PKV-Kosten senken

So zahlen Sie weniger für die private Krankenversicherung

Max Mergenbaum
& Co-Autor
Stand: 07. Februar 2019
Das Wichtigste in Kürze
  • Der Beitrag zur privaten Krankenversicherung (PKV) stieg in den vergangenen zehn Jahren im Durchschnitt um 3 Prozent pro Jahr.
  • Ist Ihnen die private Krankenversicherung zu teuer geworden, haben Sie sieben Möglichkeiten, den Beitrag zu senken.
Diese sieben Möglichkeiten gibt es
  • Hat sich Ihr Gesundheitszustand stark verbessert, können Sie Risikozuschlägen im Vertrag streichen lassen.
  • Prüfen Sie, ob sich der Wechsel in einen günstigeren Tarif bei Ihrem Versicherer lohnt.
  • Erhöhen Sie Ihren Selbstbehalt – in Maßen.
  • Falls möglich, wechseln Sie in die gesetzliche Krankenversicherung.
  • Wechseln Sie in den Standardtarif der PKV, falls er Ihnen offen steht.
  • Alternativ wechseln Sie in den Basistarif.
  • Falls Standardtarif und Basistarif zu teuer sind, bleibt vorübergehend noch der Notlagentarif.

Unerfreuliche Post mit einer Beitragserhöhung erhalten jedes Jahr viele privat Krankenversicherte. Durchschnittlich um 3 Prozent pro Jahr stieg der Beitrag zwischen 2008 und 2018 laut Verband der Privaten Krankenversicherung. Was anfangs nur die Laune vermiest, kann mit der Zeit die Haushaltskasse überfordern. Manche Menschen zahlen für ihre private Krankenversicherung (PKV) mehr als für ihre Mietwohnung.

Die Preiserhöhungen, die in der Branche beschönigend als Beitragsanpassung bezeichnet werden, müssen Sie nicht einfach hinnehmen. Wir zeigen sieben Möglichkeiten, mit denen Sie Ihren Beitrag senken können.

Möglichkeit 1: Risikozuschläge überprüfen

Viele Privatversicherte lassen sich bei Vertragsabschluss darauf ein, wegen Vorerkrankungen einen erhöhten Beitrag zu zahlen. Ein einmal vereinbarter Risikozuschlag muss aber nicht für immer bestehen bleiben. Sofern sich Ihr Gesundheitszustand so sehr verbessert hat, dass der Grund für den Zuschlag entfallen ist, können Sie den Aufpreis reduzieren oder sogar komplett aus dem Vertrag streichen lassen (§ 41 Versicherungsvertragsgesetz). Das ist eine effektive Möglichkeit, den Beitrag zu senken, denn Risikozuschläge können durchaus 10 bis 20 Prozent des Gesamtbeitrags ausmachen, in Einzelfällen auch mehr. Ob Sie einen Risikozuschlag zahlen, können Sie Ihrem Versicherungsschein entnehmen.

Wer zum Beispiel bei Abschluss der Versicherung Heuschnupfen hatte und deshalb einen Zuschlag zahlt, kann nach einer Hyposensibilisierung vollständig geheilt sein. Dann sollten Sie Ihre Versicherung auffordern, den Zuschlag zu streichen.

Damit die Versicherung den Zuschlag überprüft, ist es notwendig, dass Sie bereits eine längere Zeit beschwerdefrei sind und keine Medikamente mehr brauchen. Um Ihren Gesundheitszustand zu belegen, brauchen Sie einen aktuellen Arztbericht. Wenn Ihre Versicherung sich weigert, diesen anzuerkennen, holen Sie sich professionelle Unterstützung durch einen Versicherungsberater, eine Verbraucherzentrale oder den Versicherungsmakler, bei dem Sie Ihren Vertrag abgeschlossen haben.

Ebenso wie Risikozuschläge können Sie übrigens ursprünglich vereinbarte Leistungsausschlüsse überprüfen lassen. Ersetzen Sie aber keinesfalls einen Risikozuschlag durch einen Leistungsausschluss, um Geld zu sparen – das kann später teuer werden.

Möglichkeit 2: Internen Tarifwechsel prüfen

Jeder Privatversicherte hat das Recht, bei seinem Krankenversicherer in einen anderen Tarif mit gleichartigem Versicherungsschutz zu wechseln. Nach einem solchen internen Tarifwechsel zahlen Sie für ähnliche oder nur geringfügig schlechtere Leistungen mitunter deutlich weniger Beitrag. Verzichten Sie jedoch nicht auf wichtige Leistungen, denn einen dauerhaft niedrigeren Beitrag kann Ihnen niemand garantieren. Auch nach einem Tarifwechsel ist es möglich, dass der Beitrag wieder steigt.

Ihre Versicherung ist gesetzlich verpflichtet, Sie zum Tarifwechsel kostenlos zu beraten und dabei auf Ihre Wünsche und Bedürfnisse einzugehen. Anfragen zum Tarifwechsel wollen die Anbieter innerhalb von 15 Tagen bearbeiten. Das hat der Verband der privaten Krankenversicherungen im Jahr 2016 in einer verbindlichen Leitlinie festgelegt, die bislang 24 Unternehmen unterschrieben haben. 

Lassen Sie sich von der Versicherung gegenüberstellen, wie sich die Leistungen im neuen Tarif von Ihrem bisherigen Versicherungsschutz unterscheiden und vergleichen Sie genau. Falls Sie Hilfe beim Tarifwechsel brauchen, können Sie sich von einem Versicherungsmakler, -berater oder einer Verbraucherzentrale unterstützen lassen.

Wichtig: Wechseln Sie nicht zu einem anderen Krankenversicherungsunternehmen. Sie verlieren dabei einen Großteil Ihrer angesammelten Altersrückstellungen. Lohnen kann sich das nur, falls Sie noch jung und gesund sind und durch den Wechsel erheblich bessere Leistungen erhalten.

Mehr dazu im Ratgeber Interner Tarifwechsel

  • Jeder privat Krankenversicherte hat das Recht, bei seinem Anbieter in einen günstigeren Tarif zu wechseln.
  • Unser Musterschreiben für den Tarifwechsel: Musterschreiben

Zum Ratgeber 

Möglichkeit 3: Selbstbehalt erhöhen

Sie können einen Selbstbehalt vereinbaren oder erhöhen, um den monatlichen Beitrag für Ihre private Krankenversicherung zu senken. Oft sparen Sie beim Beitrag eine höhere Summe als Sie für die Eigenbeteiligung ausgeben müssen. Das lohnt sich vor allem für Freiberufler und Selbstständige. Für Angestellte ist es hingegen weniger sinnvoll, den Selbstbehalt zu erhöhen. Denn sie teilen sich die Beitragsersparnis mit dem Arbeitgeber, müssen den höheren Eigenanteil aber komplett allein bezahlen.

Achtung: Setzen Sie den Selbstbehalt nicht zu hoch an. Sollten Sie krank werden, kann eine hohe Selbstbeteiligung eine schwere finanzielle Belastung sein. Das gilt beispielsweise im Alter, wenn Sie häufiger zum Arzt gehen und den Eigenanteil damit häufiger voll zahlen müssen. Zudem können Sie den Selbstbehalt nicht einfach wieder senken, dazu ist eine Gesundheitsprüfung notwendig.

Möglichkeit 4: In die gesetzliche Krankenversicherung wechseln

Überlegen Sie, ob Sie in die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) wechseln können und möchten. Falls Sie befürchten, Ihre PKV-Beiträge langfristig nicht aufbringen zu können, ist es wahrscheinlich, dass Sie in der privaten Krankenversicherung insgesamt falsch aufgehoben sind. Prüfen Sie dann mit Hilfe unseres Ratgebers zur Rückkehr in die GKV, ob Sie zurück in die gesetzliche Krankenversicherung wechseln können. Kinder und der Ehepartner sind bei einer gesetzlichen Krankenkasse unter gewissen Voraussetzungen beitragsfrei mitversichert.

Mehr dazu im Ratgeber Gesetzliche Krankenversicherung

  • Bei Zusatzleistungen, Beitrag und Service gibt es deutliche Unterschiede zwischen den Krankenkassen.
  • Von uns empfohlene Anbieter: HEK, TK, BKK VBU, Bahn-BKK und BKK24

Zum Ratgeber

Möglichkeit 5: In den Standardtarif wechseln

Falls Sie die Voraussetzungen für einen Wechsel in die gesetzliche Kasse nicht erfüllen, gibt es innerhalb der privaten Krankenversicherung zwei Tarife, die der GKV ähneln: der Standard- und der Basistarif. In den Standardtarif dürfen Sie grundsätzlich nur, sofern Sie vor 2009 in die private Krankenversicherung eingetreten sind. Sind Sie älter als 65 Jahre, gibt es keine weiteren Bedingungen für den Wechsel in den Standardtarif. Jüngere können erst ab 55 Jahren in den Standardtarif wechseln und nur dann, wenn ihr Einkommen unterhalb der Jahresarbeitsentgeltgrenze (JAEG) von 60.750 (Stand: 2019) Euro liegt.

In der Regel ist der Standardtarif deutlich günstiger als der Basistarif. Das gilt vor allem für Ehepaare, bei denen beide in der PKV sind. Dafür sind die Leistungen etwas geringer als im Basistarif.

Möglichkeit 6: In den Basistarif wechseln

Der Basistarif ist das zweite Angebot für Privatversicherte, die Schwierigkeiten haben, Ihren Beitrag zu stemmen. Er ist deutlich teurer als der Standardtarif und bietet dabei nur etwas bessere Leistungen – etwa bei Psychotherapie, Kuren und Reha. Der Umstieg lohnt sich nur, sofern Ihr aktueller Beitrag sehr hoch ist. Falls Sie in den Basistarif wechseln, prüfen Sie, ob Sie nach Paragraf 9 Sozialgesetzbuch II hilfebedürftig sind. Dann wird Ihnen die Hälfte des Beitrags erlassen.

Möglichkeit 7: In den Notlagentarif wechseln

Falls alle anderen Möglichkeiten nicht greifen, gibt es noch einen letzten, aber nur zeitweiligen Ausweg: den Notlagentarif für säumige Beitragszahler. Wenn Sie Ihre Beiträge nicht bezahlen und das entsprechende Mahnverfahren abgeschlossen ist, landen Sie automatisch in diesem Tarif. Er sieht nur eine Akutversorgung vor, wobei Kinder und Jugendliche sowie Schwangere weitergehende Leistungen erhalten.

Der Notlagentarif ist als Übergangslösung gedacht, bis Sie Ihre vollen Beiträge wieder zahlen können. Sobald es Ihnen finanziell besser geht, müssen und sollten Sie in einen vollwertigen Tarif zurückkehren. Denn im Notlagentarif erhalten Sie weder wichtige weitergehende Behandlungen noch werden Altersrückstellungen gebildet. Sie dürfen in Ihren alten Tarif zurückkehren oder einen anderen Tarif Ihrer Krankenversicherung wählen.

Autor
Max Mergenbaum
& Co-Autor
Annika Krempel

Stand: 07. Februar 2019


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