Gesetzliche Ren­ten­ver­si­che­rung

Der wichtigste Baustein für die Altersvorsorge

Martin Klotz
Finanztip-Experte für Vorsorge
27. Mai 2022
Das Wichtigste in Kürze
  • Der Durchschnittsrentner bekommt heute eine Rente von 1.538 Euro brutto. Für viele wird allein die gesetzliche Rente im Alter aber nicht ausreichen.
  • Das Alter für den regulären Renteneintritt steigt schrittweise von 65 auf 67 Jahre. Gehst Du früher in den Ruhestand, bekommst Du weniger Rente.
  • Grundlage der gesetzlichen Rente ist das Umlageverfahren: Die aktuellen Beitragszahler finanzieren jeweils die aktuellen Rentner.
So gehst Du vor
  • Perspektivisch gibt es immer weniger gesetzliche Rente. Sorge daher auch privat vor.
  • Versuche, Deine Rentenlücke realistisch einzuschätzen. Dabei hilft die jährliche Renteninformation, die Du zugeschickt bekommst.
  • Prüfe, ob Du Deine Rente durch freiwillige Beiträge erhöhen kannst.
  • Kümmere Dich um eine zusätzliche private Altersvorsorge: Mit einem ETF-Sparplan lässt sich günstig und flexibel fürs Alter sparen. 

39 Millionen Deutsche zahlen Monat für Monat in die gesetzliche Ren­ten­ver­si­che­rung ein. Doch wer heute einzahlt, bekommt später im Schnitt nur die Hälfte seines letzten Bruttogehalts als Rente ausbezahlt. Der gewohnte Lebensstandard lässt sich damit im Alter nur schwer halten. Rentenreformen wie die Aktienrente sind zwar in Planung – doch darauf allein solltest Du Dich nicht verlassen und zusätzlich privat vorsorgen.

Neu: Die gesetzliche Rente soll zum 1. Juli 2022 steigen – im Westen um 5,35 Prozent und im Osten um 6,12 Prozent. Das ist die höchste Rentenerhöhung in den alten Bundesländern seit fast 40 Jahren. Doch für manche Rentner dürfte das auch eine Steuererhöhung bedeuten. 

Wie funktioniert die gesetzliche Rente?

Das System der gesetzlichen Ren­ten­ver­si­che­rung in Deutschland beruht auf einem Umlageverfahren. Das bedeutet: Die aktuelle Generation der Beitragszahler finanziert die Rente der heutigen Rentner. Das eingezahlte Geld wird direkt umgelegt und ausgezahlt. Wer heute arbeitet, bekommt seine Rente später entsprechend durch die folgende Generation der Kinder und Enkelkinder finanziert. Man spricht daher auch von einem Generationenvertrag

Über Jahrzehnte hat das Umlageverfahren grundsätzlich gut funktioniert. Mit dem demografischen Wandel kommt auf die deutsche Rentenkasse allerdings die größte Herausforderung seit ihrem Bestehen zu. Die steigende Lebenserwartung sowie niedrige Geburten- und Zuwanderungszahlen sorgen dafür, dass die deutsche Bevölkerung immer älter wird. Dadurch gibt es mehr Rentenempfänger und weniger Beitragszahler. Haben vor 50 Jahren noch vier Rentenversicherte einen Rentner versorgt, sind es heute nur noch 1,8. Im Jahr 2030, wenn die geburtenstarken Jahrgänge (Babyboomer) in den Ruhestand gehen, finanzieren voraussichtlich nur noch 1,5 Beitragszahler einen Rentner.

Rente steigt zusammen mit Löhnen 

Durch das Umlageverfahren ist die Entwicklung der Rente an die Entwicklung der Löhne gekoppelt. Steigt der durchschnittliche Lohn pro Kopf der jetzigen Arbeitnehmer, steigt auch die Rente der jetzigen Rentner. Stichtag für eine Anpassung ist immer der 1. Juli eines Jahres. 

Im Jahr 2021 gab es eine Rentenanpassung: In den ostdeutschen Bundesländern erhöhte sich die Rente um 0,72 Prozent, im Westen gab es allerdings eine Nullrunde, das heißt die Rente blieb gleich. Der Grund: Aufgrund der Corona-Pandemie waren die Löhne im Jahr 2020 nicht gestiegen, sondern pandemiebedingt gesunken.

Normalerweise hätte daher auch die Rente in den Keller gehen müssen. Verhindert hat das allerdings die Rentengarantie. Sie ist eine Schutzklausel in der Rentenanpassungsformel und verhindert, dass die Rente in dem Jahr sinkt, in welchem auch die Lohnentwicklung rückläufig ist. 

Neu: Zum 1. Juli 2022 soll die Rente wieder steigen: Im Westen gibt es 5,35 Prozent, im Osten 6,12 Prozent mehr Geld. Um das Ungleichgewicht aus letztem Jahr wieder auszugleichen, hat die Ampelkoalition den sogenannten Nachholfaktor wieder eingeführt. Die vermiedene Rentenkürzung aus 2021 wird dieses Jahr nachgeholt. Im Ergebnis bedeutet das: Ohne diesen Nachholfaktor wäre die Rentenanpassung noch höher ausgefallen. 

Renten steigen weniger stark als Löhne 

Grundsätzlich steigen Löhne und Renten nicht im Gleichschritt. In der Rentenformel, mit deren Hilfe die Höhe der Rente berechnet wird, findet sich ein Nachhaltigkeitsfaktor. Dieser trägt dem demografischen Wandel Rechnung: Weil der Anteil der jüngeren Bundesbürger abnimmt, gibt es immer weniger Beitragszahler, die einen Rentner finanzieren. Anstelle einer Beitragserhöhung greift der Nachhaltigkeitsfaktor: Rentenerhöhungen fallen dementsprechend immer niedriger aus als die Lohnentwicklung.

Rentenniveau sinkt dauerhaft 

Weil Renten weniger stark steigen als Löhne, sinkt mit den Jahren das sogenannte Rentenniveau. Dieses sagt aus, wie viel ein Sparer, der 45 Jahre lang in die Rentenkasse einbezahlt hat, an Rente (vor Steuern) bekommt – prozentual am Durchschnittseinkommen (vor Steuern) gemessen.

Die alte Bundesregierung unter Merkel (Große Koalition) hatte sich darauf verständigt, das derzeitige Rentenniveau von 48 Prozent bis 2025 zu stabilisieren. Das bedeutet, dass eine Standardrente nach 45 Beitragsjahren nicht unter 48 Prozent des dann gültigen Durchschnittsverdienstes sinken sollte. Unter anderem könnten dafür die Beiträge steigen. Bis zum Jahr 2030 soll das Rentenniveau mindestens 43 Prozent betragen. 

So hoch ist der Beitrag zur Ren­ten­ver­si­che­rung

Sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmer zahlen einen Teil ihres Einkommens in die Ren­ten­ver­si­che­rung ein. Der Pflichtbeitrag für die Ren­ten­ver­si­che­rung liegt seit Anfang 2018 bei 18,6 Prozent. Er wird jeweils zur Hälfte von Arbeitnehmer und Arbeitgeber getragen.

Die Große Koalition hatte sich in ihrem Rentenpaket darauf geeinigt, diesen Beitragssatz bis 2025 auf maximal 20 Prozent anzuheben, bis 2030 auf maximal 22 Prozent. Die Deutsche Ren­ten­ver­si­che­rung geht auf Grundlage dieser Einigung davon aus, dass der Beitragssatz spätestens im Jahr 2023 angehoben wird, voraussichtlich auf bis zu 19,3 Prozent.

Es werden nur Einkommen bis zur Bei­trags­be­messungs­grenze herangezogen. Diese Grenze liegt im Jahr 2022 im Westen bei 7.050 Euro monatlich, im Osten bei 6.750 Euro (84.600 Euro beziehungsweise 81.000 Euro pro Jahr). Wer mehr verdient, muss auf das Einkommen über der Grenze keinen Beitrag zahlen. Seit 2019 wird die Bei­trags­be­messungs­grenze (Ost) schrittweise auf den Westwert angehoben, bis sie diesen im Jahr 2025 erreicht.

Wie viel Rente kannst Du erwarten?

Im Umlageverfahren werden eingezahlte Beiträge gleich wieder an die aktuellen Rentner ausgezahlt. Eigene Ansprüche sammelst Du in Form von Entgeltpunkten, umgangssprachlich Rentenpunkten. Sie bemessen sich nach der Höhe des Arbeitseinkommens. Und zwar so:

Einen Entgeltpunkt sammelt, wer im jeweiligen Jahr genau so viel verdient, wie die Deutschen im Durchschnitt. Im Jahr 2021 betrug dieses Durchschnittseinkommen brutto 41.541 Euro. Das aktuelle (vorläufige) Durchschnittseinkommen 2022 liegt etwas niedriger – bei 38.901 Euro. Sollte Dein Einkommen gleich hoch ausfallen wie im letzten Jahr, bekommst Du also möglicherweise mehr Entgeltpunkte.  

Wer nur die Hälfte verdient, bekommt einen halben Entgeltpunkt gutgeschrieben, wer das Doppelte verdient, erhält zwei Punkte. Einem Entgeltpunkt ist ein Geldwert zugeordnet (Rentenwert). Im Westen bringt seit Juli 2021 ein Punkt eine Rente von 34,19 Euro, im Osten 33,47 Euro. Zukünftig steigt der Rentenwert im Westen auf 36,02 Euro und im Osten auf 35,52 Euro. Grund dafür sind die Rentenerhöhungen ab Juli 2022.  

Rente berechnen mit einer Formel

Die Ren­ten­ver­si­che­rung rechnet dann zum Renteneintritt die Entgeltpunkte mit einer Formel in eine Rente um: monatliche Rentenhöhe = Entgeltpunkte x Zugangsfaktor x aktueller Rentenwert x Rentenartfaktor.

Mit dem Zugangsfaktor werden Auf- oder Abschläge berücksichtigt, die zum Beispiel durch einen verfrühten Start in den Ruhestand entstehen können. Der Rentenartfaktor bezieht sich auf verschiedene Höhen der Rentenarten. Zum Beispiel beträgt eine Zahlung bei teilweiser Erwerbsminderung nur die Hälfte einer vollen Rente.

So viel bekommt ein Eckrentner

Oft wird als Modell für Rechnungen zur Rentenhöhe der sogenannte Eckrenter herangezogen. Das ist ein Verbraucher, der 45 Jahre lang immer im Bundesdurchschnitt verdient hat. Ein solcher Rentner kann 2021/2022 mit einer Bruttorente von etwa 1.538 Euro rechnen. Nach Abgaben an die Kranken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung und vor Steuern hat der Rentner noch knapp 1.350 Euro.

Private Vorsorge stärken

Diese Rente wird den wenigsten im Alter reichen, um den Lebensstandard zu halten. Umso wichtiger ist es, sich früh mit der möglichen Finanzierungslücke im Alter zu beschäftigen und zusätzlich privat vorzusorgen. Im Ratgeber Private Altersvorsorge erklären wir, wie Du Deine Rentenlücke abschätzen kannst. Im Ratgeber Altersvorsorge findest Du in mehreren Entscheidungsbäumen mögliche Ergänzungen zur gesetzlichen Rente – etwa Riester-Verträge, betriebliche Altersvorsorge oder flexibles Sparen mit günstigen Aktien-Indexfonds (ETFs).

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Wann beginnt die Rente?

Es gibt verschiedene Regelungen, die es ermöglichen, früher oder später das Berufsleben zu beenden. Das Grundmodell ist die Regelaltersrente. Anspruch auf die Regelaltersrente haben alle, die mindestens fünf Jahre in die gesetzliche Ren­ten­ver­si­che­rung eingezahlt haben. Das nennt sich Mindestversicherungszeit oder Wartezeit.

Seit einigen Jahren steigt die Altersgrenze für den Renteneintritt schrittweise von 65 Jahren auf 67 Jahre. Wer im Jahr 1964 oder später geboren wurde, wird erst mit 67 Jahren in den Ruhestand gehen können, ohne dass seine Rente gekürzt wird.

Im Jahr 2022 dürfen Neurentner des Jahrgangs 1957 im Alter von 65 Jahren und elf Monaten ihre Rente beantragen. 

Übersicht zur Anhebung der Regelaltersgrenze

Geburtsjahr

Anhebung

um Monate

auf Jahrund Monat
19559659
1956106510
1957116511
195812660
195914662
196016664
196118666
196220668
1963226610
196424670

Quelle: Deutsche Ren­ten­ver­si­che­rung (Stand: April 2022)

Für schwerbehinderte Menschen liegt die Regelaltersgrenze im Jahr 2022 bei 64 Jahren (Jahrgang 1958). Sie wird schrittweise bis zum Jahr 2029 auf 65 Jahre steigen.

Sonderfall: Besonders langjährig Versicherte

Wer 45 Jahre lang rentenversichert war, darf mit frühestens 63 Jahren vorzeitig in den Ruhestand gehen, ohne dass die Rente gekürzt wird. Das nennt sich Altersrente für besonders langjährig Versicherte. Auch dabei gibt es eine Übergangs­regelung zur Anhebung der Altersgrenze. Für Jahrgänge ab 1964 ist die vorzeitige Rente erst mit 65 Jahren möglich.

Abschläge bei vorzeitigem Renteneintritt

Immer weniger Versicherte werden 45 Jahre Versicherungszeit erfüllen. Wer dennoch vor seiner Regelzeit Rente beantragen möchte, muss Abschläge auf die Auszahlungen hinnehmen. Jeder Monat vorzeitiger Ruhestand kostet 0,3 Prozent der monatlichen Rentenzahlung. Voraussetzung dafür sind 35 Jahre Wartezeit in der Ren­ten­ver­si­che­rung (Altersrente für langjährig Versicherte).

Ein Beispiel: Ein Mann, 1960 geboren, müsste laut Gesetz bis zum Alter von 66 Jahren und vier Monaten arbeiten, um abschlagsfrei in die Regelaltersrente zu gehen. Kommt er nicht auf 45 Beitragsjahre und möchte trotzdem mit 63 Jahren in Rente gehen, sinkt seine Rente, und zwar um 0,3 Prozent x 40 (= 12 Prozent). Denn für eine abschlagsfreie Rente hätte er noch 40 Monate mehr arbeiten müssen.

Wie viel kannst Du zur Rente hinzuverdienen?

Ruhestand bedeutet nicht unbedingt: Nie wieder arbeiten. Auch wer in Rente ist, darf weiterhin am Arbeitsleben teilnehmen. Damit Du weiterhin neben Deiner Rente Geld verdienen kannst, wurde das sogenannte Flexi-Rentengesetz 2017 eingeführt. 

Das Flexi-Rentengesetz ermöglicht es Dir, Geld zu verdienen, auch wenn Du schon in der Regelaltersrente bist. Aber auch wenn Du frühzeitig in Rente gehst, profitierst Du von dem Gesetz. 

Wer regulär in Rente geht, darf unbegrenzt hinzuverdienen. Das Flexi-Rentengesetz ermöglicht es Dir, dass Du sogar weiterhin Beiträge in die Ren­ten­ver­si­che­rung einzahlen kann. Dadurch steigt der Rentenanspruch einmal pro Jahr.

Wer vorzeitig in Rente geht, darf nur begrenzt zusätzlich verdienen. Grundsätzlich darfst Du höchstens 6.300 Euro anrechnungsfrei hinzuverdienen. Verdienst Du mehr, dann wird der darüberhinausgehende Anteil zu 40 Prozent auf die Rente angerechnet. Deine Rente wird dann also um diesen Betrag gekürzt. Als Höchstgrenze gilt: Deine Rente plus Gehalt dürfen so hoch sein wie Dein höchstes Gehalt in den letzten 15 Jahren. Wird die Höchstgrenze überschritten, muss der darüber hinausgehende Betrag zu 100 Prozent auf Deine Rente angerechnet werden. 

Neu: Im Jahr 2022 darfst Du sogar 44.590 Euro anrechnungsfrei dazuverdienen. Die Erhöhung soll pandemiebedingte Personalengpässe verhindern und ist Teil der verabschiedeten Sozialschutz-Paketen.   

Renteneintritt verschieben 

Wer die Regelaltersgrenze erreicht, muss auch nicht sofort seine Arbeit niederlegen. Du darfst den Renteneintritt auch nach hinten verschieben. Jeder Monat nach Eintritt der Regelaltersgrenze, in dem Du nicht die Rente beantragst, steigert die Auszahlung um einen Zuschlag von 0,5 Prozent. Arbeitest Du weiter, erhöhst Du Deine Rente zusätzlich, weil Du weiterhin in die Rentenkasse einzahlst.

Abschläge ausgleichen

Abschläge durch einen vorzeitigen Ruhestand kannst Du mit zusätzlichen Beitragszahlungen ausgleichen. Nach dem Flexi-Rentengesetz dürfen bereits 50-Jährige Sonderzahlungen in die gesetzliche Ren­ten­ver­si­che­rung leisten, um Abschläge auszugleichen.

Die Deutsche Ren­ten­ver­si­che­rung hilft bei der Berechnung dieser Zahlungen. Sie bietet einen Rechner an, mit dem jeder Bürger verschiedene Varianten zum persönlichen Renteneintritt durchspielen kann.

Mehr Rente durch Pflege

Wer Angehörige pflegt, erhält unter bestimmten Voraussetzungen zusätzliche Entgeltpunkte gutgeschrieben – und kann dadurch seine Rente aufbessern. Seit Inkrafttreten der Flexi-Rente können auch Rentner, die zum Beispiel den Ehepartner pflegen, dadurch zusätzliche Rentenpunkte erwerben. Bis zu 30 Euro monatlich können pflegende Rentner dazuverdienen. 

Voraussetzung ist, dass der Pflegefall mindestens den Pflegegrad 2 oder höher hat, Du mindestens zwei Tage und mindestens zehn Stunden die Woche pflegst und das für mindestens zwei Monate im Jahr.

Beziehst Du bereits Rente, musst Du mit der Rentenkasse Kontakt aufnehmen. Um das Modell zu nutzen, musst Du Dich als Teilrentner einstufen lassen und auf 1 Prozent Deiner gesetzlichen Rente verzichten. In Summe lohnt sich das aber meist. Die Ren­ten­ver­si­che­rung rechnet das für Dich durch.

Wer ist alles pflichtversichert?

Nicht nur sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, sondern auch Selbstständige, vor allem Handwerker oder Hebammen, können Pflichtmitglieder in der Ren­ten­ver­si­che­rung sein. Zusätzlich gibt es die Möglichkeit, als Selbstständiger freiwillig Beiträge zu zahlen. Selbstständige müssen ihren Beitrag komplett alleine tragen, außer sie sind Mitglied in der Künstlersozialversicherung. Denn diese übernimmt den Arbeitgeberanteil.

Für wen es sonst noch Rente gibt

Durch einige Sonderregelungen zählen auch Zeiten ohne eigene oder mit reduzierten Beiträgen zur Mindestversicherungszeit für die Rente dazu. Pflichtversichert sind

  • Mütter oder Väter während der Kindererziehungszeit. Für Kinder, die ab dem 1. Januar 1992 geboren wurden, wird einem Elternteil drei Jahre lang jeweils etwa ein Entgeltpunkt zugeschrieben. Für Kinder vor 1992 gibt es zwei Jahre Kindererziehungszeit (Mütterrente). Den zusätzlichen Rentenanspruch gibt es auch, wenn der Elternteil nebenbei arbeitet. Allerdings wird der Anspruch nur bis zur Bei­trags­be­messungs­grenze angerechnet.
  • pflegende Angehörige. Die Pflegekasse zahlt für sie Beiträge zur gesetzlichen Ren­ten­ver­si­che­rung. Die Höhe ist abhängig vom Pflegeaufwand und wird individuell berechnet.
  • Menschen mit Behinderung.
  • Wehrdienstleistende oder Menschen im Bundesfreiwilligendienst.
  • Empfänger von Krankengeld, Ar­beits­lo­sen­geld I oder anderen Un­ter­halts­er­satz­leis­tung­en.
  • teilweise auch Studenten mit Nebenjob.

Für einen Minijob fallen außerdem Beiträge in Höhe von 15 Prozent an, die der Arbeitgeber bezahlt. Minijobber können diesen Beitrag selbst noch um 3,7 Prozent aufstocken. Bei einem sogenannten Midijob zahlt der Arbeitgeber einen Anteil von 9,35 Prozent, während für den Arbeitnehmer ein reduzierter Beitrag anfällt, der sich je nach Höhe des Einkommens berechnet. Auch Midijobber können auf den vollen Beitrag aufstocken und so höhere Rentenansprüche erwerben.

Wer kann freiwillig Beiträge einzahlen?

Mit freiwilligen Beiträgen lässt sich entweder die zukünftige Rente erhöhen oder überhaupt ein Anspruch auf Rente aufbauen.

Grundsätzlich kann jeder Bürger freiwillig Beiträge in die Deutsche Ren­ten­ver­si­che­rung einzahlen. Es ist nur eine Anmeldung beim zuständigen Ren­ten­ver­si­che­rungsträger erforderlich, mit der Angabe, ab wann Beiträge in welcher Höhe gezahlt werden sollen. Die Ren­ten­ver­si­che­rung berät beim Antrag. Besonders lohnt das, wenn sich durch wenige zusätzliche Zahlungen die Wartezeit erfüllen lässt.

Ein Beispiel: Eine Mutter, die vor 1992 zwei Kinder zur Welt gebracht hat, hat insgesamt 24 Monate Beitragszeit erworben. Für die Mindestversicherungszeit zur Regelaltersgrenze fehlen ihr weitere zwölf Monate. Zahlt sie diese freiwillig nach, erwirbt sie einen Anspruch auf eine gesetzliche Rente, ohne jemals sozialversicherungspflichtig beschäftigt gewesen zu sein. Für Kinder, die nach 1992 geboren wurden, gibt es automatisch drei Jahre Kindererziehungszeit. In dem von der Bundesregierung auf den Weg gebrachten Rentenpaket ist verankert, dass Mütter und Väter mit vor 1992 geborenen Kindern einen halben Rentenpunkt zusätzlich erhalten sollen.

Wenn Du Dich freiwillig rentenversicherst, kannst Du die Höhe und die Zahl der Beiträge selbst bestimmen. 2022 müssen die Beiträge mindestens 83,70 Euro und dürfen höchstens 1.311,30 Euro pro Monat betragen. In den meisten Fällen kannst Du die Beiträge für ein Jahr noch bis zum 31. März des Folgejahres nachzahlen. In wenigen Ausnahmen, etwa wie im obigen Beispiel der Mutter, sind freiwillige Beiträge aber auch noch viele Jahre später möglich.

Welche Infos findest Du in der jährlichen Renteninformation?

Du erhältst jedes Jahr eine Renteninformation, wenn Du mindestens 27 Jahre alt bist und die Mindestversicherungszeit von fünf Jahren erfüllt hast. Darin berechnet die Deutsche Ren­ten­ver­si­che­rung für verschiedene Szenarien die Höhe der Rentenzahlung.

Zum einen findest Du dort die Höhe Deiner vollen Er­werbs­min­de­rungs­ren­te und die Höhe Deiner Regelaltersrente, die Du mit Deinen bisher gesammelten Ansprüchen erreichen würdest. Zusätzlich zeigt die Renteninformation, wie sich Dein Rentenanspruch entwickelt, sofern Du den Durchschnittsverdienst der vergangenen fünf Jahre beibehältst.

Eine Hochrechnung zur Rentenhöhe zeigt exemplarisch, wie die Rente ausfällt, sollte das Rentenniveau jährlich um 1 oder 2 Prozent angepasst werden. Falls Du die Rechnung nicht erhältst, kannst Du sie unkompliziert auf der Website der Versicherung anfordern. 

Besonders in den ersten Jahren nach dem Berufseinstieg sind die Berechnungen der Ren­ten­ver­si­che­rung zur Altersrente kaum aussagekräftig. Denn die Rechnung stützt sich auf die vergangenen fünf Jahre. Dort fließen dann möglicherweise noch Beitragszahlungen aus dem Studentenjob in die Berechnung ein. Die prognostizierte Altersrente nach fünf vollen Berufsjahren sollte aber deutlich höher ausfallen.

Unser Podcast zum Thema

Wie hoch sind Steuern und Kran­ken­kas­senbeiträge?

Bekommst Du im Jahr 2022 erstmalig eine Rente, musst Du dauerhaft 82 Prozent Deiner Rente versteuern. Bleibst Du allerdings unter dem Grundfreibetrag von 10.347 Euro im Jahr 2022, dann musst Du auch keine Steuern zahlen. 

Der zu versteuernde Anteil der Rente wird bis 2040 schrittweise angehoben. Wer 2023 in Rente geht, muss beispielsweise schon 83 Prozent seiner Rente versteuern. Wie hoch die Steuern auf Deine Rente tatsächlich ausfallen, hängt dann von Deinem persönlichen Einkommensteuersatz ab.

Steuerpflicht durch Rentenerhöhung 2022

Wer durch die Rentenerhöhung im Juli 2022 über den Grundfreibetrag von 10.347 Euro kommt, muss erstmalig seine Rente besteuern. Doch die Erhöhung des Grundfreibetrags von 9.744 Euro auf 10.347 Euro dürfte bei vielen Rentnern dazu führen, dass sie weiterhin unter der Freibetragsgrenze bleiben. Ein Beispiel: Paul aus Köln bekommt eine monatliche Rente von 810 Euro. Ab Juli 2022 steigt seine Rente auf 853,34 Euro. Durch den neuen steuerlichen Grundfreibetrag bleibt seine Rente (10.240 Euro im Jahr) steuerfrei. 

Du zahlst Kran­ken­kas­senbeiträge 

Auf die gesetzliche Rente musst Du Beiträge zur Kran­ken­ver­si­che­rung der Rentner zahlen oder Dich freiwillig gesetzlich krankenversichern. Der Beitragssatz beträgt in beiden Fällen 7,3 Prozent plus den halben Zusatzbeitrag.

Rentner haben in der privaten Kran­ken­ver­si­che­rung ein Recht auf Beihilfe. Auch für die Pfle­ge­ver­si­che­rung fallen weiterhin Beiträge an.

Wo steht die politische Rentendebatte?

Es ist eine Herausforderung: Die gesetzliche Rente soll während des Arbeitslebens bezahlbar bleiben und zugleich im Alter ein Auskommen sichern. Mit dem Renteneintritt der besonders geburtenstarken Jahrgänge in den nächsten Jahren (Babyboomer) wird das Problem noch größer. Heute versorgen 1,8 Beitragszahler einen Rentner, im Jahr 2030 werden es voraussichtlich nur noch 1,5 Beitragszahler sein. Vor knapp 50 Jahren waren es noch vier. Um die gesetzliche Rente in Zukunft finanzieren zu können, müssen entweder die Einnahmen erhöht oder die Ausgaben gesenkt werden.

Rentenniveau soll vorerst bleiben

2018 hat die große Koalition ein Rentenpaket geschnürt. Es sieht unter anderem vor, das Rentenniveau bei rund 48 Prozent des Durchschnittsverdienstes zu halten. Zwar wird dieses Versprechen zunächst nur bis zum Jahr 2025 gegeben, bis 2030 ist laut aktuellem Gesetz mindestens ein Rentenniveau von 43 Prozent vorgesehen.

Beitragssatz wird erhöht 

Eine weitere Stellschraube für die Rentenkasse ist der Beitragssatz. Das ist der Anteil, den Du als Angestellter zusammen mit Deiner Arbeitgeberin von Deinem Gehalt an die Ren­ten­ver­si­che­rung zahlst, um die heutigen Renten zu finanzieren. Derzeit liegt er bei 18,6 Prozent, je zur Hälfte bezahlt von Arbeitnehmerin und Arbeitgeber. Die alte Bundesregierung (SPD und CDU/CSU) hatte per Gesetz beschlossen, den Wert 20 Prozent bis 2025 nicht zu überschreiten. Bis 2030 darf der Beitragssatz auf maximal 22 Prozent steigen.

Vorteile für Geringverdiener 

Einige Forderungen der vergangenen Jahre hat der Gesetzgeber mit dem sogenannten Betriebsrentenstärkungsgesetz aus 2018 gebündelt: So werden Riester-Rente und betriebliche Altersvorsoge nicht mehr komplett auf die Grundsicherung angerechnet. Wer im Laufe des Lebens für sein Alter vorgesorgt hat, soll so auch im Fall der Grundsicherung davon profitieren und etwas mehr übrighaben.

Angleichung in Ost und West

Auch beschlossen ist die Angleichung der Renten in Ost und West. Bisher unterscheidet sich der Rentenwert, also der Betrag, den ein Rentenpunkt in der Auszahlung wert ist. Bis 2025 soll dieser einheitlich werden. Für bisherige und baldige Ost-Rentner ist das positiv, ihre Renten werden höher ausfallen.

Für Arbeitnehmer im Osten bedeutet diese Angleichung aber möglicherweise eine Einbuße. Denn viele verdienen im Osten weniger als im Westen. Daher werden die Gehälter fiktiv hochgerechnet, wenn es um den fälligen Beitrag zur Ren­ten­ver­si­che­rung geht. Für weniger Gehalt bekommen Beschäftigte im Osten derzeit also mehr Anspruch auf Rentenpunkte. Doch diese Höherwertung entfällt künftig.

Grundrente seit 2021

Im Januar 2021 wurde zudem die Grundrente nach einem Entwurf von Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) eingeführt. Das Prinzip: Wer jahrelang – mindestens 33 Beitragsjahre – in die Rentenkasse eingezahlt hat, soll mehr bekommen als die Grundsicherung im Alter. Maximal beträgt die Grundrente 418 Euro pro Monat

Einen Antrag brauchst Du dafür nicht zu stellen. Seit Juli 2021 verschickt die DRV die ersten Grundrentenbescheide. Die Einzelprüfung aller Rentnerinnen wird allerdings dauern. Doch unabhängig davon, wann Du den Rentenbescheid erhältst: Die Grundrente wird rückwirkend ab dem 1. Januar 2021 gezahlt. 

Es gibt allerdings Höchstgrenzen. Um den vollen Zuschlag von 418 Euro zu bekommen, dürfen Singles höchstens 1.250 Euro und Paare sowie eingetragene Lebenspartnerschaften höchstens 1.950 Euro verdienen. 

Aktienrente in Planung 

Die aktuelle Bundesregierung hat in ihrem Koalitionsvertrag eine teilweise Kapitaldeckung der gesetzlichen Rente geplant, die sogenannte Aktienrente. Angelehnt an das schwedische Modell möchte die Ren­ten­ver­si­che­rung künftig einen Teil der Beitragszahlungen in einen Fonds anlegen und so von den Renditechancen am Aktienmarkt profitieren. Dazu möchte der Staat zunächst 10 Milliarden Euro in den Fonds einbringen. Weitere Pläne dazu stehen noch aus. 

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