Kippunkt

KI-Zusammenfassung

: Ist die US-Staatsverschuldung von mehr als 40 Billionen US-Dollar ein finanzwissenschaftlicher Kipppunkt? Viele Beiträge sehen keinen festen Schwellenwert in einem runden Betrag. Wichtiger seien Schuldenquote, Zinslast, Wirtschaftswachstum, Refinanzierung und Vertrauen der Gläubiger. Uneinig bleibt die Community, wie stark Dollarstatus, Wirtschaftskraft, große Anleihemärkte und internationaler Einfluss die Risiken der USA abfedern können.

Ist die US-Staatsverschuldung von mehr als 40 Billionen US-Dollar ein finanzwissenschaftlicher Kipppunkt? Viele Beiträge sehen keinen festen Schwellenwert in einem runden Betrag. Wichtiger seien Schuldenquote, Zinslast, Wirtschaftswachstum, Refinanzierung und Vertrauen der Gläubiger. Uneinig bleibt die Community, wie stark Dollarstatus, Wirtschaftskraft, große Anleihemärkte und internationaler Einfluss die Risiken der USA abfedern können.

  • Die Staatsverschuldung der USA springt erstmals über 40.000.000.000.000-Dollar-Marke. in vielen wissenschaftlichen Disziplinen gibt es Kippunkte, also Punkte an denen ein stabiles System umkippt. Gibt es so etwas auch in den Finanzwissenschaften ?

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  • Hallo Polarlicht,

    ob 40 Bill. $ ein Kipppunkt sind, weiß ich nicht, ob Finanzen überhaupt eine Wissenschaft sind, auch nicht.

    Eins bin ich mir aber sicher, solange die Welt bereit ist, Waren und Dienstleistungen im Austausch gegen grüne Zettel in die USA zu liefern, wird das Finanzsystem der USA nicht kippen.

    Gruß Pumphut

  • wie Theologie

    Angesichts der Schuldenentwicklung der USA über verschiedene Präsidentschaften hinweg nähern sich die in diesen Fachrichtungen betrachteten Zeiträume ja auch irgendwie schon an. Der letzte mit (zahlenmäßig) halbwegs solider Haushaltspolitik war ja der mit der berühmten Praktikantin.

    Und als Deutscher ist es ja eh schwer zu begreifen. Statt der Schulden könnten sich diese Amateure doch einfach Sondervermögen genehmigen 8o

  • Der Kipppunkt Diskurs bezieht sich doch auf natürliche Gleichgewichte, oder täusche ich mich? Da passen Finanzmärkte irgendwie nicht dazu.

    Ja und nein. Natürlich sind Finanzmärkte kein natürliches System, aber man hat auch eine Menge Rückkopplungseffekte. Schulden bedingen Zinszahlungen und die müssen irgendwie finanziert werden. Entweder durch höhere Steuern, durch weniger Staatsleistung oder durch noch mehr Schulden. Von der Tilgung redet ja schon lange keiner mehr. Da Varianten 1 und 2 politisch recht unbeliebt sind, führen die Schulden immer zu noch mehr Schulden und irgendwann sind die Spielräume im Haushalt gering. Nicht nur in den USA, auch in Deutschland

  • ...

    Eins bin ich mir aber sicher, solange die Welt bereit ist, Waren und Dienstleistungen im Austausch gegen grüne Zettel in die USA zu liefern, wird das Finanzsystem der USA nicht kippen.

    Ist das sicher?

    Und wenn die Welt nicht mehr bereit ist, den USA Geld zu leihen oder nur zu einem hohen Zinssatz, dann spielt das keine Rolle?

  • Eine hohe Schuldenquote kann sehr lange gut gehen. Man muss sich nur Japan ansehen. Hier liegt die Schuldenquote gemessen am BIP seit über 10 Jahren > 200%. Aktuell liegt Japan bei 260% des BIP.

    Dazu muss man allerdings sagen, dass sich Japan überwiegend gegenüber den eigenen Bürgern verschuldet hat. Die USA sind ja der Schuldner der Welt.
    Wirklich kritisch wird es ja erst dann, wenn der Schuldner seine Schulden nicht mehr bedienen kann, die Gläubiger aber auf Zahlung bestehen. :/

  • Die Staatsverschuldung der USA springt erstmals über 40.000.000.000.000-Dollar-Marke. in vielen wissenschaftlichen Disziplinen gibt es Kippunkte, also Punkte an denen ein stabiles System umkippt. Gibt es so etwas auch in den Finanzwissenschaften ?

    Ein solcher "Kippunkt" wird - aus meiner Sicht des interessierten Finanz-Laien - jedenfalls nicht durch eine fixe Zahl - noch dazu eine im Voraus zu antizipierende - definiert. Dazu kommt, daß es sich in der Regel dann um Prozesse mit erheblicher Eigendynamik (und ggf. eruptiven Entwicklungen) handeln kann und vermutlich auch handeln wird.

    Aus meiner Sicht:

    So lange die USA (noch) die stärkste Wirtschaft der Welt stellen, (noch) weiterhin dynamisches Wirtschaftswachstum schaffen, (noch) über die Weltwährung mit dem US-Dollar verfügen, (noch) mit US-Treasuries den größten und liquidesten Markt im Bereich Gov. Bonds stellen, (noch) anziehend auf internationales Kapital und qualifizierte Zuwanderung wirken und - last but not least - (noch) die stärkste Militärmacht der Welt sind samt glaubhafter und autarker militärischer Abschreckung - sehe ich diesen "Kippunkt" (noch) nicht erreicht. Auch wenn natürlich Schulden (auch Staatsschulden) die unangenehme Eigenschaft haben, daß diese Zinslasten auslösen.


    Zu anderen Einschätzungen kann beispielsweise ein Land kommen, daß zwar eine historische Rekord-Neuverschuldung aufnimmt, dabei aber seit Jahren nur noch anämisches Wirtschaftswachstum oder reales "Nullwachstum" generiert, in einer konstruktionsbedingt hoch fragilen Währungsunion (Einheitswährung) drinhängt, für private Investitionen wenig anziehend wirkt, eher nicht für die "qualifizierte Zuwanderung" attraktiv aufgestellt ist - sondern eher für eine solche in die Sozialsysteme und - last but not least - militärisch in der "Zwergenklasse" spielt sprich weder über eine glaubhafte, autarke atomare Abschreckung noch eine ebensolche generelle Verteidigungsfähigkeit in der Breite und Tiefe verfügt.

  • Man wird in dem Fall aber davon absehen, weiteres Geld zu verleihen. Da helfen auch Flugzeugträger nicht.

    Unabhängig davon, daß "Flugzeugträger" im Speziellen - und der Status die (noch) stärkste Militärmacht der Welt zu sein im Allgemeinen - in sehr vielen Fällen "helfen" (ohne normative, ethisch-moralische Kautelen zu bemühen - denn diese pflegten auf der Ebene "Geopolitik" selten eine bedeutsame Rolle zu spielen; und spielen eine solche Rolle immer weniger (Stichwort: Erosion der regelbasierte globale Ordnung) ...

    ... könnten die USA mit weiteren unangenehmen Folgen drohen (denen, die "davon absehen", ihnen den USA, "weiteres Geld zu verleihen") angefangen vom zukünftig beschränktem oder verschlossenen Eintritt in den US-Kapitalmarkt über Bezahlsysteme bis hin zum vollständigen Entzug des militärischen Schutzes oder Beistands (in der untersten Stufe einer diesbezüglichen Eskalationsspirale könnte schon der Hinweis reichen, zukünftig keine geheimdienstlichen Erkenntnisse und/oder keine militärischen Aufklärungsdienste mehr zu leisten bzw. diese an dritte Staaten nicht mehr weiterzureichen).

    Weiteres Geld benötigt man aber.

    Es könnte lediglich passieren, was in solchen Konstellationen meist passiert: Der Staat "motiviert" (nötigt oder zwingt) seine zugehörige Zentralbank dieses Geld selbst zu drucken und/oder seinen eigenen Staatsanleihen-"Schrott" aufzukaufen (und diesen in die Bilanz der eigenen Notenbank zu "verklappen").

    Geht in den USA mit der Fed - wäre in beispielsweise Frankreich (europäisches diesbezügliches Sorgenkind) schon technisch und formal-juristisch anspruchsvoller, weil die Grande Nation sich die Einheitswährung (Euro) nicht selbst nachdrucken darf. Das wäre also - wieder einmal (siehe schon Euro-Staatschuldenkrise) - ein Fall für die EZB.

  • Hat der Euro als doch Vorteile?

    In dem besagten Beispiel (Nr. 16): Ja - für Frankreich ...

    In dem Sinne, daß inzwischen (war ursprünglich vertraglich durch Art. 125 AEUV mit der sog. "Nichtbeistandsklausel" (No-Bailout-Klausel) explizit ausgeschlossen sprich jedes Euromitgliedsland haftet für seine Schulden selbst) ein Euromitgliedsstaat andere Euromitgliedsstaaten für seine schlechte Wirtschafts- und Fiskalpolitik in Mithaftung nehmen kann (sei es über Rettungsschirme, über Bürgschaften, via der EZB-Bilanz).

    Jedenfalls, wenn man das als "Vorteil" ansehen will - daß andere einem helfen müssen, da sonst das ganze Währungs-Experiment der Einheitswährung zu platzen droht.

    Die Idee oder der Ansatz, den früher stets heilsamen Druck der Märkte durch ein Vertragswerk zu ersetzen (siehe beispielsweise den EU-Vertrag von Maastricht und die Maastricht-Kriterien) muß jedenfalls als gescheitert angesehen werden (die Regeln des als Beispiel genannten EU-Vertrages von Maastricht existieren nur noch auf dem Papier und wurde hundertfach gebrochen).

    Für meinen Teil bin ich da nicht bei einem "Vorteil" - sondern viel eher bei Themen wie der "Tragik der Allmende" und Anreizen zum "Moral Hazard" ...

  • Ich sehe es so, dass DE durch den im Vergleich zur DM wohl schwächeren Euro massive Vorteile im Export hatte.

    Unabhängig von der Tatsache, daß "in der Wolle gefärbte" und überzeugte Eurokraten in Brüssel und Straßburg schon diese Deine Sicht bestreiten würden ...


    Ich sehe es so,

    daß dies - wenn dem denn so wäre - extrem teuer erkauft wurde (nämlich mit einer nahezu unbegrenzten Zwangsgläubigerschaft Deutschlands zur Rettung des Euro und zur Rettung der Eurozone in unveränderter Länderbesetzung) ...

    daß eine starke Währung zu ständigen Produktivitätssteigerungen zwingt, um wettbewerbsfähig zu bleiben bzw. eine für ein Land zu schwache (weiche) Währung die Produktivität eher erlahmen läßt, da dies wie ein künstliches Doping wirkt ...

    daß eine tendenziell schwache und/oder fragile Währung die "importierte Inflation" befördert ...

    daß eine Notenbank mit ihrem offiziellen und primären Mandat (Preisstabilität bzw. Kaufkraftstabilität) schnell in ein Spannungsfeld gerät, wenn sie als zweites, inoffizielles und zusätzliches Mandat auch (notgedrungen) die Rettung dieser Währung in ihrer Existenz als Aufgabe hat ...

    daß das Experiment einer Einheitswährung mit teilweise sehr heterogenen bis teilweise disparaten Staaten, der Umgang mit den eigenen diesbezüglichen EU-Verträgen und der (Dauer)Rettung dieses Währungsexperiments via Fehlanreizen wie "Tragik der Allmende" und "Moral Hazard" (siehe schon Nr. 18) die Leistungsfähigkeit und internationale Wettbewerbsfähigkeit der EU eher schwächt, statt diese zu stärken ...

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