es so wie es ist nicht weitergeht.

  • Moin,

    Komplexes Thema. Sagt auch Finanztip. In der Regel beste Beratung und Infos von unabhängigen Versicherungsberatern (nicht der Allianz). Evtl. überlegenswert, ein paar Hundert Euro in eine Honorarberatung vor Ort zu investieren.

    LG und viel Erfolg, Finanzschlumpf.

  • Erst einmal vielen Dank für die Antworten!

    Hinweis zum methodischen Ansatz.


    Die Bezugsgröße wird jährlich anhand des Durchschnittsentgeltes in der Rentenversicherung angepasst, mit ähnlichen Raten wie die Beitragsbemessungsgrenze. Der Freibetrag (KV) bzw. die Freigrenze (PV) liegt bei 5% davon, aktuell sind wir somit knapp unter 200 EUR monatlich.

    Referat Janders: Das zielt auf den Freibetrag bei Betriebsrente bzgl. KV ab, richtig?

    Nun die Punkte, die ich etwas anders sehe:

    (1) "Alle PKV Beiträge (meine + Kinder) steigen jährlich um 3.5%." : Die Tarife in deinem Gesamtpaket, die für die Steigerung verantwortlich sind, sind die, die von der medizinischen Inflation abhängen. Dies sind die KV-Tarife (ambulant, stationär, Zahn), also nicht z. B. der Beitragsentlastungstarif oder der Tarif für das Krankentagegeld. Ich würde für diese KV-Tarife eher mit einem Wert zwischen 3,5 % und 5,0 % pro Jahr rechnen. Und das über die gesamte Versicherungslaufzeit. Damit zum zweiten Punkt ...

    (2) "Ab Renteneintritt steigt meine PKV nur noch um 2,3%." : Woher stammt dieser Wert? (...)

    Ich persönlich rechne durchgehend mit 5% Steigerung auf meine KV-Tarife und rechne dann im Alter ab 60 Jahren die o. g. Entlastungsfaktoren ein.

    Da du bereits 40 Jahre bist, solltest du entweder von Beginn an einen hohen Beitragsentlastungstarif abschließen (was aufgrund deiner Kindersituation aber eher nicht mehr finanziell sinnvoll sein wird) oder von Beginn an pro Monat 150-250 Euro in einen ETF-Sparplan stecken.

    Felice: Sehr fundierte Antwort, besten Dank! Zu (2): Ich hatte die 2,3% tatsächlich vom PKV-Verband oder einem Makler. Hast du einen "realistischen" Wert für die Steigung jenseits der 60?
    Den Punkt mit Beitragsentlastung habe ich mir schon gedacht. Ich bin auch ein fleißiger ETF-Sparer mit guter Sparquote. Mit Kindern wird das wahrscheinlich weniger werden, aber ich möchte sie nach wie vor hoch halten.

    Genau so sehe ich das auch. Die meisten, die sich mit einem Wechsel in die PKV befassen, sind zwischen 30 und 40. In diesem Alter hat man üblicherweise keine gesundheitlichen Probleme. Die fangen dann so im Alter von 60+ an. Außer den Ärzten hier im Forum dürften sich die meisten kaum vorstellen können, was es da alles an Erkrankungen gibt, die einen treffen können. Erst dann lernt man die Funktionsweise unseres Gesundheitssystems und die Unterschiede zwischen privat und Kasse wirklich kennen.

    Verstehe ich absolut. Dass die Leistung der PKV in guten Tarifen besser als die GKV ist, steht außer Frage. Für mehr Leistung bin ich auch durchaus bereit, mehr zu bezahlen. Aber dem sind natürlich irgendwo Grenzen gesetzt.


    Weiterhin muss man auch einen Sekundäreffekt betrachten: Ein Makler würde bei PVK-Beratung sicher auch zur einer Berufsunfähigkeitsversicherung raten, mit entsprechend hoher Versicherungshöhe. Dann hat man weitere Fixkosten, vmtl. mehrere hunderte Euro.

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