PKV-Kosten senken

So zahlst Du weniger für die private Krankenversicherung

Max Mergenbaum
& Co-Autor
Stand: 12. Dezember 2019
Das Wichtigste in Kürze
  • Der Beitrag zur privaten Krankenversicherung stieg in den vergangenen zehn Jahren im Durchschnitt um etwas mehr als 2 Prozent pro Jahr.
  • Ist Dir die private Krankenversicherung (PKV) zu teuer geworden, hast Du sieben Möglichkeiten, den Beitrag zu senken.
Diese sieben Möglichkeiten gibt es
  • Hat sich Dein Gesundheitszustand stark verbessert, kannst Du Risikozuschläge im Vertrag streichen lassen.
  • Prüfe, ob sich der Wechsel in einen günstigeren Tarif bei Deinem Versicherer lohnt.
  • Erhöhe Deinen Selbstbehalt – in Maßen.
  • Falls möglich, wechsle in die gesetzliche Krankenversicherung.
  • Wechsle in den Standardtarif der PKV, falls er Dir offen steht.
  • Alternativ kannst Du in den Basistarif wechseln.
  • Falls Standardtarif und Basistarif zu teuer sind, bleibt vorübergehend noch der Notlagentarif.

Unerfreuliche Post mit einer Beitragserhöhung erhalten jedes Jahr viele privat Krankenversicherte. Durchschnittlich um 2,3 Prozent pro Jahr stieg der Beitrag zwischen 2010 und 2020 laut Verband der Privaten Krankenversicherung. Was anfangs nur die Laune vermiest, kann mit der Zeit die Haushaltskasse überfordern. Manche Menschen zahlen für ihre private Krankenversicherung mehr als für ihre Mietwohnung.

Die Preiserhöhungen, die in der Branche beschönigend als Beitragsanpassung bezeichnet werden, musst Du nicht einfach hinnehmen. Wir zeigen sieben Möglichkeiten, mit denen Du Deinen Beitrag senken kannst.

Möglichkeit 1: Risikozuschläge überprüfen

Viele Privatversicherte lassen sich bei Vertragsabschluss darauf ein, wegen Vorerkrankungen einen erhöhten Beitrag zu zahlen. Ein einmal vereinbarter Risikozuschlag muss aber nicht für immer bestehen bleiben. Sofern sich Dein Gesundheitszustand so sehr verbessert hat, dass der Grund für den Zuschlag entfallen ist, kannst Du den Aufpreis reduzieren oder sogar komplett aus dem Vertrag streichen lassen (§ 41 Versicherungsvertragsgesetz). Das ist eine effektive Möglichkeit, den Beitrag zu senken, denn Risikozuschläge können durchaus 10 bis 20 Prozent des Gesamtbeitrags ausmachen, in Einzelfällen auch mehr. Ob Du einen Risikozuschlag zahlst, kannst Du Deinem Versicherungsschein entnehmen.

Wer zum Beispiel bei Abschluss der Versicherung Heuschnupfen hatte und deshalb einen Zuschlag zahlt, kann nach einer Hyposensibilisierung vollständig geheilt sein. Dann solltest Du Deine Versicherung auffordern, den Zuschlag zu streichen.

Damit die Versicherung den Zuschlag überprüft, ist es notwendig, dass Du bereits eine längere Zeit beschwerdefrei bist und keine Medikamente mehr brauchst. Um Deinen Gesundheitszustand zu belegen, brauchst Du einen aktuellen Arztbericht. Wenn Deine Versicherung sich weigert, diesen anzuerkennen, hol Dir professionelle Unterstützung durch einen Versicherungsberater, eine Verbraucherzentrale oder den Versicherungsmakler, bei dem Du Deinen Vertrag abgeschlossen hast.

Ebenso wie Risikozuschläge kannst Du übrigens ursprünglich vereinbarte Leistungsausschlüsse überprüfen lassen. Ersetze aber keinesfalls einen Risikozuschlag durch einen Leistungsausschluss, um Geld zu sparen – das kann später teuer werden.

Möglichkeit 2: Internen Tarifwechsel prüfen

Jeder Privatversicherte hat das Recht, bei seinem Krankenversicherer in einen anderen Tarif mit gleichartigem Versicherungsschutz zu wechseln. Nach einem solchen internen Tarifwechsel zahlst Du für ähnliche oder nur geringfügig schlechtere Leistungen mitunter deutlich weniger Beitrag. Verzichte jedoch nicht auf wichtige Leistungen, denn einen dauerhaft niedrigeren Beitrag kann Dir niemand garantieren. Auch nach einem Tarifwechsel ist es möglich, dass der Beitrag wieder steigt.

Deine Versicherung ist gesetzlich verpflichtet, Dich zum Tarifwechsel kostenlos zu beraten und dabei auf Deine Wünsche und Bedürfnisse einzugehen. Anfragen zum Tarifwechsel wollen die Anbieter innerhalb von 15 Tagen bearbeiten. Das hat der Verband der privaten Krankenversicherungen im Jahr 2016 in einer verbindlichen Leitlinie festgelegt, die bislang 24 Unternehmen unterschrieben haben. 

Lass Dir von der Versicherung gegenüberstellen, wie sich die Leistungen im neuen Tarif von Deinem bisherigen Versicherungsschutz unterscheiden und vergleiche genau. Falls Du Hilfe beim Tarifwechsel brauchst, kannst Du Dich von einem Versicherungsmakler, -berater oder einer Verbraucherzentrale unterstützen lassen.

Wichtig: Wechsle nicht zu einem anderen Krankenversicherungsunternehmen. Du verlierst dabei einen Großteil Deiner angesammelten Altersrückstellungen. Lohnen kann sich das nur, falls Du noch jung und gesund bist und durch den Wechsel erheblich bessere Leistungen erhältst.

Mehr dazu im Ratgeber Interner Tarifwechsel

  • Jeder privat Krankenversicherte hat das Recht, bei seinem Anbieter in einen günstigeren Tarif zu wechseln.
  • Unser Musterschreiben für den Tarifwechsel: Musterschreiben

Zum Ratgeber 

Möglichkeit 3: Selbstbehalt erhöhen

Du kannst einen Selbstbehalt vereinbaren oder erhöhen, um den monatlichen Beitrag für Deine private Krankenversicherung zu senken. Oft sparst Du beim Beitrag eine höhere Summe als Du für die Eigenbeteiligung ausgeben musst. Das lohnt sich vor allem für Freiberufler und Selbstständige. Für Angestellte ist es hingegen weniger sinnvoll, den Selbstbehalt zu erhöhen. Denn sie teilen sich die Beitragsersparnis mit dem Arbeitgeber, müssen den höheren Eigenanteil aber komplett allein bezahlen.

Achtung: Setz den Selbstbehalt nicht zu hoch an. Solltest Du krank werden, kann eine hohe Selbstbeteiligung eine schwere finanzielle Belastung sein. Das gilt beispielsweise im Alter, wenn Du häufiger zum Arzt gehst und den Eigenanteil damit häufiger voll zahlen musst. Zudem kannst Du den Selbstbehalt nicht einfach wieder senken, dazu ist eine Gesundheitsprüfung notwendig.

Möglichkeit 4: In die gesetzliche Krankenversicherung wechseln

Überleg Dir, ob Du in die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) wechseln kannst und möchtest. Falls Du befürchtest, Deine PKV-Beiträge langfristig nicht aufbringen zu können, ist es wahrscheinlich, dass Du in der privaten Krankenversicherung insgesamt falsch aufgehoben bist. Prüf dann mit Hilfe unseres Ratgebers zur Rückkehr in die GKV, ob Du zurück in die gesetzliche Krankenversicherung wechseln kannst. Kinder und der Ehepartner sind bei einer gesetzlichen Krankenkasse unter gewissen Voraussetzungen beitragsfrei mitversichert.

Mehr dazu im Ratgeber Gesetzliche Krankenversicherung

  • Bei Service, Zusatzleistungen und Beitrag gibt es deutliche Unterschiede zwischen den Krankenkassen.
  • Von uns empfohlene Anbieter: IKK Classic und HEK

Zum Ratgeber

Möglichkeit 5: In den Standardtarif wechseln

Falls Du die Voraussetzungen für einen Wechsel in die gesetzliche Kasse nicht erfüllst, gibt es innerhalb der privaten Krankenversicherung zwei Tarife, die der GKV ähneln: der Standard- und der Basistarif. In den Standardtarif darfst Du grundsätzlich nur, sofern Du vor 2009 in die private Krankenversicherung eingetreten bist. Bist Du älter als 65 Jahre, gibt es keine weiteren Bedingungen für den Wechsel in den Standardtarif. Jüngere können erst ab 55 Jahren in den Standardtarif wechseln und nur dann, wenn ihr Einkommen unterhalb der besonderen Jahresarbeitsentgeltgrenze von 56.250 Euro (Stand: 2020) liegt.

In der Regel ist der Standardtarif deutlich günstiger als der Basistarif. Das gilt vor allem für Ehepaare, bei denen beide in der PKV sind. Dafür sind die Leistungen etwas geringer als im Basistarif.

Möglichkeit 6: In den Basistarif wechseln

Der Basistarif ist das zweite Angebot für Privatversicherte, die Schwierigkeiten haben, ihren Beitrag zu stemmen. Er ist deutlich teurer als der Standardtarif und bietet dabei nur etwas bessere Leistungen – etwa bei Psychotherapie, Kuren und Reha. Der Umstieg lohnt sich nur, sofern Dein aktueller Beitrag sehr hoch ist.

Falls Du in den Basistarif wechselst, solltest Du prüfen, ob Du nach Paragraf 9 Sozialgesetzbuch II hilfebedürftig bist. Dann wird Dir die Hälfte des Beitrags erlassen.

Möglichkeit 7: In den Notlagentarif wechseln

Falls alle anderen Möglichkeiten nicht greifen, gibt es noch einen letzten, aber nur zeitweiligen Ausweg: den Notlagentarif für säumige Beitragszahler. Wenn Du Deine Beiträge nicht bezahlst und das entsprechende Mahnverfahren abgeschlossen ist, landest Du automatisch in diesem Tarif. Er sieht nur eine Akutversorgung vor, wobei Kinder und Jugendliche sowie Schwangere weitergehende Leistungen erhalten.

Der Notlagentarif ist als Übergangslösung gedacht, bis Du Deine vollen Beiträge wieder zahlen kannst. Sobald es Dir finanziell besser geht, musst und sollst Du in einen vollwertigen Tarif zurückkehren. Denn im Notlagentarif erhältst Du weder wichtige weitergehende Behandlungen noch werden Altersrückstellungen gebildet. Du darfst in Deinen alten Tarif zurückkehren oder einen anderen Tarif Deiner Krankenversicherung wählen.

Autor
Max Mergenbaum
& Co-Autor
Annika Krempel

Stand: 12. Dezember 2019


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