Wie würdet ihr die Krankenkassen entlasten?

  • Mein Beitrag schließt ja gerade das Berufsbeamtentum ein, das die Grundgesetzgeber ausdrücklich ebens als Schutz vor einer bösartigen Regierung sehen, weil der Beamte eben nur mithilfe des Disziplinarrechtes entlassen werden kann (von ein paar Ausnahmen abgesehen) und die Entfernung aus dem Dienst eine Disziplinarklage, d.h. richterliche Entscheidung erfordert. Insofern kann er viel stärker zur Wehr setzen entsprechend seines Amtseides dem Gesetz folgend und nicht ggf. rechtswidriger Weisungen.

    Auf welche der vielen Beamten trifft das denn überhaupt zu?

    Und in einem solch angenommenen bösartigen Staat finden sich früher später auch Richter, die solch widerborstige Beamte entfernen.

  • Und was hat das mit der Einbindung neu zu bestellender Beamten in die gesetzliche Krankenversicherung zu tun? Du vermischst hier doch Dinge, um die es gar nicht geht! :/

    Das wurde doch schon geklärt: Es hätte nur Nachteile für die Allgemeinheit. Es ist deutlich teurer, da man die Besoldung für neue Beamte nach oben anpassen müsste oder der Dienstherr (Staat) eben die Hälfte der Kosten für die GKV übernehmen müsste.

    Das wertvollste Produkt, das man sich mit Geld kaufen kann, ist ein leerer Kalender.

  • Und was hat das mit der Einbindung neu zu bestellender Beamten in die gesetzliche Krankenversicherung zu tun? Du vermischst hier doch Dinge, um die es gar nicht geht! :/

    So ist es.
    Der Dienstherr geht bei der Neuverbeamtung in vielen Bundesländern davon aus, dass vom Nettogehalt entweder die KV/PV privat gezahlt wird (dann mit vollem Beihilfeanspruch) oder real der hälftige Betrag der freiwilligen KV/PV gezahlt wird.

    Das wandeln wir in eine Pflichtversicherung um…fertig.
    Das rührt nicht an den wichtige Grundfesten des Berufsbeamtentums.

  • Natürlich, damit kauft sich der Dienstherr von Teilen seiner Fürsorgepflicht frei, die ist ja auch nicht kostenlos.

    Aber ist das auch kostenneutral?

    Beamte sind ja meist relativ gesund und selten arbeitslos oder verarmt.

    Für die Steuerzahler dürfte es günstiger sein, die tatsächlichen Kosten im Rahmen der Fürsorgepflicht (Beihilfe) zu bezahlen als den vermutlich höheren Beitrag für die GKV, die ja zusätzlich auch viele Arbeitslose, chronisch Kranke, Rentner etc. unter ihren Versicherten hat.

    Wenn es am Ende für den Steuerzahler sogar teurer wird und evtl. auch noch die Bruttogehälter für die Beamten erhöht werden müssten, ist das ja keine Reform, die irgendetwas bringt oder effizienter macht, sondern nur ein weiteres Haushaltsloch.

  • Das würde im Umkehrschluss ja dafür sprechen, dass ein staatliches System wie das der Beihilfe für Beamte, für alle das Günstigste wäre. Mal drüber nachdenken!

    Nein, weil der Staat seine Beamten nach Eignung auswählen kann und vorher zum Amtsarzt schickt, bevor er sie ggf. einstellt oder nicht. Nur deshalb ist es günstig.

    Äpfel und Birnen.

  • Hallo,

    ich möchte den Einwurf noch einmal aufnehmen:

    Unabhängig von der schlichten Tatsache, daß Deutschland - wie mir Kundigere als meine Wenigkeit schon vor Jahren erklärten - das teuerste Gesundheitssystem in Europa und das zweitteuerste der Welt (direkt hinter den USA) hat bei dennoch eher generierten durchschnittlichen Ergebnissen (Stichwort: Lebenserwartung - um nur ein Stichwort zu nennen) und damit das Motto "immer noch mehr Geld ins GKV-System" schwerlich bis kaum als Lösung plausibel erscheint:

    In den Medien und auch hier wird überwiegend diskutiert, wie in das System noch mehr Geld hineingeschaufelt werden kann. Kein Unternehmer käme auf die Idee, wenn seine Produkte nur mittelmäßig sind aber ziemlich teuer, eine Werbekampagne zu starten, wie man dem Kunden noch mehr Geld abverlangen kann.

    Vollkommen klar, die Effizienz des Gesundheitssystems zu verbessern bedeutet, einige im System werden weniger verdienen. Ganz exemplarisch die schon aufgeworfene Frage, warum x Krankenkassen mit weitgehend gleichen Leistungen benötigt werden. Da wehren sich natürlich die Spitzenverbände, die dann überflüssig werden. Leider haben die das Ohr der Politik.

    Gruß Pumphut

  • Hallo Seyu u.a.,

    ist zwar OT, aber den Punkt kann ich so nicht stehen lassen, dass die Berufsbeamten eine Lehre aus der NS- Zeit gewesen wären. Das Berufsbeamtentum ist wesentlich älter und in der NS- Zeit waren die Beamten eher überproportional Parteimitglieder und Mittäter. Die wenigen, die dagegen waren, wurden trotz Beamtenstellung entlassen. Da finden sich immer Mittel und Wege. Nur als ein Beispiel: Die Einsatzgruppen, die im rückwärtigen Teil der Ostfront die Ermordung der Juden durchgeführt haben, bestanden aus freiwillig abkommandierten Polizeibeamten.

    Gruß Pumphut

  • Gegenentwurf, ohne Denkeinschränkungen, natürlich wird es Gegenrede geben, aber mal was versuchen und nicht im Kleinklein verharren.

    Wir gründen einen großen Gesundheitsfond, finanziert aus den bisherigen KV-Beiträgen der Arbeitgeber, der Staat beteiligt sich für seine Beamten und die Menschen in Grundsicherung anteilig daran. Dieser Fond übernimmt die Funktion der staatlichen Beihilfe für ALLE Bürger und zahlt abhängig vom Einkommen (variiert nach Leistungsfähigkeit zwischen 50-100%) , den größten Teil der Kosten. Für den Rest kann jeder dann eine PKV abschließen. Alle sind Privatpatienten!

  • Ich würde mal vermuten, der Alte Fritz hat das Berufsbeamtentum eingeführt. Immerhin ein aufgeklärter Herrscher.

    Die Deutsche Bahn ist ein gutes Beispiel, weshalb die Abschaffung des Beamtentums bei öffentlichen Dienstleistungen nicht unbedingt zu mehr Effizienz beiträgt. Wochenlange Streiks und Arbeitskämpfe mit konkurrierenden Gewerkschaften (EVG, Lokführer) auf Kosten der Bürger. Das gibt es erst, seit dort Angestellte arbeiten.

    Ich bin sehr dafür, die Notwendigkeit Verbeamtungen kritisch zu überprüfen, aber manche staatlichen Dienstleistungen sollten schon durchgehend und zuverlässig funktionieren. Zumal es für sie kaum Wettbewerber gibt.

  • In den Medien und auch hier wird überwiegend diskutiert, wie in das System noch mehr Geld hineingeschaufelt werden kann.

    Bedauerlicherweise nicht nur in den "Medien und hier" - sondern auch in Teilen der Politik (Entscheidungsträger). Vor dem Hintergrund der von mir in Nr. 41 Abs. 1 erwähnten schlichten aber ernüchternden Tatsache (Kosten/Nutzen-Analyse im internationalen Vergleich) ein eher sehr fraglicher Ansatz.

    Kein Unternehmer käme auf die Idee, wenn seine Produkte nur mittelmäßig sind aber ziemlich teuer, eine Werbekampagne zu starten, wie man dem Kunden noch mehr Geld abverlangen kann.

    Unternehmer und Unternehmen müssen sich in aller Regel in einem Markt (im Wettbewerb) behaupten oder sie spüren direkte Folgen. Bei fehlender Wettbewerbsfähigkeit können sie auch vom Markt verschwinden (Insolvenz). Das sieht bei der Obrigkeit, dem Staat und staatlichen Systemen anders aus bzw. die Folgen von Fehlentscheidungen entfalten sich oftmals über (sehr) lange Sicht. Meist sind dann die Entscheider (Protagonisten einer Regierung) nicht mehr oder längst nicht mehr im Amt oder an verantwortlicher bzw. prominenter Stelle tätig.

    Vollkommen klar, die Effizienz des Gesundheitssystems zu verbessern bedeutet, einige im System werden weniger verdienen.

    Eine Unwuchten und Asymmetrien dürften im System ohnehin vorhanden sein. Wie mir von einem Freund bei der apo-Bank (Deutsche Apotheker und Ärztebank) bekannt ist, gibt es einige Ärztegruppen (Fachbereiche) mit sehr hohem Einkommen generiert durch ihre Praxis (Radiologe, Augenarzt, Zahnarzt, Orthopäde) aber auch solche mit vergleichsweise eher (sehr) überschaubarem Einkommen (Allgemeinmediziner, Pädiater (Kinderarzt), Psychotherapeuten, Landarzt). Die Differenz kann teilweise den Faktor 3 oder mehr betragen.

    In Sachen Effizienzsteigerung scheint mir auch das Thema "Prävention" samt Intensivierung derselben ein sinnvoller Hebel. Auch wenn dort Verbesserung sich erst "auf der Strecke" finanziell auswirken, dann aber aller Wahrscheinlichkeit mit erheblicher Eigendynamik.

    Ganz exemplarisch die schon aufgeworfene Frage, warum x Krankenkassen mit weitgehend gleichen Leistungen benötigt werden. Da wehren sich natürlich die Spitzenverbände, die dann überflüssig werden.

    Daran hatte ich auch schon mehrfach gedacht. Nach einer Recherche ergab sich aber, daß die Zahl der Krankenkassen über die letzten Jahrzehnte ohnehin schon dramatisch gesunken ist (von im Jahr 1970 noch (unglaublichen) 1.875 auf heute in 2026 nur noch 93; Quellen: u. a. Wikipedia "Entwicklung der Krankenkassenzahl"). Wie mir der Kumpel von der APO-Bank sagte, hätte das aber an den administrativen Kosten im Gesamtsystem kaum bis so gut wie nichts verändert. Diese hätten damals wie heute stets bei um die 4 bis 5% gelegen bezogen auf die Einnahmen (aktuell wohl knapp unter 4%). So viel scheint da (Anzahl der Krankenkassen) wohl kostenseitig also nicht zu holen sein.

    Diese administrativen Kosten scheinen bei der PKV übrigens deutlich höher zu sein (gefunden hatte ich als Verwaltungskosten pro Versichertem bei den Kassen der GKV ca. 170 € und rund 520 € pro PKV-Vollversichertem)

  • Ich denke schon, das da noch Sparpotenzial im System ist! Man stelle sich vor, es gäbe noch 1 Kasse für die GKV und 1 Kasse für die PKV, die sich um die zusätzlich gewünschten zu versicherten Bausteine wie etwa 1Bett-Zimmer, Chefarztbehandlung und weiteren SchiSchi kümmert.

  • Hallo Sovereign,

    sicherlich wird die Zusammenlegung der Kassen nicht der entscheidende Punkt für bessere Kosteneffizienz werden. Da gibt es wesentlich wirksamere Stellschrauben: Z.B. die de facto Abschaffung der niedergelassenen Fachärzte (Ausnahmen sicherlich sinnvoll). Der Facharzt ist an ein Krankenhaus angebunden und behandelt je nach medizinischer Notwendigkeit ambulant oder stationär. Würde ganz nebenbei auch die Verteilung von Krankenhäusern in der Fläche, die aus Resilienzgründen sinnvoll ist, stützen. Der beim Krankenhaus angestellte Facharzt zählt sicherlich nicht zu den Geringverdienern. Die Segeljacht ist aber vielleicht nicht drin.

    In der Richtung gibt es durchaus positive Signale von den jungen Ärzten, die zunehmend das wirtschaftliche Risiko einer Niederlassung nicht mehr übernehmen wollen.

    Gruß Pumphut

  • [...]

    In den Medien und auch hier wird überwiegend diskutiert, wie in das System noch mehr Geld hineingeschaufelt werden kann.

    [...]

    Gruß Pumphut

    Darauf weist ja auch HJT in seiner Kolumne hin (um mal wieder zum Ursprung zurückzukehren):

    Zitat

    Im Prinzip können die Vorschläge zwei Zielrichtungen haben: Entweder die Einnahmen erhöhen, ohne die Beitragssätze zu erhöhen, damit bei aller Solidarität Arbeit durch die Beiträge nicht noch teurer wird.

    Oder die Kosten im System senken, damit die Beiträge stabil gehalten oder gar gesenkt werden können. Kleiner Spoiler: Solche Vorschläge mit durchschlagender Wirkung fehlen in der öffentlichen Debatte fast völlig.

    Ein häufiges Argument für steigende Kosten ist das Fachärztehopping. Als eine Lösung gilt die sogenannte hausarztzentrierte Versorgung (HzV): vor dem Facharzttermin wird der Hausarzt konsultiert und dieser stellt dann, sofern ein Facharzttermin wirklich erforderlich ist, eine Überweisung aus.

    In Dänemark können die Versicherten wählen zwischen zwei Modellen: entweder HzV oder freie Arztwahl, bei letzterer muss der Patient den (nicht an eine GebO gebundenen) Facharzt vor dem Termin bezahlen und kann die Rechnung dann einreichen, bekommt aber nur den Betrag erstattet, der in der HzV bezahlt worden wäre.

    Nur ein einstelliger Prozentwert aller Versicherten leistet sich die freie Arztwahl beim Facharzt, mehr als 95% bevorzugen die HzV.

    Ich finde das eine clevere Lösung, höre aber auch jetzt schon in Deutschland diverse Lobbyisten aufschreien, dass das bei uns nicht geht...;)

  • Darauf weist ja auch HJT in seiner Kolumne hin (um mal wieder zum Ursprung zurückzukehren):

    Ein häufiges Argument für steigende Kosten ist das Fachärztehopping. Als eine Lösung gilt die sogenannte hausarztzentrierte Versorgung (HzV): vor dem Facharzttermin wird der Hausarzt konsultiert und dieser stellt dann, sofern ein Facharzttermin wirklich erforderlich ist, eine Überweisung aus.

    In Dänemark können die Versicherten wählen zwischen zwei Modellen: entweder HzV oder freie Arztwahl, bei letzterer muss der Patient den (nicht an eine GebO gebundenen) Facharzt vor dem Termin bezahlen und kann die Rechnung dann einreichen, bekommt aber nur den Betrag erstattet, der in der HzV bezahlt worden wäre.

    Nur ein einstelliger Prozentwert aller Versicherten leistet sich die freie Arztwahl beim Facharzt, mehr als 95% bevorzugen die HzV.

    Ich finde das eine clevere Lösung, höre aber auch jetzt schon in Deutschland diverse Lobbyisten aufschreien, dass das bei uns nicht geht...;)

    Mir soll weiterhin einer der Befürworter die Sinnhaftigkeit erklären. Ich habe es an anderer Stelle bereits geschrieben. Hausärzte, in Deutschland Allgemeinmediziner oder Internisten, sind für fast alles, was über eine einfache Infektion oder leichte gastrointestinale Probleme hinausgeht, nicht qualifiziert. Sie würden damit quasi lediglich zu einer Art Überweisungsmaschine mutieren und komplett überlastet werden mit Anliegen bei denen von vorneherein nur der Facharzt weiterhelfen kann. Das deutsche Arztbildungssystem ist auch komplett darauf ausgelegt. Der US-amerikanische "Family medicine doctor" ist weit besser ausgebildet, sodass im dortigen Gesundheitssystem Fachärzte/Spezialisten tatsächlich erst für schwierigere Fachfragen oder schwierigere invasive Eingriffe herangezogen werden.

    Welcher Facharzt wird denn wirklich unnötig so aufgesucht? Allenfalls wahrscheinlich Orthopäden wegen den Folgen von Zivilisationskrankheiten.

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