Kapitalrente + AV Depot + BaV ausreichend?

  • Hi, ab dem nächsten Jahr gibt es ja vorraussichtlich einige Änderungen für Angestellte.

    Ich frage mich, ob es künftig vielleicht sogar schon ausreichend ist, wenn man folgende Dinge dann über 30 Jahre lang voll nutzt:

    - Kapitalrente 2%

    - Altersvorsorgedepot inkl. max. Zulagen

    - BaV des öffentlichen Dienstes (ZVK), welche verhältnismäßig gut sein soll.

    Da man künftig eher schwierig ohne Abzüge früher in Rente kann, liegen zwischen Renteneintritt (69 Jahre) und durchschnittliche Lebenserwartung eines Mannes (79 Jahre) gerade mal 10 Jahre.

    Mir stellt sich unter diesen Bedingungen tatsächlich die Frage, ob die private Altersvorsorge über Jahrzehnte eigentlich wirklich in dem bekannten großen Ausmaß notwendig ist, wenn man die aktuelle Rentenreform für sich voll ausschöpft.

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  • Was erwartest du denn von der vorgeschlagenen "Kapitalrente"? Die zwangsweise erhobenen, zusätzlichen 2% landen in einem großen Topf, der von irgendeiner staatlichen Institution verwaltet werden wird.

    Du hat keine Einfluss darauf, wie dein Geld dort angelegt wird. Meinst du wirklich, da wird in so was wie den MSCI World investiert? Für mich das wahrscheinlichste Szenario: man investiert in deutsche Staatsanleihen. Damit hätte man eine elegante Methode gefunden, dass die Politik das eingezahlte Geld direkt wieder verfrühstücken kann. Die meisten werden eh nicht verstehen, was da abgeht. Dann ist das Geld eben nicht weg, sondern es haben nur andere.

    Wer meint, sich auf irgendwelche Versprechungen der Politik verlassen zu können, ist bestenfalls blauäugig.

  • Hallo.

    Über ungelegte Eier sollte man nicht gackern.

    Und wie fühlst Du Dich bei dem Gedanken, Deine Vorsorge nur auf die Standardangebote zu stützen? Risikostreuung sieht anders aus.

  • Was erwartest du denn von der vorgeschlagenen "Kapitalrente"? Die zwangsweise erhobenen, zusätzlichen 2% landen in einem großen Topf, der von irgendeiner staatlichen Institution verwaltet werden wird.

    Du hat keine Einfluss darauf, wie dein Geld dort angelegt wird. Meinst du wirklich, da wird in so was wie den MSCI World investiert? Für mich das wahrscheinlichste Szenario: man investiert in deutsche Staatsanleihen. Damit hätte man eine elegante Methode gefunden, dass die Politik das eingezahlte Geld direkt wieder verfrühstücken kann. Die meisten werden eh nicht verstehen, was da abgeht. Dann ist das Geld eben nicht weg, sondern es haben nur andere.

    Wer meint, sich auf irgendwelche Versprechungen der Politik verlassen zu können, ist bestenfalls blauäugig.

    Man hat sich ja in der Kommission explizit auf das schwedische Modell berufen. In dem ist es so, dass jeder Einzahler (in einem definierten Rahmen, der wahrscheinlich ähnlich aussehen wird wie beim AV-Depot, also kein Krypto, keine Themenfonds etc.) bestimmen kann, wie das Geld angelegt wird. Wer keinen eigenen Fonds auswählt, dessen Beiträge zur kapitalgedeckten Rentenkomponente werden automatisch in dem staatlichen AP7 Såfa angelegt.
    Ich bin mal so blauäugig und hoffe, dass es in der deutschen Variante ähnlich läuft.

  • liegen zwischen Renteneintritt (69 Jahre) und durchschnittliche Lebenserwartung eines Mannes (79 Jahre) gerade mal 10 Jahre.

    nach der aktuellen Periodensterbetafel 2022/2024 des Statistischen Bundesamts lebt ein heute 69 jähriger Mann noch weitere 14,7 Jahre und eine Frau noch weitere 17,8 Jahre. Gleichzeitig gilt die Rente mit 67.
    Wenn ich mir die sogenannte 2:1 Formel der Kommission anschaue (ein zusätzlichen Lebensjahr führt zu 8 Monaten länger arbeiten und 4 Monaten längerem Rentenbezug), dann würde der Renteneintritt mit 69 (+24 Monate länger arbeiten) gegenüber dem Status quo ja bedeuten, dass man etwa 12 Monate länger lebt, also ab Renteneintritt mit 69 so ganz grob gerechnet Männer 16 Jahre und Frauen etwa 19 Jahre.

    Und ich persönlich betreibe Vermögensaufbau nicht, um eine bestimmte Anzahl von Jahren nach Renteneintritt zu überstehen, sondern um meine Freiheitsgrade zu maximieren und unabhängig von gesetzlichen Renteneintritten und Abschlagsprozenten oder ähnlichem Gedöns zu sein. Und hoffe darauf, dass meine Langlebigkeits"risiko" möglichst hoch ist.

  • Du hat keine Einfluss darauf, wie dein Geld dort angelegt wird. Meinst du wirklich, da wird in so was wie den MSCI World investiert? Für mich das wahrscheinlichste Szenario: man investiert in deutsche Staatsanleihen.

    Das stufe ich bei 38° jetzt mal als dümmliche, ungelegte Eier ein.

  • Man hat sich ja in der Kommission explizit auf das schwedische Modell berufen. In dem ist es so, dass jeder Einzahler (in einem definierten Rahmen, der wahrscheinlich ähnlich aussehen wird wie beim AV-Depot, also kein Krypto, keine Themenfonds etc.) bestimmen kann, wie das Geld angelegt wird. Wer keinen eigenen Fonds auswählt, dessen Beiträge zur kapitalgedeckten Rentenkomponente werden automatisch in dem staatlichen AP7 Såfa angelegt.
    Ich bin mal so blauäugig und hoffe, dass es in der deutschen Variante ähnlich läuft.

    Von allen denkbaren Varianten dürfte das die mit der geringsten Umsetzungswahrscheinlichkeit sein.

    Es geht bei dieser sogenannten Reform nur darum, das dysfunktionale Rentensystem noch etwas länger am Leben zu halten. Dazu müssen die Einnahmen werden sowie die Leistungen reduziert werden. Reduzierte Leistungen schafft man durch Erhöhung des Renteneintrittsalters. Höhere Einnahmen werden dadurch generiert, dass man weitere Leute in das System zwingt (Selbständige, Minijobs) und die Beiträge erhöht.

    Das kann man den Menschen natürlich so nicht sagen, also muss man das Ganze rhetorisch gut verpacken. Im Extremfall, wenn man direkt gefragt wird, behauptet man einfach das Gegenteil, wie vor einigen Tagen der Bundeskanzler im Bundestag. Ansonsten das übliche Vorgehen. Man beauftragt eine Kommission, deren Ergebnis schon durch die Besetzung festgelegt ist. Dann Übergabe des Gutachtens mit anschließender Pressekonferenz. Merz sagt, das wird so umgesetzt, Bas sagt, darüber müssen wir noch mal reden. Und am Schluss kommt dann so etwas heraus wie seinerzeit bei der Mwst.: SPD will 2% Erhöhung, Union sagt 0%, man einigt sich dann auf 3%.

  • Das stufe ich bei 38° jetzt mal als dümmliche, ungelegte Eier ein.

    Unterschätze niemals die Kreativität der Politik, wenn es darum geht, an das Geld der Bürger zu kommen. Ich habe lediglich ein mögliches Szenario beschrieben und halte für wahrscheinlich, dass es so kommt. Allein diese Vorstellung mag bei einem treuen TAZ-Leser schon einen Anfall kognitiver Dissonanz auslösen.

  • Dazu müssen die Einnahmen werden sowie die Leistungen reduziert werden. Reduzierte Leistungen schafft man durch Erhöhung des Renteneintrittsalters. Höhere Einnahmen werden dadurch generiert, dass man weitere Leute in das System zwingt (Selbständige, Minijobs) und die Beiträge erhöht.

    Das kann man den Menschen natürlich so nicht sagen,

    Dein stärkstes Argument ist eigentlich gar nicht die Rentenkommission, sondern der Satz: "Das kann man den Menschen natürlich so nicht sagen."

    Der ist rhetorisch ziemlich praktisch. Er immunisiert die eigene These gegen jede Gegenrede. Sagt ein Politiker X, dann wollte er in Wahrheit Y sagen. Sagt er Y, dann bestätigt das auch wieder die Theorie. So kann man natürlich jede Debatte gewinnen.

    Was mir dabei auch nicht ganz aufgeht: In den sachlichen Debatten und Beiträgen, die ich so verfolge, wird genau das angeblich „Unaussprechliche“ ziemlich direkt diskutiert. Also Beitragssätze rauf, Renteneintrittsalter rauf, und die Beitragsbasis verbreitern. Das ist ja im Grunde seit Jahren der Standard in jeder ernsthaften Rentendiskussion – nicht irgendein Geheimwissen zwischen den Zeilen.

    Ich habe dagegen nur auf einen konkreten Punkt hingewiesen: Die Kommission verweist ausdrücklich auf Schweden. Ob die Politik das am Ende übernimmt, weiß ich nicht. Du weißt aber genauso wenig, dass das alles von Anfang an bloß Theater ist.

  • Ich habe lediglich ein mögliches Szenario beschrieben und halte für wahrscheinlich, dass es so kommt.

    Raunen ist jetzt also "Szenario beschreiben"!?
    Schau nach Schweden (das ist die Referenz der Kommission für den Kapitalgedeckten Teil), schau dir die Anlagestrategie des Kenfo an (der wird gehandelt als der "Verwalter" dieses Kapitalstocks) und schau dir an, was im AV-Depot als Anlageform möglich sein wird.

    Sag doch mal, welche konkreten Punkte dich zu deiner Überzeugung bringen, dass die Anlagemöglichkeiten der 2% sich nicht in diesem Rahmen bewegen werden. Und bitte kein Geraune ala "Unterschätze niemals die Kreativität der Politik, wenn es darum geht, an das Geld der Bürger zu kommen" oder "Das kann man den Menschen natürlich so nicht sagen" oder "Ansonsten das übliche Vorgehen. Man beauftragt eine Kommission, deren Ergebnis schon durch die Besetzung festgelegt ist." Das sind alles Plattitüden, mit denen man alles "untermauern" kann.

  • Klar könnte man weiter wie bisher sparen. Ich sehe da durch die Neuerungen, sofern sie wie angekündigt eintreffen und voll genutzt werden eine gewisse Überversorgung zu Lasten der jetzigen Lebensqualität.

    Denkt der eine oder andere über eine Reduzierung der privaten AV nach oder sehr ihr das alles als weiteren Zusatz ?

  • Du hat keine Einfluss darauf, wie dein Geld dort angelegt wird. Meinst du wirklich, da wird in so was wie den MSCI World investiert? Für mich das wahrscheinlichste Szenario: man investiert in deutsche Staatsanleihen. Damit hätte man eine elegante Methode gefunden, dass die Politik das eingezahlte Geld direkt wieder verfrühstücken kann. Die meisten werden eh nicht verstehen, was da abgeht. Dann ist das Geld eben nicht weg, sondern es haben nur andere.

    Das könnte ähnlich dem KENFO laufen, auch mit Nachhaltigkeit u.ä.

    Man sollte aber erstmal abwarten, was konkret beschlossen wird. Solange keine Bahn-Aktien darunter s5ibd, kann es nicht so schlimm werden.^^

  • Denkt der eine oder andere über eine Reduzierung der privaten AV nach oder sehr ihr das alles als weiteren Zusatz ?

    Ich weiss seit ca. 5 Jahren, dass meine DRV+BAV für meine Lebensunterhalt in der Rente ausreichen wird. Aktuell würden beide zusammen sogar einiges mehr liefern, aber das bekommt der Staat schon noch zusammen gestrichen.

    Trotzdem habe ich weder meine PRV (von 1999) bereut/gestoppt noch habe ich mit dem Sparen aufgehört oder mein bereits angespartes Geld sofort ausgegeben.

    eine gewisse Überversorgung zu Lasten der jetzigen Lebensqualität.

    Die Höhe musst Du halt selber definieren. Nicht jeder muss fürs Sparen seine Lebensqualität verringern.

    Bis 50 habe ich einfach nur meinen Überschuss auf dem TG (oder einen ertraglosen aktiven Fonds) gespart, erst dann ist das Geld in ETFs geflossen.

    Und in den Jahren danach kam die Erkenntniss, dass ich mir auch ein früheres Aufhören meines AN-Daseins leisten kann. Das sit mir, auch im Nachhinein, viel mehr wert wie früher Geld für von mir nicht vermisste Erlebnisse oder Anschaffungen ausgegeben zu haben.

    durchschnittliche Lebenserwartung eines Mannes (79 Jahre) gerade mal 10 Jahre.

    Das ist aber irrelevant, oder hast Du jemals von der Diskussion gelesen, die Diskiminierung der Männer bei der anstehenden Anhebung der Regelaltersgrenze (oder schon nur seit Jahren bei der privaten AV) zu beheben? Entweder ist diese Diskriminierung gesetzeskonform oder es hat sich nur noch niemamd mit genügend Geld und Zeit gefunden, bis zu EuGH zu klagen.

    ob die private Altersvorsorge über Jahrzehnte eigentlich wirklich in dem bekannten großen Ausmaß notwendig ist

    Geld, das privat angespart wurde, kann im Zweifel auch anders eingesetzt werden. Was Für Dich Lebensqualität ist, musst Du selber definieren. Für mich gehört zur Lebensqualittä auch, dass ich mich finanziell abgesichert fühle. Also im Zweifel genügend Rücklagen habe, um die für mich denkbaren Rückschläge abzufedern.

    Am Ende kommt bei Dir noch die anscheinende ÖD-Anstellung dazu, die das ganze nochmal grundlegend ändert. In der freien Wirtschaft klappt das imt der BAV nur, wenn man das Glück hat, 30 Jahre beim selben AG zu bleiben und dieser auch noch eine gute BAV anbietet.

  • Du hat keine Einfluss darauf, wie dein Geld dort angelegt wird. Meinst du wirklich, da wird in so was wie den MSCI World investiert? Für mich das wahrscheinlichste Szenario: man investiert in deutsche Staatsanleihen. Damit hätte man eine elegante Methode gefunden, dass die Politik das eingezahlte Geld direkt wieder verfrühstücken kann. Die meisten werden eh nicht verstehen, was da abgeht. Dann ist das Geld eben nicht weg, sondern es haben nur andere.

    Ganz so schlimm ist es wohl nicht. Ein vergleichbare Einrichtung verwaltet einen Fonds für AKW Altlasten, das läuft wohl gut. Herrn Spahn sollte man aber ein absolutes Hausverbot erteilen, trotz seiner Sparkassenerfahrung.

  • Ganz so schlimm ist es wohl nicht. Ein vergleichbare Einrichtung verwaltet einen Fonds für AKW Altlasten, das läuft wohl gut.

    Meinst du den hier?

    https://www.kenfo.de/kapitalanlagen

    Zitat

    Der KENFO investiert weltweit in Aktien, Unternehmens- und Staatsanleihen sowie in illiquide Vermögensgegenstände wie Immobilien, Infrastrukturprojekte und nicht börsennotierte Unternehmensbeteiligungen.

  • Da man künftig eher schwierig ohne Abzüge früher in Rente kann, liegen zwischen Renteneintritt (69 Jahre) und durchschnittliche Lebenserwartung eines Mannes (79 Jahre) gerade mal 10 Jahre.

    Die die Durschnittliche Lebenserwartung ist nicht relevant, da diese durch Tode weit vor dem Rentenalter (selten sogar als Kind) nach unten gezogen wird. Die durschnittlliche Rentenbezugszeit einer Person im öffentlichen Dienst ist da schon spannender.

  • Das stufe ich bei 38° jetzt mal als dümmliche, ungelegte Eier ein

    Wie stufst du persönlich die folgenden Worte unseres Bundeskanzlers zu den Thema ein? Vom 23.06.2026 am Tag des Industrie in Berlin?

    Zitat

    das, was wir mit der Rentenpolitik machen, hat ja eine zweite Seite: Durch die Beiträge kommen jährlich mindestens in Zukunft 30 Milliarden Euro zusammen, die für den deutschen Kapitalmarkt und für die Investitionen der Unternehmen in Deutschland zur Verfügung stehen. Das ergibt innerhalb kürzester Zeit einen erheblichen zusätzlichen Kapitalstock, der unter anderem für Investitionen in die Zukunft unseres Landes zur Verfügung stehen wird, insbesondere für Wachstumsfinanzierung.

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