Gesetzliche Rentenversicherung

Der wichtigste Baustein für die Altersvorsorge

Das Wichtigste in Kürze

  • Die gesetzliche Rente ist für die meisten Menschen der wichtigste Baustein ihrer Altersvorsorge. Aus der Rente kommen im Schnitt 63 Prozent des Alterseinkommens.
  • Wie hoch Ihre künftige Rente einmal ausfällt, hängt davon ab, wie viel Sie über Ihr Erwerbsleben hinweg verdienen. Sie sammeln jedes Jahr sogenannte Entgeltpunkte.
  • Einen Entgeltpunkt bekommen Sie, wenn Sie in einem Jahr so viel verdienen wie der Durchschnitt in Deutschland: 45 Punkte sind 2017 knapp 1.250 Euro Rente vor Steuern wert.
  • Mit Ihren Beiträgen zur Rentenversicherung finanzieren Sie die aktuellen Renten. Ihre künftige Rente finanzieren die dann Erwerbstätigen. Das nennt sich Umlageverfahren.
  • Das Alter für den regulären Renteneintritt steigt derzeit schrittweise von 65 auf 67 Jahre. Gehen Sie früher in den Ruhestand, bekommen Sie weniger Rente.

So gehen Sie vor

  • Die Bundesregierung will das Rentenniveau mittelfristig stabilisieren. Langfristig wird es sinken. Kümmern Sie sich daher unbedingt um private Altersvorsorge.
  • Schauen Sie regelmäßig auf Ihre Renteninformation, um Ihren zusätzlichen finanziellen Bedarf im Alter abzuschätzen.
  • Mit freiwilligen Beiträgen können Sie Ihre zukünftige Rente erhöhen oder überhaupt einen Anspruch auf Rente aufbauen.
  • Besonders Mütter, die automatisch mindestens zwölf Monate Rentenanspruch pro Kind erhalten, sollten über freiwillige Beiträge nachdenken.
  • Nutzen Sie auch die Flexi-Rente, um den Beginn Ihrer Rente flexibler zu gestalten.
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Fast 38 Millionen Deutsche zahlen Monat für Monat in die gesetzlichen Rentenversicherung ein. Und für die meisten ist die gesetzliche Rente der wichtigste Baustein zur Sicherung eines Einkommens im Ruhestand: Rund 63 Prozent des Einkommens im Alter machte die gesetzliche Rente 2015 aus, meldet das Arbeitsministerium. Doch der Anteil wird perspektivisch weniger – und private Vorsorge immer wichtiger.

Wie funktioniert die gesetzliche Rente?

Das System der gesetzlichen Rentenversicherung in Deutschland beruht auf einem Umlageverfahren. Das bedeutet, dass die aktuelle Generation der Beitragszahler die Rente der aktuellen Rentnergeneration finanziert. Das eingezahlte Geld wird direkt umgelegt und ausgezahlt. Wer heute arbeitet, bekommt seine Rente später entsprechend durch die folgende Generation der Kinder und Enkelkinder finanziert. Man spricht auch von einem Generationenvertrag.

Durch das Umlageverfahren ist die Entwicklung der Rente an die Entwicklung der Löhne gekoppelt. Steigt der durchschnittliche Lohn pro Kopf der jetzigen Arbeitnehmer, steigt auch die Rente der jetzigen Rentner. Stichtag für eine Anpassung ist immer der 1. Juli eines Jahres. Auch 2018 gab es eine Rentenanpassung: In den westdeutschen Bundesländern erhöhte sich die Rente um 3,22 Prozent, im Osten um 3,37 Prozent.

Renten steigen weniger stark als Löhne

Allerdings steigen Löhne und Renten nicht im Gleichschritt. In der Rentenformel, mit deren Hilfe die Höhe der Rente berechnet wird, findet sich ein Nachhaltigkeitsfaktor. Dieser trägt dem demografischen Wandel Rechnung: Weil der Anteil der jüngeren Bundesbürger abnimmt, gibt es immer weniger Beitragszahler, die einen Rentner finanzieren. Um die Beitragszahler zu entlasten, fallen Rentenerhöhungen durch den Nachhaltigkeitsfaktor niedriger aus als die Lohnentwicklung.

Rentenniveau nicht unter 48 Prozent

Weil Renten weniger stark steigen als Löhne, sinkt mit den Jahren das sogenannte Rentenniveau. Es sagt aus, wie viel ein Sparer, der 45 Jahre lang in die Rentenkasse einbezahlt hat, an Rente (vor Steuern) bekommt – prozentual am Durchschnittseinkommen (vor Steuern).

2018 hat sich die Große Koalition darauf verständigt, das derzeitige Rentenniveau von 48 Prozent bis 2025 zu stabilisieren. Das bedeutet, dass eine Standardrente nach 45 Beitragsjahren nicht unter 48 Prozent des dann gültigen Durchschnittsverdienstes sinken sollte. Unter anderem könnten dafür die Beiträge steigen. Mehr dazu lesen Sie im letzten Abschnitt des Textes.

So hoch ist der Beitrag zur Rentenversicherung

Sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmer zahlen einen Teil ihres Einkommens in die Rentenversicherung ein. Der Pflichtbeitrag für die Rentenversicherung liegt seit Anfang 2018 bei 18,6 Prozent. Er wird jeweils zur Hälfte von Arbeitnehmer und Arbeitgeber getragen.

Die große Koalition hat sich in ihrem Rentenpaket darauf geeinigt, diesen Beitragssatz auf maximal 20 Prozent anzuheben. Die Deutsche Rentenversicherung geht auf Grundlage dieser Einigung davon aus, dass der Beitragssatz spätestens im Jahr 2023 angehoben wird, voraussichtlich auf bis zu 19,3 Prozent. Im Rentenversicherungsbericht 2017 hatte die Bundesregierung noch einen erforderlichen Anstieg auf über 20 Prozentpunkte prognostiziert.

Es werden nur Einkommen bis zur Beitragsbemessungsgrenze herangezogen. Diese liegt im Jahr 2018 im Westen bei 6.500 Euro monatlich, im Osten bei 5.800 Euro (78.000 Euro beziehungsweise 69.600 Euro pro Jahr). Wer mehr verdient, muss auf das Einkommen über der Grenze keinen Beitrag zahlen. Ab 2019 wird die Beitragsbemessungsgrenze (Ost) schrittweise auf den Westwert angehoben, bis sie diesen im Jahr 2025 erreicht.

Wie viel Rente können Sie erwarten?

Im Umlageverfahren werden eingezahlte Beiträge gleich wieder an die aktuellen Rentner ausgezahlt. Eigene Ansprüche sammelt ein Beitragszahler in Form von Entgeltpunkten, umgangssprachlich Rentenpunkten. Sie bemessen sich nach der Höhe des Arbeitseinkommens. Und zwar so:

Einen Entgeltpunkt sammelt, wer im jeweiligen Jahr genau so viel verdient, wie die Deutschen im Durchschnitt. Im Jahr 2017 betrug dieses Durchschnittseinkommen brutto 37.103 Euro. 2018 ist es auf 37.873 Euro gestiegen.

Wer zum Beispiel nur die Hälfte verdient, bekommt für dieses Jahr einen halben Entgeltpunkt gutgeschrieben, wer das Doppelte verdient, erhält zwei Punkte. Einem Entgeltpunkt ist ein Geldwert zugeordnet (Rentenwert). Im Westen bringt seit Juli 2018 ein Punkt eine Rente von 32,03 Euro, im Osten 30,69 Euro.

Rente berechnen mit einer Formel

Die Rentenversicherung rechnet dann zum Renteneintritt die Entgeltpunkte mit einer Formel in eine Rente um: monatliche Rentenhöhe = Entgeltpunkte x Zugangsfaktor x aktueller Rentenwert x Rentenartfaktor.

Mit dem Zugangsfaktor werden Auf- oder Abschläge berücksichtigt, die zum Beispiel durch einen verfrühten Start in den Ruhestand entstehen können. Der Rentenartfaktor bezieht sich auf verschiedene Höhen der Rentenarten. Zum Beispiel beträgt eine Zahlung bei teilweiser Erwerbsminderung nur die Hälfte einer vollen Rente.

So viel bekommt ein Eckrentner

Oft wird als Modell für Rechnungen zur Rentenhöhe der sogenannte Eckrenter herangezogen. Das ist ein Verbraucher, der 45 Jahre lang immer im deutschen Durchschnitt verdient hat. Ein solcher Rentner konnte 2017 mit einer Bruttorente von knapp 1.400 Euro rechnen. Nach Abgaben an die Kranken- und Pflegeversicherung und vor Steuern hatte der Rentner noch knapp 1.250 Euro.

Private Vorsorge stärken

Diese Rente wird den wenigsten im Alter reichen, um den Lebensstandard zu halten. Umso wichtiger ist es, sich früh mit der möglichen Finanzierungslücke im Alter zu beschäftigen und zusätzlich privat vorzusorgen. Im Ratgeber Private Altersvorsorge erklären wir, wie Sie Ihre Rentenlücke abschätzen können. Im Ratgeber Altersvorsorge finden Sie in mehreren Entscheidungsbäumen mögliche Ergänzungen zur gesetzlichen Rente – etwa Riester-Verträge, betriebliche Altersvorsorge oder flexibles Sparen mit günstigen Aktien-Indexfonds (ETFs).

Weitere Tipps im Ratgeber Altersvorsorge

Sara Zinnecker
von Finanztip,
Expertin für Geldanlage

So können Sie fürs Alter vorsorgen

  • Zur Basisversorgung zählen die gesetzliche Rentenversicherung und Rürup-Verträge.
  • Gefördert sind Riester-Verträge oder betriebliche Altersvorsorge.
  • Die Lebensversicherung zählt zur ungeförderten Vorsorge.

» Zum Ratgeber

Wann beginnt die Rente?

Es gibt verschiedene Regelungen, die es ermöglichen, früher oder später das Berufsleben zu beenden. Das Grundmodell ist die Regelaltersrente. Anspruch auf die Regelaltersrente haben alle, die mindestens fünf Jahre in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt haben. Das nennt sich Mindestversicherungszeit oder Wartezeit.

Seit einigen Jahren steigt die Altersgrenze für den Renteneintritt schrittweise von 65 Jahren auf 67 Jahre. Wer im Jahr 1964 oder später geboren wurde, wird erst mit 67 Jahren in den Ruhestand gehen können, ohne dass seine Rente gekürzt wird.

Im Jahr 2018 dürfen Neurentner der Jahrgänge 1952 und 1953 im Alter von 65 Jahren und sechs Monaten bzw. sieben Monaten ihre Rente beantragen. Der Jahrgang 1954 geht 2019 in Regelaltersrente und muss wiederum einen Monat länger arbeiten.

Übersicht zur Anhebung der Regelaltersgrenze

Geburtsjahr Anhebung um Monate auf Jahr und Monat
1952 6 65 6
1953 7 65 7
1954 8 65 8
1955 9 65 9
1956 10 65 10
1957 11 65 11
1958 12 66 0
1959 14 66 2
1960 16 66 4
1961 18 66 6
1962 20 66 8
1963 22 66 10
1964 24 67 0

Quelle: Deutsche Rentenversicherung (Stand: Juli 2017)

Für schwerbehinderte Menschen liegt die Regelaltersgrenze im Jahr 2018 bei 63 Jahren und acht Monaten (Jahrgang 1954) beziehungsweise 63 Jahren und neun Monaten (1955). Sie wird schrittweise bis zum Jahr 2029 auf 65 Jahre steigen.

Sonderfall: Besonders langjährig Versicherte

Wer 45 Jahre lang rentenversichert war, darf mit frühestens 63 Jahren vorzeitig in den Ruhestand gehen, ohne dass die Rente gekürzt wird. Das nennt sich Altersrente für besonders langjährig Versicherte. Auch dabei gibt es eine Übergangsregelung zur Anhebung der Altersgrenze. Für Jahrgänge ab 1964 ist die vorzeitige Rente erst mit 65 Jahren möglich.

Abschläge bei vorzeitigem Renteneintritt

Immer weniger Versicherte werden 45 Jahre Versicherungszeit erfüllen. Wer dennoch vor seiner Regelzeit Rente beantragen möchte, muss Abschläge auf die Auszahlungen hinnehmen. Jeder Monat vorzeitiger Ruhestand kostet 0,3 Prozent der monatlichen Rentenzahlung. Voraussetzung dafür sind 35 Jahre Wartezeit in der Rentenversicherung (Altersrente für langjährig Versicherte).

Ein Beispiel: Ein Mann, 1960 geboren, müsste laut Gesetz bis zum Alter von 66 Jahren und vier Monaten arbeiten, um abschlagsfrei in die Regelaltersrente zu gehen. Kommt er nicht auf 45 Beitragsjahre und möchte trotzdem mit 63 Jahren in Rente gehen, sinkt seine Rente, und zwar um 0,3 Prozent mal 40 (= 12 Prozent). Denn für eine abschlagsfreie Rente hätte er noch 40 Monate mehr arbeiten müssen.

Wie viel können Sie zur Rente hinzuverdienen?

Nicht alle Menschen möchten vorzeitig in den Ruhestand, andere sind dagegen froh, früher den Arbeitsplatz zu verlassen und nur nebenbei etwas hinzuzuverdienen.

Um diesen verschiedenen Bedürfnissen gerecht zu werden, gilt seit Anfang 2017 das Flexi-Rentengesetz. Es soll einen flexibleren Eintritt in die Rente erleichtern: entweder früher oder später als die Regelaltersgrenze, jeweils mit leichteren Möglichkeiten, weiterhin Geld zu verdienen.

Wer regulär in Rente geht, durfte bereits früher unbegrenzt hinzuverdienen; der Rentenanspruch hat sich dadurch aber nicht erhöht. Durch die Flexi-Rente gilt aber, dass der Arbeitnehmer weiterhin Beiträge in die Rentenversicherung einzahlen kann. Dadurch steigt der Rentenanspruch einmal pro Jahr.

Wer vorzeitig in Rente geht, darf nur begrenzt zusätzlich verdienen. Die genaue Berechnung von Höhe und Kürzungen der Rente änderte sich im Juli 2017 durch Inkrafttreten des zweiten Teils des Flexi-Rentengesetzes.

Wie bisher ist es weiterhin möglich, den Renteneintritt zu verschieben. Jeder Monat nach Eintritt der Regelaltersgrenze, in dem Sie nicht die Rente beantragen, steigert die Auszahlung um einen Zuschlag von 0,5 Prozent. Arbeiten Sie weiter, erhöhen Sie Ihre Rente zusätzlich, weil Sie weiterhin in die Rentenkasse einzahlen.

Abschläge ausgleichen

Abschläge durch einen vorzeitigen Ruhestand können Sie mit zusätzlichen Beitragszahlungen ausgleichen. Nach dem Flexi-Rentengesetz dürfen bereits 50-Jährige Sonderzahlungen in die gesetzliche Rentenversicherung leisten, um Abschläge auszugleichen.

Die Deutsche Rentenversicherung hilft bei der Berechnung dieser Zahlungen. Sie bietet einen Rechner an, mit dem jeder Bürger verschiedene Varianten zum persönlichen Renteneintritt durchspielen kann.

Mehr Rente durch Pflege

Wer Angehörige pflegt, erhält unter bestimmten Voraussetzungen zusätzliche Entgeltpunkte gutgeschrieben – und kann dadurch seine Rente aufbessern. Seit Inkrafttreten der Flexi-Rente können auch Rentner, die zum Beispiel den Ehepartner pflegen, dadurch zusätzliche Rentenpunkte erwerben. Bis zu 30 Euro monatlich können pflegende Rentner dazuverdienen. 

Voraussetzung ist, dass der Pflegefall mindestens den Pflegegrad zwei oder höher hat, Sie mindestens zwei Tage und mindestens zehn Stunden die Woche pflegen und das für mindestens zwei Monate im Jahr.

Beziehen Sie bereits Rente, müssen Sie mit der Rentenkasse Kontakt aufnehmen. Um das Modell zu nutzen, müssen Sie sich als Teilrentner einstufen lassen und auf ein Prozent Ihrer gesetzlichen Rente verzichten. In Summe lohnt sich das aber fast immer. Die Rentenversicherung rechnet das für Sie durch.

Wer ist alles pflichtversichert?

Nicht nur sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, sondern auch Selbstständige, vor allem Handwerker oder Hebammen, können Pflichtmitglieder in der Rentenversicherung sein. Zusätzlich gibt es die Möglichkeit, als Selbstständiger freiwillig Beiträge zu zahlen. Selbstständige müssen ihren Beitrag komplett alleine tragen, außer sie sind Mitglied in der Künstlersozialversicherung. Denn diese übernimmt den Arbeitgeberanteil.

Für wen es sonst noch Rente gibt

Durch einige Sonderregelungen zählen auch Zeiten ohne eigene oder mit reduzierten Beiträgen zur Mindestversicherungszeit für die Rente dazu. Pflichtversichert sind

  • Mütter oder Väter während der Kindererziehungszeit. Für Kinder, die ab dem 1. Januar 1992 geboren wurden, wird einem Elternteil drei Jahre lang jeweils etwa ein Entgeltpunkt zugeschrieben. Für Kinder vor 1992 gibt es zwei Jahre Kindererziehungszeit (Mütterrente). Den zusätzlichen Rentenanspruch gibt es auch, wenn der Elternteil nebenbei arbeitet. Allerdings wird der Anspruch nur bis zur Beitragsbemessungsgrenze angerechnet.
  • pflegende Angehörige. Die Pflegekasse zahlt für sie Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung. Die Höhe ist abhängig vom Pflegeaufwand und wird individuell berechnet.
  • Menschen mit Behinderung.
  • Wehrdienstleistende oder Menschen im Bundesfreiwilligendienst.
  • Empfänger von Krankengeld, Arbeitslosengeld I oder anderen Unterhaltsersatzleistungen.
  • teilweise auch Studenten mit Nebenjob.

Für einen Minijob fallen außerdem Beiträge in Höhe von 15 Prozent an, die der Arbeitgeber bezahlt. Minijobber können diesen Beitrag selbst noch um 3,7 Prozent aufstocken. Bei einem sogenannten Midijob zahlt der Arbeitgeber einen Anteil von 9,35 Prozent, während für den Arbeitnehmer ein reduzierter Beitrag anfällt, der sich je nach Höhe des Einkommens berechnet. Auch Midijobber können auf den vollen Beitrag aufstocken und so höhere Rentenansprüche erwerben.

Wer kann freiwillig Beiträge einzahlen?

Mit freiwilligen Beiträgen lässt sich entweder die zukünftige Rente erhöhen oder überhaupt ein Anspruch auf Rente aufbauen.

Grundsätzlich kann jeder Bürger freiwillig Beiträge in die Deutsche Rentenversicherung einzahlen. Es ist nur eine Anmeldung beim zuständigen Rentenversicherungsträger erforderlich, mit der Angabe, ab wann Beiträge in welcher Höhe gezahlt werden sollen. Die Rentenversicherung berät beim Antrag. Besonders lohnt das, wenn sich durch wenige zusätzliche Zahlungen die Wartezeit erfüllen lässt.

Ein Beispiel: Eine Mutter, die vor 1992 zwei Kinder zur Welt gebracht hat, hat insgesamt 24 Monate Beitragszeit erworben. Für die Mindestversicherungszeit zur Regelaltersgrenze fehlen ihr weitere 12 Monate. Zahlt sie diese freiwillig nach, erwirbt sie einen Anspruch auf eine gesetzliche Rente, ohne jemals sozialversicherungspflichtig beschäftigt gewesen zu sein. Für Kinder, die nach 1992 geboren wurden, gibt es automatisch drei Jahre Kindererziehungszeit. In dem von der Bundesregierung auf den Weg gebrachten Rentenpaket ist verankert, dass Mütter und Väter mit vor 1992 geborenen Kindern einen halben Rentenpunkt zusätzlich erhalten sollen.

Wenn Sie sich freiwillig rentenversichern, können Sie die Höhe und die Zahl der Beiträge selbst bestimmen. 2018 müssen die Beiträge mindestens 83,70 Euro und dürfen höchstens 1.078,80 Euro im Osten und 1.209 Euro im Westen pro Monat betragen. In den meisten Fällen können Sie die Beiträge für ein Jahr noch bis zum 31. März des Folgejahres nachzahlen. In wenigen Ausnahmen, etwa wie im obigen Beispiel der Mutter, sind freiwillige Beiträge aber auch noch viele Jahre später möglich.

Welche Infos finden Sie in der jährlichen Renteninformation?

Versicherte, die mindestens 27 Jahre alt sind und die Mindestversicherungszeit erfüllt haben, erhalten jedes Jahr eine Renteninformation. Darin berechnet die Deutsche Rentenversicherung für verschiedene Szenarien die Höhe der Rentenzahlung.

Zum einen finden Sie dort die Höhe Ihrer vollen Erwerbsminderungsrente und die Höhe Ihrer Regelaltersrente, die Sie mit Ihren bisher gesammelten Ansprüchen erreichen würden. Zusätzlich zeigt die Renteninformation, wie sich Ihr Rentenanspruch entwickelt, sofern Sie den Durchschnittsverdienst der vergangenen fünf Jahre beibehalten.

Eine Hochrechnung zur Rentenhöhe zeigt exemplarisch, wie die Rente ausfällt, sollte das Rentenniveau jährlich um 1 oder 2 Prozent angepasst werden. Falls Sie die Rechnung nicht erhalten, können Sie sie unkompliziert auf der Website der Versicherung anfordern. 

Besonders in den ersten Jahren nach dem Berufseinstieg sind die Berechnungen der Rentenversicherung zur Altersrente kaum aussagekräftig. Denn die Rechnung stützt sich auf die vergangenen fünf Jahre. Dort fließen dann möglicherweise noch Beitragszahlungen aus dem Studentenjob in die Berechnung ein. Die prognostizierte Altersrente nach fünf vollen Berufsjahren sollte aber deutlich höher ausfallen.

Wie hoch sind Steuern und Krankenkassenbeiträge?

Auf Renten aus der gesetzlichen Rentenversicherung zahlen Sie den persönlichen Einkommenssteuersatz – jedoch erst ab 2040 nicht unbedingt auf die volle Rente. Vorab wird der zu versteuernde Anteil der Rente schrittweise angehoben. Erhalten Sie erstmals 2018 eine Altersrente, gilt dauerhaft ein Besteuerungsanteil von 76 Prozent. Das heißt, 24 Prozent Ihrer Renten sind steuerfrei. Dieser Anteil sinkt für jüngere Rentnerjahrgänge, sodass bei einem Rentenbeginn beispielsweise 2019 nur noch 22 Prozent steuerfrei sind. 

Da die Renten jedes Jahr ein wenig steigen, kann es sein, dass Sie plötzlich zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet sind. Details dazu finden Sie auch in unserem Ratgeber zur Anlage R in der Steuererklärung.

Auf die gesetzliche Rente müssen Sie Beiträge zur Krankenversicherung der Rentner zahlen oder sich freiwillig gesetzlich krankenversichern. Der Beitragssatz beträgt in beiden Fällen 7,3 Prozent plus den gesamten Zusatzbeitrag (2018) beziehungsweise den halben Zusatzbeitrag (ab 2019).

Rentner haben in der privaten Krankenversicherung ein Recht auf Beihilfe. Auch für die Pflegeversicherung fallen weiterhin Beiträge an.

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Wo steht die politische Rentendebatte?

Es ist eine Herausforderung: die gesetzliche Rente soll während des Arbeitslebens bezahlbar bleiben und zugleich im Alter ein Auskommen sichern. 2018 hat die große Koalition daher ein Rentenpaket geschnürt. Es sieht unter anderem vor, das Rentenniveau bei rund 48 Prozent des Durchschnittsverdienstes zu halten. Zwar wird dieses Versprechen zunächst nur bis zum Jahr 2025 gegeben – für eine Sicherung bis 2040 sollen jedoch die Weichen gestellt werden.

Teil des Rentenpakets ist außerdem eine Ausweitung der „Mütterrente“: Alle Eltern mit Erziehungszeit, deren Kinder vor 1992 geboren wurden, sollen zusätzlich einen halben Rentenpunkt gutgeschrieben bekommen. Darüber hinaus sind Verbesserungen für Erwerbsminderungsrentner vorgesehen.

Kritik erntet das Rentenpaket vor allem von Seiten der Wirtschaft und der FDP. Statt der versprochenen Entlastung lege es die Grundlage für zusätzliche Belastungen der jüngeren Generationen. Sozialverbände und Linke hingegen erklären, die Sicherung des Rentenniveaus bei 48 Prozent bis zum Jahr 2025 sei zu gering und nicht lang genug.

Einige Forderungen der vergangenen Jahre hat der Gesetzgeber Anfang Juni 2017 mit dem sogenannten Betriebsrentenstärkungsgesetz verabschiedet: So werden Riester-Rente und betriebliche Altersvorsoge nicht mehr komplett auf die Grundsicherung angerechnet. Wer im Laufe des Lebens für sein Alter vorgesorgt hat, soll so auch im Fall der Grundsicherung davon profitieren und etwas mehr übrighaben.

Auch beschlossen ist die Angleichung der Renten in Ost und West. Bisher unterscheidet sich der Rentenwert, also der Betrag, den ein Rentenpunkt in der Auszahlung wert ist. Bis 2025 soll dieser einheitlich werden. Für bisherige und baldige Ost-Rentner ist das positiv, ihre Renten werden höher ausfallen.

Für Arbeitnehmer im Osten bedeutet diese Angleichung aber möglicherweise eine Einbuße. Denn viele verdienen im Osten weniger als im Westen. Daher werden die Gehälter fiktiv hochgerechnet, wenn es um den fälligen Beitrag zur Rentenversicherung geht. Für weniger Gehalt bekommen Beschäftigte im Osten derzeit also noch mehr Anspruch auf Rentenpunkte. Doch diese Höherwertung entfällt künftig.

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Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

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Artikel verfasst von

Annika Krempel

Finanztip-Expertin für Versicherungen (bis Januar 2018)

Annika Krempel war Redakteurin im Team Versicherung und Vorsorge. Zuvor hatte sie bereits bei ZDF Wiso, dem RBB und der Stiftung Warentest Erfahrungen als Verbraucherjournalistin gesammelt.

Sara Zinnecker

Finanztip-Expertin für Bankprodukte

Sara Zinnecker ist Redakteurin im Team Bank & Geldanlage. Nach ihrem Volontariat an der Georg von Holtzbrinck-Schule für Wirtschaftsjournalisten schrieb sie beim Handelsblatt über Geldanlage und Altersvorsorge. Zuvor studierte Sara Zinnecker in Nürnberg, Italien und Portugal internationale Volkswirtschaftslehre mit Diplom-Abschluss, arbeitete bei Lokalzeitungen sowie der Süddeutschen Zeitung.